Str. 301. Donnerstag den 25 December 1870. Kichener Anzeiger Aiieigk- Mi AmtsRitt fit brn Kreis Gieße». I Schulfiraße B. IS. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. dreis me^ei^ich 2 Mart 20 Pst »ringerlchn. MMe»ttt»«Sbnrea« r j Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Tßeil. Gießen, am 19. December 1879. Betreffend: Die Herstellung und Lieferung von Formularien. Das Grostherzogliche Amtsgericht Giesten an sämmtliche Großh. Ortsgerichte des Bezirks. Sie werden künftig Ihren Bedarf an Formularien zu Grundbuchsauszügen und Protocollen über Zwangsversteigerungen von Immobilien durch Vermittelung unserer Gerichtsschretberei erhalten und haben derselben zu dem Ende Ihren Bedarf von Zett zu Zett bertchtlich anzuzeigen, am zweckmäßigsten am Anfang jeden Quartals._______________________________ Langsdorfs. Bekanntmachung. Gefunden: 2 Portemonnaie's mit Inhalt, 1 Tasche mit Inhalt, 1 Peitsche, 1 Milchkanne, 1 Taschenmesser, verschiedene Schlüffe!, 1 Manchette mit Knopf. Zugelaufen: ein Wachtelhund. Die gefundenen Gegenstände find auf der Polizeiwache (Schloßgasse 258) aufbewahrt. Gießen, den 24. December 1879. Großherzogliche Poltzeiverwaltung Gießen. Fr ef e ni ns. politisch Weihnachten. Ehre sei Gott tn der Höhe! Die Verheißung einer besseren Zukunft ist unser Trost in bedrängter Zeit, und niemals klingt der fromme Gesang „Herr Gott, dich loben wir" inniger zum Himmel empor, als in den Tagen harter Prüfung und an dem Markstein, den wir hoffentlich mit diesem Wethnachtsfeste auf dem Pfade unseres Volkes setzen, hinter ihm lastend alles Elend und alle Noth, allen Unfrieden und alle Trübsal. Noch leuchten tm deutschen Lande die Kerzen des Werhnacktsbaumes nicht den Glücklichen und Zufriedenen. In Hütten wie in Palästen, vor Allem auch im bescheidenen Heim des Mittelstandes fehlt es nicht an Kummer des Tages und Sorgen um die Zukunft, denn die Zetten find ernst und schwer und wirken hart auf alle Schichten der Bevölkerung. Weil es ober anderwärts im weiten Reiche, wie in fernen Landen noch größere Noth giebt als bet uns, weil schreckltches und außerordentliches Elend an vielen Orten herrscht, so preisen wir die Güte der Vorsehung und danken dem Schöpfer, daß er uns nur bescheidene Sorgenlasten aufgebürdet, während er in der Ferne schwere Prüfungen den Unglücklichen auferlegt. Oft kommt es uns vor, als litte unser Volk unter einem zürnenden göttlichen Strafgericht , das den Menschen an seine Schwächen und zur Buße mahnt. Niemals drangen schlimmere Hiobsposten auf uns ein, als jetzt. Dort durchbrechen eiskalte Fluthen die Dämme und vernichten die Mühen langer Zett, hter raffen die schlagenden Wetter tief unter der Erd' Hunderte wackerer Bergleute hinweg, dort rast im Schneesturm des Feuers entfestelte Macht, hier schleicht bei grimmer Wtnterkälte der Hunger und der Typhus in die Hütten der Armen und Elenden. Der Nothstand fordert seine Opfer, die Elemente hasten das Gebild der Menschenhand, und überall führt das Volk einen so harten Kampf um das Dasein, daß der freundliche Glanz des WethnachtsfesteS verdunkelt wird. Aber in diese trübe Zeit hinein leuchten unwandelbar die Sterne der Hoffnung und führen das vertrauende Volk auf den rechten Weg zum Heil, wie einst die Könige im Morgenland. Die Prüfung ist es, welche die Herzen läutert, und Kummer und Sorgen vermögen das Vertrauen auf Gott, auf sich selbst und eine beffere Zukunft trotz allem Ungemach nicht zu erschüttern. Die Attentate auf gekrönte Häupter, die politischen Conflicte, die religiösen Wirren und Hetzereien, die Nothstände und die socialistische Erregung — bei un8|, wie is andern Ländern — das Alles ist betrübend und erschütternd, aber es sind nur grollende Donner und zuckende Blitze im Ungewttter der schweren Zett, und endlich leuchtet doch wieder die Sonne des Friedens und der Versöhnung. Friede auf Erden! Durch Nacht zum Licht dringt unaufhaltsam das deutsche Volk in ernster Arbeit und in friedlichem Sinn vor. Feinde ringsum, — so kann es, das stammverwandte Oesterreich ausgenommen, von sich sagen, und — „Viel' Feind', viel Ehr!" Wir ersehnen den Frieden auf Erden, und dennoch müffen wir tm Osten unser Pulver trocken und im Westen mit dem schneidigen Schwert die Wacht am Rhein halten. Wir schaufeln das Grab für den leidigen Kulturkampf, ober wir sehen in unfruchtbaren Verhandlungen und in einer halben Versöhnung nur den Keim neuer Zwiste. Wir möchten mit allen Mitbürgern in Frieden leben, und erblicken Hetzereien auf religiösem Gebiet, die mit mittelalterlichem Spuk die Bekenner des neuen und alten Testaments zu verfeinden suchen. Unsere Zett aber, daran soll uns das Fest der Freude und Liebe, unser Weihnachten mahnen, dürstet nach dem großen dritten Testament der allgemeinen Versöhnung und Humanität, dos uns ein Börne und ein Lessing gepredigt. Gesetz und Recht und Sitte bereiten uns den Boden für den socialen Frieden, aber noch immer schüren Neid und Haß die Unzufriedenheit und treiben zu dem Kampfe zwischen Reich und Arm, der alle Cultur vernichtet. So mahnt denn mehr als je das Weihnachtsfest zum er Hheil. Frieden, auf dem allein die beffere und glücklichere Zukunft erblühe» kann. -- Und den Menschen ein Wohlgefallen! Ja, das möge Deutschlands Zukunft sein! Die Treue zu seinem Rat« serbause und zu seinen Lar.dessürsten, die Liebe zum Vaterlande, das Vertrauen auf Gottes Hülfe, die am nächsten, wo die Noth am größten ist sie mögen uns unerschütterlich gewahrt bleiben, das sei die schönste Gabe der Vorsehung für die Seele des deutschen Volkes znm heiligen Weihnachtsfeste. Das Voll das Alles seht an seine Ehre, wird Mittel und Wege fhiben, sich aufzuraffen aus aller Noth um nicht nur seine Mission zu erfüllen, sondern auch zur Wohlstand und zum Frieden zu gelangen. Und darum rufen wir trotz alledem freudig den Wethnachtsgruß in alle Welt hinaus: Glückauf zu« fröhliche« Feste! Deutschland. Schotten, 22. December. Der im Gegensatz zum hohen Norden in Mittel- und Süddeutschland besonders heftig auftretende Winter beginnt auch im Vogeleberge sein trauriges Hungergeschäft. In den höher gelegenen Orten reichen die Kartoffelvorräthe, einzelne relativ vermögende Familien ausgenom' men, nur noch bis zum neuen Jahre. Was von dieser Zeit an aus den armen Familien, die fast nur auf vorgenannten Nahrungszweig angewiesen sind, werden soll, ist eine Frage, deren Lösung jeden Menschenfreund mit Sorge erfüllen muß. — In unserer Stadt hat sich Angesichts des bereits eingetrete- nen Nothstandcs eine Suppenanstalt gebildet, die durch freiwillige Gaben mit 800 Mk. fundüt und für 3 Monat berechnet ist. Selbstverständlich ist be» diesen geringen Mitteln nur die Noth der einheimischen Bevölkerung in's Auge gefaßt. Kommen die Armuth und der Hunger aus den verdienstlosen Ortschaften heran, so steht die Kreisstadt, die den ersten Anprall auszuhalten har, rathlos da und ihre für die eigenen Unterstützungsbedürftigen kaum ausreichenden Mittel genügen nicht zur Beseitigung der allgemeinen Calamität. Es ist wohl am Platze, diesen nahe bevorstehenden Nothstand jetzt schon zu signaltsi- ren, um neben der Hülfe für die Bewohner des Riefengebirges, des Westcr- waldes, des RhöngebirgeS k. auch auf die armen Vo. elsberger aufmerksam zu machen, um so mehr, als auch der Typhus recurrens bereits seinen Einzug in einzelnen Ortschaften gehalten hat. (3«m Nothstand in Oberschlesten.) Der „Rat -Leobsch. Ztg." wird vom Lande über folgende schreckliche Scene berichtet: Eine arme HäuSler- wittwe, Mutter von fünf noch unerzogenen Kindern, ist eben damit beschäftig:, von dem letzten auf der Handmühle zermahlenen Roggen einen placek aus der Osenplatte zu backen und eine Mehlsuppe dazu zu kochen. Sie zieht ihre Holzschuhe aus, läßt diese ihre älteste Tochter anziehen und heißt sie die gestern vom Nachbar beim Düngeraufladen verdienten 25 Pfg, die einzige Baarschaf! im Hause, nehmen und für 10 Pfg. Salz und für 15 Pfg. Talg holen, um die Suppe damit bereiten zu können. Kaum ist die Tochter aus dem Hause getreten, so tritt der Gemeinde-Execuior in die Thüre und fordert die für den letzten Monat noch schuldigen Steuern. Das Mädchen mit den 25 Pfg. wird zurückgerufen, die Steuer zur Vermeidung der Execution gezahlt und placek mit Suppe wird ohne Salz und Schmalz verzehrt, — denn der Hunger thu: weh. Dies gibt zu denken, und sollte auch hier bei dem gegenwärtig herrschenden Nvthstaude Wandlung geschaffen werden. Der Ein vand, daß der Ezce- cutor in solchen Fällen die Unbettreiblichkeit zu bescheinigen berechtigt fei, genügt r icht. Man muß unser gutmüthigeö und furchtsames Volk k«nen. Eher gibt die Wittwe ihren letzten Zehrpfennig hin, bevor sie durch den Ezecutor ihre elenden Lumpen im Kasten revidiren läßt. — Wer's nicht glaubt, der lasse sich von den Nothleidenden bei Ueberreichnng der Liebesgaben die Steuer- tkchel zeige», und er wird finden, daß er pünktliche Steuerzahler vor sich hat. Akatibor, 19. December. Der Landrath Pohl hat an die Ortsvorstände des Kreises Rattbor nachstehende Verfügung ertasten: Die zu Tage getretene große ungerechtfertigte Begehrlichkeit und die deß- halb an mich ergehenden Beschwerden seitens Nichtbedürftiger wegen versagter Gewährung von Unterstützungen, reip. von Entschädigungen für die ihnen in Folge der Ueberschwemmung und Mißernte entstandenen Verluste veranlasten mich, die Ortsvorstände auf das Strengste anzumetfen, die zur Linderung des Nothstandes überwiesenen Unterstützungen an L bensmitteln, Kleidungsstücken und HeizungSmaterial in keinem Falle ohne Zuziehung der sämmtlichrn Mit« glieder des Local-Hülfscomites und nur an die Ortsa.men und diejenigen hülfs- bedürftigen Personen zu verthetlen, die absolut nicht in der Lage sind, durch Arbeitsverdienst den nöthtgen Lebensunterhalt zu erwerben. Die Gemeinde- Vorstände mache ich für die gerechte Verthetluug der Unterstützungen und für die gewtstenhafte Berichterstattung in allen Nothstands-Angelegenheiten verantwort« lich. In allen Fällen, in welchen eventuell festgestellt werden sollte, daß Unterstützungen seitens der Gemetndevorstände und der Local-Hülfscomites an Nicht« bedürftige, insbesondere auch an Grundbesitzer vertheilt worden sind, welche durch Aufnahme von Darlehen oder auf andere Weise sich helfen können, müßte ich die Gemetndevorstände zur Erstattung des Werthes der den Nichkbedürftigeu überwiesenen Unterstützungen anhalten. Diese dankenswerthe Verfügung wird hoffentlich ähnlichen Mißständen, wie sie bei der Verthetlung von Gaben für Nothleidende in Ostrog sich herausgestellt haben, in wirksamster Weise vorbeugen. Aschaffenburg, 22. Decbr. Ein Fabrikant schreibt der „Aschaffeub. Ztg." das Folgende: In der Landrathssitzung vom 10. ds. sprach Herr Land« rath Haller in aller Ruhe mit größter Bestimmtheit die Ansicht aus, daß das TabakSmonopol noch nicht ausbletbe und deshalb er für Rothenbuch statt Errichtung einer Credttanstalt die Etabltrung einer staatlichen Tabakssabrik an« empfehle! Bet allem Respect vor den Kenntntffen des Herrn Landraths glauben wir doch behaupten zu dürfen, daß der Herr Rath in der Tabakssteuerfrage schlecht unterrichtet ist, sonst müßte er wiffen, daß sich die ersten Autoritäten des Reichstages, nachdem sie durch die Enquete in Erfahrung gebracht haben, welche Anzahl von Menschen in den deutschen Fabriken beschäftigt find und welche coloffale Summen in der Tabaksbranche angelegt sind, entschieden gegen das Monopol sich ausgesprochen haben. Insofern dürfte also der Herr Rath mit seiner Idee den Speffartern wenig Hülfe bringen, wohl aber stimmen wir chm bei, wen« er behauptet, daß dem Speffart nur allein durch Dorthtn-Ver- pslanzung einer Industrie zu helfen ist. Schreiber dieses hatte selbst mehrere Jahre in einem Ort des Speffarts eine Ftltalfabrik; seine Erfahrungen gehen ahtn, daß — vorausgesetzt der Besuch der Fabrik wird von den Ortsbehör- oen nicht b. kämpft, sondern kräftig unterstützt, — die Arbeiter des Speffarts zur Fabrikation gut qualtficirbar find! Selbstredend wird es aber in der heutigen Zeit — wo mehr A. gebot der Arbeitskraft wie Nachfrage vorhanden ist — keinem Industrielle« mehr in den Sinn kommen, allein den Speffart aufzusuchen und die Leute anzulerne», sondern hierfür müßte der Betreffende genügende Unterstützung von Seiten der Regierung bekommen. Der Speffart hat reichliche Arbeitskraft, die brach liegt; fie wird niemals zur Ausbeutung kommen, weil die Leute an die Scholle gebunden find und ihr Heim nicht vcr- laffen wollen. Die dortige Kraft muß also ausgesucht werden und gleich dem Herrn Rath Hüller würden auch wir die Dorthinverpflanzung der Industrie begrüßen, freilich aber nicht auf dem vorgeschlagenen Weg des Monopols, sondern auf dem der freien J»dustriet Telegraphische Depeschen. Wagner'S telegr. Correspvnde«-- Bureau. Frankfurt a. M., 23. Decbr. Der seitherige zweite Bürgermeister Dr. Berg wurde in heutiger Stadtverordneten-Versaurmlung mit 33 Stirn- men auf 12 Jahre wiedergewählt; 9 Zettel waren unbeschrieben. Loudon, 23. December. Eine Depesche des General Roberts aus Kabul vom 19. ds. meldet: Gestern leichte Scharmützel mit dem Feind. Die Verstärkungen für Kabul setzrn ihren Vormarsch fort. srisch, 23. Decbr. Der Skupschtina wurden von der Regierung zwei mit Italien abgeschloffenen Conventionen in Betreff der gegenseitigen Auslieferung gemeiner Verbrecher und der Consular-Jurisdiction vorgelegt. Petersburg, 23. December. Officiell. Aus Cannes vom 21. ds. wird gemeldet: Dle Kaiserin bat die letzte Nacht weniger befriedigend verbracht, als die vorletzte. Der Husten, am Tage schwach, wird Nachts stärker. Die Brustschmerzen laffen nach; das Fieber ist im Abnehmen begriffen. Wieu, 23. Decbr. Meldungen der „Polit. Corresp." Aus Konstan- ttnopel. Die griechischen Commissäre setzten die Pforte durch eine Zuschrift in Kenntniß, daß sie, im Falle bis zum 27. Decbr. weder eine Comvlissions. Sitzung stattgefunden habe, noch ein bestimmter formeller Vorschlag der Pforte vorläge, die Unterhandlungen als aussichtslos ansehen und annehmen müßten, baß auf dem bisherigen Wege ein Griechenland zufriedenstellendes Resultat nicht zu erzielen sei. — Aus Cettinje. Aus montenegrinischen Kreisen zeigt sich eine wachsende Gereiztheit über dir Unthätigkeit der Pforte und Mukhtar Paschas in der Angelegenheit von Gusfinje. Mehrere Großmächte machten ihren Einfluß geltend, um Montenegro von übereilten Schritten abzuhalten. — Die „Wiener Ztg." veröffentlicht die sanctionirten Gesetze, betr. die Wehrkraft, die Ermächtigung zur Verlängerung des deutschen und des ftan- zöstschen Handelsvertrags, die Einbeziehung Bosniens, der Herzegowina, Istriens, Dalmatiens, Brodys und der kleinen ungarischen Häfen in das Zollgebiet und die Einführung der Verzehrungssteuer dortselbst. Magdeburg, 23. Decbr. Weber wurde mit mehr als 1000 Stimmen Majorität gegen den Socialdemokraten Viereck zum Reichstags-Abaeord« veten gewählt. London, 23. December. Mit dem in der letzten Parlamentssesston creirten, Neujahr in Wirksamkeit tretenden Gencral-Staatsanwalts-Amte wurde Maule, bisher Recorder in Leed, betraut. Paris, 23. Decbr., Abends. Challemel-Lacour kommt morgen hierher. Bis dahin bleiben die weiteren Verhandlungen bezüglich der Cabinets- bildung suspendirt. — Die Nachricht, daß die Regierung Verhandlungen behufs Abänderung des Concordats eingeleitet, ist der „Agence Havas" zu- felge unrichtig. Nom, 23. Decbr. Der Senat genehmigte da8 provisorische Budget» gesetz, die Verlängerung der Handelsverträge mirE'gland, Frankreich, Deutsch, land, Belgien und der Schweiz, sowie die Handelsconvention mit Serbien; ferner mehrere Entwürfe lokaler Nitur. Aar 12. Janurr wird der Senat wiederum zufammentretkn zur Berathung der Mahlsteuer-Vorlage. London, 23. December. Officrcll nnib aus Kalkutta gemeldet: Von General Roberls gingen unterm 16. 17. und 18. dö. Depeschen ein, wonach die Arbeiten zur Verteidigung von Sderpur beendet sind. Der Feind befand sich auf den Anhöhen oberhalb Kabuls und kam aus Tdälern, wo die englische Cavallerie nicht patrouillirte. General Roberts werde die Offensive ergreifen, wenn er Verstärkungen erhalten hat. Der Verlust des Fundes am 14. ds. war groß. Mehrere Häuptlinge wurden getödtet. Der Feind erschien auf S'absung, wurde rasch zurückgeworfen. Die Menge des Feindes vermindert sich. Mahomed Jan hat Musa Khan, den ältesten Sohn Jakubs, zum Emir ausgerufen. — Eine Depesche des Generals Roberts vom 20. ds. meldet: Der Getreidezug ist sicher in L-taband angckommen, mithin die Straße bis dort frei. — Der britische Verlust betrug am 19. ds.: Einen Officter und 15 Mann verwundet. Drei Ofstctere sind an den Blattern erkrankt. Die Lungenkrankhett hat in Folge der Kälte zu genommen. Sonst ist die Gesundheit der Truppen sehr gut, nur 4 Procent sind krank. QueenStown, 24. Decbr. Das Schiff „Mallowdale" von Boffein (?) landete auf der Fahrt von Liverpool nach New'Orleans 9 Personen von der Mannschaft des Dampfers „Borussia", welcher 330 Meilen südlich von FayalS am 2. Decbr., in Folge eines durch Sturm erhaltenen Lecks sinkend, verlassen wurde. Der Kapitän und zweite Steuermann verblieben auf dem sinkenden Schiffe. Paffagiere und Mannschaft waren auf 1 Booten einge- schifft. GS wird befürchtet, daß von den Ueberlebenden keiner gerettet wurde; ein Boot sah man untergehen. Die „Borussia" hatte 180 Paffagiere und S4 Mannschaften an Bord. Lokales. Gieße«, 22. December. In der heutige« Sitzung des ProvinzialausschuffeS der Provinz Oberheffen kamen, nachdem eine Sache durch Zahlung Seitens deS Beklagten vor der Sitzung erledigt worden war, folgende Gegenstände zur Verhandlung: 1- In Sachen des Ortsarmenverbandes Herbstein gegen den Ortsarmenverband Lauterbach wegen Unterstützung deS Eduard Louis Gräfe. Die Klage wurde als unbegründet abge- wiesen und Kläger in die Kosten des Verfahrens rind zur Zahlung eines Lversionalbetrages von 20 in bie Provinztalkasfe verurtheilt. 2. In Sachen des O r t sarmenverbandes Lauterbach gegen den L a n darmenverband Lauter bach wegen Unterstützung des Konrad Fritzges. Auch hier wurde die Klage alS unbegründet abgewtesen und Kläger in die Kosten des Verfahren-, sowie in einen Averfionalbetrag von 20 JL zur Provinztalkaffe verurtheilt. 3. In Sacken des Ortßarmenverbandes Frischborn gegen den Ortsarmenverband tauter- bach wegen Unterstützung des Johannes Eichenau«. Der Provinzialausschuß erkannte die Klage für begründet und verurtheilt- den Beklagten zur Zahlung ves -ingcklagten Betrages. sowie eines Aversionalbetrages von 30 zur Provinztalkasse und Tragung vcr Kosten deS Verfahrens. 4 Zn Sachen des Ortsarmenverbandes Rainrod gegen den Ortsarmenverbond Raberts-- Hausen wegen Unterstützung des Georg Peter Bechtold. Die Klage auf Zahlung von 1,5 1 wöchentlich für Wohnung und Verpflegung des Rubrtcatm wurde für begründet erkannt, Beklagter zur Zahlung derselben, Tragung der Kosten vetz Verfahrens und Zahlung eines Ave,^ fionalberrages von l0j6 verurtheilt, dagegen wurde die Klage auf Uebcrnahme des Unterstützten durch den Beklagten wegen mangelnder Begründung abgewiesen und Kläger zur Zahlung eines Averflonalbctrages von 10 X zur Provinziaikaffe verurtheilt. Gießen, 23. December. In heutiger Sitzung detz Provinzialausschusfcs der Provinz Oberhesien wurde, nachdem ein Gegenstand durch Befriedigung des Klägers vor der Sitzung seine Erledigung gefunden hatte und ein Gegenstand wegen nicht vollständig zu erhebenden Beweises vertagt worden war, über folgende Gegenstände verhandelt: 1. Zn Sachen des Orts-Armenverbands Homberg a. d. Ohm -.'gen den Land- armcnverband Alsfeld wegen Unterstützung des Christoph Reuß. Der Provinzialausschuß erkannte die Klage für begründet und verurtheilte den Beklagten zur -Zahlung der eingeklagten Forderung, Tragung der Kosten des Verfahrens und in einen Aversional- betrag von 20 JÜL in die Provinzialkasse. 2. Zn Sachen deS Orts-Armcnverbands Homberg a. d. Ohm gegen den Land- Armenverband Alsfeld, wegen Unterstützung des Gustav Finsterbusch. Die Klage wurde wegen versäumter Erklärung auf dieselbe für begründet erkannt, Beklagter zur Zahlung des eingeklagten Betrages, Tragung der Kosten des Verfahrens und in einen Aver- sionalbetrag von 20 .JL in die'Provinzialkasse verurtheilt. Der letzte Geaenstand der Tagesordnung, das Disciplinarversahren gegen den Schutzmann Bärrn fand dadurch seine Erledigung, daß letzterer vor der Sitzung seinen Recurs gegen das Urtheil des Kreisausschusses zurücknabm. Bekanntlich hat diese Angelegenheit, die seiner Zeit so großes Aufsehen veranlaßte, in anderer Beziehung be- reits in voriger Woche eine für den Hanptbetheiligten ebenso fatalen Abschluß erhalten, indem Schutzmann Bärrn in Folge der Verhandlung vor dem Landgerichte zu einer Gefängnißstrafe von fünf Wochen verurtheilt wurde, während von den angeklagten Studenten nur einer wegen Ehrenbeleidigung zu einer Geldstrafe von 10 .AL verurtheilt, die übrigen aber freigcsprochen wurden. Gießen, 24. December. Zn der auf Samstag den 27. d. Mts., VormütaqS 9 Uhr, im RegierungSgebäude dahier anberaumtcn öffentlichen Sitzung des Krcisausschuffes kommt ver am 20. d. Mts. vertagte Gegenstand: Die Beschwerde mehrerer Bcwohncr der Schulstraße zu Gießen, wegen ihrer Verpflichtung zur Reinigung derselben betreffend, zur Verhandlung. Gieße«, 24 December. Die am Sonntag im Saale dcs „Prinz Earl" stattgefundene Bescheerung, welche von Seiten der Kindergärtnerin F'äulein Melanie Härtel für ihre kleinen Zöglinge arrangirt wurde, verdient als eine in jeder Beziehung gelungene bezeichnet zu werden. Wenn man die Spiele und Vorträge der Kleinen, welche allerliebst und originell waren, mit angesehen und gehört bat, so mußte man die Ueberzeugung mitnrhmen, daß Frl. Härtel cs weder an Mühe noch Geduld bei ihren Zöglingen fehlen läßt. Die Liebe und Zuneigung, welche dieselben für ihre Tante Härtel haben, wurde von allen Anwesenden mit Freude beobachtet. Zum Schluß der Feier wurde Fräulein Härtel noch mit einem Geschenke bedacht, welches derselben von Frau Fabrikant W eidig im Namen der Eltern der kleinen Jugend, mit einer Ansprache, worin Dank und Anerkennung ausgesprochen wurde, übergeben. O. Gießen, 24. December Während der Wocke vom 14. bis 20. December starben in Gießen im Ganzen 13 Personen, unter welchen sich 2 Kinder im ersten Lebensjahre und 2 im 3. Lebensjahre befanden. Die beiden ersteren starben an Krämpfen, von den beiden letzteren das eine an Masern, daS ander« an Rachenbräune. Als Todesursacke bet vcn erwachsenen Personen wurde angegeben Lungenschwindsucht 2mal. Krebs, Herzkrankheit, Leberentartung, Selbstmord, Schlagfluß, Altersschwäche je einmal. Einmal konnte die Todesursache nicht mit Bestimmtheit angegeben werden. G. — Die Kälte bat auch heute wieder mehr angezogen. Das Thermometer sank heute Nacht auf IfO kalt. Um 9 Uhr früh waren es noch 17», um 12 Uhr 13<>. — Die Volksküche vertheilte heute 665 Portionen. Verkauft wurden 167 Portionen, vertheilt 498. Vermischtes. Mainz, 22. December Die Kälte der vcrfloffenen Nackt — wir hatten 20 Grad Reaumur — hat der Eisdecke des Rheines eine solche Festigkeit gegeben, daß sogar der Transport mit schweren Gütern über die gefrorene Eisdecke bewerkstelligt werden kann. Die ver- schiede«en Gewerbe beginnen auch bereit«, ihr Handwerk öffentlich auf dem Rhein außjuüben- Heute Vormittag hat ein hiesiger Küfermeister mit seinen Gesellen zwei große Stückfaß auf der -Eisdecke fertig gestellt. Die Fässer, welche für eine hiesige Weinhanvlung bestimmt sind, werden Mit einer entsprechenden Inschrift versehen werden- Morgen werden auch die Hufschmiede, Schuhmacher re. auf dem Rhein arbeiten, eine große Schlächterei wird ebenfalls für morgen auf dem Eis eingerichtet. Es ist ein buntes, überraschendes Treiben und viele Fremde kommen eigens hierher, sich das Schauspiel anzusehen. Unsere Schiffbrücke ist, da man rechtzeitig versäumt hatte, die Pontons in den Hafen zu bergen, tm offenen Rhein eingefroren. Unter großen Anstrengungen und bedeutenden Kosten werden gegenwärtig die einzelnm Pontons aus dem Eis herausgehaüen, um dieselben in den Hafen zu schaffen. Man befürchtet nämlich, daß sie bei