18SO Donnerstag den 19. August Nr. 192 "teMdionebure»ttt 1 @c6utfl »xpedMonSbureau- I tafle B. 18. welcher sich durch seiner Hände Arbeit ernährt, gilt geringer alS Der, welcher sein Geld sür sich arbeiten läßt und wegen der günstigeren Rentabilität dieser Art „Arbeit" befähigt ist, einen besseren Rock zu tragen, als jener. Der große Kaufherr oder gar der Herr Geheimrath würde sihr verdrießlich die Nase rümpfen und das Bedürfniß eines Ortswechsels empfinden, wenn es ein einfacher Arbeiter „wagen" wollte, in einem öffentlichen Locale sich zu ihm an denselben Tisch zu setzen. — Gestehen wir uns die Thatsache em, die alten Vorurthetle des Ständestaates zittern uns noch in allen Fibern; der Arbeiter nimmt eine geringere sociale «Stellung bei uns ein, lediglüh weil er dem Arbeiterstande angehört und dieser geringer gilt, als andere stände. Und hieraus zum Theil auch entspringt der übermäßige Andrang zum kaufmännischen Gewerbe. Keiner will seine Söhne gesellschaftlich sinken lassen, jeder sie gesellschaftlich heben; und so kommt es, daß der Beamte, der Kaufmann, der Landwirth seinen Sohn, wenn die Mitt«! fehlen, ihn studtren zu lasten, oder der Knabe nicht dazu die geistige Qualification besitzt, Kaufmann werden läßt, und daß das Gleiche der Handwerker, der Bauer re. mir dem seinen thut. Predige man dagegen, so viel man will, und mache man auf Ye drobeude Befchästigungslosigkeit so ernst als möglich aufmerksam, es wird nichts mr Jeder wird sich mit der Hoffnung trösten, daß gerade sein Kmd das Gluck haben werde, von den Gefahren d-s Kausmannsberufes verschont zu Heißen. Neben diesem Umstande hat allerdings an dem Nothstande der Haude^gehllfen auch die im Handel wie in der Industrie gleich große Sucht nach Beschasti- gung billigster Arbeitskräfte, d. h. von Lehrlingen und Frauen schuld — kommt doch auf 2 kaufmännische Gehilfen im deutschen Reiche schon ein Lehr- lins und auf 3 Commis eine weibliche kaufmännische Arbeitskraft. Aber der Andrang der Lehrlinge würde nicht stattfinden und diese Sucht fördern, und die durchaus berechtigte, und im Jrrtereste der Versorgung unvechetratheter Frauen sehr wünschenswerthe Verwendung weiblicher Verkäufer wurde nicht bekämpft werden brauchen, wenn das Vorurtheil in Wegfall käme, das man gegen die gewerbliche Arbeit hegt und das Tausende und Abertausende junger Leute, die Intelligenz und Bildung in den Arbciterstand bringen könnten, einem hoffnungslosen Elende im Kaufmannsstande zusührt. Hier muß unseres Erachtens etngegriffen, in der Gesetzgebung, in der Erziehung, im gesellschaftlichen Leben müsten die Anschauungen bekämpft werden und verschwinden, welche die eine Erwerbsart der anderen überlegen erscheinen lasten und in Jedermanns Denken und Handeln muß die Ueberzeugung dringen, daß die ehrliche Arbeit, welcher Art sie auch sein möge, den einzigen Anspruch auf gesellschaftliche Achtung begründe. Der Nothstand unter den Handlungs-Gehilfen. Seit einigen Wochen finden in Berlin Versammlungen statt, welche das Vorhandensein eines umfaffenben Nothstandes auch in dem Kreise der kauf- männischen Gehilfen constatiren. Die Thaifache dieses Nothstandes selbst ist nicht neu. Die Annoncen-BIätter der Zeitungen bestätigten sie seit Langem, und wenn man die Standesliflen der im letzten Jahrzehnt dem Verbrecherthum Anheimgefallenen durchstudirte, so fand man das kaufmännische Gewerbe in einem, im Verhältniß zu dem mit ihm verbunden gedachten Wohlstände und gesellschaftlichen Bildungs- und Sittengrade so auffallenden Maße vertreten, daß man füglich nur auf allgemeinere erwerbliche Mißstände in ihm schließen konnte. Neu ist nur der Umstand, daß die kaufmännischen Commis zum ersten Mal an ein gemeinsames Handeln zur öffentlichen Aufdeckung und durchgrei- senden Behebung des unter ihnen vorhandenen Elends denken, wie es die gewerblichen Arbeiter schon längst geihan. Daß dies bisher nicht geschehen, ist leicht daraus erklärlich, daß die kaufmännisch Angestellten zumeist aus Fami- lien stammen, welche befähigt sind, oder sich ihrer gesellschaftlichen Stellung wegen verpflichtet glauben, eine Zeit lang für ihre erwerbslosen Söhne zu sorgen; nickt zum Geringsten mag aber auch die vornehme Scheu der jungen Kaufleute mitgewirkt haben, in die Reihen der vielgeschmähten Arbeiterbewegung einzutreten und dadurch einzugestehen, daß sie, im Grunde genommen, nur eine besondere Art von Arbeitern seien, deren Erwerbsverhältniffe denselben öconomischen Gesetzen und Erscheinungen unterstehen, wie die der unselbstständigen Arbeit überhaupt. — Die Verhältnisse sind mächtiger, als der menschliche Wille, und so sind denn auch die erwerbslosen Angestellten des kaufmännischen Berufes endlich gezwungen worden, den proletarischen Charakter auch ihres Standes zu offenbaren und einzugestehen. Leider ist nicht abzusehen, wie der Nothstand der kaufmännischen Commis dauernd anders beseitigt werden soll, als indem dieselben sich entschließen, in andere Arbeitskreise ihre Ueberzahl abfließen zu lasten, denn gerade die distributiven Erwerbe haben sich in den letzten Jahrzehnten in einer so bedeutenden SBeife verwehrt, daß eine weitere Vergrößerung der Zahl der Einzelbetriebe, selbst bei gesteigerter Geschäfts-Conjunetur, ohne eine Verringerung ihres Ertrages und damit der Möglichkeit, angestellte Personen zu beschäftigen, kaum noch denkbar ist. Man zählte im deutschen Reiche im Jahre 1875 auf 100 Köpfe der Bevölkerung je ein kaufmännisches Geschäft; und von den 691,496 Personen, welche im Handel beschäftigt waren, sind zwei Drititheile oder etwa 440000 selbstständige Geschäftseigner und -Leiter gewesen. Man hat es also in den kaufmännischen Betrieben zum weit überwiegenden Theile mit solchen zu thun, die überhaupt keine fremde Arbeitskraft verwenden und bezahlen. Daran würde bei der übergroßen Concurrenz im Kleinhandel auch ein Aufschwung der Geschäfte nur wenig ändern. Schwerlich wird der Handel in absehbarer Zeit die Erwerbslosen seines Zeichens alle wieder aufnehmen können — rechnet man doch sür Berlin allem 13,000 stellungslose Handlungs-Commis, und im gleichen Verhältniß wie zur Bevölkerung Berlins dürfte die Erwerbslosigkeit im kaufmännischen Gewerbe auch in anderen größeren Städten grasstren — -umal bei den Kaufleuten kein so rascher Wechsel in der Stellung, resp. zwischen Beschäftigung und Beschäftigungslosigkeit, stattzufinden pflegt, wie er die Lage des einzelnen Industrie-Arbeiters etwas mildert. Der junge Kaufmann, einmal in Stellung, behält dieselbe, wenn er nur halbwegs brauchbar ist, auch längere Zeit, die Vacanzen treten weniger häufig ein, als in der Industrie, und die Stellungslosigkeit dauert darum gewöhnlich länger als dort. Dem längere Zeit stellungslosen Commis wird es dann auch viel schwerer, wieder zu Beschädigung in seinem Berufe zu gelangen, weil er, wenn er nicht eigene Hilfsmittel hinter sich hat, späterhin nicht mehr im Stande ist, in der Kleidung den äußerlichen Anstand zu repräsentiren, der in seinen Kreisen verlangt wird. Unzweifelhaft wird also der Ucberschuß des kaufmännischen Proletariates über den Bedarf an kaufmännischen Arbeitskräften, wenn et nicht verkommen und verderben will, sich entschließen müffen, in andere Erwerbs- Branchen einzutreten. In Amerika vflegt sich ein solcher Uebergang leicht zu vollziehen, bei uns wird er durch gesellschaftliche Vorurthetle aller Art auf das Aeußerste erschwert Drüben" gilt der Mann nach seinem inneren Werthe, und wer seine gesellschaftlichen Pflichten erfüllt, genießt die gleiche Achtung ob er als Präsident oder als Tagelöhner arbeitet; nur während der Arbeit herrscht Subordination, außerhalb der Arbeit, in der Gesellschaft, herrscht Coordina- tion, ist man nicht Arbeiter ober Arbeitgeber, steht man nicht auf den schlechteren ober besseren Rock, sondern ist man gleichberechtigter und gleichwichtiger Bürger. Bei uns ist das Sprichwort: „Die Arbeit schändet nicht" in der Regel theoretische Phrase, in’ber Praxis schändet die Arbeit doch. Der, Deutschland. Berlin. 15. August. Die elementaren Schrecknisse haben sich letzthin so gehäuft, daß das Gefühl dagegen beinahe abgestumpft ist. Das Unglück ist uns so nahe gekommen, daß wir dem fernen fast theiluahmlos gegenüber- stehen. Aber jedes Uebel hat seine gute Seite, und so schlägt denn auch die Häufung des Unglücks insofern zum Guten um, als sie unsere Aufmerksamkeit auf die Erforschung der Ursachen hinlenkt. — Ein polnischer Abgeordneter nannte im letzten Winter im preußischen Abg-°rbnetenhause Schlesien das deutsche Irland. An dieser harten Bezeichnung ist etroaä Wahres -denn Schlesien ist wirihschastlich fast so vernachlässigt wie Irland, der Oberschlesier gilt für ebenso träge, wie der Irländer. Und obwohl die Parallelrsirung de Bewohner nicht uunchtig ist, geschieht dem Oberschlesier d-mit doch bitteres Unrecht: Er ist nicht von Natur träge, sondern er ist cs erst durch den Zwang eines traurigen Geschickes geworden. Schon vor hundert Jahren war die Nothwendigkeit erkannt worden, durch Regulirung der Oder die schwemrnuugen aufhören zu machen- Dieser hmidertjährige E ß die That nicht gefolgt, es ist nichts zur Sicherung Obecschttstcns I Wen» nun der Landmann säst Jahr für Jahr ^uer Hände W^k ver chttt, die Frucht seiner Mühen zerstört steht, so muß er amnglifl Wu Bor Oer Arbeit bekommen, deren Ertrag ihm so leicht unb ohne g Bn WutttnttP loren geht. Seit hundert Jahren ist die Od-rregultrung p ojectirt seit hunder Jahren streitet man sich um die Vorzüge dieses ober UZ Projectes, de stdes dem anderen im Wege steht. Es ist eben hi , wi schon so oft, das d-, z„»d d,» w« «"*«- Ä * ®«i- ehr kostspielige schnelle Wied r ehr des Umstand W t beiaetraaen da/ die Zusammenkunft der Kaiser Wil- bttm unb Tran, Joseph in IW diesen beiden großherzigen Monarchen Ge- legmheit gkb im Pttncip das Zusammenarbeiten beider Regierungen, m deren Auf dem gestern dahier abgehaltenen Viehmarkt ist ein Kalb zurückgeblieben, dessen E'gcnthümer sich bis jetzt nicht gemeldet hat. Derjenige, der Ansprüche an dieses Kalb zu machen hat, wird hiermit aufgefordert, solche alsbald bei der un ®fcfien Gießen, den 18. August 1880. Großherzogltche^Poltzeiverwattung Gießen. (5452 . Preis'vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringerloh^ Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pj» b''°Äs^t«ufdu --- btliltn • n und gute aSJÄ*« '£?'i"äÄÄ lim? eltersweg C. 63. )HISCHE ANSTALT " Aeilldruckttei rteü Druckarbeiten, ist« Anfertigung ureigen, Visitenkarte^ M Todesanzeigen etc. igehnarken. 'eriizer keWMcher i Krlsche in Hannover. oeee Auswahl eo 4 feinen Papieren. Zeichnen ■Materialien_ RPRE88EN. Ulontag Mnd zwischen vier Federn von. i onlortn i2 schwarze unb- n Diederbringn eine Be- ■ Exved. d. 8L r.:t guten Zeugnissen ver- n sucht Stelle zur selbst- ng einer Haushaltung auf -chrere andere Mädchen .«küchenarbeil auf sogleich 'li. Auskunft erteilt ttrin Frau LangSdorf, ^.ndenplah 244 sSt g. g । den 19. 'August, Ihr Abends/ Versammlung nenadensaal. 25 Stifiuegsfeier- Dtk Lorstand. «Ä " jung» rlore»L» K-LV » «ll, ‘Sa 5?" * 101: Gebiet die Oder fließt, zu beschließen. Hoffen wir, daß dem „Beschluß" auch wirklich die Ausführung folgt AuS Schlesien, 15. August. Die Klagen über das völlige Darnte- derltegen der Tabaks- und Cigarren-Fabrikatton — wahrscheinlich in Folge der neuesten Zollpolitik — mehren sich. Aus Oppeln wird z. B. gemeldet, daß sämmtliche größere Fabriken sich genöthigt gesehen haben, sowohl die Arbeitszeit als den Lohn zu reduciren, weil lhre Lagerräume übersüllt sind, der erwartete Absatz aber ausgeblieben ist. Man fürchtet, daß es dabei nicht einmal sein Bewenden haben wird, sondern die Entlastung eines Thetls der Arbeiter nicht lange auf sich warten lasten wird. Da der zehnte Thetl der Bevölkerung der Stadt an der Fabrikation von Tabak und Cigarren betheiltgt ist, ist das eine schlimme Aussicht. Die Fabrikanten, welche große Vorräthe von Rohtabaken vor der Zollerhöhung angekauft und aufgespetchert haben, sind übel daran; denn weit entfernt, davon Gewinn zu haben, sind sie, wenn wcht bald eine Aenderung eintrttt, auch in Gefahr, noch die Zinsen für das Anlagekapital zu verlieren. — Das Gespenst des Tabaksmonopols treibt überdies zahlreiche Arbeiter und unter ihnen vielfach gerade die tüchtigsten, aus dem Lande. Seitdem vor einiger Zeit die Meldung verbreitet ist, der Reichskanzler halte an dem Plane des Tabaksmonopols fest, halten viele Arbeiter der Tabaks- branche die Einführung des Monopols für unabwendbar, und da sie wisten, daß dann der Consum erheblich abnehmen wird, somit auch die Zahl der beschäftigten Arbeitskräfte sehr herabgesetzt werden wird, suchen sie im Aus- lande ihr Glück. (Lpz- Tagebl.) München, 15. August. Der „Augsb. Abend-Ztg." wird osficiös geschrieben: Die „Forderungen Bayerns an Griechenland", für welche Fürst Bismarck sich, wie man aus glaubwürdiger Quelle erfährt, verwendet hat, sind in Wirklichkeit Forderungen des Prinzen Ludwig Ferdinand, auf welchen das Guthaben des Königs Ludwig I. erb weise übergrgangen ist. Weder die Staatskaffe noch die königliche Cabinetskaffe sind irgendwie bet der Geltendmachung dieser Forderung betheiligt. Irlrgraphischt Kepesqen. eBeget«’» ttleßx. • «mea*. Brüssel, 17. August. Der „Moniteur" veröffentlicht das Ämucstie- gesetz für Deserteure und andere Personen, die sich der Militärpflicht entzogen. Außerdem sind »och verschiedene andere Gnadenerlaffe des Königs publiewt. London, 17. August. „Daily News" erfährt, daß vor geraumer Zeit große Quantitäten von Druckschriften, dazu bestimmt, die indischen Muselmanen gegen die britische Regierung aufzuhetzen, von Konstantinopel nach Indien gesandt seien. Die Aufmerksamkeit der britischen Regierung fei auf. Umstände gelenkt worden, welche andeuteten, daß diese Schriften mit Wiffen der Pforte abgefaßt seien. — Nach dem dem Parlamente vorgelegten Schriftwechsel, betr. die unionistische Bewegung in Bulgarien und Ostrumelten meldete Lord Duffertn unterm 27. Juli, er habe bei dem Staatsrath v. Giers angefragt, ob der Ansbruch von Feindseligkeiten in Albanien das Signal für eine bulgarische Revolution für Ostrumelien sein würde? Giers habe hierauf erwidert, er glaub- nicht, daß eine Conjequenz etntrete. Die russische Regierung habe alles Mögliche gethan, um der bulgarischen Regierung und Allen, die sie in Ostrumelien beeinfluffen könnte, eindringlich vorzustellen, daß es höchst unklug wäre, eine der wichtigsten Bestimmungen des Berliner Vertrags in dem Augenblicke zuwiderzuhandeln, wo die Mächte so große Anstrengungen machten, die Durchführung der anderen Bestimmungen deS Vertrags zu sichern. Paris, 17. Aug. Bet den Bureaux-Wahlen der Gmeralräthe siegten die Republikaner bis jetzt in 14 Generalräthcn. Bet Eröffnung der Sitzungen constattrten die Minister, von denen sieben zugleich Mitglieder und Vorsitzende in Generalräthen sind, die Entwickelung des Wohlstandes in Frankreich und hoben hervor, daß der Frieden nach Innen wie nach Außen gesichert sei. Di- letzten Wahlen hätten jene Politik geweiht, welche «ntschloffen sei, von Allen gleichmäßig die Unterwerfung unter die Gesetze zu verlangen. Washington, 17. August. Der Bericht des landwirthschafilichen Bureaus für den Monat Juli constatirt als allgemeinen Durchschnittsstand der Baumwollen-Ecnte 102, als Durchschnittsstand der Gelreche-Ernte 98 gegen 100 pCt. im vergangenen Monat und 93 pCt. im Vorjahre und als Durch- schnittsstand des Frühjahrs-Weizens 88 gegen 81 pCt. im Vorjahre. Das Wetter ist günstig. Der Durchschnittsstand des Tabaks ist 86 gegen 77 pCt. im Vorjahre. London, 17. August, Abends. Unterhaus. Staatssecretar Hartingion erklärt bezüglich des Budgets für Indien: ES ergebe sich em Deficit von 7,005,000, wovon im gegenwärtigen Finanzjahre nur 3,500,000 zu decken seien- Es sei keine speciellc Anleihe dazu erforderlich. Es bestehe die Absicht, die Tratten auf Indien zu reduciren und die indische Regierung zu ermächtigen, die für Bauten genehmigte Anleihe von 2,500,000 zur Deckung des Deficits zu verwenden. Redner hofft, daß keine weiteren Kosten für den Krieg in Afghanistan sich Herausstellen würden. Was den Beitrag Englands angehe, so müffe die Regierung die Feststellung der gesammten Kosten des Krieges in Afghanistan abwarten. Bergen, 17. August. Der Violin-Vtrtnose Ole Bull ist gestorben. Lokales. , Gießen, 18. August. Heute Nacht stahl ein Mann in einer Hofraithe der Löwengaste ein Paar Hosen. Er wurde ermittelt unv verhaftet. — Gestern wurde mit der Füllung des Ofens auf der „Margarethcnhütte" der Anfang gemacht und wird solcher Ende der Woche hoffentlich angeblasen. — Eine eigcnthümliche Dtebstasche wurde auf dem gestrigen Wochenmarkle entdeckt. Eine Frau aus Wieseck wollte Gurken kaufen und feilschte zu diesem Zwecke bei verschiedenen Verkäufern herum, ohne zu kaufen. E'.Ne derselben bemerkte nun, wie die erstere eine Gurke in ihre Tasche verschwinden ließ. Sie revtdirte nun weiter und fand an der eigentlichen Tasche einen Sack angenäht, worin, von den Oberkleidern verdeckt, wohl ein halbes Simmer Gurken Platz hatte. Bereits 10 Stück derselben, sowie ein hübscher Rettig hatte die Frau schon etn- geheimst unv wird ihr wohl der beabsichtigte Gurkensalat etwas bitter vorkommen. Die Scene der Revidnung veranlaßte bei dem Markrpublikum einen ziemlichen Auflauf und läßt sich die- selbe cigcniUch nicht gut wiede'gcbcn. Vermischtes. Marburg, 14. August. In der heutigen Strafkammer-Sitzung Königlichen Landgerichts wurden folgende Strassachcn verhandelt: 1) Gegen Studiosus Carl Koppel aus Cassel, jetzt dahier und gegen Studiosus Wilhelm Fabricius von Umstadt, jetzt in Gießen wegen Zweikampfs mit tödllichen Waffen (qeschliffene Schläger) im Ruppersberg'schen Saal in Ockershausen. Beide Angeklagte sind geständig den Bestimmungen ihrer Corps zufolge (Haffo Nastovta hier und der Starkenburgia in Gießen) am 9. Juni er. ein Duell ausgeführt zu haben, wobei der Angeklagte Fabricius eine Wunde an der linken Oberlippe erhalten habe. Das Gericht verurtheilte jeden der beiden Angeklagten in eine Feftungsstrafe von drei Monaten und in die Kosten. 2) Gegen den Studiosus Georg Lenz von Kastel und gegen den cand. med. Hermann Laudin von Marburg, beide dahier, sind desselben Vergehens angeklagt. Angeklagter Lenz hatte eine Wunde an der Stirn erhalten. Der Anklage geständig, bemerkten bie Angeklagten, es wäre ein Bestimmungs-Duell gewesen. Die Schläger seien nicht geschliffen gewesen. Gegen beide wird ebenwohl eine dreimonatliche Festungsstrafe und Kostenersatz erkannt. Mainz, 13. August. Gestern Abend gingen mehrere Herren durch die Meste, als einer j der Gesellschaft vorschlug, aus Scherz einen „Blick in die Zukunft" thun zu wollen. Die Ge- ' sellschaft war damit einverstanden und begab man sich gemeinschaftlich zu einer der „Wahr- | sagermnen". Dort erhielt jeder der Herren ein gedrucktes Programm über seine Zukunft und eine Photographie, das Bild seiner Zukünftigen darstellend. Wie sehr erstaunten sie aber, alS die ihnen eingehändigtcn Photographien die Porträts sehr anständiger hiesiger Damen waren. Ohne Zweifel sind die Photographien nicht ganz nach Wunsch ausgefallen und um einen Spottpreis an die Meßleute verkauft worden. Es ist das ein Unfug, dem ganz gründlich das Handwerk gelegt werden sollte. (M. T.) Worms, 13. August. In einem Hause der Sterngaffe hat sich gestern Nachmittag ein gräßliches Unglück zugetragen. Ein kleiner Knabe, welcher mit seinem Schwesterchen ohne Aufsicht zu Hause gelassen worden war, spielte in der Nähe des Ofens mit Hobelspänen, dieselben fingen Feuer und setzten die Wiege in Brand, in welcher das kleine Mädchen lag. Das arme Kind wurde auf eine schreckliche Weise verbrannt. (W. Z) Frankfurt a. M., 13. August. Der Wohnungs-Ausschuß für das 5. Allgemeine deutsche Turnfest hat nunmehr eine Zusammenstellung der eingelaitfenen Anmeldungen anfertigen lassen, aus welcher zur Genüge hervorgeht, welch' koloffaler Betheiligung sich das Turnfest allein von Seiten der Turnerschaft zu erfreuen hatte, und welch' riesige Anstrengungen auf der anderen Seite und speciell vom Wohnungsaussckuß nöthig waren, sämmtlichen Gästen Unterkunft zu verschaffen. Das Turnfest haben 10,077 Turner besucht, wovon in Privatquartieren und Gasthäusern ca. 3640, in Maffenquartieren ca. 5192 Turner untergebracht waren- (Fr. Z.) Frankfurt a. M-, 14. August. Die ungünstige Witterung hat auf die Bohnen und | Gurken, welche zum Einschneiden und Einmachen bestimmt sind, einen höchst ungünstigen Einfluß geübt. Die hiesige Gemarkung und Umgegend, welche in guten Jahren mehr als den Bedarf decken konnte, ist heute noch nicht einmal im Stande, den Anforderungen der Firma Kölsch Nachfolger, welche bekanntlich in Hamburg, Rotterdam, Köln große Entrepots in eingemachten Gemüsen besitzt, zu decken, in Folge dessen jetzt entferntere Gegenden, wie z. B. Thüringen, zur Deckung des hiesigen Ausfalls herangezogen werden müssen, und treffen von dort aus jetzt ganze Waggonladungen Gurken und Bohnen hier ein. Hier am Platze stellt sich der Centner Bohnen, je nach Qualität, auf 9—14 X, das Hundert Einmachgurken, ausgesuchte Maare, auf X 2-2.50. — Dem „Fr. B." wird mitgetheilt, daß der erste Sieger beim fünften deutschen Turnfest, Herr Christian Meller in Bockenheim, vom Landrath in Hanau einen Ausweisungsbefehl und zwar mit dem Beifügen, binnen 14 Tagen abzureisen, erhalten hat. Er soll nämlich seiner deutschen Militärpflicht nicht genügt und auch keine Lust haben, ihr nachträglich zu genügen- — Folgende Thatsache erscheint als consequente Handhabung des Wuchergesetzes. Ein als Wucherer bekannter Mann, der einen zu Anfang dieses Jahres fällig gewordenen Wechsel ohnlängst protestiten lassen wollte, wurde von dem Amtsgericht (wo? bleibt aus Gründen ver- schwiegen) mit dem Bedeuten, daß er als Wucherer bekannt sei und er baares Geld nur auf Wechsel ausgeliehen habe und mithin der vorgelegte Wechsel auch eine Wuchersorverung enthalte, die in Folge der Bekanntmachung des Wuchergesetzes vom 28. Mai ds. Js. längstens bis zum 14. Juni ungestraft geltend gemacht werden durfte, abgewiesen. Mainz, 12. August. „Wenn man eine „Landparthte" macht." Verabredeten sich vorige Woche mehrere Freunde, die aber alle unter dem Joche der Ehe schmachten, einen Abstecker nach Weisenau zu machen. Wie es beschlossen, so wurde es gethan. Besagte Freunde nahmen sich eine Droschke, die sie jedoch vorsichtiger Weise in einiger Entfernung ihrer nicht weit vom Kirschgarten belegcnen Wohnungen bestiegen. In Weisenau angekommen, vergnügten sie sich auf das Beste, ja, sie wagten sogar ein Tänzchen mit einigen anwesenden Schönen, Die schließlich auch eingeladen wurden, mit zu Abeno zu speisen und dann gemeinschaftlich in der Droschke in die Stadt zurückzufahren. Die Schönen sagten auch zu und Alles schien glück.ich enden zu wollen- Doch Der Verräther schläft nicht; einer der Teilnehmer, ein schwarzer Bösewicht, hatte sich davongeschlichen, war allein in die Stadt zurückgekehrt und machte sich das teuflische Vergnügen, die Frau seines Freundes und Zechgenossen zu benachrichcigen, ihr Männchen käme mit „Damen" von Weisenau hereingefahren. Man wird sich wohl Denken können, daß besagtes Weibchen keinen Augenblick säumte, um ihrem Männchen einen entsprechenden Empfang zu bereiten. Bis vor das Neuthor ging sie ihm entgegen und war auch so glücklich, den Wagen, in welchem die Gesellschaft in der ungetrübtesten Heiterkeit saß, zu erwischen. Der Kutscher mußte halten und — — was bann folgte, darüber schweigt des Sängers Höflichkeit! — Die Annahme von Postfreimarken bet Zahlung von Gerichtskosten, welche bisher in vielen Fällen von den Erhebungsbeamten verweigert wurden, ist nunmehr durch eine Verfügung des preußischen Finanzministers für zulässig erklärt worden. Diese Erleichterung soll dem Publikum zu Statten kommen, soweit es sich nur um geringe Beträge handelt uno von derselben ein nicht zu ausgedehnter Gebrauch gemacht wird. Die neue Anordnung wird insbesondere von denjenigen Zahlungspflichtigen begrüßt werden, welche entfernt von Den He bestellen wohnen; Denn für diese wird die von dem Minister getroffene Abhülfe, tote er ausdrücklich anerkennt, nicht nur eine erhebliche Erleichterung, sondern auch bedeutende Porto-Ersparniß herbeiführen. Michelstadt, 14. August. Der große Tunnel, welcher auf der Neubaulinie Erbach- Eberbach der Hessischen Ludwigsbahn die Wasserscheide zwischen Main und Neckar bei Beerfelden durch den sogenannten Krähberg durchschneiDet,. ist 3100 M. lang und somit nächst dem Kaiser-Wilhelm-Tunnel in Cochem a. d. Mosel der längste in Deutschland. Der Dau, dessen Führung dem Jngenier L Arnoldi übertragen ist, soll in 30 Monaten vollendet fein. Das Auffahren des Richtstollens geschieht mittels Maschinenbohrung in ähnlicher Weise wie am großen Gotthardtunnel. Der Durchschlag des letzteren (Richtstollens) ist auf den September nächsten Jahres angenommen- SetaiiTaberAetit. Mitgetheilt von dem Agenten des norddeutschen Lloyd C. W. Dietz in Gießen. Bremen, 17. August. Der Postdampfer Main, Capitän I. Barre, vom Noro- deutschen Lloyd in Bremen, welcher am 7. August von Newyork abgegangen war, ist heute 10 Uhr Morgens wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung 12 Uhr Mittags die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 147 Passagiere und volle Ladung. Bremen, 17. August. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Weser, Capt. C. Wiegand, vom Norddeutscken Lloyd in Bremen, welcher am 4. August von Bremen abgegangen war, ist gestern 8 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Handel und Verkehr. Gießen, 17. August. Auf dem heutigen Vlehmarkte waren aufgetrieben: 7 Stück Pferde, 1328 Stück Rindvieh und 255 Stück Schweine; die Preise bei Rindvieh waren gedrückt, Schweine blieben im Preise unverändert. Nächster Markt Dienstag Den 31. d. M. und Mittwoch den 1. September, am letzteren Tage auch Krämermarkt. Der nachhaltige und überaus rasche Erfolg der seit weniger denn einem Jahr dahier bestehenden Kaffee Specialität von Wittwe Hassan, Friedensstraße 2, beruht nickt allem auf der ttrengen Reellität dieser Firma, sondern auch aus der unr fassendsten Sachkenntnis und veinltchsten Gewissenhaftigkeit der Leiter derselben. Hierdurch allein ist der Kaffee Hassan zu einem Mufterproduct gestempelt, das von den A-rzten wegen seiner günstigen Wirkung auf Magen und Hirn empfohlen, von den Hausfrauen, Kochkünstlern und Feinschmeckern wegen seines angenehmen Eindrucks auf Gaumen und Nase beliebt wird. Nur direkteste Bezugsquellen verbunden mit Massenproduktion und vollkommensten Einrichtungen ermöglichen es diesem Hause, einen aromatischen und kräftigen gebrannten Kaffee zu X 1.60 das Pfund netto zu liefern, welcher weiter langt, als IV2 Pfund der nach gewöhnlichen Methode jubereiteten Waare. Die feineren Sorten ä x 1.80, besonders aber die aus keinem guten Tisch fehlenden berühmten Schachtelkaffee's a X 2,— und X 2,50 das Pfund netto sind einfach unerreicht und zweiiesohne das Beste. was auf diesem Gebiet zu finden ist. Die Verbreitung des Kaffee Hassan ist dementsprechend eine ganz colossale und erstreckt sich jetzt schon weil über die Grenzen deS Reiches hinaus. (5442 !*• ü'^Ä"a°f »W '?*'" lu“oTf‘unl1 "->b NDrs **i?s ’ für daß 5 »nL , .smSs; ■’S*-e,-:4 K“f «e Seinen unt> *6 ungurefhgtn Einfluß 01 »ehr als den ®ebarf “"8* btt Firma Kölsch if0Li ln ungrmachttn 1 ?”to 7 Stück ^bnsÄ“'""8" jys «5ä. ^S>("6,n: 7,sch r l’ ,.nnfli «,und 8ir)!>*;*’> ? e’ "Eor.gs ichen . w