Zweites Blatt Sonntag den 26. October Mr. 280 187» Kichener "Anzeiger 'en 27 s AWge- und AUtsbktt für den Kreis Gießen Mhaller Erscheint täglich mit Ausnahme des Mo«tagK< h „r platt. bte ®*ttetalagenhit Carl Lang, MW in Böndjen. Me 1 Nreilooe. M beziehen: 'nloose ä 1M. Ttr 30,000 siari. 18. Rrvember a. er. In Wien nahmen bereits die Brrathungen der österreichisch-unga- rischen Zollconferenz ihren Anfang, um die Grundlagen für die handelspolitischen Verhandlungen mit Deutschland zu gewinnen. Baron v. Haymerle thetlte in einem Rundschreiben den auswärtigen österreichischen Gesandtschaften seinen Amtsantritt mit und präctsirte sein poli- PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohi^ Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. ttsches Programm dahin, daß er das Werk seines Vorgängers Andraffy ganz in dessen Sinne fortsetzen werde. Die Minister der französischen Republik sind einig geworden, keine ungesetzlichen Kundgebungen, wie sie sich in der letzten Zeit so sehr häuften, mehr zu dulden. In diesem Sinne erließ der Justizmmister Le Royer em geharnischtes Rundschreiben an die Generalprocuratoren, welches diese cmffor- dert, alle ungesetzlich erscheinenden Reden, Schriften und Handlungen sofort den Gerichtshöfen zur Anzeige zu bringen. Zwei Bürgermeister, welche Banketten zu Ehren Blanqut's beiwohnten, wo man aufrührerische Reden hielt, wurden bereits abgesetzt; das gleiche Schicksal widerfuhr aber auch 23 ande- ren Bürgermeistern wegen Thetlnahme an legitimtstischen Banketten. Ueber Humbert, das neue Gemeinderaths-Mitglied, wurde eine sechsmonatliche Ge- fängnißstrafe verhängt. In Konstantinopel vollzog sich wieder einmal ein Ministerwechsel. An der Spitze des neuen Cabinets steht Said Pascha, schon früher des Sultans schlimmster Rathgeber, besten Jntriguen alle Reformen und Verständigungen mit anderen Mächten hintertrieben. Die Frage der Iuden-Emanctpation, welche die rumänische Kammer so lange beschäftigte, fand endlich doch ihre vorläufige Lösung. Nachdem die Negierung mit der Opposition in Verhandlung getreten war und sich zu einigen formellen Abänderungen der Gesetzvorlage verstanden hatte, erfolgte mit großer Majorität deren Annahme. Ein Orkan mit heftigem Regenguß suchte verschiedene spanische Provinzen heim und setzte, große Zerstörungen anrichtend, Dörfer und Eisenbahnlinien unter Master. In Murcia büßten in Folge der Ueberschwem- mung 500 Menschen ihr Leben ein; der Schaden an Eigenthum berechnet sich nach Millionen. In Asien befinden sich bekanntlich die Russen im Kriege gegen die Teken. Ueber ein bereits am 9. Septbr. stattgehabtes Treffen werden erst jetzt offictelle Mittheilungen laut. Danach hatten sich die Teken mit Frauen und Kindern, 30,000 Seelen zählend, in einem Aul verschanzt und wurden von russischer Artillerie erfolglos beschosten. In der Nacht waren jedoch die Teken geflohen. Ueber weitere heiße Kämpfe und die Besetzung der Stadt Merw durch die Rusten liegen nur kurze Meldungen vor, denen neuere Nach- richten widersprechen, indem es heißt, die Rusten zogen sich nach dem kaspi- schen Meere zurück, um dort zu überwintern. Lord Salisbury, der englische Minister des Auswärtigen, hat bei einem ihm zu Ehren veranstalteten großen Banket in Manchester eine Aufsehen erregende Aeußerung gethan. Er bekannte geradezu, daß durch das deutschösterreichische Bündniß der Welt „großes Heil" widerfahren fei und gab, wenn auch in diplomatischer Verschleierung, der Genugthuung des englischen Cabinets darüber Ausdruck, daß dem Vordringen Rußlands auf der Balkan-Halbinsel durch Oesterreich, hinter welchem bie gesammte Macht des deutschen Reiches stehe, ein gebieterisches Halt geboten sei. In Irland bereitet sich eine große Bewegung vor, an deren Spitze das englische Parlamentsmitglied Parnell steht, und welche auf eine gänzliche Umwälzung der für den Bauernstand sehr ungünstigen Verhältniffe des Bodenbesitzes abzielt. Die Mißernten der letzten drei Jahre, verheerende Viehseuchen die Eoncurrenz der amerikanischen Getreideproducenten, welche die Preise herabdrückt, und die drohende Hungersnoth haben der Agitation selbst unter dem englischen Landvolke Bundesgenosten verschafft. Die irischen Pächter verweigern den Grundherren die Zahlung des diesjährigen Pachtes. Volksversammlungen verlangen die Einberufung des Parlaments, um die Mittel gegen die drohende Hungersnoth zu berathen und die nöthig-n Schritte zur Gründung eines unabhängigen Bauernstandes in Irland zu thun. Wieder ist ein Vertreter der englischen Regierung im Auslande dem Barbarismus zum Opfer gefallen. In der zu britisch Indien gehörigen Wochenübersicht. Kaiser Wilhelm ist am 22. ds. neu gekräftigt von Baden-Baden Berlin eingetroffen. Bekanntmachunff. Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz durch Verfügung vom 21. l. M. zu Nr. 15108 die Abhaltung der Rindviehmärkte zu Gießen und Grünberg unter der Bedingung bis auf weiteres wieder gestartet hat, daß eine sperre der Gemarkung Wieseck und Londorf nach Art. 372, Absatz 2 des Polizeistrafgesetzes ftattfindet, wonach also fernerhin kein Rindvieh, noch Gegenstände, wodurch die Lungenseuche weiter verbreitet werden kann, aus der Gemarkung Wieseck und Londorf heraus, oder auch innerhalb derselben an Orte geführt oder gebracht werden darf, wo anderes Rindvieh hinkommen kann. Jedoch ist der Gebrauch von Rindvieh aus Stallungen oder Gehöften, über welche Stall- oder Gehöstesperre nicht verhängt ist, zur Feldarbeit innerhalb der gesperrten Gemarkung gestattet. Dasselbe darf jedoch nur in Gespannen das Gehöfte verlaßen. Das vorübergehende Einstellen von fremdem Rindvieh in Wieseck und Londorf ist verboten. Gießen, am 23. October 1879. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boek m a n n. Allgemem macht sich die Behauptung geltend, daß bie Anwesenheit des Fürsten Bismarck in Wien zum Abschluß eines D efensivbüriduisses zwischen Deutschland undOesterretch-Urrgarn geführt und dasselbe bereits die formelle Sanction beider Kaiser erhalten habe. Vorerst werden die Mittheilungen, welche Graf Stolberg dcm diplomatischen Ausschüsse des Bundesraths gemacht hat, als vertrauliche behandelt. Mittelst königl. Verordnung sind die preußischen Kammern auf den 28. October einbemfen worden. Die Eröffnung soll durch den Kaiser persönlich erfolgen. Die in Berlin tagende Generalsynode faßte den Entschluß, bei der Regierung eine strengere Sonntagsfeier zu beantragen. Namentlich soll an Sonntagen der Fortbildungsunterricht wegfallen und eine Beschränkung der Controlversammlungen, militärischer Marschübungen und des Eisenbahndienstes eintreten. Ferner erstrebt die Generalsynode eine Aenderung bei der Staatsprüfung der Theologen. Das Staatsexamen soll mit der ersten theologischen Prüfung zusammenfallen und durch eine theologische Prüfungs-Commission ab- genommen werden, statt der bisherigen staatlichen. Infolge der Schließung der Simultanschule in Elbing hat der dortige Stadtrath beschloßen, bei den Kammern um die Zurücknahme der cultusminifleriellen Verfügung zu petitioniren und das für die Simultanschule neu errichtete Gebäude zu keinem anderen Zwecke herzugeben. Der schwer erkrankte -Dtaatösecreiär v. Bülow erlag auf der Reise nach dem Süoen, wo er Genesung zu finden hoffte, in Frankfurt a. M. einem Schlaganfalle. Mit seinem Hinscheiden erleidet nicht nur das deutsche Reich, sondern auch der Kanzler, dem er als treuer, zuverlässiger Mitarbeiter zur Seite stand, einen empfindlichen Verlust. ute üUbt enif .tation geöffnet. Achtungsvoll Oswald. sSsS Wo hvH. 'n1!5*®«!- ^tcttnbtU879. 00 A 25,000 jl w,lAUt ld)t Stetft Port, — Bennigsen, der vormalige Führer der Nationalliberalen, hat sich gegen seinen anfänglichen Entschluß, endlich doch noch zur Annahme eines Vv V> Mandats in's preußische Abgeordnetenhaus bewegen lassen und dadurch die ...................... |jor|W gciuieider^ DK ■orfteü Glas-, Porzellan- utib leriewaaren-Handlung. Reparaturen an Uhrmund Musikwerken werden schnell und billü ausgesührl von (23$ Hob. Hartmann, L. Uhrmacher, j Lindenplatz Nr. 30. , Än- und Berkaus alle Lieferung und Repara^ m-rm._____ b ein junger Mann ge- ugenkranken bie Zeitung eres im Gasthaus M Nr. 6. _____ bengalischen Provinz Assan wurde der dort ansässige britische Commissär durch die Rajahs ermordet. General Roberts hat nach seiner Besitzergreifung von Kabul, wo er das britische Residentschaftspalais in Trümmern und seines sämmtltchen Inhalts beraubt fand, in einer Proklamation erklärt, daß Balahiffar und alle eine militärische Besetzung hindernde Gebäude Zerstört, den Bürgern eine schwere Contributton auferlegt, Kabul nebst Umgegend unter einen Militärgouverneur gestellt und in Belagerungszustand versetzt werden solle. Alle Waffen muffen, bei Strafe der Hinrichtung, binnen 8 Tagen ausgeltefert werden; auf bte Einbringung solcher Personen, welche am Gesandtenmorde beteiligt waren, sind Preise von 50—125 Rupien (1500— 3750 ^.) gesetzt. Iakub Khan will seine Herrscherwürde niederlegen und an seine Stelle soll sein 5jährtger Sohn unter englischer Vormundschaft den Thron besteigen. Auf Haytt haben in ihrer republikanischen Hauptstadt Port au Prince die Neger revolttrt, ihre provisorische Regierung gestürzt unb eine neue eingesetzt. Lokales. Gießen, 25. October. (Sitzung der Stadtverordneten am 23. Octobcr.) Anwesend: Herr Bürgermeister B r a m m, Herr Beigeordneter Keller; von Seiten der Stadtverordneten die Herren Baist, Gail, Grüneberg, Hoch, Homberger, Kauf, May, Ad. Noll, Aug. Noll, Petri, Pfannmüller, Schopbach und Wortmann. Herr Bürgermeister Bramm theilt der Versammlung mit, daß die Abhaltung von Rinv- viehmärktcr in hiesiger Stadt wieder gestattet, und namentlich Herr Vrovinzialdirektor Dr. Bockmann in Vieser Angelegenheit sehr thätig gewesen sei. Der Voranschlag der Plocktschen Stiftung für 1880 wird genehmigt. Betr. zweier Forderungen an die Ortsarmcnvcrbände Ellndausen und Ohmes wird vom Stadtvorstande die Ermächtigung erthcilt, den diesseitigen Ansprüchen durch gerichtliche Klage gegen gen. Ortsarmenverbände Geltung zu verschaffen. Die durch die N-uanlegung Der Straße von Dem Selters- nach dem Neuftädter Thor nöthig werdende Ueberbrückung des Schoorgrabens an der Pipp'schen Schanze hat nach einem Berichte des Stadtbaumeisters wegen sich Dem Bau entgegenslellender technischer Schwierigkeiten eingestellt werden müssen, soll aber sobald als möglich wieder in Angriff genommen werden, nachdem cas Wetter sich gebeffcrt und das jeweilige Hochwasser abgelaufen ist. Ein Posten Waldculturarbeit wird auf Antrag Des Herrn Oberförsters Lang aus der Hand vergeben. Dem Gesuche des Volksbildungs - Vereins um Ueberlassung des alten Rathhaussaales nebst einigen Nebengemächern zur Einrichtung von wöchentlich 2 Leseabenden für den kommenden Winter ertheilt die Versammlung die Genehmigung. Auf das Gesuch des hiesigen Realschulvorstandes um Anfertigung von Nücklehnen und Anschaffung mehrerer Subsellien beschließt die Versammlung einzugehen und sollen die erfordere lichen Arbeiten aus der Hand vergeben werden; auch wird die Anlegung einer Kehrichtgrube für Die Realschule beschlossen. Mehrere eingegangenen Rechnungen werden zur Auszahlung überwiesen und die bet der Reparatur am katholischen Pfarrhause sich erhebenden Mehrausgaben im Betrage von 25 Jt. 2 H genehmigt. Großh. Ministerium des Innern und der Justiz theilt auf em Gesuch der Stadt Gienen um Erlau'oniß zur Niederlegung der Ringmauer am Provinzial - Arresthaus wegen partieller Lieferlegung der Bahnhofs und Universitätsstraße mit, Daß Der Entfernung der Mauer nichts entgegenstehe, wenn die Stadt die Kosten der Niederlegung und Diejenigen zur Errichtung einer anderweitigen Einfriedigung trage. Die Versammlung erklärte, hierauf nicht einzugehen, sondern auf ihren früheren Beschlüssen zu beharren. (U August d. I.) Die Versammlung beschließt ferner, das zur Erbauung einer Bataillons-Kaserne an der Grünberger Straße weiter erforderliche Terrain zum Preise von 1.60 JL. pro Witter an den Militärfiecus abzutreten. Betr. der Ueberlaffung von städtischem Gelände an Herrn Karl Gail wird Die Versammlung dahin schlüssig, mit Herrn Gail einen Tauschvertrag einzugehen behufs Ausführung der Bauplanes am Oswalds Berg. Die Baugesuche Der Herren Ludwig Schmidt (Einfriedigung>, Karl Stückrath (Erbauung eines Holzschuppens, I. Förtfch (Umbau des Kellers zu einem Eisbause), Obertelegraphist Stendcr (Errichtung eines Nebengebäudes) werden genehmigt, dasjenige des Herrn Stückrath mit der Bedingung der Ausstellung eines Reverses mit der Verpflichtung, die Halle auf Erfordern jederzeit ohne jede Entschädigung wieder zu entfernen. Auf Ansuchen mehrerer Einwohner am Krofdorfer Weg wird die Aufstellung einiger Petroleumlaternen nach den Anoronungen des Stabtbaumeisters beschloffen. Gegen die Errichtung von verschiedenen Grab-Denkmälern hat die Versammlung nichts zu erinnern, weßhalb Genehmigung erfolgt' Die Versammlung bewilligt ferner für die Kleinkinderschule 100 aus der Armenkasse. Die Vergebung oer zur Herstellung der Straße zwischen Wallthor und Neuenwegerthor erforderlichen Materiallieferungen und Arbeiten wird nach dem bezüglichen Berichte des Stadt baumeisters genehmig!. Ebenso wird die sich auf 1339 berechnenDe Pflästerarbeit zur Ausführung genehmigt. D'^gleichen die Anfuhr von Labnkies zur Auffüllung der Fußpfade in Der Reichensand-Bahnhofsstraße vom Krausgrill'schen Hause an aufwärts unD Die Anbringung von Pfählen zum Schutze des Fußpfabes, sowie Die Verbesserung Der Beleuchtung von Der neuen Wieseckbrückr bis zur Liebigsstraße genehmigt. V e r rn i s ch t es. LonDon, 20. Oct ober. [(Sine neue Dacht für den Kaiser von Rußland.j Trotz Der schweren Zeiten läßt Kaüer Alexander von Rußland jetzt in EnglanD eine Jacht bauen, mit Der keine andere Der Wett sich an Kostbarkeit des verwandten Materials unD der Ausstattung wirb mesien können. Die Anregung hierzu stammt vom Großfürsten Constantin, Der bekanntlich oie Pooow scheu Panzerschiffe mit seiner besonDercn Gunst beetnt unD Der nun veriuchöhalber Dieses viel- angefochtene System mit emsprechenDen Aenoerungen auf ein dem höchsten Luxus gewiDmetes Fahrzeug übertragen will. Von einer Panzerung Desselben ist nicht die Rede und ieine Bewaffnung wird sich auf ein paar Vierpfündergescyütze beschränken, Die Den unblutigen Dienst des Salutirens zu verrichten haben werden. Was Dicic Jacht mit Popow'schen Sausten gemein hat, ist ihre in die Breite gehende, nach vorn und rückwärts abgerundete Gestatt. Um sich diese zu vergegenwärtigen, Denke man an eine ungeheuere, aus Stahl angefertigte hohle Steinbütte, auf Deren breiter Fläche ein zwei Stockwerk hoher, palastartiger Bau aufgeführt ist. Die Länge dieses fstchähnlichcn hohlen Floffes beträgt 230, seine größte Breite 153 Fuß, woraus ersichtlich, Daß letztere über Drei Fünftel Der ersteren mißt. Seme Tiefe in der Mitte beträgt 18 Fuß und verringert sich gegen Die Wasserlinie auf 6 Fuß; es besitzt 7700 Tonnen Gebalt und verdrängt mit voller Ladung (Brennkohle für 5 Tage) 3920 Tonnen Master. Die Jacht erhält drei Maschinen von zusammen 10,500 Pferdekraft, wird mindestens 14 Knoten in Der Stunde zurücklegen können und wird mit drei Schrauben auSgestattel, welche gleich wie die Hauptbestandtheile Der Maschinen aus Der kostspielig herzustellenden, aber leichten uno Dabei starken Manganbronze angefertigt werden sollen. So viel über Den Unterbau, Der in eine Reibe wasserDichter Räume getheilt wird und vermittelst Lufteinpumpung nach Belieben entweder ganz oder am Bug oder Stern mehr oder weniger eingesenkt werden kann Auf Dem Deck erbebt sich der zweistöckige Bau, welcher Die Gemächer für Die kaiserliche Familie unD Deren Gefolge enthält. Er stehi '»mitten einer Galerie, Die um Das ganze Schiff hcrumläuft, um als Spaziergang zu Dienen und zu Diesem Zwecke gegen Wind unv Wetter gedeckt ist Vorn befinden sich, Dem Lärm und Wohlgeruch der Dampfmaschinen entrückt, Die Privatgemächer der kai'erlichen Familie, der Empfangs- unD Speisesaal, welcher letztere 65 Fuß in Der Länge, 35 Fuß in Der Breite und 12 Fuß in der Höhe mißt; rückwärts der Gesell'chaftsjaal nebst Den Gemächern DeS höheren Gefolges. Im zweiten Stockwerk vor unD hinter der Maschine sinD neben großen Empfangsräumen Schlaf- und Studirstuben vertheilt, unD auch hier führt eine Galene zu Spaziergängen rings um das Schiff herum, zu besten Deck breite Treppen hinableiien. Die Bemannung wird aus 260 Köpfen bestehen. Zur Verbindung mit dem Lande und 6ur Retwng in Gefabr führt es Drei Dampfbareasten, zwei Rettungsboote und noch mehrere andere kleine Bote mit sich. Mit Der Herstellung dieses kostbaren Fahrzeuges ist Die Firma John Eider u. Comp. am Clydefluß, nahe bei Glasgow, betraut worden, offenbar, weil Den russischen lersten Die Ausführung eines solchen Prachtschiffes nicht zugetraut werDen konnte Capitän Gulaew überwacht Den Bau, unD nur wo es sich um Die innere Ausschmückung Der Gemächer banDelt, sollen russische unD französische Künstler zu Rathe gezogen werDen. Alles Ucbrige bat Die oben genannte Firma mit ihren eigenen Arbeitern herzustellen, Deren ungefähr 2000 alle Hände voll zu tbun haben werDen, um sie bis nächsten Juni zu vollenden. Wie immer Die Arbeit ausfallen toii'D, für Die englischen, dezw. schottischen Schiffbauer ist es jeDenfalls eine große Genuglhunng, Daß Der Oberadmiral Der russischen Flotte zur Herstellung eines solchen Werkes zu ihnen seine Zuflucht nehmen mußte. Etwaige Geheimmittel gegen Seekrankheit unD anDere Reisebeschweiden bleiben ausschließlich russischer Fürsorge Vorbehalten. — Einen fatalen telegraphischen Schnitzer hat neulich cm Telegrapben-Beamter in Philadelphia verübt, indem er in einer Depesche, in welcher eine auf Reisen befindliche Tochter, welche geraume Zeit keine Nachricht von ihrer Mutter erhalten unb hierüber beunruhig' war, dies mit Den Worten ausDrücken will, „ich bin ängstlich" (worried), statt Des Wortes „wurried“ das Wort „married“ (verheirathet) sudstituirte. Diese Der Mutter ganz unvorbereitet gekommene Mittheilung veranlaßte Dieselbe, da sie sich durch Die so voreilige und selbstständige Hanvlungs- weise ihrer Tochter auf’S Tiefste verletzt fühlte, eine Flutb von eben nicht schmeichelhaften Herzensergießungen, Deren Quelle erst Durch eine eingehende Erklärung verstopft werden konnte, auf das Haupt Der Schuldlosen herabzugießen. — Notb und Entbehrung, sowie die jetzt schon eingetretene empfindliche Kälte haben einem jungen Italiener, der in Berlin sich kümmerlich durch Drehorgelspieleu ernährte, das Leben gekostet. Man fand denselben am 18., Morgens 7Uhr, in einem Vorgarten des Hauses Müllcrstraße 75 in bewußtlosem Zustande, fast erstarrt vor. Er wuroe zunächst in eine Scheune gebracht, wo ihm Lebensmittel eingeflößt wurden; jedoch verschied me unter Den Händen seiner Samariter. Der hinzugerufene Arzt constatirte Den Tod als (- 1 .-bliche V e r- hungerung. Der Tobte hatte keinerlei Papiere bei sich, io baß fein Nam^ nicht festgcstellt werben konnte. Er wurde nach Dem Obduetionshause geschafft. — sDie Bibel als Hochzeitsstifter.) Die Dankees erhalten sich Doch st ts auf Dem Gipfel Der Originalität. In Boston wurde kürzlich eine Heirath in folgender, nicht gerade sehr gebräuchlicher Weise zu Wege gebracht. Saß Da ein junger Gentleman an einem Sonntag Abend in einem Kirchenstuhl neben einer jungen Dame, deren Schönheit sofort die zärilichsten Regungen in seinem Herzen erweckte. Da ihm viel Daran lag, auf Der Stelle eine Verbindung mit ihr anzuknüpfen, so reichte er ihr seine Bibel hin, in welcher die zweite Epistel Johannes, fünfter Vers, mit einer Stecknadel markirt war. „Und nun bitte ich Euch, nicht als ob ick Euch ein neueS Gebot vorschreibe, sondern nur das, welches wir von Anbeginn halten, das wir uns lieben untereinander" Sie gab das Buch zurück, auf Den 10. Vers im 2 Capitel Ruth Deutend: „Warum habe ich Gnade gefunden in Deinen Augen, die ich doch eine Fremde bin?" — Er anwortete mit Dem 13. Verse der Dritten Epistel Johannes: „Da ich nicht schreiben kann mit Tinte und Papier, so hoffe ich, daß ich zu Euch komme unb von Angesicht zu Angesicht zu Euch reden kann " Die auf solch' originelle Weise angeknüpfte Bekanntjchas würbe fortgesetzt unb hat, wie gesagt, in einer Heirath ber vermittelst bet Bibel corresponbirem ben jungen Leute geenbet. Man sieht, bie Amerikaner verstehen selbst ben Kirchenbesuch practisck auszunutzen. ME-, Ksroucx im । im ।, mb r miB iii—iii— Ieilgeöotenes. 6905) Baumaterialien, Tuffsteine, Kamin- rohre, Sandsteinplatten rc. gebe, um damit zu räumen, zu ermäßigten Preisen ab. ____________________Emil Piftor. 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