Nr. 2S1. Mittwoch den 27. October isso. | Meßmer Anzeiger S%{ AMk- ükid AxtsdW für bei Kreis Kichn. -a»tirt. Kn Winter Fähigkeit dieser |n. (6162 mdner, «vwerhauf Md26. XXXV X R X M X M, | dellirknnst.^ r Der: H mtis. R tllldr, lehr- J» it Ms zu w torgens bis fnet. sie. x kMXX n dir er^btne tz G. 48 ols ctirtes Lag» in | 6i5igßer Preis- । m Photograph ttevgefLhr» re. Fellen. 3Od chmar^ I ib Wohnung nach | chreiner. ^ttwanbte, hwkstn und nach langt" jrbliebenen. vom Ererbt' rtg*- Nerwann 9 G«perLSL^«Sb»re»rr r j Schulstraße B. IS. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-. Amtlicher Theil. Betreffend: Generalversammlung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brmgerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bekanntmachung. Kommenden Montag den 1. November l. I., Vormittags 9 Uhr, soll eine Generalversammlung des landwirth- schaftlichen Bezirksvereins zu Lich im Rathhaussaale stattfinden. Tages-Ordnung: 1) Vortrag des Großh. Generalsecretfirs Dr. Weidenhammer über Viehhaltung. 2) Vortrag des Gutsbesitzers Schlenke vom Hardthof über die Nothwendigkeit des Samenwechsels beim Körnerbau. 3) Besprechung über das neue Reichs-Viehseuchengesetz vom 23. Juni l. I., sowie über das Local-Polizeireglement wegen Unterdrückung des Milzbrandes in der Wetterau (f. Anzeiger Nr. 201). 4) Verhandlung über die anläßlich des Frostschadens an den Obstbüumen zu ergreifenden Maßnahmen. 5) Verhandlung über den weiteren Ankauf von Stutenfohlen norddeutscher Race und die Abhaltung von Stutenschauen. Vor der Generalversammlung wird eine Sitzung des Vereinsausschuffes stattfinden, wozu ich die verehrlichen Ausschußmitglieder noch besonders einlade. Gießen, den 25. October 1880. Der I. Director des landoirthschafrlichen Bezirksbrreins Gießen. Dr. Boekmann. Der Getreidezoll und die Lebensmittelpreife. Der Ruf nach Aufhebung der Getreidezölle, der in den letzten Monaten in Folge der Ernte Ergebnisse immer lauter und lauter ertönt ist, hat in diesen Tagen ein scharfes Echo gefunden in dem Beschlufie einer öffentlichen Körperschaft. Das Bürgervorsteher Colli giuur zu Leer hat mit El stimmigkeit einen Antrag angenommen, wonach der Magistrat jener Stadt schleunigst höheren Orts vorstellig werden soll, daß, Angesichts der erschreckenden Höhe der Brod- preise, der Arbeitslosigkeit im Aröettc'-stande und des bin:;.; ahenden Winters, der Elngangszoll a°'f Gelreide suspendttt oder aufgehoben und auf eine weitere Verbilligung der L-öel.smittelprcise >rch Herabsetzung der Eisenbahnfrachten für Getreide, Mühlenfabrikate, Kartoffeln und dergl. hingewirkt werde. Uno bie Verhältnisse haben sich in der That so zugespitzt, daß man es nicht begreift, wie man es noch wird zu verantworten versuchen, diesen dringenden Forderungen einen ablehnenden Widerstand entgegenzusetzen. Zur Zett der Agitation für die rwch erst projectirten Schutzzölle mochte man wohl behaupten können, daß mit deren Hülfe die Industrie einen kräftigen Aufschwung nehmen, Arbeit und höherer Verdienst die Lage des Arbeckerstandes beffern, und daß derselbe also befähigt sein werde, in eventuell höheren Lebensmittelpreisen den Landwirthen auch einen Thetl an den Segnungen der goldenen Schutzzollpolitik zukommen zu laffen. Das ist aber doch heut nicht mehr mög« lich. Der „Aufschwung" ist nur em sehr sporadischer gewesen, und von einer Steigerung der Löhne ist verzweifelt wenig zu verspüren. Dagegen sind die Lebensmtttelpreife, und in erster Lmie die Getreidepreise, so enorm angewach- sen, daß der ohnehin drückende Nothstand unerträglich geworden ist. Wir wiffen recht gut, daß die Getretdepretfe nicht allein durch die Zölle in die Höhe getrieben worden sind, allein ohne diese würden sie doch um den vollen Betrag derselben niedriger stehen und die von dem kaufschwachen Volke zu tragenden Lasten immerhin um ein Bedeutendes geringer sein. Die Erfahrung der letzten Zeit hat eben zur Evidenz bewiesen, daß bei starkem Bedarf ausländischen Bezugs die Zölle voll und ganz in die Preise fallen und um ihren Betrag auch die ganze einheimische unverzollte Production den Consu- menten vertheuern. Was das deutsche Volk in Folge der Getreidezölle mehr zu tragen und zu zahlen hat, läßt sich ganz genau in Zahlen aussprechen. Während in Süddeutschland die Ernte eine ziemlich gute gewesen ist, so daß nach dort nur eine Einfuhr von etwa 3 Mill. Centnern Weizen und von 5 Hunderttausend Centnern Roggon nöthig sein wird, hat die hauptsächlichste Brodfrucht des Nordens, der Roggen, in Norddeutschland Mindererträge von 10—40 pCt. gegen eine Mittelernte ergeben. Bei einem jährlichen Gesammt- bedarf Deutschlands an Roggen von etwa 146 Mill. Centnern und einer Ernte von nur 104 Mill, (die Mittelernte ergirbt ungefähr 124 Mill. Cent- ner) müssen wir also 24 Mill. Centner durch ausländische Zufuhren decken und dafür einen Zoll von 21 Mill. «X bezahlen. Aber um den Zoll ver- theuert sich auch die inländische Production von 104 Mill. Centnern, so daß das deutsche Volk für den Zoll — 73 Mill. zu bezahlen hat. Der weitaus größte Theil dieses Betrages fällt auf die hauptsächlich Roggen consumi« rende Bevölkerung des ärmeren Nordens und da wieder auf bie ärmsten Schichten, denen Roggenbrod neben Kartoffeln die Hauptnahrung ist. Und nun erwäge man, daß in Preußen, dem am meisten von der C'lamität be- troffenen Lande, 50 pCt. aller landwirthschaftlichen Güter unter fünf Morgen messen und also deren Besitzer von den höheren Getreidepreisen nicht nur nicht eine höhere Einnahme gewinnen, sondern, indem sie für ihren eigenen Bedarf noch Brod kaufen müffen, eine schwere Schädigung erfahren, welche die noch arg verstärkt, die sie durch den Ernteausfall erlitten. Sie müffen, da unsere ländliche Bevölkerung noch die weitaus größte Hälfte der Bevölkerung bildet, außer dem großen Thetle des Zolles von 21 Mill. J£., eben auch noch den größten Theil des Werthes der den Ausfall deckenden Mehretnfuhr im Betrage von 360 Mill. v4L aufbrtngen und zahlen I — Und dieses Alles — nach einer siebenjährige Niederlage aller Geschäfte und Gewerbe, inmitten einer beängstigenden Arbeitslosigkeit, nach allerlei elementaren Unglücksfällen, wie Ueber- schwemmungen, Hagelschläge und dergl., und endlich unter einer beständig gewachsenen Steuerlast I Bisher galt es als das Zeichen eines Nothstandes, wenn die Preise von Roggen mit denen für Weizen nahezu zufammenfielen, und immer trat dann irgend eine staatliche Fürsorge. zur Milderung der Situation ein. Jene Voraussetzung für eine solchc. ist heut vorhanden; Roggen und Wezen stehen im Preise bei uns gleich, aber dd-- einem, helfenden Eingreifen de> Staatsgewalt ist noch Nichts zu verspüren, ja dieselbe weigert sich . och immer, selbst denjenigen Theil der Last, den sie selbst auferlegt hat, dem Volke abzunehmen. Glaubt man auf eine Besserung der geschäftlichen Verhältnisse rechnen zu dürfen, was indeß in dem Maße, als es zur allgemeinen Hebung der Roth- läge nöthig wäre, kaum wahrscheinlich sein dürfte, so müßte doch mindestens eine Suspension der Lebensmittelzölle für die Zwischenzeit in Aussicht genommen werden. Aber selbst davon ist es stille in den maßgebendsn Kreisen, die leider durchweg unter dem Einflüsse der wenigen Großproduccnten zu stehen scheinen, die allein Vortheil aus der traurigen Gegenwartslage und aus den Schutzzöllen überhaupt ziehen. Aber mit dem Nachlaß der Zölle ist noch erst ein Theil der zu ermöglichenden Erleichterungen und Verbilligungen erreicht, ein Weiteres kann und müßte staallicherseits noch geschehen durch die Erniedrigung der Frachtsätze für Getreide und andere Lebensmittel deS gewöhnlichen Bedarfs, deren Höhe ebenfalls nicht unwesentlich auf die Theuerung influirt; und somit hat auch die zweite Forderung der Stadtverordneten-Versammlung von Leer ihre volle Berechtigung und verdient, öaß sie allgemein erhoben werde. Mögen auch die Gutserträge einiger Hunderte ober selbst Tausende von Gutsbesitzern herabgehen, bie Dividenden der Eisenbahnactionäre und die Erträge, die der Staat aus den Bahnen zieht, zeitweise verringert werden, weit wuchtiger als diese Bedenken muß das namenlose Elend der großen Volks- mässe, die schon durch jahrelange Entbehrungen entkräftet und in Verzweiflung geführt ist und nun Angesichts des Winters zum großen Theil erwerbslos vor dem Hunger steht, in die Wagschale faßen. Deutschland. Darmstadt, 23 Octbr. (Volkszählung). Nachdem die von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz unterm 6. Juli d. Js. erlassenen „Bestimmungen für die Ausführung der Volkszählung im Großherzogthum Hessen am 1. December 1880", sowie die gleichfalls von dieser Behörde ausgegangene „Instruction für die Zähler" bereits vor einiger Zeit den Großh. Kreisämtern zugestellt worden sind, ist man gegenwärtig mit der Versendung der übrigen, für die Volkszählung erforderlichen Formularien beschäftigt. Von Interesse dürfte es fein, zu erfahren, daß die Zählbriefe, von welchen jede Haushaltung ein Exemplar zur Ausfüllung zu erhalten hat, in einer Auflage von 240,000, die Zählkarten, von welchen für jede anwesende oder vorübergehend abwesende Person eine anzufertigen ist, in der Auflage von 1,050,000 Exemplaren herzustellen waren. Controlltsten für die Zähler wurden 4500 Stück, Gemeindelisten 1200 Stück gedruckt Von den oben gedachten „Bestimmungen" und der „Instruction für die Zähler" ist der Bedarf auf 2200 bezw. 4500 Exemplaren bemessen worden. Bezüglich der letzteren möchte, zur Beseitigung von Mißverständnissen, auch hier ausdrücklich zu erwähnen sein, daß, entspre- chend der Zahl der zu bildenden Zäblbezirke und der zu bestellenden Zähler, für jede Gemeinde mit weniger als 50 Haushaltungen eine Instruction und für Gemeinden mit mehr als 50 Haushaltungen auf je 50 solcher eine Instruction vorgesehen worden ist. (D. Ztg.) m. Darmstadt, 25. Octbr. Der zweiten Kammer der Stände ging heute von Seiten Großh. Ministerium- des Innern und der Justiz ein Gesetz- entwurf, die Ausübung und den Schutz der Fischerei betreffend, nebst Motiven zu. Der Gesetzentwurf umfaßt 67 Artikel. Kesterreich. Wien, 23. October. Der Fürst der schwarzen Berge erwartet, wie sich das „Wiener Tagebl." melden läßt, noch fortwährend die Hülfe der Flotte. Er werde nicht eher von Dulcigno Besitz ergreifen, bevor nicht die Mächte eine Garantie geben, daß sie für Montenegro eintrrten würden, falls die Albanesen ihm feindlich gegenübertreten. Wird er schließlich nicht auch noch Dank von den Mächten beanspruchen, daß er so gütig ist, das Berliner Geschenk anzunehmen? Freilich könnte es ein Danaer Geschenk für Montenegro werden. Ucbrtgens macht man sich jetzt auch in Wien mehr und mehr mit der Möglichkeit vertraut, daß des Sultans Bereitwilligkeit bezüglich der Uebergabe Dulcignos Ernst gemeint fei. Admiral Seymour soll, obengenanntem Blatte zufolge, mit dem Gange der Eretgniffe nicht sehr zufrieden sein und nicht an eine friedliche Austragung glauben. Anderen Nachrichten zufolge hätten die Befehlshaber der dem internationalen Geschwader von Dulcigno angehörigen französischen und deutschen Kriegsschiffe den Befehl erhalten, heimzukehren, da keine wettere Flottenoperatton stattfinden dürfte. Kann man einem Gerücht Glauben schenken, so wäre es auch höchste Zett zur Heimkehr, da der Verkehr der Internationalen ein besonders freundlicher gar nicht sein soll. Namentlich laffen die Beziehungen der deutschen und französischen Maritimen viel zu wünschen übrig. Das „Daily Chrontcle" bemerkt zwar, es sei dieser Mangel an Eintracht ein Gegenstand für Bedauern, allein nicht für Besorgniß, meldet aber gleichzeitig, daß auch die Klagen über schlechten Ankerplatz ebenfalls tm Zunehmen begriffen sind. Dazu kommt noch, daß Borastürme die Lage der Flotte ungemüthlich machen. Der letzte Borasturm soll so stark gewesen sein, daß sich die Schiffe nur mit Nothankern halten konnten und daß die Schiffe mit Ausnahme der deutschen und österreichischen ihre Plätze wechseln mußten. Schließlich könnte es noch kommen, daß wie zu Zetten der Kreuzzüge zur Befreiung des heiligen Grabes die Völkerschaften unterwegs untereinander sich in dte Haare gerathen um die besten Plätze. Telegraphische Depeschen. Wagrrer'S telegr. Correspondenz-Bureau. Berlin, 25. Octbr. Dte auf Donnerstag den 28. d. Mts. festgesetzte Eröffnung des Landtags erfolgt Mittags 12 Uhr durch den Vicepräsidenten des Staatsministeriums Graf Stolberg. Wien, 25. Octbr. Meldung der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel : Dte Pforte ist zu einer Vereinbarung geneigt, wonach der Einmarsch der Montenegriner in Dulcigno gleichzeitig mit dem Abmarsch der türkischen Truppen erfolgen würde. Dte türkischen Bewohner, welche nicht in Dulcigno bleiben wollen, werden auf den vor Dulcigno kreuzenden drei türkisch?» Schiffen eingeschifft. Loudon, 25. Octbr. Gestern fand in Galway ein großes Meeting statt, an welchem 40,000 Personen theilnahmen; Parnell hielt eine Rede, in welcher er daS ^Oberhaus und den Staatssecretär Forster für dte agrarischen Morde verantwortlich machte; dte einzige Remedur für dte gegenwärtigen Zu- stände sei dte Autonomie Irlands. Straßburg, 25. October. Dte von verschiedenen Zeitungen mitge- theilte Nachricht, daß der Statthalter v. Manteuffel seine Enthebung von dem General-Commando des 15. Armee-Corps nachgefucht habe, ist gänzlich unbegründet. London, 25. Octbr. Nachrichten vom 25. ds. zufolge ist dte Stadt Jquique (in Peru) fast gänzlich niedergebrannt. Konstantinopel, 25. Octbr. Die Pforte soll Riza Pascha formelle Instructionen ertheilt haben, geeignet die von Montenegro tn Betreff der Dulcigno-Convention erhobenen Schwierigkeiten zu beseitigen. — Die Pforte hat ihre Vertreter im Auslande angewiesen, dte Delegirlen der Inhaber türkischer Schuldtttel nach Konstantinopel etnzuladen, um hier auf Grundlage ihrer Note vom 3. October zu einem Einverstandniß zu gelangen. London, 26. October. Das Cabtnetsmitglied Dodson hielt gestern Abend vor seinen Wählern tn Seagsborough eine Rede, worin er erklärte, die Regierung werde, wenn dte bestehenden Gesetze zur Aufrechterhaltung der Ord- nung in Irland nicht ausretchen sollten, außerordentliche gesetzliche Maßnahmen vom Parlament verlangen. In der montenegrinischen Frage fei die Kooperation der Mächte erfolgreich gewesen. Wenn dte Türket nicht Wort halte, muffe man sie als barbarische Nation behandeln. Lokale-. Gießen, 26. October. Tagesordnung für dte Stadtverordneten - Sitzung am ! Donnerstag, den 28. October 1880, Nachmittags 4 Uhr, im alten Real- ; schulgebäuder 1. Gesuch der Juliane Müller um käufliche Ueberlafsung städtischen Geländes. 2. Die Verpachtung eines Lagerplatzes im Oswalds Garten. 3. Reparatur des städtischen Pflasters bett. 4. Dte Anschaffung von Pflänzlingen für die Domanial- und Gemeinbewaldungen. \ 5. Klagerhebung gegen den Ortsarmenverband Langenschwarz. 6. Klage gegen den Ortsarmenverband Schwabenrod. 7. Die Vervielfältigung des Stadtbauplans. 8. Die Herstellung eines gepflasterten Uebergangs in der Alicenstraße. 9. Gesuch wegen Straßenbeleuchtung. 10. Gesuch des Bierbrauers Eduard Pöschel um Erlaubniß zur Erbauung einer Eishalle, i 11. Den Verkauf von Backwaaren und deren Gewicht betr. Gießen, 25. October. Begünstigt durch das für die jetzige Jahreszeit schöne ; Wetter, welches sich nach einigen Regentagen und der vorhergegangenen kalten Nacht • eingestellt hatte, fand gestern die Feier des 25jährigen Stiftungsfestes der Freiwtlliaen i Gail'schen Feuerwehr statt und verlief dasselbe in allen seinen Theilen Programm- ! gemäß. Wenn auch von Seiten der Nachbar-Feuermehren eine stärkere Betheiligung ■ hätte erwartet werden können, so folgte doch die Freiw. Städtische Feuerwehr der an I sie ergangenen Einladung und betheiligte sich ziemlich vollzählig an der Feier. Nach 1 der üblichen Tag - Reveille am Morgen, Empfang und Geleite der auswärtigen Kameraden nach dem Hauptquartier im Lindenhof fand um 1 Uhr Mittags in dem 1 prachtvoll decorirten Wenzel'schen Saale gemeinschaftliches Mittagsessen statt an . welchem sich außer den Vertretern der Stadt rc. die Gründer der Feuerwehr, der Vorstand ' der freiw. städt. Feuerwehr, sowie die Vorstände auswärtiger Feuerwehren und naturgemäß * auch die Repräsentanten des Hauses Gail, Herr Commerzienrath Gail, Herr Stadt- , verordneter Gail und Herr Wilh. Gail jun., sowie sonstige dem Hause nahestehende i Personen betheiligten. Nach Begrüßung der Anwesenden überreichte Herr Marr 1 Hauptmann-Stellvertreter dem noch activen Spritzen-Obmann und Mitgründer des Corps, Herrn Emil Junker, das demselben gewidmete Ehrendiplom, welches derselbe dankend annahm und dessen Uebergabe mit einem brausenden Tusch begleitet wurde. Nach aufgehobener Tafel zollte Herr Stadtrentmcister Enders den beiden Feuerwehren einige Worte der Anerkennung, worauf sich die Fefttheilnehmer nach dem Oswald schen Garten begaben, woselbst die Aufstellung des Festzuges statlfand, welcher sich unter dem Vorantriit der hiesigenRegimentsmusik durch die Neustadt, Marklsteaße über den Markt nach demLindenplatze bewegte und dessen Schluß de Gail'fche Feuerwehr mit ihren mit Guirlanden geschmückten und neu angestrichenen Fahrzeugen luldetc. Das nun folgende Brandinannöoer am Lindenhof verlief gut; leider war der Wasfer- strahl anfänglich etwas schwach, welchem Ucbelstand aber sofort avgeholfen wurde da derselbe sich nur auf ein Versehen im Anschrauden der Saugrohre zurückführte 'das Prasseln des Wasserstrahles zeigte indeß, daß die Spritze sehr gut im Stande lst. Nach der Uebung passirte der Zug mehrere Straßen der Stadt und bewegte sich nach Unterbringung derGeräthe im Spritzenhause dem Wenzel'schen Saale zu welcher Die Teilnehmer kaum zu fassen vermochte, die das nun folgende Banket berbeigkzogen hatte. — Das erste Hoch, von Herrn Marx ausgebracht galt den Gründern der Feuerwehr, sowie den Gästen.. Nach dem Vortrag des Liedes „Dies ist der Tag des Herrn" seitens des Bauer'schen Gesangvereins brachte Herr Oberstlieutenant S enckel das Hoch auf den Kaiser aus, worauf von den Versammelten stehend die Nationalhymne gesungen wurde, das Gleiche geschah bei bem von Herrn Stadtverordneten H an stein, der in Verhinderung des Bürgermeisters die Feuerwehr Namens der Stadt begrüßte, auf den Großherzog ausgebrachten Hoch. - Hauptmann Weidia dankte für die freundliche Einladung an die freiw. städtische Feuerwehr und schloß mit einem Hoch auf die Vereinigung beider Feuerwehren. — Herr Stadtverordneter Aail gedachte unter Hinweis auf das Lied „Brüderlich zur frohen Stunde" des vor Kurzem verstorbenen M-tgründers der Gail'schen Feuerwehr, Th. Noloff, zu dessen Andenken die Versammlung sich erhob. Hierauf entwickelte der Adjutant der freiw Gail'schen Feuerwehr, Herr Martin Loos, in längerer, schwungvoller Rede ein Bild der Entstehung der freiwilligen Feuerwehren und wies an der Hand statistischer Notizen aus die Verbreitung des Feuerlöschwesens seit dem Jahre 1846 hin, in welchem sich die erste freiwillige Feuerwehr zu Durlach in Baden gründete, die sich später bei dem Theaterbrande in Karlsruhe, welcher 72 Menschenleben forderte, mit Bravour auszeichnete. Er gedachte ferner des nunmehr verstorbenen Spritzenfabrikanten Karl Metz in Heidelberg, des Gründers der freiwilligen Feuerwehren, welcher am 6. October die Spritze nach Gießen brachte und die junge Mannschaft einexerzirte, die dem am 1. September desselben Jahres von dem verstorbenen Herrn Georg Philipp Gail erlassenen Ausrufe zur Gründung einer Feuerwehr gefolgt waren. Das Andenken des Verstorbenen wird durch Erheben von den Sitzen geehrt. Die Rede schloß mit einem Hoch auf das Haus Gail. — Commerzienrath Karl G a i l dankt für die seinem verstorbenen Vater widerfahrene Ehre und wies auf das Verhältniß beider Feuerwehren zu einander hin, betonend, daß zwischen beiden immer ein guter Geist herrschen möge und toastet schließlich auf das Wohl der Stadt Gießen. — Stadtverordneter F e r d. Gail bemerkt, daß die Feuerwehr nicht allein ihr Entstehen und Blühen dem Hause Gail verdanke sondern auch der Beihülfe der Bürgerschaft und dem Opfermuth der Mitglieder. ' Ein kräftiger Feuerwehr-Salamander folgte seinen Worten. — Der erste Sprecher des Turnvereins, Herr P h. Uhl, bringt Namens des Turnvereins den Dank desselben für die freundliche Einladung, desgleichen Herr Jung denjenigen des Kriegervereins, betonend, daß die Ziele des Vereins mit der Feuerwehr identisch seien, die Krieger seren berufen Zum Schutze des Vaterlandes, die Feuerwehr zum Schutze des Nächsten. — Herr Stadt verordneter Hornberger brachte ein Hoch auf das Blühen und Gedeihen beider Feuerwehren, Herr Stadtverordneter Wenzel auf das Haus Gail und den Corpsgeist beider Feuerwehren aus. Unter dem Absingen der Feuerwehrlieder und den Klängen unserer Regimentsmusik vergingen die Stunden in der schönsten Weise. Noch müsse» wir an dieser Stelle des Bauer'schen Gesangvereins gedenken, der durch Vortrag einiger Lieder auch nach dieser Seite hin das Fest verschönern half und somit das auch ihm gebrachte Hoch verdiente, was Herrn Heinrich Hollmann, Mitglied des Vereins, veranlaßte, für die an den Verein ergangene Einladung zu danken und nun dein Deutschen Vaterlande ein Hoch auszubringen. In der launigsten Weise, unter Musik, Gesang, Torsten rc. erreichte das Fest gegen Morgen sein Ende. Möge auch es dazu angethan fein, die Sache der freiwilligen Feuerwehren Gießens zu fördern. Der Einwohnerschaft Gießens aber, welche an diesem Tage durch Beflaggen der Häuser ihrer Sympathie für die Feuerwehr Ausdruck gab, glauben wir Namens derselben den ge bührcnden Dank hiermit abstatten zu können. Gießen 26. October. Die gestern Abend tm Saale des Cafe Leib abgebaltene Generalversammlung des Vereins der nationalen und liberalen Partei war von ca. 120 Mit gliedern besucht. Nachdem Herr Rechtsanwalt Muhl zum Vorsitzenden der Versammlung be stimmt, ertheilte derselbe Herrn Prof. Dr. GareiS das Wort zu einem eingehenden, sehr klaren und verständlichen Referat über dte politische Lage im deutschen Reiche. Redner berührte die Gründung und Entwicklung des deutschen Reichs als Rechtsstaat, die Bildung der Fracttonen im Reichstag. Er sagte, daß die nationalliberalc Fraktion die Regierung unterstützte bei Schaffung der freiheitlichen Gesetze, so namentlich bei der Reichsverfaffung, des Civil- standsgesetzes und der Justizorganisatton. Dies dauerte bis zum Jal>re 1878, wo dr> Reichs- kanzler durch seinen bekannten Brief die sog. Schutzzollpolitik einführte. Von hier an datirten die Dtfferenien in der großen nationalltberalen Fraktion, welche an Schärfe bet Verhandlungen der preuß Ktrchenpolitik zunahmen und im preuß. Abgeordnetenhause zur Trennung schließlich berbeiführte. Hierauf beleuchtete der Redner die Gründung des Vereins der nationalen und liberalen Partei in Gießen, welche zu einer Zeit statlfand, in welcher die unseligen Attentate die Gemüiher deutscher Patrioten tief bewegte und wo es galt, daß das liberale Bürgerthum gegen die Socialdemokratie und gegen die Reaction Stellung nehme. Diesem Programm tm Großen und Ganzen sei der hiesige Verein bis heute treu geblieben, zumal es innerhalb d'eses großen Rahmens jedem Liberalen gestattet war und ist, seiner individuellen Ansicht zu huldigen und kein Parteiterrorismus geübt wurde. — Redner verlas und begründete hierauf nachstehende Resolution: „Die Mitglieder des Vereins der nationalen und liberalen Partei, nack wie vor festhaltend an den bei der Gründung des Vereins ausgesprochenen Grundsätzen, erblicken in den jüngsten Parteibewegungen keinen Grund zu einer Trennung, sondern halten vielmehr ein einmüthiges Zusammengehen aller liberalen und national gesinnten Elemente in der Provinz Oberheffen jetzt mehr als je für dringend geboten." Der Vorsitzende dankte dem Redner für das unparteiische Referat. Herr Rechtsanwalt Batst sprach sich sodann gegen das geplante Jnnungswesen aus und bemerkte beiläufig, daß sich der hiesige Anwaltverein tn seiner letzten Sitzung gegen die Beschränkung der Wechselfäyig- keit ausgesprochen habe Nachdem noch Herr Prof. Weiland seine Befriedigung über die Resolution und sein Bedauern über den Austritt von Mitgliedern der Fortschrittspartei aus dem Verein ausgesprochen, wozu feine Veranlassung gewesen, stellt der Vorsitzende, Rechtsanwalt Muhl seinen Standpunct gegenüber der neuesten Bewegung klar. Auch er erklärt den Austritt aus dem Verein für unveranlaßt und unklug. Jedoch solle mau keine feindselige Stellung gegen einander einnehmen, sondern in den großen Zielen friedlich nebeneinander gehen. Die Resolution wurde hierauf einstimmig angenommen. Landtagsabgeordneter I. Haustein erhielt soc-ann zum Schluß noch das Wort und lud derselbe zu einem Parteitag der Heff. Fortschrittspartei auf den 7. November nach Frankfurt ein. Hierauf wurde die Versammlung geschloffen. — Die L o tz'sche Brauerei wurde gestern um den Preis von 100 000 JL an einen Herrn aus Kalk bei Deutz verkauft. Vermischtes. — sKurioses Mißgeschick, j Einer auswärtigen Familie passirte während der Dombau- feier in Köln in einem Hause an der Hochstraße ein unangenehmes Mißgeschick, welches derselben gewiß ebenso wie die Dombaufeter unvergeßlich bleiben wird. Wohlgemuth saß dieselbe wenige Minuten, ebe der historische Festzug ankam, mit Kind und Kegel in einem Geschäftshause vor bem Schaufenster, das sie glücklicher Weise für 45 JL gerntethet hatte. Einer der hoffnungsvollen Sprößlinge, dem der Aufzug an der Rolllade mehr Interesse bieten mochte, als oi, auf der Straße bin und her strömende Menschenmenge, zog und zerrte an der Leitung bald recht«?, bald links, bald nach unten, bald nach oben, bis auf einmal — die Tete des Zuges war eben erschienen — kladtnradatsch, die Rolllade herunterfuhr. „Herr Gott, der BösewichtI" jammerte da Alles durcheinander, und mit aller Gewalt hob und schob, zerrte und zog man an der jede Aussicht hemmenden Lade. Aber vergebens, die Feder war übergeschnappt und die Lade rückte nicht von der Stelle. Erst nach langer Arbeit gelang es, die Leitung wieder in Ordnung zu bringen. Der Zug war unterdeffen vorübergezogen. Marburg, 21. October. Am 19. d. M. fand hiertelbst eine Sitzung des Kreistages statt, auf dem neben anderen unwichtigen Angelegenheiten auch die Frage auf der Tagesordnung stand, ob der Kreis die Verpflichtung übernehmen wolle, das für die Erbauung der Bahn Cölb'- Laasphe erforderliche Grundeigentbum im Kreise der Regierung zu stellen. Bemerkt wird hier, d ß die communalständische Verwaltung zu den hieraus erwachsenden Kosten, di- im Ganzen fnlT . Nachts Em in her sj e 53$** 2 °'"- b-n 20. —___^au Eitwoch j), . Mmit Äm&I81(11 WÄM mei Ä'n Wann Donnerstag Lolmitt, sollen in dm Pfm Schotten nachoerz Mas 1 Waschmaschine 1 Reißwols, 1 Wausln, 1 Schündrmas 1 Wassnspinnsi 1 Epulmaschin 1 Garnprchc, 1 SDMirwolf in W 20 Str. Schotti, b , Lumpen, 80 Pid. Wollwait •> Ctr. 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Ein MchnbesTurn- dechtben für die Vereins, delanend, -ger seien berufen - Herr Stabt- 1 Gedeihen beider nb den Corpsgeist und den Klängen st Noch müssen h Voitrng einiger nil das auch ihm glich des Vereins, und nun dem eise, unter Musik, 5ßC auch es dazu rbern. Der Einher Käufer iljrtr Weihen brn ge i Leid adz'baltene non ta. 120 Mit , UMamnüung be n ängtbmbni, fett Redner berührte die Bildung der le Regierung unter; isassiing, de? 6iblb 8, wo de- Aichk- d bin an Wirten >ei SerfeanPlan..en rennuni schließlich rt nationalen und infetigen Attentate träte Bürgerlbuin tm Programm im etz Innerhalb b'eieß Ansicht zu duldigen sieraus nachflehende 1Ttd, nat wie vor [tn flninbfägen, n- Irennunü, sondern n und national g'- je für dringend Hm RecklSanwalt Tfte beiläusig. daß . ter WW friedigung über die irtichrilliporte. au« nllärt den AuS»"' tirae ©tfOunfl gegen 9 Di,$efolutlon 7» erhielt io^n zortftritcharte. । geschloß"'' , ,n 1)000 JL o°,ln,n , u DiDiban: S ctr|(lben w-nuk tii<6aufe vor Sflrt ,d die Lod- ru-k , in CtDn«"B > ig di-'- »* auf 94,000 Jt. veranschlagt sind, einen Zuschuß von 7-1,000 JL bciviUigt hat, und cs sich für tm Krcis 2r> ar bürg also um Ausbringung von 20,000 JL banoclt. D-r Kreistag lehnte leider die Uebcrnahme der Verpflichtung, ras Glundeigenthum zur Verfügung zu stellen, ab, indem von 15 Anwesenden 9 dafür, aber 6 dagegen stimmten. Zur Genehmigung einer Belastung des Kreises ist Zwekdrittelmajoritat nothwendig. Da in dem Gesetze, welches die Erbauung der Bahn von Cölbe nach Laasphe anordnct, als Bedingung für die Inangriffnahme die Beschaffung des Grundeigenthums durch die betheiligten Kreise gestellt ist würde mit diesem Kreis- tagsbeschluffc die Ausführung der Bahn unterbleiben muffen. Im Interesse der Stadt und des Kreises Marburg hoffen wir, daß der Kreistag jein letztes Wort noch nicht gesprochen habe, und daß demselben baldigst wieder Gelegenheit gegeben wi'.d, den gefaßten Beschluß rückgängig zu machen. Die Belastung des Kreises durch Aufbringung von 20,000 JL. ist im Verhältnis zu dem damit für denselben zu erreichenden Vorthetl eine geringe und wird, wenn die Amortisation der Summe, die als Darlehen ausgenommen werben muß, in nicht zu kurzer Zeit erfolgt, Niemand durch die Uebernahme der Schuld gedrückt werden. Unter den 6 Herren, welche gegen die Proposition der Regierung stimmten, waren auch zwei Vertreter der Stadt Marburg. Dieselben befanden sich im Widerspruch mit ihrem Herrn Oberbürgermeister, und dürfte es sich fragen, wer die Interessen der Stadt richtig gewahrt hat. Die Gegner der Bahn-Vorlage sollen nicht gegen die Uebernahme einer Leistung seitens des Kreises an sich eingenommen, sondern der Ansicht sein, daß durch ihren Widerspruch gegen die jetzt p.ojcctirte, in Cölbe in die Main Weser-Bahn einmündende Bahn, die Regierung gezwungen werden würde, eine Bahn mit einem Tunnel durch den Weißenstein dtrect hierher nach Marburg zu bauen. Die Herren übersehen, daß schon wegen der Kosten des Tunnels an die Realisirung dieser Bahn n.cht zu denken ist und daß wett eher die Regierung den für den Kreis Biedenkopf und das Hinterland unbedingt nothwendigen Anschluß an die Main-Weser Bahn durch eine Bahn Biedenkopf-Gladenbach im Salzbödethal finden wird. (O. Z ) — In der Gemarkung des Dorfes Rodau bei Zwingenberg wurde ein tntereffanter Grabfund gemacht. Die Stelle ist etwa 50 Klafter vom Schwanheimer Wald und ebenso viel von dem früheren Rodauer Wald entfernt. Nicht allzu weit im Osten zieht sich der Wiesen- ftreif hin, welcher im Volksmund als altes Neckarbett bezeichnet wirb. Bei Gelegenheit des Anlegens einer Grube stieß man Vz Meter unter dem Boden auf schwarze Erde; es fand sich ein 1 Meter 10 Zentimeter im Durchmesser haltender kreisförmiger Platz, bedeckt mit jener schwarzen Erde, in der sich Asche und holzkohlenartige Theile erkennen ließen. Um diesen B-andplatz herum hatte ringsum der Boden seine Lehmfarbe, so weit man auch grub. Die schwarze Schicht war etwa 29 Zentimeter hoch, unter ihr zeigte sich der gewachsene Grund. Innerhalb der Schicht zeigten sich Reste eines menschlichen Sceletts; Zähne, Schädelknochen waren noch erkenntlich, ebenso, daß die Lage eine gekrümmte gewesen sein mußte. Ob die Knochen einem Manne oder einem Weibe angehört haben, ließ sich nicht unterscheiden. Unmittelbar bei dem Scelett lag e«n gut gearbeitetes spitz zulaufendes Instrument aus Knochen, 16 Zentimeter lang nach Verlust der Spitze, die nicht zu finden war, aber nur wenige Zentimeter lang gewesen sein kann. Innerhalb der Schicht fanden sich fernerhin Scherben von Tbongefäßen sehr primitiver Gattung. Der Boden des einen ist mit roh gebohrten, runden Löchern siebartig durchbrochen. Ferner lagen da ein Klopfstein aus Hartern, quarzartiAen Gestein und ein anderer iReib ?) Stein aus Sandstein. Man erkennt am Klopfstein die geglätteten Stellen, wo er mit den Fingern gefaßt wurde, und die Telle unten, die durch feine Benutzung entstanden war. Der Reibstein ist an zwei Seiten ziemlich platt Kleine Reste bearbeiteter Knochen waren dazwischen; auch einige Steine; eine regelmäßige Stelnsetzung zeigte sieb nicht. Wir haben es ohne Zweifel hier mit einem Grab aus sehr hoher Frühzelt zu thun. Die ganze Ausstattung des Tobten weist uns auf eine Zelt hin, in der noch kaum der Gebrauch e.nes Metall stattfand. D,e G-fäße sind ohne Hülfe der Töpferscheibe gefertigt und so flecht gebrannt daß die Kenntniß des Töpferofens ausgeschloffen scheint. Man gab den Todten ihr Bestes mit; was waren bas für Leute, zu deren werthvollsten Gebrauchsgegenständen ein Knocheninstrument und rohe Felvstelne zum Aufklopfen der Knochen gehörten? Wohl mochte noch kein italienischer Handelsmann mit seinen Bronzen- und sonstigen Maaren den Weg in die toalbumgürtete Niederlassung gefunden haben, von deren Jnsaffen einer nach mehr- tauiendjahriger Verschollenheit hier plötzlich von menschlicher Existenz ein stumme« Zeugnlß ab- kgt. Denn Jahrhunderte vor dem Beginn unserer Zeitrechnung mögen verfloffen sein, seit die Brstattungsfeierlichkelt stattfand, von der die Asche herrührt, in die unser Fund gebettet ist. Eine vollständige Verbrennung des Leichnams hat übrigen«, wie der Augenschein lehrt und auck nicht auffallend ist, nicht stattgefunden. . „ < fügen noch bei, daß sich zwei Klopfsteine aus früherer Zeit schon in der Sammlung des historischen Vereins in Darmstadt befinden und Knochenwerkzeuge, ähnlich den erwähnten nach württemberglfchen Funden in dem bekannten Lindenschmit'schen Werk über die Altertbümer unserer heidnischen Vorzeit abgebildet sind. Handel und Verkehr. Gießen, 26. October. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. JL 1 05 bt« v*L 1.10, Hühnereier 1 Stück 7—0H, 2 St. 13 H, Gänseneler 1 St. 13—00 H. Käse per Stück 5—8 Kasematte per Stück 3—0 Erbsen 1 Liter 22 Linsen 1 Liter 24 H, Tauben das Paar 35—50 Hühner p. St. JL 0.75—1.00, Hahnen p. St. JL 0.50—0.80, Gänse pr Pfd. 50—60 H, Enten per Stück JL. 1.50 — 1.60, Ocksenfielfch 68-00 H per Pfd., Kuh. und Rindfleisch 48—50 H, Kalbfleisch 56—60 Hammelfleisch 50-68 Schweinefleisch 68 00 H, Kartoffeln per 100 Kilo JL 3.75-4.25, Zwiebeln fr. Ztr. JL 7-8, Milch per Liter 16 und 18 H, Weißkraut 100 Stück JL 3.00—6.0, Frankfurt, 25. October. (Fruchtbericht.) Mehl Nr. 1 JL 40, Nr. 2 JL 38, Nr. 3 JL 32, Nr. 4 28, Nr. 5 JL 25, Roggenmehl % (Berliner Marke) JL 31.50—00, do. I (Berliner Marke) JL 29.50—00.00, do. II (Berliner Marke) JL 24.00—00.00. Weizen effektiv hiesiger ab Bahnhof hier JL 23.00 - 23.25, ab unserer Umgegend JL 22.50—23.00, do- fremder je nach Qualität X 23.00—23.50, Roggen, je nach Qualität JL 22.00—00.00, Gerste JL 17—19, Hafer 13.25—14.75, Kohlsamen JL. 27.00—28, Erbsen JL 19—27, Wicken 16-18, Linsen JL 20—40, Bohnen, weiße, JL 23—25, Roggenkleie JL. —, Weizenkleie, grobe und feine JL —, Rüböl, detail, JL 63. Stimmung ruhiger. Hauptsächlich gefragt war: —. Dringend offerirt: —. (Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht — 100 Kilo.) Frankfurt, 25. October. Der heutige Viehmarkt war gut befahren. Angetrieben waren ca. 400 Ochsen und Stiere, 300 Kühe und Rinder, 180 Kälber und 400 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. JL 67—68, 2. Qual. Jl 62—64, Kühe und Rinder 1. Qual. JL. 56—58, 2. Qual. JL 48—52, Kälber 1. dual. 62—64, 2. dual. 50 -56, Hämmel 1. dual. Jt. 56—58, 2. dual. JL 40-50 per 100 Pfd. Schlachtgewicht. Schweine je nach duaütät das Pfund — H. Rheinberg am Niederrhein, 20. October. Laut eben aus Konstantinopel eingelaufenen Nachricht hat nunmehr auch Seine Kaiserliche Majestät der Sultan Abd-ul-Hamld dem K. K. Hoflieferanten H. Underberg-Albrecht in Rheinberg am Niederrhein, dem Erfinder und alleinigen Destillateur des Boonekamp of Maag-Bltter, bekannt unter der Devise: „Occidit qui non servat“ die hohe Gunst erwiesen, ihn zu seinem Hoflieferanten erklären zu laffen. Bekanntmachung. Donnerstag den 4. Novbr., Vormittags 10 Uhr, tollen in dem Pfandlocal (Rathhaus) zu Schotten nachoerzeichnete Maschinen: 1 Waschmaschine, 1 Reißwols, 1 Exhauster, 1 Schleudermaschinc, 1 Wasjerspinnstuhl mit 200 Spindeln, 1 Spülmaschine, 1 Garnpresse, 1 Melirwols und 2 HaSpel, Waaren: 20 Ctr. Schotti, 3 w Lumpen, 9 „ „ stahlgraue, 80 Pfd. Wollwatten, weiße, 5 Ctr. Wollabsall, 3 „ Wollextract, Mobilien: 1 Kleiderschrank, 1 Komode, 1 Schreibpult, 1 Tisch, 1 Sopha, 1 Karren, 12 Treibriemen, 1 Decimalwaage mit Gewicht und 140 Ctr. Steinkohlen. öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung durchde»Unterzeichneten versteigert werben. Schotten, den 24 Octobcr 1880. 7045) TheiS, Gerichtsvollzieher. Donnerstag den 26. Bctober, Nachmittags 1 Uhr, sollen in der F lettischen Hofraithe: 1 Nähmaschine, 6 Schränke, 1 Spiegel, 2 Oelbilder, 1 Schließkorb, 2 Com- moden, 1 Werktisch, 1 Koffer, 1 Sopha, versteigert werden. Gießen, den 20. October 1880. 7040) Bauer, Gerichtsvollzieher. Mittwoch den 27. Minder, Nachmittags 2 Uhr, werden in der Flett'schcn Hofraithe (Gasthaus zum Schwanen) nachstehende Gegenstände öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert: 1 Schrank, 1 Bild mit Brocatrahmen, 1 Spiegel, 1 Chaise, 1 Waschtisch, 1 Spiegel mit Brocatrahmen, 1 Spiegel mit Goldrahmen, 1 Sopha, 2 Kommoden, 1 Nähmaschine, 1 Bett, 1 Sekretär, 1 Nachttisch, 1 Nähtisch, 2 Kleiderschränke, 1 Schrelbsecretär, 1 eiserne Kiste, 6 silberne Eßlöffel, 18 Theelöffel. Gießen, den 25. Oktober 1880. 7001) Bauer, Gerichtsvollzieher. Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. 7020) Nach einer neuerdings ergangenen Verfügung fürstlicher Rent- kammer zu Braunfels sollen in Zukunft bei allen Rückständen zur Rentamtskaste, welche nicht innerhalb dreier Monate nach dem Fälligkeitstermine eingehen, V-rzugSztnsen in Anrechnung kommen. Wir machen das betheiligte Publikum hierauf aufmerksam, indem wir gleichzeitig die baldige Einzahlung der fälligen Pacht-, Holz- und Grasgelder in Erinnerung bringen. Nur Donnerstags ist Zahltag. Hungen, den 25. October 1880. Fürstliches Rentamt. Demme. Montag den 1. November, Abends 7 Uhr, beginnt die Fortbildungsschule ihren Unterricht. Zum Besuch derselben sind alle diejenigen jungen Leute verpflichtet, die in den drei letzten Jahren aus der Volksschule entlasten worden sind. Die Knaben im Alter von 14 Jahren haben sich zur Prüfung und Einiheilung Freitag den 29. d. M., Abends 7 Uhr, tm Schulhaus am Asterweg einzusinden; die fünfzehnjährigen versammeln sich um dieselbe Zett im Lokal IV, die sechzehnjährigen tm Lokal II der Knabenschule in der Schulstraße, sämmtlich mit Papier und Feder versehen. Etwaige Gesuche um Dispensation sind rechtzeitig der Großherzogltchen Krets-Schulcommission Gießen oorzulegen. Die Meister, Lehrherrn und Arbeitgeber sind verpflichtet, den Knaben die zum Besuch der Fortbildungsschule nothwendtge Z-it emzuräumen. Wir ersuchen die Lehrherrn, Meister und Arbeitgeber, ihre Gehülfen, Lehrlinge und jungen Arbeiter auf die Wichtigkeit dieses Unterrichts aufmerksam zu machen und zu einem pünktlichen und regelmäßigen Besuch der Schule anzuhalten, weil nur alsdann etwas Ersprießliches geleistet werden kann. Gießen, den 22. October 1880 Für den Schulvorstand Gießen: A. Bramm, Vtgeltus, 6943) Bürgermeister. Schulinspector. Abonnements-Concerte. Wenzel’s Uinler-(Paim-) Garten. 6856) Bezugnehmend auf die Anzeige des Herrn Wenzel erlaubt sich die Kapelle des 2. Grossh. Hess. Inf -Reg. Nr. 116 zu einem Cyklus von APioiinemeiits-Coiicerteil einzuladen. Die Concerte finden in den Wenzel’schen Localitäten im Palmensaale statt; allen Anforderungen der Neuzeit zu entsprechen, werden Sinfonie-, Wagner-, Strauss-, Wiener und Italienische Abende stattfinden, wozu ein musik- und kunstliebendes Publikum ergebenst eingeladen wird. Der Abonnements-Preis für 6 Concerte (Familienbillet bis zu 4 Personen) beträgt.............7,— Der Abonnements-Preis für 6 Concerte (Personenbillet) . „ 2,40 Der Anfang der Concerte wird im Giessener Anzeiger bekannt gemacht. Die Abonnements-Liste circulirt. Giessen, im October 1880. Hochachtungsvoll C* HkVausse, Kapellmeister. Versteigerung. Dienstag den 2. November, Nachmittags 2 Uhr, lasse ich meine in dec Nähe der Bahnhöfe liegende Hofraithe, dahier, worin eine frequente Gastwirthschaft betrieben wird, genannt „Zum Rheinischen Hof" öffentlich im Locale selbst versteigern und wird der Zuschlag bei annehmbarem Gebot sofort ertheilt. Auch verkaufe ich dieselbe aus freier Hand und können Kauflustige bei mir und I. Blitz das Nähere erfahren. Gießen, den 25. Oktober 1880. 7033) Ehr. Reinhardt. Aeilgebolenes. Täglich Frische 8chestsische empfiehlt (7044 Carl Schwaab s Delicatessenhandlung. 6413) Eine größere Steinfammluug mit schönen Versteinerungen billig zu Dexs kaufen. Wo? sagt die Exped. d. Bl. tone holl. Häriuge, beste Qualität ä 6 Pfg., empfiehlt 6839) S. Elsoffer, Marktftr. 205. Trottoir-Rinnen, Canal-Deckel mit Rahmen in allen G'ößen vorräthig bei (7010 August Kröll. Accht chinesische Thee s mit der Schutzmarke C. H. L. empfiehlt 7015) Dr. Hempel, StpotlKfer. Goldfische sind angekommen bei 6959) I. Schäfer, Kirchenplatz. Vorzügliches Sauerkraut, Salzgurken empfiehlt (6927 Carl Hoffmann. Frisch ringelroffen. Gänsebrust und Gänsekeule empfehlen (7026 j. A. Busch Söhne. ?Z69 WÄ Äh $, Q I kochen kann und in allen häuslichen Arbeiten erfahren ist, gesucht. Zu erfragen in der Exped. d. Bltts. 7046) Einen schönen kräftigen Jungen (2 Jahre alt) wünscht man gegen monatliche Vergütung in einer anständigen Familie unterzubringen. Näheres bei der Expedition dieses Blattes._________________ _ 6901) Ein in Buchführung und allen Comptoirarbeiten gewandter junger Mann sucht Stelle. Gefl. Offerten sub B. 3 an die Exped. d. Bl. m 6739) Ein Schüler findet gegen mäßige Vergütung Kost und Wohnung bei ___3 P' Sann, Bismarckstraße. 7048) Meine Anzeige in Nr. 245 dss- Bltts. betreffend Aufhebung der Verlobung mit Fräulein M. Lager in habe ich in Folge Aufhetzung und Aufregung ge- fchneben. Ich nehme solche wieder retour und bemerke, daß unser Verhältniß zn beiderseitiger Zufriedenheit wieder her- gestellt ist. A. Müller ________________in Grünin gen. 6991) Gesucht eine tüchtige Köchin. Frau Marie Kriess, __Ludwig splatz. FRANZ JOSEF1 IBITTERQU^LLE