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PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlshn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. MKgfffiKai Nlflfni MMMHMII ————3 Amtlicher Hheik. Bekanntmachung. Erforderliche zu erfahren ist, melden. Gießen, den 2. Juni 1880. Die Stelle eines Fleischbefchauers in hiesiger Stadt ist zu besetzen. . - Geeignete Bewerber wollen sich bis zum 30. dieses Monats bei der unterzeichneten Behörde, bei welcher auch das zur Übernahme der stelle Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen- I. V.: Kra em er. Der deutsche Handel. Die deutsche Industrie ist durch bittere Erfahrungen zu der Selbst- erkenntntß gelangt, daß die geschäftliche Ehre für den heimischen und den Weltmarkt ein wichtiges Moment ist. Reellität, Streben nach künstlerischer Vollendung, Solidität und Beschränkung der Production aus das Bedürfntß gelten für geeignet, eine neue Aera einzuleiten. Eine größere moralische Festigkeit führt also schließlich zu dem gedeihlichen Resultate, daß sich das Geschäft bessert. In gleicher Weise muß auch der deutsche Handel alles Ungesunde und Krankhafte abstretfen, wenn er auf dem Weltmärkte mit Ehren bestehen will. Daß gerade in neuester Zett das Gefühl für die BerusSehre sich im Handel lebhaft regt, sehen wir z. B. an der Petition der deutschen Buchhändler an den preußischen Minister des Innern, eine Speculatiou, welche eine Pserdelotterie mit der Verbreitung eines Conversattons-Lexicons verbinden will, nicht zu genehmigen. Wir denken aber nicht an diesen einzelnen Fall, sondern meinen, daß überhaupt der Handel sich vom Lotterie- und Börsenspiel, von den Schwindelauctionen, von falschen Ausverkäufen, von allerlei Täuschung und Betrug im Waarenverkehr, von den außergerichtlichen Vergleichen, welche nur geschlosien werden, um die Fabrikanten zu schädigen, vom Wucher, von den Reit- und Kellerwechseln, von Klagen mit falschen Einwendungen und von der Betheiligung an „faulen" Unternehmungen fern hatten soll. Man kann einen ganzen Stand niemals für die Ausschreitungen Einzelner verantwortlich machen, aber jeder Stand kann dahin wirken, daß aus den Einzelnen nicht Viele werden, wenn er das Gefühl für die Standesehre lebhaft erhält. Es ist sehr falsch, bet solchen Mahnungen von unpraktischem Idealismus zu sprechen, denn auf die Dauer ist alles Unehrliche, Gemeine, Niedrige unpraktisch, geschäftliche Tugenden dagegen sind immer praktisch. Handel und Gewerbe müssen nicht allem nach technischen, speciellen, sondern auch nach allgemeinen, großen, sittlichen Gesichtspunkten betrieben werden; und zwar gilt das ebenso vom Großhandel und der Großindustrie, als vom Detailgeschäft und Handwerk. Daß dieses unscheinbare, aber sehr nothwendige E»forderniß in der jüngstverflosienen Zeit zu wenig beachtet worden war, darin lag eine der vornehmsten Ursachen der geschäftlichen Krisis. Das Geschäft soll und muß verdienen. Handel und Industrie sollen dem Bedürfniß dienen, und an solchem Dienst zu verdienen, ist der Zweck des anständigen Geschäftsmannes. Ob der praktische Geschäftsmann sich des Zusammenhangs seiner Thätig- keit mit der Culrurmission des Handels bewußt ist, oder ob er glaubt, er habe nur seinem Verdienste nachzustreben, kommt hierbei nicht in Betracht. Der tüchtige solide Geschäftsmann strebt nicht nach einem einmaligen großen, sondern nach dauerndem nachhaltigen Gewinn. Hätte der deutsche Handel diesen Gesichtspunkt nach Außen sestgehalten, so würde er in vielen Ländern nicht sich den Markt verschlossen haben; hätte er im eigenen Lande danach gehandelt, so würde er der Schwindelproduction nicht Vorschub geleistet haben. Da nun die Industrie moralischer geworden ist, so darf der Handel nicht zurückbleiben. Je höher entwickelt das Ehrgefühl im Hondelsstande wird, um so besser wird das Geschäft, um so einflußreicher wird der Handel nicht nur im eigenen Lande, sondern auch auf dem Weltmärkte. Deutschland ist auf dem besten Wege, ihn zu erobern. Die Industrie hat vorgearbettet, der Handel muß das Uebrige thun. Die Concurrenz ist schwer, der Erwerb mühevoll, aber um so ehrenvoller. Für Deutschlands Wohlfahrt ist es eine Lebensfrage, daß der Handel seine Stellung als wichtiges Glied eines großen Cultur-Ganzen richtig erfaßt. Seine Ehrlichkeit schafft ihm Adel und Würde, und außerdem Wohlstand. Keutschland. Darmstadt, 1. Juni. Zu den bemerkenswerthesten Gesetzen, welche in letzterer Zeit in Hessen erlassen worden sind, gehört zweifellos das gegen die sog. Engelmacherei gerichtete, vor etwa zwei Jahren publicirte Gesetz, den Schutz der in fremde Verpflegung gegebenen Kinder unter 6 Jahren betreffend. In der kurzen Zeit seines Bestehens hat sich dieses Gesetz schon sehr wohl- thätig erwiesen, indessen ermangelte es doch in einzelnen Richtungen gewisser Aussübrungs-Beflimmungen, welche geeignet waren, dem Gesetze die volle praktische Durchführung zu sichern. Diesem Mangel ist jetzt abgeholfen, tnbeni das neueste „Regierungsblatt" eine Instruction für die Kreisämter, Kreisgesund- heitsämter, delegirten Kreisräthe und Ortspolizeibehörden enthält, welche auf das Eingehendste Alles regelt, was von diesen Organen vorzukehren und zu beobachten ist. Jemehr sich in neuerer Zeit der hier fraglichen Materie das öffentliche Interesse zuwendet, um so mehr verdient auf die fragliche Instruction in der Presse hingewiesen zu werden. (Fr. Journ.) Berlin, 1. Juni. Die „Volkszeitung" schreibt: „Die zwettägigen Debatten über die Kirchenvorlage in erster Lesung haben mit deren Ueberwer- sung an eine Commission von 21 Mitgliedern geendet. Wiewohl die Redner aller Fractionen sich über ihre Stellung zur Vorlage ausgesprochen, besteht doch noch heute in parlamentarischen Kreisen dieselbe Unsicherheit des UrtheilS, ob, in welcher Gestalt und mit welcher Majorität die Vorlage schließlich zur Annahme gelangen wird. Nachdem die Nalionalliberalen in der Fraction fast einmüthig gegen Art. 1 (Dispensation für Geistliche), Art. 4 (Rückberufung der Bischöfe), Art. 9 (die an den Oberprästdenten betreffs der Ausführung der Strafbestimmung zu ertheilenden unbeschränkten Vollmachten) erklärt und der Abg. Gneist Namens der Fraction ausdrücklich sich gegen diese Bestimmungen erklärt, liegt die Hauptentscheidung Äber das Schicksal der Vorlage in den Händen des Centrums. Es muß hervorgehoben werden, daß der Abg. Windthorst in bekannter diplomatischer Weise die Cenirumssraction für die Schlußabstimmung nach keiner Richtung hin engagirt hat. er hat ausdrücklich betont, daß das Centrum seine Stellung nehmen werde, je nachdem die Vorlage aus der Commission herauskommen würde. Nun ist es ein öffentliches Geheimniß, daß das Centrum wünscht, das Gesetz möge in der einen oder anderen Form zu Stande kommen und stand es bet dem Ceutrum fest, daß hierfür eine Majorität, bestehend aus den beiden conservativen Gruppen und einem Theile der Nationailiberalen, sich finden würde. Nachdem sich das Centrum hinsichtlich der letzteren getäuscht — denn die Nationalliberalen hebm hervor, daß Falk mit seiner Rede und der von ihm der Vorlage gegenüber eingenommenen durchaus ablehnenden Haltung die in ihrer Fraction einmüthig herrschenden Ansichten wiedergegeben — muß das Ceutrum eine neue Daktik einschlagen. Und da curstren zweierlei Versionen im Abgeordnetenhause; die eine geht dahin, daß, sobald das Centtum eingesehen haben wird, daß schließlich für die Vorlage nur die beiden conservativen Fractionen stimmen werden, mithin eine Majorität für deren Annahme nicht vorhanden, das Centrum zur Schaffung dieser Majorität sich der Abstimmung erhalten wird, da alsdann die beiden conservativen Fractionen gegen die vereinigten Nationalliberalen und Fortschrittler in der Mehrheit sich befinden würden; He andere Version null wiffen, daß das Zentrum im äußersten Falle, wenn das Zustandekommen der Vorlage gefährdet fein sollte, einen starken Bruchtheil seiner Fraction sür b e Vorlage mit vottreu lassen würde, um dadurch die Majorität zu Gunsten des Gesetzentwurfs zu gewinnen. Der Standpunkt der Conservativen ist dahin präcisirt worden, daß man bei dem Vertrauen zu dem gegenwärtigen Cultus- mtnifter die Vorlage fast unverändert annehmen werde; die von ihm vorgeschlagene Terminbestimmung bis zum 1. December 1881 hat bereits die Zu- stimmung des Kanzlers gefunden. Die Stellung der Freiconservativen bleibt nach den vom Abg. v. Zedlitz gemachten höchst verworrenen Ausführungen noch immer unklar; wir hören jedoch, daß b;e große Mehrheit derselben bereit ist, sich auf den priucipiellen Standpunkt der Vorlage zu stellen und mit Amenl i- rungen vorzugehen. Mit die klarste Position nimmt die Fortschrittspartei ein, welche, wie Virchow meisterhaft ausfühcte, sowohl gegen die Verweisung an die Commission, wie für die pure Ablehnung ter Vorlage sich erklärt. Die in der Commission etwa vorzunehmenden Amendirungen können für diejenigen, die, wie Gneist sich ausdrückte, den Kern und das Wesen der Maigesetze beibehalten wollen, gar keinen Werth haben; da jedoch in der Commission Klerikale und Conseroative (Freiconservative nicht einbegriffen) über eine Stimme Majorität verfügen, so wird dort der Versuch gemacht werden, das Gesetz so zu verschlechtern, daß es für die liberale Seite noch unannehmbarer, für das Centrum jedoch acceptabler wird. Die Führer des Centrums wenden daher ihre ganze diplomatische Gewandtheit auf, um den Gesetzentwurf ohne ihre Stimmen zur Annahme gelangen zu sehen. So stehen in Wahrheit die Sachen." Berlin, 2. Juni. Das „Berl. Tagbl." meldet aus Rom: In stolzer Sprache bringt der officiöse „Osservatore romano" jetzt die Antwort des Vatikans auf die Briefe des Fürsten Bismarck an den deutschen Bot- schafter am Wiener Hose, Prinzen Neuß Er nennt dieselben diplomatisch unziemlich, weil darin unwahre Verdächtigungen gegen den Papst ausgestreut und die Centrumspartei ungerecht beschuldigt würde. Die wahre Ursache des Conflicts, sagt der Artikel, liege im Fürsten Bismarck selber. Der Vatikan habe zu Preußen stets herzliche Beziehungen unterhalten (?), so lange B s rnarck nicht an der Spitze der Regierung gestanden. Bismarck aber habe die Einmüthigkett, die er voraefunden, durch seine Maigesehgebung zerstört- Zwischen Papst Pius und Papst Leo bestehe schlechterdings Fein Unterschied- Die Kirche habe immer nur ein und dieselbe Waffe, das sei das heilige Kreuz. Was Bismarck „römische Anmaßung" nennt, sei nur dasjenige Recht, welches der Vattcan in Preußen stets besessen und genossen habe, bevor Bismarck in's Amt getreten. Derselbe |ei sehr im Jrnhum, indem er den Papst anklage, stch in die politischen Angelegenheiten Preußens und Deutschlands einmischen zu wollen. Der Papst erstrecke seine Fürsorge nur auf das Seelenheil der ihm anvertrauten Heerde. Es sei hohe Zeit, daß Fürst Bismarck stch beuge und sein Schwert strecke vor der göttlichen Institution des Papstthums, damit der Papst ihm seine zum Frieden geöffneten Arme entgegenstrecken könne. Telegraphische Depeschen. Wagurr's telegr. <£»rtefp»n>eni - ©sueatu Berlin, 2. Juni. Heute Mittag begann die Commission des Abgeordnetenhauses zur Berathung der Ktrchengesetz-Vorlage ihre Verhandlungen. Von Seiten der Regierung waren anwesend der Cultusmintster, die Geh. Räthe Hübler, Lucanus und v. Zastrow. Unter Ablehnung einer Generaldebatte begann sofort die paragraphenweise Berathung. Der Antrag Bruel zu § 1, das sog. Culturexamen zu beseitigen, wurde vom Minister bekämpft. Bezüglich des Antrages v. Zedlitz, welcher Beschränkung der Geltungszeit des Gesetzes bis December 1881 und Anzetgepflicht der Geistlichen gemäß § 15 des Gesetzes vom 11. Mat 1873 verlangt, äußerte der Minister, daß die Zeitbe- schränkuug an dieser Stelle und in dieser Form nicht zulässig und der Antrag nicht erforderlich sei. Die erledigten Pfarrstellen würden auf etwa 1000 beziffert. — Die Berathung dauert fort. — In der Sitzung der Kirchengesetz-Commission des Abgeordnetenhauses erklärte der Cultusmintster nach der „Germania" gegenüber Ausführungen des Abg. Dr. Franz, daß allerdings Geistliche, auch wenn sie das Maturitäts- Examen geleistet und das Trtennium absolvirt, noch ausgeschloffen werden können, falls sie in ausländischen Anstalten außerdem noch ihre Bildung genossen hätten. Als solche staatsgefährliche Anstalt nannte der Minister das Collegium Germanicum und bezeichnete alinea 3 des § 1 des vorliegenden Gesetzes als Ergänzung des Jesuitengesetzes. — Die Ktrchengesetz - Commission lehnte den Antrag Bruel zu Art^l, das Cultur-Examen zu beseitigen, mit 15 gegen 6 Stimmen ((Pentium) ab, ebenso den Antrag v. Zedlitz, betr. Zettbeschränkung und Anzetgepflicht, mit 11 gegen 10 (Nattonalltberale, Fortschritt und Freiconservattve). Nr. 1 des Art. 1 wurde mit 13 gegen 8 angenommen, Nr. 2 mit 13 gegen 8 abgelehnt, Nr. 3 mit 14 gegen 7 angenommen und schließlich der (nur noch aus Nr. 1 und 3 bestehende) Art. 1 tm Ganzen mit 13 gegen 8 Stimmen verworfen. — Heute Vormittag 11 Uhr hat die feierliche Enthüllung des Göthe- denkmals tm Thiergarten stattgefunden. Der Kaiser, der Kronprinz, Prinz Wilhelm, Erbprinz und Erbprinzessin von Meiningen, die Prinzen August von Württemberg und Friedrich von Hohenzollern wohnten der Feier, welche dem Programm gemäß verlief, von einer Tribüne tm Garten des Hausministeriums bet. Der Festplatz und dte anstoßenden Straßen waren von einer nach Tausenden zählenden Menschenmaffe erfüllt. Das Wetter war zwar trübe, aber regenfrei. — Heute Nachmittag 4t/2 Uhr findet auf Schloß Babelsberg Hoftafel statt, wöbet der Kaiser dte Verlobung des Prinzen Wilhelm mit der Prinzessin Victoria Augusta von Schleswig-Holstein-Augustenburg proclamiren wird. Konstantinopel, 2. Juni. Der Sultan hat dte Audienz des außer- ordentlichin britischen Botschafters Göschen verschoben, weil er mit der vorgelegten das künftige politische Programm der Türkei enthaltenden Empfangsrede nicht einverstanden war. München, 2. Juni. T ie von der deutschen Volkspartet erhobene Beschwerde wegen Auflösung der am 5. Aprrl berufenen Volksversammlung, in welcher der Retchstagsabgeordnete Sonmmann sprechen sollte, wurde von der KreisrcgielUNg verworfen. Chieago, 2. Juni. Bei dem großen Meeting der Anhänger Grant's empfabl Serunor Conkltng Standhaftigkeit und Ausdauer. Die Ernennung Grant's sei in diesem Falle gewiß. Grant sei der stärkste Candidat und werde auch von den Deutschen unterstützt. Senator Logan empfahl ebenfalls Festigkeit. Tie Ernennung Grants sei in der ersten oder zweiten Abstimmung zu erwarten. Paris, 3. Juni. Nach hier eingegangenen Nachrichten nahmen die Alban ie?i am 31. Mat eine von dm Montenegrinern verlassene Verschanzung bet Tusi. Die Montenegriner bezogen eine befestigte Stellung bei Golobosntc, entschlossen, eine Entscheidungsschlacht zu liefern. Den Albanesen mangelt es an Lebensmitteln. Dte Mirioiten wollen Prenk Doda zum Fürsten von Albanien proclamiren und verlangen Verstärkungen. Chieago, 2. Ju<orgen, ferner noch 140 Anforderungszettel und 2 Militär-Ordres zu instnuiren. An Impfpflichtige wurden 6 und außerdem noch sonstige 4 Meldungen besorgt Umfragen bei sämmtl.chen Goldarbeitern, Uhrmachern und Händlern wurden 14 gehalten; außerdem hatten 29 Vernehmungen bei Gericht zu erfolgen. Nachdem noch 313 Verfügungen, j 22 Ermittelungen, 38 Ausschreiben und Transportpapiere zu besorgen waren, schließt der Be- I richt mit 7 Vorführungen im verflossenen Monat. Vermischtes. Kassel, 30. Mai. In vergangener Woche verstarb hterselbst im hochbetagten Alter von 88 Jahren die Wtttwe des am 31. Januar 1822 auf einem im hiesigen Stadtbausaale r4a4?CfUnDenen Maskenbälle vergifteten Hoflakaien Christoph Bächstädt. Diese Vergiftungsgeschichte ^hat nicht nur seiner Zeit großes Aufsehen erregt, sondern es ist seitdem auch noch immer nicht völlig gelungen, den wirklichen Hergang aufzuklaren. Man nahm damals allgemein an, daß das dem Hoflakaien Bächstädt angeblich Seitens einer maskierten Dame gereichte Gift nicht für diesen bestimmt war, sondern der damals 19 Jahre alte Kurprinz Friedrich Wilhelm es erhalten sollte, welcher kurz vor dem Zwischenfalle mit Bächstädt Anzug und Maske getauscht hatte. (£. M.) Frankfurt, 30. Mai Die Untersuchung gegen die flüchtigen Bankerotteure Sachs und Comp. fördert immer mehr pikante Einzelheiten zu Tage, von denen sich jedoch manche aus Rücksicht auf Stellung, Familie re. der Geprellten nicht zur Mittheilung in öffentlichen Blattern eignen. Konstatirt ist übrigens, daß nicht bloß kleine Kapitalisten, sondern auch Männer von Stand und Bildung das Opfer der Schwindeleien geworden sind. So wurden ein vielbeschäftigter Arzt und ein sehr geachteter Geistlicher unter besonders tntereffanten Neben, umständen um bedeutende Summen beschwindelt. Ersterer gedachte das Vermögen seiner Fran hoch zu verzinsen und verliert nun Kapital und Zinsen; letzterer wollte in einem soliden Bankhause 25 Stück österreichische Werthpapiere konvertiren, wofür der Bankier an Courtage, Portoauslagen, Stempel rc. 25 berechnete. Hochwürden meinte aber, „Sachs u. Comp. thun das billiger" und ging zu diesen, die auch wirklich das Geschäft „umsonst" zu machen versprachen. Tags darauf verdufteten sie. Die neuen Angaben hiesiger Blätter, die Flüchtlinge seten in London verhaftet worden, hatten sich bis gestern Abend nicht bestätigt. Unter den geringen Aktiven, die in dem Geldschrank der ,,Angel"-Sachsen vorgefunden worden, soll sich ein mit einigen 100 U4 gezogenes Hamburger Lotterieloos befinden. Selbst aus polnischen Landestheilen sollen sich Beschäoigte gemeldet haben und neue Anzeigen laufen tagtäglich ein. Die Gesammtsumme der Veruntreuungen läßt sich heute noch nicht einmal annähernd in Zahlen ausdrücken. — Die „Frankfurter Zeitung" schreibt: „Notorisch ist jetzt, daß die Inhaber der Firma Sachs u. Co. mit allem ihnen anvertrauten Geld und Geldeswerth durchgegangen sind; es ist aber nach Allem, was wir hören, kaum noch zu zweifeln, daß das ganze Geschäft von vorn herein auf Betrug angelegt war und methodisch auf die große Unterschlagung hinausgezangen ist, mit welcher es geschloffen hat. Schwindeleien solcher Art kommen überall zu jeder Zeit vor, obwohl sie nicht immer mit so hoch entwickeltem Raffinement ausgeführt werden. Das wiederholt in Berlin von der Ministerbank her ausgesprochene Wort hat leider vollste Berechtigung, daß es nicht möglich ist, die Dummen zu schützen. Nicht einmal gegen groben Schwindel, weil der Schwindel wechselnde Gestalt annimmt und vor der Ausführung feiten zu entlarven ist- Wir dürfen daher nicht hoffen, das Publikum durch d-.ese Zeilen vor künftigem Betrug zu bewahren, aber wir glauben, den aufgedeckten Schwindel benützen zu sollen, um Daran praktische Warnungen zu knüpfen, da zu fürchten ist, daß ähnliche Ausbeutung auch anderwärts getrieben wird. Es ist kaum zu glauben, mrt welchem grenzenlosen Leichtsinn, nach dem, was jetzt verlautet, nicht nur arme Teufel ohne jede praktische Erfahrung ihre Sparpfennige, sondern auch größere Kapitalisten der Firma Sachs u. Co. anvertraut haben. Jeder dieser Leichtsinnigen würde, wenn ein ihm sonst nicht genügend bekannter Herr Sachs persönlich ihn um ein Darlehen von 100 ■ Illi Illi7 g— a „Bruder" betrauerte, durch eine Kabeldepesche in New-York anfragen lasten, ob Herr Max Neuhaus in Chicago etwa nach Europa gereist fei. Besagter Herr antwortete darauf selber umgehend, er besinve sich wohl und munter in Chicago. Der junge Crefelder ist natürlich sofort auf freien Fuß gesetzt worden, da sich die Sacke vollständig aufgeklärt hat. Neber die für die Beerdigung ausgelegten Kosten sollen noch einige Verhandlungen gepflogen worden sein; die Familie wird sich aber wohl an dem Wohlbefinden des Bruders in Amerika oafür getrosten, daß sic der Leiche eines unglücklichen Selbstmörders zu einem feierlichen Begräbniß verholfen hat. r, m 77, lZur Illustration der neuen Justizgesetze.) An einem hessischen Amtsgericht stufen sich Gehalter und Einkommen folgendermaßen ab: In erster Linie steht der Gerichtsvollzieber dann folgt der Gcrichtsschreiber, hierauf erst der Ober Amtsrichter und dann die Amtsrichterm' — Ein Rechtsanwalt, der von Offenbach nach Groß-Umstadt zu einem Termin reiste, liquidirte allein an Transportkosten circa 60 Handel und Verkehr. Frankfurt, 2. Juni. (Marktbericht.) Der heutige Heu- und Strobmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Centner 2.50—3.50, Stroh JU 2.50 -3.40. ©idter baS Pfd. tm Großen 1. Qual. 0.90-95, 2. Qual. 0.90—00, im Detail das Pfd. ^xr1-2P—2-£?uaI- 1-10—00. Eier das Hundert ttal. JL 5.50, deutsche Eier 4.90 Ochsenfletsch per Pfund 60—70 Kuh-, Rind- und Farrenfleisch 45-60 A Kalbfleisch 46—55 Hammelfleisch 46—65 Schweinefleisch 65-70 H, ein Hahn 2.00—2.50 X 2 00 -2-50'etne Ente JL 2.70-3.20, eine Taube 60-00 Kapaunen 3-3 5o! Malscher Hahn JL 5—12. Kartoffeln 100 Ko. 0—0.00, Weißkraut das Stück OO-üÖ^> Rothkraut, 1 St. 00-00 H, frische Kohlrabi 3—5 H, neuer Blumenkohl 1 St. <10-60 H Wirsing 00—00 H, Zwiebeln 1 Bund 6 Meerrettig 1 Stück 12—20 Lattich per Portion ÄD^alat 10frische Spargel das Pfund 50—00 Radieschen 3—5 A, ?AA^of.e» 55 funge Erbsen das Pfund 25—30 Romain-Salat - X neue Bohnen 100 Stuck 2.00—0 JL, neue Gurken 20 _ 2; 3"“' (Fruchtmarkt.) Roth-r W-lz-n M 20.45, W-tß-r W-lz-n JL 00.00, Korn 16.35, Gerste X 11.95, Saatgerste 00.00, Hafer, JL 8.50, Erbsen JL —• (Durchschnitts preis pro Malter.) Kartoffeln (50 Kilo) JL 0.00. Allgemeiner Anzeiger. Holsversleigertmg in der Ireiherrlichen Oberförflerei Rabenau. ÄUs 45 cm Durchmesier und M Reisig 46 114 rm 2 10 Die Zusammenkunft findet Vormittags 9 Uhr Für Unbekannte 8*/2 Uhr Buchen E'chen Aspen Nadel 1 34 226 357 ft tf n ft tf tt > 9 9—12 5-9 5—9 m // Freiherrliche Oberförsterei Rabenau. Franz. (Fichtenecke am Rüddingshäuser Gemeindewalo) statt, bei Forstwart Peter in Rüddingshausen. Kesselbach, den 31. Mat 1880. rm n tt 3796) Es wird versteigert: Donnerstag den 10. Juni d. I dem District Ampel: Länge ft tf tt Knüppel 67 rm 3 „ 15 „ 1 „ Stöcke 33 rm 2 „ 7 „ 2 „ im District Ampel H-21 „ 7-12 „ 4-6 „ Etchen-Stamm von Nadel-Stämme „ : „ Derbstangen „ „ Reisstangen „ Scheiter Freitag den 4. Juni d. I., Nachmittags 2 Uhr, ffoll die zum Nachlaß der Ioh. Ifter Ling Wwe. gehörende Hofrairhe im Tiefen- weg einer letzten Versteigerung ausgesetzt Werden. Gießen, den 1. Juni 1880. Großherzogl. Ortsgericht Gießen. 3757) Lüdeking. Montag den 7. Juni, Nachmittags 1 Uhr, Werden im Hause des Herrn Fabrikanten Neckermann an der Frankfurter Straße dahier die zum Nachlaß der Frau Kreisarzt Dr. Wittlinger Ww. gehörigen Mo- L-lien, bestehend in: 3 Sopha, Kleiderschränken, Bettstellen, Commoden, Tischen, Stühlen, Bettwerk, Küchengeräthe und andere Hausgeräthe öffentlich gegen Baarzahlung einer frei- Willigen Versteigerung ausgesetzt. Gießen, den 3. Juni 1880. x I A.: 3804) M. Pilger, AeUgcbotencs. 3747) Das Hrugra« in meinem ^Garten ist zu verkaufen. Dr. Weber. Frische butter von 5 Pfund an pr. Pfund 80 H empfiehlt 3764) Julius Wallach. Eis und Eisschränke liefert billigst (2734 Ax Schmall, Hess. Hof. 3791) Blumenbank, für einen Garten sich eignend, zu verkaufen. _____________________Mäusburg 44. Kegel uud Kegelkugeln liefert billigst 3713) H. 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Brahms. 3486) Der 2- Stock meines Hauses, Mitte August beziehbar, zu vermiethen- H. Möser II., Alicenstraße. und zwar in der Weh SWM dessen einze/ Die ärztlichen WWt AnM unb WM Wx* der Irren und Suche , Am geeignets Zeche ihres Wohnor Ullen gelegentlich der herzoglichen Kreisärzte Wir ewpschl! in Griessen, Donnerstag und Sonntag, in Bad-Uanheim, Mittwoch und Samstag Aufnahmen statt. Quartett, Es-dur op. 47 . Sostenuto, Allegro. Scherzo. Andante. Finale. Klavier-Vorträge: a) Nocturne, Cis-moll b) Traumeswirren c) Albumblatt . . . Violoncell-Solo: Fantaisic hongroise Klavier-Vorträge: a) Gavotte .... b) Masurka, Cis-moll c) Caprice .... Quartett, G-moll op. 25 . Allegro. Allegro ma non troppo. Andante. Rondo alla Zingarese. 3n Öen Photographischen Ateliers von G» SSttckofeH Zu Nr. M. Be Das Sonntag den 6. Juni, Mittags 2 Uhr, Abmarsch der Gießener Bienenfreunde nach SßiefecF. Versammlungsort: Brauerei Pöschel, Wallthor. (3794 Versichernngs - Gesellschaft Jhnriügia“, Dienst - Kautionen betr. Nach unserem Reglement stellen wir allen Staats- und Communal» Beamten, sowie den Eisenbahnbeamten u. s. w. insofern solche Lebensversicherte unserer Gesellschaft sind, auf Antrag die vorgeschriebenen Dtenst-Cautionen. Das zur Cautionsbestellung gewährte Darlehen ist mittelst rechnungs* mäßiger, fester und ntedrtgstgeftellter ^jährlicher Zahlungen für Tilgung und 5% Zins zu amorttsiren, währer d die Zinsen aus dem hinterlegten Cautions- Kapital dem Versicherten zufallen, resp. auf die zu leistenden Zahlungen in Abrechnung gebracht werden. In längstens 25 Jahren geht das Cautions- Kapital selbst in das Eigentbum les Versicherten über. Alle Anfragen im obigen Betreffe, sowie Gesuche um Prospecte und» Cautions - Reglements sind zu rick ten an einen unserer Herren Dei^reter» sowie an das Bureau der General-Agentur, Karlsruhe, Baden, Rowacksanlage 2. (3484t DaMagtMg. 3805) Allen Denen, die so herzlichen Antheil an dem Verluste unserer theueren Emma genommen haben, sagen wir hiermit unseren innigsten Dank. Julius Hoos, Otto Spengel. Todes - Anzeige. Teilnehmenden Freunden und Verwandten widmen wir die schmerzliche Nachricht, daß heute Mittag i Uhr nach längerem Leiden unser lieber Vater, Schwager und Schwiegervater Herr Rechtsanwalt Ludwig Seyd I. sanft verschieden ist. Um stille Theilnahme bittet im Namen der Hinterbliebenen Friedberg, den 1. Juni 1880. 3797) hudwig Seyd ll.*s Rechtsanwalt. Der Journallesezirkel von C. Heinemann s Univ^Buchh. S Antiq. (Fr. E. Fehsenfeid) *) Der Zutritt zum Concertsaal findet nur durch den Nebensaal statt; während der Aufführung eines Stückes ist auch dieser geschlossen. Berlin, 31. 3 ff?'?**«" ä!" *■ «tu dn,li »'gleich 9m t^yei «ttlH Mtof. ? '«toeber Nit 8e[t,„ J dl-selbe M m /, Wer & ^lt, 2 Elches U H» 'vllNo f.r 6 ID SÄ**». 3743) Eine Frau, im Waschen und tmY Putzen erfahren, sucht einige Tage in der r—i A/ß § U. Bal. (3751 Woche Beschäst'gung. Zu erfragen — « »»Ms Kathariuengasse Lit. C. 208. Der Concertflügel von Blüthner in Leipzig fortelager von Wilh. Rudolph dahier. Eintrittskarten für Nichtmitglieder sind in der R i c k er’schen Buchhandlung (Sonntags nur bis 12 Uhr) und in der Rudolph sehen Musikalienhandlung ä JL. 2,50 (Sperrsitz ä Jl. 3,50) zu haben. 3759) Zwei Familienlogis zu vermiethen und per 15. Juli zu beziehen. I. Häuser, Drecbsler, Neuenweg. 3754) Zwei Mansardenzimmer, mit oder ohne Möbel, an eine einzelne Person zu vermiethen bei Cbr Schopbach. Das XIII. Sängerfest des Lalinllial-Sängerlinndes wird am 20. und 21» Juni d. I. in Butzbach 3744) Ein sind, forest. ertheilt gegen billiges Honorar Schülern Nachhilfe in der Mathematik. Näheres bei der Exped. d. Bltts._____ 3787) Ein tüchtiges Mädchen für Küchen- und Hausarbeit bei hohem Lohn zu Johanni oder sogleich gesucht. Wo? sagt die Exp. d. Bltts.______ 3687) Kein Magenleidender versäume sich die Broschüre: Ilagen-Darmltatarrl) (von A Schnell, Heide in Holstein) senden zu lassen. Jedem Leidenden wird dieselbe auf Verlangen gratis und franco vom Verfasser zugesandt. Logis. 3717) Ein Logis von 6 Zimmern mit allem Zubehör in der Nähe des Selters- thors zu vermiethen und alsbald zu be- ziehen. Näheres bei 3« 3706) Zwei elegant möblirte Zimmer in schönster Lage sind an einen alleinstehenden Herrn zu vermiethen. Näheres in der Expedition ds. Bl. __ 3697) Ein Logis von fünf Zimmern mit Stallung und Remise (am Seltersberg) zu vermiethen. Näheres bei giesiener Concert-Verein. Sechstes"Concert (Kammermusik) Freitag den 4. Juni 1880, Abends präcis*) 5 Uhr, im Ctubsaate Quartett von Jean Becker. Mitwirkend: Fräulein Jeanne Becker und die Herren Jean, Hugo und Hans Becker. Aermietymtgen. 3795) Ein Zimmer mit oder ohne Möbel zu vermiethen. Adolf Vogt, Ssnnenstratze. - 3798) Ein schön möblirtes Zimmer zu vermiethen bei Frau Oberförster Eigen- brodt, Marktplatz Nr. 8. — 3800) Ein Logis von 5 Zimmern mit Zubehör, auf Verlangen ein Mansarden- ztmmer mit Cabinet, sofort beziehbar. __ 3485) Eine Wohnung von 2 Zimmern und Cabinet nebst Zubehör ist zu vermiethen bei P. Herbert, Neuenweg. 3803) Der untere Stock im Hause des Herrn Maurermeister Jünger, Schiffen- berger Weg, ist anderweit zu vermiethen und bis 1. Juli beziehbar. Näheres bei Herrn H. DebuS. 3799) Der untere Stock meines Vor- derhauses, bestehend aus 6 Zimmern nebst Zubehör, ist an eine ruhige Familie zu vermiethen und Anfang August oder auch früher zu beziehen. Professor Dr. von Rittgen. vermischte Anzeigen. 3807) Eine Scheuer hat zu vermiethen Ehr. Jungblut, Promenadenhaus. Zwei tüchtige Schneidergesellen aus die Werkstatt werden gesucht. Von wem? sagt die Expedition dieses 3322) Der erste Stock meines Hauses, b Zimmer, Wasserleitung, Bleichplatz u-f. w. ist per 1. August d. I. zu vermiethen. Ehr. Zimmer, Bahnhossstraße. " 2732) WrFamilu'nlogis zu vermiethen und Anfangs Jul: beziehbar, bei Ehr. Roll III., Canzleiberg B. 66. 3217) MöbUrte Zimmer zu vei micthen. ___ Eafe Klein. 1396) Ein Fanul'ienlogis zu vermiethen. ____________Jakob Reiber, Gartfeld. 3177) Ein möblirtes Zimmer zu vermiethen. Mäusburg 48. 3773) Eine kleine Familienwohnung, sowie ein möblirtes Zimmer zu vermiethen bei B. Katzen stein, Marktplatz. ~~ 3309) Geräumige Werkstätte mit Hofraum ist Asterweg Lit. A. 108 zu vermiethen.________________________________ 3714) Haus mit Laden, Schloßgasse 252, für 1. Juli zu vermiethen. Wilh. Herbert. enthält 26 verschiedene illustrirte Journale unterhaltenden und belehrenden Inhalts. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährlich nur 3 Mk. 50 Pfg. Zweimal wöchentlich Wechseltag. Abonnenten werden jederzeit ausgenommen. (3809 _______________________ Verantwortliche Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch in Gießen.