Nr. 47. Mittwoch den 25. Februar 1SSO. Hichmer MnWW A«M- Wh AmtshW sil Hk« Kreis Gieße«. WeoorttsrrSbnrea« r Schulstrahe B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-. Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit L tngerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. WUBIIWIWIMUMBI Amtticher H8eik. Bekanntmachung. Gefundensr 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Broche, 1 Pfeife, 1 Zange, 1 Handschuh, eine Rolle Schreibpapier, 1 Pelzstauchen, 1 Taschenmesser, 1 Baschlik. Zugelaufen 1 großer schwarzer Hund. Die gefundenen Gegenstände find auf der Polizeiwache (Schloßgaffe 258) aufbewahrt. Gießen, den 23. Februar 1880. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen. Fresenius. Deutschland. Darurstadt, 24. Februar. Die „Darmst. Ztg." ist ermächtigt, aus einem von Seiner Großherzoglichen Hoheit dem Prinzen Alexander an Seine Durchlauchtigste Gemahlin gerichteten Briefe folgenden Auszug zu geben, der aus dem sranzöstschen Inhalt des Briefes übersetzt ist. Am Bahnhose wurde ich von allen Söhnen des Kaisers und Sandro (güifi von Bulgarien) empfangen und nach dem Wtnterpalais geleitet. Auf der Treppe erwartete mich der Kaiser und wollte mich in meine Zimmer führen, was ich ablehnte; wir begaben uns nun durch den großen Corridor nach Seinen Appartements, als plötzlich eine furchtbare Detonation erfolgte; der Boden unter uns hob fich wie durch ein Erdbeben, alle Gasflammen im Cor-- rcidor erloschen. Vollständige Ftnsterniß, entsetzlicher Staub und Geruch von Pulver und Dynamit. Man rief uns zu, daß ein Kronleuchter in dem Salon yerabgestürzt sei, wo der Tisch für das Familiendiner gedeckt war. Ich eilte mit dem Thronfolger und Wladimir dorthin, während Graf Adlerberg den Kaiser zurückhielt in der Ungewißheit, was noch folgen könnte, da man an eine Gas- rxploficrr glaubte. Wir fanden alle Frnsterscheiben zerbrochen, die Wände gesprungen, die Kronleuchter zertrümmert u. s. w. und einen erstickenden Pulvergeruch : es war kein Zweifel mehr, daß unter dem Salon, in welchem der Kaiser seit der Rückkehr der Kaiserin speist, eine Mine gesprungen war; durch meine Ankunft war die Dinerstunde um eine halbe Stunde verlegt worden, und so kam es, daß die kaiserliche Familie noch nicht in dem Eßzimmer versammelt war- (Dieses provisorische Speisezimmer gehört zu dem Appartement, welches ich sonst immer bewohne, und nur well ich gerne mit Ludwig zusammen wohnen wollte, hatte ich mir diesmal ein anderes ausgebeten). Die Mine befand fich in einem Keller unter der Hauptwache und diese wiederum unter dem Speisezimmer; fle war aber doch nicht stark genug, um die Gewölbe zu durchbrechen. Wir hörten von unten entsetzliches Jammergeschrei: es waren die armen Soldaten cotn finnländischen Garde-Regiment, unschuldige Opfer dieses neuen Verbrechens, die mit den Steinplatten des großen Wachtsaales erst in die Höhe und dann in den Keller hinab geschleudert worden waren; von den 60 Mann waren ungefähr 50 getödtet oder verwundet. Der Anblick war herzzerreißend, als wir mit dem Thronfolger hineindrangen. Eine der großen Küchen war auch eingestürzt. Man hat bis heute früh 10 Leichen gesunden, 8 Soldaten sind sterbend, 44 verwundet, darunter auch Civiliften. In einem großen Theil des Winterpalais sind die Doppelfenster zertrümmert, auch in meinem und Ludwigs Zimmern. Ein großes Glück ist, daß die arme Kaiserin, die bei meiner Ankunft schlief, gar nichts hörte. Heute früh hat ihr der Kaiser einen Theil der Wahrheit mitgetheilt, die sie ruhig rmd gefaßt anbörte. Gestern hatten wir ^hr nur von einer Gasexplofion gesprochen. Wir brachten noch die halbe Nacht in Erwartung weiterer Schreckensereignifse zu, aber, Gott sei Dank, erfolgte nichts mehr. Darmstadt, 23. Februar. Gutem Vernehmen nach steht von Seiten "des Reichs der Erlaß von Ausführungsverordnungen, wie solche in den §§ 3 und 6 des Reichsgesetzes über den Verkehr mit Nahrungsmitteln, Genußmitteln und Verbrauchsgegenständen vorgesehen find, vorerst nicht in naher Ausficht. Die Polizeibehörden des Großherzogthums haben deshalb von Grohh. Ministerium die Weisung erhalten, lediglich an der Hand des Gesetzes eine strenge Überwachung des Verkehrs mit den darin benannten Gegenständen eintreten zu lasten und gegen Fälschungen rc. von Nahrungs- oder Genußmitteln die Hülse des Strafrichters in Anspruch zu nehmen. (D. Ztg.) Darmstadt, 24. Februar. (Rückfallfieber). Die Nachforschungen über die Herkunft und Reiseroute der in den Hospitälern zu Darmstadt, Hanau und Heidelberg neuerdings aufgenommenen Recurrenzkranken scheinen den Verdacht zu begründen, daß außer den in der Provinz Oberheffm bestehenden bekannten Jnfectionsheerden auch in Mannheim und in Orten der Bergstraße, ferner im Kreise Groß-Gerau, in der Gegend um Frankfurt, insbesondere auch bei Höchst am Main, dann aber auch im nordöstlichen Gebiet der Pro- oinz Starkenburg bereits weitere Heerde bestehen, von welchen aus Rückfalltyphus zur Verbreitung gelangt. Zur Vermeidung der zu befürchtenden zu- aehmenden Verschleppung der genannten Seuche ist insbesondere die Ueberwachung der Logirwirthschasten und Herbergen, die Ermittelung der in denselben erkran- llenden Personen und deren alsbaldige ärztliche Untersuchung unumgänglich uiöthig. In diesem Sinne find neuerdings wieder sehr bestimmte Weisungen an die Behörden und an das ärztliche Beamtenpersonal, insbesondere Seitens unserer Regierung, ergangen. —, Um der drohcnden Gefahr einer Einschleppung und demnächstigen Weiterverbreitung des zur Zeit in mehreren Kreisen des Großherzogthums herrschenden Rückfallfiebers in die Gefängnisse, polizeilichen und gerichtlichen Hiftlocale des Großherzogthums vorzubeugen, hat das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz vor einiger Zeit schon die strenge Durchführung einer sanitären Ueberwachung der genannten Anstalten verfügt und den bezüglichen Verwaltungsbehörden dahin gehende Instructionen ertheilt. Insbesondere soll auf eine Absonderung der nur vorübergehend Detinir- ten von anderen Jnhastirten geachtet und der Erhaltung der Reinlichkeit der Räume und der Utenstlien in denselben eine vermehrte Aufmerksamkeit zugewendet werden. Die Kreisärzte der Kceis-Gesundheitsämter, die Kreis-Assistenzärzte und die delegirten Kreisärzte sind angewiesen worden, sich durch regelmäßige Besuche von dem Gesundheitszustände der in den polizeilichen und gerichtlichen Hastlocalen ihres Wohnortes eingelieferten und bereits bett» nirten Gefangenen zu überzeugen und jedem Auftreten einer fieberhaften Krankheit bei denselben die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Etwa an Rücksalltyvhus Erkrankte oder dieser Krankheit Verdächtige sollen streng isolirt und sofern möglich alsbald in ein geeignetes Krankenhaus, jedoch nicht unter Benutzung der Bahn, verbracht werden. (D. Ztg.) Berlin, 22. Februar. Die officiöse „Prov.-Corresp." schließt einen längeren Artikel über die diesmalige Reichstagssesston mit folgenden Sätzen: „Eine Vorlage, bei welcher vielleicht lebhafte Meinungsverschttdenheiten hervortreten können, betrifft die nicht mehr alljährlich, sondern ein Jahr um das andere vorzunehmende Feststellung des Reichsbudgets mit der Maßgabe, daß jedes Mal zwei Jahresbudgets gleichzeitig, aber dem Inhalt nach getrennt zur Beschlußnahme gelangen sollen. Wenn diese Veränderung von manchen Stimmen als eine Schmälerung der Rechte des Reichstags dargestellt wird, so ist eine solche Behauptung kaum verständlich. Die Rechtsverminderung wird darin gesucht, daß mit der alljährlichen Budgetseststellung die Nothwen- digkeit der alljährlichen Berufung für den Reichstag wegfällt. In der Richt- berusung, wenn fie einmal stattstnden sollte, wird für den Reichstag die Beraubung der Möglichkeit, seine Rechte auszuüben, während einer Sesstonsdauer gesehen. Die Rechnung ist aber selbst nicht arithmetisch richtig. Denn wenn — was nicht vorauszusehen — die zweijährige Berufung des Reichstags zur Regel würde, so würde die Sesfion dann bei einer entsprechenden Einrichtung für die Landtage 6 Monate und länger in Anspruch nehmen dürfen, während bei der alljährlichen Berufung die Sesfion doch nur 3 Monate und vielleicht etwas darüber aus Rücksicht auf die in demselben Jahre arbeitenden Landtage in Anspruch nehmen kann. Die Frage würde sich darauf zurücksühren: ob es bester ist, wenn der Reichstag und die Landtage ihre Aufgaben alljährlich in dreimonatlichen Abschnitten, oder ein Jahr um das andere in sechsmonatlichen Abschnitten erledigen? Wer den Werth längerer ununterbrochener Zeiträume für zusammenhängende Arbeiten kennt, der dürfte in der Antwort zu Gunsten der jetzigen Regel doch nicht so rasch sein, als es heute die Stimmen find, welche sich selbst und der öffentlichen Meinung nicht die Zeit zur Prüfung gönnen." — Die „Volksztg." schreibt: In unterrichteten parlamentarischen Kreisen wird versichert, daß der Reichskanzler fich nur zu einer bedingunSlosen Annahme des Militärgesetzes durch den Reichstag verstehen und namentlich entschiedenen Widerspruch gegen etwaige Anträge aus Herabsetzung des Termins für die Feststellung der Präsenzstärke des Heeres erheben werde. Nach dem Laufe der Dinge ist der Reichskanzler persönlich davon überzeugt, daß er zur Durchdringung des Militärgesetzes unbedingt der Unterstützung der national- liberalen Fraktion bedürfen würde, da das Centrum deut Anscheine nach der Militärvorlage entschiedene Oppofition machen wird. Wir hören übrigens, daß der Reichskanzler nur bei den dringendsten Anläffen im Reichstage zu erscheinen und dort das Wort zu nehmen gedenkt. — Ueber die bei den Nihilisten gemachten Funde erzählt man sich in Petersburg (nach einem Briefe der „Posener Zeitung") Folgendes: Unter den beschlagnahmten Papieren befand sich eine chiffrirte Depesche, welche in der dritten Abteilung der kaiserlichen Kanzlei nur mit Mühe enträthselt werden konnte. Aus dieser Depesche geht hervor, daß eine bedeutende Anzahl von Osficieren der Lmientruppen, ja sogar der Garde, wie nicht minder einige Großwürdenträger, selbst solche, die der Person des Kaisers nahe stehen, mit den Nihilisten in Verbindung getreten find, um den Kaiser endlich zu nöthigen, dem Lande eine Constitution, der Armee, Preffe und den Schulen mehr Frei- heit zu geben. Die Entdeckung dieser Depesche, wie andere Schriftstücke soll einen tiefen Eindruck hervorgebracht haben. Als dem Kaiser ihr Inhalt mib getheilt wurde, ließ er sofort den Glasen Schuwaloff zu sich berufen, mit dem er lange conferirte. Später wurde der Großsürst-Thronfolger zum Kaiser berufen; über die Unterhaltung beider verlautet selbstverständlich nichts. Jndeß behauptet man, sie müsie sich auf die „sehr hochstehende Person", von welcher in der bet dem Nihilisten Deutsch gefundenen Depesche die Rede ist und die unzufrieden sein soll, weil ihre Verdienste im letzten Kriege nicht gehörig gewürdigt und belohnt worden sind, beziehen. Kußland. Petersburg. Als Beitrag zur Geschichte des Attentates mag eine Mitthetlung des „Neuen Wiener Tagebl." verzeichnet sein, dte dieses Blatt „aus diplomatischen Berichten" geschöpft zu haben behauptet. Dieselbe lautet: In den letzten Wochen schon erhielt Kaiser Alexander pünktlich an jedem Morgen einen an ihn adressirten, wohlverstegelten Brief, der stets in derselben knappen Faffung die Drohung enthielt, daß, falls der Monarch sein „Unter- drückungssystem" nicht ändern und das Volk von seinen Ketten nicht befreien sollte, er, der Czar, sein 2b. Jubiläum nicht feiern werde. Das Papier, aus welchem die Drohung geschrieben war, zeigte stets einen schwarzen Rand, und in Hofkreisen bekam die geheimnißvolle Zusendung den Namen „der schwarze Brief." Alle Vorkehrungen und Mittel, die Person desjenigen zu ermitteln, der täglich den schwarzen Brief in das Cabinet des Kaisers gelangen ließ, erwiesen sich unwirksam. Es blieb nur die Annahme übrig, daß unter den Bediensteten des Czaren Leute sich befinden, welche die Bestellung des schwarzeu Briefes besorgten. Die Sicherheit im Palaste selbst, im Innern desselben, war somit compromittirt, bedroht. Am 8. Februar wurde nun eine bettächtliche Zahl von Hofbeamten geringeren Grades und von Bediensteten Knall und Fall entlasten und durch Leute ersetzt, deren Zuverlässigkeit die Geheimpolizei verbürgte. Aber nicht genug damit. General Gurko veranlaßte, daß zum persönlichen Dienst beim Kaiser Officiere aus den verläßlichsten, in Petersburg garnisontrenden Regimentern verwendet werden, wobei man Personen deutscher Abstammung den Vorzug gab. Allein alle diese Maßregeln erwiesen sich als unwirksam, der „schwarze Brief" gelangte wie vordem Tag für Tag in die Hand des Kaisers, dessen Unruhe begreiflich immer mehr wuchs. Die Ahnung, daß eine Katastrophe im Anzuge sei, bemächtigte sich der Gemüther Aller, die im Palaste verkehrten. Telegraphische Depeschen. Wagaer'- telegr. Correspondenz • Berlin, 23. Februar. Reichstag. Eingegangen ist die Uebersicht der Entschließungen des Bunoesrathes bezüglich der Beschlüsse des Reichstages in der vorigen Session und ein Schreiben des Reichskanzlers betreffs Gestattung der Verwendung von Kirschblättern und Weichselblätter zur Tabaksfabrikatiou. — Das Haus geht über zur Berathuug des Antrages Hasenclever auf Siftirung des Strafverfahrens gegen Hassel- mann und Fritzsche. Hasenclever begründet den Antrag. Er erinnert an den vorjährigen entsprechenden Beschluß des Reichstages und dessen Declaration betreffs des Sinnes des § 28 des Socialistengesetzes und sucht die Motive, womit das Kammergericht die Sache an das Landgericht zur Strafverhandlung verwiesen, zu entkräften. Redner wird, weil er in Bezug auf die Thätigkeit des Reichstages von Nonsens gesprochen, vom Präsidenten zur Ordnung gerufen. Hasenclever will seinen Ausdruck auf den Beschluß des Kammergerichts bezogen haben. Der Präsident hält den Ordnungsruf auch in diesem Falle aufrecht. — v. Helldorf beantragt die Verweisung des Antrages an die Geschäftsordnungs-Commission. — Sonnemann befürwortet bie Annahme des Antrages und die Interpellation des § 28, um die Reichstags-Abgeordneten vor Verfolgung zu schützen. Windthorst tritt dem Anträge v. Helldorf's bei. Klotz befürwortet die sofortige Annahme des Antrages Hasenclever, ebenso Lasker, v. Kardorff spricht für Verweisung an die Commission. Der Antrag auf Verweisung an die Commission wird abgelehnt und der Antrag Hasencleoer angenommen; gegen letzteren stimmen die Deutjch-Conservativen Die Interpellation Stumm, betr. die Begründung von Alterversorgungs-Cassen, wird von der Tagesordnung abgesetzt. — Hierauf tritt das Haus in die zweite Beratung des Etats ein. Die Etats des Bundesrathes, des Reichskanzlers und der Reichskanzlei werden ohne Debatte unverändert genehmigt. Bei dem Etat des auswärtigen Amtes bemängelt Hänel die Erhöhung des Gehaltes für den Staatssecretär und beantragt Streichung der Mehrforderung. Bundescommissar v. Bülow recht- fertiat die Mehrforderung. v. Kleist-Retzow und v. Maltzahn-Gültz befürworten sie gleichfalls. Richter bekämpft dieselbe. Der Antrag Hänel wird abgelehnt und die Mehrforderung bewilligt. — Titel 42 fordert für das Consulat in Apia auf den Samoa- Inseln 29,000 JL Hänel beantragt Verweisung des Titels an die Budget-Commission behufs näherer Prüfung der betreffenden Verhältnisse. Bundes-Bevollmächtigter v. Philippsborn hat gegen die Verweisung nichts einzuwenden, macht aber darauf aufmerksam, daß die Gründung des Consulats zu Apia mit der Vorlage wegen der Süd- see-Jnseln nicht im mindesten Zusammenhänge. Ucbrigcns handle es sich bei der neugebildeten Handelsgesellschaft nicht um ein Staatsgeschäft, um eine Staatsgesellschaft, auch nicht darum, daß der Staat dabei Geschäfte mache, sondern das Gesetz gipfelt in dem Wunsche, die nationalen deutschen Interessen auch im fernen Auslande zu schützen. Der Titel wird an die Budget-Commission gewiesen v. Holder wünscht Unterstützung der deutschen Schulen in Palästina aus Reichsmitteln. Bundescommissar v. Bülow erwidert, die deutschen Colonien in Palästina seien schon lange Gegenstand der Aufmerksamkeit der Reichsregierung. — Der Etat wird im Uebrigen ohne Debatte genehmigt. — Es folgt der Etat des Reichsamtes des Innern. Die Position für das Organ „Deutsches Hanoelsarchiv" wird an die Budget-Commission verwiesen. Auf eine Anfrage von Mendel erklärt der Director des Reichsgesundheitsamtes Struck, der Entwurf der ärztlichen Prüfungsordnung liege gegenwärtig den Landesregierungen zur gutachtlichen Aeußerung vor. — Der Etat wird bis auf die Positionen für einen neuen Secretar beim Gesundheitsamt, die an die Budget-Commission verwiesen wird, genehmigt. Es folgt der Etat der Verwaltung des Reichsheeres. Windthorst klagt über die mangelhafte kathoulchc Seelsorge bei den preußischen Armeecorps. Kriegsminister v. Kamecke erwidert, cs werde für die Militär-Seelsorge Alles geihan, was in den Kräften der Heeresverwaltung stehe. Auf Anregung Roggemans erklärt der Minister, die Gehaltserhöhung der Auditeure liege in den Intentionen der Regierung. Mit der Ausarbeitung einer Militar-Strafproceßordnung sei die Regierung beschäftigt und werde dieselbe baldmöglichst vorlegen. Richter (Berlin) bringt die Ausschließung der unabhängigen Presse Ostpreußens von der Zuwendung der amtlichen Inserate zur Sprache, v. Praschma beklagt sich über die harte Ausführung des Ordensgesetzes im Hinblick auf die Beeinträchtigung der Krankenpflege im Kriege. — Minister v. Kamecke erkennt die Leistungen der religiösen Orden auf dem Gebiete der Krankenvflege an, bemerkt aber, daß es außer seiner Macht liege, Abhülfe zu schaffen. Der Minister protestirt gegen die Aeußerung v Praschmas, daß die Militärgesetz-Nooelle auf nahe blutige Kriege deute. Der Etat führt im Uebrigen nur zu unerheblichen Debatten und wird, abgesehen von einigen Positionen, welche an die Budget-Commission verwiesen werden unverändert bewilligt. Fortsetzung der Berathung morgen. Petersburg, 23. Februar. Der „Regierungsbote" meldet bezüglich der Explosion im Winterpalais, die begonnene Untersuchung habe gewtffermaßen positiv ergeben, daß das Verbrechen durch eine Person begangen worden sei, welche für einen Arbeiter gegolten habe. Es sei Grund vorhanden, einen Zusammenhang zwischen dieser Person und einigen bereits vor der Explosion verhafteten Individuen zu vermuthen. Petersburg, 23.Febr., Abends. Die Nachricht auswärtiger Blätter über das angebliche Verschwinden des wachthabenden Ofstcters bet der Explosion im Winterpalais ist erfunden. Alle Officiere und Mannschaften haben ihre Pflicht auf's Gewiffenhafteste erfüllt, wofür der Kaiser selbst dankte. Ebenso unbegründet ist die Nachricht von einem Unwohlsein des Kaisers. Der Kaiser, welcher vollkommen wohl ist, besuchte heute, im offenen Schlitten fahrend, die Pawlow'sche Kriegsschule. Bei der Rückfahrt bereiteten dte KctegS- schüler dem Kaiser eine glänzende Ovation, indem ste unter nicht enden wollenden Hurrahs den Schlitten Sr. Majestät bis zur Nikolaibrücke geleiteten. Hier begrüßten die Paffanten den Kaiser ebenfalls mit enthusiastischen Zurufen, welche sich von der Brücke den ganzen Quai entlang fortpflanzten. Der Kaiser, durch die Ovation sichtbar erfreut, dankte nach allen Seiten huldvollst grüßend. Lokales. Gießen, 21. Februar. Dom 14. biß 19. Februar l. I. sind in den RecurrenShospi ialern zu Gießen zugegangen 10 Kranke (8 M., 2 2B.j, als genesen wurden entlasten 9 (6 M., 3 W.), Todesfälle haben sich nicht ereignet, verblieben ist ein Krankenbestand von 73 (66 M., 7 W.); dte Gesammtzahl der vom Beginn der Epidemie ab dort aufgenommenen Kranken be läuft sich auf 175 (156 M., 19 W ) und sind von diesen der Krankheit erlegen 14 (13 M., 1 W.). — In dem Recurrenshospitale zu Friedberg sind in demselben fünftägigen Zeitraum zu» gegangen 5 Kranke, geheilt entlasten wurden 2, und es verblieben deren 30, sämmtlich Männer; feit Beginn der Epidemie sind in diesem Hospitale in Verpflegung gekommen 59 Kranke (57 M-, 2 W.) und hiervon verstorben 4 f 40 rm Eichenschetl- und Knüppelholz. Die Versteigerungen sind so gelegt, daß Kauflusttge ihnen beiwohnen können, auch ist für Führer gesorgt. (1213 Groß-Rechtenback (Kreis Wetzlar), den 23. Februar 1880. Das Bürgermeister-Amt. 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D.25. 1135) Eine Familienwohnung von fünf Zimmern nebst allem Zubehör, Wasserleitung und Bleichplatz ist zu vermiethen und am 16. Mai zu beziehen. Jedoch nur an eine ruhige Familie. Gartenstraße B. Nr. 171 a. d. Wieseckbrücke. Aermiethrrngcn. 1208) Eine Werkstätte zu vermiethen. _________I. Heß, Teufelslustgärtchen. 1214) Ein möblirtes Zimmer zu ver- miethen.________________Marktstraße 27. ’ 1217) Neue Mansardenwohnung sofort zu vermiethen.________Emil Meugel. 1216) Ein Logis von 2—3 Zimmern zu vermiethen. Näheres in der Exped. 1226) Unserem lieben Freund und Freundin Georg und Katharine A... ch zu ihrem heutigen Wiegenfeste ein dreifach donnerndes Hoch! Humor. FSLin Gymnasiast oder Realschüler kann ^2/ bei einer anständigen Familie Kost und Logis erhalten. 1087)___________Neustadt D. 42 645) Ein Lagerraum, trocken und leicht zugänglich, zu miethen gesucht- Zu erfragen __bei A. Kröll. 1185) Ein angehender Commis, welcher sich für kleinere Reisen eignet, wird für ein Farbwaaren-Geschäft gesucht. Franco« Offerten besorgt unter Nr- 1185 die Exp. d. Bltts.____________________________________ 1215) Ein braves Dienstmädchen wird in eine bürgerliche Haushaltung gesucht- Näheres durch die Exped. d. Bltts.______ Ein junges Mädchen im Kleidermachen erfahren, sucht Stelle als Stütze der Hausfrau oder auch zum Unterrichte kleinerer Kinder. Hauptbedin- gung: familiäre Behandlung. Näheres bei der Exped. d. Bltts. (1094 Verantwortliche Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scherr Univ.-Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.