Sonntag den Januar 1880 Erstes Blatt Rr. 1» Biotite (416 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-. Gießen, am 16. Januar 1880. , z-i. N«st Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringerlohn. Dmch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. btn ch- Inabuit. iflf. die schmerzliche Araber i ebenen* ir vom LlerLe- ’ (415 ,, daß 6W Butt«. r jiidrn urjtT , p/( J»H«N, Ötltuiig h'»' 'uppe )tn W Januar, * ™. (41» .-1Ä Betreffend: Nothstand der ländlichen Bevölkerung. Der Director des iandwirthschastlichen BezirKsverems Gießen an die Herren Bürgermeister des Kreises Giesten. Ich ersuche Sie, baldmöglichst eingehende Erhebungen darüber zu veranlassen, ob ein Nothstand in Ihren Gemeinden an Saatgut, besonders Saat» kartoffeln vorhanden, oder zu befürchten ist. , ,, a ,to .. . . Ä c w Diejenigen von Ihnen, welche meine Vermittelung zum Bezüge von Saatgut wünschen, wollen mir längstens bis zum Schlüsse dieses Monats den Bedarf angeben. Eventuell find wenigstens die Betreffenden zu bedeuten, daß sie sich mit einer schriftlichen Bestellung auch direct an mich wenden rönnen. Wenn sich bei Ihren Ermittlungen auch ein vorhandener, oder drohender Nothstand an Nahrungsmitteln rc- ergibt, mache ich Sie darauf aufmerksam, daß gesetzlich den Ortsarmenoerbänden die Pflicht zur Unterstützung der Hülfsbedürstigen obliegt. Es ist daher wegen ausreichender Unterstützung der Armen Ihrer Gemeinden nöthigenfalls dem Gemetnderathe von Ihnen Vorlage zu machen. Ortsarmenverbände, welche außer Stand find, den ihnen obliegenden Verpflichtungen zu genügen, und welche deshalb um eine Beihülfe des Landarmenverbandes bitten wollen, haben Ihre desfallsigen Gesuche bet Grvßherzoglichem Kreisamt einmreichen. (Siehe Art. 7 des Gesetzes vom 14. Juli 1871, Regierungs-Blatt Seite 265.) . Insoweit es sich um Unterstützungen von nicht eigentlich Armen, aber in gegenwärtiger Zett sonst Bedrängten handelt, di» sich keinen Eredit verschaffen können, so vermögen sich solche durch Bürgschaft der Gemeinden bei den im Kreise bestehenden Sparkaffen die nothigen Mittel zu vevschaffen. Ich empfehle Ihnen daher dringend, sich bet dem Gemeinderathe zur Ertheilung der erforderlichen Bürgschaften für solche Bedrängte angelegentltchst zu verwenden. Dr. Boek mann._______________________ Gießen, am 16. Januar 1880. Betreffend: Den Zustand der Volksschulen des Kreises. r Die Großherzogliche Kreis-Schlll-Comnnssion Gießen an die Schulvorstände des Kreisel. Wir sehen der umgehenden Einsendung der noch rückständigen Berichte auf unsere Verfügung vom 2. d. Mts., Anzeiger Nr. 2, entgegen. Dr. Boekmann. bllrb^0, fr H _ darüber obwalten kann, daß hierdurch dem Institut der freiwilligen Feuerwehren der Todesstoß versetzt würde. Berlin, 14. Januar. Die heute an der Börse verbreiteten und theil- weise auch aus gebeuteten bodenlos unsinnigen Gerüchte von der Concentrirung dreier preußischer Armeecorps an der russischen Grenze sollten vielleicht die Aeltesten der Kaufmannschaft zur Ergreifung energischer Dtsctpltnar-Maßregeln gegen die Verbreiter und geeignetenfalls zur Inanspruchnahme der Staats- Anwaltschaft V.ranlasjung geben, damit so grobem Unfug endlich ein Ziel ge- setzt werde. Die genannten Aeltesten können vermöge der Börsenordnung Übertreter auf längere oder kürzere Zett, ja, auf immer von dem Börsen- besuch ausschlicßen und gerade hier würde wohl die Abschreckungstheone gut wirken. (K. Z.) Berlin, 13. Januar. Die heute durch einen Nachtrag zum Etat erschienene Forderung von 800,000 JL zur Canalistrung des Mains von Frankfurt bis zum Rhein (erste Rate) ist wie folgt motivtrt: Seit längerer Reit wird der Plan verfolgt, den Rheinschiffen einen Schifffahrtsweg btS zur Stadt Frankfurt zu eröffnen und damit dem dortigen Handelestande die un- mittelbare Theilnahme an den Vortheilen des großen Stromverkehrs zu fichern. Uispiüvglich sollte dieser Zweck nach einem älteren, jetzt aufgegebenen Pro- jecte durch Herstellung eines neben dem Maine herlaufenden, von Frankfurt bis zum Rheine führenden Schifffahrts Canals erreicht werden, dessen Kosten auf etwa 4 Mill. Gulden veranschlagt waren. Die Ausführung sollte durch eine zu bildende Actiengesellichaft erfolgen und das Unternehmen durch Entnahm- von Actten bis zur Höhe von 1 Mill. Gulden aus Staatsmitteln un- lerstützt werden. Gegenwärtig wird beabsichiigt, durch Canalistrung des Mams vermittelst Anleattug von Schleusen und Nadelwehren, d. h. durch Verbesserung der Schiffbarkeit des Stromes selbst eine Wassertiese desselben von 2 Meter bei dem kleinsten Wafferstande herzustellen. Die Kosten der AuS- sübrung dieses der staatlichen Jnitiaitve entsprungenen Projektes werden stch auf 4,200,000 Jt. belaufen, zu denen noch 1,250,000 „4L t^r.die Anlage des städtischen Hasen« hinzutreten, welche ausschließlich von der Stadt Frankfurt getragen werde» sollen. Die Ausführung des Unternehmens, um deren Be- schleuniguug von den städtischen Behörden und der Handelskammer von Frank- furt unausgesetzt, unter Andern, auch tu einer an das Haus der Abgeordneten gerichteten und durch Beschluß deffelben vom 19. Januar 1878 ber Staats- regierung zur Berückstchtignng überwiesenen Petition gebeten worden, ist durch Verhandlungen verzögert, welche mit den übrigen Mainuferstaaten über d Vorbehalte gepflogen werden mußten, an welche dieselben ihre Zustimmung >ur Ausführung des Uutermhn.eus geknüpft hatten. Nachdem nunmehr über die bisher nock streitigen Punkte eine Verflärdigung erzielt worden, ist in den vorliegenden Nachtrags-Etat für den gedachten Zweck eine erste Rate von 800,000 JC. eingestellt. 1 -chulstr-ße B. 18. Gefundene Gegenstände: . 1 Pelzstauchen, 1 Cigarrenetui, 1 weißleinenes Taschentuch, 1 Frauen-Pelzkragen, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Fünfpfennigmarke, 1 Zehnpsenmg- stück, 1 Radirmesser (die fünf zuletzt genannten Gegenstände blieben auf dem Postamt liegen). Die Gegenstände sind auf der Polizeiwache (Schloßgaffe 258) aufbewahrt. Gießen, den 16. Januar 1880. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen. Fresenius. Deutschland. J. Darmstadt, 15. Januar. Am 22. December v. I. war die verstärkte B r and- versicherungs-Commission zu einer Sitzung zusammengetreten, deren letzter Gegenstand die Entscheidung über jenes 1 pCt- der Brandversicherungsbeiträge war, die zur Unterstützung verunglückter Feuerwehrleute und zur Hebung des Löschwesens verwendet werden sollen. Die Art und Weise, wie die Herren hierüber entschieden, ist eine tief beklagenswerthe und wird nicht verfehlen, auf die nahezu 5000 freiwilligen Feuerwehrmänner Hessens den allernachtheiligsten Einfluß auszu-ben. Ein Antrag des Landesausschusses der hessischen freiwilligen Feuerwehren an das Großh. Ministerium, worin derselbe von jenem Procent die Hälfte für den Verband in eigener Verwaltung begehrt, unter Stellung jeder Garantie und Unterwerfung jeder Eontrole, welche Einrichtung zum großen Segen des Löschwcsens in Baiern schon seit Jahren besteht, wurde k. h. obgelehnt und beschlossen, daß für jeden einzelnen Unterstützungsfall in Zukunft die Entscheidung der Brandversicherungs-Commission und die Genehmigung des Großh. Ministeriums eingeholt werden muß. Durch diesen Beschluß ist die ganze Sache unserer Anflcht nach beinahe tobt gemacht, wenigstens lag eine solche Verwenduna durchaus nicht in der Absicht der zweiten Kammer, als sie jenes Gesetz berieth und dessen Ausführung beschloß. Wählend man Seitens der Regierung für Provinzen, Kreise und Gemeinden ein Selbstverwaltungsgesetz auf freiester Grundlage geschaffen, hält man hier mit großer Zähigkeit daran fest, daß in jedem einzelnen Unterstützungs- falle Gioßh. Ministerium vas entscheidende Wort zu sprechen hat, und ist hierdurch der Unterstützungsbedürftige gewissermaßen auf den Gnadenweg verwiesen, ganz abgesehen davon, daß bis zur endgültigen Entscheidung im günstigsten Falle Wochen vergehen können, hinreichend genug, um einen sonst mittellosen Unterstützungsbedürftigen und dessen Angehörige in Elend und Roth verkommen zu lassen. Auch die Höhe der für Unterstützungsbedürftige wirklich verwilligten Summe steht in keinem Verhältniß zu ihrem sonstigen Verdienste. So wurde z. B. einem in Molchen am 14 September v. Js. bei einer Uebung verunglückten Feuerwehrmann, der einen schweren Armdruch erlitt und heute noch nicht recht arbeitsfähig ist, 50 Jt., sage Fünfzig Mark, bewilligt. Der Verunglückte ist Zimmermann und hat früher mindestens 2 JL 50 täglich verdient, mithin die Woche 15 Jt., er hätte also in 3 Monaten oder 13 Wochen zusammen 195 Jt. verdienen können; statt dessen werden ihm nur 50 bewilligt. Wie man hier gerechnet hat, ist uns unerklärlich. Freilich, ioenn man, wie dies Seitens der Commission thatsächlich geschehen ist, den Grundsatz aufstellt, daß nur ein verunglückter Feuerwehrmann, der in wirklich dürftigen Verhältnissen lebt, Ansprüche an die staatliche Unterstützungskasse hat, welche jedoch auch wegsallen sollen, wenn er von irgend einer anderen Seite, z. B- durch eine Privatversicherung, Krankenkasse ober dergl unterstützt wird, jeder Andere aber, sobald er besser gestellt ist und sich auf eigene Kosten die im Dienste der Menschenliebe und des Gemeinwohles geb,ochenen Glieder heilen lassen kann, keine Unterstützung bekommen soll, so wird die oben genannte Bewilligung wohl Niemand Wunder nehmen. Wir aber fragen, wo bleibt hier die Gerechtigkeit und sprechen es laut und öffentlich aus, daß auf solche Art der eigentliche Zweck, für welchen die ausgeworfene Summe bestimmt ist, niemals erreicht werden wird Es ist dies um so bedauerlicher, als erst »ach jahrelangen Mühen und Kämpfen bei uns in Hessen von den gesetzgebenden Fak- [ftoren d e Verwilligung jenes 1 Proecut zu Unterstützungszwecken verunglückter Feuer- ^wehrleute zu erlangen war, während man in anderen Staaten ohne Aufforderung 'Seit ns der Regierung hierin vorgegangen ist, wie die Erfahrung gezeigt hat, zum größten Nutzen und Segen des Löschwesens. Hoffentlich ist in dieser Angelegenheit das letzte Wort noch nicht gesprochen. Sollte dies jedoch der Fall fein, so könnten wir es nur lief bedauern, da kein Zweifel Gichkncr Wyeiger AiM. Md Amtsblatt fit Äkll Kreis Gießen. tanu das Tien bei Center, Zriscur, «e strewplare »d 6 des Am von der Er- Rtfanft 'ge meinen in denr toten zuvenmetheir cnntnnrafr Nr. 57. Mann, mit schöner er ^uchsührung voller Stelle. Offerten Tgib. d. KW. nterricht bei or.rad, Mäusburg. 4*' 6 hartnäckigem Kampfe hätten klaffen waren daran betheiltgt. Die Morgenblätter ermahnen das PuLltkam wiederholt zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Ruhe. Paris, 16. Januar. Die Seitens oes Ministeriums in den Kammern abgegebene Erklärung besagt: Das Cabtnet wird die besonnene und maßvolle Politik des vorigen Cablnets sortsetzen, wird den Senat ersuchen, die von der Kammer genehmigten Uaterrichtsgesetze zu vottren, und wird Gesetze über die Presse und Versammlungsfreiheit einbringen. Das Cabtnet wird ferner die Ausführung des Programms der öffentlichen Arbeiten sich angelegen sein lasten, bet Berathung der Zollgesetzgebung einen der gegenwärtigen Sachlage stch annähernden Standpunkt etnnehmen und die Beschleunigung der Dtscussion der Mtlitärgesetze fordern. Die Gesetze wird das Cabtnet mit Mäßigung und Unparteilichkeit handhaben. Dasselbe will Frankreich namentlich zwei unentbehrliche Güter bewahren: Ruhe und Frieden. Ohne der Festigkeit zu ermangeln, werden wir versöhnlich sein, well wir Niemanden ausschlteßen, sonder« alle Franzosen wieder vereinigen wollen. Pari-, 16. Januar. Die Erklärung des Ministeriums enthält auch einen Passus, wonach daffeibe eine Magistratur voll Achtung vor den republikanischen Institutionen will und die Ankündigung von Steuernachläffen. — In beiden Kammern wurde die Erklärung sehr beifällig ausgenommen. Paris, 16 Januar, Abends. Jules Favre ist schwer erkrankt. — Der Senat wählte Barthelemh-Satnt.Hilatre zum Viceprästdenten. Pesth, 16. Januar, Nachts. Die Ruhe blieb ungestört. Ministerpräsident v. Tisza traf Nachts aus Wien ein; es fanden aber nicht, wie man befürchtete, irgendwelche Ansammlung oder Demonstration statt. Czanitza wieder genommen. Todte und 50 Verwundete. In Deutschland starben im Jahre 1878 an Hals -, Brust- und Lungenleiden nicht weniger als fünfzigtausend Personen. Diese Zahl, welche so unendlich viel Trauer und Thränen in sich schließt, ist statistisch festgestellt. — Bei Hals , Brust- und Lungenleiden — werden die weltberühmten Brustkaramels Maria Benno von Donat entweder roh gegessen, oder 5—6 Stück in heißem Kakao- Tf)Ce oder Milch aufgelöst, aber nur lauwarm getrunken. Bei den vielfachen Fälschungen, Imitationen und Neidern wird daran erinnert' daß sich der echte Kakao-Thee Maria Benno von Donat genau in denselben Himmel' blauen Kartons befindet wie die Brustkaramels und in Deutschland nur 20 H kostet Der Kakao-Thee Maria Benno von Donat, dieses billige, wohlschmeckende und nahrhafte Getränk für Kinder und Erwachsene, soll eine halbe Stunde im Wasser kochen- Depot in Gießen bei Herrn Carl Schwaab, m Ortenberg bei Herrn Kaufmann Th- Emrich. (428 Wie«, 15. Januar. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel: Gestern wurde hier der erste Bericht über den Zusammenstoß bei Gujstnje veröffentlicht. Der Gouverneur von Koffowo telegraphin, die Montenegriner hätten am 7. ds. das Dorf Meta bet Plawa angegriffen und 200 Stuck Vieh geraubt. Dieselben seien am 8. dS. aus Gussinje und Plawa marschrrt, deren Bewohner lebhaften Widerstand leisteten. Nach die Albanesen die Ortschaften Velika, Ipek und Der Verlust der Albanesen betrage angeblich 40 Viele Montenegriner seien getödtet worden. Lokales. Gießen, 17. Januar. (Sitzung der Stadtverordneten am 15. Januar.) Anwesend: Herr Bürgermeister Gramm, Die Herren Beigeordneten Keller und Heß; von Seiten der Stadtverordneten die Herren Batst, Gail, Grüneberg, Haustein, Hoch, Hornberger, Lüdeking, May, Pfannmüller, Schopbach, Wenzel und Wortmann. Herr Bürgermeister Bramm legt die Rechnung für das Jahr 1878 nebst Verwaltungsrechenschaftsbericht vor und wird derselbe der Fmanzdeputation überwiesen. Zum Zweck der Entfernung der Freitreppe vor dem Anatomiegebäude war an Großh. Ministerium des Innern und der Justiz das Ersuchen gerichtet worden, genannte Treppe auf Staatskosten entfernen zu lassen. Laut Rescript Großh. Ministeriums hat dasselbe das Gesuch der Stadt abgelehnt und ihr anheimgegeben, Die Treppe auf ihre Kosten zu entfernen. Die Versammlung beschließt daraufhin, die Treppe in ihrem jetzigen Zustande zu belasten. Da der Ortsarmenverband Probbach mit der Zahlung der Kurkosten für Verpflegung eines Ortsangehörigen int Betrage von ca. 39 M. im Rückstände bleibt, wird beschlossen, klagend gegen genannten Armenverband vorzugehen. Auf eingegangenes Gesuch um Vergütung für die Bedienung der Uhr in dem Bürger- meisterei-Büreau wird eine solche in der Höhe von 5 'M. pro Jahr bewilligt. Eine eingegangene Rechnung über gelieferte Parzellensteine wird zur Auszahlung überwiesen. worauf sich die öffentliche Sitzung in eine geheime verwandelt. Gießen, 17. Januar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben die Gnade gehabt, für die Herberge zur Heimath, welche dahier errichtet werden soll, einen einmaligen Beitrag von 500 Jt. zu bewilligen. — In Darmstadt ist nunmehr nach der „R. H. D." auch an einem zugereisten Hand- wcrksburschen das Recurrenssieber constarirt worden. Derselbe würbe sofort ins Hospital x>n bracht und sind alle Vorsichtsmaßregeln gegen die Weiterverbrettung dieser Seuche getroffen wordcn. — Wir veröffentlichen seit dem Bestehen der hiesigen „Volksküche" täglich die verabreichten Portionen. Es könnte nun scheinen, namentlich wenn wir die verkauften Portionen derartiger Anstalten in anderen Städten betrachten, als ob in hiesiger Stadt (wo jetzt ungefähr acht- hunvert Porrionen täglich an Arme, Kinder und Handwerksburschen verabreicht werden) ein besonders großer Nothstand herrsche. Dem ist jedoch, wie wir ausdrücklich bemerken, nicht so. Die Summe der vertheiltcn Portionen scheint erstens so hoch dadurch, daß eigentlich nur halbe Portlonen .'s/8 Liter) notlrt werden, eS also immer nur die Halste von Portionen im Gegensätze zu anderen Städten ist. Zweitens hat der Ausschuß der Volksküche den nur zu lobenden und anderwärts nachzuahmenden Beschluß gefaßt, daß arme Ämter der Stadtschule, welche emen weitm Weg Mittags zu machen haben, sowie diejenigen Kinder, deren Eltern nicht zu Hause sondern auf Taglohn arbeiten, daß diese Kinder, und deren sind es täglich über Hundert, ihre Portionen -m Lokale der Volksküche erhalten. Drittens schwankt die Zahl der zu speisenden Handwerksburschen immer zwischen 30 und 40 täglich, welche also 60 bis 80 und noch mehr Portionen Suppe genießen. Viertens ist die Volksküche durch den Wohl- thatigkeitsstnn der Bewohner unserer Stadt in der Lage, im weitesten Maße an Bedürftige ihre Speisen zu verabreichen. Sind doch mit Zurechnung der Victualicn für die Volksküche über 7000 Mark eingegangen. Welch schönes Zeugniß für die Opferwilligkeit unserer Bewohner! Wir hatten uns nicht getäuscht, als wir bei Begründung der Anstalt auf diese Opferwilligkelt hmwresen. Unsere Ansicht hat sich in schönster und reichlichster Weise bestätigt. — Die „Volksküche" vertheilte heute 937 halbe Portionen. Verkauft wurden hiervon 138, 646 Portionen erhielten Arme und Kinder, 153 Portionen Handwerksburschen. Telegraphische Depeschen. Wagrrer'S telegr. Correspoudenr • «»reau. ^Berlin , 16. Januar. Die EisenbahmCommtfston des Abgeordnetenhauses genehmigte den Bau der Eisenbahnen Schneidemühl - Deutsch - Crone, Hir chbera-Schmiebeberg, Walburg-Großalmerode, Emden-Norden und nach der olvenburgiichen Grenze in der Richtung auf Jever nebst Abzweigung von (^orgSbed nach Aurich, Reil-Traben und Wangerohr-Bernkastel. Posen, 16. Januar. Amtliche Meldung des General Commandos des 5. Armee-Corps: Die vom „Hamburger Korrespondenten" und der Augsburger Attgem. Ztg." gebrachte Erklärung, daß preußische Ofsiciere in Kalijch injultitt und bedroht seien, ist erfunden. Seit Monaten hat kein preußischer Osstcler die russische Grenze bei Ostrowo überschritten. Der freundschaftliche Verkehr, welcher früher bestanden, konnte nicht ausgenommen werden, va das betr. rujstsche Regiment tu jüngstes Zeit erst seine alte Garnison Kalisch wieder bezogen hat. Ueberhaupt tst an dortiger Grenze nicht das Geringste vorgesallen, was irgendwie Anlaß znr Erfindung dieser Erzählung geben könnte. London, 16. Januar. Eme Depesche des Generals Roberts meldet, er habe den Posten des Militär Gouverneurs von Kabul aufgehoben und die Verwaltung von Kabul dem Mali Mahomed Khan übertragen. Pesth, 16. Januar. Heute Nachmiltag sand ohne jede Störung die Beerdigung der beiden Opfer des vorgestrigen Krawalls statt; die Lerchen- sectivn ergab Tod durch Spitzkugeln aus weittragenden Gewehren. — Dem Antrag von 25 Stadträtheu aus Einberufung einer außerordentlichen General- Versammlung des Muuicipiums gab der Oberbürgermeister nicht statt. — Das Unterhaus ist auf den 22. ds. zur Sitzung einberufen. Petersburg, 16. Januar. Der „Ruff. Invalide" erklärt die Sen- sutwns-Telegrammc ausländischer Blätter über Kriegsvorbereitungen Rußlands an seiner westlichen Grenze für vollständig unbegründet und aus der Lust gegriffen und den guten Beziehungen Rußlands zu den benachbarten Staaten r icht entsprechend. Die Friedensliebe Rußlands habe noch im December die Herabminderung der Armee um 36,000 Mann unter die Friedensstärke dictirt und seien weitere Friedensmaßregeln, speciell eine weitere Reducirung der Armee in Aussicht genommen. PeÄh, 16. Januar. Die Straßen-Demonstrationen von gestern Abend hatten keinen ernsteren Eharakter; nur Leute aus den atteruntersten Volks- Krankreich. Paris, 14. Januar. Heule wurde In der Kirche St. Augustin eine Gedenkmeffe für Napoleon HL, gestorben am 9. Januar 1873, gehalten, zu der sich in und vor der Kirche etwa 2000 Personen emgefunden harten. Der Prim Napoleon Jerome wurde ehrerbleiig von der harrenden Menge begrüßt, doch wurde jede weitere Kundgebung vermieden. AIS aber Paul Caffagnac aus der Kirche trat, liefen ihm feine bi sonderen Anhänger nach und riefen: Caffagnac hock! Das Kaiierthum soll leben 1" Cassagnac, der von einigen Polizeibeamteu begleitet wurde, wandte sich an der Rue de Boulogne nach den Schreiern um und hielt folgende Anrede: „Kehret heim in Ordnung, meine «reunde! Frankreich ist unglückilch, aber nicht für lange Zeit. Das Kalscr- tbum solch Euch auf den F-rs-n!" Lebhafter Jubelruf und ruhige Hermkehr der angeredeten Volksmenge. Die Polizei ließ Pie Anrede ungestört. Vermischte S. Mainz, 14. Januar. Wir entnehmen dem „Mzr. Tagbl.": Der Dammbruch der Ludwiaßbahn bei Bischofsbeim ist. wie bekannt, seit Sonntag so weit hergestellt, daß auf einem Geleise der Dienst wieder ausgenommen werden kann. Die Herstellung der ganzen Strecke wirD noch längere Zeit in Anspruch nehmen, da außerdem der Maindamm wieder repariri werden muß, was Sache deö Staates ist. Die Herstellung jenes einen Geleises hat Mühe und Unkosten genug verursacht. Man hat den Grund von dem noch stehenden, nur teilweise beschädigten dazu verwendet und zwanzigkausend Gentner Bruchsteine allein aus dem Odenwald berabgefabren, nm die große Bresche zu stopfen, nachdem das Wasser allen Grund verschlang. Der Schaden, den die Bahn durch die Unterbrechung des Verkehrs und die Rothwendigkeit der Herstellunasarbeiten erleidet, beziffert sich auf 25 - 30,000 M. täglich. Seit Wiedereröffnung des Dienstes sind natürlich nur noch die Arbeiten zu rechnen. Doch dürfte das Ganze etwa eine Million Mark kosten. , . £ n Mainz, 15. Januar. Wie wir vernebmen, soll wegen der Erbauung einer festen Rheinbrücke von hier aus eine Adresse an die MitglieDer der zweiten Kammer gerichtet werben, um in derselben die Rothwendigkeit der Erbauung einer Brücke klarzulegen. -- Als heute Morgen das Trajectboot der nassauischen Babn, welches gegenwärtig nur noch Den Verkehr .wischen Main, und Kastel unterhält, seine erste Fahrt unternahm, zerbrach plötzlich, als das Schiff auf der Mitte des Rheinstromes war, die Achse, so Daß das Dampfboot sich nicht mehr von der Stelle bewegen konnte. Bis 8 Uhr war der Verkehr in Folge dieses Unfalles unterbrochen und hunderte von Reisenden und Geschäftsleuten mußten 1 Vz Stunde warten, bis das andere Trajectboot in Dienst gestellt werden konnte. Solche Zustände sind wahrhaft erbärmlich zu nennen, welchen auch nur durch eine feste Brücke abgcholfen werden kann. - Der Köln. Ztq." wird gemeldet: Frühere Mittheilungen^ nach welchen der nächstjährige Etat für das Reich wenig oder keine Abweichungen von seinem Vorgänger haben würde, sind bereits durch den Etat für das Auswärtige Amt widerlegt. Es dürfte dies noch in höherem Grade durch den Militär-Etat aelckehen. Bis jetzt war nur bekannt geworden, daß erhöhte itorberunaen in letzterem in sehr beschränktem Umfange erscheinen und sich lediglich aus die hohen Futterprecse beziehen würden; seit etlichen Tagen inrirfit man indessen von weit größeren EtatsforderungLN der Milttärverwal- UN? d" sich n-m°ntiich °uf die Artillerie b-jt-h-n sollen. Di- Pläne für T der Artillerie sind bekanntlich älteren Datums; man glaubte aber soll den Verhältnissen nicht mehr entsprechen; dazu kommen die in den Nachbarstaaten bezüglich dies» Waffe erfolgten Formationen, mit denen man glei- d,eU 'Berlin, ^Janu-?''Dem Abgeordnetenhaus- ist eine Vorlag-, Bett, feen Erwerb der Rheinischen und der Berliu-Potsdam-Magdeburger Etsenbahn E ,u Schleswig.Holstein-Sond-r- ft!2, Ka l Diedrich August (gest. 1869) geboren. Er studtrte in Bonn, fei°nte in der preußischen,Armee und nahm 1856 seinen Abschied aus derselben als Major ü la suite im 1. Garderegiment z. F., um stch alsbald mit Pr n- ressin Adelheid von Hohenlohe-Langenburg zu vermählen. Belm Tod- König Friedrichs VII. von Dän-marck, von welchem er bereits 1859 vergeblich di- Anerkeiniung seiner Erbrechte verlangt halte, erklärte er in einer offenen Pro- clamaiion/daß er nach dem Verzicht seines Vaters, der für >h» nach surst. l.Lew Reckt feine Folgen hatte, die Regierung der Herzogthumer Schleswig- Eein als Lierrog Friedrich VIII. antute. Von da an blieb di- schleswig- bolsteinische Frage acut bis zu deren Lösung durch den preußisch-österreichischen F°Idrua von 1864. Auf der Londoner Conferenz wurde noch -ine Einsetzung M Herzogs von Schleswig in's Auge gefaßt. Die Ansprüche wdeß, die er stellte', bewvgen den preußischen Minister des Auswärtigen, Grasen Bismarck, von der Einfeßnng des Herzogs adzusehen. Durch Art. 5 des Prager Frie- dens fiel Schleswig-Holstein an Preußen. Herzog Friedrich war seitdem polr- tisch in dem Hintergrund geblieben. Kefterreich. bai Nlton Mwttt üi» dj- fi di. .i™ leinlalfen L °n'st°» bet Wgung unb 7, ^ei untnb zu er«an. lt^eni sonder» us entölt auch vor den repu- ernachläffen. - 10 mmen. krankt. - Der Wl Minister. : wie man n. ^Muctt) Mtftnb: /i- von Seiten dn Koch, Hornberger, tmann. 8 nebst Verwaltung^ iude »ar an Großh. jenanntt Treppe aus ba^elbt ta6 Tesut a zu entfern«. Die iu belasten. osten für Berpsteguuz rrd beschlossen, llageiü Uhr in Itm Lürgtt: lügt. >ur Auszahlung über > bei 6tt Gnade gehabt mmaligen Seitrag v« tnrai zugereisten Hont efvrt in6 Hospital vn dieser Seuche gettossrr <• täghtb bit verab: ( tauften Pornonen der 5t seht ungefähr acht » i werten) nn des ander? ll M. rncht io. Du rrgrnürch nur Hai« ! rarnaurn Im Gegn rt ctfl nur zu lobender, n Stadtschule, * Altern nicht jü überHunderi ' jiü der zu speisen '.ich den Wovi 6inV r.re'l"9®' ,2 Unsere «MlB( ’ rrfauft wurden frfcburiM la D-mmbM tnt daß auf ein'- "^'qanzen S»e» ins Oer 9 ® 9 «« :'n. RU . ^xenweil 'S ',m-er S^' Älj hes, yrJf** Auszug aus denStsndessmtsregiflern des Standesamts Gießen Vom 10. bis 16. Januar 1880. Aufgebote. Januar 12 Schuhmacher Heinrich Thielmann von Hartenrod mit Marte Gertrude Pickel Tockter des Schmieds Heinrich Nickel von Neukirchen, Regierungsbezirk Kassel. 14. toÄl B«tf« von Eberstadt mit Louise Körbächer Tochter des Ackermanns ^riedrtck Körbächer von Odenhausen. 14. Post-Secretar Carl Georg Heinrich Garthe von Mckweae mit Hedwig Johanna Friederike Marie Jffland, Tochter des Rechtsanwalts und Notars Letnrich Wilhelm Gotthard Friedrich Jffland von Treysa. 14. Lackirer Heinrich Karl Wilhelm Johann Christian Philipp Eise von Gießen mit Margarethe Braun, Tochter des verstorbenen Ackermanns Ludwig Braun von Staufenberg. Eheschließungen. Januar 11 Schlosser Sebastian Nieß von Zahmen mit Anna Eltsabethe Wagner, Tochter des Arbeiters Heinrich Wagner von Saasen. 11. Lackirer Georg Reh von Oppenrod ^rtt Katharine Stoll, Tochter des Taglöhners Johannes Stoll von Himbach. Januar. 10. Frieda, Tochter des Schneiders Jacob Kahn. 8. Louis Emil Philipp Martin, Sohn des Küfers Louis Lenz. 10. Margarethe Wilhelmine, Tochter des Schreineraesellen Karl Hermann Scybieke. 9. Anna Marie, außerehelich von auswärts. S. Otto Karl, Sohn des Glasers Johannes Hirz. 10. Wilhelm, Sohn des Fuhrmanns Wilhelm Wilke. 10. Louise Wilhelmine Ottilie Karoline, Tochter des Gastwrrths Karl Balzer. Gestorbene. Januar. 9. Der Großh. Landrichter in Pension Dr. Karl Gtlmer, 75 Jahre alt. 10. Soldarbeiter Friedrich Wilhelm Loos, 63 Jahre alt. ". Kaufmann Leopold Rothen- beraer 33 Jahre alt. 13. Der Rentner Franz Bernhard Grämlich, 79 Jahre alt. 13. Der Dampf-Schneidemühlen-Besitzer Balthaser Euler, 62 Jahre alt. 14. Marie Lampus, geb. Sckäfrr 94 Jahre 11 Monate alt, Wiltwe des Gastwirths Johann Melchior Lampus. 14. m>arie 2 Jahre alt, Tochter des Kutschers Gottfried Müller. 16. Ferdinand, 19 Jahre alt, Sobn' des Kaufmanns Jiaac Moses Schulhof. 16. Helene Karoline Elisabethe Koch, geb. Massina 26 Jahre alt, Ehefrau des Schuhmachermeisters Ernst Koch. 16. Emma Louise Friederike 1 Jahr 9 Monate alt, Tochter des Kaufmanns Karl Schlüter. Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getraute. , r Den 11 Januar. Georg Reh, Lackirer dahier, des Taglöhners Heinrich Reh von Qppmrod ehel. Sohn und Katharine Stoll, des Laglöhners Johannes Stoll dahier ehel. Tochter. Getaufte. Den 11. Januar. Dem Schuhmacher Philipp Bender ein Sohn, Georg Christian, geb. den 2 Dem Bremser Johannes Wilhelm Bär ein Sohn, Heinrich, geboren den 20. December. „ Uebertrag aus dem III. Verzeichntß 3628 JL n « cs r S 5 Refervirter Platz 2 M. Saal 1 M. 50 Pf. Galerie 1 M. Abends an der Kaffe je 50 Pf. höher. Billets zu beiden Vorstellungen find von Montag ab bet den Herren Ernst Balser, Mäusburg und W. Rudolph, Musikalienhandlung^ Jamaica-Rum. Punsch-Essenzen. Liqueure. 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