Dienstag, den 27. Mai 1879 vtr. 121 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. izel (1 n« Röcken, 0 ea überen ’plüi' Ü 0 0 Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. ÜJ 0 [1863 0 ,, Parthi- wf* "Li er. «*; ;r Vorstand- »on Rußland am 9. Juni zu einem Aufenthalt von 4 bis 5 Tagen hier ein- Derselbe wird von den drei jüngsten Großfürsten begleitet sein und dem Herzog und der Herzogin von Edinburgh hier ein Rendezvous geben. Sämmtltche russischen Gäste würden im russischen Botschaftshotel abstetgen. — Gegenüber der Behauptung der „Nat.»Ztg.", daß bet Gütern am Rhein, welche der Reichskanzler als mit 20 und mehr Procent ihres Einkommens belastet aufführte, die Einkommensteuer einmal überhaupt zu niedrig veranlagt, dann die Wohnung und Nahrung des Besitzers bei der Veranlagung nicht berücksichtigt sei, ist der „Reichs-Anz." in der Lage, aus Grund vorliegender Register zu erklären, daß die von dem Reichskanzler angeführte» Güter ausnahmslos nicht von dem Etgenthümer bewohnt werden und eine zu niedrige Veranlagung nicht wahrscheinlich ist, da auch die für die Gemeindezuschläge maßgebende Einkommensteuer durch Genoffen in der Gemeinde mit einiger Sicherheit controlirt werden kann. Berlin, 24. Mat- Der Kaiser empfing heute Nachmittag um 4J/2 Uhr den Präsidenten des Reichstages, v. Seydewitz, und den Vicepräfidenten v. Franckrnstein. Würzburg, 24. Mai, Abends. Das Militärgericht verurtheilte den Lieutenant Schenk v. Geyern wegen 66 verschiedener Mißhandlungen ihm untergebener Soldaten zu 2 Jahren Festung "und Dtenstentlaffung. Kisfingen, 24. Mai. Herzog Ernst von Sachsen-Koburg ist heute zum Besuche des Kronprinzen des deutschen Reiches eingetroffen. Dresden, 24. Mat. Fürst Alexander von Bulgarien ist heute Vormittag hier eingetroffen und stattete dem Könige und der Königin seinen Besuch ab. Derselbe ist um 6 Uhr Abends nach Berlin weitergereist. Stuttgart, 24. Mai. Großfürst Michael, der Bruder der Königin, ist hier angekommcn. Rußland. Petersburg, 21. Mai. Die Nachrichten von größeren Feuersbrünsten aus verschiedenen Gegenden des Reiches mehren sich. Aus der Warschauer Gegend wird ein Feuer gemeldet, welches ziemlichen Schaden anrichtete, und auch hier tn Petersburg brach vorgestern Mittag ein größeres Feuer aus, von dem man, weil es zuerst in einer Scheune auskam, annehmen will, daß es angelegt worden sei. Die vorzügliche Petersburger Feuerwehr wurde indeffen bald des Brandes Herr und das zunächst bedrohte Mtlitärhospttal auf der Orenburger Straße konnte erhalten werden. Aus dem Innern dagegen meldet man den russischen Blättern, das Feuer in Orenburg sei nicht durch Brand» Deutschland. Berlin, 23. Mat. Die Zahl der Petitionen, welche bis zum 5. d. M. bei dem Reichstage in Bezug auf die Tabokssteuervorlage eingegangen waren, beträgt 245, und von diesen, welche theilwetse mit mehreren Tausend Unterschriften bedeckt sind, find nur sieben für eine Zolleinsührung resp. für Einführung des Monopols. Unter denjenigen Petitionen, welche gegen die in Aussicht genommene höhere Belastung petittontren, finden sich 21 Petitionen von städtischen Behötden, Handels- und Gewerbekammern, und 6 Petitionen von politischen Vereinen und Versammlungen. In der letzten Woche ist noch eine große Anzahl von neuen Petitionen eingegangen, darunter eine aus Mannheim mit über 11,000 Unterschriften, eine Petition aus Posen und Westpreußen, welche Unterschriften aus etwa 50 Gemeinden trägt, eine Petition aus Sachsen mit gegen 1900 Unterschriften. Bis zum 5. d. M. betrug nach einer Zusammenstellung der Frankfurter Centralstelle des Tabaksintereffenten-Comtt^s die Ziffer der Unterschriften rund 36,000. — In der Commission für die Wucherfrage gelangte die Discussion über die Definition strafbaren Wuchers zum Abschluffe. Mit überwiegender Majorität nahm die Commission den Vorschlag des Abg. Dr. v. Schwarze an. Dieser Vorschlag lautet wie folgt: „Wer unter Ausbeutung der Noth- lage, des Leichisinns oder der Unerfahrenheit eines Andern für ein Darlehen oder aus Anlaß der Stundung einer Geldforderung sich oder einem Dritten Vermögensvortheile versprechen oder gewähren läßt, welche den üblichen Zins- suß dergestalt überschreitm, daß nach den Umständen des Falles die Ueber- schreitung im auffälligen Mißverhältniffe zu der Leistung steht, wird wegen Wuchers mit — bestraft. Berlin, 24. Mai. Der Kaiser hat in den letzten Tagen fast täglich die Vorträge der höchsten Hosbeamten entgegengenommen, stets tn Angelegenheiten der Goldenen Hochzeits-Feierlichkeiten, die sich nun einmal nicht eiudäm- men lasten wollen. So wird nun auch der König von Sachsen erscheinen und der Prinz Wilhelm von Württemberg nebst Gemahlin; in Folge besten will auch der sieben Male unserem Hose verwandte und verschwägerte König der Niederlande mit G'mahlin Herkommen, so daß ungeachtet aller Anfangs ge- saßten Absichten und Pläne voraussichtlich tn 3 Wochen hier doch ein Zusam- menfiuß von Fürstlichkeiten sich einfinden wird, wie ihn in der Art se bst die Tage der Dret-Kaiser-Zusammenkunft Berlin kaum gebracht haben. Dazu sind schon heute die Hotels fast besetzt, so viele Mitglieder von Deputationen, Fremde, Neugierige wollen am 11. Juni hier anwesend sein. M 3000000 Hesterreich. Wien, 24. Wat. Die „Polit. Corresp." meldet aus Philipxvpel vom 24. Mat: Die neuesten Umtriebe der Intransigenten bezweckten die Vkr- binderung der Jnstallirung Aleko Pascha's. Die besonnenen Bulgaren im Verein mit dem Neffen Aleko Paschals sind jedoch bemüht, diesen Tendenzen kräftig entgegenzuwtrken. — General Obrutscheff ist über Burgas nach Linadta abgereist. — Dieselbe Correspondenz meldet aus Athen: Zwischen den Cabi- neten von London und Parts findet ein lebhafter Meinungsaustausch über das Verlangen Griechenlands statt, daß die Verhandlungen in Konstantinopel nur aus Grund des 13. Berliner Protokolls geführt werden sollen. — Der General-Gouverneur von Kreta, Photiades, hat seine Demission gegeben. Pesth, 24. Mai. Im Unterhause interpellirte Helfy wegen der Vorlage in Betreff der Convention mit dec Türkei. Tisza sagte zu, die Interpellation tn der nächsten Woche zu beantworten. Kngkand. London, 24. Mai. Die „Times" meldet: Dem afghanischen Friedensvertrage zufolge behandelt England die Thäler Khurum, Sibi und Pischni als übertragene vnd nicht annectire Gebiete und führt den Ueberschuß der Einkünfte an den Emir ab. Demselben sei vorbehaltlich einer stricten Ausführung des Vertrages eine Jahressubstdie von 120,000 L. garantirt. — Die deutsche Kaiserin reiste gestern Abend ab und übernachtete in Dover. Dieselbe setzt ihre Reise heute Morgen fort. London, 24. Mai. Unterhaus. Fortsetzung der Debatte über das indische Budget. Im Laufe der Debatte empfiehlt Lowe die Einführung von Papiergeld, um die durch die Entwerthung des Silbers verursachten Verluste zu verhindern. Hamilton betonte die Schwierigkeiten, welche die Einführung von Papiergeld verursachen und die das Silber noch mehr entwerthen würde, während die Erhöhung des Silberwerthes wünschenswerth sei. Die Budget- Debatte wird sodann vertagt. Die Bill, welche die Regierung ermächtigt, eine Anleihe von 5 Millionen für Indien aufzunehmen, wird hierauf tn erster Lesung genehmigt. — Das „Reuter'sche Bureau" meldet aus Eopetown vom 8. Mai: Die Vorwärtsbewegung der britischen Truppen in das Zulu-Land beginnt in einigen Tage,'. Oberst Wood ergreift die Offensive, sobald General Chelmsford in Kambula angekommen ist. Im Lager von Jnyesane befinden sich viele Kranke. “C Aussicht :tUne men. Wchener HWeiger ANM- Mb Amtsblatt fit bk» Kreis sich». RedaetionSbureau r 1 D Expedilionsbureaur J Schulstraße B. 18. Q . Berlin, 24. Mai. Reichstag. Bei der Wahl des ersten Vicepräsidenten werden abgegeben 301 Stimmzettel, darunter unbeschriebene 103, bleiben 198 gültige. Hiervon erhielten Freiherr v. Franckenstein 162, Völck 23, v. Benda und Lucius je o, Beseler 2, rienff» v. Bernuth, v. Kardorff, Graf Berhusy-Huc je 1 Stimme. Freiherr v. Franckenstein ■ UVB* ist somit gewählt. Derselbe nimmt die Wahl dankend und mit der Zusicherung gerechter i i UnAhmef und unparteiischer Geschäftsführung an. — Die Berathung der Denkschrift über die n und ADliem* ber Anleihegesetze wird für erledigt erklärt und die Zusammenttellung der Liquidationen über die gesetzmäßig aus der Kriegs-Contribution zu', ersetzenden Beträge, n sowie der Bericht der Reichsschulden-Commission werden an die Rechnungs-Commission l pren Hause/- „erwiesen. Bei der darauf folgenden Berathung über den Nachttags-Etat wegen Ankaufs iourlen Möbeln, ber Reichsdruckerei wird der Entwurf nach unerheblicher Debatte ttotz des Widerspruchs lSteriC11 .. zU bis General-Postmeisters an die Budget-Commission verwiesen. Rosetten vH,. Das Haus fährt darauf in der zweiten Berathung der Tarif-Vorlage fort. Bei nu Position 9 (Getreide und andere Erzeugnisse des Landbaues) rechtfertigt Abg. Rickert feinen Antrag wegen der zollamtlichen Behandlung des für die Durchfuhr deklarirten Getreides, kritisirt die Ausführungen des Reichskanzlers über den russischen Getreide- Import und den Getteidehandel der Ostseehäfen und behauptet, der russische Getreide- -hnpoTt werbe auf russische Häfen abgelenkt, der Getreidehandel der Ostseehäfen ruinirt ö(Tben — Fürst Bismarck, der im Verlaufe der Rede des Abg. Rickert eingetreten ist, bemerkt: Der Bundesrath habe bereits in dieser Sache die Befugniß, Erleichterungen für den Transit eintreten zu lassen. Die Mehrheit des Reichstags habe gewiß das Zutrauen zu dem Wohlwollen und der Gerechtigkeit des Bundesraths, daß derselbe aeaebenen Falles eintreten werde. Schwerlich aber würde er sich gesetzlichem Zwange süaen. Jedenfalls würde es einer Revision der Zollgesetzgebung von 1869 bedürfen, wozu er, der Reichskanzler, zu seinem Theile die Hand bieten werde Dagegen müsse rr sich wiederholt dagegen erklären, daß die Transitfrage bei dieser Gelegenheit erledigt und in der Tarif-Commission verhandelt werde. Man sollte doch hier wie bei dem Mnzen Tarife den sinanziellen Schwerpunkt nicht außer Augen lassen. „Ich beabsichtige, den verbündeten Regierungen die Mittel zur Entlastung der Einzelstaaten und der Gemeinde zuzusühren; woher aber soll ich diese Mittel nehmen, wenn ich bei jedem Kinanzzoll Schwierigkeiten finde? Die verbündeten Regierungen werden sich jedenfalls men müssen, daß sie in jeder Beziehung ihre Schuldigkeit gethan haben." — v. Kardorff wünscht, man solle über die Anträge zur Tagesordnung übergehen. Delbrück begründet seinen auf Erleichterung des Transit-Getreides gerichteten bezüglichen Antrag, welcher das Zollverfahren wieder Herstellen soll, wie dasselbe in den sechsziger Jahren maßgebend gewesen sei und soweit es den bestehenden Gesetzen nicht widerspreche. Die geforderten Erleichterungen seien im Interesse des Handels der Ostseestädte unentbehrlich. — Bundes-Commissär Burchardt spricht sich gegen beide Anträge (Rickert und Delbrück) aus. Das Princip der Identität der Waare müsse aufrechterhalten werden. Vertauschungen wären ungesetzlich. Man möge die Ent- ickeiduna über Erleichterungen dem Bunbesrathe überlassen. An ber weiteren Debatte nekiinen Graf Stolberg, Ruppert Theil, welche für bie von ihnen gestellten Anträge lvrechen sowie Bamberger, Stauby unb Schalcker. Der Antrag Staudy und (5rf)Iie^; Ln au Verwlisung derÄnträge Rickert und Delbrück an die Tarif-Commission wird anaenommen- der Antrag Stolberg auf Annahme einer inotmirten Tagesordnung ist dadurch beseitigt. — Fortsetzung der Debatte Montag 12 Uhr. Berlin, 24. Mai. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge trifft der Kaiser Pistung, sondern in Folge der ganz außergewöhnlichen Dürre entstanden. So schreibt man aus Orenburg a. A. dem „Nowostt" : „Die Noth hat nicht nur noch nicht ihr Ende erreicht, sondern es tfl ein Ende auch noch nicht abzusehen. Seit dem 16. April herrscht eine schreckliche Dürre bei furchtbaren Steppenstürmen von fast überirdischer Gewalt. Dazu kommen die aufeinanderfolgenden Feuerschäden, so daß man wohl sagen darf: noch einige solche Tage, und Orenburg ist von der Erde verschwunden. Fast alle Stadttheile sind bereits vom Feuer heimgesucht worden und haben die Hälfte ihrer Gebäude verloren. Am 26. April brannte ein ganzes Viertel von dem nach dem ersten Brande in der Nr. 101 Sloboda übrig gebliebenen Theile nieder. Am 30. April wiederholte sich in der sog. Kosaken-Vorstadt das grauenhafte Bild des Brandes vom 16. April. Bet einem furchtbaren Sturme brach das Feuer am äußersten Ende der Vorstadt aus und in 2 bis 3 Stunden waren mehr denn 100 Häuser ein Raub der Flammen geworden. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Pulverkeller vom Feuer bedroht, konnte jedoch glücklicher Weise gerettet werden. Der General-Gouverneur leitete persönlich die Rettungsarbeiten; er konnte zuletzt vor Erschöpfung sich kaum aufrecht erhalten und mußte nach Hause geführt werden. Am 1. Mai wurde die Hälfte der Staraja-Sloboda so zu sagen von den Flammen weggefegt und heute (am 2. Mai) ist in dieser Sloboda abermals Feuer ausgebrochen. Die Feuerschäden, welche gleich beim Beginn erstickt werben konnten, sind zu zahlreich, um sie auszuzählen. Die Noth ist so groß, daß selbst die kaltblütigsten Menschen ihren Kopf verloren haben. Das sinnlos gewordene Volk verhaftet fast täglich vermeintliche Brandstifter und schleppt dieselben aus die Polizei und zum General-Gouverneur. Es ist jedoch mit Bestimmtheit anzunehmen, daß hier nicht Brandstiftungen vorliegen, sondern daß die Ursache der Brände in der anhaltenden Dürre und den furchtbaren Stürmen zu suchen ist. Als Beweis dafür kann der Umstand dienen, daß das Feuer stets am Vormittag, zu einer Zett, wo die Speisen zum Mittag zubereitet werden, ausbrtcht. Nicht allein Orenburg, sondern das ganze Gouvernement wird in diesem Jahre vom Feuer heimgesucht; es bren- neu Dörfer und Wälder, das Getreide wird von den Feldern fortgeweht und die Flüsse und Seen (?) trocknen in Folge der Dürre und der furchtbaren Stürme aus." Petersburg, 24. Mat. Der „Regierungsbote" meldet aus Livadia vom 23. d.: Der außerordentliche Gesandte des Sultans, Namyk Pascha, ist gestern hier eingetroffen, vom Kaiser in Audienz empfangen und zur Tafel gezogen. Heute Abend reist derselbe nach Konstantinopel zurück. Flurnamen. Bukarest, 24. Mai. Gutem Vernehmen nach werden die Verhandlungen wegen des Ueberganges der rumänischen Eisenbahn an den Staat nach Beendigung der Wahlen hier wieder ausgenommen. Kriechenland. Athen, 24. Mai. Bet Phanart tn Theffalten hat ein Zusammenstoß zwischen griechischen Insurgenten und türkischen Soldaten stattgefunden. Der Anführer der Insurgenten, Sachioti, und etwa 60 Insurgenten wurden getödtet. Türkei. Konstantinopel, 23. Mat. Ein der Regierung zugegangeneS Telegramm des Militärcommandanten von Lartffa meldet: Ein türkisches Detachement von 46 Mann fiel in einen Hinterhalt griechischer Räuber und verlor 14 Todte. Eine spätere Recognoscirung an Ort und Stelle ergab die entsetzliche Verstümmelung der Leichen der Gefallenen. Philippopel, 24. Mai. General Stolypine versuchte, um die Stadt vor der Ankunft Aleko Pascha's verlaffen zu können, einen Ausschuß von Eingeborenen zu bilden, welchem er provisorisch die Regierung übergeben könnte. Er tourbe. aber von der russischen Botschaft in Konstantinopel neuerdings angewiesen, die Ankunft des neuen General-Gouverneurs abzuwarten. Jeder Tag der Verzögerung tn dem Eintreffen des Letzteren macht die Lage bedenklicher. General Obrutscheff ist nach Burgas abgereist. Telegraphische Depeschen. Wagner'S telegr. Korrespondenz-Bure«rr. Berlin, 25. Mai. Fürst Alexander von Bulgarien ist gestern Abend hier eingetroffen und wird heute Mittag 12 Uhr von Sr. Maj. dem Kaiser empsanaen. Nachmittags 5 Uhr findet zu Ehren des Fürsten Hoftafel statt. Kiew, 25. Mai. Ueber den an 12. Mat hier verhandelten politischen Proceß theilt das Journal „Kyewski Gubernsky Wedomofti" folgende Details mit: Vor dem Kriegsgericht erschienen 14 Personen, darunter der preußische Unterthan Ludwig Brandtner, einige Edelleute, sowie Mädchen und Frauen aus den höheren Ständen. Die Anklage lautete auf Theilnahme an einer verbotenen Gesellschaft zum Zwecke des Umsturzes der Staatsordnung. Brandtner und zwei andere waren außerdem des bewaffneten Widerstandes gegen Polizeibeamte angeklagt. Zvei Angeklagte wurden freigesprochen, Brandtner und ein Unbekannter, welcher sich Antonoff genannt, zum Tode durch Erschießen verurthetlt, die übrigen zum Verluste der Ehrenrechte und Zwangsarbeit von 4 Jahr bis 14 Jahr 10 Monat. Berlin, 25. Mai. Die Taris-Commission des Reichstages berieth heute den Gesetzentwurf, betr. die provisorische Einführung von Zöllen (Iperr- gesetz). v. Bennigsen beantragte, daß die Retchsregierung Sperrungsmaßregeln bezüglich auf Wein, Tabak und Roheisen schon vor der zweiten Lesung anordnen dürfe. Die Commission nahm Benuigsen's Antrag hinsichtlich des Weins und Tabaks an, lehnte denselben aber mit Stimmengleichheit bezüglich des Roheisens ab. Minister Hofmann hatte als Gegenstände, für welche die Regierung die provisorische Einführung der Zölle wünsche, bezeichnet: Roheisen, Specereten, Consumtibtlim, Mühlenfabcikate, Trbak, Thee, Zucker, Kaffee und Petroleum. Petersburg, 26. Mai. Berichten aus Charkow zufolge sind die Erndte-Aussichten tn Südrußland vortrefflich. Salonichi, 25. Mai. In einem Theile der muselmännischen Bevölkerung der Provinz Novibazar und Albaniens gibt sich anläßlich der Convention mit Oesterreich noch immer eine gewiffe Aufregung kund. Die Regierung zeigt jedoch Energie und wird von den Notablen unterstützt. Ja Novibazar fand ein Conflict zwischen Baschi-Bozuks und türkischen Soldaten statt, wobei 3 der Letzteren getödtet wurden._____________________________________ Eingesandt. Herr Rich ard Mohr mann aus Nossen in Sachsen hat sich durch die reelle Art und Weise seines Auftretens, sowie durch den glücklichen Erfolg seiner Kuren die volle Gunst des Publikums erworben, umsomehr, da er nicht wie viele Andere, alle Krankheiten zu heilen, ausposaunt, sondern sich lediglich auf dieses sein Special-Fach beschränkt, so daß man ihn mit vollem Vertrauen den Leidenden empfehlen kann. (Siebe Inserat.) Soiree Alberti. Während der Pariser Commune starb ein Mann, der durch seinen Humor und seine geradezu unwiderstehliche Komik tausenden von Menschen heitere Stunden geschaffen hatte! Es war dies der französische Komiker Levassor, welcher an gebrochenen Herzen über die Schicksale seines Vaterlandes starb l — Levassor's Ruhm ging weit über die Grenzen seines Vaterlandes und so kam es, daß er auch in Deutschland ein gern gesehener Gast war und sich jedes Jahr während seiner Ferien Ruhm und Gold holte. — Er ist der Schöpfer jener amüsanten und feinen Charakterbildchen mit Gesang, die auch in Deutschland nachahmende Künstler fanden, an deren Spitze der verstorbene Direktor des Carltheaters Traumann stand. — Eine solche Soiree wird nun Herr Alberti nächsten Dienstag Abend in „Wenzel's Saalbau" geben und wir wollen allen Freunden der dramatischen Kunst und des Humors, ein paar heitere Stunden in Aussicht stellend, den Besuch dieser Vorstellung warm empfehlen. P. Handel und Verkehr. Frankfurt, 17. Mai. (Marktbericht.) Butter im Großen 1. Qual. X 1,15, 2. Qual. X 1,05, im Detail 1. Qual. X 1.30, 2. Qual. X 1,15—20, Handkäse das Pf. 50 Ganze Erbsen stellten sich per 100 Kilo auf X 18—22, geschälte Erbsen X 23—27, Speisebohnen 20—26, Linsen 23—30 X Kartoffeln X 8,50—9. Es kostete Ochsenfleisch per Pfb. 60—70 Kuh-, Rind- und Farrcnfleisch 55—60 Hammelfleisch 50—65 H, Kalbfleisch 48—55 H, Schweinefleisch 65-70 H, Dörrfleisch — H, Schinken — H, ausgebeint — H bis — X, Fleischwurft 70—80 H, Hausmachcr Leberwurst, Preßkopf, Schwartmagen, Zungenwurst 80—90 , gewöhnliche Leber- und Blutwurst 55—60 Geflügel: Hahnen X 1,50—2, Hühner X —, Enten X —, Poularden X —, Tauben 40— 50 Hechte 70—80 Karpfen 70-80 H, Schleien — H, Cabliau - H, Schellfische r/z Kg. X 1, Salm das Pfv. X 2,60. Eier bas Hundert deutsche X 4, italienische X 5. Heu- und Strohmarkt war sehr gut befahren. Heu kostete je nach Qualität per Centner X 2—3, Stroh X 2—2.20. Allgemeiner Anzeiger. Die Kölnische Feuer - Versicherungs - Gesellschaft Colonia hat den bei mir entstandenen Brandschaden coulant regulirt. Gießen, den 24. Mai 1879 36063_____________________CL Fr- Semmler. Mittwoch den 28. Mai: BALL für Israeliten im Burg-Saal zu Staufenberg. Anfang 3 Uhr. 3609) ________________________Da* Co mite. Die Mineralwasser Handlung von Julius Wallach in Gießen empfiehlt alle Sorten Mineralwasser in stets frischen Füllungen. (2864 Männer-Bade-Verein. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Badehäuser zur gefälligen Benutzung bereit stehen. Zur Einzeichnung derjenigen Herren, welche gesonnen sind, dem Vereine als ordentliches oder außerordentliches Mitglied beizutreten, liegt eine Liste in der Anstalt offen. Ordentliche Mitglieder zahlen einen jährlichen Betrag von Mk. 2.30 Außerordentliche Mitglieder einen solchen von „ 3.— 3563) Der Vorstand. Gewerbebank zu Gießen (eingetr. Genossenschaft). Diejenigen Mitglieder unserer Bank, welche ihr Stammantheil voll eingezahlt haben, können ihre Dividende bis zum 30. d. Mts. an unserer Casse gegen Quittung in Empfang nehmen. Die bis dahin nicht abgeholten Beträge werden den Interessenten durch den Vereinsdiener zugestellt. Gießen, den 21. Mai 1879. Der Vorsitzende des Aufstchtsrathes: 3557) I. Haustein. 3610) Zu dem am 2. Pfingsttage stattfindenden - — Balle — - laden ergebens! ein Gebrüder Eich, Salzhausen. Kurhauspächter. Alle Sorten Mineralwasser, in stets frischer Füllung, Natürliches Carlsbader Salz, Emser Pastillen, <3513 empfiehlt Kmil JFischbach. i«W M di! inen Humor und feint geschaffen hatte! ® gc|iuu||cu u»uv. 3en übet fit Schitkfalt en seines Atterlanoe! uni sich jedes Zahl I bitt"' i durch die reelle In tuten die volle @uri - honthelten ju heilen, L so daß man ihn ml r jtjttL/' , Saia jener nmüianten und ubt teUt fanden, and. - Sine solche , jaalbau" gehen und B iat heitere Stunden ?. 1. Qual. L 20, handkaie daS $ ■ Ite Erbsen -*^"7 ’ Wt Ochsrnflktsch s« imelsleisch 50-65 4 S, Schinken —4 Z,'Preßkopf, M £ _ Tauben «r / 4, italiemschr/. Qualität p» LHht,n«6enb i dm Süi,, •te“Politiken !■ ,lWbe ©etaiig preußisch, ,'°"d 8r«M an einer “"Hranbt, *el »'s-- V'^t^tner ®*»8®at6eU ist, ierler, 13M« (Sperr ?nR8ma^regelit Lesung anorb- W) des Weins ■lt bezüglich b<: lr welche die Re. hnet: Roheisen, ^r, «che und srlmännischen Be- "läßlich der Eon- kund. Die unterstützt. rkischen Soldaten l. Alalnman^^ ** ,0 d-» f „ Die i« 'bm( »ur* * jfenttn durw Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft. 3614) Vom 31. d. M. ab kann auf diejenigen 2-tägigen Retourbillete für den Binnenverkehr auf unseren Bahnen, welche Samstags oder am Tage vor dem Neujahrstag, Charfreitag, Ostermontag, Buß- und Bettag, Himmelfahrtstag, Pfingstmontag, 1. und 2. Weihnachtstag gelöst sind, die Rückfahrt noch am dritten Tage den Lösungstag mit eingerechnet stattfinden. Köln, den 22. Mai 1879. __________Die Direktion.__________ Deutz-Gießener Eisenbahn. Submission. 3604) Die Lieferung von 4100 kiefernen Pfählen und 2100 Spriegel zur Unterhaltung der Einfriedigung längs der Strecke Betzdorf-Gießen soll an den Mindestfordernden vergeben werden. Die Bedingungen sind »ährend der Dienststunden im Büreau der hiesigen Be- triebsinspection einzusehen und die Offerten bis zum 16. Juni d. Js. bei mir einzureichen. Wetzlar, den 21. Mai 1879. Der Betriebs-Jnspector. 3604)__________Polko.______________ Arbeitsversteigerung. Freitag den 30. d. Monats, Mittags 1 Uhr, werden auf hiesiger Bürgermeisterei die nachverzeichneten Arbeiten öffentlich an die Wentgstnehmenden in Accord gegeben: Steinveckerarbeit an der Kirche, veranschlagt zu 30 Steindeckerarbett am II. Schulhaus, veranschlagt zu . . . 100 Pflasterarbeit an den Ortsstraßen, veranschlagt zu 818 Steinltefern, Aufsetzen und Zerschlagen zur Unterhaltung der Straßen und Wege, veranschlagt zu 1432 Unterhaltung der Graben und Banquets, veranschlagt zu . 200 Chaussirarbeit und Materiallieferung am Platzweg, veranschl. zu 1190 Unterhaltung der Wasserleitungen, veranschlagt zu . . 100 Aufräumung einer Strecke der Wiesackbach, veranschlagt zu . 150 Großen'Buseck, am 25. Mai 1879. Großh Bürgermeisterei Großen-Buseck. I. A.: (3615 L. Hahn, Bezirksbauaufseber. Fichtenstockholz- Bersteigerung. Donnerstag den 3. Juni l. I., des Morgurs um 9 Uhr, sollen im hiesigen Stadtwald circa 1000 Rmtr. Fichtenstockholz zur Versteigerung kommen. Die Zusammenkunft ist auf dem Hattenröder Vicinalweg an dem Pflanzgarten. Lich, den 24. Mai 1879. Großherzogliche Bürgermeisterei Lich. 3612)_______Walz.___________ "Arbeitsversteigerung. Nachverzeichnete Arbeiten sollen Freitag den 30. d. M., Nachmittags 4 Uhr, vor unterfertigter Bürgermeisterei öffentlich in Accord vergeben werden: Maurerarbeit, veranschl. zu 26,89 Zimmerarbeit, „ „ 160,04 Schreinerarbeit, „ „ 349,54 Schlofferarbeit, „ „ 158,90 Weißbinderarbeit. „ „ 304,63 Alleudorf a./Lahn, am 24. Mai 1879. Gr. Bürgermeisterei Alleudorf a./Lahn. 3574) Volk.____________ 3598) Die Grasnutzung von dem oberen Theil der Altentischwiesen, s. g. Mühlkopf, ca. 9 Morgen enthaltend, soll Mittwoch den 28. ds. MtS., Nachmittags 3 Uhr, in 16 Loosen für das ganze Jahr an Ort und Stelle versteigert werden. Gießen, den 24. Mat 1879. Großh. Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm. Mittwoch den 28. Mai, Nachmittags 2 Uhr, werden vor der Scheuer des Christian Iughardt III. an der Marburgerstraße dahier 3 Pferde, 1 Rollwagen, mehrere Oeconomiewagen, 1 Pflug und Egge öffentlich gegen Baarzahlung mit unbedingtem Zuschlag versteigert. Gießen, den 24 Mai 1879. 3568) M. Pilger, Massecurator. Arbeitsversteigerung. Nachverzeichnete Arbeiten sollen Freitag den 30. d. M., Vormittags 10 Uhr, auf dem Rathhaus zu Groß Linden an die Wentgstfordernden vergeben werden: eX Maurerarbeit, veranschl. zu 40,— Lieferung von Hau- und Bruchsteinen, veranschl. zu 159,90 Zimmerarbeit, „ „ 25,50 Lieferung von Pflastersteinen und Pflasterarbeit, veransckl. zu 150,20 Brechen, Fahren u. Setzen von Chaussirungssteinen, veranschl. zu 23,— Zerkleinern und Decken von Chaussirungssteinen, veranschl. zu 16,70 Groß-Linden, am 24. Mai 1879. Großh. Bürgermeisterei Groß-Linden. 3573) Zörb. Donnerstag den 26. Juni, Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Ortsgericht die Hof- raithe des Friedrich Weber Flur. Mtt. 4%i,8 659 Hofraithe links der Chaussee meistbietend versteigert werden. Gießen, den 27. April 1879. Großh. Ortsgericht Gießen. 2927)______Müller._________ Zur Beachtung. Die seit uroenkiicher Zeit in der städtischen Ziegelei dahier fabricirten in gutem Rufe stehenden D&cli&iegel werden von jetzt ab per 1000 zu 22 eX unter den seither üblichen Bedingungen verkauft, welches wir hiermit zur Kcnntniß der geehrten Jnte- reffenten gelangen lassen. Llch, den 24. Mai 1879. Großherzogliche Bürgermeisterei Lich. 3613)Walz. Aeilgeöotenes. 3622) GemiUe und Pflanzen zu haben bei C. Rahn, Wetzsteingasse 45. 3620) Corsetten, Kragen, Manschetten unv Handschuhe für Confirmanden empfahlt billigst ______P/i. Schlatter. Kinderwagen von 12 an bet (3619 Fh.. Schlatter. 3621) Die Grasernte in meinem Hausgarten ist zu verkaufen bei ,C. Rahn. Strohhute für Arbeiter und Landleute per Stück 50 Pfennig bei (3618 21. Schultheis junior, ________________Seltersweg 10._________ 3537) 3 gebrauchte noch sehr gut erhaltene Herde, für größere Familien und Landleute passend, sind billig zu verkaufen. Wo? sagt die Exped. d. 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Mai, Vormittags 72 6 Uhr, unser innigst geliebter Gatte, Vater, Schwiegersohn, Schwiegervater und Schwager, der Großherzogliche Hof- gerichts-Kamlei-Inspector Eduard Weidig nach längerem Leiden in Folge eines Lungenschlages sanft entschlafen ist. Um stilles Beileid bitten die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Mittwoch, Nachmittags 5 Uhr vom Sterbehause B 77 aus statt. »crantwortliche Redaction.- A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'sche» Univ.-Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.