if*‘n Sau«, (406S leert. pf§. Se”cette tut *t sah tw Marti nlet ®arantief Maaren A für Wn 139, Freitag den 18. Juni 1880. Kietzener Hlnzeiger Meige- Uli Amtsblatt fit den Kreis Gichca. WHctWMbwtecm r •gMOiiUultmrtau r } Schulfirahe B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des MorttagS. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Einlsdung mm Abonnement auf den Der „Gießener Anzeiger" erscheint, wie gewohnt, täglich, mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen, mcl. der Beilage „Gießener Familicnblätter", welche dreimal wöchentlich dem Anzeiger beigelegt werden. cx.^dition Der Abonnementspreis für den Anzeiger, frei in s Haus geliefert, betragt 2 Mark20 Pfg. m ^rErpeLltto abgeholt 2 Mark; für auswärtige Abonnenten, welche nur bei der Post abonn.ren können, betragt der elbe 2 Mark excL Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher feine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anzeiger auch im III. Quartal 1880 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen. Wir bitten die neuen Abonnenten, namentlich auswärtige, ihre Bestellungen baldgefalligst aufgeben zu wollen, um vollzah g Exemplare liefern zu können. Di- Expedition. . Z. Derg statt, ttags. nicht reservirter ie gritenräume ctr veröffentlicht. mite. Ölung, 16 16 ha und Enkel (4090 A 0 Qr^fl 65 'M* i und allen ion* to (2550 ierkdler. ^deni^P- eeteo s-B- Amtlicher Hheil. Bekanntmachung. Wegen Neubaues des Friede l'schen Hauses bleibt die Paffage von dem Seltersweg durch die Wolkengasse nach der Bahnhofstraße für Fuhrwerke bis auf Weiteres gesperrt. . _ Gießen, den 17. Juni 1880. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen. p * I. V-: Kraemer. Deutschland. Berlin, 15. Juni, lieber die Wirkung der neuen Lederzölle auf die Lederindustrie äußert sich die Zeitschrift „Der Ledermarkt" in ihrer letzten Wochenübersicht sehr ungünstig. „Es ist nunmehr", führt sie aus, „nahezu ein halbes Jahr seit dem Inkrafttreten der neuen Lederzölle vergangen und sind wir nun in dieser kurzen Zeit in eine Situation gekommen, wie sie ungünstiger selbst der pessimistischste Freihändler vorausqesehen hätte. Die ganze Branche ohne Ausnahme, Ledererzeuger, Händler und Lederverarbeiter empfinden gleichmäßig die drückende Lage, in die wir gerathen sind, und die sich noch trostloser gestalten wird, wenn das Exportgeschäft, das zufälligerweise momentan günstig liegt, aushören wird, einigermaßen belebend auf den Verkehr einzu- wirken. In den ersten Monaten der neuen Aera gab man sich noch einer gewiffen Täuschung hin, indem man calcultrte, daß vor der Zollerhöhung noch sehr große Posten Leder eingesührt worden seien, die jetzt erst aufgebraucht werden müßten, - dann aber wirke der Segen des neuen Schutzes um so sicherer. Diese Selbsttäuschung kann aber heute nicht länger vorhalten, nachdem wir gesehen, daß die Importe fremder Leder um mehr als die Hä ste abaenommen haben, daß ferner die Lederbestände in Deutschland ungewöhnlich klein sind und trotzdem der Absatz des Fabrikats ein täglich schwieriger, die Erzielung eines bescheidenen Geschäftsgewtnnes nahezu zur puren Unmöglichkeit wird. ES sei fern von uns, für diese ganze Misere einzig und allein die neue Zollpolitik schuldig machen zu wollen, aber wir halten es für unsere Pflicht W untersuchen, inwieweit dieselbe allerdings zu diesen Mißerfolgen beigetragen Kat, damit wenigstens noch Abhülse geschaffen werden kann, ehe unsere Nachbarstaaten durch Represstvmaßregeln auch noch die letzte gesunde Ader unserer Lederindustrie unterbinden. Seitdem die Herstellung von Schuhwerk im Groß- betriebe gegenüber den Kleinschuhmachern dominirend geworden ist, nahm die Lederverarbeitung In Deutschland und Hand in Hand mit ihr die Lederwaaren- aussuhr bedeutend zu. Billig- Arbeitskräfte, vorzügliche Maschinen und ganz besonders die mustergiltige Zusammenstellung der einzelnen Schuh,heile aus genau paffendem und billigem Material bewirkten die hohe Leistungsfähigkeit der deutschen Fabrikanten. Der Weltmarkt war ihm vermöge seiner mäßigen Vretse und gediegenen Arbeit jederzeit offen, und er concurrirte erfolgreich mit Amerika, England und Frankreich an allen überseeischen Absatzgebieten. Dieser Industrie ist nun aber am 1. Januar 1880 durch die neuen Zölle ein schwerer Schlag versetzt worden, da ste nicht mehr In der Lage ist, diejenigen Stiefel» tbeile die st- bisher aus überseeischen Ledern anfertigte, gleich billig aus ein- heimischen Fabrikaten h-rzustellen. Dadurch leidet aber nicht nur di- L-der- waarenindustrie, sondern ebenso di- Lederfabrtkation. Wenn überhaupt den Schuhfabrikanten durch das vertheuerte Material die Ausfuhr seiner Erzeug- niste zur Unmöglichkeit gemacht ist, so muß er eben seinen Betrieb so reduciren, daü i-ine Erzeugung den Begehr des Inlandes nicht übersteigt. Er verar- beitet in Folge deffen aber auch sehr große Quantitäten inländischer Leder weniger als früher, denn nicht alle Theile der ausgesührten Schuhwaaren be- stauden aus ausländischen L-d-rgattungen. Mit einem Worte: di- deutschen Gerber haben durch den bewirkten Zoll den Schuherzeugern zwar das Verarbeiten fremder Leder zur Unmöglichkeit gemacht aber ste haben dadurch di- Confumsähigkeit dieser ihrer Hauptabnehmer so geschwächt, daß sie nun selbst ihr Product In bedeutend geringerem Maßstabe an Letztere absetzen können. Wenn aber di« deutschen Gerber ausschließlich auf inländischen Absatz ange- wiesen sind, so wird' in einzelnen Artikeln von Zeit zu Zett eine Ueberpro- duction entstehen, deren Folgen den Nutz-n langer Arbeit absorbirey wüsten. Das begrenzte Absatzgebiet gegenüber dem bisher offenen Weltmarkt- macht stch aber heut- schon drückend sühlbar. Das Inland ist gegenwärtig nur gering consumfähig und das Terrain im Ausland-, das unsere Schuhfabriken so mühsam eroberten, wird nach und nach von den concurrtrenden Ländern occupirt. Kommen nun gar noch die von verschiedenen Ländern In Aussicht genommenen Represstvmaßregeln hinzu, so sehen wir uns auf ein Absatzgebiet eingeengt, das heute so mager und übersetzt ist, daß es kaum seinen Mann nähren^kamr.^ M Deutschen Vereins der Rheinprovtnz hat dem Landtagsabgeordneten Staatsminister Dr. Falk -ine Zuschrift übersandt, worin er sein ungetheiltes Einverständntß mit derjenigen Beurtheilung erklärt, welch- dic kirchenpolitische Vorlage aus Herrn Falk's Munde in den Debatten des Landtages erfahren hat. Die Verwerfung dieser Vorlage, heißt -S in der Zuschrift, ist das einzig Richtige. Schon die Thatsache, daß es möglich gewesen, einen Entwurf solchen Inhalts der Volksvertretung zur Genehmigung zu unterbreiten, erfülle Alle, denen di- Befestigung des Reiches und da« Ansehen der preußischen Monarchie am Herzen liege, mit liefern Bedauern und banger Sorge um die Autorität des Staates. Noch größere Sorge würde die Annahme, sei es auch in erheblich modificirter Gestalt, einflößen. Sollte aber gar durch eine Koalition der Parteien eine im Wesentlichen unveränderte Annahme erzielt werden, so wäre damit die Niederlage der Staatsgewalt in dem uralten Streit mit der römischen Hierarchie wieder einmal auf unbestimmte Zeit hin besiegelt und, weit entfernt, daß damit auch nur der beliebte modus vivendi geschaffen wäre, neuer Anreiz zu übermüthigen Ansprüchen verließen. — Wie uns mitgethcilt wird, hat sich im Reichsjustizamt in Bezug auf das Gerichtskostenwesen bereits ein sehr umfangreiches Material angesammelt, das bei der bevorstehenden Revision der einschlägigen Gesetzesbestimmungen Verwendung finden soll. Daß die von den Gerichten erstatteten Gutachten über die Wirkungen des neuen GerichtskostentarisS sammt und sonders eine sehr abspr-chend- Kritik enthalten, war nach Lage der Sache zu erwarten, denn nicht blvs in den rechtsuchenden, sondern, und vielleicht noch mehr in den rechtsprechenden Kreisen, hat sich die Ueberzeugung von der Unhalibarkeit des gegenwärtigen Zustandes Bahn gebrochen, so daß die Abhulfe wohl nicht allzulange auf sich warten lasten wird. In welcher Richtung die Reform sich bewegen wird, läßt sich zur Zeit allerdings nur schwer erkennen; doch durfte es sich dabei einstweilen weniger um eine Herabsetzung der Pauschalfätze der Gerichtskosten, als vielmehr um eine völlige Umgestaltung der gesetzlichen Be- stimmungen über das Gebührenwesen der Gerichtsvollzieher ».Handeln, welche die Proceste so enorm vertheuern, und zu so zahlreichen und berechtigten Klagen fort und fort Veranlastung geben- Jedenfalls wird das Institut der Gerichtsvollzieher insofern eine A-nderung erfahren, als das Einkommen der- s-lb-nfixirt und die Vollstr-ckungskosten nach Maßgabe deS früheren Execu- tionskostenwesens bemesten werden. Im Reichsjustizamt ist man wk wir hören, bemüht, -in- entsprechende Gesetzesvorlage so f^eunlg »le mögl ch vor. zubereiten; ob es indeß gelingen wird, dieselbe schon dem nächsten' »fichrtag- zur Beschlußfassung zu unterbreiten, darüber fehlt eS zur Zeit noch an jedem I ^""Berlin, 15. Juni. ES ist bereits daraus aufmerksam gemacht worden, daß im ganzen deutschen Reichsgebiete die Gerichtsferien am 15. Juli beginnen und am 15. September endigen werden. Erwägt man, daß auf diejenigen Rechtsangelegenheiten, welche ihrer Natur nach eine schleunige Erledigung erheischen und in den §§ 202 und 204 des deutschen Gerichtsverfassungs- Gesetzes verzeichnet sind, die Gerichtsferten ohne Einfluß sind, daß zu der Kategorie der sog. „Fertensachen" insbesondere das gesummte Executions- und Concursverfahren, alle Strafsachen, sowie Wechsel- und Arrestsachen gehören, so ergibt sich, daß die Gerichte auch während der Ferienzeit viele und bedeutende Arbeiten zu erledigen haben, ganz abgesehen davon, daß auch in den Ferien in Nichtfertensachen die fälligen richterlichen Verfügungen, welche die Ansetzung von Terminen nach den Ferien u. s. w. betreffen, zu erlaffen sind. Zur Erledigung der Feriensachen werden bei dem Reichsgerichte und bei den OberlandeSgertchten besondere Feriensenate, bet den Landgerichten besondere Fertenkammern gebildet werden, während die Amtsgerichte sich gegenseitig Aus- hülfe leisten muffen. England. London, 14. Juni. DaS Schulschiff „Atalanta" wird aus der Schiffs- liste gestrichen werden. Damit ist es offictell für verloren erklärt. Es sind gerade dieser Tage noch einige Seeleute, die auf der „Atalanta" gedient haben, aber vor ihrem Abgänge von Barbadoes sie verlassen haben, in Spithead angekommen, die sich sehr ungünstig über das Schiff aussprechen. Einer von ihnen erklärt, er habe die „Atalanta" nie gut leiden können und würde lieber in einem Fischerboote über den Ocean gefahren sein, als in der „Atalanta." Alle stimmten überein, daß die „Atalanta" bei jedem Windstöße sich aus die Sette legte, und daß es lange dauerte, ehe sie wieder in die Höhe kam. Nach ihrer Ansicht muß das Schiff Plötzlich gekentert sein. «elegraphische Depeschen. rvag«er'» telegr. Berlin, 16. Juni. Abends. Die heute zusammengetretene Conferenz constttuirte sich, indem sie zum Vorsitzenden den Fürsten Hohenlohe, zu Secre» tären den Geh. Rath Busch und den Grafen Mouy wählte. Die Conferenz berührte den Punkt der Geheimhaltung der Verhandlungen, welche leider bet dem Congreß vielfach durchbrochen worden sei, und war einstimmig in Anerkennung der Nothwendigkeit der Geheimhaltung der materiellen Conferenz- Verhandlungen. Am Freitag findet die erste Sitzung der Delegirten statt; so werden amtlich die den Conferenz-Bevollmächtigten betgegebenen Sachverständigen bezeichnet. Die Delegirten referiren ihren Bevollmächtigten. Die Bevollmächtigten treten Sonnabend wieder tn Conferenz zusammen. Man hat schon jetzt den Eindruck, daß unter den Mächten eine Uebereinsttmmung herrscht, geeignet, der Conferenz einen raschen Verlauf zu sichern. — An dem heutigen Diner bei Fürst Bismarck nahmen die Bevollmächtigten, die Secretäre und ersten Delegirten Thetl. Morgen ist kaiserliche Tafel, zu welcher die Bevollmächtigten, Secretäre und sämmtliche Delegirten gezogen werden. Berlin, 16. Juni. Die erste Sitzung der Conferenz dauerte heute von 2 bis 3% Uhr und beschäftigte sich nach einer begrüßenden Ansprache des Fürsten Hohenlohe zunächst mit Formalitäten, betr. den Austausch der Vollmachten und der Geschäftsordnungsfrage. Heute Nachmittag 5 Uhr ist Diner bei dem Fürsten Bismarck, welchem außer den Botschaftern auch die technischen Mitarbeiter der Conferenz beiwohnen, — Die nächste Sitzung der Conferenz findet erst Freitag oder Sonnabend statt. Morgen dürften die Botschafter der Preisverthetlung in der Fischerei-Ausstellung beiwohnen. Wien, 16. Juni. Der Großherzog von Hessen ist heute früh hier etngetroffen und am Bahnhose, wo eine Ehrencompagnie aufgestellt war, vom Kaiser empfangen worden; die Militär-Capelle intonirte die deutsche Hymne. Der Großherzog fuhr mit dem Kaiser nach der Hofburg. Heute findet Galadiner statt, am Freitag Truppenrevue. Berlin, 16. Juni. Die „Prov. Corresp." enthält einen Artikel über die Conferenz, worin es heißt: Die vom Congresse angegebene Grenzlinie zwischen Griechenland und der Türket konnte nur die allgemeine Richtung der Grenze angeben, indem sie nur die Endpunkte, nicht den Lauf der Linie bezeichnete. Aufgabe der Conferenz sei es zunächst, dem Lause der im 13. Con- greßprotokoll angezeigten L.nle möglichste Bestimmtheit zu geben und alsdann der Pforte vnd Griechenland die Annahme der Linie zu empfehlen, um dieselbe der vorzunehmenden Grenzbertchttgung zu Grunde zu legen. London, 16. Juni. Das Telegramm des „Reuter'fchen Bureaus", daß die Pforte erklärt habe, die Conferenzbefchlüsse könnten für sie nicht bindend sein, da die betheiligten Parteien von der Conferenz ausgeschlossen seien, gilt in unterrichteten Kreisen nicht für correct. Die Erklärung der Pforte gehe vielmehr dahin, daß sie gern bereit sei, deren Eröffnungen entgegenzu- nehmen. Die Pforte habe die in dem Art. 24 des Berliner Vertrages vorgesehene Mediation selbst sehnlichst herbeigewünscht und zweifle nicht, daß die Mächte die schwierige Stellung berücksichtigen werden, welche ihr durch Hergabe von Gebietstheilen an und für sich erwachse. — Ueber die Stellung, welche die Pforte für jetzt tn der griechischen Frage einnimmt, verlautet, dieselbe zeige sich bezüglich der Abtretung von thessalischen Gebietstheilen bereitwilliger, während sie tn Bezug auf Abtretungen aus der epirotischen Seite geltend mache, daß solche bet den mohamedanischen Albanesen tn Epirus Widerstand finden würden. Die Pforte scheint also dem Grundgedanken des Waddtngton'schen Vorschlags nicht entgegenzustehen, wennschon sie über Einzelheiten desselben wesentlich abweichender Ansicht ist und die thessalischen Abtretungen zu beschränken sucht, während sie andererseits die hiermit tn Connex stehenden geminderten epirotischen Abtretungen nicht gerade zurückweist. Darmstadt, 17. Juni. Der Muttermörder Pfaff wurde heute früh mittelst Fallbeiles hingericktet Lokales. tt festen, 17. Juni. Der Jahresbericht der Handelskammer enthalt in seinem II. Theue nachstehenden Bericht einer hiesigen Firma über die Cigarrenfabrikation: Die Lage der Cigarrenfabrikation ist durch die fortwährend neu geplanten Steüer- proiecte eine sehr schwierige geworden, wenn auch durch die in Aussicht gestellte rroll- erhöhung eine bedeutende Zunahme des Absatzes stattgefunden hatte. Jeder Ciaarren- händler versorgte sich auf lange Zeit, wodurch aber für die Zukunft wieder eine große Abnahme des Absatzes und eine mehr oder weniger verminderte Production in Aussicht steht. Das Absatzgebiet ist zum größten Theil auf das deutsche Reich beschränkt; ein kleiner Theil der Fabrikate wird nach England und Portugal ausgeführt Die Wünsche sämmtlicher Tabaks- und Clgarrenfabrikanten gchen dahin, daß da nunmehr der Zoll und die Steuer auf Tabak die äußerst zulässige Höye erreicht haben, von weiteren Steuerprojecten, ganz besonders aber von demjenigen des Monopols, welche dem deutschen Reiche nicht einmal Bortheile bringen könnten, m Interesse aller Betheiligten abgesehen werden möchte. Kaum ist das neue Zoll- und Sleuergesetz in's Leben getreten, so wird die Frage wegen Einführung des Tabaksmonopols schon wieder lebhaft besprochen. Noch in kein Geschäftszweig durch die fortdauernden Beunruhigungen so schwer, wie die Tadaks- und Cigarrenfabrikation, geschädigt worden, obgleich diese Industrie über 500000 Arbeitern direct und 200000 Hülfsarbeitern indirect Beschäftigung gewährt. Würde das Monopol in der Thal eingefühct, so gingen die Preise von Tabak und Cigarren wohl gerade so, wie in Frankreich und Oesterreich, um das Sechsfache in die Höhe, der Cigarrenconsum würde sich in Folge dessen auf's Aeußerste beschränken und das Tabakrauchen ebenfalls wesentlich abnehmen und zwar in dem Maße, daß dann eine sehr große Anzahl Arbeiter brodlos würde, welche nicht so leicht wieder lohnende Arbeit fände und sich deßhalb genöthigt sähe, den heimatlichen Herd zu verlassen und ihre Existenz im Auslande zu begründen. Die Industrie wäre damit ruinirl, viele Familien I durch diese Einrichtung der deutschen Regierungen der Roth preisgegeben und die Steuerkraft des Reiches in hohem Grade geschwächt. Trotzdem hat man Grund anzunehmen, daß der Finanzpunkt es sei, der das Reich bestimmen könne, das Tabaksmonopol einzusühren; dieses würde sicherlich falsch calculirt haben, denn das weniger bemittelte Deutschland kann kaum mit Oesterreich, geschweige denn mit dem reichen Frankreich finanziell in Vergleich gebracht werden, und wenn die deutsche Regierung: 1- 5% Zinsen von dem Kapital, welches die östereichische Tabaksregie erfordert, 2. die dem deutschen Reiche bei Einführung des Tabaksmonopols entgehenden Einkommen-, Gewerbe- und Communalsteuern, 3. die Einnahmen aus dem enorm hohen, vom Reichstag genehmigten Zolle, dessen wirkliche Erträgnisse sich übrigens erst nach 4—5 Jahren feststellen lassen, 4. den Ausfall der Hülfsindustrien und anderer Erwerbsquellen, welche nur neben der Privatindustrie bestehen können, aber bei Einführung des Tabaks- monopoltz meist ihren Betrieb einstellen müßten, 5. den bedeutenden Ausfall der Frachten auf den Eisenbahnen und das dem Reich entgehende Porto von enormer Höhe, welches die Tabaksindustrie einbringt, \ eingehender Berechnung unterwirft, so wird sie gewiß zu dem Resultate gelangen, daß | diese Verluste größer sem werden, als der Nettogewinn des österreichischen Tabaks- ' Monopols im Ganzen beträgt, wohingegen der nunmehr eingeführte hohe Zoll die erwartete höhere Einnahme ergeben wird, ohne die blühende, fteuerkräftige Privatindustrie | ihrer Existenz zu entkleiden und ihre stets wachsende Fortentwicklung zu hemmen. Zieht ! man nun weiter in Betracht, daß das Reich sämmtliche Tabaks-und Clgarrenfabrikanten i und deren Gehülfen entschädigen, die vielen Fabriklocalitäten, Fabrikutensilien und ! Maschinen, welche die Fabrikation verlangt, ablösen und ferner alle Roh- und fabricirten : Tabake und Cigarren kaufen müßte, so tritt das Jrrationelle dieser Einrichtung für ! Deutschland, gegenüber Frankreich und Oesterreich, die s. Z. fast keine Entschädigungen zu zahlen hatten, so evident hervor, daß jeder Unbefangene einsehen muß, man habe । es hier nicht mit dem Plan einer glücklichen, sondern einer recht verfehlten Finanzoperation zu thun, welche nebenbei einen Theil der Deutschen zu Bettlern machen würde. Herr von Moser mit seinen Wahrscheinlichkeitsberechnungen über den zukünftigen Ertrag des Tabaksmonopols — bemerkt die gedachte Firma weiter — setze dabei voraus, daß der Consum der Tabaksfabrikate bei dem Monopol nicht abnehme, ; sondern sich gleich bleiben werde, und rechnet auf diese Art eine halbe Milliarde Gewinn ! heraus; — wie sehr er sich aber in seiner Ansicht täuscht, geht daraus hervor, daß seit Erhöhung des Tabakszolles von J4. 24 auf «X 85 sich der Consum schon um etwa ein [ Drittel reducirt hat, und mit der größten Sicherheit angenommen werden darf, daß bei Einführung des Monopols der Verbrauch noch sehr bedeutend mehr herabgedrückt wird und statt einer halben Milliarde Gewinn nicht einmal für eine viertel Milliarde Tabaksfabrikate verkauft werden, deren Erträgniß noch nicht die Zinsen für die Entschädigungen zu decken im Stande wäre. Es könnte daher vor den ersten 30 Jahren von einer Rentabilität des Tabaksmonopols auch nicht entfernt die Rede fein. (Fortsetzung folgt.) Gi esten, 17. Juni. An der, Sonntag, den 20. dss. in Mainz stattfindenden Regatta betheiligt sich auch die hiesige Rudergesellschaft mit ihrem 4 riems outrigged Raceboot Brittania. Wir wünschen derselben recht guten Erfolg. Vermischtes. IV . Provinzial - Aeuerwehrtag in Offenbach a. M. Am 26.-28. d. Mts. findet Hierselbst der Feuerwehrtag der Provinz Starkenburg statt und sollen, wie wir hören, die Anmeldungen von hessischen und außerhessischen Feuerwehren sehr zahlreich einlaufen. Wir hatten Gelegenheit Einiges über das von dem Comitö getroffene Arrangement zu erfahren und können nur constatiren, daß allen gerechten und billigen Ansprüchen von Seiten des Comttö's Rechnung getragen werden und das Fest voraussichtlich einen glänzenden Verlauf nehmen wird. Butzbach, 15. Juni. Gestern wurde mit der Einrichtung des Festplatzes am Lahn- thor begonnen. Wenn der Himmel günstig ist, wird, so viel sich setzt schon übersehen läßt, das Sängerfest nächsten Sonntag und Montag ein sehr stark besuchtes werden. Mit den hiesigen Vereinen betheiligen sich an demselben nahezu 500 Sänger. Das Verlangen nach Festkarten ist so stark, daß von denselben noch nachgedruckt werden mußten, da die vorgesehene Zahl nicht ausreichte. Unser sehr schön und bequem gelegener Festplatz in nächster Nähe der Stadt und des Bahnhofes bietet aber allen genügend Raum und freie Bewegung nach Herzenslust. Für gute Speisen und Getränken bei billigem Preise ist ebenfalls Sorge getragen. Das Concert verspricht in seinen 20 Piecen einen seltenen Geuuß, da jeder Verein nach den vorliegenden Gesangsstücken sich bestrebt, bei diesem Wettstreit sein Bestes vorzutragen. Zwei große Tanzböden bieten nach Beendigung des Concerts allen Tanzlustigen Gelegenheit, sich bei den Klängen einer ausgezeichneten Kapelle von 18 Mann des Marburger Jägerbataiüons zu erfreuen. Bet einbrechender Dunkelheit wird der Platz zwischen den Restaurationszelten mit el ec irischem Licht beleuchtet. Die Apparate dazu von der Firma Wilh. Horn in Berlin geliefert, sind bereits unterwegs und erwarten wir täglich deren Eintreffen. Die zum Betrieb des Dynamo-elee- rrischen Apparats nöthige Dampfmaschine ist ebenfalls schon engagirt. So sind alle monatelangen Vorbereitungen ihrer Vollendung nahe und hoffen wir nur auf heiteren Himmel, so werden, wie bei allen Butzbacher Festen Lust und Freude der Festbesucher diese Tage zu unvergeßlichen stempeln. Darmstadt, 16. Juni. Nachdem Seine Königliche Hoheit der Großherzog zu beschließen geruht haben, bezüglich des gegen Philipp Pfaff aus Nieder-Ramstadi wegen MordeS ergangenen, durch Verwerfung des eingelegten Rechtsmittels der Revision rechtskräftig gewordenen Todesurthcils von dem Begnadigungsrecht keinen '>ebraucb machen zu wollen, und die Allerhöchste Resolution dem Verurtheilten am Heutigen eröffnet worden ist, steht die Vollstreckung dieses Urtheils nunmehr unverzüglich zu erwarten. Die Vollstreckung findet der gesetzlichen Vorschrift entsprechend nur bei beschränkter Oeffentltchkeit statt. (Neueren Nachrichten zufolge ist die Hinrichtung heute Donnerstag Morgen 6 Uhr erfolgt. D. Red.) Berlin, 12. Juni. Von der Kameradschaftlichkeit des Kronprinzen erzäblt daS „Fremdenblatt" einen liebenswürdigen Zug. An eine militärische Besichtigung, welche der Kronprinz alljährlich hier vorzunehmen pflegt, schließt sich unter seiner Anwesenheit gewöhnlich ein kleines Frühstück der betheiligten Officiere. Im vorigen Jahre war nun dasselbe febr opu» lent, mit Hummer und Gänseleberpastete rc. angerichtet, auch hatte man für den hoben Gast eine Flasche Champagner hingestellt. Der Kronprinz lehnte aber damals nicht allein d,n letzteren mit dem Bemerken ab, daß er auch bei sich zu Hause nur ganz außergewöhnlich Champagner trinke, sondern rührte auch keine der Delicatessen an. In diesem Jahre war nun ein ganz frugales Frühstück, hauptsächlich aus Butterbroden mit kaltem Aufschnitt, daneben Rothwein und Bier, htngestellt worden. Dem Kronprinzen entging diese veränderte Anrichtung des F»üh- stücks nicht. Sofort nahm er Platz an der Buffet-Tafel mit den Worten: „So gehört es sich unter Kameraden", ließ sich die Butterbrode sehr wohl schmecken, holte fodann seine kurze Pfeife hervor und verweilte noch längere Zeit in heiterster Stimmung. Vom Südharz. Die Gewitter am Freitag und Sonnabend hoben in unserer Gegend furchtbaren Schaden angerichtet. Bei Osterhagen brachte ein Wolkenbruch eine solch' große Menge Wasser zur Erde, daß der größte Theil der E'nte als vernichtet anzuschen ist. Eine« traurigen Anblick bieten die vorher so üppigen Kartoffelfelder. Die obere Schicht mit der Frucht LSZ laden« S0nm z-ichtt 4°» ' % ® $„it L d°t!»-«>> 31**, „tlasien wurde, er Borgemester" 3uPön - Als man tQ Hai namentlich / «uaes dickt gedrm „Geharnischte", wie einher in ganz sch« federn darauf, sck« kohlschwarz von ob breites Schwert ha umwunden war. dazu einen außcrge' in einer ungemein | warten und dann r mit dem grossen Ri barnisckten ein Scho Sohn Alexanders I seine Rolle. Wer d geseben, daß er eine bemüht war, dem i Gewerbe sich vor riesige Ritterschwrrt Wagen zu. Die $ barnischten fiel der gezogene Paradewa gvlbung von den 8 Weiß gekleidete Lal am 25. (alten Str Hülle der Kallerin Mrkl. Staarsrath wurden. Als dere lenskij. Der mam und viele bekreuzte: vorn und hinten m schwarM Strauße, Rocke fehlten. Sm t ttfli »age 8 »VÄ . Jpeee’1 7 : «e i da» .fOnrl,r ,($t Mt ,^-hnllch a-a 501)«« .ö«» Man bereite nie mehr von ist weggeschwemmt und gleichen die Berge ringsum einem Steinhaufen. Der Schaden ist vorläufig nicht zu übersehen. Selbst der Bahnkörper ist an verschiedenen Stellen von den Fluthen bloßgelegt und mußte in Folge besten der um 6 Uhr Freitags von Nordhausen kommende Zug bet Osterhagen liegen bleiben. Aus Silkerode schreibt man, daß die Fluthen mit Bauholz beladene Wagen in s Gerolle gebracht haben, ein Beweis dafür, wie stark die Wastermengen waren Am Sonnabend schlug der Blitz in ein Haus in Barbis und brannten außer diesem noch zwei andere große Gehöfte ab. Die unglücklichen Abgebrannten, denen das Wasser Tags zuvor die Früchte ihres Fleißes raubte, stehen heute rathlos an dem Trümmerhaufen ihres Heims, in welchem sie sich noch vor so kurzer Zeit so glücklich wähnten. — (Bütgerstolz.) Das anspruchsvolle Selbstgefühl, welches sich gegen Ende des Mittelalters in den Städten, die der Hansa angehörten, bei ihren Bürgern ausbtldete, artete oft zum tollsten Uebermuthe gegen den hochweisen Rath aus. Ein charakteristisch komisches Beispiel davon berichtet eine alte Chronik der Stadt Hildesheim. Ein Fuhrmann Namens Teigler, der wegen seiner Eulenspiegeleien in der Stadt verrufen war, weckte eines Nachts seinen Sohn mit den Worten: „Junge, steh' up!" Er befiehlt ihm, sich anzukletden, führt ihn dann zum Hause des ersten Bürgermeisters, pocht desten Leute aus dem Schlafe und verlangt vorgelaffen zu werden. Im Glauben, es handle sich um eine wichtige Stadtangelegenheit, weckten die Leute den Bürgermeister und dieser empfängt unseren Teigler, welcher das Stadtoberhaupt „mit Gebührlichkeit und Reverenz" begrüßt. Dann spricht er zu seinem Knuben: „Sieh, dat is dat Recht von em hilmischen Börger, dat hei in aller und jeder Tcht den Borgemester spreken kann. Nichts vor ungut, Herr Borgemester." Darauf entfernt er sich mit schlichtem Nachtgruße. Die Strafe folgte natürlich auf dem Fuße. Schon am nächsten Tage wurde Teigler durch eine Abtheilung Stadtsoldaten verhaftet und in den „bürgerlichen Gewahrsam' gebracht, wo er bet Master und Brod ein paar Tage sitzen mußte und dann mit dem Bedeuten entlasten wurde, er möge nun seinem Sohne auch deutlich machen, welche Rechte dem „hilmischen Borgemester" zuständen. — Als man in Petersburg die tobte Czaritza mit feierlichem Pomp zu Grab geleitete, va hat namentlich ein schwarzer Ritter im Leichenzuge die Augm der zu beiden Seiten des Zuges dickt gedrängt stehenden Menschenmasten auf sich gelenkt. Dieser Ritter, oder der ,,Geharnischte", wie et genannt wird, schritt im vorderen Zuge hinter den Fahnen und Wappen einher in ganz schwarzem Panzer mit mächtigem schwarzen Helm und großen schwarzen Ritterfedern darauf, schwarzen Arm- und Beinschienen und schwarzen eisernen Handschuhen, kurz, kohlsckwarz von oben bis unten, in schweres Eisen gekleidet und in der Hand ein entblößtes, breites Schwert haltend, desten Spitze nach unten gesenkt, desten Griff mit schwarzem Flor umwunden war. Der Geharnischte darf bei keinem kaiserlichen Begräbniß fehlen; man sucht dazu einen außergewöhnlich starken Mann aus, denn es ist keine Kleinigkeit, erst stundenlang in einer ungemein schweren vollen Rüstung auf die Ordnung und Bewegung des Zuges zu warten und dann nock den weiten Weg von dem Palast bis zur Festung zu Fuß zurückzulegen, mit dem großen Rttte'rschwert in der Rechten. Zu Kaiser Nicolaus Begräbniß stellte den Gc- barnisckten ein Schornsteinfeger dar, der Mann brach aber unterwegs zusammen; als der aitefte Sohn Alexanders II. begraben wurde, übernahm ein Trompeter vom Chevalier-Garderegiment seine Rolle. Wer diesmal den schwarzen Ritter gegeben hat, weiß man nicht. Man hat nur gcseben, daß er einen als Stadtsergeant gekleideten Menschen zur Seite hatte, welcher beständig bemüht war, dem armen Gefolterten Muth und Trost einzusprechen. Zuletzt aber, als die Gewerbe fick vor der Festung aufstellten, da konnte der Schwarze nicht mehr, ft legte das riesige Ritterschwert in die Hände seines Führers und wankte seitwärts nach einem verdeckten Wagen zu. Die Promenade schien ihm nicht besonders bekommen zu sein Hinter dem Ge- barnischten fiel der überaus kostbare, von acht mit vergoldeten Zäumen geschirrten Schimmeln gezogene Paradewagen der Kaiserin auf. Der Wagen bestand buchstäblich aus Gold oder Vergoldung von den Rädern angefangen bis zur Decke und Deichsel. Ein Dutzend in Gold und Weiß gekleidete Lakaien umschwärmten ihn wie die Bienen. In Betreff der Herolde, welche am 25. (alten Styles) Mai dem Publikum die Nachricht von der Ueberführung der irdischen Hülle der Kaiserin verkündeten, wird noch gemeldet, daß die Functionen derselben von dem Wirkt. Staarsrath von Reutern und dem Ober-Secretär des Senats Pribylskij. ausgeübt wurden Als deren Begleiter fungirten die Ober-Secretär des Senats Buch und Fürst Obolenskij. Der männliche Theil des Publikums hörte die Verkündigung entblößten Hauptes an und viele bekreuzten sich. Der Anzug der Herolde bestand aus einer schwarzsammtenen Toga, vorn und hinten mit gestickten Avlern verziert; auf dem Kopfe trugen sie Hüte mit langen, schwarzen Straußenfedern. Ihre Begleiter waren ähnlich gekleidet, nur die Adler auf dem Rocke fehlten. Am 27. Mai wiederholte sich dieselbe Feierlichkeit zum Zweck der Verkündigung in Bezug auf die Bestattung der sterblichen Hülle der Kaiserin. — [Ritt für Bernsteinwaaren.^ Gummiarabicum wird in warmem Waffer aufgelöst, hierauf wird guter Gyps durck ein Leinentuch getrieben und das feine Pulver dem Gummi zugesetzt. Die gekitteten Waaren läßt man einige Stunden zum Trocknen liegen, der Kitt wird so fest, daß der Bernstein nie an der Kittfuge brechen wird. Man bereite nie mehr von dem Kitt, als augenblicklich verwendet werden soll. — In Tournai (Belgien) ist, wie ein dortiges Blatt meldet, durch einen Irrt hum in der Apotheke der Tod von vier Personen verursacht worden. Die Thatsache ist folgende: Am S. Juni erhielt die Polizei die Meldung, daß in der rue St. Piat ein Arbeiter, Namens Prevost, plötzlich mit allen Merkmalen einer Vergiftung gestorben fei Die sogleich angestellte Untersuchung ergab zum Resultat, daß der Tod eingetreten sei nachdem Prevost den Inhal eines Packets mit angeblich englischem Salz zu sich genommen hatte. Einige^Minutenst»ater erfuhr der Polizei-Commissär, daß ein gleiches Unglück tn der rue du Pot-d Etain geschehen sei wo eine junge Arbeiterin, Namens Ratte, unter den gleichen Symptomen gestorben war, nachdem sie auch ein Packet mit „Englischem Salz' benützt hatte, welches so, wie das -rst-. in der Apotheke des Herrn Piret gekauft worden war. Die unverzüglich in der genannten Apotheke vorgenommene Untersuchung ergab, daß ein Commis Namens Canivet aus dem Inhalt einer frisch angelangten Kiste, in welcher er „Englisches Salz" vermuthete, vierzehn Packete zum Verkauf vorbereitet habe. Die ärztliche Secirung der Leichen zeigte jedoch, daß sich in der Kiste nicht Englisches, sondern „Sauerkleesalz" befunden habe. Der Morgen war noch nicht verstrichen, so wurde sckon der dritte Todesfall gemeldet — es war ein junger Mann in Jollain-Merlin — und endlich am Abend erfuhr man, daß ein junges Mävchen in Maulde gleichfalls nach dem Genuß eines solchen Packets gestorben sei. Die sehr rasch geführte Untersuchung dieses entsetzlichen Vorfalls machte ersichtlich, daß schon sieben derlei Packete verkauft worden waren und man befürchtet demnach, jeden Augenblick von neuen Unglücksfällen zu hören. — [Ein zärtliches Äinb.J Welche Mittel die Amerikaner anmenden, um ein „volles Haus" zu erzielen, dafür möge folgendes Beispiel sprechen. Ein Menagerie- desitzer zeigt an, daß sein gelehriger Elephant zu seinem Benefiz auf einem prachtvollen Erard einige Klavierstücke vortraaen werde. Alles rennt hin, um den neuen Virtuosen zu hören, und eine große Einnahme wurde errielt- Vor Schluß der Vorstellung wird ein schönes, nagelneues Pianoforte mitten in den Circus hineingestellt und der Deckel abgehoben. Lautlose Stille. Der Elephant tritt nach den üblichen Verbeugungen an das Instrument, hebt endlich seinen Fuß und setzt ihn auf die Claviatur- Plötzlich erhebt er ein schreckliches Geschrei, das wie Weinen klingt und die Zuschauer mit nicht geringer Angst erfüllt. Der Besitzer des Thieres tritt endlich hinzu, und nachdem er seinen Kopf in den Rachen des Elephanten gesteckt, um dort die Ursache des Weinens zu erfahren, läßt er den Virtuosen vom Clavier wegführen, indem er der staunenden Menge verkündet: „Der Elephant könne auf diesem Clavier nicht spielen, da er zu tief ergriffen sei, weil er in den Tasten der Claviatur die Zähne seiner Mutier erkannt habe!" — Aus dem Meininger Unterland wird der „Dorfztg." geschrieben: Die neue Tabakssteuer fängt an, für uns recht fühlbar zu werden. Sonst konnte man die Tabakspflanzen weit oder eng, je nach Belieben und Bedürfniß setzen; den Raum zwischen den Pflanzen benutzten die ärmeren Leute, denen ein Garten mangelte, um ihn mit Runkel- oder Gemüsepflanzen auszufüllen und so jedes Fleckchen nutzbar zu machen. Jetzt dürfen die Tabakspflanzen nur nach Vorschrift in einer bestimmten Weise gesetzt werden, und es ist den Leuten strenge verboten, andere Pflanzen zwischen diesen anzubringen. Es dünkt Vielen schon hart genug, daß sie neben Grund und Boden auch noch Das besteuern müssen, was sie darauf bauen, und nun noch diese Beschränkung dazu! Man sieht, der Schnürrleib, der uns angelegt worden ist, wird enger zusammengezogen und versetzt uns etwas den Athem. Sehiffeberieht. Mitgetheilt von dem Agenten deS norddeutschen Lloyl, T. W. Dietz in G ießen. Bremen, 16. Juni. Der Postdampfer Rhein, Capitän H. Bruns, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 5. Juni von Newyork abgegangen war, ist heute 2 Uhr Morgens wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Paffagiere, Post und Ladung 4 Uhr Morgens die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 271 Paffagiere und volle Ladung. Handel und Verkehr. Frankfurt, 16. Juni. (Marktbericht.) Der heutige Heu- und Strohmarkt war schlecht befahren. Heu kostete je nach Qualität der Centner «M. 2.50—0.00, Stroh uM* 3.00 3 50 Butter das Pfd. tm Großen 1. Qual. JL 0.80—90, 2. Qual. JL 0.00-00, im Detail das Pft. JL 1.20—00, 2. Qual. JL 1.10—00. Eier das Hundert ital. JL 5.20, deutsche Eier 4.10 Jt, Ochsenfleilch per Pfund 65—70 Kuh-, Rind- und Farrenfleisch 45—50 H, Kalbfleisch 40—55 3), Hammelfleisch 40—65 X Schweinefleisch 60—70 H, ein Hahn Jü 2.00—2.50, ein Huhn JL 2.00-2.30, eine Ente JL 2.70—3.20, eine Taube 70-80 H, Kapaunen JL 3-3.50, Wälscher Hahn JL 6—18. Kartoffeln 100 Ko. 6.50—0, Weißkraut das Stück 00—(-0^, Rothkraut, 1 St. 0—0 H, frische Kohlrabi 5—6 neuer Blumenkohl 1 St. 50—100 Wirsing 00-00 X Zwiebeln 1 Bund 6 Meerrettig 1 Stück 15—20 Lattich per Portion 10—15 H Kopfsalat 3—6 H, frische Spargel das Pfund 60—70 Radieschen 3—1 H, Artischoken «5 junge Erbsen das Pfund 30 H, Romain-Salat 40-00 neue Bohnen 100 Stück 1.80—0 neue Gurken 30—40 H. Limburg, 12. Juni. (Fruchtmarkt.) Rother Weizen JL. 20.85, Weißer Wetzen JL 20.60, Korn JL 16.50, Gerste JL 11.70, Saatgerste JL 00.00, Hafer, JL M5, Erbsen JL —. (Durchschnitts preis pro Malter.) Kartoffeln (50 Kilo) JL. 0.00. Juni 1880. Die Finna H. Underberg-Albrecht am Rothhause in Rheinberg am Niederrhein, welche, seit fast dreißig Jahren schon, auf den meisten Welt- und Industrie-Ausstellungen für den von ihrem Begründer und Inhaber, Seiner Majestät des Deutschen Kaisers und Königs von Preußen rc. rc., Hoflieferanten H. Underberg- Albrecht erfundenen und allein ächt fabricirten Boonehwmp of Maas-Bitter, bekannt unter der Devise: „occidit qui non servat“, preisgekrönt wurde, feiert in diesem Augenblicke wiederum einen neuen und zwar doppelten Triumph. Wie wir aus zuverlässigster Quelle vernehmen, ist dieser weltberühmten Firma auf der Australischen Weli-Ausstellung Sydney 1879 für ihren Boonekamp of Maag - Bitter die Preis-Medaille erster Classe und für rhre Nievelsteiner Hohlglas-Fabrikate die Preis-Medaille zweiter Classe zuerkannt worden. Vergebung von Bauarbeiter!. 4083) Nachbemerkte, an hiesigen fiscalischen Gebäuden auszuführende Arbeiten: Maurerarbeit, veranfchl. zu 832,50 Zimmerarbeit, „ „ 366,40 Schreinerarbeit, „ „ 615,50 Schlosierarbeit, „ „ 69,50 Weißbinderarbeit, „ „ 1175,70 sollen im Submissionsweg vergeben werden. Voranschläge und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen und sind die Offerten versiegelt, portofrei und mit bezüglicher Aufschrift versehen, bi- zum IS. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, einzuretchen, in welchem Termine deren Eröffnung erfolgen wird. Gießen, am 16. Juni 1880. Großherzogl. Kceisbauamt Gießen. In Vertretung: Volz, KreiSbauaufseher-Aspirant. AeUgeöoteues. 4117) Realen mit Schubladen in noch gutem Zustande, für ein Specereigeschäft passend, zu verkaufen. Näheres bei der Exped. d. Bltts. Allgemeiner Anzeiger. OD^QQODOOQarooaOQOOaOQODOOöaOOOODOOÖOO o feinsten a o o o o ü a o o o g a o Kaffee-Aroma. 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