1880 Dienstag den 13. Juli Nr. 160 SUS der von Ausgabe. Rubrik-Nr. Summe der Einnahme 6787,68 Summe der Ausgabe 5749,67 Abschluß. Gießen, den Kassevorrath Beiträge der Kapitalzinsen Prozeßkosten 14. 15. 16. 17. 23. . 6787,68 . 5749,67 «X 3999,92 2000,— 190 — 597,76 1000,— 1140,61 143,50 465,56 3000,— Besoldungen . . • Diäten und Gebühren Einnahme. aus vorhergehenden Jahren Kreise...... idditr. pneumatischen kN. Garant*6, Botenlohn und Verkündigungskosten . . . Für Bureaugegenstände und Gerätschaften . Auszuleihende Kapitalien Der Provinzialkafferechner der Provinz Oberhefsen. Grüneberg. welcher in baarem Vorrathe besteht. 7. Mai 1879. t Mene Anzeige, um Löwen" lta8 7 Uhr. Linde». ’ fcie6oncttte liaftliche nies Deutschland. Mainr 10. W Die Generalversammlung der Hessischen Ludwigs, babn aenebmiate einstimmig den Antrag deS Verwaltungsraths aus Zahlung »on 800 000 xT fond perdu gegen Entbindung von der Verpflichtung zum Bau i-er>sirrwawDie seligen „Conduttenlisten" sollen wieder auf- jrossherzogs 1880. (4615 'F. Nestler E 5,2. a. 1880: ert " 3«itu»6ett eia Gesammtsumme der Einnahme Ausgabe . • ____________ verglichen bleibt Rest 1038,01 Rubrik-Nr. 1. j 3. ’ 4. ' 5. \ linnen. rorstani__ 'kUNg. di, -ttebwst- 3* „t Spitt, Aster. ?oö lerma^a. Vf. 11. Zuli: Knß|(r0- r'V" ^®Tfur * Ein politischer Umschwung in Deutschland. Die Mißstimmung, welche im deutschen Reiche über die Entwickelung der inneren Politik herrscht, hat viele Ursachen. Es wäre Selbsttäuschung wolle man nicht »uaestehen, daß die FreuUgkeit über die Entwickelung des Reiches und insbesondere das Vertrauen auf die Zukunft bedenkliche Stöße erlitten haben. Ter Relchshaushalis-Etat sür 1879/80 zeigt, daß di- Mehreinnahmen des Reiches bedeutend hinter der Schätzung zurückbleiben, und daß daher nicht daran au denken ist, die erwarteten Steuererleichterungen in den Einzelstaaten zu -währen. Der ganz- Ueberschuß beträgt nur 23 Millionen Mark und darin stecken noch 4>/2 Million Ersparnisse an Ausgaben; di- übrig b erbenden 18Va Millionen genügen kaum, das Deficit Bayern« zu decken, geschweige denn die allerorts herrschenden Deficits. Außerdem hat uns die konservativ-klerikale Aera mit 200 Millionen Mark neuer Steuern beglückt, und man muh zu. gestehen, daß die Finanzverhältntfle allein genügen, um damit für eine Opposition Propaganda machen zu können. Hierzu treten aber noch allerlei Ursachen zur Unzufriedenheit, so z. lV. die niue Militärlost, die Schwankung der Kirchenpolitik, die vielen Anzeichen der Reaction, die staatsscctalistischen Piäne (Reichsetsenbahnen, TabakSmonopol, Reichsrersicherungswesen), die Einmischung des Staats in den privaten Erwerb, die Revisionen ter Gewerbeordnung, -in zu langsamer Ausschwung in Handel und Industrie, niedrige Arbeitslöhne, die Socialdemokratie, der Rus nach Brod, die Aushebung der Getreidezölle, die schlechte Ernte u. s. w. Natürlich beuten die extremen Parteien die reiche Liste nach Kräften aus, und die Wahlen sprechen dafür, daß die gemäßigte Richtung im öffentlichen Leben verdrängt wird. Nachdem in Reutlingen die jüddeulsche Volkspartei, in Hamburg die Socialdemokratie gesiegt hatte, errang die Fortschrittspartei unerwartete Erfolge. Die Lübecker Wahl ist sicher überraschend, und doch bestätigt sie nur, was man erwartete. Die Reichsregterung hat durch mancherlei der Masse des Volkes unverständliche Wandlungen und Thaten an Vertrauen eingebußt; von den llerikalen und konservativen Versprechungen hat sich so gut wie nichts erfüllt: die große nationalliberale Partei ist in zwei Lager gespalten, und darin liegt zumeist der Grund, daß ihre Wahlagitation sich nicht mehr kräftig, weil nicht einheitlich äußert. Dadurch ist der Fortschrittspartei, der man eine große Rührigkeit nicht absprechen kann, der Boden geebnet worden. Sie sammelt alle unzufriedenen Elemente, weil sie den Ruf nach Brod auf ihre Fahne geschrieben hat, und wer die Magensrage in ein politisches Programm einsügt, wird immer Zulaus haben. Ob der Umschwung große Dimensionen annehmen wird, etwa wie die Bewegung der Liberalen in England, hängt zum Thetl davon ab, ob Fürst Bismarck eine Action in Bereitschaft hat, um die reichssreundltchen Elemente von Neuem zu einen, oder ob der gemäßigte Liberalismus sich zu erhöhter politischer Thätigkeit aufzuschwingen vermag. 'eben. H-rr Cultusmtnist-r v. Puttkam-r hat in einem Erlaß di- B-hörd-n angewieftn, üb-r die moralische Führung der Lehrer und deren Stellung im bürgerlichen Leben eingehende Berichte zu erstatten. Es ist bekamt., wie He.r v. Putt^mer an die Moralität der Lehrer ganz besonders hohe Anforderungen i-llt und wie er das angebliche Zurückbleiben des Lehrerstandes hinter diesen Anforderungen im Abgeordnetenhanse offeiitlich hart gerügt hat. Wir stmm-n nun mit dem Herrn Cultnsminister darin ganz und gar überein, daß die Lehrerschaft durch eine hervorragende sittlich- Führung ihre B-säh gung darthun muß, ihre hohe -rzi-hllch- Ausgabe zu -rsullen, daß sie verpflichtet ist, von Tag zu Tag das Vertrauen neu zu verdienen welches ihrer Obsorge di- Zu- kunft des Landes anheimgibt. Wir glauben aber, daß die k einen und stillen Denunctationen der Conduitenlisten, ihr S^onenthum undihr- L'°bedlener-i am allerwenigsten geeignet sind, di- sittlich- Haltung der Lehrerschaft zu verbesser.,. C„ditst°ckungen in Folg- des Wuchergesetzes fühlbar machen, will die „Kreuz.Ztg." nicht ganz ui- Abrede sstellen.^^^atsache aber sei, daß Wucherer von Profession ihr Geschäft ewstell^. Wohl^möglich fei es, daß mancher Schuldner jetzt seinem Schicksal durch die Geltendmachung der Forderung seines Gläubigers verfällt, während er sonst vielleicht durch Stundung, natürlich zu Wucherzinsen, sich noch einige Monate hatte halten können. Die Nothwendtgkett, vor Gültigkeit des Gesetzes entstandene wuche- rische Forderungen schleunigst zu Uqmdiren, also die sofortige Baarzahlung zu beanspruchen, entspringt nicht aus dem Gesetze, daffelbe habe nicht rückwirkende Kraft. Wenn es dennoch die oben angedeutete rZolge haben solle, so zeige dies nur eben recht offenkundig Vie Gemeingefährlrchkeit ^^ ^"^rischen Treibens und sei es kein Fehler, wenn die bisher schleichende Gemeingefährlichkeit offen ^Tage^trete.^ Statthalter der Reichslande und dem Staatssecretär Herzog kann nunmehr fein Zweifel sein. Nur das Ge- rücht hat sich nicht bestätigt, daß der Statthalter zurucktreten werde, um durch Herzog Christian von Schleswig-Holstein-Augustenburg ersetzt zu werden. Vielmehr ^st es der Staatssecretär, welcher das Feld räumt, indem derselbe zur Disposition gestellt ist, während Freiherr v. Manteuffel auf seinen Posten jo guU< Der König von Griechenland geht von hier nach Kopenhagen und sodann nach Petersburg. Berlin 10 Juni. Einer Mittheilung verschiedener Zeitungen zufolge hat ÄÄtS Lagrarffche Petition °uf «g ‘««Ä und Einführung der Doppelwährung einstimmig abgelehnt. Wenn NWvle,e Redactionsbureaur Schulstraße v. 18. Exp editi onsbureau: J PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 eruog. Mptmr. m sich in den Insser und Grosrherroglicher Bber-Rechnungskammer abgeschlossenen Rechnung der ProvinMkassc der promn; Bberhessen 77 für 187S. Darmstadt,K W * ** f Ob-rM-chnungskamm-r. * X43 btr SrCi8a ^lOB'n^a^OI^nUn^e^^OI^enbet^be^en^ro^in}tdauS(^u^^e^2^'^mü2'D^^^n^^^ insser, dlunq. rkranz. ^yncn, Syrern >D0yne Leben Petersburg, kaiserliche Verordnung, Rußland. 10. Juli. Dec „Regierungsbote" veröffentlicht eine wodurch die zollfreie Einfuhr von Gußeisen und Eisen England. London, 10. Juli. In der gestrigen Abendsitzung des Unterhauses wurde Rvundell's Antrag auf Abschaffung jedes Testeides in den Universitäten nach mehrstündiger Discusflon zurückgezogen, nachdem Gladstone erklärt hatte, die Regierung habe noch ferne Zelt gehabt, diesen Gegenstand zu erwägen. Italien. Rom. Garibaldi hat wieder einen seiner bekannten Briefe vom Stapel gelaffen. Derselbe ist nn Henri Rochefort gerichtet und lautet: „Sie repräsentiren die Ehre der Republik Frankreich, Sie sind der Schrecken der Höflinge und dtademtragenden bonapartistischen Kuppler. Der Renegat Andrieux, nicht zufrieden damit, daß er Ihren Sohn hat meucheln wollen und denselben verleumdet bat, sandte Ihnen einen Gladiator, der Ihren ruhmreichen Tagen ein Ziel setzen sollte. Frankreich gleicht ganz unserem Italien; dort wie hier ein Haufen von Spitzbuben und Betrügern, welche den Volköwillen fälschen. Alliirte der so sehr verwünschten Pfaffen, geschützt durch die parlamentarische Fieibeit, regieren sie und machen nur mit Widerstreben den nach Freiheit und Wohlergehen sich sehnenden Völkern Concessionen. Andrieux, der einst Pamphlete auf die Bonapartes geschrieben, profanirt jetzt die Gräber der Commune-Märtyrer und ahmt die Handlungen gewisser feiler Schergen der savoy schen Monarchie nach, welche die Repi blckaner in Mailand, Genua und Calatabiano verfolgen. Möchte doch ein zweites 1793 nicht zu lange auf sich warten lassen, die Humanität beoaif desselben. Rochefort wird der k'.nftige würdige Marrat sein, welcher der strafenden Gerechtigkeit der Revolution die Köpfe der Priester und anderer die Nation täuschenden Betrüger oezeich' en wird. Wenn Sie nach Paris schreiben, grüßen Sie mir den heroischen Blanqui, das Opfer des schmeerbäuchigen allmächtigen, verhaßten ©ambetta Was liegt daran, er wird trotz alledem noch Deputtrter werden. begrüßen, wenn jetzt wirklich einmal eine bestimmte und verläßliche Kundgebung des Bundesraths in dieser wichtigen Frage vorliegt. Köln, 9. Juli. Die Ansicht der Berliner „Post über das bevor- stehende Dombaufest geht von der irrigen Unterstellung aus, daß es sich bei diesem Fest um eine feierliche Einweihung des Domes handle und daß aus diesem Grunde der kirchlichere Obere dabei nicht fehlen dürfe. Indessen rst, wie allgemein bekannt, die Domkirche längst geweiht. Es handelt sich gegenwärtig um die Vollendung der Domthürme, welche im Herbst dreses Jahres zur unleugbaren Thatsache wird. Diese Thatsache, welche sich nicht aufschteven läßt, kann von dem Central-Dombauveretn, welcher seit 1842 feine Thätigkert der Vollendung des großen Bauwerks gewidmet hat, nicht ignorirt werden; denn seinen unermüdlichen Anstrengungen ist es zu danken, daß endlich diese Thatsache vollendet ist. Selbstverständlich mußte der Verein sich wegen des Festes mit dem Kaiser als allerhöchstem Protector in Verbindung setzen; hin- sichtlich des Tages, an dem das Fest abzuhalten, ist allerdings bisher eine Entschließung nicht getroffen worden; dagegen hat sich der Kaiser mit der für das Fest der Vollendung im Jahre 1880 zu prägenden Medaille einverstanden erkläit Der Umstand, daß es an einem kirchlichen Obern augenblicklich fehlt, darf nach der Lage der Sache das Fest nicht vereiteln und wird hoffentlich auch den Kaiser von der Theilnahme an dem Feste nicht abhaltcn. Geht der Wunsch der „Post" in Erfüllung, daß auf Grund des Art. 2 des neuen Kirchengesetzes in Kurzem der Erzdiöcese Köln ein Bisthums-Verweser ernannt wird, so kann dadurch freilich die Feier nur gehoben werden. Eine solche Ernennung bildet aber keine wesentliche Bedingung, und zwar um so weniger, alS das Domcapiiel bereits sein- Mitwirkung bei dem Feste dem Dombau- Verein officiell zugesagt hat. Die „Post" ist also schlecht unterrichtet, wenn sie behauptet, eine kirchliche Feier könne ohne Kirchenobern nicht statlfinoem Im Gegentheil, die kirchliche Feier ist unter allen Umständen gesichert. Für manchen Katholiken mag es allerdings ein schmerzliches Gefühl sein, indeffen kann dadurch allein das freudige Ereigniß der Vollendung des Domes nicht in den Hintergrund gedrängt werden. Diesen Standpunkt nimmt auch der Vorstand des Central-Dombau-Vereins selbst ein, der zum größten Theil aus Katholiken besteht, wovon säst die Hälfte der Centrumspartei angehöreu. Aber auch diese, mit Ausnahme von zwei oder drei Mitgliedern, wünschen das Fest und haben ihre Ansicht unumwunden ausgesprochen, daß In diesem Herbst die Vollendung des hehren Gotteshauses unter allen Umständen gefeiert werden müsse. (Köln. Ztg.) Ems, 10. Juli. Der Kaiser ist heute Nachmittag nach Koblenz abgereist. aus dem Auslande aufgehoben und der Zolltarif für Eisen, Stahl- und andere Metall-Fabrikate und Maschinen abgeändert wird. Türkei. Konstantinopel, 10. Juli. Hussein Husni Pascha wurde an Stelle Osman Paschas zum Kriegsmtnister ernannt. Trikgraphische Depeschen. Wag»ee's teleg«. - Bisrea«. München, 11. Juli. Heute um 11 Uhr vollzog der zeitweilige Vertreter des Ministers des Innern, Staatsrath v. Dillis, im Beisein der Minister v. Crailsheim und Riedel, der beiden Bügermeister rc. die feierliche Eröffnung der anläßlich des IV. deutschen Brauertaqes im Glaspalaste veranstalteten Special'AuSftellung der gejammten Brau-Industrie. Die Zahl der Aussteller beträgt über 400, die Zrhl der Thetlnehmer an dem Bcauertaze bis jetzt mehr als 1200 aus allen Theilen Deutschlands und dem Auslande. Paris, 11. Juli. Das „Journal osfictel" veröffentlicht ein Decret vom 10. Juli, wonach allen wegen des Ausstandes von 1870/71 und wegen der späteren aufständischen Bewegungen Verurtheilten die Strafen vollständig erlassen werden. Konstantinopel, 11. Juli. Osman Pascha verbleibt in Konstantinopel als Palastmarschall. Weitere Veränderungen im Ministerium werden erwartet. Greenwich, 11. Juli. Bei dem gestrigen Jahresbanket des Cobden- Clubs sprach der französische Botschafler Challemal-Lacour die Erwartung aus, es werde England und Frankreich gelingen, zwischen allen Jntereffm die aus- gleichende Vermittelung zu stnden. — L.sseps zeigte an, die Ausführung deS Panama-Canals erscheine gesichert. Dem Unternehmen sei amerikanisches Capital beigetreten. Die Vollendung des Canals innerhalb 7 Jahren sei zu erwarten. und dem theuren Arnould einen Händedruck. gür'S Ihr Garibald:." Heflerreich. Pesth, 10. Juli. Der Gerichtshof verurtheilte heule den Duellanten Baron Majchenyt (Mitglied des Oberhauses) zu 6 Wochen und den Abg. Verhovay zu 14 Tagen Gefängniß. Brünn, 10. Juli. Der Statthalter Ritter v. Kallina ist heute Morgen in Folge eines Schlaganfalles gestorben. Ilrankreich. Paris, 9. Juli. Der König von Griechenland hat sich in bestimmter Weise über die zukünftige Rolle Griechenlands folgendermaßen geäußert: „Wenn die Türkei mit bewaffneter Hand den Conferenzbeschluß bekämpft, so muß Griechenland die Austragung des Streites den Großmächten überlasten, denn Griechenland kann unmöglich die Türket bezwingen, da Rußland mit Rumänien, Serbien und Montenegro kaum im Stande waren, die Türkei zu besiegen. Wenn die Türkei nachgibt, so macht sich Griechenland anheischig, die abgetretenen Provinzen zu besetzen und den Kampf mit den Albanesen aufzunehmen." Der König wird die Höfe von Berlin, Petersburg, Wien und Rom besuchen. Die Entscheidung über die Besetzung der Pariser Gesandtschaft wird erst nach Rückkehr des Königs nach Athen erfolgen. Wahrscheinlich ist die Stelle Braila zugedacht. (Köln. Ztg.) Paris, 10. Juli. Die Kammer der Deputaten hat den gestern vom Senate votirten Amnestie-Entwurf angenommen. — Die für die Vorberathung des Dufauresschen Antrags über das Veretnsrecht gewählte Commission ist in ihrer Mehrheit dem Anträge geneigt. — Die Journale der Linken sind sämmtlich der Ansicht, daß das Amnestiegesetz tn der gestern vom Senate beschlostenen Fastung die volle Amnestie gewähre und fordern die Kammer aus, die Amnestie-Vorlage in der Fastung des Senates anzunehmen. Zur Unterstiihungswohnfllzfrage und Armenpflege enthält die in Wiesbaden erscheinende „Nass. Volksztg" nachstehenden Artikel, welchen wir unseren Lesern in der Stadt nicht vorenthalten wollen, da er auch auf unsere Communallasten ein kleines Streiflicht wirft. Das Gesetz über den Untcrftützungswohnsitz und in Verbindung damit die Frage der Armenpflege überhaupt ist bereits seit längerer Zeit der Gegenstand öffentlicher Erörterung. Während von conservatiser Seite namentlich seitens der Großgrundbesitzer der östlichen Provinzen unter dem jetzigen günstigen reactionären Winde eine Abänderung des ersteren Gesetzes zu Gunsten des platten Landes, d. h. auf Minderung der erforderlichen zweijährigen Aufenthaltsdauer auf nur ein Jahr angestrebt wird, kommen aus den Städten immer größere Klagen über die enorme stetig steigende Belastung des Communalbudgets in Folge der erforderlichen Unterstützung des zuziehenden und nach kurzer Zeit bedürftigen Proletariats. Man verlangt detzhald von dieser Seite mindestens durch Gesetz die zur Unterstützung berechtigende Wohnsitzdauer auf mindestens fünf Jahre zu erhöhen. Andererseits wird ebenso die Frage der Armenpflege oenti. lirt und auch hier ein Ausgleich in der Belastung zwischen Stadt und Land gesucht, und ist, wie wir schon vor einiger Zeit berichteten, detzhald ein Congretz der Armenpfleger Deutschlands, resp. betreffender Delegirten in Aussicht genommen. Auch der Verband der Grund- und Häuserbesitzer Deutschlands hat diese Frage bei seiner kürzlich in Leipzig stattgehabten Generalversammlung zur Verhandlung gestellt auf Grund eines von dem Häuserbesitzerverein in Wiesbaden gestellten Antrags. Da diese Frage gewiß das allgemeinste Interesse hat, so bringen wir nachstehend die Begründung dieses Antrages Referent, Schreinermeister Rossel von Wiesbaden, führte aus: Das Unterstützungswohnsitz-G^setz vom 6. Juni 1870, insbesondere der § 10 desselben, welcher zur Erwerbung des Unterstützungswohnsitzes eine zweijährige Aufenthaltsdauer vom 24. Lebensjahr an vorschreibt, hat für die Städte und den städtischen Grundbesitz sehr schwerwiegende Nachtheile im Gefolge gehabt und Zustände herbeigeführt, welche auf die Dauer unhaltbar sind. Die weitaus größte Zahl derjenigen Einwohner der Landgemeinden, welche in mehr oder weniger kurzer Zeit unterstützungsbedürftig wird, zieht nach den Städten über, und zwar aus verschiedenen Gründen. So ist z. B ein Hauptgrund der, daß die ihnen in den Landgemeinden gewährte Unterstützung vollständig unzureichend und meist so nieder bemessen ist, daß auf die Person und Tag kaum 6 bis 8 kommen. Es erhält eine mir persönlich bekannte alte arbeitsunfähige Frau von ihrer Heimathgemeinde monatlich zwei Mark. Eine andere, ebenfalls arbeitsunfähige Frau, welche einen schulpflichtigen ca. 13 Jahre alten Sohn hat, bekommt von ihrer Dorfgemeinde pro Monat fünf Mark. Die Unterstützung dagegen, wie sie den Bedürftigen in den Städten gewährt wird, ist eine derartige, daß sie jedes bittere Nothleiden ausschließt, indem sie das 10- bis 12fache der von den Landgemeinden gegebenen Unterstützung, d. h. je nach Umständen 50 bis 80 H pro Person und Tag betagt . ., _ . , Ferner werden diejenigen Armen, welche in ihrer Heimathgemeinde wohnen und Unterstützung beziehen, von jedem Dorfbewohner mißachtet, die Unterstützung wird ihnen bei jeder Gelegenheit vorgeworfen, und müssen sie sich daher überall ducken, da in den kleinen Landgemeinden Jeder des Anderen Verhältnisse kennt. In den Städten dagegen ist das anders, da verichwinden diese Leute in der Menge und in vielen Fällen weiß selbst der mit dem Unterstützten in einem Hause Wohnende nicht einmal, daß sein Zimmernachbar Unterstützung empfängt. Dies sind die Ursachen, daß eine große Zahl Derer, welche demnächst unterstützt fein wollen, aus eigenem Antriebe m eine Stadt überziehen und den Unterstützungswohnsitz daselbst zu erwerben suchen. Aber eine sehr große Zahl deninächst Unterstützungsbedürft'ger wird inbirect, mitunter sogar birect von ben klugen Dorfbewohnern dazu überrebet, in eine Stabt überzusiebelu unb wirb ihnen babei auf eine merfroürbig schlaue Weise klar gemacht, wie dies zu ihrem eigenen Vortheil sei. Es sind mir Fälle bekannt, wo solchen Leuten gesagt würbe: „Wenn ihr in ber Stabt wohnt unb ihr habt Unterstützung nöthig, so bekommt ihr ba eure hübsche Stube gemiethet, erhaltet ferner wöchentlich einige Mark baares Gelb, bas nöthige Brob, Kleiber unb im Winter Kohlen rc. unb habt es ba besser, als ein kleiner Bauer hier im Dorfe; bas können wir euch nicht geben, dazu ist unsere Gemeinbe zu arm, bas wißt ihr ja. Es wirb ihnen ferner gesagt, wenn es euch von Anfang knapp geht, so helfen wir euch n. bgl. mehr, unb bie so bearbeiteten Leute begreifen bas Vorteilhaftere für sie vollkommen unb wandern aus. Sie entschließen sich hierzu um so leichter, wenn ihnen von oltin Bekannten bie Wahrheit bes in Aussicht Gestellten bestätigt wirb, unb wenn aus einer Landgemeinbe erst Einer bie Wohl- thaten ber stäbtischen Unterstützung genossen hat, erfolgt aus berselben Gemeinbe bald weiterer Zuzug. Die Einen werben bazu überrebet, bie Anberen suchen auf Grund eigener Berechnung sich ein Anrecht auf diese Versorgungsanftalt za sichern. (Ich muß dies so nennen, denn die zwei in der Stadt abzubienenden Jahre sind die Prämie, welche vielen Familien eine lebenslängliche Rente sichert, die den fünfvrocentigen Zinsen eines angelegten Capitals von 10- bis 14,000 Mark gleichkommt.) Wieder Andere treibt die Aussicht auf die in der Dorfgemeinde ihrer harrenden Noth unb Demuth häufig erst im Alter aus der Heirnath fort in bie frembe Stabt und somit ber Stabtkasse, resp. ben Steuerzahlern zur Last. Wie groß biefe Last ist unb wie enorm bie Ausgaben der Stäbte finb unb wie biefelbcn stets fteigenb, zuletzt unerschwinglich für biefelbcn werben, will ich an einigen Zahlen bes Armenbubgets von Wiesbaben klar machen. äs W 150,000 £ Ä SLrA" als.be> nod) Äaui circa 400 m Frankfurt, ?.! Wchi-r mchhal^ Lmki, irtldie von tntfen Dchn im Laust M ®® Wck, Begrüßm durch den Lochenden dts Tarna «Wen SBunWtumn at Lomitt-zS 8 Uhr qegen 1 Uhr aus demW haibstündizen Pause brgm turnen. Montaz. ben 26 der Frankfurter Tuin- ur ffi auWWch für dall wench Fortsetzung M \ Arn Äachmttta- findet t ItW 1 Dir Ehestau d Echtvalb von Gieße borrne Tchtvalb, Sommer 1869 der Schiefergruben-Gesch ZwräS Sicherung r derselben gegen ihre, Betrage von 700 @ raithe Muri. Nr.22 MngchundderKa; Dic hierüber ausgefei Wblich in Verlust a N Anstehen der Veld mi archrsertigt werd * Ulfa ** «xi fragil, Mim Ith frttai t Sinutnbmijtn i to jtlll 2*8 faqty 47091 Acrfir slSy Mmbö m „lb ra*« «X8es justehenden ilb m bieftr Seite Hier und Land gesucht, ongrcß der Armen- immm. Auch der jgc r .i seiner kurz- gestellt aus Grund • Ta diese Frage -e^iündung dieses c aus: •r'ere der S W des- ■ s: nge Ausenlhalts- ti 'lädli'cdeii Grund- siände berbeigesührt, -migen Einwohner /ruützungsbedürstia .--ünden. So ist 7-b ie Unterstützung Person und Tag alte arbeitsunfähige . andere, ebenfalls flien Sohn bat, be- imMung dagege^ artig-' dag sie 1 Produkten- Handel (Wrede). Die Herren Actionäre werden hiermit gewarnt, sich nicht weiter durch die Manövres Derjenigen beeinflussen zu lassen, die seit längerer Zeit sich bemühen, den Cours zu drücken, um die Actien zu möglichst niedrigem Course zusammenzukaufen Es ist darauf zu rechnen, daß die Actien dieses, an der Beiliner Productenbörse eine hervorragende Stellung einnehmenden Instituts in nicht ferner Zeit die seitherigen unberechtigten Rückgänge wieder einholen werden, wie es überhaupt nicht ausbleiben kann, daß dies Effect, welches seit dem Bestehen der Bank, somit feit 8 Jahren eine Jahres^ Durchschnitts-Dividende von 513—°/o verweilte und keinerlei Verluste erlitten, in der Kürze den Pariconrs wieder erreichen und weit übersteigen wird. Daß die Dividende der Vorjahre, obwohl 5% verdient und zur Vertheilung disponibel waren, nur geringer normirt wurde, war lediglich dem Einfluß der vorerwähnten, am niedrigen Coursstand interessirten Partei zuzuschreiben, die es durchzusehen wußte, daß ein sehr großer Theil des im laufenden Geschäft erzielten Jahresverdienstes- zu ganz überflüsstgen Abschreibungen auf die Immobilien verwendet werde, wiewohl die betreffenden, meist in werthvollster Stadtgegenv gelegenen Grundstücke notorisch weit über den jetzigen Buchpreis zu taxiren und wie die Bilanzen der Gesellschaft eines jeden Jahres darthun, auch vollständig befriedigende Rente geben, also Abschreibungen hieraus überhaupt nicht geboten sind. Das Sprit- u. Producten- Commissions-Geschäft in fortschreitender Weiter-Hebung befindlich, läßt für das laufende Jahr mindestens 5—6 % Dividende erwarten, die diesmal jedenfalls un* geschmälert zur Vertheilung kommen wer- den, da in der nächsten General-Versammlung ähnliche Abschreibungs - Manövres allseitige Opposition der Actionäre finden, würden. Laut der letzten, aus allerrigorösesten Grundlage aufgestellten Bilanz, welche große Liquidität der Mittel aufweist (bte vorhandenen Spritbestände, Cassa- und Wechselrepräsentation schon ohne die Immobilien nahezu den Betrag des ganzen Actiencepitals) ist der genau ausgerechnete Werth der Actien 102,48; heutigen Cours dagegen nur 55 Va. Das Unausbleibliche und die Berechtigung einer entsprechenden Steigerung liegt auf der Hand.__ 4696) Am Sonntag Vormittag von der katholischen Kirche bis an die Schoor eine Lorgnette von Schildpatt verloren. Dem Wiederbringer eine Belohnung. Wo? bei der Exped. d. Bl. zu erfragen. 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