280. Donnerstag den 1. December 1881 Kichener Wyeiger Aiijkizk- uni) AMM fit den Kreis Gießen. —------------------------------------------- Prtis'merleljührlich 2 Mark 20 Pf. mit Dringerlohn. ©urrau: Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». Durch dre Post bezogen r^-rt-lMrlich 2 Älar! 50 p*. Nr 27 deS Reichs-Gesetzblatts, auSgegeben den 26. l. M., enthält: ~ (Nr. 1451.) ®e(anntma(f;unfl, betreffend di- Ausgabe neuer Stempelmarker. zur S-'^chtung d-r Wechselst-mpelsteuer. Vom Si-ß-n. d«n 30. Nov-mber 1881. Großh-rzogliches Gießen. Sanbälf.ite und bat ntdjt umsonst bereit« »>nmal als Relseprediger -ine« neuen Glaubens auf diese Schwäche seine Rechnung gestellt. Warum soll er diese« Verfahren jetzt nicht fortsetzen, um feinen Kops aus der u.iaugenehmeii ^chiwge ,u ziehen, da er weiß, daß bigotter Fanatismus bei dem amerikanischen Volke, möglicherweise also auch bei einer großen Anzahl der Geschworenen, sich der tiefsten Tbeilnahme ersreut? Besteht doch do« Publikum, "eiche« den V'- Handlungen bes Proceffe« mit einer Spannung folgt, al« handle e« sich um ein Schauspiel. g'Lßtentheil« au« eleganten Damen, Ue nicht müde weiden, ihre Operngucker auf den „Gottgesandten" zu richten, während der Hügel sich roch nicht begrünt bat, der Garfield'« Hülle bedeckt I In bet Verhandlung vom Rrdtag »urbc ein Brief verlesen, welcher zeig,, wie Mechode im Wahnsinne de« vlng«Halten ist. Derselbe lautet wie folgt, ..Ich 'chlage vor, daß küns tichin alle Thatsachen den Geichworenen und dem Gerichtshof unterbreit«! ,‘trten. Ich habe meinen Veitheidiger und d.e Zeugen unterbrochen, wenn dieselben Inten. Ich beabsichtigte damit nicht, ihnen irgendwie zu.nahe zu treten. Einige Thatsachen in meinem Lebenslaus, aus denen erhellt, ob ich oder Gott jenen Schuß abfeuerte, sind von wefentluber Wichtigkeit. Ich ersuche den Gerichtshof, die Presie und da« Publikum, einen Rückblick aus mein Vorgänge es Leben zu werfen. Gewisse Zetturg'N tadelten den Prä, deuten im letzten F.ühsahr bitter, weil er durch ungehörige Ernennungeni die republikanische Partei aufgelöst habe. Ich that nur, was, wie sen- Blätter sagte.1 gethan werden mußte. Seit dem Attentat boben sie aus dem Präsidenten einen Gott gemacht. Ich würde niemals aus eigenem Antriebe auf Garfi-ld gef»offen haben, hätte mich nicht Gott >ur Aussuhmng der Thar beauftragt. Ich fürchte nicht den Tod. Ich bin stets ein religiöser Mann gewesenemd habe thätig für Gott gewirkt. Ich bin kein Mörder, Gott der Herr gab mir memc Handlung ein wie in dem Falle Abrahams und andern m der Bibel erwähn,en Fällen. Ich warne", soischloß der Angeklagte, „alle übelgisii nten Personen bei Todesstrafe keinen Mordversuch gegen mich zu wagen. Da die Augen der cioilifirten Welt aus diesen Plvceß geeichte, find, aezi.mt es dem Gerichtshof und der Polizei, mich aus alle ^älle zu beschützen. Ich wünsche, daß der Gerichtshof und die Jury den Proceß im Einklang mit fcen Thatsachen und dem Gesetz erledigen." Als Guiteau später vernahm, daß seine von ihm geschiedene Fr au erscheinen werde, um Zeugnis wider ihn abzu. legen d'ohie er, ihre Vergangenheit auszudecken. Er versuchte, den Rus anzu- greifen 'n dem sie rot ihrer Verheirathung gestanden und wurde von s-ine-r Dertbe.diger Scoville nur nut Müh- bewogen, zu schweigen. Dann ward das Verdör der Entlastungszeugen unter häufigen Unterbrechungen Seitens deS Angeklagten fortgesetzt, woraus die Verhandlung zur üblichen Stande ver- tagt würbe. Aeutschsand. Darmstadt, 29. Novbr. Se. tiön.gl. Hoheit der Grobherzog haben »llergnLdigst^geruhte.^bEr Station«.Vorsteher bei der Main Neckarbahn. Station Darmstadt Ludwig Roth zum Eisenbohn-Baunnister bei den Ober, besflschen E.senbadn.n, den Secreiär bei dem B'tinbs.Jnspector der Ma n- Neckörbahn Ferdinand E-llariu« zum Statiors-Vorstehti, bei der, Mai». Rickarbadu.Station Darmstadt, sowie den Ingenieur bei den Oberhesflsch-n E.ienbahnen Philipp Stahl zum Secreiär bei dem Betrebs > Inspektor der Main.Nickarbahn zu ernennen. Darmstadt, 29. November. Das neueste „Regie,ungsblatt publi. cirt im Anschluß an die vor Kurzem -riaff-ne Verordnung, betr. den GesLLstS. gang bei der Oberrechnung«. Kammer, nunmehr auch eine sehr eingehende Instruction für die Justificaiur dieser Behörde, auf welche bei den vielfachen Beziehungen, in welchen Behörden. Gemeinden und Privatpersonen zu I-ner Behörde stehen, zweckmäßig aufmerksam gemacht wird. Die Jlistruction be- ait ft im Gan,'n 36 Paragraphen, welche sich auf die zwei Abschnitte, Obli-> aenh-it-n des Dirigenten und d-r R-v.denien, veriheiien. Von hier wird dem „Frkstr. Jou.n." berichtet: Der in der nächsten Woche flaitfincei de Zusammenlrit' des F.nanzausschnsie« zweiter Kammer wird, ,oi« roir 16,en, noch nicht d.r definitiven Feststellung der Berichte über da« Budget gewidmet setn. indem diese Feststellung eist einer etwas späteren Zett überiafien bleibt. Vielmehr betrifft feuer Zusammentritt die Stellung, weiche lta Td-il de» Finanzausschnffe« zu der diesigen technischen Hochschule e nge- nommen hat, idem er durch Herbeiführung der Nichtbewilligunrierfur dieses Institut geforderten Mittel die Ausdebm g beffeiben durch,uletzen iudjt. . SDie Reg'erung hat beantragt, vor definitiver Beschleßsaffung im Ausschuß gehört zu werden, und zu tie'em Zwecke find er ei. e gem.inschastl che Sitzung von Ausschuß und Regierung statt. Di- obenerwäbnt- Tenben.etnes The.les d-S Ausschufi's bat auch den Oberbürgermeister Ohiy veranlaßt, für gestern Abend eine Versammlung ton einflußreichen Männern behuf« Bcrathung der einzuschlagenden Schritte einzub-rusen, welche in vollster U'beresttst,mmung d Wadi -ine« auS 7 Mitgliedern zusammengesetzten Com.lS« beschlvffen und alsbald vvrgenommen hat. Main», 27. November. Die osficielle Verkündigung des Tages der Nachwadl (8. December) bat in unserer Stadt schon wieder «ine lebhafte Be- wegung dervorgerufen. Heute Abend werden die VerlrauenSmL. ner der Mtra, montanen zusammentreten, um wegen dieser Wahl -in- 1U halten, benn wie verlautet, soll Herr Oberlandes-Gerichsrath Ajt. ^art feine Lust mehr verspüren, sich ausstellei, zu lasten. denn günstiger furtbn wird sich biefe Wahl sicher nicht stellen, wie am 27. Oktober, man spricht sogar ton Wablenibaltung wegen Mangel eines geeigneten Eanb'baden. rlm rübr asten werden weil wieder dl- Socialdcmokr-ten fein; mit welchem Etf°^e ist allerdings sraglich, denn d.e Adiehrung Li.bknech.'S wird mch so -'ch »ergesien Der ganze Generaistab d,r Soc.aldemokraien, fast a^ Führer werden während der Wablcampagn- in Mainz zusammenkommen. B-bel und Deutscher lltidjstag. 5. Sitzung vom 29. November. Am Bunbesrothstische: Die Staatssecretäre o- Böttcher und v. Schelling, ,väter sturst Bismarck. Präsident v. Levetzow eronnet die L'tzung um 1z 2 Ubr . , - ki Klbft b,e ^^igm Worte, welche Reichskanzler tfurft mnTT»hner§ ßrrrn Rickeri, gehört habe, muß ich annehmen, daß°di" ÄnstE d^ Wahlcommissare, :efT. des statistischen Bureaus angezweiselt Liebknecht werden schon morgen erwartet. . Berlin, 27. November. Laut amtlicher Mittheilung find in Brasilien solche Maschinen zur B-arbe'tung des Bodens und zur Aufbereitung der '' zengniff- des Ackerbaues, für den Bergbau, welche durch Gas, Dampf, Waffe , lüft, Wind, Electricität, thierisch- Kräfte und irgendwelche -vd-re feste, b-vng licke oder tragbare Motoren bewegt werden, letztere einbegriffen, hei,»»" Sn fubrabgaben. ferner Destlllirblasen, Schmelzöfen, Retorten K.ffel, Mühlen un andere nicht classificirte Gegenstände zum G'brauck- des Ackerbaues und der Äabr-ken — Dem für 1880 erstatteten amtlichen Jahresberichte aus Bangkok (Siam) ist ,u entnehmen, daß bedauerlicherweise keine andere Nation ani bem Nückaanae des ScktffSverkehrs in dem Maße wie die deulscbe bethemgl Nt- Em Aufschwung wird dagegen erhofft, trrl mehrere bedeutendsten ot lgen deutschen Firmen wegen Ankaufs größerer -uropäischer Dampfer unterhandeln bie zum regelmäßigen Verkehre zwischen Bangkok unb ten großem ost- und südafiatischen Hardelrplätzen verwandt werden. Di- siamesische Regle,ung soll die Adficht haben, Bangkok mit dem im Nordosten gelegenen Corat durch eine Menbahn zu verbinden : di- Ausführung ist fedoch fraglich. Günstiger sch-m-n fedoch die Aussichten für eine telegraphische Verbindung Bangkoks mit der Außenwelt. Amerika. Washinaton, 26. November. Es flieht S^auköpfe, di- Alles^ zu pfiffig ^stellen und g-rad- deshalb ertappt werden. Wenn nicht Alles trugt, gehört Guiteau zu dieser Klaffe. Er kennt die bigotten Narrheiten seiner wurde. Der Vorredner verbat sich auch dm Namen, der für seine Partei ongewendet wird, ich habe aber nicht gehört, wie die Herren künftig benannt zu werden wünschen. (Heiterkeit) Bezüglich der angezweifelten Zahlen bitte ich Sie, sich einmal daran zu erinnern, daß ich nur runde Zahlen überall angegeben habe, dann aber, daß ich nur die Wahlen vom 27. October im Auge halte. Es folgten 100 Stichwahlen, die können aber nicht mitrechnen, weil die Wähler bei den letzteren gezwungen sind, für diesen oder jenen zu stimmen, dessen Ueberzeugung ihnen gar nicht gefällt. Die Wahlen vom 27. Oktober brachten für die Secessio—, für die Partei des Herrn Rickert, 370,000 Stimmen, die bei den Stichwahlen auf 420,000 gewachsen sind. Viele von den letzteren haben für die freihändlerische Partei gestimmt, weil keine ihnen näherstehendc vorhanden war Ich bitte aber doch, nicht so ohne Weiteres amtliche Angaben anzuzweifeln, und vor Allem nicht bei der Reichsstatistik. Bei dieser ist eine Färbung niemals vorgekommen, wohl aber bei andern- Ich bitte Sie also, solche Zweifel zu unterlassen, das kommt nur aus der Verdrieglichkeit über die Resultate der Wahlen. (Heiterkeit und Beifall rechts.) Abg. Rickert hat keine Veranlassung, verdrießlich zu sein über den Ausfall der Wahlen für seine Partei, für die er persönlich den Namen der freihändlertschen accep- tire- Es habe eine Zeit gegeben, wo einer solchen der Reichskanzler Vorkämpfer war. Er sei nicht in der Lage, die Meinung so schnell zu wechseln. Im officiellen Berichte des Reichstags heiße seine Partei die liberale Vereinigung. In der Frage betr. des statistischen Materials könne leicht eine Entscheidung herbeigeführt werden wenn dasselbe dem Reichstag vorgelegt würde Auf seine Partei seien bei den Wahlen am 27. Oktober 437,000 Stimmen gefallen. Er habe auch gesagt, daß die Deutsch- Conselvatlven zu ihrer Partei Abgeordnete zählen, die notorisch zur Deutschen Reichspartei zählten, ja sogar einen Liberalen- Es liege ihm fern, den Wahlcommissaren tendenziöse Absichten beizuleqen, aber irren könnten sie auch. Reichskanzler Fürst Bismarck: Ich kann nur wiederholen, daß das Material dem Reichstage mttgethetlr wird. Ich mache den Vorredner daraus aufmerksam, daß diese kurze Debatte selbst dazu benutzt wird, um gegen mich persönliche Insinuationen zu werfen. (Oho! links.) Derselbe macht mir den Vorwurf, daß ich meine Ueberzeugung leichtfertig geändert habe, ist das kein persönlicher Vorwurf? Weßhalb also die unartikulitten Töne, mit der Sie (zur Linken) mich begrüßen. Das ist überflüssig, es kommt nicht darauf an, ob ich leichtfertig bin oder nicht, es kommt darauf an, rote meine Vorlagen sind. Ich mag immer Unsinn geredet haben, nur auf meine Vorlagen kommt es an. Und immer höre ich nur persönliche Angriffe, Kritiken meiner Person. Hierauf will ich nur antworten, was ich schon öfter gesagt habe. Die ersten Jahre meiner Thätigkeit wurden von den auswärtigen Angelegenheiten absorbirt. Ich habe nicht die Zeit gehabt, mich zu kümmern um die inneren Angelegenheiten. Diese glaubte ich m guten Händen. Die Thatsachen brachten mich zu anderer Ansicht. Ich muß mich immer über die Herren wundern, die mit übermenschlicher Sicherheit und Weisheit schon vor 20 Jahren erkannt haben, was sie heute über die Dinge denken. Die Reichspolitik gebt mit der Zeit vorwärts, die Fortschrittspartei würde besser Hemmschuhpartei heißen. (Heiterkeit und Beifall rechts.) Abg. Richter: Es seien persönliche Momente durch den Reichskanzler in die Debatte geworfen worden. Die Freihändler hätten 1875 noch der Führung des Reichskanzler sich zu erfreuen gehabt, und werde er schließlich bei fernerer Beschäftigung mit diesen Fragen zu seinen früheren Ansichten gelangen- Die Schlüsse, die der Reichskanzler aus den Ziffern der Wahlen ziehe, seien falsch, es können nur die Hauptwahlcn berücksichtigt werden, die Stichwahlen seien nicht entscheidend, da haben ja Tausende Conservative für Sozialisten gestimmt. Interessant wäre es, die Verluste der Frei- konservativen zu erfahren. Fürst Bismarck: Hr. Richter habe wieder nur eine Kritik an der Person des Kanzlers geübt, nur der Schluß seiner Worte sei sachlich gewesen. Die Liberalen zögern so lange mit ihrer Meinungsbildung, bis sie die der Regierung kennen, dann sei ihre Meinung gegen die Regierung gerichtet. Er habe die Noth des Landes gesehen, das Niederliegen der Industrie, aus praktischen Erfahrungen heraus habe er seine Ueberzeugung gewonnen. Das Vorbringen der Zahlen in der gestrigen Debatte sei erfolgt, um der Selbstüberhebung auf Seiten der Liberalen zu begegnen, die sich als die Repräsentanten der Nation ausgeben. Die Freikonseroativen hätten allerdings 438,000 Stimmen verloren; das sei eben das Schicksal aller Mittelparteien, daß sie den Extremen weichen müssen. Die Liberalen gleiten immer mehr nach links und werden immer weiter gleiten, bis sie dahin kommm, wo sie in Frankreich sind. Neigen sich die Gewinne mehr nach der Rechten, so sei die Gefahr vorhanden, daß die Herren von der äußersten Rechten die Oberhand gewinnen. Er bedauere als Patriot den Rückgang der Mittelparteien. Bei den Stichwahlen, so bemerkt der Reichskanzler schließlich, habe jede Partei für Sozialisten gestimmt, nicht allein die Konservativen. Der Abg. Wmdthorft wünscht, daß mehr über die Vorlagen gesprochen werde und nicht bei jeder Gelegenheit die Streitfrage über Freihandel und Schutzzoll vom Zaune gebrochen werde. Mögen dock d e Freihändler bestimmte Anträge auf Revision des Zolltarifs stellen und sehen, ob sie die Majorität auf ihrer Seite hätten. Er zweifele, daß sich diese Majorität finden werde. Er, Redner, wünsche die Bildung einer großen liberalen Partei, weil dann eine große konservative Partei sicher wäre, die allerdings erst möglich, wenn die politisch-kirchlichen St eitigkeiten beseitigt werden. Das ist die conditio sine qua non für das Aufgeben des passiven Widerstandes der Katholiken Deutschlands. Abg. Hänel: Früher habe Abg. Windhorst versucht, mit der Fortschrittspartei, der einseitigen liberalen Partei, dem Reichskanzler Opposition zu machen. J'tzt sei das anders geworden. Keine Partei könne selbstständige Politik treiben, nur eine unnatürliche Koalition könne solche Hervorrufen- Die liberal Partei habe protestantische Kräfte zu ihrer Verfügung, die, wenn sie aufaerufen nihben, doch ebenso stark sein würden, wie de ultramontanen, hinter dem Eentrum stehenden. (Beifall links) Er habe die Ueberzeugung, daß der Kanzler heute wiederum einen Angriff gegen die Fort- fchrlttspcntei vom Zaun gebrochen. Der Vorwurf der republikamschen Partei sei schon alt, ja von jedem Diktator einer liberalen Partei von den Junkern der Stein-Harden- berg'schen Richtung gemacht worden Der Kanzler habe jede Partei fast benutzt jetzt thue er mit dem Centrum gut, aber er fei überzeugt, daß er auch zu ihm sagen werde, wenn er es benutzt habe: „Weg mit ihm!" Dies sei das Verderbendes Konstitutionalismus. Der Kanzler verschließe das Ohr des Monarchen den wahren Liberalen, dessen klage er den Kanzler an. (Beifall links ) Reichskanzler Fürst Bismarck: Der Vorredner hat es geleugnet, daß die Fortschrittspartei republikanisch sei und mir diktatorisches Handeln vorgeworfen. Ich halte mich an die geschriebene Verfassung Deutschlands, die aber von dem parlamentarischen System wie es dem Vorredner vorschwebt, nichts enthält. Die Politik, welche im Reiche aufrecht ^^lten wird, ist von mir als Reichskanzler zu verantworten. Ich bin verantwortlich für tue Politik des Kaisers und man wird mich immer dazu bereit finden, die Verantwortung zu übernehmen, ^hr Prinzip ist nicht monarchisch. Ihre Auffassung vom König ist die der englischen Aristokratie, die denselben in ihrer Gewalt haben und sich zwischen König und Volk schieben wollen. Bei uns ist das glücklicherweise nicht möglich. Meine Ueberzeugung hat sich durch mein langjähriges Zusammenleben mit dem Kaiser herausqebildet Es bedürfte für mich nicht einmal des Gefühls des Untertanen gegen den Herrscher, um mich seinen Gedanken zu beugen, ©eine Politik, die des Kaisers, kann nicht in'S Leben ' treten, wenn der Kanzler nicht die Verantwortlichkeit übernimmt, der Kanzler aber kann keinen Schritt thun, ohne daß der Kaiser mit ihm einverstanden ist. Es wird ihnen nicht gelingen, zu verhindern, daß der Kaiser zum Volke spricht. Mein angeftammter Herr wollte einen Diener er fand Keinen vor mir, da bot ich mich an. Dieser Qua der Dienst- bereitschaft, der Vasallenschaft, hat mich bewogen, mich in des Kaisers Dienst zu stellen Ich hoffe nicht, daß dieser mit mir ausstirbt, aber so lange ich lebe, wird eS keinen besseren Royalisten geben, als mich. Der Kaffer versteht die Situation und kennt die Gefahr welche dem Lande von der extremen liberalen Partei droht. Meine Pflicht wird es sein sie zu verhüten. Außerdem, m. H., Sie haben ja hier ein großes Sprachrohr um des Kaisers Ohr zu erreichen. Weßhalb stellen Sie nicht, anstatt meine Person zu'kritisiren Anträge, Sie konnten eine Adresse an Se. Majestät richten. Was soll denn das heißen' daß ich deS Kaisers Ohr verschließe. In der öffenllichen Presse macht sich das schön' 1830 und 1848 habe ich diese Worte gegen Minister richten gehört, das gehört aber nicht mehr in unsere Zeit. Durch ihre Art und Weise wird die ganze Sache in republikanische Bahnen gleiten. Hierin spricht für mich die Geschichte, die Doktrin der Wissenschaft fiat sich soeben dagegen geäußert. Und mich nennen Sie einen Diktator, wenn ich Fhnen nur widerspreche. Womit soll ich mich beschäftigen, wenn ich Ihnen nicht Vorlagen mache? Wenn ich das nicht thue, so wird die Stagnation in die Geschäfte des Reiches eintreten Aun sagen Sie, ich sollte mich einer großen Strömung im Lande anschließen. Ich sehe < aber 8 ober 10 größere ober kleinere Fraktionen. Wo ist bie Fraktion, an bereu Spitze, ober wie Sie wollen, in bereu Gefolge ich regieren sollte? Ich mußte boch bisher immer balaueiren. Ich habe schon früher gesagt, baß ein Parlament, wie cd in Englanb besteht, nur so lange eriftiren kann, als es nur 2 Parteien in bemfelben gibt. Und wenn einige 1 von Ihnen Minister wären, so würben Sie zunächst Ihre eigene Partei bekämpfen müssen. Wo es, wie in Deutschland für eine Schmach gilt, ministeriell zu fein, ist es unmöglich, burch Parlamente zu regieren. Verlangen Sie vor Allem nicht von mir eine Konsequenz macherei, ich werbe stets bas thun, was ich für uothig halte. (Beifalls rechts.) Abg. v. Maltzan will versuchen, bie Debatte zum Gegenstände der Tagesordnung zurückzuführen, sieht sich aber gleichfalls gezwungen, den Ausführungen der Herren Ricker: und Hänel entgegenzutreten und nochmals bie Frage der Wahlstatistik wie bas proteftaiv tische Bewußtsein zu erörtern. Abg. Rittinghauseu präsizirt bie Stellung bet Sozialbemokratie zu ben in ber kaiserlichen Botschaft angefünbigten Gesetzesvorlagen. i Abg. Reicheusberger fonftatirt, baß das Eentrum nie aggressiv dem protestantischen ‘ Bewußtsein entgegengetreten fei, und das Niemand ein Recht habe, ben Katholiken mit ; dem Protestantismus zu drohen. Er erinnere, daß die Liberalen es gewesen, welche drei i wichtige Fundamentalartikel der Verfassung beseitigt, ben Liberalismus verleugneten. Er i wünsche zwei Parteien, von benen bie eine schließlich für bas Kreuz, die anbere für ben ’ Materialismus eintrete. Abg. Richter protestirt gegen bie Parole für ober toiber bas Kreuz; feine Partei | sei eine politische unb feine Religionspartei, ber Name Gottes habe in ber Debatte nichts i zu thun. Der Reichskanzler sollte bie Partei nicht verbächtigen als republikanische unb ; damit bas Ohr des Kaisers nicht von vornherein verschließen. Die llebertrcibung des \ monarchischen Princips, der Napoleonismus führt zur Republik und nicht der Eonstitutio- - nalismus. Für Bismarck sei alles Machtfrage-, bie Liberalen haben keinen Ehrgeiz, Mi- , nifter zu werben, am wenigsten unter Bismarck. Eine Gefahr ber Beeinträchtigung ber j Krone liege nicht bei ben Liberalen, fonbern in bem persönlichen Regierungssystem bes Reichskanzlers-, nur weil wir bie Ueberzeugung hegen, baß bas Hohenzollemthum keine Hausmeierei bulben, bleiben wir unbesorgt, so wenig wie wir fürchten, baß ber Kronprinz sich in bie Politik bes Kanzlers schon jetzt Hineinreben lassen werbe. Das Volk wolle Ruhe, nicht neue Projeete unb seine Partei wolle basselbe. Abg. v. Minnigerobe verbietet es sein Taktgefühl, auf bas Hineinziehen des Kronprinzen in bie Debatte zu antworten. Er weist darauf hin, daß von der Fortschrittspartei die Religion in die Debatte gezogen fei. Hierauf wird die Diskussion geschloffen und nach einer persönlichen Bemerkung des Abg. Rickert Tit. 1—9 der Ausgaben bewilligt. Bei Tit. 10 (Entschädigung der freien Fahrt der Reichstagsabgeordneten an bie Privateifenbahnen 48000 JC) erklärte Abg. Meyer ((Stuttgart), baß wenn bie Fortschritts Partei nicht ben Antrag auf bie Bewilligung ber Diäten an die ReichstagSabgeordneten, in dieser Session stellen würde, ihn die Volkspartei aufnehmen würde. Nach einer längeren Ausführung des Redners, welche sich namentlich auf die Widerlegung von Gründen, bie gegen biefcii Antrag sprechen, beschränkt, wirb Rebner vom Präsibenten barauf aufmerksam gemacht, daß er diese Aeußerungen besser bann anbringen könnte, wenn ein solcher Antrag eingebracht würbe. Rebner verspricht, einen solchen Antrag einzubringen am Schluß feiner Rebe unb fährt mit seinen Ausführungen fort, bis ber Präsibent barauf aufmerksam macht, daß ein solcher Antrag auch nicht in zweiter Lesung gestattet sei. Darauf stellt der Redner eine Resolution, in der der Reichskanzler ersucht wird, dem Reichstage noch in dieser Session eine Vorlage über Bewilligung von Reichstagsdiätm zugehen zu lassen, in Aussicht. Hierauf werden die Ausgaben und Einnahmen des Reichstages bewilligt, ebenso einige Ausgaben des Etats für den Reichskanzler. Dann wird bie Sitzung auf Mittwoch 12 Uhr vertagt ^T. O.: Anleihegesetz, Rest der heutigen Tagesordnung). Schluß 41/4 Uhr. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Correspondenz-Bureau. Berlin, 29. November. Dem Kaiser ist die gestrige Ausfahrt gut bekommen. Se. Majestät hatte eine gute Nacht und empfing heute die üblichen Vorträge. — Gegenüber dem gestrigen Artikel der „Post", in welchem Prinz Radziwill als wahrscheinlicher und genehmer Fürstbischof von Breslau bezeichnet wird, sagt die „Nordd. Allg. Ztg.", es sei kaum anzunehmen, daß die höheren gesellschaftlichen Kreise an die Möglichkeit glruben könnten, daß Prinz Radziwill ein für die Regierung möglicher Candldat für den Breslauer Bischofssitz sei. Seine Beziehungen zur kaiserlichen Familie könnten das Gewicht seiner politischen Antecedentien nur verschärfen. Abgesehen von seinen Parlamentart' scheu Antecedentien sei es im Hinblick auf die in den letzten 10 Jahren zu Tage getretenen polnischen Bestrebungen in Oberschlefien, welche besonders durch die geistliche Leitung allgemeine Förderung erhielten, für die preußische Regierung eine unbedingte Unmöglichkeit, einen Ge stltchen polnischer Abstammung auf den Breslauer Bischofssitz zuzulaffen- Baden-Baden, 29. Novbr. Nach dem heute veröffentlichten Bulletin macht die Genesung des GroßherzogS nicht unerhebliche Fortschritte. Der Appetit ist recht befriedigend. Der Großherzog kann reichlichere Kost gut vertragen. Nachts, und mitunter auch am Tage, machen sich noch rheumatisch- neuralgische Schmerzen im linken Bein bemerkbar, welche indessen stets bald wieder verschwinden. Die Kräfte nehmen langsam, aber stetig zu. Der Großherzog konnte schon wiederholt des Nachmittags einige Stunden auf dem Ruhebette im Nebensalon zubringen. Dresden, 29. November. Das Schwurgericht verurtheilte von sechs bet den Ruhestörungen anläßlich der Reichstagswahlen, am 27. Oktober, verhafteten Personen eine zu 21 Monaten Zuchthaus, zwei zu je 18 Monaten Zuchthaus, zwei tu 1 Jahr und eine zu 4 Wochen Gkfängntß. Köln, 29^ November. Der „Äöln. Ztg." wird aus Wien gemeldet, von zuverlässiger Sette werde versichert, daß bte Nachrichten, welche Seitens einiger Blätter über Schritte der Kurte bei einzelnen Regierungen wegen Verlegung deS Sitzes des Papstes etwa nach Malta, Salzburg oder Fulda verbreitet wurden, durchaus falsch und lediglich auf Schritte der Kurte zurückzu- führen seien, welche diese Gerüchte selbst ausgesprengt habe, um auf Italien einen Druck auszuüben. Nirgendwo fei etwas Officielles geschehen und es werde auch nichts geschehen, da die große Mehrheit der Mitglieder des Kardinals-Collegiums entschieden gegen eine Verlegung des päpstlichen Sitzes sei und außerdem die kühle Aufnahme einer derartigen Anfrage deS Papstes bei allen Mächten nahezu gewiß erscheine. London, 29. November. Der Hamburger Postdampser „Lessing" hat auf der Fahrt nach New-Dork das Steuer verloren und ist nach Plymouth zurückgekehrt. — Der Mörder Gold's, Lefroy, ist heute Morgen hingertchtet worden. Paris, 29. November. Die Gruppe der „Union r^publicaine" des Senates hat sich für eine Revision der Verfaffung ausgesprochen. — Die Commission für die Berathung des französisch - italienischen H indelsoertcagcs hat beschlosst«, die Annahme des Vertrages ohne jede Modtfication zu empfeh« len und wird ihren Bericht am Donnerstag vorlegen. — Der Eisenbahnverkehr zwischen Ventimiglia und Bordighera ist in Folge von Ueberschwemmungen unterbrochen, eine Brücke ist eingestürzt. — Nachrichten aus Tunt- zufolge ist eine französische (Kolonne in R-sta, an der Südgrenre von Tunis, angekommen und hat daselbst proklamtrt. d^ß Frankreich da- PoteNorat übernehme und bie Anhänger Frankreich-, welche von den Aufständischen geplündert worden, schadlos Kalten werde.____ Ter Jahresbericht des hessischen Sabrit-^nspectors. I« dem zweiten Band der „Amtlichen Mutdeckunzen au» den Iahtest enchten der mit Beauffichtiaunfl der Finken betrauten Beamten für Ih*O*, Beelm be, Fr. Kettkarnpf, ist L»uck der Bericht de» hessstchen Fabrik .Inspektors mlipetheilt. Die „*!). 3«g.• entnimmt aal demi'lden Nachstehendes, dal von allgemeinem Int,reffe ist: Der Fabrik Inipectot revtdtrte im Jahre 1*80 23* Gewerbebetriebe mit annähernd 7500 «rde tern an 96 Reisetagen Mehrfach ergab sich Gkleeenheit, IbeUl auf besonderes Aaftkhrn von Industriellen und Behörden, theill aul eigenem Antnede, durch «ulfunft und ftatb behuis Beseit gung von Mißständen'oder bei neuen zweckdienlichen 6in"chtunaen, bei Ent» wurf, dezw. Abänderung von Weikordnungen, bei Schlichtung von nachbarlichen Streitigkeiten, Begutachtung rechtlicher Fragen, oder Aulkunft und Ratd wegen gesetzlicher oder Be,waltungs» vorichrlften und dergleichen mebr den Interessenten dienlich zu fein Trotzdem vielfache flu»r stellungen und hier und La auch Strafanträge nöthig gewesen, wird doch der Berkehe mit den Industriellen im Allgemeinen al» ein durchaus befriedigender bezeichnet Meist in Hastpflichts- fragen. in einzelnen Fällen aber auch wegen velriebbgefab'en und theilweise auch wegen Arbeitlmangel wurde der Rath des Fadrikinspeetors von Arbeitern in An'pruch genommen. Der Bericht sagt darüber: P€>o wünfchenswertb und für die Aufdeckung von destebenden sanitären, sicheihettlichen und sittlichen Mißständen wichtig die AnbrinqungLvon Magen seitens der Arbeiter ist, so mißlich ist e» selbstverständlich für den Fabrik.Inspektor, die Arbeiter etwa direkt zu Magen zu veranlasien, wenn er sich nicht das Dertrauen der Arbeitgeber verscherzen will.- In dem Procentsatz der jugendlichen Arbeiter ist eine gewisie Abnabme zu bemerken gewesen. Der Bericht sieht darin zum Tbetl die Folge mehrfacher, auf Grund der gewerbe- vrsnunglmäßtgen Bestimmungen gegen die seitherigen Usancen nothwendia gewordener (5t innerungen und Abänderungen, bezw der durch das Gesetz den jugendlichen Arbeitern gewährten Ausnahmestellung, welche den Industnellen nicht zusagte, auch wohl wegen der dadurch bedingter Ungleichmäßigkeit in der Behandlung gegen die andern Arbeiter, nicht minder wegen der Aussicht ourck d,e Staatsbehörd- unbequem und störend (ein mag. Dieser Rückschlag wird tid) nach der Ansicht de» Berichterstatter» auf die Zeit des UcbergangeS beschränken und t» wird ein Ausgleich staltfinden, sobald mehr Spannung in die geschäftlichen BerhLltnisie kommt und mehr Nachfrage nach Arbeitskräften entsteht, feiner die heilsamen Anschauungen und Bin« richtungen der Gewerbe Ordnung mehr Boden gefunden haben weiden. 68 sei umsomehr zu erwarten, daß die Beschäftigung der jugendlichen Arbeitskräfte mit der Zeit sich naturgemäß entwickeln werde, als für manche Zwecke die gewandten, feinfühligeren und bei Fabrikation», zweigen mil leichterer Kraft Inan'p'uchnahme entsch eden billigeren jugendlichen Kräften älteren Arbeitskräften zweifellos vorzuziehen seien. Nach der Ansicht de» Bericht» ist deßhalb unbeirrt auf dem von der Gewerbe-Ordnung vorgeschr«ebenen Weoe sorlzufahren. Bei den Revisionen ergab sich namentlich in den Städten eine Besserung in Bezug auf da» Dorbandensein von Arbeitsbüchern und -Karten Gleichwohl war immer noch eine größere Anzahl von Unregelmäßigkeiten zu konstanten; verschiedentlich fehlen die Arbeitskarten und .Bücher, di.- Placate, die Einträge der Zeit des Gintritts, die Unterschriften feiten» der Bücher- wie der GeschLftlinbaber. Auch sanden sich Fehlit der Ortsbehörden be, Ausfertigung der Bücher und Karlen In zwei Fällen waren sogar Blanko Büchet zur bdiebigen Bedienung verabfolat worden Geklart wird, daß die Ortspolizeibehörden, namentlich d»e auf dem Lande, es noch zu sehr an der nöthtgen Mit.Lontrole fehlen lassen. Was den Schutz oer Arbeiter gegen Gefahren betrifft, so constatirt der Bericht eine Befferung, die sich theils durch d,e Erinnerung n bei Gelegenheit der früheren Revisionen, theil» 'chon durch das bloße Bewußtsein, einer Aufsicht de» Fabrik-Inspektor» unterworfen zu sein, ferncr durch die weitere Berbreitung der Kenntniß von der Art der gesetzlich verlangten 6inrichtung, und durch die sich mebrenden, größtentheils zu Ungunsten derjenigen Fadttkoesitzer, die nach dielet Richtung eewal verfehlt batten, entschiedenen Haftpsticht.Rechtlfälle erklärt. Unfälle sind im Jahre 18*0 nur verdallnißmäßig wenige vorgekommen, von denen nut eine geringe Zahl tödtl chen AuSgang halten Im Abschnitt» »Genebmiqungspflichtige Anlagen- dringt der Bericht auf bir obligatorische, dokumentarische Festlegung der Ausdebnung und Rechtsüdungen der Unternehmungen vor Gintrilt ihrer Genehmigung»,Wichtigkeit, und damit die sich lediglich danach bemesienden that sächlichen Berechtigungen oder Beschränkungen, da andernfalls die concesflonspfiichtig gewordenen, früher nicht koneeisionspflichtigen Anlagen auf die Dauer den Freibrief zu jeder Dillkür und eine unberechtigte Ausnahmestellung erhielten. 61 wird sodann Beranlasiung genommen, die Beseitigung de» älteren sog. Atsen'verfahrens in der Anilin-Farben Industrie all notdwendia zu schildern, und wird es schließlich al» sehr wünschenswert!) dargestellt, Fabrikation. Berkaus und Berwendung des Ars'nqrüns (Schweinfurter Scheel schen Grün» :c.) durch Verordnung zu verbieten oder zu regultren. Interesiant ist noch die Mittheilung, daß in neuester Zeit in Rücksicht auf die in nahe Aussicht gestellte staatliche Versicherung eine kleine Stauung in dem bisherigen Unfallversicher, unqlwesen eingetreten sei. Lokale-. Gießen, 30. November. (Sterblichkeit in Gießen.j In der Woche vom 20. bis 26. November gestaltete sich da» Sterdlichkeitlverhältniß wieder erheblich besser, als in der unmuteibar vorauSgegangenen Woche. 68 starben nämlich nut 5 Personen, darunter ein fünfjähriges Kind an Diphtheritis Außerdem war Altersschwäche zweimal, Lungenschwindsucht und Blutvergiftung jt einmal Todeluriache. Handel und Verkehr. Herborn (an der Köln Gießener Eisenbahn), 2*. Rov. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 294 Ochsen, 323 Kühe und Rinder, 579 Schweine. Der diesjährige WeihnaLlsmarkt wird am Donnerstag, den 22. Dezember, und der Neujahrsmarkt am Donnerstaa den 29. Dez^mbrr abgehalten. Auf den 12 Jahrmärkten in 1881 waren zusammen 3907 Ochs'N, 4333 Kühe und Rinder und 9'j44 Schweine aufgetrieben. Frankfurt a. Wt., den 30. Noobr., Nachmittags 2 Uhr — Min tlekgr. Cou, «bericht Mitgetbelt durch da? Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gitzcn.i Credit actten ßlO’/t. SraatSb. Actieu 277'/«. Galizier 263V*. Oesi ©ilberrcntr B67/«,, 4°/e Ui ga - Goldiente 77Vs. 4% 1880er Russen 73s/s. 2. Orient-Anleihe 593/i6, * 5% Rumänische Rente 881l/te. Lombarden 129V», Spanier 29V,« Tendenz malt. □ Tie auf Grund neuer wiss.nschaftltcher Forschungen dargestellten und von vielen Herren Aerzten warm empfohlenen W- Voß'schen KatarrhviUen, welche den so lästigen'Schnupfen in wenigen Stunden beseitigen und heftige Lungen-, Rachen- und Kehlkopfkatarrhe binnen kürzester Zeit in die mildeste Form Überführen, sind (fr Dose 1 Jt) in den Äpotbeken zu Gladenbach, Frohnhausen, Marburg (Einhorn-Apotheke), Frankfurt (Adlerapotheke) und in den übrigen bekannten Apotheken zu haben. Daselbst wird auch eine kleine Broschüre über dieses neue Heilverfahren von l>r. weck. Wittlinger unentgeltlich abgegeben. (7223 Kirchliche Anreigen der rvsng. Gemeinde Gießen. Donnerstag den 1. Dezember, Abends 6 Uhr: Im Saale des Gymnasium«: Bibel-Stunde. Pfarrer Schlosser. (Das Gleickmiß vorn unbarmherzigen Knecht. Math. 18, 21—35.) Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. Die Erhebung der Forst- und Feldstr äsen der letztverfloffenen Periode geschieht an den gewöhnlichen Zrhltagm b:S 25. dieses Monats. Großherzogliche Districts-E nnehmerel I. Walther. Bekanntmachung. Zur Bezahlung der Zinsen, welche von bcn bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Kapitalien am Ende dieses IthreS fällig werden sind nachstehende Hermine festgesetzt, und zwar: Samstag den 3. Dezember 1881 Dienstag ff 6. n w M ttwoch * 3 - ■ Donnerstag M 8. h e Samstag M 10. ■ ■ Dienstag ff 13. ■ w Mittwoch 14. ■ w Donnerstag ff 15. H W Samstag * 17. * • Dienstag ■ 20 w ■ Mittwoch M 21. H H Donnerstag M - w Samstag 24. ■ ■ Dienstag 27. ff w Mittwoch n 28. „ ■ Donnentag H 29. ft " Samstag H 31. ■ sowie Dienstag ■e 3. Januar 1882 Mittwoch M 4. ■ H Donnerstag H 5. ff ff Samstag ff 7. ff ff Dienstag M 10. ff 99 Mittwoch rt 11. M 99 Donnen'tag ■ 12. 99 99 Samstag H 14. ff w Die Interestenten werden daher aufgefordert, die Zahlungen an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vorzeigung der Schuldscheme sich zu legitimtreu. Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Jmerestenten der Stadt Gießen, dagegen die übrigen Zahltage für die Auswärtigen bestimmt sind. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, Dieses in ihren Gemeinden auf orts- .übliche Weise bekannt machen zu lasten. Gießen, den 29. November 1881. Der Rechner der Spar- u. Leihkaffe. Kehr. ßeeeeeeeeeeaeeeeee Zn der privalklagclache des EigarrenmacdelS Kaspar Philipp Becker von Altbuseck, Privatkläger, gegen die Luise, Johannes Horn II. Frau, Angeklagte, wegen Beleidigung oat das Großh. Schöffengericht zu Gießen am 15. November 1881 sür Recht erkannt: Angeklagte ist überführt und wird zu 9 JL Geldstrafe eoent. zu 4 Tagen Haft und in die Kosten verurtheüt. Zugleich wird dem Privatkläger daS Recht zuerkannt, den entscheidenden Tyetl dieses UrtheilS einmal auf Losten der Angeklagten im „Gießener Anzeiger" binnen einer Woche von Zustellung dieses Auszugs ab öffentlich bekannt machen zu laffen. Die Richtigkeit der Abschrift der Urtheilsformel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urtheils be- scheinigt. Gießen, den 23. November 1881. 7839) Neidhart, 'Aerichtsschreiber deS Gr. Amtsgerichts. Frcilsg bcn 2. Dezember, Vorm.tla^s 9 Uhr, sollen im alten Rathhaus versteigert werden: 1 Loos Erdauffüllung, veranschl. zu JL 1217.70, und 2 Loose Straßenkehren. Gießen, den 28. November 1881. Großh. Bürgermeisterei Gießen. 7795) A. Bramm. Freitag den 30. Dezember, Vormittags 11 Uhr, soll auf hiesigem Ortsgericht die Hofraithe des Johann Josef Wolf dahier: Flur 39 182,s, 681 Mlr Hofraithe, links des Wiesecker Wegs, 39 182,7, 1475 Mir Grabgarten das. meistbietend versteigen werden. Gießen, den 15 November 1881. GroßherzogltcheS Oltsgericht. 7564) Muller. Donnrrllsg den 1. Dezember, Nachmittags 2 Uhr, sollen in der Flett'schen Hofraithe dahier 1 Kommode, 1 Kleiderschrank, 27 Malter Kartoffeln meistbietend versteigert werden. Gießen, den 29. November 1881. Deißler, 7818) Gerichtsvollzieher. Freitag den 2. Dezember, Nachmittags 2 Uhr, werden in der Flett' fdben Hofraithe dahier 1 runder Lisch, 1 Schreibpult und 1 ovaler Spiegel meistbietend versteigen. Tie Versteigerung nudel bestimmt statt Gießen, den 30. November 1881. Geipier, 7854) Gerichtsvollzieher. Feilgebotenes. 7836) E'ne PaNhie zurückgesetzter Glace - Handschuhe als: 1 knöpf, zu 80 2knöps zu JC. 1, und für Herren zu JL 1.50 emvsiehlt 7836) Ph- Schlatter. Für Metzger! 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(7851 Verantwortliche Redaelion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. __ Hierzu eine Beilage. Purtan: Sä te; k« s 118 hüt SortlfrUanti ÄÄ gii u’wr Mi iüi Darwstc wen heute mtlltä von Werg, der trag den Staats Vollmann. - Die ®i dis Innern und aus die Bedeutun Haupt und aus di sterium möge mit Hochschule entgegn Aus der der Erbauung vi e ne Reihe von i seitdem unausges und wird in utc fuhren. Wie wi Sinne vorgegang welche vorher rü worsen worden V hzüglich deu'.näs holten. Aller W len Lersuchsbahn fifltn Kosten räch! ju bestreiten stnd Slaatscrkd!tS au . Berlin, ; M Feldmarschali deS grell kr silbst vorssesL Sei* Gener 7 " Der Ar ; December in . ,Ulr weitere Kreise ^Welten deut Hkn werden: fr ®d’9< JMer® ta bami teütbtn. tlb “ Mr. ln H f ift’« SÄ «S