Donnerstag den 26. August 1SSO Mr. 19S AllMk- und A«tsdtatt ftr kn Kttis Gieße« } Schu-straße B. 18. GLpeotttonGvirreau r j ________ Erscheint täglich mit Ausnahme des M-ntsgS. acmcr Siebenen. 16 16 20 16 16 9 •’ Mdben, «attfeib h ^en Kvastwajchttti. UM Einführung der (KetrewezöUe handelte, fort und fort behauptet worden ist: daß wir uns mit den Zöllen eine Last aufgehalst haben, die dann erst in ihrer vollen Größe wuchtet, wenn wir sie zu tragen am wenigsten fähig sind- Deutschland ist nun einmal nicht das geeignete Land für Getreidezölle. Unsere Industrie und die Bevölkerung ist unserer Getreideproduction weit vorausgeschritten , so daß sich seit 1854 ein Mehrbedarf von 77 Mill. Centner Brod- früchten herausgestellt hat, von denen nur etwa 40 Mill, im besten Falle durch die deutsche Landwirthschaft erzeugt werden können. Es ist dies unseres Erachtens kein Nachtheil für den Wohlstand. Rentirt der Bau von Futter und von Jndupriesrüchten gut und der von Brodfrüchten nicht, so ist es offenbar, daß man vortheilhafter den ersteren pflegt und das fehlende Getreide aus dem Auslande bezieht — freilich muß man dann, um das höhere Einkommen des Volkes aus der Industrie nicht zu paralystren, alles thun und vermeiden, um den Brodimport billig zu erhalten. Wenn, was uns sehr wahrscheinlich scheint, die unglückselige Gestaltung unserer Ernteverhältniffe — und wir müssen leider bemerken, daß dieselben jetzt, wegen der durch die Ausrottung der Wälder herbeigeführten sehr unregelmäßigen Niederschläge häufiger, als früher wiederkehren muß, der Agitation auf Aufhebung der Getreidezöüe Erfolg schaffen sollte, so wird darüber kaum Jemand im Volke, einige Großlandwirihe vielleicht ausgenommen, einen gerechten Anlaß finden, Klage zu führen. Im Gegentheil wird man es selbst in normalen Zeiten als die Erleichterung von einer Last empfinden, die man bester gethan hätte, nicht erst zu schaffen._________________________________________ 15. Äugust, Nach' 146) auß statt. PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh» Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 M tn unb Bekannten Schwieger« und 1880. (4615 henu-Ualn-Neckar-Bahn. irm F. Nestler E 6,2. • mit Garte«. schaftliche ;gaues BO. 2 Grossherzogs X 17-21 H 3H- 7lHg 1P Deutschland. Darmstadt, 24. August. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädtgst geruht: , Am 14. August den provisorischen Reallehrer zu Gießen, Dr. Heinrich Blase aus Bedburg, im Königreich Preußen, zum Lehrer an dem Ludewig- Georgs-Gymnastum zu Darmstadt, — an demselben Tage den provisorischen Gymnasiallehrer Joseph Hahn aus Eisenach, im Großherzogthum Sachsen-Weimar, zum Lehrer an dem Gymnasium zu Gießen, — an demselben Tage den provisorischen Gymnasiallehrer Friedrich Scholl aus Rüdesheim, im Königreich Preußen, zum Lehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Worms, — an demselben Tage den provisorischen Gymnasiallehrer Dr. Waldemar Mohr aus Stendal, im Könige. Preußen, zum Lehrer an dem Gymnasium zu Bensheim, — an demselben Tage den provisorischen Gymnasiallehrer Robert Schäfer aus Michelstadt zum Lehrer an dem Ludewig - Georgs - Gymnasium zu Darmstadt, — f , an demselben Tage den Reallehrer Dr. Karl Baltz zu Oppenheim zum Lehrer an der Realschule zu Gießen, — . an demselben Tage den Ghmnasial- und Realschul-Lehramts-Aspiranten Walther Stau ding er aus Wallerstädten, im Kreise Groß-Gerau, zum Lehrer an der Realschule zu Groß-Umstadt, — an demselben Tage den provisorischen Reallehrer Wilh. Landmesser aus Worms zum Lehrer an der Realschule zu Alsfeld, — an demselben Tage den Gymnasial- und Realschul-Lehramts-Asprranten Dr. Ernst Scheuermann aus Birkenau, im Kreise Heppenheim, zum Lehrer an der Realschule zu Gießen, — an demselben Tage den provisorischen Reallchrer Gustav Lenz aus Wenings, im Kreise Büdingen, zum Lehrer au der Realschule zu Bingen, — an demselben Tage den provisorischen Reallehrer Wilhelm Kunz auS Darmstadt zum Lehrer an der Realschule zu Groß-Umstadt, — an demselben Tage den provisorischen Reallehrer Alfred Haller aus Vilbel, im Kreise Friedberg, zum Lehrer an der Realschule zu Bingen, — an demselben Tage den provisorischen Reallehrer Karl Beck aus Gießen zum Lehrer an der Realschule zu Mainz, — sämmtltch mit Wirkung vom 1. October l. I., zu ernennen. , , „ Berlin, 23. August. In einer am IS. d. M. tn Danzig abgehaltcnen liberalen Wählcrversammlung hielt, wie die „Danziger Zeitung" bemerkt, Herr Rickert einen längeren Vortrag, in welchem er unter Anderem erklärte, daß er keinerlei Eigenthumsrecht an der National-Liberalen Korrespondenz und■ini bet letzten Zeit, insbesondere seit Schluß der Landtagssession, keine B^iehungen zu derselben gehabt habe. Der größte Theil seiner Rede war den Partriver bällnifsen gewidmet- Es sei leider Thatsache, daß nbcr '!a0^al'Ilber^" Fraction seit der Wirthschaftsreform wegen der wirthschaftlichen Fragen^ und neuerdings auch über die in wichtigen Sachen einzuschlagenden Wege be- zügltch der Ziele sei man einig — erhebliche Meinungsverschiedenheiten herrschten, welche die Kraft und die Actionsfähtgkeit lähmten. Da lieg«! die Frage aller- dtngs nahe, ob es nicht zweckmäßig und im Jntereffe beider Thetle sei, wenn der^ disscntirende Theil de» Fractionsverband ausg-be. Die Fracttonm tm Parlament seien schließlich nur die Formen für eine ersprießliche Thätigkeit, könne man die letztere in Uebereinstimmung mit seiner Ueberzeugung nicht mehr entfalten, so habe das Festhalten an der Form keinen Werth. Ohne an dieselbe gebunden zu sein, werde man bester und unter Aufrechterhaltung der Die Ernten, die Getreidezölle und die Lage der Landwirthschaft. Man kann heut mit verhältntßmäßiger Sicherheit den Ertrag schätzen, den die Ernte ergeben wird. Nach den Berichten, welche die Ernteaussichten Deutschlands behandeln, wird die Körnerausbeute Deutschlands geringer sein, als selbst die pessimistischsten Stimmen noch vor wenigen Wochen weistagten. Die anhaltend feuchte Witterung der letzten Zeit hat den Stand der Dinge erheblich verschlechtert. In Preußen und Sachsen ist namentlich die Roggencrnte wett hinter dem Ergebniß einer Mittelernte zurückgeblieben, und der zu erwar- tende Erdrusch wird nur aus etwa 50 bis 60 pCt. des Körnerergcbnistes einer Durchschnitts-Ernte geschätzt. Wenngleich im Süden Deutschlands der Roggen günstiger getragen hat, so bleibt die Gesammterntc doch erheblich geringer, als sie noch im vorigen Jahre gewesen ist. Nach ziemlich zuverlässigen Angaben wird, um unseren Brodbedarf zu decken, eine Einfuhr von 60 bis 70 Mill. Centnrrn Roggen tn's Reich nothwendig sein. Auch die übrigen Körnerfrüchte sind, wenn auch nicht tn demselben Verhältniß wie Roggen, nicht so günstig gewachsen und eingebracht, daß nicht auch stellenweise von ihnen Einfuhr nöthtg sein wird. Zu allem Unglück drohte die anhaltende feuchte Witterung auch die Kartoffeln zu verderben, und die Lage des consumirenden Volkes, sowie auch der landwtrthschaftltchen Producenten noch erheblich zu verschlimmern. Bester sind die Ernten ausgefallen in den Ländern, von denen Deutschland gewöhnlich seinen Getreide-Importbedarf deckt. Es stünde also dem Ersatz unseres Ausfalls nichts im Wege als — die Getreidezölle. — In der gegenwärtigen Sachlage wird die Behauptung kaum aufrecht erhalten werden können, daß der Zoll die Konsumtion nicht vertheuere. Bei so starker Con- cmrenz in der Bewerbung um den ausländischen Import und bet so geringer Möglichkeit, dem ausländischen Händler mit unserer eigenen Ernte zu impo- niren, muß und wird der ganze Zoll in den Preis fallen; und da fast die Hälfte alles Roggens importirt werden muß, so wird sich auch der Preis des einheimischen Products nach dem des twportirten reguliren. Bei einem Ge- sammtbedarf von 160 Mill. Centnern Roggen verthcuert der Zoll der deut- schen Konsumtion das Brod im nächsten Jahre also um mindestens 80 Mill. Es kann mit Bestimmtheit erwartet werden, daß der Ruf nach Aushebung der Getreidezölle jetzt mit unbezwinglicher Gewalt sich erheben wird; und aller Voraussicht nach werden es nicht allein die Konsumenten sein, die ihn ausstoßen, sondern selbst auch die große Mehrzahl der Producenten wird in ihn ein stimmen. Man weiß, daß nur ein sehr geringer Theil unserer Landleute in der Lage ist, von der Ernte zu verkaufen, wett größer ist die Zahl Derer, welche ihre ganze Production in der eigenen Wtrthschast verbrauchen, und an Zahl, wenn auch nicht an Hufengröße, überwiegen über beide Kategorien diejenigen ländlichen Producenten, welche, um ihren eigenen Brodbedarf zu befriedigen, noch kaufen müsten. So lange Bedarf und Ertrag in der zweiten Kategorie sich ausglich, blieben ihre Angehörigen in der Zollsrage theilnahmslos, sie hatten weder Zoll zu bezahlen noch profitirten sie von den höheren Getrcide- preisen. Wenngleich ihr Betrieb durch die Zölle auf die Industrie Producte veriheuert wurde, so war ihnen das im Anfänge doch zu wenig erkennbar, um sie zu veranlassen, dagegen zu protestiren, daß sie als Jnterestenten an dem Schutzzvllsegen in's Feld gezerrt wurden. Heute liegt die Sache für sie aber anders. Ihre halbe Ernte an Roggen und die etwas höhere, aber doch immer noch unter dem Durchschnitt bleibende der anderen Früchte genügt nicht mehr für ihren Bedarf; sie sind gezwungen zu kaufen und im Preise für die gekauften Cerealien den Zoll zu bezahlen wie die übrigen Konsumenten. Jetzt wird sich bei ihnen der Trieb bemerkbar machen, der Zollpolitik, die ihnen keinen Nutzen, sondern nur Schaden, und jetzt erst erkennbaren Schaden bringt, ent- gegen zu treten. — Die große Masse der Stellenbesitzer, Häusler, Köthner und dergleichen sind viel zu stumpf und gedrückt, um überhaupt in den politischen Fragen ein selbstständiges Urtheil in die Wagschale zu werfen, jetzt aber wird an ihrer Stelle, und ohne daß sie selbst den Mund auslhun, die Roth reden, tn die sie gerathen. Sie arbeiten zugleich für fremde Rechnung, sei es als Industrie-, sei es als landwirthschastliche Arbeiter. Durch jahrelange Beschäftigungslosigkeit oder Beschäftigung bei sehr geringen Löhnen ist ihre Kaufkraft auf ein Geringstes herabgedrückt, und haben sie unter diesen Vcr- bältniffen bisher schon am Rande der Roth vegetirt, so muß jede Vertheucrung der Lebensmittelpreise sie vollends in jene hineinstoßen. Dazu kommt, daß die tandwirthschastlichen Arbeiter höchst wahrscheinlich an Arbeitsgelegenheit ein- fcfififn werden, weil die größeren Besitzer, in deren Lohn und Brod sie stehen, einmal nickt so viel Drückte zu verarbeiten haben, als in normalen Jahren, und weil andererseits In Folge des schlechten Ernte-Ergebnisses die Mittel zu Meliorationsarbeiten fehlen werden. Ganz besonders dringlich werden die Webeickreie erklingen tn den von den Ueberschwemmungen heimgesuchten Gegen- den, di- so viel wie nichts geerntet, um so viel mehr aber an Vermögen ein- aebützt haben. Hier wird der Staat Hel end eingreisen muffen, und er wird, ndem er SaatsrÜchte und Lebensmittel für sie einkauft, gezwungen sein, die Zölle aus eigener Tasche zu bezahlen - mit der rechten Hand anszugeben, was er mit der linken eingenommen hat. ,, (5i bewahrheitet sich in dieser Nothlage evident, waS derzeit, alS eS sich gellet '» Snöber J “Wi l Orth Dm» «^®i «i ledi«=6M « «Kft HMhellncr.it • HM Ei' freundschaftlichen Beziehungen nebeneinander arbeiten und wirken können. Zum Schluß aus die Nothwendigkeit und die Möglichkeit der Bildung großer Parteien eingehend, bemerkte der Redner: die Vorbedingung, die Verständigung über die Ziele einer großen liberalen Partei sei zur Zeit nicht schwer. Es gelte jetzt Front zu machen gegen alle rückschrittlichen Bestrebungen der Con- servattven und des Centrums, es gelte das, was die Liberalen in langer mühsamer Arbeit errungen, zu vertheidigen. Aufrechterhaltung der Falschen Politik in Schule und Kirche, Aufrechterhaltung der Delbrück'scheu Zoll-, Münz- und Handelspolitik, Ruhe und Sicherheit für das gesammte Erwerbsleben der Nation, Abwehr aller bedenklichen wtrthschaftlichen und Steuerexpertmente, volle Aufrechterhaltung der Rechte der Volksvertretung — das sei das gegebene Programm für die liberale Partei. — Der diesjährige allgemeine Vereinstag der deutschen Genossenschaften, der seit Sonntag in Altona tagt, verspricht ein außergewöhnliches Interesse zu gewinnen. Abgesehen davon, daß bereits zwei Anträge vorliegen, welche sich gegen die Beschränkung der allgemeinen Wechselfählgkelt richten, der eine von der hessischen, der andere von den mittelrheinischen Genossenschaften eingebracht, von welchen der letztere die Wiederaufrtchtung der Zinsschranken als einen beklagenswerthen Eingriff in die Vertrags- und die Verkehrsfreihett bezeichnet — hat Dr. Schulze-Delitzsch, der Anwalt des deutschen Genossenschaftsverbandes, selbst einen Ausspruch des Vereinstages dahin beantragt, daß in Übereinstimmung mit den bereits in Danzig 1876 und Stuttgart 1879 gefaßten Beschlüssen an der dem rechtlichen Character und den wirtschaftlichen Aufgaben der Genossenschaften vorzugsweise entsprechenden unbeschränkten persönlichen und solidaren Haftbarkeit für die von den Genossenschaften eingegangenen Verbindlichkeiten nach dem Genossenschaftsgesetze vom 4. Juli 1868 sestgehalten werden soll, indem das deutsche Genossenschaftswesen nur auf Grund der dadurch gewonnenen Creditbasis aus den Standpunkt gelangt sei, welchen es gegenwärtig einnehme, daß hiervon bei Revision des Genossenschaftsgesetzes unbedingt auszugehen und als äußerste Concession, welche unter Umständen dabei noch in Frage gestellt werden kann, die Erwägung zuzulassen sei, ob neben diesen nach wie vor auf der unbeschränkten Soltdarhaft beruhenden Genossenschaften noch eine zweite Claffe ebenfalls mit solidarer persönlicher, aber durch eine bestimmte Summe für jeden einzelnen Genossen begrenzter Haft zu- gelassen werden könne, wogegen die Zulassung der bloßen Capitalhaft, wie sie mittels der Beschränkung der Haft auf Geschäftsantheile der Genossenschaften in den Bereich der Actien-Gesellschaften überführen würde, auf das Entschiedenste mit allen Mitteln entgegenzutreten sei. Hamburg, 22. August. Trotz der für politische Agitation ungünstigen Jahreszeit entfaltet die hiesige Fortschrittspartei eine ungemeine Rührigkeit. Der junge „Verein der deutschen Fortschrittspartei", welcher sich hier gebildet hat, zählt bereits über 4000 Mitglieder und 28 kleinere Bezirksvereine. Fast allwöchentlich treten neue Bezirksvereine tn's Leben und finden Versammlungen bereits bestehender statt. Der Verein beabsichtigt, bet der nächsten Reichstags- Wahl in allen drei Hamburgischen Wahlkreisen Candtdaten aufzustellen, seine Hauptthättgkeit aber auf den zweiten Wahlkreis zu richten, um diesen den Soctalisten wieder zu entreißen. (K. Ztg.) Türkei. Konstantinopel, 23. August. Die europäische Reform-Commission unterzeichnete heute die von ihr verfaßten Pcovinztal-Reglements und suspen- dtrte ihre Thätigkeit, nachdem die Tagesordnung erschöpft ist. Telegraphische Depeschen. Wagner'S telegr. (Korrespondenz-Bureau. Stuttgart, 24. Aug. Der deutsche Kronprinz traf wie der „Schw. Merkur" meldet, heute Vormittag um 11 Uhr, von Mainau kommend, in Friedrichshafen ein und fuhr sofort mit einem Extrazug nach Mederb.egcn, wo derselbe, von einer großen Menschenmenge begeistert empfangen, die Besichtigung der Truppen vornahm. Es folgte hierauf die Besichtigung der Truppen bei Laupheim. Heute Abend wird der deutsche Kronprinz in Stuttgart eintreffen. — Der „Staatsanzeiger" meldet, der deutsche Kronprinz habe den Wunsch zu erkennen gegeben, es möchte jeder ofstcielle Empfang unterbleiben, da Höchst, derselbe lediglich in der Eigenschaft eines Gencralinspecteurs erscheine. — In der heutigen Taufe erhielt der Sohn des Prinzen Wilhelm die Namen Christoph Ulrich Ludwig. Der Rufname ist Ulrich. Karlsruhe, 24. August. Die „Badische Correspondenz", das osficielle Organ der badischen National-Liberalen, bringt heute eine Absage an die Secesstonisten der Nattonal-Lcheralen im Reichstage. Kopenhagen, 24. August. Heute erfolgte die amtliche Bekanntmachung von der Entlastung des Cultusministers Fischer und der Ernennung deS Kammerherrn Scavenius zum Cultusminister. München, 24. August. König Ludwig hat eine Proclamation mit der Ueberschrift: „An Mein Volk!" erlösten. Dieselbe besagt, es sei seinem Herzen ein Bedürfniß, an dem Tage, welcher zu Ehren seines Hauses festlich begangen werde, dem wahren und tiefen Danke Ausdruck zu geben, den er bet Rücksicht auf sieben Jahrhunderte für die unwandelbare Treue und Anhäng, lichkeit des Volkes an den Wittelsbachcr Thron empfinde. Mit dem tnntgsten Danke verbinde er die Versicherung, daß das Gluck seines Volkes das Siel seiner heißesten Wünsche, daß .s die Bedingung seines eigenen Glückes sei Er trete mit dem erhebenden Gefühle, daß das Volk zu allen Zetten treu ?u i seinem Fürsten stehe, in das achte Jahrhundert der Regierung seines Hauses ein. Die Proclamation schließt: „Möge Meinem Volke ungetrübte Wohl- fahrt beschteden sein für alle Zukunft: Das walte Gott! Ludwig " London, 24. August. Abends. Meldung des Reuter'schen Bureaus aus Stmla vom Heutigen: Die britischen Truppen erlitten bei einem Ausfall aus Kandahar große Verluste; 8 Officiere und 180 Mann sollen tobt 5 Osficiere verwundet sein. Der Feind unterhält Gewebrfeuer gegen die Wälle. General Roberts wird heute in Khelati-Gilzai erwartet und dürfte aeaen den 29. August bei Kandabar eintreffen. Stuttgart, 24. August, Abends. Der deutsche Kronprinz ist heute Abend 10 Uhr hier etngetroffen, am Bahnhofe von den Prinzen Wilhelm und i August von Württemberg empfangen. Von dem zahlreich versammelten Publt- i kum wurde der Kronprinz auf der Fahrt nach dem Schloß mit begeisterten i Zurufen begrüßt. Wien, 24. August. Meldung der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel von heute: Den Botschaftern der Mächte ist bereits der Entwurf der neuen Collectivnote an die Pforte in der griechischen Frage zugegangen. Lokales. Gieren, 25. August. Die Aufnahme des Obstbaumstandes in unserer Gemarkung bat folgendes Resultat ergeben. Es sind vorhanden: Durch den Frost in Abgang gekommen. Gesund geblieben. Äepfelbäume 7312 3799 3513 Birnbäume 4438 615 3823 Kirschbäume 1044 317 727 Nußbäume 456 108 348 Pflaumenbäume 1859 427 1432 Mirabellenbäume 699 245 Reineclaudenbäume 272 85 187 Zwetschenbäume 17432 15000 2432 Zusammen 33512 20596 12916 r , Gießen, 25. August. Im Laufe der verflossenen Woche, vom 15. bis 21. August Itatben in hiesiger Stadt gur keine erwachsene Personen, wohl aber 7 Kinder. Drei von diesen hatten bas erste Lebensjahr noch nicht zurückgelegt und zwar starben zwei derselben an allgemeiner Abzehrung, das dritte an Lungenentzündung. Die vier anderen Kinder standen zwischen dem 2. und 7. Jahre und wurden alle von Dtphteritts weggerafft. q. Vermischte-. — Ueber einen tief beklagenswerthen Unglücksfall, welcher das Lökener Bataillon des 43. Regiments am 14. d. M. betroffen hat, geht der „Königsb. Hart. Zlg." von genau in- formirter Sei e folgende detaillirte Mittheilung zu: Bei der gewiß auch dem Herrn Com- betreffenden Bataillons nicht entgangenen unerträglichen Hitze in jenen Tagen sollte das Fusilierbatalllon des 43 Regiments am 14. August von dem vier deutsche Meilen weit gelegenen Marktflecken Underwangen nach Königsberg marschiren und daselbst 11 Uhr Vor- Eintreffen. Zu diesem Zwecke setzte sich daffelbe circa 6y4 Uhr in Bewegung. Voran marschirte die 9. Compagnie, welche die größten Leute enthielt, und dieser folgte die 10., 11. wacher letzteren die kleinsten Soldaten angehörten. Dieser Anordnung zufolge geschah , u bas Marschtempo der nachfolgenden Mannschaften immer schneller wurde, so daß schließlich 11/ Schritt in der Minute, von den kleinen Soldaten im Trabe, gemacht wurden. Einige der Herren Officiere, mit der Uhr in der Hand, versuchten die Leute zu einem schnelleren Tempo anzutreiben und standen davon erst ab, als ihnen von Unterofficieren die Unmöglichkeit noch schneller zu marschiren, durch die 117 in der Minute zurückgelegten Schritte vorgehalten wurde. Auf dem ganzen Marsche war nur eine halbe Stunde Rendezvous gemacht, während bei einer Strecke von 4 Meilen mindestens eine volle Stunde zur Erholung der Leute vorschriftsmäßig hätte geruht werden müffen Vermöge jener genau nach der Uhr gezählten Schrittmenge, welche dem Sturmschritte (120 pro Minute) sehr nahe kommt, langte das Bataillon richtig um 11 Uhr Vormittags in Königsberg an, machte also, mit Gepäck bei unerträglicher Hitze und ganz ungenügender Erholung unterwegs, die Meile etwa in einet Stunde - eine beträchtliche Leistung unter den genannten Umständen für einen Menschen ohne Gepäck, für den schwer beladenen Soldaten aber eine coloffale, geravezu unbegreifliche. Die Compaanicn 9, 10 und II wurden in ihre Quartiere entlasten, die 12. Compagnie dagegen (also diejenige, welche, wie erwähnt, auf dem Marsche gerade am meisten angestrengt worden war) zum Ab- bringen der Fabne commandlrt. Die Mannschaften bewegten sich nun — ohne daß der com- mandirende Officier es für nöthtg fand, die erschöpften Soldaten austreten zu lasten und etwa nur mit einem Zuge die ganz irrelavente Ceremonie des Fahnenüberbringens auszuführen — durch die heißen Straßen der Stadt mit voranschreitender Musik im Tritt und erneuter Anstrengung nach dem Roßgarten, von da nach dem Steindamm, um nun in ihre Quartiere eut- lasten zu werden. Auf dem Marsche dahin stützte ein Mann tobt nieder, ein zweiter starb auf dem Transporte zum Lazareth, mehrere (wir hörten von siebeni liegen noch in demselben krank darnieder. Andere blieben in verschiedenen Straßen, total erschöpft, sitzen oder liegen und brauchten erst geraume Zeit, um sich allein ober mit Unterstützung rnitleibiger Bürger wieber zu erholen. —_ Wir dürfen wohl mit Sicherheit voraussetzen, daß die Untersuchung über diese traurigen Umstände, welche das Leben zweier jugendfrischer Menschen vernichtet und das Anderer gefährdet haben, bereits im Gange ist und daß die Resultate dieser Untersuchung der öffentlichen Kenntniß seiner Zeit nicht werde vorenthalten werden. Madrid, 16. August. Bei einem gestern hier abgehaltenen Stiergefechte verlor einer der Banderilleros das Leben. Derselbe ward gleich im Beginne des Kampfes vom ersten Stier mit den Hörnern erfaßt und emporgeschleudert. Nachdem er niedergefallen, richtete er sich noch einmal auf, faßte mit der Hand nach der Brust und stürzte tobt nieber. Der Stier hatte ihm das Herz durchbohrt. Der Unglückliche hinterläßt Frau und Kind Der Stierkampf erlitt, charakterlftisch genug, durch den Unfall keine Unterbrechung, sondern nahm seinen programmmäßigen Verlauf. Oppenheim, 20. August. Die Zählung der erfrorenen und gesund gebliebenen Obst, bäume hat für die hiesige Gemarkung folgendes Resultat ergeben: Erfroren sind 377 Aepfel- bäumc, Birnbäume 263, Zwetschenbäume 565, Pflaumen äume 24, Klrschenbäume 2, Aprikosenbäume 31, Reineclaudenbäume 10, Mirabellenbäume 35. Gesund geblieben sind: Äepfelbäume 381, Birnbäume 709, Zwetschenbäume 540, Pflaumenbäume 31, Kirschenbäume 15, Nußbäume 74, Aprikosenbäume 66, Reineclaudenbäume 11, Mirabellenbäume 25. Zu bemerken ift hierbei, daß die meisten der zu Grunde gegangenen Bäume ein Alter von 10 bis 20 Jahren hatten. Bessungen Bei der durch die hiesigen Ortsbürger M. Weinmann und Hetnr. Wenz vorgenommenen Zäblung der in unserer Gemarkung in Feld und Gärten durch den Frost im Winter ;879/80 zerstörten Obstbäume hat sich folgendes Resultat ergeben. Der Totalbetraa sämmtlicher Obstbäume vor dem Frost betrug 16,880, davon gingen zu Grunde 3454 und zwar Äepfelbäume 751, Birnbäume 188, Zwetschenbäume 2275 Nußbäume 8, Kirschbäum'e 59 andere Obstsorten, als Mirabellen, Reineclauden. Mandeln, Pfirsiche, Aprikosen, Pflaumen und Eßkastanien, zusammen 173; so daß noch ein gesund gebliebener Stand verbleibt von 13 426 Derselbe zerfällt in Äepfelbäume 2328, Birnbäume 2316, Zwetschenbäume 5600 Nußbäume 319. Kirschbäume 917, andere Obstsorten, wie Mirabellen ?c (wie oben) 1937 Summa 13,426. } , , , , [ungpobt, 20. August. Die Aufnahme des Frostschadens in unserer Gemarkung hat folgende Resultate Beliefert: Äepfelbäume, abgestanden im Ganzen 1942, gesund geblieben im Ganzen 1599; Birnbäume, abgest. 170, gesund 1296; Zwetschenbäume 3528, resp. 2618: Nußbaume 123, resp 629; Kirschbäume 13, resp. 40; sonstige Obstsorten 370, resp. 595: zusammen 6146, resp. 6777. ’ 0 , f -/Eine neue Schöpfungstheorie.) Professor Deesy in Fünfkirchen behauptete in einer gelehrten Abhandlung: Der Mensch stammt nicht vom Aff.n, sondern vom Frosche, der Affe ist selber nur ein verkümmerter und verkommener Mensch Der Mensch wird auch wieder zum Frosch und das geht so zu: Dcr Mond nähert sich fortwährend der Erde und die Gr-nze dieser Annäherung wird erst dort sein, wo er die Oberfläche der Erde berührt. Dann werden die Erdtheile von den Fluthen langsam in die Meere hineingeschwemmt werden, das Meer wird die hereingeschwemmten Tbeile verschlingen und wir Menschen werden in unsere Urformen zuruckkebren, wir werden wieder Wafferthiere, Frösche. (Der gelehrte Herr Professor vielleicht em Laubfrosch? Frage des Setzerlehrlings.) Bekanntlich wird dieser Wein schon seit langer Zeit als ein yunuyviiutui. durchaus zweckentsprechendes Stärkungsmittel seitens der Aerzte nut Borueoe angewandt und auch den übrigen Medicmalweinen im Allgemeinen vorgezogen. Die Vorzüge, welche dieses bekannte ungarische Naturproduct vor allen anderen ^//uen, die zur Stärkung kranker oder schwächlicher Personen dienen, besitzt sind erklärlich, wenn man in Erwägung zieht, daß der Tokayerwein neben einem' fehr geringen Gehalt an Alkohol (8—10%) die belebendsten Theile der Traube in weit höherem Grade, als die anderen Weine, enthält. Obgleich die besseren spanischen und Pcrt-Weine in die Medicin gut eingeführt sind, so bleibt es doch immerhin Thatsache daß man diese 9ßeine hauptsächlich nur bei Männern anw nden kann, während Frauen" Kinder und schwächliche Personen eines Weines bedürfen, der bei einem sehr geringen Gehalt an Alkohol die feinsten Bestandtheile besserer Weine in großer Menge liefert. . Die Hof-Ungarwein-Großhandlung von Rudolf Fuchs in Hamburg ist diejeiuge, welche den Import dieser Weine in hervorragender Weise führt, und hat es sich stets angelegen sein lassen, die edelsten Tokaperweine in den Handel zu bringen nr --iMedicinal - Tokayerwein" der Firma Rudolf Fuchs ist bei Herrn Apotheker W. Kn och in Gießen zu haben. im Gieße, Montag d- von #Dra joll tui Aßen Dißricten An und Heingesl Holz öffentlich Abfuhr m. Monats o WtaintTleße Werden wnb ' Wbn Abfuhr TiÄ o-l® Großh. Ow 5583)___ M Iie Schenh-' R a u Kchen 5,8 Aspen 2 Buchen 0,8 Erlen 5,8 Nadeln, j Weiden i B. 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