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Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beil. Nr. 11) enthält: 1. Bekanntmachung Großherzoglicher Provinzial - Direktion Oberhessen, das Ausbringen der Mittel zur Beftrettung der Bedürfnisse der Landjuden- jchaft der Provinz Oberhessen für 1879 betreffend. 2 Uebersicht der für das Jahr 1879 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfniffen in den Gemeinden des Kreises Alzey. 3. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Gießen, die Erhebung von Umlagen in der Gemeinde Beuern für 1879 betreffend. 4. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Offenbach, die für das Jahr 1879 zur Bestreitung der Communal-Bedürfmffe der Gemeinde Bieber zu erhebenden Umlagen betreffend. 5. Uebersicht der für das Jahr 1879 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal Bedürfnissen in den israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Friedberg. 6. Ordensverleihungen. 7. Dienstnachrichten. 8. Charakterertheilungen. 9. Ruheftandsverfetzungen. Am 1. März wurde der Schullehrer Johs. Reiß zu Auerbach auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner mehr als 50jährigen treu geleisteten Dienste, am 2. März wurde der Schullehrer Jacob Volk zu Friedberg auf sein Nacksuchen bis zur Wiederherstellung seiner geschwächten Gesundheit, am 10. März wurde der Schullehrer an der kath. Schule zu Fürth Franz Gremm unter Anerkennung seiner mehr als 50jähri- gen, mit Eifer und Treue geleisteten Dienste auf sein Nachsuchen, am 19. März wurden der erste Pedell an der Landes-Universität, Kaspar Ruckelshausen, und der zweite Pedell an der Landes-Universität, Johannes Kißler, beide mit Wirkung vom 1. April d. I. an, am 4. April wurde der Schullehrer an der evang. Schule zu Mommenheim Heinrich Jacob Katzenbach aus Nachsuchen in den Ruhestand versetzt. 10. Concurrenzeröffnungen. Erledigt find: Die evang. Pfarrstelle zu Plantg mit einem dotattonsmäßigen Gehalt von 2321 Die Lehrerstelle an der kuth. Schule zu Seckmauern mit einem Gehalt von 900 J4, das Präsentationsrecht steht dem Herrn Grasen zu Erbach-Schönberg in Gemeinschaft mit dem Herrn Fürsten-Wertheim-Rosenberg zu. Eine mit einem akademisch gebildeten, vorzugsweise als Mathematiker geprüften Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der erweiterten Volksschule zu Butzbach mit einem Anfangsgehalt von 2500 JL, aussteigend bis zu 3000 JC. jährlich m,d eventuell 200 «X jährlich für Leitung und Beaufsichtigung des gesammten Schulwesens zu Butzbach. Eine mit einem seminanstisch gebildeten Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der erweiterlen Volksschule daselbst mit einem Anfangsgehalt von 1500 Jt., aus- steigend bis zu 2000 «M. jährlich. Eine Lehrerstelle an der allgemeinen Volksschule daselbst mit einem Ansangsgehalt von 1000 «X, aussteigend bis zu 1600 v4t. jährlich. 11. Sterbefälle. Gestorben sind : am 7. Febr. der Steuercor.troleur i. P. Heimich Becker zu Nidda; am 27. Febr. der Kreiswundarzt Heinrich Schenk zu Fri dberg; am 1. März der Kammersänger Karl Becker zu Darmstadt; am 3. März der Geh. ^iuanzrath Karl August Seederer zu Darmstadt; am 16. März der quiercirte evang. Pfarrer Konrad Uhrig zu Rohrbach; am 22. März ter Schullehrer i. P. Friedrich Göbel zu Mainz; an dems. Tage der Schullehrer i P. Schmitz zu Heimersheim; am 28. März der Steuer- ausseher i. P. Christoph Roth zu Grolsheim; am 29. März der Kreisarzt i. P. Dr. Wilhelm Sauerwald zu Alzey. Darmstadt, 26. April. Namens des Finanzausschuffes der zweiten Kammer Hut ter Abg. Theobald über die Vorlage Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Bewilligung der Kosten zur besseren Instandsetzung der Localitäten und der Ausstattung der Uaiversitäts'Klinik, sowie die Erhöhung der Dolatton der medicinischen Klinik 2C- betr., Bericht erstattet. Hiernach dürfte nach Ansicht des Ausschusses kein Zweifel bestehen können, daß die Lebensfähigkeit der Universität Gießen wesentlich davon abhängt, daß die medtci- niscke Fakultät in jeder Beziehung in solchem Stande erhalten wird, daß sie die Bedürsniffe der Studirenden befriedigt. Dazu gehöre selbstverständlich, daß die med-cinischen Lehrstühle mit tüchtigen Kräften besetzt sind, sowie, daß die Universitäts-Kliniken mit dem sonst erforderlichen Personal, den geeigneten Localitäten und Mobtliargegenständen genügend ausgestattet erscheinen. Der Ausschuß erkennt die in der Regierungsvorlage angeführten Gründe fir völlig gerechtfertigt an und bemerkt der Bericht, daß bezüglich der Bauten keine Mittel in Anspruch genommen werden, deren Kosten vielmehr aus den bereits bewilligten Summen für die laufende Unterhaltung bestritten werden sollen, daß dagegen die einmaligen Ausgaben für verschiedene nothwendige Anschaffungen im Ganzen zu 24,71-0 Mk., und die dauernden Ausgaben zu 4200 Mk. jährlich veranschlagt sind. Der Bericht sagt weiter: „Mit Rücksicht daraus, daß die nothwendig werdende Wiederbesetzung des Lehrstuhles der Pathologie den er T h ei l. Anstoß zur eingehenden Untersuchung der Verhältniffe der medicinischen Fakultät in Gießen gegeben hat, und zwar, wie die Regierungsvorlage angibt, dadurch, daß die Verhandlungen zur Gewinnung eines tüchtigen Nachfolgers für den abgehenden Docenten auf erhebliche Schwierigkeiten stießen, welche in den Desiderien ihren Grund halte«, Ne von den in Betracht gezogenen Prr- sönlichkeiten hinsichtlich der Localitäten und der Ausstattung der Universitäts- Klinik gestellt wurden, glauben wir uns grundsätzlich dagegen aussprechen zu muffen, daß die Errichtung von Instituten, Anstalten rc. an der Universität von den Wünschen und Ansichten der einzelnen jeweiligen Docenten abhängig gemacht w'-rd, erkennen vulmchr für die Einrichtung und Ausstattung derartiger Institute nur das wirkliche Becürfniß und die durch dieses Bedürfniß bedingten Schranken für maßgebend an. Wenn wir es auch erklärlich finden, daß ein Gelehrter von Namen nur bann an eine Hochschule sich ziehen laffen wird, wenn an derselben für die nach seiner Ansicht erforderlichen Bedürfnisse der ihm anhertrauten Branchen hinreichend gesorgt ist und daß in dieser Richtung ein solcher Gelehrter die Annahme eines an ihn ergangenen Rufes nach Lage ter Verhältniffe an die Erfüllung von gewtffen Bedingungen knüpft, so darf doch auf dieselben nur insoweit eingegangen werden, als solche die Befriedigung eines wirklichen Bedürfniffes zum Ziel haben. Weiter gehende Bedingungen wären zu beanstanden." Für den vorliegenden Fall erkennt der Ausschuß das vorhandene Bedürfniß vollständig an und beantragt Bewilligung der von der Regierung angeforderten Beträge. Berlin, 26. April. In dem Prozesse gegen die russtschen Studenten Liebermann (genannt Fieemann), Gurewitz und Aronson wegen Störung der öffentlichen Ordnung und Thetlnahme an einer geheimen Verbindung erkannte das Criminalgencht deS hiesigen Stadtgerichts gegen Liebermann und Gme- witz auf eine neunmonatliche, gegen Aronson auf eine viermonatliche ®e» fängnißstrafe. — Dem Bundesrath ging eine Präüdial-Vorlage zu, welche in Vorschlag bringt, die §§ 25 und 35 des Reichs - Beamtengesetzes (die einstweilige Versetzung in den Ruhestand und die jederzeitige Entlaffung betr.) dahin abzuändern, daß dieselben auf die Vorstände und Directoren aller dem Reichskanzler unmittelbar unterstellten obersten Reichsämter Anwendung finden. Berlin, 26. April. Zwischen den Bundesregierungen haben Verhand- lurgen geschwebt über die Stellung, welche der Bundesrath gegenüber der in der Reichstags-Commission nach den Ferien zur Verhandlung gelangenden Wucherfrage einzunehmen haben wird. Diese Verhandlungen sind nunmehr so weit gediehen, daß der Bundesrath in diesen Tagen darüber berathen und sich schlüssig machen wird. Nach den von den einzelnen Regierungen erfolgten Kundgebungen ist nicht zu bezweifeln, daß die Mehrheit des Bundesraths im Prin- cip nut der Ergänzung des Strafrechts durch Einführung einer Strafvorschrift gegen den Wucher in das Strafgesetzbuch oder durch Formulirung eines Spectal- gesetzes sich einverstanden erklären wird. Kesterreich. Wien, 26. April. Abgeordnetenhaus. Der Handelsmtntster erklärte, daß die Verhandlungen mit Serbien wegen des Zollvertrages bald beginnen würden, dock habe Oesterreich als Stäikerer keinen Grund darauf zu drängen. Die beiderseitigen Regierungen hätten sich geeinigt, den Legislativen im Herbste die Gesetzentwürfe in Betreff der Einbeziehung Bosniens und der Herzegowina in das Zollgebiet vorzulegen; ebenso die Gesetzentwürfe in Betreff der Aufhebung der Zollausschüffe, ausgenommen für Triest unb Fiume. Gegen die Türkei würden schon jetzt Zoll-Linien errichtet. Pesth, 26. April. Absonderliche russische Nachrichten bringt der „Pesther Lloyd" aus Berlin. Dieselben lauten: Nachrichten aus Petersburg stellen die Situation in sehr düsterem Lichte dar. In den intelligenten Kreisen herrscht hochgradige Aufregung gegen die Ausnahmegesetze. Die Universttäts- Prosefforen wollen unter dem Säbel-Regime ihre Thütigkeit nicht fortsetzen. Bis jetzt haben bereits 16 Profifforen ihre Demission eingereicht. Man glaubt, die Lehrer an den Gymnasien werden ihrem Beispiele folgen. Es herrscht die Befürchtung, daß eine große Anzahl Volks- und Mittelschulen geschloffen werden müffe. Man hat Besorgniffe, daß im Gouvernement Odessa eine Maffen- Erhebung stattfinden wird. Der Staatsanwalt von Kiew wurde nächtlicherwe le von einer bewaffneten Schaar gewaltsam entführt; die in der Prokuratur vorhandenen Aktenstöße wurden geraubt. Nach einer Untersuchung, welcher der Staatsanwalt unterworfen wurde, geleitete man denselben in seine Wohnung zurück mit dem Bedeuten, daß er demissioniren müsse, widrigenfalls das Executiv- Comite über ihn das Todesurtheil fällen müßte. Arankreich. Paris, 26. April. Prästdent Grery hat heute die Begnadigung von 307 wegen der Jnsurrection von 1871 Verurtheilten vollzogen. — Eine Circular-Note des Minister-Präsidenten und Minister des Aeuhern, Waddington, an die Mächte, in welcher deren Mediation bezüglich der griechischen Grenz- fragen provocirt wird, ist heute abgegangen. — Der „Temps" hat Grund zu glauben, daß der Stand der Verhandlungen zwischen den verschiedenen Mächten e aersettS und mit der Pforte und Griechenland andererseits vor Absendung der Circular Note zu der Hoffnung auf eine prompte Lösung tiefer Frage berechtigte. — Gestern ist Seitens Frankreichs und Englands eine gemeinsame Note nach Egypten abgegangen, worin der Khedwe aufgesordert wird, tii Gemäßheit seiner Verpflichtungen, englische und französische Minister zu ernennen, welche ohne Zustimmung Frankreichs und Englands nicht gewechselt werden dürfen. England. London, 26. April. Ein Brief an die „Times" aus Alexandrien vom 20. d. hebt hervor: Die egyptische Frage sei durch den Berliner Ver. trag ausdrücklich Vorbehalten. Frankreich und England würden es deshalb schwierig fi.iden, Zwangsmaßregeln ohne vorherige Befragung der anderen Signatarmächte zu ergreifen. — „Standard" meldet: Die Pacific-Flotte ist beordert, zum Schutze der britischen Interessen an der Küste von Peru zu kreuzen. London, 26. April. Der Sirike der Kohlengruben-Arbeiter in Durham ist als beendet zu betrachten. Die Arbeiten werden in beinahe allen Gruben am Dienstag wieder ausgenommen. — Die Königin Victoria ist heute Nachmittag hier etngetroffen. Belgien. Brüssel, 26. April. Der „Etoile belge" bestätigt die Nachricht von einem Briefwechsel des Königs mit dem Papste «nd fügt hinzu, es verlaute, der Papst habe dem König geschrieben, er mißbillige den Kamps der Bischöfe gegen daS Unterrichtsgesetz und erlaube den Katholiken, sich dem Gesetze zu unterwerfen. Arrßlaud. Petersburg, 26. April. General'Gouverneur General Gurko verläßt auf rillige Tage die Stadt, da er ganz unvorbereitet hierher berufen ward und unvorbereitet ankam; erst nach seiner Rückkehr vom Lande, wo seine Familie verblieb, wird derselbe die Ausführung seiner Ausgabe vollständig übernehmen. — Die frühere Nachricht der „Nowoje Wremja", daß zur Be- rathung außerordentlicher Maßregeln eine Commission unter dem Vorsitze Walufiff's niedergesetzt sei, ist incorrect. Das Project der provisorischen Gouverneurs lag dem Mtnister-Comlt^ vor. — Die Reise Schuwaloff's über Wien nach London ist nach Versicherung von unterrichteter Sette auf beson- deren Wunsch Schuwaloff's erfolgt, welcher sich vor seiner Rückkehr nach London über die Intentionen der leitenden österreichisch, ungarischen Staatsmänner ortentiren wollte. — Eine Armee-Verordnung für die Garde und die Truppen des Petersburger Militärbezirks bestimmt, daß das Militär von dem i i seinem Besitze befindlichen Waffenvorratbe den betr. Behörden umgehende Meldung zu machen hat, ähnlich wie dieS kürzlich für Cioilpersonen vorgeschrieben wurde. Moskau, 26. April. Der Personenverkehr auf der Bahn Moskau- Brest wird morgen wieder eröffnet, der Güterverkehr spätestens bis zum 30. April. Türkei. Konstantinopel, 26. April. Gerüchtweise verlautet, die bosnischen Notabeln hätten die Absicht, Bosnien in Maffe zu verlaffen und wären bet der Pforte um Ueberwetsung von Ländereien zu ihrer Niederlassung vorstellig geworden. — Vier Bataillone sind nach Kossovo abgegangen. Amerika. , 25. April. Der Senat nahm das Armeebudget an. Telegraphische Depeschen. Wagner- telegr. «orrespondenr-Bureau. Paris, 27. April. Das „Journal des Debats" sagt: Zwischen Frankreich und England ist vollkommenes Einvernehmen über die egyptische Frage hergesteüt; beide Cabinete richteten nach Konstantinopel eine Depesche, worin sie Act nahmen von dem Erbieten der Pforte, den Khedioe abzusetzen und theilten dem Letzteren ihre Absicht mit, sich die Freiheit des Handelns » ach Verletzung der von ihm gegenüber Frankreich und England etngegangenen Verpflichtungen vorzubehalten. Kairo, 27. April. Barrot Bey wurde zum Pascha und Chef des Eabinets des Khedtve ernannt. Paris, 28. April. Der „R6publique francaise" zufolge sind die Mächte in der griechischen Frage völlig einig und werde aller Wahrscheinlichkeit nach kiese Angelegenheit einer Botschafter - Conferenz in Konstantinopel überwiesen werden. Wien, 27. April. Die Festlichkeiten zu Ehren der silbernen Hochzeit der Majestäten wurden mit dem heute bet sehr günstiger Witterung abgehaltenen Festzuge abgeschlossen. Aus dem Festplatze waren alle Tribünen dicht gefüllt. In den Säulenhallen links und rechts vom Katserzelt hatten die Staats Würdenträger, das diplomatische Corps und die Generalität Platz genommen. Das Kaiserzelt selbst war für die Mitglieder des kaiserlichen Hauses reservirt. Um Schlag 11 Uhr erschienen die Majestäten, worauf der Bürgermeister die Festansprache hielt, welche der Kaiser auf das Huldvollste beantwortete. Nach dem Absingen der Feftbymne durch den Männer-Gesangverein zogen sodann die einzelnen Gruppe»» des Festzuges in programmmäßiger Weise vor den Majestäten unter stürmischen Hochrufen vorbei. Die »»ach Hunderitausenden zählende Volksmenge, welche zum Theile schon seit der frühesten Morgenstunde am Platze war, spendete den prächtig kostümirten und m lerischen Gruppe»» den lebhaftesten Beifall. Das Fest endigte um 1 Vs Uhr und verlief in schönster Ordnung, ohne irgend welchen Unfall. Der Entwurf des neuen Gesetzes über die Tabaksteuer ruft in allen Kreisen der Interessenten eine ganz ungeheure Erregung hervor. Derselbe zerfällt bekanntlich in 3 Haupttheile, die Steuererhöhung überhaupt, die neue Licenzsteuer und ferner der Gesetz-Entwurf über Nachversteuerung aller Vorräthe in Deutschland, sowohl an Rohmaterial, wie an Fabrikaten, und gleichgültig wer sie besitzt. Die Steuer- erhöhung wird in erster Linie den Consum gewaltig einschränken und bie Fabrikationsbetriebe, welche nicht mit ausreichend großem Capital ausgerüstet sind, um die erhöhten, bedeutenden Steuersummen baar vorzuschießen, werde»» eingehen, während die Licenzsteuer eine Extra-Belastung eine? jeden Verkäufers vor» Tabak-Fabrikaten, sowie eine eingehende, steueramtliche Controle der Industrie, ihrer Bücher und ihres Betriebes, Washington bedeutet. Diese beiden Momente werde» ganz besonders hart an den Tabakbau in den Bezirken auftretcn, wo eine stark entwickelte Mittel- und Kleiu-Jndustrie ist Angesichts der Thatsache, daß eine übermäßige Belastung die ausgerechneten Emnahinen schmälern muß, bleibt zu wünschen, daß der Reichstag mit der Normirung der Zahlen nicht über das Maß hinausg hen wird, welches die heute in ungehindert freiem Verkehr außerordentlich entwickelte Tabak-Industrie in ihrer Lebensfähigkeit angieifen würde. Der dritte Theil der Vorlage, eine Nachoersteuerung aller Vorräthe, erscheint unseres Erachtens undurchführbar. Zwar bestimmt der Entwurf harte Strafen für die Hinterziehung der Nachsteuer, aber diese Hinterziehung erscheint völlig uncontrolirbar und würde nur auf Denunciationen angewiesen bleiben, denn wie soll Haus für Haus in allen Ecken und in ganz Deutschland thatfächlich controlirt werden. Die rechtliche Seite dieser Frage erscheint noch bedenklicher; denn noch nie hat es unseres Wissens in irgend einem Staate der Welt ein Gesetz gegeben, welches rückwirkende Kraft erhielt. Jeder Consument ist ferner nach drm Entwurf berechtigt, sich nachsteuerfrei 20 Pfd zu halten, alles wird sich versorgen, und jeder Händler und Fabrikant würde mit seinen nachversteuerten theueren Lagern fest liegen, bis diese allgemeinen Vorräthe aufgezehrt wären. Nachoersteuert sollen nun aber auch alle schlechten, unbrauchbaren Fabrikate und alle Fabrikationsabfälle werden; diese haben gar nicht annähernd den Werth der neuen Steuer und hierfür besteht nur die Befugniß, daß der Besitzer das, was er nicht nachzuversteuern wünscht, unter Aussicht der Steuerbehörde, und auf seine Kosten vernichtet; käme dieser Theil des Entwurfes zur Ausführung, so gingen Millionen an Capital durch Object-Vernichtung verloren, und Tausende von Interessenten kämen in Concurs, weil sie die Nachsteuer Summe nicht aufbrmgen können. Begreiflicherweise herrscht gerade gegen diesen Theil des Entwurfs die größte Erregung und Massen von Petitionen strömen in den Reichstag. An der Spitze der Agitation in Deutschland steht eine große Vereinigung von Handelskammern, welche neben anderen Schritten eine Deputation nach Berlin sendet, um während den Verhandlungen persönlich Einfluß auf diese zu suchen und auf die außerordentliche Tragweite solcher Maßnahmen mit größter Energie hinzuweisen. Alle Provinzen bilden Vereinigungen, um sich auszulehnen, auch in Breslau wird demnächst eine große Versammlung aller schlesischen Interessenten stattfinden. Angesichts der unabweisbaren Nothioendigkeit, daß alle Fabriken sofort zum größten Theil den Betrieb auf geraume Zeit einzustellen und damit Hunderttausend Arbeiter kein Brod hätten, sowie mit Rücksicht auf die Gefährlichkeit, einen Präcedenzsall für Gesetze mit rückwirkender Kraft zu schaffen, wäre eine einstimmige Ablehnung vor Allem der Nachsteuer dringend zu wünschen und während dann die ve, steuerten Vorräthe aufgearbeitet werden, findet das neue Gesetz einer Erhöhung der Steuer mindestens einige Zeit, sich vorzubereiten und die Capitalien, welche andernfalls zur Vernichtung kommen, können verwerthet und dem Nationalvermögen erhalten werden.___ Lokales. Gießen, 28. April. Gestern wurde in Nidda ber 34. Turntag des Gaues abgehalten Es ergab sich eine Mitgliederzahl von circa 2(/0", mit 23 Vereinen für den Gau; es wurde beschlossen den diesjährigen allgemeinen deutschen Turntag, welcher am 27. und 28. Juli in Berlin stattfindet, durch einen Vertreter zu beschicken Das Gaufest wird Anfang Juli d. I. in Nidda abgehalten werden. Der Verein Homberg a. d. Ohm wurde in den Gau ausgenommen. — Am Freitag wurden in einem Hause am Schiffenberger Weg diverse Kleidungsstücke sowie eine Taschenuhr entwendet. Der That verdächtig soll ein Seiltänzer sein. Mangel an Vorsicht der Hausfrau durfte den Diebstahl begünstigt haben. — Am Samstag Mittag wollte einer der Handwerksburschen, welche in der Retter'schen Herberge letzthin den groben Unfug verübten, dem Gerichtsdiener, der ihn vorführen sollte, entspringen. Es gelang jedoch noch den Flüchtigen einzuholen und dingfest zu machen. — Verschiedene Ruhestörer welche in der Nacht vom Samstag auf Sonntag in der Neustadt etwas zu laut exercirten und commandirten wurden abgefaßt. — Dasselbe Schicksal ereilte auch heute Nacht noch diverse Herren, nur mit dem Unterschiede, daß drei derselben in die Sandgasse marschiren mußten. — Heute Morgen entstand durch Unvorsichtigkeit in einem Hause in der Wallthorstraße ein Gardinenbrand. Vermischtes. ** Indianer in Frankfurt am Main. Nachdem bereits einzelne Gruppen von Lappländern und Negern in unseren zoologischen Gärten ausgestellt gewesen sind, bringt in der nächsten Woche die rühmlich bekannte Thierhandlung von Reiche in New-Aork und Alfeld, deren Reisende zu gleicher Zeit mit Tbiertransporten aus Nubien und vorn Cap der guten Hoffnung unterwegs sind, eine Gesellschaft Rothbäute aus Canada, um sie in Deutschland an verschiedenen Orten auszustellen. Die Gesellschaft ist mit allem Gerath ihrer Heirnath ausgerüstet worden, um ihr eigcnthürnliches Thun und Treiben vorzuführen; sie bringt Pferde mit, um auch die berühmten indianischen Reiterkünste zu zeigen, und führt mit sich die Waffen für Jagd und Krieg u. J. w. Die Gesellschaft besteht aus 10 Personen verschiedenen Geschlechts und Alters und gehört zu der großen Indianer-Gruppe der Jrvkescn, welche als Völkerbund, aus der Horde der Senekae, Cayuga, Onondago, Oneida und Mohawk bestehend, Canada bewohnen. Die Ankömmlinge, welche zuerst im zoologischen Garten zu Frankfurt am Main auftreten werden, bieten nicht nur wichtiges Material für die anthropologisch- Wissen schäft, sondern auch reiche Belehrung für jeden Gebildeten, der sich für die Lander und Völker des Erdballs interessirt. Aber auch Jeder, der Schilderungen der Rothhäute und ihrer Gewohnheiten gelesen hat, wird mit Vergnügen die Gelegenheit wahrnehmen, Angehörige dieses Volkes einmal zu sehen und besonders muß es für die Jugend erhebend und belehrend sein, den Gestalten, die ihrer Phantasie durch die weltbekannten Lederstrumpf'Erzählungen und andere Schriften nahe gerückt worden sind, auch einmal in Wirklichkeit verkörpert zu begegnen. Dillenburg, 23. April. Während schon seit einiger Zeit von einzelnen Eomites, so namentlich von dem Ausstellungs- und Verloosungscomite, eine erfolgreiche Thätigkeit in Bezug auf die mit der Generalversammlung der Nasi. Gewerbevcreine im Juni d. I dahier stattfindenden Veranstaltungen entwickelt worden ist, hat sich gestern Abend auch der Festausschuß durch Cooptation erweitert und wieder in verschiedene Subcomites einqetheilt, so in ein Ordnungs-, DecorationS-, Musik-, Wirthschafts- und Wohnungs-Comite. Die Generalversammlung der Gewerbevereine dürfte sich nach allen Vorzeichen babier wieder zu einem Feste gestalten, das in seinen einzelnen Thellen, wie im Ensemble, früheren ähnlichen Veranstaltungen Dillenburgs nicht nachstehen wird. Die gleichzeitig stattfindende Ausstellung gewerblicher Gegenstände wird nach den vorliegenden Anmeldungen so zahlreich beschickt, daß der ursprünglich dafür in Aussicht genommene Raum (die hiesige Rcitbahns kaum zur Hälfte ausreicht und noch weitere Räumlichkeiten hinzugenommen werden müffen. Die Nachfrage nach den Loosen für bie Ende Juni stattfindende Verloosung von Ausstellungsgegenständen ist eine sehr lebhafte. Da bei einem Einsatz von 50 Pf. pro Loos auf je 2o Loose nahezu em Gewinn kommt, und außer einer großen Anzahl von Gewinnen zu 200, 100, 50, 25 bis herunter zu 5 Mark die kleinsten Treffer nicht unter 3 Mark Werth erzielen, so sind die Gewinnchancen dieser Verloosung, deren ganzer Loosertrag den Gewinnern nur unter Abzug der Kosten- zu Gute kommt, gewiß sehr günstige zu nennen. In der sich an die Comitesitzung anreihenden Generalversammlung wurden die Depulirten zu den Verhandlungen der Hauptvlrsammlung gewählt und zwar die Herren: Dr Speck, Lehrer Vogt, Kreissecr. Hoof, Bürgermeister Schäfer, Schreiner Krauskopf, Buchdrucker Weidenbach zu Abgeordneten; die Herren. Dr. Braun, Tüncher Gräf, Kaufmann Laparose, Lehrer Prcsber, Buchhändler Scel und Architekt Werschy zu Stellvertretern. Der Kaiser und seine Soldaten. Aus Hetzerath wird geschrieben: Der Pro- vinzial-Straßen-Aufseher Ackra dahier hat I I Kinder; 7 Söhne und 4 Töchter. Die tt älteren Söhne dienen im deutschen Heere auf Avancement und sieben in wett von einander entlegenen Garnisonen und bei verschiedenen Waffen: zu Trier, Küstrin Straßburg, Ludwigsburg, Wiesbaden und Saarburg (Lothringen). Der Wunsch, in ihrem hohen Alter all ihre Kinder noch ein Mal beisammen zu seben, und die Schwierigkeit, dies durch Einzelurlaub zu bewirken, veranlaßte die Eltern, Seine E^cellenz den Kriegsminifter zu bitten, für ihre sechs Söhne einen gleichzeitigen 14tägigen Urlaub zu veranlassen. Dem Bittsteller wurde der unten mitgetheilte Bescheid, der nicht nur Erfüllung der ganzen Bitte versprach, sondern auch noch ganz unerwartet ein bedeutendes Reisegeld gewährte. Die sechs Söhne sind in Hetzerath etngetroffen und wurden am Osterfeste in ihren mannichfaltigen Parade-Uniformen, ihren greifen Vater in der Mitte, überall freudig brgrüßt. Das Schreiben des Kriegsministers lautete: Berlin, den 15. ärz 1879. Es gereicht mir zur Freude, in Erwiderung auf die Eingabe vom 6. d. mit tbcilen zu können, daß auf Befehl Sr. Mas. des Kaisers und Königs die betreffenden General- Eommando's veranlaßt worden sind, Ihren, in der preußischen Armee dienenden 6 Söhnen Urlaub vom 5. bis 25. April d. I zu ertheilen. Rücksichtlich Ihres im XIII. königlich württcmbergischen Armee-Corps dienenden Sohnes ist dem General-Commando dieses Armee- Corps eine Mirtheilung hievon gemacht worden Es darf erwartet werden, daß auch von diesem Ihr Wunsch erfüllt werden wird, wenn nicht besondere Hindeiungsgründe entgegcnstehen. Zugleich füge ich in Folge Allerhöchster Bestimmung zur Bestreitung der Eisenbahnkosten dieser M 15,— 8,20 12,— 14,- 10,50 26,80 30,40 14,60 388,0 (2785 empfiehlt irjtt rie -ieidungsfiülke fern. Mangrl an n bei Attter'jchm i »erführen sollte, ,u machen. if Sonntag m bn Dafielbe SchiKal \ drei bnjtlbtn in ter ÄaHorüraKr Folgende französische Delicatessen sind eingetroffen, als : "Variantes (Mixed pikels von Gemüsen und Früchten), Oliven von Nizza in Salzwasser, Püree de tomates (Paradiesäpfel), Cretes de coq. (Hahnenkämme), Rognons de coq. (Hahnennieren), kleine grüne Tafel-Essig-G-ürkchen, kleine weisse Essig-Zwiebeln, aromatischer Tafel-Essig, doppelt rectificirt, Jflurt abgihalten im für tfn 0au; am 27. und 28. fest »rtD Infang Petita pois extra ä la Vatel (kleinste hochgrüne Tafelerbsen, in Büchsen, in 4 Qualitäten), Champignons ä la Lu.CU.llus, in Wasser, Champignons in Estragon-Essig-, Mock Turtle SOUP, Real-Turtle Meat (Schildkrötenfleisch), und empfiehlt solche die Delieatessen-IIandhing von Carl Schwuab« Speisebohnen 20—24, Linsen 24—30 X Kartoffeln JL 6 50—7. Es kostete Ochsenfletsch per $fD. 65—-0 ^>, Kuh-, Rind- und Farrenflersch 50—60 Hammelfleisch 48—65 Kalbfleisch 5'>—65 Schweinefleisch 56—70 Dörrfleisch — H, Schinken — ausqebetnt — bis — JL, Fleischwurst 70-80 H, Hausmacher Leberwurst, Preßkopf, Schwart- maacn, Zungenwurst 80—90 , gewöhnliche Leber unv Blutwurst 5j-6O Geflügel: Hahnen X 1.70—2, Hübner X —, Enten JC. Poularden X 4, Schnepfe« X —, Tauben 50 Hechte 90 H, Karpfen 80 Scbleien — Cabliau — Schellfische — Ä Sols das Pfo. X —• Eier das Hundert deutsche X 4.50, italienische 5.40. Heu- und Strohmarkt gut befahren. Heu kostete je nach Qualität per Cenlner X 2—3 Stroh X 2-2.30. ________________________________ Maurerarbeit an den Schulgebäuden, veranschlagt zu Zimmerarbeit daselbst, veranschlagt zu Dachdkckerarbett daselbst, veranschlagt zu Schreinerarbett daselbst, ver- avfcblagt zu Schlosserarbett daselbst, veranschlagt zu Weißbinderarbelt daselbst,veranschlagt zu Maurerarbeit am Backhaus, veranschlagt zu Schlofierarbeit daselbst, veranschlagt zu Steinltesern, Setzen und Schlagen der Wegunterhaltungssteine, veranschl. zu Chaussirarbett mit Material- Arbeitsversteigerung. Donnerstag den 17. Mai, Vormittags 10 Uhr, sollen im Gemeindehaus zu Reiskirchen nachstehende Arbeit» n öffentlich wenigst- nehmend in Accord gegeben werden: «X lteserung in der neuen Ortsstraße, veranschl. zu 466,20 Pfiasterarbett mit Materiallieferung das., veranschl. zu 157,50 Reiskirchen, am 26. April 1879. Großh Bürgermeisterei Reiskirchen. 2931) I. A.: L. Hahn. Bezirksbauaufseher. Handel und Verkehr. Äranffurt, 26. April. (Marktbericht.) Butter im Großen 1- Qual. Jl. 1.5-10, -> oj 1 im Detail 1 Qual. JL 1.20, 2. Qual. X 110, Handka?e das Pfund 1 ' G^nze Erbsen stellten sich per 100 Kilo auf JL 22—24, geschälte Erbse^^24—26^ Bekanntmachung. 2915) Unter Brzugnahme auf di« Art. 34 und 35 des Berggesetzes rom 28. Januar 1876 wird hierdurch zur öffeniUchen Kruntniß gebracht, daß Lerr Louis Petri II. ju Gießen unterm heutigen Taze nut dem Eisen, «ibergweike „Ederstadt I" in der Gemarkung Eberstadt, Kreises Gießen, mit einem Felde von 566875 Quadratmetern belieben worden ist. Etwaige Einwendungen gegen diese Verleihung müssen bei Vermetoung des Verlustes des Vorzugsrechtes binnen drei Monaten durch gerichtliche Klage gegen den Berawerksetgenthümer geltend gemacht werden. Während dieser Frist ist Die Ansicht des Situattonsriffes bei der Bergmeisterei Gießen Jedem gestattet. Darmstadt, den 19. März 1879. Großh. Gber-Zorst- und Domänen -Direction, Berg-Mheilung. Bose. Tecklenburg. 2815) Mit Beginn der Schulen eröffne einen Rachhnlscunterricht für Schüler und Schülerinnen, wozu Anmeldungen jederzeit entgegennehme. Lehrer "W. Flaut. Holzverfteigcrung in d^r Mrftl. Oberförsterei Hohensolms. Montag den 3. c. feü in den D'strictm „Psaffenmark und „Annrwald" nachst.hendes Gehölz versteigert werden: 66 Statt. Buchen - Prugelhvlz. 38 „ „ Stockholz. 5150 Wellen - Foistreiser, 1. Ci. 4800 „ „ ■■ 2®* Die Versteigerung beginnt Morgens 9 Uhr im District „Psasfenmark" aus dem Hirsch köpf und wird dieselbe Mittags 1 Uhr un Distr i-l Annewald" fortgesetzt. (2918 Hohensolms, am 26. April 1879. Fürstliche Oberförster-, Hohensolms. Dörmer, Rev'erförst-r.^ _ Mittwoch den 30. April, Nachmittags 2 Uhr, sollen im Psandlocalc 1 goldene und - silberne Taschenuhren, uersch'edeneKlechung^ stücke und ein lederner Koffer öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 28. April 1879. Großh- Ortsgericht Gteßen. 2929) Müller. ^«b.n „füllte 'chlnalcrn I-dr aUje uiheres fe E ^tar*e' feinstes Kugelblau (los) „ „ (im Carlon) empfiehlt (2921 Robert Stuhl, Markistr. 23. nt -nippen von il, bringt in der Z,rl und llftto. m L« tn gutrn DiutsLlanb an n hrmath anige- Vnn^t Pfade mit, ni die ffiajftr. tut iiftmtn Äkichieänb 4. ale Bölketbund, dkstebenb, Kanada Krankfurt am »pologii^ W" Länder und Lv^r tute und ihr« W- |n9f ri8