Hilf nie J A^nds. ' !■ Mut • «W. • $• Ntnf. • Htari Kuner. (573t Don Horlbrck. ■ S^rrtwgtfl ■ ^ltofky. • kchtffl. " Hmtn. " 3 Bartl. , Brau-. » Tarr. ptember: Julien Runge. Ülücii Neste. Musik ►et biequ ein i Rinn. Septbr.: M uten 3ook^ (5726 *lany. i. Stptbr.: ifM (5721 lert. ut Kraa. 18 , Com ilnäd^v Nr. 206» Samstag den 4 September 1S8O Kietzener Wiyeiger AMige- Md Amtsblatt für des grtis Gießen. VedactisNsvurea« t GrrnrdLtt^rrSdnrearr r Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des MvutagA. Peeis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Die deutschen Truppen-Manöver. Die deutsche Armee ruht nicht auf ihren Lorbeern aus. Es scheint im Gegenthetl, als ob sie mehr „arbeite" denn je, und Mannschaften wie Osfi- ciere wiffen ein Lied davon zu singen, daß es in der Vervollkommnung des „Materials", wozu man nicht allein die Waffen, den Park und alle Aus- rüstungs- und Verpflegungs-Gegenstände rechnet, sondern die Soldaten selbst keine Rast und keine Ruhe giebt. Der Kaiser selbst und der Kronprinz, die regierenden Fürsten, welche eine Stellung im Heere einnehmen, und die dienenden Prinzen, die Kriegswinister, Moltke und „General Staff", wie die hohe Generalität leuchten allen anderen Chargen durch Eifer und Thätigkeit voran, so daß es den Anschein hat, als stünde ein neuer Krieg vor der Thür. Si vis pacem,para bellum! — so lautet die alte Parole; es gilt das Wort: loujours en vedette, das Friedrich der Große in den Worten aussprach: „Das Land muß von Fürsten regiert werden, die „immer auf dem Posten" sind, die Ohren aufsperren, und über ihre Nachbarn zu wachen, bereit, sich von einem Tag zum andern gegen die verderblichen Pläne ihrer Feinde zu vertheidigen. Das Manöver ist der Prüfstein der Erziehung und Tüchtigkeit der Truppen. Da wird nicht allein jeder Knopf und jeder Riemen geprüft, da werden nicht nur die Waffen erprobt; nicht allein die Mannschaften und Officiere zum Examen in freiem Felde geführt, dort werden nicht nur die Strategen der Zukunft herangebildet und die Unfähigen ausgemerzt, sondern eS wird neben der Jahresrevue über die Ausbildung der Armee auch alles Neue studirt und, .was sich davon bewährt, wird als Fortschritt eingeführt. Die Armee darf nicht rasten, sonst rostet sie; sie ist ein lebensvoller Organismus, der nicht nur gepflegt und erhalten, sondern auch im Wachsthum befördert werden muß. „Der Frieden", sagte der alte Feldmarschall v. Steinmetz, „ist die Vorschule des Krieges"; und bei den Manövern wie im Felde handelt es sich nicht um gelehrte Theorien, sondern um praktische Thätigkeit, denn die Quintessenz aller Strategie bleibt, wie Moltke erklärte, „das Arbeiten mit dem gesunden Menschenverstand." Man prahlt in Frankreich gegenwärtig damit, daß man in kurzer Zeit eine ganz neue Armee geschaffen habe; der wieder auftretende Chauvinismus hat Lust, das neue Instrument zu probiren. Der ewige Wechsel in den Institutionen war seit Napoleon I. das charakteristische Merkmal der französischen Armee; was heute als gut und vorzüglich gepriesen wird, verschwindet morgen, um neuen Einrichtungen Platz zu machen. Zu unseren Gardemanövern bei Berlin treffen diesmal besonders viele hervorragende französische Officiere ein, denen man in Deutschland nicht so viel „Neues" zeigen kann, wie sie bei ihrer „neuen" Armee sehen können, aber das gute Alte, was sie nebst zeitgemäßen Verbesserungen erblicken werden, wird htnreichen, um sie zu belehren, daß es für Frankreich nützlich sein wird, die Revanche an den Nagel zu hängen. Ihr Urtheil wird den Einfluß Garnbettaffcher Punschreden wohlthättg abkühlen. Deutschland. Darmstadt, 1. Septbr. Das Großherzogl. Regierungsblatt (Beilage Nr. 23) enthält: 1. Verzeichniß der Vorlesungen, Uebungen und Praktika, welche im Winter-Semester 1880/81 in den fünf Fachabtheilungen der Großherzoglichen technischen Hochschule zu Darmstadt geholten werden. 2. Uebersicht der für das Jahr 1880 von Großherzoglichem Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal - Bedürfniffen in der Gemeinde Biebesheim, Kreis Groß-Gerau. 3. Ordensverleihungen. 4. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens. 5. Namensveränderungen. 6. Dienstnachrichten. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 27. Juli dem evang. Pfarramts-Candidaten Ludw. Völ- flng aus Damshausen die evang. Pfarrstelle zu Gimbsheim, am 28. Juli dem tvang. Pfarrer Karl Schoffnitt zu Messel die evang. Pfarrstelle zu Langstadt zu übertragen; am 4. August den seitherigen ersten Gebülfen bei der Verwaltung der Landes-Irrenanstalt Finanzaspiranten Karl Bauer aus Gießen zum Oeconomen und Werkmeister an den Gefängnissen zu Mainz zu ernennen. Am 10. Juli wurde dem Hülssdtener an der technischen Hochschule Garde-Sergeanten Andreas Zimmer aus Darmstadt die Stelle eines Hofbiblto- thekdieners übertragen; am 13. Juli wurden der Amtsgerichtsdiener bet dem Amtsgerichte Michelstadt Friedrich Korell zum Amtsgerichtsdtener bet dem Amtsgerichte Offenbach und der Amtsgertchtsdiener bei dem Amtsgerichte Offenbach Daniel Schäfer zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgerichte Michelstadt ernannt; am 20. Juli wurde dem Friedrich Schäfer aus Fürstengrund das Patent als Geometer zweiter Klaffe für den Kreis Erbach erthetlt; am 23. Juli wurde dem Schulamtsaspiranten Franz Mulch aus Friedberg eine Llhrerstelle an der Gemetndeschule zu Groß-Gerau, am 28. Juli wurde dem Schullehrer Otto Koch zu Groß-Linden die Lehrerstelle an der Gemeindeschule AU Rodheim, am 31. Juli wurde dem Schulamtsaspiranten Georg Voos aus Bensheim eine erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieder-Roden, am 8. August wurde dem Schulamtsaspiranten Johannes Strohauer aus Crumstadt die erledigte erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Dornheim und dem Schullehrer Adam Dexheimer zu Beerfelden eine erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Pfeddersheim, am 13. August wurde dem Schullehrer Philipp Poth zu Walldorf eine erledigte Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Alsbach übertragen; am 14 August wurde der provisorische Lehrer Heinrich Staffen aus Niederheimbach zum Lehrer an der Realschule zu Bingen mit Wirkung am 1. October d. I. an unter Belaffung in der Kategorie der Volksschullehrer ernannt. (Schluß folgt.) Berlin, 31. August, lieber das Secessionisten-Manifeft schweigt die „Nat-- Ztg.", da ihr Chefredacteur Dernburg nicht mitunterzeichnet hat, während ihr Mit- rebacteur Alexander Meyer unterschrieb. — Das „Tageblatt" schreibt über das Manifest : „Im Verhältniß zur Stärke der nationalliberalen Fraction des Reichstages und des Abgeordnetenhauses sind die 16 Mitglieder der einen und die 13 der anderen, welche ihren Austritt erklären, nur kleine Minderheiten. Dennoch muß man von heute an die nationalliberale Partei als aufgelöst erachten, mag immerhin die zurück- bleibende Mehrheit der gleichnamigen parlamentarischen Fraktionen jene Bezeichnung noch beizubehalten versuchen. Die Partei, in welcher von dem ganzen bisherigen Generalslab nur Bennigsen und Miquel übrig bleiben, während Forckenbeck und Lasker, Stauffenberg, Bamberger und Rickert ausgeschieden sind, ist eine andere, als sie ehedem war. Daran würde selbst ein Zuwachs von neuen Mitgliedern, welche die jetzige Einbuße zahlenmäßig aufwöge, nichts ändern. Die politische Physiognomie, die geist'ge Bedeutung des Natioualliberalismus, wie er als ein höchst einflußreicher Factor unserer staatlichen Entwickelung seit 1866 bestand, ist nunmehr eine durchaus andere geworden, nachdem er schon während der letzten zwei Jahre sich in beständiger Krisis befunden." — Die „Tribüne" sagt: „Daß die jetzt vollzogene Trennung einer Anzahl national- liberaler Abgeordneten von ihren bisherigen Genossen an sich nicht schon gleichbedeutend mit der Bildung einer neuen Partei-Fraction ober -Gruppe in dem Sinne ist, daß die jetzt scheidenden Mitglieder eine grundsätzliche Gegnerschaft gegen die alte Fraction proclamiren. Schon der Schluß der Erklärung, der die Bereitwilligkeit zur Einigung auf dem Boden der lediglich erneuerten alten liberalen Grundsätze ausspricht, schließt diese Deutung aus. Es ist kein Scheidebrief an'die bisherigen Freunde, sondern ein Sammelruf an die gesammten Liberalen Deutschlands, die es mit der Zukunft des Vaterloses aus freier volksthümlicher Grundlage ehrlich meinen und die weder durch princü< lle Oppositionslust, noch durch willenlose Dienstbereitschaft gegen jede Re- gterungsnrömung sich abhalten lassen, die alten Ueberzeugungen offen zu bekennen und zu bethätigen." — Die „Volkszeitung" meint: „Die neue Gruppe erstrebt mithin in letzter Instanz, nennen wir es Auflösung ober Verdrängung ober Aufsaugung ber nationalliberalen wie Fortschrittspartei. Erreicht sie bas Ziel nicht, bleibt neben ihr eine ungeschwächte Partei Bennigsen und bie Fortschrittspartei bestehen, so qt bas Gegentheil von bem erreicht, was angestrebt ist. Den verwirrenben unb aufreibenben Kämpfen ber liberalen Gruppen untereinanber, ist ein neuer Factor hinzugefügt. Em solches Resultat käme in Hinblick auf die beabsichtigte Wirkung einem totalen Fiasco gleich. Es gibt nur zwei Wege, auf welchen bie neue Partei ihr Ziel erreichen kann: entroeber ben Weg frieblicher Vereinbarung, unb zu biesem Zwecke sinb bie leitenbar Grunbsätze der liberalen Zukunftspartei kurz scizzirt, ob r den des Kampfes. Die Herren Forckenbeck unb Genossen proponiren ben ersten, inbem sie sich zu einer Einigung auf Grunb des von ihnen entwickelten Programms bereit erklären; biese Offerte soll sich aber bock nur an bie Fortschrittspartei richtm: benn eben weil jenes Programm, bas zu ber conftitutioneöen Regierungsform führen soll, von der bisherigen national- liberalen Partei nicht gewahrt ist, erfolgt ja der Austritt." — Ferner schreibt bie „Voss. Ztg": „Gewicht legen wir ber Erklärung vorläufig nur insofern bei, als bann die Trennung definitiv ausgesprochen wird, welche Bedeutung ihr sonst beizulegen ist und ob die neue Gruppe durch ihre Haltung in der bevorstehenden Parlamentsession im Stande sein wird, sich zum Mittelpunkt einer neuen Parteibildung zu machen, das warten wir ab. So viel ist sicher, daß, wenn sie nicht wie ein schwankes Rohr sich im Winde hin- und herwehen lassen und festen Boden in der Wählerschaft gewinnen will, sie Halt und Fühlung nach links hin wird suchen müssen. An Anstoß dazu wird es der neuen Gruppe nicht fehlen, denn man wird ihre Mitglieder nationalliberalerseits als Renegaten betrachten und sie mit Haß und Erbitterung angreifen und verfolgen. Entweder werden dabei die Nationalliberalen so nach rechts gedrängt, daß sie etwa den linken Flügel ber konservativen Partei bilden werben unb bann würbe bie neue Fraction eine Mittelstellung einnehmen können; ober bie Nationalliberalen wollen selbst wie es ben Anschein hat, biese Mittelstellung behaupten unb bann würbe bie neue Gruppe ben rechten Flügel der Linken einnehmen Ob aber eine solche Stellung auf bie Dauer haltbar sein wirb, ohne einen festeren Anschluß an bie Fortschrittspartei zu suchen, bas erscheint uns fraglich." Berlin, 1. Septbr. Die „Nordd. Allg. Ztg." bringt folgende Erklärung : Verschiedene Blätter sprechen ihre Verwunderung über die kürzlich veröffentlichten allerhöchsten Ordres aus, durch welche der Minister Hofmann aus feinen früheren Aerntern entlasten worden ist, und beweisen dadurch, wie unbekannt man mit den wirklichen Verhältnissen des Reichs- und Staatsdienstes in den Kreisen selbst der angesehensten Publtcisttk ist. Wer über die in Frage kommenden Vorgänge überrascht sein wollte, der konnte es vielleicht vor drei Wochen darüber sein, daß der Staatssecretär des Innern und preußische Handelsminister, ohne von seinen umfänglichen Geschäften zurückzutreten, zu^einem Amte ernannt wurde, welches feinen Sitz nothwendig in der Stadt Straßburg hat. Wer jetzt aber über die Enthebung des Staatsministers Hofmann von seinen Berliner Aemtern überrascht ist, der muß geglaubt haben^ daß das Retchsamt des Innern und der Vorsitz im Bundesrath sich von L>traßburg aus oder das Straßburger Staatsmintsterium sich von Berlin aus versehen laste. Jeder, der auch nur oberflächlich mit den Aufgaben beider Stellen vertraut ist, mußte seit drei Wochen darauf gefaßt sein, daß der Staatsminister Hofmann sich die Uebernahme seines neuen Amtes durch Aufgeben seines älteren möglich machen werde. Ueberraschend hätte höchstens gefunden werden können, daß dies nicht gleichzeitig geschah. Dergleichen Zufälligkeiten werden aber immer vorkommen, wo drei Behörden, von denen zwei mit der dritten in keiner Verbindung stehen, nämlich der Reichskanzler, das preußische Staatsmintsterium und die Statthalterschast von Elsaß-Lothringen, zu einem und demselben Akte zu concurriren haben. Die Statthalterschaft ist in der Publtcirung ihres Antheils an bemfelbm eben schneller gewesen, als die beiden anderen ; Behörden. WaS demnächst die Form tec Entlassung des Staatsministers Hofmann betrifft, so ist ste diejenige, welche er selbst aus, roie mir glauben, sachlichen und triftigen Gründen gewünscht hat. Wir sehen auch in ihr nichts Ueberraschendes, ebenso wenig wie in der ganzen Thatsache, daß em Minister aus einer ministeriellen Stellung in eine andere, ohne sein Zuthun oacant gewordene , übergeht. — Die soeben getroffene Entscheidung über das Kölner Dombaufest ist nicht ohne politische Bedeutung. Es ist der Geburtstag Friedrich Wilhelms IV. gewählt worden, gewiß eine durchaus paffende Wahl. Hat er sich doch um das Meisterwerk gothischer Baukunst die höchsten Verdienste erworben. Aber es wird nicht, wie es dem romantischen Sinn Friedrich Wilhelms IV. entsprochen hätte, auch um den Preis einer Demüthigung des Staates, der abgesetzte Erzbischof das Hochamt celebriren. Es wird kein Siegesfest des Ultra- montanismus über die Hohenzollern sein, sondern ein Fest zu Ehren der deutschen Nation, die mit dem Erwachen ihrer Emhettsbestrebungen auch den Drang in sich fühlte, das erhabene Gotteshaus der Vorväter im Geiste deS ursprünglichen Planes zu vollenden, ohne nach dem Bekenntniß zu fragen, nach welchem darin Gott gedient werden soll. Telegraphische Depeschen. Wagner'- telegr. Correfpondenz-Bureau. Berlin, 2. Septbr. Zur Feier des Sedantages sanden heute in allen Gymnasien und Schulen der Hauptstadt Festakte statt. Um 1 Uhr ertönte vom Balkon des Rathhauses Festmusik. Die Stadt ist allenthalben mit Flag» gen, die Schaufenster mit den Büsten des Kaisers und des Kronprinzen geschmückt. Die meisten Fabriken und viele Geschäfte sind geschloffen, die Straßen von der festlich bewegten Menge belebt. Für den Nachmittag und Abend sind in allen öffentlichen Localen und vielen Privatkreisen besondere Festlichkeiten veranstaltet. Stuttgart, 2. Septbr. Die 10jährige Feier der Schlacht bei Sedan wurde hier festlich begangen. Die Stadt ist allgemein beflaggt. Gestern Abend hielt Hofcaplan Braun am Kriegerdenkmal auf dem Friedhof eine Rede, zu welcher sich viele Tausende, die Generalität an der Spitze, eingefunden hatten. Sodann wurden Feuer auf den Bergen angezündet. Heute fand Fest-Gottesdienst statt. Die Schulen feiern. Abends wird ein Banket abgehalten. Karlsruhe, 2. Septbr. Der „Bad. Landesztg." zufolge sprach sich der Abg. v. Bennigsen, welcher auf der Rückreise aus der Schweiz bet dem Abg. Kiefer in Freiburg zufällig auch mit den Abgg. Böttcher (Waldeck), Bolza und Büsing zusammentraf, anläßlich dieser Begegnung dahin aus, daß er die Secession als gefahrvoll für die liberale Partei betrachte. Bennigsen bezeichnete ferner das Gerücht von Unterhandlungen mit ihm wegen Annahme eines hohen Reichsamtes als Erfindung; ebenso unrichtig sei die Meldung der „Voff. Ztg.", daß er (Bennigsen) vorübergehend von der parlamentarischen Wirksamkeit zurücktreten wolle; er sei im Gegentheil entschloffen, die Partei zu kräftigen im Reichstage wie im Landtage. London, 2. Septbr. Der „Standard" meldet aus Ehamqn, es verlaute, Ayub habe um die Erlaubniß nachgesucht, unbehelligt vorrücken zu können. Man glaubt, er beabsichtige nach Kabul zu marschiren. London, 2. Septbr. Amtlich. General Roberts empfing das Rechtfertigungs-Schreiben Ayub Khan's, worin derselbe anführt, er sei zum Kampfe gezwungen worden. General Roberts antwortete mit der Forderung der Herausgabe der Gefangenen und bedingungsloser Unterwerfung. Ayub Khan befestigte sein Lager. Die Partei Musa Khan's nöthigt denselben, weiterzukämpfen. New-Uork, 2. Septbr. Präsident Hayes hielt eine Rede, in welcher er erklärte: Die anhaltende schnelle Abnahme der Staatsschuld und Anhäufung gemünzten Geldes seit Wiederaufnahme der Baarzahlungen dürften wohl als Ermuthigung zur Ergreifung von Maßregeln dienen, welche noch nöthig seien, um die Umlaufsmittel auf einen vollkommen gesunden Stand zu bringen. Augsburg, 2. Septbr. Der deutsche Kronprinz mit der Generalität, hierunter General v. d. Tann, ist um 53/4 Uhr hier eingetroffen. Auf dem Perron des Bahnhofes waren die Spitzen der Civil- und Militärbehörden aufgestellt. Der Kronprinz begrüßte mit herzlichem Händedruck den Prinzen Ludwig von Bayern und unterhielt sich lange mit demselben und sodann mit dem Bürgermeister Fischer. Der Kronprinz fuhr hierauf in einem königlichen Wagen an der Seite des Prinzen Ludwig unter lebhaften Hockrufen der dichtgedrängten Menschenmenge durch die festlich beflaggten Straßen nach seinem Absteigequartier, dem Hotel „Zu den drei Mohren", gefolgt von der Generalität und den Gemeindebehörden. Ragufa, 1. Septbr. Albanesischen Meldungen zufolge sind weitere 1400 Mann reguläre Truppen in Skutari eingetroffen. Riza Pascha hat von seiner Regierung den strengen Befehl erhalten, die Uebergabe der an Montenegro abzutretenden Gebiete vorzuberetten. — Die Liga sandte Freiwillige nach Dulcigno. Dieselben trafen in Retova ein und sollen die Grenze von Colenza bis Koderkol vertheidigen. Madrid, 2. Septbr. Die Brücke über den Ebro bei Logrono ist in dem Augenblicke eingestürzt, als ein Bataillon Infanterie dieselbe passirte. Ein Hauptmann, drei Lieutenant und 64 Soldaten find ertrunken. Lokales. Gießen, 3. September. Am 1. und 2 September hatte der Aliceverein für Frauen' bildUNg und Erwerb in der Schule auf dem Asterweg eine Ausstellung der im veflossencn Sommersemkster von den Schülerinnen angefertigten Hanvarbeiten arrangirt. Am ersteren Tage fand auch die Prüfung der Schülerinnen, namentlich der Handarbeitlehrerinnen statt. Vor derselben hielt Herr Professor Bratuscheck eine kurze Ansprache, vorauf Fräulein Müller die Prüfung im Handarbeitunterricht und Herr Architekt Hug im Rechnen und Buckführen vor- nabm. Die Schülerinnen bewiesen durch ihre Antworten und Erläuterungen, daß sie recht wohl den Unterricht benutzt und ihre Zeit zum gründlichen Lernen verwendet hatten. Bildete die Prüfung wohl nur den theoretischen Tbetl der Schule, so zeigten die gefertigten Arbeiten den überzahlreich sich eingefundenen Besuchern, daß zum Theil sehr schöne und sogar ausgezeichnete Arbeiten in der ziemlich knapp bemessenen Zett gefertigt waren. Es ist das Bestreben des Vorstandes des Alice-Vereins und namentlich dasjenige der Lehrerin Frl. Müller nur rühmend hervorzuheben, den die Schule besuchenden Schülerinnen für ihren ferneren Lebenslauf Kenntnisse beizubringen, welcher sie als zukünftigen Frau und Mutter wcht wohl entbehren können. Es ist aber auch dies das beste Andenken, welches sie der Gründerin der Sckule, der Hochseligen Großherzogin Alice widmen können. Gießen, 3. September. Die 10jährige Feier des Sedantages, jenes denkwürdigen 2. September 1870, welcher den Grundstein zur Wiedererrichtung unseres großen deutschen Vaterlandes legte, wurde in unserer Stadt nicht so ganz gefeiert, als man es hätte wünschen sollen. Während in Darmstadt, Offenbach, Worms, Marburg, Friedberg, Grünberg u. s. w. u. s. w. die städt. Behörden sich mehr oder minder be- theiligten, die Bureaus der Behörden geschlossen blieben, die Zeitungen z. Th- nicht erschienen, überhaupt der Tag seiner würdig gefeiert wurde, verspürte man von alledem nicht viel bei uns. Einzelne Häuser hatten ihren Fahnenschmuck angelegt und — die Stadtverordneten hielten eine Sitzung ab Nur der Kr iegerv erein ließ es sich nicht nehmen, den ewig denkwürdigen Tag festlich zu begehen Am Gottesdienst des Vormittags, bei welchem Herr Pfarrer Dr. Naumann warme Worte zu den Herzen der Zuhörer sprach, beteiligte sich eine große Zahl der Mitglieder, während bei der Feier auf dem Friedhöfe wohl keines der Vereinsmitglieder fehlte, es sei denn krank oder verhindert gewesen. Punkt 6 Uhr wurde von der Realschule nach dem Friedhof, zu den Gräbern der für das Vaterland Gestorbenen hinmarschirt, um hier den treuen Tobten den Kranz der Anerkennung und Verehrung zu weihen- Die beiden Kriegerdenkmale, das deutsche sowohl als auch dasjenige der hier ihren Wunden erlegenen Franzosen waren mit Guirlanden und Blumenstöcken sinnig geschmückt. Herr Pfarrer Dr. Naumann hielt hier eine Rede, von welcher wir es uns nicht versagen können, sie unseren Lesern in nächster Nr. wiederzugeben. Während^ des Abspielens des 2. Chorals wurde an jedes der beiden Kriegerdenkmale von Seiten des Kriegervereins ein Kranz geheftet, an das deutsche mit einer schwarz-weiß-rothen Schleife, an das französische mit einer weißen Schleife. Als die stille Feier, welcher eine unzählige Menschenmenge beiwohnte, beendet war, ging es nach Wenzel's Garten, um beim fröhlichen Banket und unter Absingung von Vaterlands- Liedern hier die Lebenden und die Gegenwart, Kaiser und Reich zu feiern. Eingeleitet wurde hier die Feier durch eine Rede des Herrn Jung, welcher ein kräftiges Hoch auf Kaiser und Reich ausbrachte, während Herr Meyer in einer Ansprache unseren allverehrten Großherzog als damaligen Führer der Hess. Division feierte und ihm ein Hoch ausbrachte, welches die Versammlung stürmisch begleitete. Es folgten nun diverse Reden und Toaste, welche wiederzugeben wohl der uns bemessene Raum nicht erlaubt. Bis zum frühen Morgen waren die Theilnehmer des Bankets froh und fröhlich zusammen und alle schieden mit dem Bewußtsein, einer würdigen Feier beigewohnt zu haben. Verwischte-. Aus Rheinhessen, 30. August. Je länger die jetzige schöne Witterung anhält, je mehr die Aussichten auf einen qualitativ guten Herbst sich steigern, um so trauriger werden die Mienen Derer, deren Weinberge nichts tragen. So sind nebeneinander Weinberge zu sehen, von denen der eine auch rem gar keine, der andere sehr viele Trauben zeigt. — Im Kreiß Oppenheim haben einzelne Landleute bereits damit begonnen, die erfrorenen Obstbäume zu entfernen. Berlin, 29. August. Mit dem 1. October d. I. sollen strenge Verordnungen über die Anwendung von Bierdruck-Apparaten (sogenannten Bierpresstonen) in officiellen Schank- localen in Kraft treten. Danach muß die Entnahme der Luft aus dem Freien in hinreichender Entfernung von allen Bevürfnißanstalten rc. erfolgen, ferner zwischen Luftpumpe und Winds kessel eine Filtrireinrichtung angebracht sein, der Zufluß des Bieres nach dem Windkessel vermieden werden, der letztere eine Reinigungsöffnung enthalten, die Röhrenleitung aus reinstem Zinn bestehen und mit einer Glasröhre versehen und für Regulirung des Luftdrucks, sowie für stete Reinlichkeit des Apparats gesorgt sein. Der Gebrauch der sogenannten Bierspritze ist unzulässig. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmung wird mit Geldstrafe bis 3u Jt bestraft. — Frankfurt, 31. August. Die Regierung des Staates Chili soll bereit sein, die brüder Sacks von St. Jago aus an die Justizbehörden des deutschen Reichs auszuliefern und soll die Auslieferung in den nächsten Tagen beantragt werden Minden, 30. August Bei der heutigen Schein-Erstürmung des Fort B., welcher Prinz Albrecht anwohnte, wurde der Pionier-Hauptmann Hannisch vom hiesigen Corps in Folge zu später Entladung einer Mine in die Luft gesprengt und so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Hauptmann H. ist unverheirathet und auch elternlos- (Derselbe ist inzwischen gestorben.) — Der Hildesheimer erste Staatsanwalt erläßt folgende Aufforderung: „Der wegen Betrugs am 11. und 12. Mai ds. Js. von der Strafkammer des Königlichen Landgerichts Tübingen zu einer Gefängnißstrafe von IV2 Jahren verurtheilte Ferdinand Schuhmacher, der unter dem Namen Dr. Ferdinand Schuhmacher aus Hannover, Cellerftraße 11, Hllfe gegen alle möglichen Leiden durck eine Schrift „Narurheilmekhobe" angeboten und im hiesigen Hotel d'Angleterrc regelmäßige Sprechstunden abgehalten, scheint auch hier eine große Anzahl von Personen in Behandlung genommen zu haben. Es ergeht daher an Alle, welche von dem Schuhmacher durch den Verkauf wirkungsloser Mittel betrogen sind, die Aufforderung, sich bei der Staatsanwaltschaft oder der Polizeibehörde hierselbft zu melden und dabei die etwa noch in ihrem Besitze befindlichen Medikamente zum Zwecke der Untersuchung einzuliefern." — sJug-ndliche Taugenichtse.j Wie bereits gemeldet, verendeten zu Münster in den ersten Tagen des vorigen Monats rasch hintereinander einige 10 Thiere des zoologischen GartenS, darunter zwei prachtvolle Schwäne, sämmtlicke Enten, der Fischreiher rc., in Folge von Vergiftung. Jetzt hat sich herausgestellt, daß ein paar Knaben den Thieren mit Phosphor ver. gifietes Brod vorgewoifen hatten. Die wohlhabenden Eltern der jungen Taugenichtse haben sich erboten, vollständigen Schadenersatz zu leisten, weßhalb der Proceß niedergeschlagen wurde. Hoffentlich haben es die betreffenden Väter aber nicht unierlaffen, den Burschen einen ordentlichen Denkzettel zu verabfolgen. — sWas der Sultan eigentlich abtreten wlll.s Der Wiener „Figaro" ist in der Lage die Gangart, in welcher sich neuestens die orientalische Frage entwickelt, durch folgende, bei ihm am 20. August cingclangte Privattelegramme zu illustriren: „Konstantinopel, 10 Uhr 30 Min. Vormittags. Heute hat die Pforte beschloffen, das Sem-Gebiet an Montenegro ab- zutreten — Konstantinopel, 11 Uhr Vormittags. Nicht das Sem-Gebiet, sondern Dulcigno wird abgetreten. — Konstantinopel, 11 Uhr 40 Min. Es hat doch seine Richtigkeit mit der Abtretung des Sem Gebieies. — Konstantinopel, 12 Uhr 2>» Min. Alle bisherigen Nachrichten sind falsch. Tusi wird abgetreten. — Konstantinopel, 12 Uhr 50 Min. Soeben verlautet, daß Gusinje und Plava abgetreten werden. — Konstantinopet, 1 Uhr 40 Min. Der Sultan will von keiner Abtretung etwas wissen Alle gegenteiligen Nachrichten beruhen auf Mystifikation. — Konstantinopel, 4 Uhr 30 Min. Soeben findet ein Ministerrath unter dem Vorsitz des Sultans statt. Es wird beschlossen, die aus dem Serail des Großherrn entflohene Dame den Montenegrinern abzutreten. Da dieselbe auch auf den Namen Dulcinea hört, so gab das Ver anlaffung zu dem Gerüchte, daß Dulcigno abgetreten wird. Der Sultan ist in bester Laune, die Botschafter fluchen." — Ein Duell eigener Art sollte jüngst am Grafenberg bei Düffeldorf stattfinden. Zwei Schüler einer höheren Lehranstalt zu Köln hatten sich tödttick beleidigt, nur Blut sollte die Ehre wieder Herstellen. Anstatt die Sache in Köln abzumachen, bestimmten sie eine Schlucht am Grafenberge bei Düffeldorf zum Schlachtfelde. P stolen In den Taschen, kamen sie wuth- entbrannt in Düsseldorf an, besahen sich auf dem Wege nach dem Grafenberge die Gewerbeausstellung und zogen dann in die Schlucht. Dem gestrengen Herrn Vater eines der ritterlichen Knaben war indeß der Abschiedsbrief zu früh in die Hände gekommen, und weil der Junge genau die Stelle bezeichnet hatte, wo man event. seine Leiche finden würde, saß der Vater schon versteckt im Strauch, als die Duellanten ankamen. Er nahm seinen herrlichen Sohn beim Schopfe und prügelte ihn so lange, bis der Junge erklärte, der Ehre sei nun Genüge geleistet — sVorn Tanner-Humbug.j Nach den Mittheilungen amerikanischer Blätter ist das wunderbare Experiment Dr. Tanner's doch nicht ganz nutzlos gewesen, wenigstens nicht für den Geldbeutel des großen Fafters. Tanner hat nam'ich folgendes scköne Sümmchen verdient: durch seine eigene Wette 5000 Dollars, durch die Wette einer Agentie 22,223 Dollars, für den Verkauf seiner Photographie 1500 Dollars, Eintrittsgeld von seinen Besuchern 78,915 Dollars, von vielen Fabrikanten, um ihre Waaren mit seinem Namen zieren zu können 11,102 Dollars, Geschenk von der Universität 3000 Dollars, Geschenk des Staats Ohio 5000 Dollars, vom Hause Liebig u. Comp. 20,000 Dollars, zusammen 137,640 Dollars. Wenn hinter dem Fasten-Virtuosenthum des Dr. Tanner nur der zehnte Theil jenes HumbugS 1 steckt, welcher in diesen Ziffern enthalten ist, dann ist der — sattsam bekannte amerikanische Hungerleider ein abaefeimter Schwindler. Mainz, 28. August. Die Taucherarbeiten, welche seit mehreren Tagen hier auf der Casteler Seite im Rheinstrome betrieben werden, um die nock darin befindlichen Pfeiler der Brücke Karls des Großen zu entfernen, bilven gegenwärtig einen Hauptanziehungspunkt für die Bewohner unserer Stadt. Eigentlich ist cs nicht richtig, daß diese Brückenreste Kar» dem Großen zu^usckrelben, da es geschichtlich nachgewiesen ist, baß die hölzerne Brücke,-welche dieser Kaiser im Jahre 803 hier zu bauen anfing und welche kurz nach ihrer Vollendung im Mai 813 wieder abbrannte, auf den stehen gebliebenen Pfeilern der lange vorher vom Kaiser Trojan über den Rbein geschlagenen Brücke errichtet wurde. Erwägt man, wie oft diele Pfeiler bereits von ihrer Errichtung an bis zur Regierung Karls des Großen (in einem Zeitraum von 55fe 500 Zs: s-s ' 10 @616 blitj " , 5 6416 d» 6 ti« mit M M mit Wt ,in4 wtolt’tf, ft111 kW!**"'1"' W) -1 W'd-i n fdjueftlba h8 I ,ni eint? Sttlnto^ Mit »ta* tiklältn hü große fallen @WilJ‘n’ — Ein Schr Achrag sidnell aus! hörte, „was machst id) wnV dock noch - MK Ausfuhr ton Ole Jahren jo bedeut' lich Concurrenz r butter ist die Cov Pfund Fett zu • Vereinigten Stna belaufen. Ein gi sie in kleinere hol lich zu machen, m gtniifät und schlit mit btm stempel margarine-Bulter i ttyt Kuhbutter. D unterworfen worber tur als 120 Grad' nicht immer allzu rohe Fett selbst, £ Aus den Untersull Garantie dafür b das Thier, welch! bleiben können. Seit dem w Darmstadt, $TOmi Tbat für Jedem Aviizkalmdn m Ätz w, * 2l. Grünt Berfl Oberförstei Freitag den r „ . Voran bas ©ruir ft Wn ^gestern, Steigert ®*, ben J >?«T ——(2) Konlrg bn werben in Ws t&tt 27 b-' ,nm Äon •> unAm leB cs fi* ÖIe d-m zA »der P Ä iu -■« btib,nVreuen ■ AUnbt« t«5et: “tt. 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Simeden einen ordent- nt ®T * l" „.nm c»1 bl« Ä- lQaro“ ist in der Lage it, durch folgende, kn onstantinopel, 10 Uhr ,,t an «vntenegro ab- ,bl({ 'onbern Dulcig°° iw HM« N"* " gcrtffl «ul««»1'11 , , Tn öutian wiu X auf ft*«"»* n t:f( i0 gab bas M 3 kvn.,c; paunr , ;3B ist in Wtaun' , -j iigttfinden. 3®" 8l“' 'L •™"n k "t r.g bet riUtrW1 * u t w'l b" A [3C .niasten- "ich 7 en ®r L»*1 k. ®Ä#«. ff -erst" ' 1U foiffl«1 Ot? ää 700 Jahren) der Gewalt der EiSgänge getrotzt haben und daß sie sich von da bis auf den heutigen Tag noch immer in solcher Festigkeit erhalten haben, daß zu ihrer Entfernung die ge-- wattigste Anstrengung erforderlich ist, so kann man sich einen Begriff von der Gediegenheit der damaligen Bauten machen. Was die Richtung dieser alten Brücke anbeiangt, deren Länge Alcuin auf 500 Schritte angegeben hat, io findet man sie (nach Prof. H Brühl's Angabe), wenn man sich so stellt, daß man die Kirchthürme von Castel im Auge, der oberen oder südöstlichen, mit der alten Stadtmauer in Verbindung stehenden Gallerte des Zeughauses, den Rücken zukehrt. Die eichenen Holzpfeiler dieser Brücke, deren etwa 20 vorhanden sein sollen, haben eine Stärke von 36 Fuß und stehen in einer Entfernung von 62 Pariser Fuß auseinander. Dieselben sind ungefähr in nachstehender Form postirt: und Reductions - Tabellen der deutschen Reichswährung in die ehemalige Süddeutsche und Preußische; in die Oesterreichische, Französische, Englische und in die Währung der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, sowie umgekehrt; außer einem Verloosungs-Kalender für 1881 unv einer Genealogie der Regenten und hohen fürstlichen Häuser, vielfache praktische geschäftliche, sowie statistische Notizen, welche sowohl dem Beamten, Rechtsanwalt und Kaufmann, als auch dem Gewerbtreibenden, dem Landmann, ja dem Familienvater von großem Nutzen und höchsten Interesse sein muffen. Außerdem hat das Büchlein ein sehr handliches, keinen Schreibtisch beengendes klein Octav-Format, ist durchaus sauber ausgestattet und dauerhaft gebunden. Der Verleger (C. W Leske in Darmstadt) liefert dasselbe gegen Einsendung von Jü 1,25 (etwa in Briefmarken) frei unter Band. Handel und Verkehr. und zwar so, daß die Zwischenräume mit Steinen, Lehm oder Lette ausgefüllt sind; dieses Füllsel muß zunächst entfernt werden, ehe die Hebung der Pfeiler selbst erfolgen kann. Schon die Zusammenstellung und Einsenkung der hierzu nöthigen Apparate, die im Wesentlichen aus mächtigen, bis auf den Boden des Rheins gehenden Röhren bestehen, und in welche, nachdem fie ausgepumpt sind, die Arbeiter hinabsteigen, bildete eine interessante Procedur, welche viele Zuschauer herbeilockte. Nur durch solche Hilfsmittel war die Durchführung der Arbeiten zu ermöglichen, da sich die Taucher bei den eisten Versuchen in Folge der überaus starken Strömung des Rheins kaum zu halten vermochten. Die jetzt massenhaft von ihnen aus den Zwischenräumen der Pfeiler zu Tage geförderten Steine haben ein graublaues Aussehen und werden vorläufig am diesseitigen Ufer aufgeschichtet. Angesichts dieser Steine und gegenüber den neuerdings genommenen Resultaten der Bohrversuche im Nheinbette dürfte es übrigens nicht ohne Interesse fein, an das Ergebniß zu erinnern, welches die ebenfalls zu Brückenbau-Zwecken zur Zeit Napoleons angestellten Untersuchungen des Rheinbodens hatten. Man fand damals (laut des noch vorhandenen Protokolls) erstlich eine drei Schuh tiefe Lage von Kies, dann ein 8 Schuh tiefes Lager von grauem Thon, hierauf zeigte sich ein 2 Schuh mächtiges Kiesglommcrat, dann eine 10 Schub dicke Schichte von einem gelben, schwefelhaltigen Thon, worauf in einer Tiefe von 25 Schuh der Erdbohrer auf einmal hielt. Die Fallhöhe des Rammklotzes wurde deßhalb vermehrt und nun drang der Bohrer auf einmal einen Decimeter tief in den Boden. Als man ihn mit Hülfe eines Hebezeuges herausbrachte, erhielt man eine sehr feste, schwarze, harzartige und mit Erdpech vermengte Maffe, die mit einem Messer durchschnitten, einen starken Schwefelgeruch verbreitete, getrocknet an einem Lichte wie Schwefel brannte, ebenso roh und im Grunde die Steinkohle in einer vermischten Erdart darstellte. Da nun (bemerkt unser Gewährsmann hierzu) am Fuße des Hochheimer Berges ein Steinkohlenlager zu Tage geht, das aber, weil e« zu schwefelhaltig ist, nicht auBgebeutet wird, so läßt sich hier auf den wahrscheinlichen Ueber- gang eines Steinkohlenlagers mit einem quer durch den Rhein ziehenden Schwefelkieslager schließen. Aekml.che, eine galvanische Batterie bildende Schicktenreihen, in denen das über sie hinwegfließende Wasser eine elektrische Spannung und die erhöhte Temperatur hervorbringt, erklären die große Menge der in einem geringen Umfang von Mainz befindlichen heißen und kalten Schwefel- und Mineralquellen. (F- St.-A.) — Ein Schufterbube, der einen bösen Meister hatte, fiel die Treppe hinunter, als er einen Auftrag schnell ausführen wollte. „Verdammter Junge," rief der Meister, als er das Gepolter hörte, „was machst Du für einen Spektakel?" — Der Junge antwortete schluchzend: „Na, Ich werd' doch noch die Treppe ’runter fallen dürfen." — (Die Kunstbutter-Fabrikation in Nordamerika.) Die Fabrikation und die Ausfuhr von Oleomargarine-Butter hat in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahren so bedeutend zugenommen, daß sie im Handel der echten Butter bereits ernstlich Concurrenz macht. Eines der größten Etablissements zur Herstellung von Kunstbutter ist die Commercial Manufacturing Company, welches wöchentlich bis zu 500,000 Pfund Fett zu Oleomargarine-Butter verarbeitet; die Gesammtmenge der von den Vereinigten Staaten exportirten Kunstbutter dürfte fich auf sechs Millionen Pfund belaufen. Ein großer Theil davon geht zunächst nach Rotterdam; von hier aus wird sie in kleinere holländische Städte vertheilt, wo sie, um sie der Kuhbutter möglichst ähnlich zu machen, mit einer gewissen Menge Milch ge-chlagen, mit färbenden Substanzen gemischt und schließlich wie die echte Butter in Halb- oder Viertelfässer verpackt und mit dem Stempel der echten Butter versehen wird. So hergerichtet, findet die Oleomargarine-Butter in Deutschland, Frankreich und England allenthalben Eingang als echte Kuhbutter. Die Oleomargarine-Butter ist mehrfach einer mikroskopischen Prüfung unterworfen worden, um, da der Bereitung das thierische Fett nie einer höheren Temperatur als 120 Grad Fahrenheit unterworfen werden darf und die Wahl des Fettes wohl nicht immer allzu streng getrosten wird, festzustellen, ob nicht die Kunstbutter, wie das rohe Fett selbst, Krankheitskeime, Embryonen von Parasiten u. dgl. enthalten könne. Aus den Untersuchungen von Michels u. A. geht hervor, daß die Fabrikation keine Garantie dafür bietet, daß nicht irgend welche lebende Krankheitskeime, mit denen das Thier, welches das Fett liefert, behaftet war, in der Oleomargarine-Butter verbleiben können. Literarisches. — Seit dem Jahre 1812, also nunmehr zum 7O.mak, erscheint bei C. W. Leske in Darmstadt, Promenaden-Straße Nr. 5, ein Schreib- und Geschäftskalender, der tn der Tbat für Jedermann sich eignet. Sein Inhalt, stets auf der Höhe der Zett, bietet außer dem Notizkalender mit der Einrichtung zur Berechnung der Zinsen auf den Tag, den Ztns- Gieheu, 1. September. Auf dem gestern und heute abgehaltenen Viehmarkte warm aufgetrieben: 1288 Stück Rindvieh und 416 Schweine. Die Preise biteben unverändert. Nächster Markt Dienstag, den 14. September. — Die Nr. 35 des Centralblattes für das deutsche Reich bringt eine unter dem 13. August erlaßene „Telegraphenordnung für das deutsche Reich" zum Abdruck, welche vom 1. Oktober ab in Kraft treten wird. Dieselbe stellt die für den Telegraphenverkehr innerhalb Deutschlands bisher geltend gewesenen Bestimmungm (Telegraphenordnung vom 21. Juni 1872 mit den 1876 und 1877 ergangenen Abänderungen) unter Berücksichtigung der aus den Be- schlüffen der internationalen Telegraphenconferenz zu London im Jahre 1879 sich ergebenden Ergänzungen in redaktioneller Neubearbeitung zusammen. Bezüglich der eintretenben Neuerungen ist hauptsächlich auf folgende Punkte aufmerksam zum machen: 1) Es ist dem Absender gestattet, im Falle derselbe ein Telegramm dem Empfänger offen zustellen zu laßen wünscht, dieses Verlangen durch den nur für ein Wort taxpflichtigen Zusatz R.-O. auszudrücken. 2) Die tax- pflichtige Vergleichung der in Chiffern x. abgefaßten Privattelegramme ist künftig nicht mehr obligatorisch. 3) Für Telegramme, welche über den Ortsbestellbezirk hinaus mittels der Poft weiter befördert werden sollen, sowie für poft- und bahnlagernde Telegramme werden keine Postgebühren mehr erhoben. 5) Die vor einiger Zeit versuchsweise angeordnete Einrichtung, nach welcher der Aufgeber die Kosten für die Zustellung von Telegrammen an Empfänger außerhalb des Ortsbestellbezirkes der Bestimmungs - Telegraphenanstalt mittels besonderer Boten durch Entrichtung einer festen Gebühr von 80 H für jedes Telegramm vorausbezahlen kann, ist dauernd eingeführt. 5) Die Stundung der Telegrammgebühren ist allgemein zugelaßen. 6) Die Gebühr für Weiterbeförderung von Telegrammen übet das Meer hinaus vermittelst der Post ist bezüglich der nach Ländern des Weltpostvereins gerichteten Telegramme von 80 auf 40 H herabgesetzt worden. Irischbäcker in Giesten. Sonntag, den 5. September. Gustav Eger, Ltndenplatz. Carl Plank, Wolken- gaffe. Ludwig Kroneberg, Marktstraße. Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde ?u Gießen. Gottesdienst: Sonntag, den 5. September. Morgens iN/z Uhr: Missionsprediger Fritz. (Feier des heil. Abendmahls. Katechismuslehre für die männliche Jugend.^ Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Schlosset. Am Vormittag wird eine Collecte für die Heidennusston erhoben. Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 5. bis 11. September besorgt Pfarrer Dr. Naumann. Briefkasten. Leser des Anzeigers. Wit können von dem Ptincip: anonyme Einsendungen unberücksichtigt zu laßen, nicht abgehen. Ihre zwei Gedickte müßen demnach bis auf Weiteres zurückbleiben. Herrn F. S- Sie fragen: Sollte es wohl nicht empfehlenswerth sein, wenn man, wie an anderen Orten, die zur Oppenheimer Ausstellung gefertigten Lehrlings-Arbeiten auch hier am Platze einige Tage zur Ansicht ausstellen würde. Es würde dies für die Folge mehr Eifer für die Sache entwickeln. Wir stimmen Ihnen vollständig bei und glauben, daß es nur einer Anregung bedarf, um den Vorstand des Gcwerbevereins zu veranlaßen, daß die Lehrlingsarbeiten im Local der Gewerbeschule auf Dem Asterweg zur Ausstellung gelangen. D. Red. Aeikgeöotenes. Ieinstrn saftigen @mmcntljalcr Schweizerkäse empfehlen (5754 I. A. Busch Söhne. Grummetgras- Bersteigerrrng in der Oberförsterei Schiffenberg. Freitag den 10. lfd. MtS., Vormittags 9 Uhr, soll das Grummetgras von den fis- calischen Wiesen in den Gemarkungen Leihgestern, Schiffenberg und Watzen- born versteigert werden. Gießen, den 3. September 1880. Großh. Oberförsterei Schiffenberg. 5749) Georgi.__ Montag den 6. September, Nachmittags 2 Uhr, werden in der Hofrathe des Herrn Flett „Gasthaus zum Schwanen" dahier folgende Gegenstände versteigert: 1 Schrank, 2 Cowmoden, 1 runder Tisch, 1 Kleiderschrank, 4 Stühle, 1 Spiegel, 2" Küchenschränke, 1 Schränkchen mit Pult, 145 Schreiner-Hobel, 24 Kartätschen. „ . Gießen, am 27. August 1880. 5755) Bühner, Gerichtsvollzteher. Allgemeiner Anzeiger. ßemerbe-Ausstelümg für Rheinland, Westfalen u. benachbarte Bezirke, in Verbinvung mit einer Allgem. Deutschen Kunst Ausstellung Düsseldorf 1880. Geöffnet vom 9. Mai bis Ende September 1880. 3786) Die Ausstellung, die größte, die bisher im Deutschen Reiche statt- gefunden, bietet in Verbindung mit den herilichen Anlagen des zoologischen Gartens dem Besucher jede Annehmlichkeit. Eine sehr bedeutende Ausstellung kunstgewerb. licher Alterthümer befindet sich in einem hervorragenden Annexbau. Eintrittspreis von 8 bis 10 Uhr Morgens 2 JL, von 10 bis 6 Uhr Abends 1 Jk Täglich Nachmittags von 3 Uhr ab großes Concert. 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