Nr SO. Dienstag den I. März 1SS1. chicheiler Wütiger Aarrigk- Imtoblett fir in firrte Gieße». xääx.'. i «»“•■••• ° «*“ •-« —*■ “• hä !LLL nswr Peul/chland. Berlin, 25. Februar. Von besonderem Interesse sind dieses Mal bk Mitthe lm gen deS Relch-comwiffar- über das AuswanderungSwesen während de- Jahre- 1880, die gestern dem Reichstage zugegangen finb. ES heißt boxt u. A.: Die Auswanderung über die drei deutschen Häfen Hamburg, Bremen und Stettin hat während deö verfloffenen Jahre- in einem so hoben Grade gegen die, der letztvrrgangenen Jahre zugenommen, daß die Zahl der beförderten Auswanderer sich säst auf da- Dreifache der im Jahre 1879 Beförderten erhöht bat, und nur durch die im Jahre 1872 besö'derlc Anzahl erreicht und übertroffen worden ist. In den ersten Tagen deS Monat- April war die Zuströwu g der Auswanderer eine so große, daß die vorhandenen Dampfschiffe zu ihrer Beförderung nicht mehr auSreichlen. Die dirsacker. einer so ungewöhnlich starken Auswanderung, besonders nach Nordamerika, dürfen zunächst in den grbefferten amerikanischen Verbältniffen und darin zn finden sein, taß namentlich dem Landmann dort die Mögl'chkeit geboten ist, bet au-dauerndem Fleiße in verhältnißmäß'ger Zeit eigenen Besitz au erwerben, zur Selbstständigkeit und zu einer gewiffen Wohlhabenheit zu gelangen. Ein Hauptbeweggrund zur Au-wanderung ist aber die bereit- stattbabende Ansässig' keit von Angehörigen und Bekannten der Au-wanderer in Ameiika, welche letztere nach sich ziehen Er mangelt den in Amerikr bereits ansässigen Deutschen au Arbeitskräfte", und d Sbalb werden durch Urberredung und Vorspte- getung wirklicher und scheinbarer Vorthrile viele der noch bin zurückgebliebenen Angehörigen rc. veranlaße, die bisherige Heimath zu verlassen. In sehr vielen Fällen wird von den in Amerika ansässigen Deutschen sür die, wilche sie nach' zuziehen wünschen, da- Geld für die Ueberfahrt dort bezahlt und die in Amerka gekauften LchiffbilletS letzteren zugesandt. So sind im verfloffenen Jahre etwa 16 pEt. säwmtlicher Ausgewanderten auf in Amerika von dort Ansässigen gelöste FabrbilletS befördert werden. Es ist aber auch eine nicht unbedeutende Anzahl kleinerer in Deutschland ansässiger Grundbesitzer, nachdem fie ihren bisherigen Besitz veräußert, cmSgewanren, und nach Aeußerungen dieser Leute »st eine groß- Anzahl gleicher Kategorie nur dadurch noch zurück- gehalten, daß e- ihnen nicht gelungen ist, ihre kleinen Besitzungen und Gebäude einigermaßen prei-werth abzugeben. Es ist gegen bte Vorjahre überhaupt eine verbältnißmäßig sehr große Anzahl solcher Leute au-gewandert, die auch hier anscheinend in nicht ungünst gen pecuniären Verhältnissen gelebt haben. Von den über Hamburg einschließlich der Ausländer beförderten 68,887 Personen wurden direct befördert 49,100 Personen (darunter 46,739 in 67 Dampf, schiffen nach New Hm k) in 152 Dampf, und 30 Segelschiffen; iudirect über englische Zwischenhäfen wurden nach Nordamerika befördert 19 787 Personen. Don außereuropäischen Häsen nrch Demschla.d wurden im verfloffenen Jahre gegen 15 000 Personen befördert. Berlin, 26. Februar. Der festliche Einzug der Braut des Prinzen Wilhelm begann ur ter den lebhaftesten enthusiastischen Kundgebungen einer nach Hunterttai.send.n zählenden Vo ksmenge. Da- Wetter günstig. Um halb 3 Uhr passirte der Zug unter dem Tom er der Kar onen das Branden- durger Thor, woselbst die Begrüßung durch den Oberbürgermeister r. Forcken- beck stattfand. Die Pr nzrsfin Braut antwortete mit freundlichstem Dai ke und sprach bie Hoffnung auS, von der Berliner Bevölkerung ganz zu den Ihrigen gezählt zu werden. Gleich nach 3 Uhr erreichte der Zug das Sckloß, an deffen Treppe der Kronprinz mit den sämmtlicken Prinzen die Braut erwai tete. Der Kronprinz führte dieselbe erst in den Schweizersaal, wo die Begrüßung durch die Prinzesfinnen erfolgte, sodann nach den Brandenburgischen Kammern, wo die beiden Majestäten mit den fürstlichen Gästen verweilten. Im Kurfür- stenzimmer wurden die Ehepacten vollzogen, worauf der Kaiser die Braut in ihre Gemächer geleitete. — Der „Reichs-Anz." publicirt amtlich die Ertheilung der Dienstent, laffung an Gras Eulenburg unter Belastung des Range- und Titel- als Staatsminister. , rr — Die ^Nordd. Allg. Ztg." bespricht die Rickert'sche Rede. Dieselbe wolle den Schluß ziehen, daß der Reichskanzler gegenwärtig die Dictatur ein- führen wolle. Nichts berechtige dazu. Jeder Tag zeige, daß die Reich-regie- rung die heutige Zeit für eine solche halte, in der liberal, sehr liberal regiert werden muffe. Dies zeigten die Bemühungen der ReiLsregierung, im Sinne und zur Befestigung der bestehenden Derfaffung liberale Vorlagen auszuarbetten, die zwar nur zum Theil angenommen, zum andern Theil verworfen oder von der liberalen Mehrheit im Hinblick auf die Wähler, wenn bte öffentlichen Aeußerungen unbequem, in den Commissionen erstickt worden seien. — Die Nachrichten von einem Scheitern der Mission des Grafen Hatz- feldt in Konstantinopel find an sich unrichtig. Graf H^tzfeldt bat keine Lv'kial- Mission, vielmehr ist er nur beauftragt, in Übereinstimmung mit den anderen Mächten aufzutreten. Von der Pforte kann noch keinerlei Erklärung vor iegen. — Die Rede, welche der Ober-Bürgermeister v. Forckrnbeck an die in Berlin einziehende Prinzessin-Braut richtete, lautet: „Bei dem festlichen Einzüge Eurer Hoheit in die Reichs- und Landes-Hauptstadt biingen Gemeindebehörden und Bürgerschaft Berlins Höchstihnen zum Willkommen die herzlichsten Grüße, bie innigsten Glück- und Segenswünsche ehrerbietigst dar. Ter Jubel, der im Festschmuck der Hauptstadt von Tausenden und Tausenden der dichtgeschaarten Bevökerung Ew. Hoheit entgegenbraust, kommt auS der liefe deS Herzen-, ist entsprungen auS der unwandelbaren Treue und Anhänglich- feit, die mit unserem erhabenen Herrscherhaus unS in Freude und Leid ver- bindet. Dieser Jubel ist der wahre Ausdruck der innigen Freude der Bevöl- rung über das heilige Ehebündn-ß, welches Ew. Hoheit die Tochter auS altem, deutschem Fürstengeschlechte zu schließen im Beartffe sind, der wahre und lebendige Ausdruck der festen und freudigen Hoffnung, daß dieser Bund der Herzen dem Hetzen Brautpaare, dem geliebten Herrscherhause, dem ganzen deutschen Volke und unserer Stadt, welche stets da- wodlthätige und humane Walten ter hohen grauen deS Herrscherhauses mit tiefer Dankbarkeit empsun- den, zu dauerntem Glück und Heile gereichen werden. Gesegnet sei Ihr Ein- tritt in unsere Stadt I So rufe ich Querer Hoheit im Namen der ganzen Stadt zu". Die Prinzessin erwiderte etwa Folgendes: „Ich danke von ganzem Herzen für bte Aufnahme, bte ich gefunden. Ich bin tief gerührt von den großartigen Vorbereitungen, welche die Bevölkerung für meinen Empfang getroffen. Ich werde deS heutigen TaqeS gedenken und bestrebt fein, bie Liebe, bte mir tu so reichem Maße entgegengrbracht w'rd, meinerseits zu erwidern, um von der Berliner Bevölkerung ganz zu den Ihrigen gezählt zu werden". Köln, 26. Februar. Die Stadtverordneten-Versammlung hat heute den Vertrag zwischen der ReickSregierung und der Stadt Köln, betr. den Ankauf fiSkalitchen TerrainS zur Erweiterung der Stadt einstimmig angenommen. Marburg, 25. Februar. Eine sehr zahlreiche, auS etwa 500 Personen bestehende Veisammlung beschloß auf Antrag deS Prof. Dx. Westerkamp eine Petit.on an den Reichstag in der Colonialfrage, nachdem zuvor Prof. Dr. Rein in ausführlichem Vortrage die Frage: Bedarf Deutschland der Colonien? bejaht batte Die Petition hat folgenden Wortlaut: Die gehorsamst unterzeichnet»« Wähler des Wahlkreises Marburg erlauben sich die Aufmerksamkeit deS Reichstages aus einen Gegenstand hinzulenken, deffcn große Wichtigkeit von natior.algefinnten Deutschen deS In- und Auslandes mehr und mehr anerkannt wird. Deutschland bedarf ter Colonien. Die stetig zunehmende deutsche Auswanderung darf nicht länger ganz an da- Ausland abgegeben werden, mindesten- einem The,le derselben muß deutsche Sprache, Bildung und Sitte erhalten bleiben. Deutschlands Industrie und Handel muffen neue Absatzgebiete jenseits des Mieres eröffnet werden, den deutschen Schiffen sichere Asyle in Kriegs- und FriedenSzeiten Von dem Verkehre mit eigenen Colonien erwarten wir eine Steigerung unserer Machtstellung und eine günstige Rückwirkung aus unsere geistige und materielle Wohlfahrt. Verhinderte auch unsere frühere Zerriffenheit und staatliche Ohnmacht die Gründung eigener Colonien, jo braucht doch jetzt das im deutschen Reiche geeinte Volk n'cht in der Colonisation hinter andern Nationen zurückzustrhev. In weiser Voraussicht der Nothwendigkeit, die deutsche Auswanderung nicht ouf immer ziellos sich selbst zu überlassen, habe, die Urheber bir Reichs?et- f ffung die Zuständigkeit des Reiche« ausdrückl'ch auf die Colonisation au-ge- dehnt. Mö^e diese Bestimmung nicht mehr lange ein leere« Blatt bleiben I An den hohen Reichstag richten wir hiernach die gehorsamste Ditte, in geeigneter Weise bet der RUchsregierung auf den Erwerb von Colonien hinwirken zu wollen. Breslau, 26. Februar. Anläßl'ch der Hochzeitsfeier des Prinzen Wilhelm ist die Stadt außer gen öhnlich festlich geschmückt. Alle öffentlichen Ge- HZube und Monumente, wie überhaupt alle Straßen bis in die entferntesten Stadtthrile prangen im reichsten Flaggenschmuck. Dos Fest wurde durch da- Blasen eine« Chorals vom Rathhau--Thurme Mittag- 12 Uhr eröffnet. Abend- findet eine Beleuchtung der Denkmäler sowie Illumination der Thürme am Ri^ae und der Ltebigshöoe mit bunten Ballons statt. München, 26. Februar. Prinz Arnulf von Bayern überbringt dem Prinzen Wildelm von Preußen anläßlich deffen VermählungSseier mit dem Glückwunschschreiben des König- von Bayern die Infignien de- St. Hubertus- Orden-. — Die Abgeordnelen-Sammer hat den Haus- und Grundsteuer-Gesetz. entevurf nich bm Amrägen bei Ausschusses mit 128 gegen 2 Stimmen an- q {n omin cn* Straßburg, 26. Februar. Die Session de« LandesausschuffeS ist heute aus Allrr höchste Befehl im Auftrage deS Statthalters durch den Staats- fecretär jnofm-nn gesch'osirn worben. Straßburg, 26. Februar. Am Schlüsse einer gettern Abend >u Ehren des ^andesuusschusies am Schluß der Sesnon desselben gegebenen Tafel richtete der Statthalter Feldmarfchall v. Manteuffel, folgende Ansprache an denselben.' »ju meinem ! bedauern hat mein Unwoblsein nvd) verhindert, die geehrten girren des ^andesaus- | schusses m den letzte, bocken bei mir zu sehen und so habe ich nvr erlaubt, eie zu bitten vor dem Schluß I-rer Session noch einmal an meiner Tatei Platz zu nehmen. ■ ^eb-* id) die geehrt-n Herren nun aber hier veisammelt. kann ich nicht anders, als ! -ihnen meine am 1. Februar ausgesprochene Bitte nochmals - nicht an's Herz zu leflcH denn der Pulsschlag meines eigenen Herzens ,agt mir zu laut, baß ben von mir vorgeschlagenen Weg nicht mit leichtem Herzen betreten können — iondern meine Bitte nochmals ihrer recht object'ven Beurtheilung zu emprehlen und dabei an ^bren elsaß lothringischen Patriotismus zu appelliren, der aus Koitcn eigene Grtuyle schon so vielfach mm Wohle Jbrcs Geburtslandes r^pser gebracht hat.^ Betone id) diese Frage zu stark, so entschuldigen Sie, meine Herren, aber ich bm /2 Jahre alt, fühle, tüb es abwärts mit mir geht, und ich möchte doch jo gerne, bap Gott es mich erleben ließe, Elsaß-^othringen in vollberechtigter lelbnftanb^er Stellung zu iehen. ßierm gibt es aber wahrhaftig keinen anderen Weg, als^den von mir vorgeichlagenen. — ^?och möchte ich rtnige Worte über meine persönliche Stellung dmzusugen. In den Blättern, welche die Beruhigung des Landes nicht wollen, und zu meinem Bedauern bei vielen Männern des Landes wird meine Ansprache vom 1 ßrebiuar als im Widerspruch stehend mit der vom 6. December erklärt- Welche Erfahrungen mutz das Vanb gemacht haben, rmnn es nur an die Möglichkeit glauben kann, em hoher Beamter könne in wenig Wochen seine Auffassung ändern. Nein, meine Herren, so bin ich nicht erzogen, am 6. December sprach ich aus meinem Herzen zu Ibrcn Herzen, am 1. Februar wandle ich mich in Fragen, die das Interesse des Landes berühren, rem sachlich an Ihr Uriheil und, von wem soll das Lund die Klarlegung der Verhältnisse bei einem so wichtigen Akte, als es die Reichstagswahlen sind, verlangen können, wenn nicht von seinem Statthalter? Dieser meiner Pflicht habe ich ohne Scheu und ohne Rücksichtnahme aus momentane Eindrücke genügt, und das Weitere liegt nun m dem Willen des Landes selbst. Da ist es ja möglich, datz durch den Ausfall der Wahlen die Erfüllung meines Wunsches m noch weitere Ferne hinausgeschoben ro;rb, bis tn das Eingeweide hinein würde mich das schmerzen, kann aber nie Emflutz üben auf mein Handeln; möge das Land wählen wie es will, mögen die Blatter über und gegen mich schreiben, die Leute über und gegen mich reden, was sie wollen, ich gehe unbeirrt meinen eigenen Weg und bleibe gehorsam den Befehlen meines Kaisers, ich wiederhole dies' durch gute und gerechte Verwaltung den Elsaß-Lothringern den Uebergang in die neuen Verhältnisse erleichtern, Gefühle schonen, Wunden Hellen, nicht solche schlagen", und meine Herren, hier in diesem Saale, in den ernstesten Stunden meines Lebens, als Gott mir das Schwerste aufei legte, was mir bisher auferlegt worden, habe ich es ausgesprochen, datz, wie der Doge von Venedig sich mit dem Meere vermahlte, ich werben wolle um Elsatz-Lothringen. Auch an diesem Wort halte ich unverbrüchlich fest noch nie bin ich in Widerspruch mit mir selbst getreten; aber datz ich lieber um das freie offene Meer werbe, als um einen mit Wällen eingedämmten See, das können Sie mir nicht verdenken. Helfen Sie mir, diese Wälle wegzuräumen! Und nun, meine Herren, sage ich Ihnen herzlich Lebewohl bis — so Gott will — auf gutes Wiedersehen im Herbst, und Gott schenke Ihnen allen Glück und Heil im Hause und im Berufe. Stotzen Sie noch einmal mit mir an auf Elsaß-Lothringen, Elsaß-Lothrmgen hoch! und hoch' und hoch! Die Rede wurde mit großer Wärme aufgenommen und an verschiedenen Stellen mit lauten Beifallsrufen begleitet. Der Präsident des Landesansschusses, Schlumberger, erwiderte mit einem Lebehoch auf den kaiserlichen Statthalter, welches' allseitig den lautesten Wiederhall fand. Arankreich. Paris, 26. Februar. Der Senat ftnt.hmigte heute die Aufhebung aller Zölle für ölige Substanzen. — Der Senat und die Deputirtenkammer haben sich bis zum nächsten Donnerstag vertagt. England. London, 26. Februar. Meldung des „Reuter'schen Bureaus" aus Newcastle vom 25. ds.: Ein Eingeborener, der sich bei den Boers als Gefangener befand, schätzt die Zahl der Boers, welche Langsnek besetzt halten, auf 7000, da« Geschützmaterial derselben bestehe aus zwei alten Kanonen. Die Boers von Utrecbt hätten auf die Nachricht von der großen Zahl der heran- nahenden Verstärkungen der Engländer tn die Heimath zurückkehren wollen, seien aber durch die Boers von Zoutpansberg daran verhindert worden. — Nach einer weiteren Meldung drs „Reuter'schen Bureaus" aus Newcastle von heute früh ging das Gerücht, Wakkerstroom sei von den Boers genommen, später aber wieder von den Engländern besetzt worden, welche dabei mehrere den BoerS gehörige Wagen weggenommen hätten.__ Telegraphische Depeschen. Wolff'» telegr. E,rresr>orrdenr-«ureau London, 28. Februar. (Prtvat'Depesche des Gießener Anz.). Eine Depesche des „Reuter'schen Bureaus" aus New-Castle meldet: General Colley ging gestern gegen Mitternacht mit 6 Compagnien von Mount-Prospekt vor, besetzte die Spitzen von Langsnek, wurde von den Boers aber nach Viermali. gern Angriff und wegen Munitionsmangel zurückgetrieben. Beide Theile erlitten große Verluste. Mehrere britische Osficiere, darunter einige hohen Rangs, sind getödtet oder verwundet; alle ankommenden Verwundeten sagen, daß General Colley todt sei. Kaum 1 00 Engländer sind den Boer» entronnen. Wien, 27. Februar. Vor der Wohnung des Abg. Lienbacher fanden gestern Abend lärmende Studenten-Demonstrationen statt. Die Polizei -er- streute die Versammelten und nahm mebrere Verhaftungen vor. 93ermtfd)tee. Kassel, 19 Februar Eine tragickomijche Geschichte erzählt „T. u. A.", die sich vor einigen Tagen in dem benachbarten C. ereignete Em Handwerksbursche trat in ein Bauern gehöfte, um zu betteln. Da er kein menschliches Wesen weder 'm Stall, noch in der Rüctic erblickte, trat er in die Stube, ohne jedoch auch hier Jemanden anzutreffen. Wohl aber lag eine große Wurst auf dem Teller, der auf dem Tische stand. Der arme Teufel, den wohl der Hunger plagen mochte, konnte der Versuchung richt widerstehen, ergriff die Wurst und wollte eben dU'ch die Tl-üre mit derselben verschwinden, als plötzlich draußen auf dem Flure sich das Geräusch von Stimmen hören ließ welche sich der Thüre näherten. Der Dieb stand einen Augenblick wie erstarrt mit seiner Wurst, unschlüssig, was er thun sollte; zurück zum Tllch konnte er nicht mehr, denn er stand in der Nähe des Fensters und im nächsten Augenblicke mußte die Tnüre sich öffnen. Da kommt ihm plötzlich ein rettender Gedanke, dicht zu seiner N- chtcn befindet sich ein großes Himmelbett- — mit einem kühnen Sprung vtrschwindet er unter demselben, gerade noch zur rechten Zeit, — denn im Moment daraus öffnet sich die Thüre und die vierschrötige Gestalt des Bauern erscheint in derselben. Der Blick des Etntretenden richtet sich sofort auf den Tisch, auf dem die Wurst — nicht mebr liegt . Kathrin, wo ist die Wurst?" schreit er aus der Thüre binaus. „Auf dem Tische!" antwortet eine Stimme von oben h-rab. „Ich sel-e nichts, komm herab!" ruft der Bauer zurück. Gleich darauf tritt eine nicht minder herkulisch gebaute Frau in das Zimmer und bleibt wie gebannt an der Thür stehen, als sie auf dem Tisch den leeren Teller sieht. ,.J, so soll dock — der ver . . . le Hund!" — , Tiras!" ruft nun auch sic aus oer Thüre nach dem Hofe. Tiras erscheint mit seinem freundlichste Gesichte und wedelndem Schweife, noch ohne Ahnung deS drohenden Un« weiters, welches sich über seinem unschuldigen Haupt -usammenzieht. „Wo ist die Wurst?" zetert das Weib den Hund an, indem cS mit der Hand nach dem leeren Ttller auf dem Tische deutet. Der Hund sieht forschend bald der Frau in'L zorngeröihete Gesicht, bald auf den leeren Teller, dann schüttelt rr das zottige Haupt und beginnt Itife zu knurren. „Warte, du Biest!" schreit die erzürnte Hausfrau und greift nach dem Besen, um Tiras das Fell auszuklopsen Auch der Bauer, dem der Vettust der Wurst ebenfalls zu Herzen oder an den Magen gebt betheiligt sich mit einem Hosenträger an der Züchtigung deS Unschuldigen. Im nächsten Moment hagelt eine Wolke von Schlägen auf den unglücklichen Tiras herab, der sich endlich nicht anders zu helfen weiß, als heulend und winselnd unter das Beit zu kriechen. Erschöpft halten die Beiden in ihrem Schlagen inne, als auch unter bim Bette ein furchtbares Lärmen sich erhebt Tiras heult und bellt, eine menschliche Stimme schreit um Hülse und gleich darauf kollerte die verschwundene Wurst unter dem Bette heraus, dm Beiden zu Füßen. Datz Toben unter dem Beite aber währte noch fort und endlich wälzt sich eine wüste Moffe hervor. Der Kopf eines fremden Mannes, den der wüthende Tiratz om Hol -? gefaßt hielt, während beide Hirne des Mannes den Leib des Hundes umschlungen hatten Entsetzt stehen die Beiden da und kamen erst dann wieder zu sich, als der Fremde sie mit röchckndcr Stimm: und voll Todesangst um Hülse anflcht. Jetzt wird Tiras von dem Manne sortgeriffen, deffen Hal« er aber nur mit Widerstreben fahren läßt, und der Gewürgte g steht nun reumüthig, wie der Hunger ibn der. leitet habe, die Wurst zu nehmen und unter das Bett zu flüchten, al« er die herannahenden Tritte hörte Der Bauer, der übrigens ein gutmüthigcr Geselle ist, wollte sich zuerst ausfchütten vor Lachen, bedachte aber Denn doch den Fechtbruder mit einem warmen Mittagessen uno Hey ihn unbehindert seines Weges ziehen. Hanau, 25 Februar Soeben 12 Uhr, wird uns eine haarsträubende Geschichte mitgetheilt, die sich gestern unweit Kerzell im Kreise Fulda neignet haben soll. Ein Mädchen, welches eine Baarsckaft von 400 4 flirfd :4 lÄmti 5«it 5 Rmli ISO „ 700 SffieOf 2047 „ 420 Rmtt 280 „ 120 „ rm 30 9 9 45 K a Da Ans be m Bau« kusch, beim Meier. Larg-doi Grohb. $ 1292) ii n tt II Dienstag sollen auöge l. Wormi im Gemeinde 23 Achm XULUT 26 Mel 151 Rade' Schreis- ii bi ^ch feit unh u Nach rxn Cöc re v-L " SO rm j 20 00 rm । , ®eflonnei <°°ch Atz, Eicßrich 1348)^ ^iitwod) , 16 i 8,3|n4" 1366) bl 1 246 *jS „ S vtgonnen H 7!achr Mwtnb 32 Up,r 2 2 > «R1‘i« rm (5 Holzverfteigerung Donnerstag den S. undKrettag den 4. März toirb im 8anfl6bor|er Jtuitwk’ßfttt »'ackroerzeichnetes Holz versteifen: Donnerstag den 3. März: UO Eichen-LtLmme vo » 2—10 m Cdnge und 15—68 cm Durch- • mrsser, enthaltend 50 fm, 18 Buchea-Ktämme vo» 3—12 m Länge und 30—71 cm Durchmess-r, 23 Hambuchen-Stämme von 3—10 m Länge und 20-50 cm Durch- messer, 144 Kistern Stämme von 6-18 m LL ge und 15—45 cm Durchmesser, 119 F'chlen-Slämme von 6—23 m Länge und 15 — 55 cm Durch- meffer, 240 F-chten- und Kiesernstangen, 2065 Bohnenstangen. 4 Klrschbaum- und 7 Lindenstämme, 14 Rmtr. Hainbuchen-R'mdscheitholz, Freitag den 4. März: 5 Rmtr. Buchen-Sche»tholz, 150 w Eichen-, Nadel- und fiinbni Knüppelholz, 700 Wellen Eichen-ReiSholz, 2047 „ Nadelholz, 420 Rmtr. Buchen-Turchforstungs- ReiSholz, 280 „ E ch-n, 120 „ Buchen-, Lichen- und NadelStockholz, Der Anfang ist Morgen« 9 Uhr tze m Bau- und Werkholz im Koh!- busch, beim Brennholz beim Stock- Weier. Lar g-dost, den 23. Februar 1881. Großb- Bürg?ime.sterei Lang-dois. 1292) Köbler. Holzverstkigtriing. Dienstag den 8. k. Monat» foHS ärnmt — 3,15 fm 151 Nadelholz Stenz«, I.—UI. El-, 30 „ „ IV. Ll, 9 rm Enden Nutzholz, 9 „ R.cftrn. „ 45 „ E,chen-Sch>it, Scheit und Siivpp L 1 „ Buchen-Knüppel 246 „ Re ser, 1,5 „ Stockholz Begonnen wirb in den „ödjin"; IL Nachmittag« von 2 Uhr ab: im @ m.indewalb von Vo!per>«bausm 32 Eichenstämme = 22 92 fm, 1 Aspki stamm — 0,33 fm, 50 Kiesernstämme — 11,33 fm, 242 «lefernstangen I.—III. El- 10 rm Eichen.Lcheil resp. Scheit unb Knüppel 11 50 rm K>ejern Nutz- unv 2000 rm Kiefern-Knüpp lholz. Begonnen wird im Districl »Schlag- Scheiter unb -Knüppel. Nähere Auskunft erthellt auf Wunsch bie unterzeichnete Stelle. Romrob, btn 27. Febniar 1881. Grostherwglichc (Oberförfteret homroö. 2eyd 1350) Eme Glas-Ladenthüre, sowie mehrere innere Erkerfenster, einen gebrauchten Roeder's Patent-Heerd verkauft in billig H. Kühn, Seltersweg. 13 Frankfurter Pferdemarkt 1346) am 28., 29. und 30. Mär; 1881 Verlooaung am 30 März, laut ausg-,ebenem Prospecle von 61 der sckönsteu Rett- und Wagenpferde- 1U vollftandiacn vier , ,wci- und tinspannigen Equipagen nebst complttitn Geschirren, sowie sonstigen Reit- und ixabrrequmten 2c. . Po oft m bendjen ä 3 Aark durch das ärcretariai des landmirthschaMichen Vereins, Frankfurt a. W. Hvlzvcrsteigerung in der Großherzoaiichcn Oberförsterei Romrod. Dienstag den 8., Mittwoch den 9. unb Donnerstag den 10. März, feb-smal von Borm ttrgs 9 Uhr ab, in den D'strict.n Willens u. s. w., '/- »«• von btt »lSfelb-Katotfer Staate- Qrapf, 7 resp. 5 Km. von btn Stationen Alsfeld» unb Zell-Romrob btt Cbtf» hesfischen Bahn gtltgen: 1292 N-belstämme mit ca. 500 F stmtter, 276 Rmtr. Kteserntollen, 1,8 Meter lang, zu Pfähl- unb Gruben- Holzvtrstcigerimg in der Oberforsterei Scdiffenberg In den ablbtilungcn Temp.«, Dörnergrund, Wüstekopf und Unttr« wald formt nachfolgende- Holz zur Derste'gerui g: 1) Donnerstag den 10. Mär;: Holzart, Scheiter Knüppel Reisig Stöcke Rm. 100 Wellen Km. Nadelholz 120 956 85 293 Hierunter 81 Rm. Knüppel von 3 Meter Länge. Freitag den 11. d. M.: 158 Nadelyolzstämme von 13—34 Emtr. Durchm., 8—18 Meter Länge, mit 49.07 Fm. 561 N rdelhzlz - Derbstangen voo 6 bi- 12 Emtr. Durchm-, 6 — 18 Mtr. Länge, mit 47,96 Fm. s rner 68 Rmtr. Knüppel von 3 i o 4 Meter Länge. Zusammenkunft an beiden Tag- i Vormittag- präci- 9 Uhr auf dem Vicinalweg nach Steinberg an der Sandkautenschneiße. Gießen, den 28. Februar 1881. G oßh. Obe förstere« Schisfenberg. I. A.: Walther, Forstaccessist. (1368 Holzversteigeriing. Montag den 7. März l. I., Vormittags um 10 Ubr ansnngend, sollen im Albacher Gemeiudewald, District Buchvald, folgendes Eehölz öffentlich vrrsteigirt werden: 39 Stück E chen'Stämme mit 6,32 Festmtr., 188 Stück Nadel-Stämme mit 88 51 Festmtr., 21 Stück Eichen - Derbstanzen mit 1,30 Festmtr-, 79 Stück Nadel - Derbstangen mit 6,49 Festmtr-, Schlith. Knüppelh- Stockh- Reisb. Raummeter. Wellen. Buchen 4 4 — 100 Eichen — 34 4 1 SO Nudel 4 15 43 1340 Zusammenkunft Im Ort um 9 Uhr. Albach, am 26. Febiuar 1881. Großherzogl. Bürgermeisterei Albach- 1352) Schäfer. Aeilgevotenes. 462) Das bekannte und be- ■ I währte Hofapotheker Borderger'S I Hühneraugen-Pflaster I Preis pro Rolle 50 -H. Vorräthig in Gießen in ber Hirsch apotheke. Buchenes und tannenes Brennholz, Eichen- und Buchkn-Dohik» verschiedener Stärke bei (8b H. Heck. Maccaroni, (103b tscker resp. auch Fahlknecht, sehr gewandt in Gart-narb.'t, sucht Stelle mm baldigen auch späteren Eintritt. Nähere Auskunft eitbcilt I. Weber in der Stadt Eafs.l- Wartbürgia. Donnerstag Abend. 1354) Gesucht ein tüchtiges, zuv.rläs- siges Mädchen -um 1. April. Knoch, Engelapotheke. 1349) Ein starkes Mädchen, das kochen kann und alle Hausarbeit versteht, robb gegen hohen Lohn auf sofort gesucht- Ioh. G. Jäger, auf der Hardt. Concordias Fa*tn«ch<, AbendS 8 Uhr : Närrische Sitzung Gegen Mitternacht. Der große parforcereiter. Zum Schluß: Erstürmung der starken Burg mit und ohne Deckel. ________________(1373 Besten Dank Febr. zugesandtcn anor.ymen Gratulationen. Id. W. (13'6 935) Ein tüchtiges Dienstmädchen sucht A. Kröll. 1336) Zu einer alleinstehenden älteren Frau wird ein Mädchen gesucht. Zu er- fragen in der Exped. d. Bl- Theater in Giessen. (Cafe Leih). Dienstag den 1. März: Fastnacht - Vorstellung Nachmittags 4 Ahr für die liebe Jugend. Zum ersten Male: Liigeniimulcheii und WalirheitsmiiiidlcheB» Faftnachts - Märchen in 3 Bildern von Anton Kurmaier. 1. Bild: Tas Lügenmäulchen. 2. Bild: Die graue Frau im Walde. 3. Bild: Die Vergeltung. Hierauf: Pierro und Zuckerbäcker. Komische Pantomine in 1 Akt mit Tanz und Evolutionen. J. C. Schubert. •Court Grosses Anfang 4 l(l)r 11 Minuten. (1363 Restauration Schnell Heute, Dienstag: Landwirthscliansschiile zu Weilburg a. d. Lahn. 1353) Begründet 1876 an Stelle des aufgehob nen Königl. landwirthschaftlichen Instituts zu Hofgeisberg 2 Vorschulklassen (Eintritt mit Elementarblldung) 3 Fachklassen (Eintritt mit Reife für Tertia) Das Abgangszeugniß berechtigt zum einjährig- freiwilligen Militärdienst. — Oeffentl'cke Prüfung zum Schluß des Wintersemesters 5. Apr l, Beginn des neuen Schuljahres 21. April. Anmeldungen bis zum 17. April an Direktor Matzat in Weilburg, der auch Programme (kostenfrei) versendet und weitere Auskunft ertbeilt Das Kuratorium: __gez. v. Wurmb, Regierungspräsident in Wiesbaden. 1233) Oswald s Garte». Große Menagerie. Täglich 3 große Vorstellungen um 4, (> und 8 Ukr. Um 4 und 8 Uhr Hauptdressur und Fütterung. Wei dauer Kolli. Heute, Fastnacht: Tanzbesusiigung im promelmfiehaus. Anfang 3 Uhr Nachmittags. Personen unter 17 Jahren hab?n keinen Zutritt.(1367 Robert und siner Fru! Ihr Herbergsbrüder klein und groß Heut geht im Stern die Narrheit los, Kommt! Fastnacht, Abends gegen acht, Ein Jeder wird verrückt gemacht. Die verschlossene Blasern der Herbergsbriider. Robert, Almei Nimmersatt. Todes - Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht von dem gestern Abend erfolgten Ableben unserer lieben Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Lina Bepler im Alter von 23 Jcchrcn. Um stille Theilnabme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet D er stag den l.März, Nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause, Neustadt 199, aus statt. (1372 Tofies-Anzeige. 1369) Allen Freundm und Bekannten hiermit die schmerzliche Nachricht, daß uns unser innigft geliebtes Söhnchen Georg nach kurzem aber schweren Leiden gestern Abend 7 Uhr im Alter von 31/2 Jahren durch den unerbittlichen Tod entrifien wurde. Um stille Theilnahme bitten Die tieftrauernden Eltern: Christian Lony und Frau. Gießen, den 28. Februar 1881. Die Beerdigung findet Dienstag Nachmittag 3 Uhr statt. Statt jeder besonderen Anzeige hierdurch die traurige Nachricht, daß heute Nacht 1 Uhr unser lieber Gatte und Vater, der königl. Materialverwalttr Herr Jakob Schellhaas nach längerem Leiden sanft verschieden ist. Gießen, den 28. F.bruar 1881. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Mittwoch den 2. März, Nachmittags 3 Uhr, statt. (1364