RT Ntllnitijttrg. (Mir Donnerstag den 31. Juli 1S79* Kichener Wyeiger AMgk- uni Amtsblatt für Ära Kreis Glkßra. ——7-, " Drei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn RedaettorrSbirreaur \ @*u[ftra6c B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Gxpedltionsbureau r j ___— ^Stauer. MMe, Wilhelm- Mock 4 Zimmer oudehor, auf Wunsch Ml. Oktober, eventt nelhen . J^I8(id)cL_ ihungen. Itung der Wohiuma- Stets Zimmer für JL 8 bi§ 4 12. nhaus, Dienstmann, tobt bei Stieber. Anzchen. n-Wäscheim Rappen ialwaaren-G^ l wird ein tüchtige- WM gesucht, und kmwße der rderlich. MniS tn M-____M iges ffläbäw, welches einem Ladengefchäft ch hier ober auswärts e. Eintritt alsbald- ;eilt auf dem Verniie- ion Frau Müller, ck zu! cM Konrad zu seinem e ein fröhliches Hach' mit MnwL- Üäen5reunbe D .... k Siegt* brtif“* Victoria^. -bi 4*n'ftö iitrtb m d-r W“ rlich «■> «“‘ J'chi bes P«Par*‘„ preis ske i° Dres^-J * ich untersuch irDpfohlen^___—-^--'7 Hegten °°n strj t ’ Äns-rtlSe" a“ Stühle« MG tgtdÄ^urc» #t(u> J W ' eine«1 Ari-Afp ’ >1h- b- Nr. 28 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 26. d. M., enthält: tNr 13221 Gesetz, betreffend Die Steuerfreiheit des Branntweins zu gewerblichen Zwecken. Vom 19. Juli 1879. tNr' 1323 ) Ge etz, betreffend die Statistik des Waarenverkehrs des Deutschen Zollgebiets mit dem AuSlande. Vom 20. Juli 1879. ?Nr' 1324) Bekanntmachung, betreffend die Abänderung der Instruction über die Zusammensetzung rc. der Sachverständigenvereine. Vom 16.Julr 1879. Gießen, den 29. Juli 1879. Großhcrzogliches Kreisamt Gießen. vr. B o e k m a n n.__ __ politisch Politische Ueberskcht. Die Nachrichten über das Befinden des Kaisers lauten sehr befriedigend, was um so mehr zu schätzen ist, als seine Reise nach Gastein sowohl durch die Sommerhitze und die Terrainschwterigkeiten, als durch allerlei Empfangsfeierlichkeiten sich zu einer kleinen Strapaze gestaltet hat. Im Wildbad bezeichnet natürlich das Eintreffen Er. Majestät den Höhepunkt der Saison, an welchem ein Zusammentreffen der höchsten Besucherzahl und allerlei durchreisender berühmter Männer zu bemerken ist. Eine Steigerung dieses mtereffanten Badelebens dürste trotzdem noch bei der in Kürze bevorstehenden Ankunft des Kaisers Franz Joseph in Gastein zu erwarten sein. Dann befestigen wenigstens zwei Glieder den etwas in's Schwanken gerathenen Drei- Kaiser-Bund. Ein osficiöses Dementi hat in Abrede gestellt, daß der päpstliche Nuntius in München, Masella, In Kissingen cintreffen werde. In Bezug auf den Fortgang der Frtedensverhandlungen mit dem Vatikan hat das wenig zu besagen, da sie zur Zeit eifrig in Rom betrieben werden. Die Kautschuk-Dementis der „Nordd. Allg. Ztg." erfreuen sich keines besonderen Rufes. Nun, wenn Masella nicht berufen ist, den Frtedensschluß perfekt zu machen, so wird wohl auf der Saline zu Ktsstngen bald ein anderer römischer Delegat, vielleicht gar der Cardinal Hergenröther, etntreffen, natürlich nur, um die Kur zu gebrauchen. Im Vatikan scheint man um so mehr geneigt, mit Deutschland Frieden zu machen, als sich die Lage in Frankreich unersprießlicher gestattet. Das energiscke Auftreten Gambetta's läßt erkennen, daß man sich in der Kammer eine etwa vom Senat zu beschließende Vertagung der Feny'schen Unterrichtsgesetz-Vorlage nicht gefallen taffen würde, sondern zur Entscheidung schreiten well. Hierzu tritt, daß der nicht gut päpstliche Bonapartismus zur Zeit durch den Prinzen Plon-Plon, an dessen antivatikanischer Gesinnung kein Zweifel ist, für die Zwecke der Kirche bedeutungslos geworden ist. In England herrscht trunkene Siegesfreude, wenn auch der große Steg von Ulundi nur über Kaffern erfochten ist. Die englischen Lorbeeren waren merklich verwelkt, und so begrüßt man die kleine Auffrischung wie ein großes Ereigniß. Wenn man freilich an den deutsch, französischen Krieg mit seinen Riesen-Erfolgen zurückdenkt, so muß man lächeln, daß das Verbrennen eines Kraals und 53 Verwundete, denen ein paar Hundert tobte Kaffern gegen- übergcstellt wurden, ein so enormes Aufsehen im stolzen Albion macht. Für die englische „Freiheit" ist es bezeichnend, daß man die Prügelstrafe für die Armee, die neunschwänzige Katze, beibehalten hat. Die Zett der politischen Ruhe zeichnet sich durch bedeutende Operationen auf dem europäischen Geldmärkte aus. England ist dabei etwas zurückhaltend, weil dort wieder einmal eine bedeutende Zahlungseinstellung der andern folgt. In Nordamerika herrscht eine große Zuversicht ob der voraussichtlich guten Ernte, so daß man schon die vielen Millionen berechnet, welche Europa für Getreide zahlen wird. Die Speculation an allen großen Börsen ist eine äußerst zuversichtliche; besonders an den westlichen Plätzen, welche Berlin und Wien in's Schlepptau nehmen. Die Einführung der russischen Orientanleihen ist in Parts und London gelungen. Fällt aber dte russische Ernte weniger glänzend aus, als man erwartet, so wird ein Rück- schlag nicht ausbletben. Rußlands Finanzen haben sich seit Jahressrist nicht gebeffert und dte großen Cursschwankungen der Anleihen sind nicht geeignet, das Vertrauen zu stärken. In Ungarn hat der Finanzminister das Geld erhalten, um die dreihundert Millionen Schatzanweisungen von 1873 und 1874 ewzulösen, aber es haben deshalb zweihundert Millionen ungarische Goldrente verkauft werden müssen, um welche sich die Schulden Ungarns erhöhen. Die finanzirenden Goldmächte, die Rothschtld's, haben dabet ein schönes Geschäft gemacht; da« Prtvatkapttal aber mag für dte Zukunft etwas vorsichtig fein. Im Orient zerfällt die orientalische Frage zur Zett in eine ganze An- zahl kleiner Fragen. Tunis, Egypten, Rumänien, Albanien, Ost- rumelien — jedes Land hat seine eigene Frage uiib die Diplomatie wird nach den Ferien wieder alle Hände voll zu thun. haben. Deutschland. Ntainz, 26. Juli. Dte Stadtverordneten haben nun förmlich beschlossen, gegen die hessische Ludwtgsbahn-Gesellschast wegen Nichterfüllung der dte Umführung der Bahn betr. Verträge den Weg Rechtens zu beschretten, um dieselbe zur Erfüllung dieser Verträge und Schadenersatz zu zwingen. Der betreffende, diesem Beschluß zu Grunde ltegende Bericht der jurtstischen Com- er Hheil. Mission der Stadtverordneten und ihres Referenten, eines unserer ersten und charssinnigsten Juristen, gibt ein unerquickliches Bild über die Art und Werse, wie die Bahnverwallung die Verzögerung der Ausführung jener Verträge seit zwei Jahren zu beschönigen und die Verständigung von Dem Wege gütlicher Übereinkunft abzudrängen wußte, um die schon In dieser Richtung ^gefaßten Beschlüsse der Stadtverordneten möglichst unwirksam zu machen. Fast der ganze Bauplan der Neustadt-Anlage wurde im Einverständniß mit der Bahn nach dem Umführungsprojecie umgestaltct, und schwere Verluste sind bereits die Folge der verschobenen Aussührung des letzteren. Der ganze Ernst der Lage wlrd für weitere Kreise durch die Thatsache klar, daß die Ludwigsbahn nach jenen Verträgen unter Anderem auch verpflichtet ist, das Bahnterrain, auf welchem gegenwärtig die Schienenverbindung zwischen ihren südlichen (Worms, Darmstadt-Aschaffenburg re) und den nördlichen und westlichen Linien (Köln, Alzey ic.) liegt, Ende Mat 1883 an die Stadt zu übergeben, letztere also die rechtlichen Mittel in der Hand hat, diese Berbtndung von jenem Zeitpunkt ab aufzuheben. Berlin, 27. Juli Von den Mitgliedern des Centrums hat sich zunächst Herr Moufang aus Mainz seinen Wählern gegenüber zur „Berichtigung und Abwehr" ermannt. Dte Rechtfertigung des Herrn Domcapitulars knüpft mit anerkennenswerthem Muihe an die Worte im Aufruf der Centrumsfraction vom Juni 1878 an: „Wir (das Centrum) wollen nicht die Vermehrung der Steuern und Lasten, vielmehr nach Möglichkeit deren Verminderung." Ueber den zweiten Tbeil dieses Programms beobachtet die Moufang'sche Abwehr ein geziemendes Schweigen; die Vermehrung der Lasten wird den National- Liberalen zur Last gelegt und für das Centrum das Verdienst in Anspruch genommen, für die Deckung dieser von den National-Ltberalen verursachten Laste» auf die beste Art gesorgt zu haben. „Besser wäre es sreillch gewesen, weder Steuer noch Zoll. Aber eins von beiden mußte gegeben werden, und da zahlt sich die indirecte Abgabe des Zolles viel leichter; denn die directe Steuer muß in bestimmten größeren Beträgen, zu festgesetzten Terminen, unter ter Androhung von Auspfändung ic- entrichtet werden, während man den Zoll meistens 1) zu beliebiger Zeit, 2) in kleinen Beträgen und 3) wenn man bei Mitteln ist. zu bezahlen hat. . . - Was will es nun neben diesen finanziellen und wirthsch östlichen Vortheilen bedeuten, wenn ein Pfund Kaffee um 2'/, H und ein Schoppen Petroleum um 3 H vertheuert wird." So Herr Moufang, der sich, wie man sieht, die Abwehr sehr bequem macht. Etwas auf- richtiger meint er gegen Schluß seiner langen Erklärung: „Wir wollen ja nicht den großpreußischen Einheitsstaat, sondern wollen den föderativen Charakter der Relchsverfassung gewahrt wissen, und das bezweckt der v. Francken- steln'sche Antrag In § 8 des Gesetzes. Wir wollen, daß die Centrumsfraction, anstatt als Minorität nur zu protestiren und zu negiren, wirklichen Einfluß gewinne, und das ist nach 8 Jahren zum ersten Male erreicht worden. Wir wollen die Herrschaft der liberalen Mehrheit mit ihren Zwangsgesetzen ge- brocken sehen, und das hat sich vollzogen. Wir wollen, daß der Culturkarnpf endlich aushöre, und wir sind wenigstens d-r Erfüllung dieser Hoffnung etwas näher gekommen." Und weil die Nichtannahme des Tarifs und der Finanzzölle Seitens des Centrums es ermöglicht hätte, daß die national-liberale Partei noch länger am Ruder geblieben, habe das Centrum eben dafür gestimmt. Herr Moufang hätte als kluger Mann sich auf den letzten Theil seiner Berichtigung und Abwehr beschränken sollen. — Nach der nunmehr erfolgten rechtskräftigen Verurtheilung des Contre- Admirals Bätsch (zu 6 Monaten Festungshaft, Capltän - Lieutenant Clausa erhielt 4 Wochen Festungshaft) kann von dessen Beförderung in die Stelle des kürzlich verabschiedeten Directors der Admiralität v. Henk nicht mehr die Rede fein, zumal Bätsch den actlven Seedienst wird verlassen müssen. Auch noch eine andere Verabschiedung eines höheren See-Officiers wird nicht aus- bleiben, wogegen der Ches der Admiralität v. Stosch im Amte verbleiben wird. Ob nicht dessenungeachtet das jetzige Regime als solches wird wechseln müssen, ist allerdings eine andere Frage. Uebrlgens wird die Angelegenheit Im nächsten Reichstage wiederum zur Sprache und hoffentlich auck zu gründ- licher Erörterung gelangen, da jetzt doch ein Abschluß der Angelegenheit vor- ltegt, an welchen die Besprechung derselben angeknüpft werden kann. Berlin, 28. Juli. Die Gasanstalt der Dresdener Bahn gerieth gestern Abend um 8'/3 Uhr auf bisher noch unerklärliche Weise ln| Brand und wurde vollständig In Asche gelegt. Wenngleich der Schaden ein verhält- nißrnäßlg geringer ist, so ließ doch die Nähe mit werthvollen Gütern gefüllter Schuppen und das unmittelbare Daranstoßen de» Gaskeffels, dessen Explosion glücklich verhütet wurde, große Befürchtungen laut werden, weßhalb denn auch die gejammte Feuerwehr mit einer Dampfspritze zur Stelle eilte. Das brennende Gebäude ist ein langgestrecktes, aus Fachwerk erbautes Haus an der Schöneberger Straße. Es wurden in demselben durch Röhren mit großen Krahne« die Wagen der Potsdamer und Anhalter Bahn mit Gas gespeist; aus diesem Reservoir schossen um die angegebene Zett plötzlich drei gewaltige Feuersäuleu von je ein bis zwei Fuß Durchmesser gen Himmel und veranlaßten gleich darauf den Einsturz des Gebäudes. Wohl zehn Minuten lang dauerte der Verbrennungs-Proceß des vorhandenen Gases, welches eine so colossale Gluth verbreitete, daß die Feuerwehr verhindert wurde, in die Nähe zu gehen. Erst als die Gewißheit vorhanden war, daß alles Gas ausgebrannt war, konnte an das Löschen der Trümmer gedacht werden, eine Arbeit, welche immerhin noch eine Stunde in Anspruch nahm. Die Dampsspritze wurde aus dem Krahnen aus dem Bahnhose selbst gespeist. Eine ungeheure Menschenmenge eilte auf das Gerückt, daß die Dresdener Bahn brenne, zur Brandstätte, wurde aber durch die zahlreiche Schutzmannschaft in gebührender Entfernung gehalten. England. London, 28. Juli, Abends. Der Telegraphen-Congreß beendete heute Nachmittag seine Arbeiten und unterzeichnete die Convention, welche zum April 1880 in Kraft tritt. London, 27. Juli. Das kriegsrechtliche Urtheil über Lieutenant Carey, der sich in Begleitung des Prinzen Napoleon bei dessen letztem Recognosci- rungsritt befand, wird streng geheim gehalten. Man glaubt allgemein, M es auf Tod lautete, daß es aber nimmer vollstreckt werden wird. — Wie die „United Service Gazette" vernimmt, hat die Kaiserin Eu- gente brieflich die dringende Bitte an die Königin gerichtet, keine Strafe über Lieutenant Carey zu verhängen. Telegraphische Depeschen. «aguer's telegr. UOrrefp-ubeur-Bure««. Gastein, 29. Juli. Der deutsche Kaiser erfreut sich des besten Wohlseins und nimmt regelmäßig die Vorträge des Militär- und Civil-Cabinets, sowie des Geh. Leqattonsrathes v. Bülow entgegen. Die Bäder, Promenaden und Ausfabrten setzt Se. Majestät regelmäßig fort. Wegen des Ablebens des Herzogs Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin sind heute keine Einladungen zur Tafel ergangen. London, 29. Juli, früh. Unterhaus. Auf Befragen Cowen's erklärt Unterstaatssecretär Bourke: Die Regierung wisse, daß wegen politischer Ver- gehen zahlreiche Verhaftungen und Deportationen in Rußland vorgenommen seien; die Bestimmung der Verhafteten sei ihr aber unbekannt. Die nach Saghalin Deporttrten seien keine politischen Gefangenen. Der Transport nach Saghalin fand in einem für diesen Zweck speciell gebauten Schtffsfahr- zeuge start. Uebrigens habe die englische Regierung nicht die Gewohnheit, in solchen Fällen einer fremden Regierung Vorstellungen zu machen, noch weniger aber habe sie Grund zu glauben, daß solche Vorstellungen irgendwie ersprießliche praktische Folgen haben könnten. Rom, 29. Juli. Die Polizei confiscirte in einer hiesigen Druckerei viele Abdrücke eines repulikanischen Programms, das zur Theilnahme an einer demnächsttgen Bewegung auffordert. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Bukarest, 29. Juli. „Presza" fordert die Israeliten auf, ihre Jn- dignatsgesuche sofort an die Kammern zu richten. Die Kammer werde unzwei- haft unmittelbar nach erfolgter Aushebung des Artikels 7 der Verfassung die Gesuche vrüfen und dadurck Europa die Loyalität ihrer Absichten und den ernsten Charakter ihrer Beschlüsse beweisen. Wien, 29. Juli. Die „Polit. Corresp." meldet aus Belgrad: Die europäische Commission zur Bestimmung der Grenzlinien zwischen Serbien und der Türkei beendete ihre Arbeiten. Als geeignete Verteidigungslinie gegen die Einfälle der Arnauten wurden Serbien 12 Dörfer zwischen Vranja und Kurschumlje zugesprochen. Die Commission verbleibt in Belgrad bis zur Ratification. Rom, 29. Juli. Die „Agencia Stefani" will wissen, der frühere päpstliche Nuntius in Brasilien, Roncetti, sei an Statt Masella's zum Nuntius in München ernannt. Petersburg, 29. Juli. Der Miffethäter, welcher am 25. März aus General Drentelen schoß, ist festgenommen. Es ist derselbe, welcher unter dem Namen Pletnef in Taganrog auf Gensd'armen und Polizei schoß, als man ihn wegen eines anderen Verdachtes verhaften wollte. Versailles, 29. Juli. Die Deputirtenkammer hat den Vorschlag, welcher die Niederlegung der Tuilerien beantragt, angenommen. Wien, 30. Juli. Gegenüber der gestrigen Mittheilung der „Neuen Freien Presse" constatirm „Presse" und „Fremdenblatt" auf Grund amtlicher zuverlässiger Informationen, daß nicht Ein österreichischer Soldat die Grenze des Sandschaks Novibazars überschritten habe, auch nicht als Bedeckung für die Enquete-Commission, welche noch in Serajewo weilt. Privat-Depesche des Gießener Anzeigers. Berlin, 30. Juli. Auf dem Artillerie-Schiff „Renown" in Wilhelms- Hafen ist ein 24 Centimeftr-Geschütz gesprungen. 3 Todte, 3 Schwerverwundete und 11 Leichtverwundete sind bei dem Unglücke zu verzeichnen. Bericht über den siebzehnten Uerbandstag des Hessischen Anter- verbands der deutschen Erwerbs- und Wirthschafts-Genossenschasten zu Fulda am 19. und 20. Juni 1879. (Fortsetzung.) In Hersfeld ist die Lage günstiger; auch hier haben 50pCt. der Geschäftsantbcile und der größte Theil des Reservefonds abgeschrieben werden müssen, die Krisis kann aber als überwunden angesehen werden, da jetzt nach Consolidation der Verhältnisse das geschwundene Vertrauen in erfreulichem Maße zurückkehrt. Man hat versucht, hier wie anderwärts aus den ungünstigen Vorkommnissen bei den einzelnen Vereinen gegen die Vorschußvereine im Allgemeinen zu agitiren und bei der in gewissen Kreisen herrschenden rückläufigen Strömung aus Schäden, welche einzelne Vereine betroffen, gegen die Gesammtheit Capital zu schlagen. ES ist dies um so ungerechtfertigter, al? alle Vereine, die sich innerhalb der Grenzen gehalten, welche ihnen durch die Vorschristen des Anwalts und die auf allen Vereinstagen ausgesprochenen Principien gesteckt sind, von größeren Verlusten verschont geblieben und sich nach wie vor eines guten Rufes und des Vertrauens des Publikums erfreuen Während des abgelaufenen Jahres ist der Stand der 20 dem Unterverband angehörenden Vereine unverändert geblieben. Wünschenswerth erscheint der Beitritt der in dem Bezirk des Unterverbands befindlichen Vereine, welche dem Verbände nicht angehören, bis jetzt sind aber die bezüglichen Aufforderungen ohne Erfolg geblieben. Was die statistischen Ergebnisse betrifft, so kann auf die Berichte ver 17 Vereine hingewiesen werden, welche solchen eingesandt haben. Diese 17 Vereine zählen 14,410 Mitglieder und ergiebt sich eine Abnahme von 54 Mitgliedern gegen das Vorjahr. Zunahme an Mitgliedern haben erfahren: Cassel (59), Dodenau (20), Fulda (43), Gießen (38), Lichtenau (9), Marburg (5),. Dagegen eine Abnahme. Allen- dorf (28), Friedberg (10), Grünberg (6), Hersfeld (238), Hünfeld (2), Melsungen (8). Der Gesammtkassenumsatz beträgt 65 Millionen Mark (12 Mill, weniger), Die gewährten Vorschüsse 25 Millionen Mark (5 Mill, weniger wie in 1877). Das eigene Vermögen beträgt 3,187,000 at, das fremde Capital 8,387,000 JL. Ersteres hat eine Vermehrung von 12,000 jl, letzteres eine Verminderung von 1,181,000 JL erfahren. Das gesammte Bettiebscapital zu 100 angenommen, so betragen der Reservefonds 3,37 pCt., die Geschäftsanteile 24,23 pCt-, die fremden Gelder 72,40 pCt. Es stehen demnach 100 JC. fremden Capitals 38 JL eigenes Vermögen gegenüber. Dieser Satz könnte befriedigen, wenn nicht das Uebergewicht des Creditvereins in Cassel wesentlich dieses günstige Verhältniß herbeiführte; scheidet man diesen aus, so steht das Verhältmß der fremden Gelder zu dem eigenen Vermögen wie 100: 17,20. Der Verbandsdirector knüpfte hieran die Mahnung, fortwährend auf die Vermehrung des eigenen Vermögens bedacht zu sein, da den Vereinen sonst die nöthige Stütze zu einer gedeihlichen Entwickelung fehle. Die Emnahmen an Zinsen und Provisionen betragen 747,000 JL, die Ausgaben an Zinsen an die Vereinsgläubiger 373,000 JL und die Verwaltungskosten 101,000 JL. Einem Reingewinn von 255,000 JL stehen die Verluste von Mendorf und Hersfeld mit 235,000 Jt gegenüber. Mit Ausnahme dieser letzteren, zahlten die übrigen Vereine annähernd dieselbe Dividende wie im Vorjahre. Ein Verein des Verbands, Wies eck, hat sich noch nicht dem Genossenschaftsgesetz unterworfen, angeblich weil ja auch ohne dieses Alles seinen Gang gehe. Es wurde aber an alle Vereine die Mahnung gerichtet, an den bewährten allgemeinen gegebenen Vorschriften und Principien festzuhalten, resp. sich dieselben zur Richtschnur zu nehmen. Es erfolgt zu pos. 3 der Tagesordnung „Rechnungsablage", Uebergabe der Jahresrechnung durch den Verbandsdirector. Die Einnahme betrug: 1) Uebertrag aus voriger Rechnung . . JL 422. 51. 2) Rückstände von 3 Vereinen pro 1877 „ 38. 71. 3) Beiträge von 18 Vereinen .... „ 401. 04. (rückständig sind Alsfeld und Großalmerode). __ JL 862. 26. Die Ausgabe betrug: 1) Für Diäten und Reisekosten . ... JC 204. 30. 2) Für Drucksachen . ...... 94 33. 3) Für Porto rc „ 25. 22. JL 323. 8c>. wonach ein Ueberschuß von JL 538-41 verbleibt, mit welchem die Druckkosten des diesjährigen Berichts, sowie die Reisekosten der Deputaten nach Stuttgart rc. zu bestreiten sind. Zu Revisoren der Rechnung wurden die Herren Reuß-Fulda und Rudolph- Hersfeld gewählt; nach stattgehabter Prüfung durch dieselben wurde die beantragte Decharge von der Versammlung einstimmig ertheilt. Der Verbandsdirector sucht ferner nach und erhält einstimmig ertheilt Vollmacht, um über eine streitige Angelegenheit mit dem Verein Hünfeld, welcher aus früheren Jahren noch Beiträge zur Verbandskasse schuldet, auf privatem Wege nach bestem Ermessen ein Arrangement zu treffen. Zu Punkt 4 der Tagesordnung, „Berichte aus den einzelnen Vereinen", berichtet Grünewald-Alsfeld, nicht als Dclegirter, sondern nur als Mitglied des Vereins, über die unangenehmen Zwischenfälle im dortigen Verein, deren Detaillirung iudeß, wie Redner bemerkt, zu weit gehen würde; der Anfang derselben datirt von der Generalversammlung im December 1878 durch einen streitigen Punkt über Ersah von Geschäftskosten, nachdem eine desfallsige Bestimmung in 1873 weggefallen war. Redner versichert, daß alle Gerüchte, welche der Ehrenhaftigkeit des Vorstandes zu nahe treten, grundlos seien und der Verein nach der Fällung für den Vorstand günstiger Proceß- urtheile, woran nicht zu zweifeln, aus dem gehässigen Parteigetriebe vollständig intact hervorgehen werde. Durch einen Revisor von auswärts erfolgt die Prüfung der Bücher; der Redner fragt aber an, ob es zulässig, daß Bücher, die oft gebraucht werden, monatelang aus dem Hause geschafft und dem Vorstand, welcher sich noch im Amt befindet, entzogen werden dürften? Der Verbandsdirector referirt zur Sache selbst, daß Alsfeld sein Ausbleiben von dem heutigen Verbandstage dadurch motivirt habe, daß ein Theil der Aufsichtsrathsmitglieder durch die in dem Verein stattfindende Revision, welche wohl zu einer Reorganisation des Vereins, resp. der Statuten führen werde, sehr in Anspruch genommen fei. Er giebt seiner Ueberzeugung, daß an der Ehrenhaftigkeit des Vorstandes nicht zu zweifeln sei, Ausdruck. Ein Urtheil in der Sache selbst könne der Verbandstag nicht aussprechen, da ihm hierzu jedes Material fehle. Der Vertreter der Anwaltschaft hält die Wegschaffung von Büchern aus dem Vereinslocale, da diese jeden Tag gebraucht würden, für unstatthaft. (Fortsetzung folgt.) Lokales. Gießen, 30. Juli. Die Festtage des Akademischen Gesangvereins sind vorüber und erübrigt cs nur noch, einige Rückblicke auf die beiden Concerte zu werfen Wenn wir in unserer SonntagS-Rummer sagten, daß das Oratorium „Paulus" zur größten Zufriedenheit ausgefallen sei, so fanden diese Worte allseitige Bestätigung. Wir sind nicht Musikverständiger genug, um eine eingehende Kritik über die Concerte zu geben (eine der Redaction zugesagte Besprechung ist leider bis heute noch nicht eingetroffen) und so begnügen wir uns damit, den allgemeinen Eindruck zu verzeichnen, den das Gebotene auf die Zuhörer gemacht bat. Dieser Eindruck ist so günstig, wie nur zu wünschen war; cs herrschte auch über daS „Künstlerconcert" am verflossenen Samstag nur ein Urtheil, und zwar Dasjenige, daß lange nicht cm so vorzügliches Künstlerpersonal sich zusammengefunden hatte, welches den Zuhörern einen so reinen und seltenen Genuß bot. Namentlich waren cs Frl. Kufferath und Herr Hill, welche das Publikum wahrhaft binrissen — Herr Achenbach soll unwohl und nicht recht zum Singen disponirt gewesen sein, trok- dem waren seine Vorträge vorzüglich zu nennen — während das Quintett, besetzt durch die Herren Lux aus Mainz (Klavier), Universitäts - Musikdirektor Wolff aus Marburg (Violine), Rode aus Frankfurt (Viola), Robe aus Homburg (Violoncell) und Backhaus aus Homburg (Kontrabaß) u. Ä. in den Variationen über das Lied: „Die Forelle" von Fr. Schubert sich selbst übertraf. — Leider konnte das vorgesehene Bankett am Samstag Abend nicht so gefeiert werden, wie es ursprünglich vom Vorstande des Akademischen Gesangvereins geplant war. Es wirkten verschiedene Ursachen, worunter die Nubier auch ihr Theil hatten, mit. Ein flotter Tanz endete die beiden Tage, welche mit goldenen Buchstaben in den Annalen des Akademischen Gesangvereins zu verzeichnen sind. — In der Woche vom 20. bis 26. Juli starben in hiesiger Stadt 6 Personen, darunter 2 kleine Kinder an Bronchienentzündung. Die übrigen 4 Todesfälle wurden herbeigeführt durch Lungenschwindsucht, Schlagfluß, organische Herzkrankheit und Altersschwäche. G. Gießen, 30. Juli. Kaum haben uns die Nubier verlaffcn, so beglückt Herr Wenzel die der Unterhaltung Bedürftigen mit wieder etwas Neuem Für diesmal ist fS ihm gelungen (mit oder ohne Garantie?), den „Doblenkönig" Tri ebn er zu einer d-mnachstigen Produktion in Gießen zu bestimmen. Der „Dohlenkönig" ist im Besitze von einer großen Zahl Dohlen, welche er in Freiheit setzt und die dann dem Commando ihres Gebieters mit derselben Gehor- samkeitsliebe folgen, mit welcher der Hund seinem Herrn folgt. Ferner werden von Herrn Trieb n er 300 indische und afrikanische Kakerlaken (Nagethiere) gezeigt, welche sich in unvergleichlichen Leistungen auf gespanntem Seil, Leitern und sonstigen Kletterübungen producircn. — Beim Holzsammeln im Walde am alten Steinbacher Weg sah eine Frau heute Morgen einen Mann an einem Baume hängen, liebet die Person des Selbstmörders konnten wir Verläßliches bis jetzt noch nicht erfahren. 600 A für A für gesetzt: dürfen nicht mehr als 90 Kilogramm wiegen.' Niederlage Pueinte Reine ver Flasche H If Zi. Frohnhäuser (4895- JLouis JLony A. Husch SSöhne CO «ha,® «r b« jtd-ir°gg-br°u-bi griitgnnsWJ Vermischtes. Essenbach, 25. Juli. Nach allen Anzeichen verspricht da» am 2., 3. und 4. August . -.'Labt abzuhaltende XI. Mitt-lrh-inisch- Turnfest -in wahrhaft grvßariiges zu w-r- I vmiieniaen des Jahres 1860 in keiner Hinsicht nachzustehen, wenn - und daran b'niWn wir durchaus nicht — auch diesmal in der hiesigen Bürgerschaft eine ähnliche Theil- 8 km, fiA funbRtben wird, wie damals. Nicht nur di- verschiedenen Fest Commissionen haben Alles aufq-bat-n, um einen glanzenden Verlauf des Festes zu sick°rn- auch die auswärtigen » rnxere ne sind ihrerseits bestrebt gewesen, dasselbe nach besten K-vft-n verichvnern zu helfen. Ko w«den beispielsweise außer den beiden für das Fest -ngagirten Mtliiar-Capellen (Waßmann Svr-nal und der hiesigen F-uerwehr-Musik auch die Musikorps d-r Frankfurter Hanauer und Kreuznacher Turnvereine in den beiden nächsten Sonnt.g und Montag stattstndenden F-st- rügen ^mitwirk-n. Da diese '.etzteren, wie schon früher mitg-th-.lt wurde alle Straßen der Stadt (mit Ausnahme de. ganz .chg-l-g-n.n) entweder auf d-m Aus- oder Ruckmarsche berühren -werden so sind wir fest überzeugt, daß di. Bewohner Offenbachs dem ausgesprochenen Wunsches Turnv-r-ins, ihr- Häuser an den Festtagen mit Flaggen und Kränzen zu schmucken, sicherlich mit cg interessant erscheinen, daß wir nächst-« Jahr (1880) im K-bruar 5 Sonntage haben werden. Die erleben wir alle hundert Jahre nur dr-,mal und «erden nach 1880 bis 1920 warten müssen, um es von Neuem zu erleben. Im 20. Jahr- «imbnt kolaen dann noch di- Jahr- 1948 und 1976 mit derselben Erscheinung. ffllieu 26. Juli. Der plötzliche Tod des Großh. Friedensrichters Knaus hat, wie sich unsere Leser erinnern werden, ziemlich großes Aufsehen erregt. Von gut unterrichteter 5031) Eine hochfeine abgelagert Sumatra-Cigarre, per Stück 5 Pfg«, im Kistchen billiger empfehlen I. A. Bufch Söhne. S. 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