Nr. 93. Mittwoch, den 23 April 1879 Kichener Wueiger Ayeize- ert Amtsblatt fit htn Kreis Gieße«. | «chulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montag». Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. dem Reichstage vorgelegt worden ist. Unter den maßgebenden Persönlichkeiten der dem Programm des Reichskanzlers zustimmenden Parteien scheint eine Einignig darüber erzielt worden zu sein, daß man unter Ausscheidung der Baumwollen- und Chemikalienzölle, eventuell auch von Eisen und Leder, die an einer besondere Commission zu verweisen seien, alle übrigen Positionen des Tarifs im Plenum berathen könne. An competenter Stelle scheint dieses Procedere Anklang gesunden zu haben; Freiherr v. Varnbüler soll vor seiner Abreise von Berlin mit den L itern der der Zollreform zustimmendrn Parteien über diese Angelegenheit eingehend confirirt haben. Das Treiben der russischen Nihilisten hat sich in den letzten Tagen vor dem Kaiseratientat durch eine ganze Reihe anderer Verbrechen fühlbar gemacht, über welche in den Provinzialblätteru des Czarenreiches die haarsträubendsten Einzelheiten erzählt werden. Man kann ohne Uebertreiburg sagen °daß Rußland gegenwärtig viel mehr vor der „geheimen Regierung" als vordem Czaren und der dritten Abtheilung zittert. Die Behörden stehen unter dem Eindruck der Furcht und scharenweise bitten die Beamten um ihre Entlastung. Die Journalnachricht, daß der russische Botschafter am englischen Hofe, Graf Schuwaloff, demnächst sein Abberufuncsschretben einreichen werde, ist nach osficiellen, an das englische Amt des Auswärtigen gelangten Mittheilun- gen unbegründet. Die Verhandlungen zwischen dem Londoner Cabinet und der französischen Regierung betreffs der eghptischen Angelegenheiten haben zu keinem Resultate geführt und sind englischerseits für abgebrochen erklärt worden. — Dagegen soll der kleine Conflict zwischen Englaid und Frankreich wegen Besitznahme der afrikanischen Insel Matakong beigelegt fein, nachdem Frankreich erklärt hat, der Sache fern zu stehen. Uebrigens haben beide Mächte kein Anrecht auf die Insel. Russische Zustande. Die Antwort, welche die russische Regierung den Nihilisten auf das Kaiser-Attentat zu geben gedenkt, ist die Militärdespotte, der Belagerungszustand. Kaiser Alexander bekundet mit diesem Beschluß ein geringes Ver- ständntß für die Zustände des ihm untergebenen Landes. Allerdings wird keine Regierung die Nihilisten befriedigen können, so wenig in irgend einem Staate, Monarchie oder Republik, der Socialtsmus überhaupt zu befriedigen ist. Aber ein einsichtiger Regent sollte wenigstens jene natürliche Opposition in Rußland befriedigen, wilche es als eine Schmach empfindet, daß dem Lande nach einem Befreiungskämpfe für die Glaubensbrüder nicht einmal diejenigen politischen Rechte bewilligt werden, welche man Bulgarien zugesteht. Besäße Rußland einen großen Staatsmann, welcher den Kaiser zum Erlaß einer Constitution und zur Einberufung eines russischen Parlaments drängte, die Dynastie wäre gefestigt, das Volk gereitet, die Finanzen gebeffert, die Polizeiwtllkür und Beamtencorruption gebrochen, mit einem Worte: durch die Einreihung Rußlands in die constiiutionellen Länder wäre dem Nchilismus der Boden entzogen. Dos Parlament selbst würde vor den schärfsten und vom Volke unterstützten Maßregeln den Nihilismus bekämpfen und besiegen, wie man in Deutschland durch das Soctalistengejetz den Socialismus lahm gelegt hat. Allerdings darf man sich dabet nicht der Illusion hingeben, daß mit der Verfaffung Rußland mit einem Schlage zu geordneten inneren Zuständen gelangen werde. Es fehlt vorläufig in Rußland zu einer gedeihlichen politischen Entwickelung an nichts weniger als an Allem. Eine Zeit lang galt Rußland zwar als Hort der conservativen Jntereffen, aber auch das war nur Schein. Es gab in Rußland nichts zu conservtren, weil es nichts Stabiles gab. Alle Einrichtungen der russischen Regierung, alle Gesetze und Maßregeln waren vorübergehend, ohne Dauer, ohne Abschluß, ja ohne präcise Form. Heute verbot man, was man gcstern befahl. Weil die Basis fehlte, liebte man die Neuerungen bis zur Thorheit, und wenn sie unbequem wurden, so schaffte man sie wieder ab. Zwischen Stillstand und Ueberstürzung haben die moskowiti- chen Gewalthaber hin und her geschwankt. Das Resultat war eine Corrup- tion sonder Gleichen, die weit hinaus ging über das, was man bei uns auch nur begreifen kann.. Es ist keine Ueberrreibung, wenn die Revolutionäre pro- clamiren, daß die Justiz der Gerechtigkeit Hohn spreche. Aus die Corruption als eine „berechtigte Eigenthumlichkeit waren alle russischen Zustände zugestutzt. Es geschah in Rußland nichts als dos, was der Corrvption förderlich erschien; man betrachtete als ausschlaggebenden Gesichtspunkt, ob hier oder da sich eine höhere Summe der Bestechung darbot. Die Lapowe", die Bestechungssumme, sängt mit dem Rubel für den Grenzsoldaten an und steigt zum Tausend bei den Provinzialbeamten, zum Hunderttausend bei den Chefs und zur Million, wo der Einfluß des Czaren zu gewinnen ist. Die „Lapowe" ist der Fau ilienunterhalt für die Ruffen, welche sich in einflußreicher Stellung befinden. Auch dieses System kann nur der Parlamentarismus und die Oeffentlichkeit brandmarken und besiegen. Es ist allerdings viel verlangt, daß Kaiser Alexander die guten Rathschläge der Revolution, welche soeben sein Leben bedroht, befolgen soll; aber es wird ihm nichts Anderes übrig bleiben, wenn er sein Land beruhigen und retten will. Wir fürchten, daß die geheime Revolution dem Belagerungszustände mit erneuten Schreckensthaten Hohn sprechen wird. Nußland. Petersburg. (Russisch-kirchliche Zustände). Im gegenwärtigen Augenblick, wo Aller Augen auf Rußlands Zustände gerichtet find, fragt man sich, ob denn nicht auch dort die Religion eine zurückhaltende und heilende Macht ausüben könne. Was man von der dortigen griechisch - katholischen Kirche weiß, ist wenig geeignet, von ihr einen kräftigen sittlichen Einfluß zu erwarten, um so weniger, da Bischöfe und Popen kein gutes Beispiel geben und letztere schon ihres Bildungsgrades wegen in geringer Achtung stehen. Ein redendes Zeugniß dafür ist eine Petition, welche nach dem russischen Kirchenboten der heiligen Synode zugegangen ist. Sie beantragt Folgendes: 1) Daß der neue Bischof fortan nur selten Diener und ausgediente Soldaten zu Diakonen weihen möge, und daß Leute, die weder schreiben noch lesen können, nicht Popen werden dürfen. 2) Daß der neue Bischof die Kirchendiener während des Gottesdienstes in der Kirche nicht insultire. 3) Daß er während feiner oberhirtlichen Visitation die Postmeister und Postillone nicht mit Peitschenhiebe regaliren, weil sie in gebirgigen Gegenden langsam fahren. 4) Daß er sich mehr mit kirchlichen Angelegenheiten befaffe als mit Festesten, welche der Diöcese viele Unkosten verursachen. 5) Daß das Gefolge des Bischofs sich anständig betrage und nicht dem Trunk fiöhne. Petersburg. In Odessa beginnt es von Neuem sehr ungemüthl ich zu werden. Seit einigen Tagen werden daselbst, wie der „Mosk. Zrg." von dort geschrieben wird, unzählige Placate revolutionären Inhalts verbreitet, in welchen allen kaiserlichen Behörden mit deren Vernichtung und einem allgemeinen Volksausstande gedroht wird. Alle diese Placate sind mit rochen Buchstaben gedruckt und tragen an deren Spitze die gemeinsame Devise: „Terror sa terror!“ („Terrorismus für Terrorismus!"). Die Folge der Verbreitung dieser Placate war, daß der Höchstcomrnandirende^er Truppen des Odestaer Milttärkreises, General-Lieutenant Semeka, über die Stadt Odessa den Belagerungszustand verhängte. Die Odestaer Polizei wurde, wie der „Odeßky Westnik" vom 11. d. Mts. schreibt, angewiesen, „zur Sicherung der Ruhe daraus zu sehen, daß in der Stadt keine Zusammenkünfte stattfinden, daß in allen öffentlichen Häusern, Gärten u. dergl. Ruhe und Ordimng herrschen, daß nicht geschossen oder öffentlich gelärmt werde, daß die Gast- und Einkehrhäuser bis Mittag geschloffen bleiben, daß alle Arrestanten im Eentral- Gcsängniste untergebracht werden und nicht in den gewöhnlichen Arrestlocalen bleiben, daß die ganze Polizei Dienst halte, daß von allen Unruhen oder öffentlichen Versammlungen unverzüglich dem Höchstcommandirenden ge neidet werden solle" u. s. w. Zu diesem Zwecke wurde die Odestaer Stadtpolizei um 150 Mann Infanterie-Soldaten, 115 Reiter aus dem 7. Kosaken-Rcgiment und 25 Polizeibeamte aus dem Offictercorps verstärkt. — Ueber die Entführung des Gouverneurs von Kiew durch die Nihilisten liegt jetzt in polnischen Blättern ein Bericht vor, nach welchem der Gouverneur noch lebt, aber in Gefangenschaft gehalten wird. Derselbe hat an den Polizeimeister einenJBrief geschrieben und ihn beschworen, er möge auf der Suche nach den Mördern Krapotkin's sehr vorsichtig zu Werke gehen; denn sonst müßte er (der Gou- Deutschland. Darmstadt, 21. April. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnängst^ geruhtM Landgerichts Beerfelden Ferdinand M-n a es auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung feiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand zu versetzen; an demselben Tage den Hauptsteuer- ^s-SKflftentcn 2. Elaste bei dem Hauptsteueramte Mainz, Christian von G öd k um Hauptsteueramts'Assistenten 1. Elaste daselbst, - sowie an dem- mLu VaaT den Finanz-Aspiranten Christoph Saßmannshausen aus Butzbach zum Hauptsteueramts-Asststenten 2. Elaste bei dem Hauptsteueramte Worms zuittnennen. @e$e(nKn Obersteuerrath i. P. Hermann Welcker unter Belastung im Penstonsstande zum Regierungs-Commistär bei der Bank für S^deutschlandozu^erne^ n.$^ ^tive zur Zolltarif-Vorlage sind im Bureau des Reichstags eingegangen nachdem ihre Ausarbeitung unter Zu- der von der Tarifcommt sion entwor enen Begründung beendet war. JXÜS gestalteten sich die Ausführungen über Getreide Holz, Eisen, welche zum großen Theil neu entworfen sind. Die der Tarifcommisflon haben keine Berücksichtigung gefunden. SX fft dem Reichstag ein überaus umfangreiches Maierial übersandt @ ?ntknuenb die Zolltarife der einzelnen Staaten Europas und den Nordamerika, sowie eine Statistik der gurren (Einfuhr au« den verschiedenen Ländern. So gestaltet sich die Zoll- urlSorhge mit «hr-n Motiven zu dem umfangreichsten Entwurf, der jemals verneur), welcher sich als Geisel in den Händen der Nihilisten befinde, den „Uebereifer" mit seinem Kopfe büßen Telegraphische Depeschen. Wagner'- telegr. Torrespon-enz-Bureau. Berlin, 21. April. Der „Reichsanzeiger" publlcirt eine kaiserliche Verordnung, -wodurch die Lothringer Bezirksoertrelung zu einem Bezirkstag einberufen wird, welcher am 28. April beginnt und spätestens am 3. Mui schlicht. Frankfurt, 21. April. Die Generalversammlung des Vereins für Sociaipolttik nahm nach langer Debatte über den Zolltarifentwurf mit 52 gegen 50 Stimmen den Antrag Sombart's an: Den Reichstag zu erfuchen, den durch den Tarifentwurf vom 4 April d. Js. in Aussicht genommenen Etngangszöüen auf Getreide, Vieh, Holz und Lohe seine Zustimmung nicht zu ertheilen; — ferner den Antrag Bertelsmann: Zu pos. 25 g ist die Erhöhung des Zolles auf frisches und gespachtes Fleisch von 3 auf 12 Mk. abzulehnen. Rom, 21. April. Die epirotischen Delegirten haben dem General- secretär des Aeußern, Tornieüi, ein Memorandum überreicht, in welchem con« statin wird, daß Epirus, deffen Bewohner die griechische Annexion wünschen, einen Theil Griechenland- bilde. Griechenland bleibe ohne Epirus ohne Ver- theidigungslinie. Griechenland sei der epirotischen Wünsche so sicher, daß es bereit sei, die Entscheidung einem Plebiscit anheimzustellen. Berlin, 21. April. Der deutsche Commisiar für die australische Ausstellung, Reuleaux, begibt sich morgen nach London. Seitens der Reichsregie- rang wird bei dem Reichstage zur Unterstützung der deutschen Aussteller die Bewilligung einer noch zu bestimmenden Summe beantragt werden. Wien, 21. April. Die „Polit. Corresp." berichtet telegraphisch aus Belgrad über den Arnauten-Einfall: Gegen 1000 Arnauten, darunter Nizams, drangen am Freitag bei Prepol;ac in den Toplicer Kreis ein und besetzten Kurfchumlje, desien Garnison, 200 Mann stark, sich vor der Uebermacht zurückzog. Fürst Milan ordnete die sofortige Entsendung von 5 Bataillonen und 2 Batterien an. Gestern schritten die serbischen Truppen zum Angriff und verdrängten die Arnauten aus Kurschurnlje. Doch gelang es diesen, sich auf den Anhöhen von Samokowo festzusetzen, von wo sie heute die Serben wieder angriffen. Bei Kurschurnlje blieben 4 Serben und 6 Arnauten tobt, 3 Serben und 7 Arnauten wurden verwundet. Die serbische Regierung rich- Me an die Pforte die Aufforderung, reguläre Truppen an die Grenze zu ent' senden, widrigenfalls Serbien die Angreifer ohne Rücksicht auf das tückische Territorium exemplarisch bestrafen müßte. Der englische Ministerresident Gould hat sich behufs Ueberreichung seiner Creditive nach Risch begeben. Belgien ernannte Borchgrave zu seinem diplomat'schen Vertreter in Serbien. Brüssel, 21. April. Ungefähr 7400 Grubenarbeiter haben die Arbeit eingestellt; man befürchtet, daß sich der Strike auf den Grubenbezirk von Mons nuSdebnen werde. Moskau, 21. April. In Folge des Austretens des-Moskwafluffes sind die benachbarten Ortschaften überschwemmt; ein Theil des Gartens beim Kreml und zwei Stadttheile stehen unter Wasser, welches die niederen Etagen der Häuser bereits übersteigt, so daß eine Anzahl Familien kaum gerettet werden konnte. Der entstandene Schaden ist sehr bedeutend. Das Waffer steigt noch weiter. Petersburg, 21. April, Abends. Heute wurden an den Straßenecken eine Verordnung des provisorischen General-Gouverneurs Gurko ange- schlegen, welche folgende Sicherheitsmaßregeln verfügt: Bei der Pforte eines jeden Hauses in Petersburg soll am Tage, sowie Nachts, ein Hauswächter den Dienst versehen. Dieselben sollen aufpaffen, daß nirgends Placate ohne bezügliche Erlaubniß angeschlagen und daß auf den Straßen keine Schaden bringende Gegenstände verstreut werden; Personen, die Derartiges verüben, müffen vom Hauswächter verhaftet werden. Im Falle der Nichterfüllung dieser Pflichten unterliegen die Hauswächter einer Strafe von 25 Rubel oder 7tägiger Haft beim ersten Male und der Ausweisung aus der Stadt zum zweiten Male. Die Hausbesitzer, deren Hauswächter bei der Pforte ihren Dienst vernachlässigen, unterliegen einer Strafe von 500 Rubel. — Obige Vorschriften treten 3 Tage nach deren Veröffentlichung durch die Polizeizeitung in Kraft. — Dieselbe Veroiduung verfügt ferner: Alle Waffenhändler sollen in sieben Tagen dem Stadthauptmann ein Verzeichniß des gesummten Inhalts ihrer Magazine, Buden und Lager einreichen. Feuer- und andere Waffen, sowie Patronen dürfen fortan nur gegen Einreichung eines vom Stadthauptmanne ausgestellten Erlaubnißschetnes veikautt werden. Die Nichterfüllung dieser Bestimmung führt ein Verbot des Handels nach sich. So lange kein Waaren- verzeichntß eingereicht ist, wird der Verkauf von Waffen ohne Entgegennahme des Erlaubnißscheines beim ersten Male eit Strafe bis 500 Rubel, beim zweiten Male durch Maaren - ConfiScation und gänzliches Handelsverbot bestraft. Privatpersonen, welche Feuerwaffen besitzen, sind verpflichtet, die Polizeibehöide davon in Kenntniß zu setzen, worauf nur solche Personen die Waffen behalten dürfen, welchen dieses vom Stadthauptmann erlaubt sein wird. Personen, melcbe Waffen ohne solche Erlaubniß behalten werden, unterliegen außer der Confiscation der Waffen einer Strafe von 500 Rubel oder 5 Monat Haft. Die deutsche Reichspost als Spediteur. Eine Schrift: „Die Reform im Gütertransport" (Berlin, 1879. Verlaa von Julius Springer) verbucht zu zeigen, in welcher Weife die billigen Tarife allgemein zugänglich gemacht werden können, ohne daß dabei das Interesse der Eisenbahnen gefährdet wird. Der Verfasser schlagt vor, die Vorthcile, welche der Spediteur genießt dadurch dem Publikum zu verschaffen, daß man die deutsche Reichspost zum General- Spediteur macht. Die Post soll die Aufgaben losen, welche man an den Stückgut- Transport stellt. Sie hat auf icder Eisenbahnstation, ja auf jedem Plätzchen von irgend welcher Bedeutung ihre Agenten und braucht diese nur mit dem einfachen Geschäfte bekannt zu machen, um sich als Spediteur für ganz Deutschland zu etabliren Nimmt sie diese Aufgabe in die Hand, so roirb es auch möglich, einen billigen für Alle gleichmäßigen Tarif zu construiren, und das Versandtgeschäft wird sich höchsl'emfach gestalten Mit den Eisenbahnen wird ein Abkommen auf Wagenachsen-Kilometer-Ver- gütung zu treffen sein, wodurch die Eisenbahnen einfache Transport-Verhältnisse erhalten Mit Freuden würden die Bahnen zugreifen und ein billiges Abkommen zu treffen suchen Wenn aber auch die eine oder andere Bahn nicht darauf eingehen würde so dürfte dies die Post nicht abschrecken. Sie würde ruhig ihre completen Wagen'sendungen zum letzigen Tarif befördern lassen, das wenige übrige Gut aber zum Stückauttarif der Bahn übergeben. Die Abrechnung der Post mit den Bahnen wird auf Grund der mit Stückgut befrachteten Achs-Kilometer stattfinden; der Post aber bleibt es überlassen in welcher Weise sie die Wagen befrachtet, so daß es also in ihrem Interesse liegt 'die Wagen möglichst auszunutzen. Die Güterschuppen und sonstige dem Stückgut-Verkehr dienenden Anlagen werden von den Bahnen miethweise der Poftanftalt abgetreten Aus der bereits vorhandenen Statistik wird die Post sich ein Bild macken können zwischen welchen Stationen ein Verkehr besteht, welcher unter Innehaltung der kurz bemessenen ^lefersrsiten einen täglichen oder einen zwei-, drei- oder mehrtägigen directen Verwandt zulatzt. Für jede Verkehrsroute wird dann die Post in der Vage sein genaue und feste Bestimmungen über den Versandt zu treffen. Die Beförderungstage können dem Publikum mitgetheilt werden, so daß die Lieferung des Frachtgutes zur rechten Zeit erfolgt. Die Spedltionsfnst wird sich verkürzen, weil das verladene Gut meist direct dem Bestimmungsorte zugeführt werden kann. Der Localverkehr wird besonders zu regeln fern. Jedenfalls wird es nicht schwer sein, Dispositionen zu treffen, nach denen von und nach verschiedenen Punkten vollbelastete Postzüge abgelassen werden konnten. Die Expedition dürfte sich sehr einfach gestalten. Unter der Aegide der Post wird ein geregelter Landfuhrdienst zur Abholung der Guter von und nach den Poststellen geschaffen werden, der je nach Bedürfnitz alle Tage oder ein ober mehre Male in der Woche die Verbindung zwischen den entfernt liegenden Städtchen und Dörfern mit der Bahn herstellt. Die Landbevölkerung wird dadurch industriell und productiv gemacht und wie von selbst werden sich die natür- lichen Wege für Pferde- und Secundärbahnen ergeben. Was unserem Baterlande an natürlichen Hülssquellen abgcht, das wird durch eine den Bedürfnissen entsprechende höhere Entwicklung der Anlage und die einheitliche, ökonomische und kaufmännische Leitung des Verkehrs ersetzt werden. Versteht es nun auch die Post, die einzelnen Arbeiten in ökonomischer Weise zur Ausführung zu bringen, so wird sie in wirklich großartiger Weife Handel und Industrie beleben und fördern. Die Stückgut-Transportfrage wird in einer Alle befriedigenden Weise gelöst sein. Schon vor sechs Jahren und neuerdings wiederholt sprach Mcvissen der Präsident der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft, die Ansicht aus, daß nach Einführung des Raumsystems nur die Reichspost in der Lage fein werde, ohne finanzielle Nachtheile für die Eisenbahnen die Besorgung des Stückguts in die Hand zu nehmen und dem Publikum wesentliche Vortheile durch rascheste Besorgung und durch auf gleichen Grundlagen beruhende Taxen zu bieten. Man beginnt nach vielen Klagen, welche gegen das Raumsyiiem laut geworden sind, jetzt die Richtigkeit dieser Ansicht zu würdigen. Die Post allein erscheint berufen, das System nützlich auszubeuten; der dann erreichte Fortschritt dient nicht nur zur Stütze und Hebung der L'.ndwirthschaft und der Industrie; er ist nicht nur werthvoll für das Nationalvermögen, sondern auch nützlich für die Eisenbahnen.___________________________________________ Lokales. Gießen, 22. April. Nächsten Sonntag, am 27. er., findet der 34. Turntag des Gaues Hesien, Vormittags 11 Uhr, in Nidda im Gasthause zur Traube statt. — Unsere g-strige Notiz, betreffend das rleberfahrens eine Lebensmüden, stellt sich nach näheren Erkundigungen dahin, daß es ein blödsinniger Junge von 11—12 Jahren aus Heuchelheim war, welcher am Promenadenhaus sich auf die Schienen legen wollte und von einem Mann mit aller Gewalt vom Bahndamm entfernt werden mußte. - Gestern wurden nicht mehr ms 12 Personen arrctirt und zwar 4 wegen Bettelns, 2 auf Requisition, 5 wegen zwecklosem Umhertreiben und einer wegen Trunkenheit. Gießen, 22. April. Tagesordnung für die Stadtverordneten - Sitzung am Donnerstag den 24. April 1879, Nachmittags 4 Uhr: 1. Gesuch des Restaurateurs Balthaser Lenz um Bauerlaubniß. 2. Gesuch des Materialverwalterv Jakob Sch eil Haas dahier um Erlaubniß zur Einsäung eines städtischen Platzes. 3. Gesuch des Johannes Buch um Ueberlaffung eines städtischen Platzes zur Aufstellung einer Verkaufsbude. 4. Gesuch des Heinrich Rain um Erlaubniß zur Aufstellung einer Wafferbude. 5. Der freie Platz an der Besitzung der Christian Löber I. Wittwe und Erben. 6. Straßenanlagen im Gartfeld und in der Schwarzlach 7. Anlegung eines AbzuggrabenS in der Schwarzlach. 8. Wasser-Stagnation in der Schwarzlach. 9. Gejuch wegen Pflasterung des rechtsseitigen Trottoirs der (Srünbcrgcr Straße. 10. Das Tonnensystem betreffend. 11. Grenzberichtigung zwischen städtischem und Privateigenthum. 12. Das Feuerlöschwesen. Vermischtes. ** Der Verein zur Förderung der Handelsfreiheit hat soeben zwei Broschüren im Verlage von Leonhard Simion in Berlin erscheinen lassen. Die erstere betitelt sich: „Der Zolltarif-Entwurf nach den Beschlüssen des Bundesraths, mit einer vergleichenden Zusammenstellung der neu beantragten und der jetzt bestehenden Zollsätze." (Preis 80 Pfennig.) Die amtliche Vorlage, wie sie nach den Befchiüffen des Bundesraths an den Reichstag gelangt ist, enthält nur die neu in Vorschlag gebrachten Sätze, während eine Vergleichung derselben mit den bisher und noch jetzt in Kraft befindlichen Zollpositionen für Jeden unerläßlich ist, der sich für Zolltarif - Politik interejftrt. Diesem Bedürfnis des Vergleiches der alten und neuen Sätze kommt die erwähnte Broschüre nach. — Die zweite Schrift betitelt sich: „Die Getreidezölle in der Tarif - Commission" (Preis 80 Pfennig) und enthält die Motive, welche die Majorität der Commission für die von ihr beantragte Einführung von Getreidezöllen vorgelegt hat und die Begründung des Votums der Minorität gegen Getreidezölle. Im Vorwort heißt es: „Noch hat sich die deutsche Nation nicht von dem Erstaunen erholen können über die Eilfertigkeit, mit welcher im Laufe weniger Stunden über die grundstürzende Abänderung des ganzen deutschen Zollsystems berathen und beschloßen worden ist. Dieses Erstaunen kann nur wachsen, wenn man den dürftigen Motiven, mit welchen die Mehrheit der Zolltarif - Commission ihre Entscheidung zu begründen versucht hat, die eingehenden und umfaßenden Äuscinandersetzungen der Minderheit gegenüber hält. Möchten diese so kurzer Hand erledigten Warnungen vor der Einführung von Getreidezöllen bei Denen, in deren Händen die letzte Entscheidung ruht, eine dem schweren Ernst der Sache entsprechende Erwägung finden!" Eingesandt. (Theater.) Seit dem wiederum so mißlichen Schluffe der Theater-Saison, befinden sich noch mehrere Mitglieder der Gesellschaft hier, da wahrscheinlich Aussicht auf weitere Engagements in jetziger geschäftslosen Zeit, sich noch nicht geboten. Es sind gerade Lieblinge unserer diesjährigen Saison — Herr Richard, Herr Lindner mit Familie und Herr ttentler mit Frau — die jetzo den Kampf ums liebe Dasein fuhren. Im Vertrauen auf die Gunst des Publikums werben dieselben Donnerstag den 24. d. M. eine Abschieds - Benefiz - Vorstellung geben, — wozu Herr Wenzel den Saal und eine Privat-Gesellschaft ihre Bühne und Theater freundlichst zur Verfügung gestellt, — verhoffend mit dem Ertrag ihren neuen Wirkungskreis zu erreichen. Gewiß wird sich nickt nur der Kunstsinn — auch der Wohlthätigkeitssinn unseres Publikums unseren braven Kunstjüngern in so fern betätigen, daß es denselben in Form zahlreicher Betheiligung ein freundliches Andenken in klingender Münze mit auf den Weg giebt. Dies der Zweck bicier Zeilen. A—Z. Handel und Verkehr. Gießen, 22. April. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. 90 bis 95 Hühnereier, per Stück — 2 Stück 9 ©änfeeier, per Stück 10 H, Enteneier, per Stück 6 2 Stück 11 H, Käse, per Stück 5—10 Käsematte, per Stück 3 Erbsen, 1 Liter 18 Linsen, 1 Liter 23 Tauben, das Paar 90 Hühner, per Stück JL 1.50, Hahnen, per Stück Jü 2, Enten, per Stück 2.50, Kartoffeln, per 100 Kilo 7, Zwiebeln, per Str. JL 11 — 12 Ocksenfleisch 70 H per Pfd., Kuh- und Rindfleisch 56 bis 60 Schweinefleisch 58 — 60 H, Kalbfleisch 46 50 H. Frankfurt, 21. April. (Fruchtbencht.) Mehl Nr. 1 JL 39, 27t. 2 JL. 37, Nr. 3 JL 31, Nr. 4 27, Nr. 5 21. Roggenmehl % (Berliner Marke) 21 50, do. I (Berliner Marke) JL 19.5«'—20, do. II (Berliner Marke) .AL 14.50—15.50. Weizen, effectito hiesiger ab Babnhof hier JL 20—20.2 ., ab unserer Umgegend JL 19.75—20, t>0. fremder j- nach Qualität .4L 19.75—20.25, Roggen, je nach Qualität JL 13.50—15.25, Gerste JL 17-18.50, Hafer JL 13.50—14.50, Kohlsamen JL 27—29, Erbsen 19 bis 27, Wicken JL 14 — 16, Linsen JL 17—36, Bohnen, weiße, JL 19.50, Roggenkleie 10, Weizenkleie, grobe und feine JL 8—9, Rüböl, detail, JL 68. Stimmung ruhig. (Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht = 100 Kilo ) Frankfurt, 21 April. Der heutige Viehmarkt war ziemlich gut befahren. Angetriiben waren ca. 3-0 Ochsen, 190 Kühe und Rinder, 180 Kälber und 150 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. JL 65—67, 2. dual. JL 60—62, Kühe 1. Qual. JL 60 bis 62, 2. Qual. JL 52-54, Kälber 1 Qual. JL 63—65, 2. Qual. 58—60, Hä«»mel 1. Qual. JL 62—64, 2. Qual. AL 52 54 per 100 Pfund Fleischgewicht. ' Sckweine das Pfund 54 Bekanntmachung. 2758) In unserem Firmen-Register ist heute folgende Berichtigung vollzogen worden: Der in unserer Bekanntmachung vom 3. l. M. genannte Louis Wittich von Gießen und seine Firma gleichen Namens führen das Beizeichen „ II. “ Gießen den 18. April 1879. Großherzogliches Stadtgericht Gießen. _________Langsdorfs. Bekanntmachung 2729) Die am 17. d. Mts. in den Waldungen des Großherzogl- Majors Freiherrn v. Nordeck |ur Rabenau abgehaltene Holz Versteigerung bet Beuern ist genehmigt und erfolgt die Holzüberweisung Montag den 28. April d. Mts. Morgens um 7 Uhr. Treis a. L. den 19. April 1879. Der Oberförster Amendt. Versteigerungen. Mittwoch den 30. L Mts. von Vormittags 9 Uhr an sollen im allen Rathhaussaale versteigert werden: Gießen den 22. April 1879. Die Lieferung von Cement- cX röhren, vercmschl. zu 292,50 Die Lieferung von Cement veranschlagt zu 140,— 'Maurerarbeit, veranschl. zu 823,53 Steinhauerarbeit, „ „ 838,80 Zimmerarbeit „ „ 48,— Schreinerarbeit, „ „ 125,06 Scklofferarbeit, . „ „ 198 — Weißbinderarbeit, „ „ 42,16 Spenglerarbeit, „ „ 108,— Pflästererarbeit, „ „ 2010,02 Grdauffüllung, „ 1980,50 D as Aufräumen v. Fluthgräben 400,— Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. 2723) A. Bramm.________ HahverKaus. Montag den 28. April l. I. von Vormittags 9 Uhr an sollen in der halben Gebrauchswaldung bei Nordeck 1 Eichenabschnitt von 10 m Länge 24 cm Durchm-, 78 Fichtenabschnitte v. 4—15m Länge, 115 Fichtenstangen 1.—3. Klasse, 741 5.-8. „ HO rm Fichtenreisig, 16 „ Fichtenknüppel, 500 „ Buchenstammreisig rc. an Ort und Stelle meistbietend versteigert werden. Die Zusammenkunft ist bei der Stelzenbachschen Wirthschast in Nordeck. (2728 Marburg am 19. April 1879. Freiherrlich v. R au'sche Revenüenver- _____________waltung.______________ Holzverkauf. Montag den 28. d. Mts., um 2 Uhr, wird im hies. Gemeindehause nachverz. Holz aus Dlstrict Seiles rc. des Ge- weindewaldes Krofdorf-Gleiberg verkauft : 1 Buchenstamm I El., 109 Ctmtr. Durchmeffer, 1 Buchenstamm HL El-, 70 Ctmtr. Durchmesser, 1 Eichenstamm II El., 47 Etmtr. Durchmeffer, 119 Rmtr. Buchen-rc.-Derbholz, 35 „ „ Stöcke, 364 „ „ Reiser. Erofdors, den 21. April 1879. Der Bürgermeister: 2731) Colnot.___________ Saat. Erbsen, Früh- u. Spät-Hafer, Wicken, Sommerweizen billigst zu haben bei 1931) L. Süß. HoszoersteiMimg im Gießener Stadtwalde. Montag den 28. April 1879, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwaloe in den Dtstricten Steinertswald,Strangswiese und Bannwald nachverzeichnetes Holz versteigert werden: A. Brennholz: Scheith. Prügelh. Stockh. Reish. Raummeter. Wellen. Buchen 3 — — — Eichen 63,2 86 76,4 3870 Nadel 42 6,1 5 3800 Aspen 9 8 — — B. Bau-, Werk- und Nutzholz 269 Etchenstämme mit 66,44 Fstmtr., 7 Fichtenstämme „ 3,01 „ 31 Birkenstämme „ 5,25 „ 104 Elchenstangen „ 6 27 „ 5 Birkenstangen „ 0,30 M 179 Fichtenstangen „ 6,89 „ Die Zusammenkunft ist au der Strangswiese. Gießen, am 22. April 1879. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. 2761) A. Bramm. Fflasterarbeit- Versteigerung. Samstag der 26. April l. I. Vormittags 11 Uhr, soll auf btm Rathhaus zu Langsdorf ca. 400 Meter Straßen-Rinncn zu pflastern, öffentlich versteigert werden. (2712 Vlllingen am 19. April 1879. Heineck, Bezirksbauanfsther. Bauhohversteigerung. Montag den 28. April er., läßt d>e Gemeinde Erda folgende Eichen-Bau- und Geschrrrholzstämme versteigern: Diftrict Eichenhardt: 60 Stück mit 59,3 Fstmtr. Distr'ct Berg 28/30: 65 Slück mit 16,14 Fstmtr. und 6 Fichten mit 0,93 Fstmir., Disirict Beffenbachs: 29 Elchen mit 18,08 Fstmtr. District Pfaffenhart: 56 Elchen mir 29,15 Fstmtr. Anfang Morgens 9 Uhr im District Eichenhardt zwffcht-n Erda und Frankenbach. Hohensolms, den 18. April 1879. Der Bürgermeister: 2732) Trips. Jeilgeöotenes. 2602) Mehrere Wagen Dickwurz billig zu verkaufen. _____________Lit- C. Nr. 78 Seltersweg. Hochstämmige Kosen, sowie Topf-Epheu, zu haben bei 2725) (tieorg Noll, Gärtner. M>»W in St?