Nr. 273. Samstag den 22 November 187W. Gießener Wtzeiger Ailffige- und AmtsM für den Kreis Gießen. Au*.—,*1 . ’ ~ « reis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. | Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch di- Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. CPlTlPilvvu*€(lU ♦ J ____ _____ _______ ___ ,q — . i Amtlicher HHeil. Gießen, am 20. November 1879. Betreffen d: Die Beitreibung der Gemeindeeinkünfte. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien. Unter Bezugnahme auf unser Amtsblatt Nr. 9 von 1876 fordern wir Sie zur unverzüglichen Einsendung der sSfanb- befehle auf. __________________________________ Dr. Boekmann._____________________________ Nr. 35 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 13. l. M., enthält: (Nr. 1348.) Vereinbarung zwischen dem Deutsche» Reich und der Schweiz wegen N egulirung der Grenze bei Konstanz. Vom 24 Ium 1879. (Nr. 1349.) Bekanntmachung', betreffend die gegenseitige Zulassung von Staatsangehörigen des Deutschen Reichs und Italiens zum ^krmenrecht. Dom 1. October 1879. Gießen, den 20. November 1879. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Bookman n. Lehrer-Conferenz . der Conferenz-Bezirke Gießen-Großen-Linden-Lollar Mittwoch den 26. November, Vormittags 10 Uhr tn Gießen. Gießen, den 20 November 1879.Büchner, Kreisschulmspeetor. F-litis« Die Wehrkraft der europäischen Großmächte. In Anbetracht des deutsch-österreichischen Bündmssts, das in jüngster Reh rum Abschluß gelangt und d.ffen Spitze sowohl gegen das Slaventhum, wie gegen das Romanentbum gerichtet ist, dürfte es nicht unzeitgemäß und ohne Jnieriffe sein, die Wehrkraft der verschüdenen Großmächte, die bei dem Ausbruch eines großen europäischen Krieges handelnd in den Gang der Ereig- nifie emgieifen dürsttn, Revue pa,streu zu lasten. Wir wollen dabei mit Deutschland beginnen, deffen Armee, nach dem einstimmigen Urtheil aller Fachmänner seit ihrer Reorganisation, wie sie vor 1866 durch die Generale Roon und Mottke ,n's Weil gesetzt und seither ohne Unterbrechung vervoll- üänoiat wurde, die weitaus schlagfertigste und gewaltigste Kriegsmaschine der ^edtteit ist- Das deutsche Retchsheer, in seiner jetzigen Zusammensetzung, Üblt au Linie, Reserve und Landwehr 1. Aufgebots 1,250,000 Mann, welche nickt nur auf dem Papier stehen, sondern bereits 24 Stunden nach Erlaß M Mobil,strungsbesehls säu.mtlich aus dem Marsch fein finnen. Mr diese ouf’« Vorttesflichste ausgebildeten, bekleideten und bewaffneten Mannschaften im Alter von 20-32 Jahren steht der ganze Train, jämmtliche Proviant- und Munitions Colonnen, das Lazarethwesen w. fortwährend fix und fertig da Zu diesem ersten Aufgebot können innerhalb zweier Wochen ^OO-OOO Mann Landwehr 2. Aufgebots und Landsturms, im Atter von 32—50 Jah- Ten ausgestellt, aus den Zeughäusern bewaffnet und als Nachschub oder sonst in anderer Weise verwendet werden. Nimmt man nun an, daß von diesen 2 550 000 Mann sür die Garnisonirung der Festungen 300,000, für die Ver- tbetdiauna der Küsten 150,000 und sür die Verwendung im Innern des Landes selbst 100,000 benöihigt sind, so bleibt immer noch eine für bie Operation im Felde verwendbare Armee von gegen 2,000,000 Mann mit fast 2000 Feldgeschützen, gewiß eine gewaltige Macht, die um so stirchtbarer ist, als ste auf der höchsten Stufe tactischer Ausbildung und im Besitz der vor- -üalichsten Schnellseuerwaffcn steht. 8 9 Oesterrttch-Ungarn, obwohl ebenfalls eine der größten europäischen Militärmächte, kann kein der deutschen Reichsarmee an Stärke, wie an Schlagfertigkeit ebenbürtiges Heer in's Feld stellen. Zwar hat auch Oesterreich seine Wehrkraft nach der harten Lehre des Jahres 1866 einer gründlichen Reorganisation unterworfen und das alte Zopslhum, welches dem österreichischen Heerwesen von jeher angehangen, möglichst beseitigt; allein mit den deutschen Heereseinrichtungen können sich die seinigen trotz alledem noch immer bei Weitem nicht meffen. Die Armee Oesterre ch Ungarns zählt, wenn aus den Kriegsfuß gestellt, gegen 1,300,000 Mann mit der entsprechenden Anzahl 8elb0e,Ä6ritannien, das füglich nicht als Landmacht gelten kann, durch seine coloffalen Geldmittel aber immerhin bedeutende Armeen ins Feld zu stellen vermag, soll zu Hause und in seinen sämmtlichen Colonien gegen 750 000 Mann zur Verfügung haben. Von diesen kommen aber nur etwa 300 000 auf die reguläre Armee, während 150,000 Milizen, 175,000 Frei- wifliae welche nur zur Vertheidiguug des Hetmathlandes herangezogen werden könnens und 125,000 eingeborene ostindische Truppen sind. Wenden wir uns nun zur französischen Armee, so finden wir, daß dieselbe seit dem Lehrjahre 1870—71 einer gründliche» Reorganisation unter- zogen und in Folge deffen viel kriegstüchtiger und formidabler geworden ist, als sie vor jener Zeit war. Zum Muster hat bei dieser Neugestaltung dte deut che Heeresoersaffung gedient, der namentlich auch das Landwehr-System Ahnt ist Daß aber die französische Armee trotz alledem der deutschen an Zchlagsertigkeit und in Bezug auf taktische Ausbildung noch lange nicht ebener Hheil. bärtig ist, bebais wohl keines ausführlichen Nachweises. Um sie aus diesen Standpunkt zu bringen, dazu gehören noch Jahre des angestrengtesten Fleißes und der unermüdlichsten Arbeit und Uebung. Was nun die numerische Zahl der französischen Armee, natürlich aus dem Kriegsfüße, anbelangt, fo beziffert sich dieselbe, nach französischen Quellen, angeblich auf die enorme Anzahl von 3,600,000 Mann. Allein hierbei läuft, wie immer, ein guter Theil französische Windbeutelei mitunter. Selbst wenn die nach deutschem Muster betriebene HeereS-Reform vollständig durchgeführt ist, wird Die französische Armee, einschließlich der Landwehren (Territorial-Armee, wie die Franzosen sie nennen), immer mir erst an 2 vor den schönsten Principien und Träumen nicht den geringsten Re pe-t haben. Mag Jemand in seiner Studirstube Anhänger des reinen Pr vatbe riebes ober des reine» Staatsbetriebes oder des gemischten Syst.ms sein: ert wird b> t | concreten Entscheidungen nicht seiner abstracten Theorie, sondern der prakti- kchen Erkenntniß über den Vortheilhaftesten Ausweg aus den gegebenen Wirr- ninen folgen müflen. Eben weil wir mit ganzer Kraft unserer Seele dahin streben auf den Gebieten, wo es sich um die Heiligthümer der Wahrheit und des Rechtes handelt, die Reinheit der Print pien und die unwandelbare Treue gegen sie zu wahren, müsien wir eindringlichst uns selbst davor hüten und Andere davor warnen, in materielle UtilitLisfragen die Hartnäckigkeit eines Theoretikers hineinzutragen, die man dort mit Recht Principienretterei nennen foiintt" — Entsprechend der neulichen Ankündigung des Finanzmtnisters Bitter ersährt das „D. M.-Bl.", daß im Finanzministerium an dem Entwürfe einer Börsensteuer gearbeitet wird; es scheint die Absicht oorzuwalten, die Börsensteuer für's Erste für Preußen in's Leben zu rufen, demjenigen Bundesstaate, der weitaus am meisten an der Börsensteuer interesstrt ist. Wie verlautet, wird der Entwurf nicht mehr, wie es die früheren Vorlagen des Bundeö- ratheS thaten, die Schlußscheine als solche besteuern, sondern die zu entrichtende Börsensteuer soll je nach dem Umfange und der Höhe des Werthes der abgeschlossenen Geschäfte entrichtet werden. Dabei würde allerdings dem preuß. Staate säckel eine erhebliche Einnahme zufallen. — Der Cultusminister v. Puttkamer hat seine Vorliebe für consessio- nelle Schulen auch dadurch bewiesen, daß er das städtische Gymnasium in Neustadt in Oberschlesien im Widerspruche mit der Auffaffung des dortigen Magistrats für eine rein katholische Anstalt erklärt und die Bestätigung eines nichtkatholischen Lehrers verweigert hat. Die dortige ultramontane Stadtver- ordneten-Versammlung hat dieses benutzt, um den Magistrat aufzufordern, eine Tafel mit der Aufschrift „Katholisches Gymnasium" an dem Portale des Gebäudes anzubringen und zu verlangen, daß der Dtrector des Gymnasiums auch osficiell das Gymnasium als katholisches bezeichne. Eydtkuhnen, 18. Novbr. Trotz der scharfen Maßregeln an der Grenze wird der Schmuggel-Handel flott betrieben. So ist gestern wieder eine Schmuggler-Karawane mit Seidenwaaren in die Hände der Kosaken gefallen; jedoch nur der Hauptansührer ist entwischt unter Zurücklasiung seines Pferdes; der Werth der Maaren beträgt über 250,000 Rubel, welche der Behörde in die Hände gefallen sind. Fünf Schlepper, welche ergriffen wur. den, werden ihrer Strafe in Sibirien wohl entgegensetzen. Rußland gedenkt noch schärfere Maßregeln gegen dieses Metier zu ergreifen. München, 20. Novbr. Abgeordnetenkammer. Der Antrag Schels auf Einführung der Klaffen-Lotterie wird, nachdem derselbe lediglich vom Finanzmtnister nachdrücklich bekämpft worden ist, mit großer Majorität abgelehnt ; nur 12 Abgeordnete stimmten für den Antrag. Aelgien. Brüssel, 18. Novbr. Wie die Stadt Brüffel, will auch Gent die Unentgeltlichkeit des Elementarschulunterrichts grundsätzlich durchführen, so daß die Eltern für ihre Kinder nicht mehr Schulgeld zu bezahlen brauchen, weil dann die Gemeinde im Ganzen für die Kosten aufkommt. Dieser von der klerikalen Preffe als „communisttsch" verschrieene Beschluß wird vom „Bien Public" noch obendrein als ein „unerlaubter Krieg gegen die Privattndustrie" (wörtlich: l’industrie priv^e) bezeichnet; denn sagt das brave Blatt, welches das Gemeinwohl an der Stirn, aber nicht im Herzen trägt, „was würden die Bäcker, Fleischer, Brauer und Schankwirthe sagen, wenn die Gemeindeverwaltung eine allgemeine Bäckerei u. s. w. einrichtete und den Einwohnern das Brod, Fleisch und Bier nicht nur billiger, sondern sogar ganz umsonst lieferte?" Die „Flandre Liberale" antwortet darauf, daß dieser Vergleich des Schulwesens mit der Privattndustrie ganz der Logik der Leute entspricht, welche aus ihren Schulen Fabriken machen zum alleinigen Prtvatvortheil der Klöster. Die Liberalen haben aber eine entschieden andere Ansicht von dem Werthe der Schule. Die Schule ist nicht ein bürgerliches Gewerbe, sondern wie die Justiz, die Polizei, die Gesundheitspflege u. s. w. eine Anstalt von allgemeinem Interesse, für die der Staat und die Gemeinden zu sorgen und elnzustehen haben. (Köln. Ztg.) Telegraphische Depeschen. Wagner'S telegr. Correspondenz - Bureau. London, 20. Novbr. Das „Reuter'sche Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 19. dS.: Der Jrade, welcher die Machtbefugntffe Baker Paschas dcstnirt, wird morgen unterzeichnet werden. Baker wird keine Exe- cutivgewalt besitzen, wohl aber die nothwendigen Reformen dem Sultan direct Vorschlägen. (äfftiffel, 20. Novbr. Deputirtenkammer. Berathung des Justiz-Etats. Goblet-Alvnlla spricht sein Befremden ans, daß die allgemeinen Bestimmungen bezüglich der Geistlichen, welche auf der Kanzel die Gesetze angreifen, nicht angarenbet werden und beantragt die Reduction des Gehalts der Bischöfe. Der Justixminister hält die Reduction für eine nutzlose Maßregel, die dem Kleruö nur Gelegenheit biete, sich als Märtyrer hinzustellen. Dub5iu, 20. Novbr. Die gestrige Verhaftung von 3 Personen, welche tn Anti-Pachtversammlungen aufrührerische Reden hielten, verursachte große Erregung und hatte den Erlaß von Haftbefehlen gegen weitere 17 Personen zu* Folge. Es heißt, die Regierung werde einen Proceß wegen Aufruhr gegen die öerbafteten einleiten lasten. V-sth, 20. Novbr. Die liberale Partei nahm einstimmig die Vorlage über die zehnjährige Feststellung des Heeresstandes an. London, 20. Novbr. Osficiell. Simla, 19. Novbr. Fünf weitere Regimenter von Turkestan find in der Nähe von Kabul angekommen. Die Auflösung derselben und die Rückkehr der Soldaten in die Heimath ist wahrscheinlich , da die Aussichten auf einen Aufstand der Bevölkerung geschwunden sind. Pari-, 30. November. Die „Agence Havas" veröffentlicht folgende Note: D'.e auswärtigen Journale, welche Gambetta den Artikel der „Revue nouvelle" über die auswärtigen Beziehungen zuschreiben, befinden sich im Jrr- thum. Beweis besten ist der gestrige Artikel der „R?publ. srancatse", welcher das Verhalten deS Ministers Waddinaton billigt und die Behauptungen der „Revue nouoelle" widerlegt. — Der Minister Freyc net hat dem Präsidenten her Republik einen Gesetzentwurf unterbreitet, wodurch ihm ein Credit von 600,000 Frcs. für bas Studium von Eisenbahnlinien in der Sahara eröffnet wurde. — Präsident Grevy und Minister Waddington statteten heute der Erzherzogs Christine von Oesterreich Besuche ab. — E n Telegramm aus Madrid cvibet die schwere Erkrankung der Gräfin Montijo, Mutter der Ex- Kaiserin Eugenik. Letztere ist von Chislehurst nach Madrid abgereist. Lokales. Gießen, 21. November, lieber Die Einrichrung des projectirten städtischen Schlacht« locals erfährt Die „Darmst. Ztg." folgendes Nähere. Es soll nicht ein einziges großes Haus, sondern em< Kette von Gebäulichkeiten errichtet werden. Für das Schlackten des Hornviehes und der Scheine sind besonoere Schlachthallen vorgesehen. AußerDem sollen getrennte Stallungen für die verschiedenen Viehgattungen, ein Local zur EingeweiDewasche, eine Halle zum üinstellen von Karren re und eine Wohnung für Den Aufseher hergestellt werven. Die acht Heineren Gebäulichkeiten sind, in entsprechenden Abständen von einander, in Form etneS Rechtecks so georDnet, daß in der Mitte genügender Platz für die Hauptschlachthalle und für ein Maschinenhaus, sowie noch erforderlicher freier Raum übrig bleibt, und daß zweckvienlicher Verkehr, leichte Ueberwachung, sowie allenfallsige Erweiterung ohne Betriebsstörung zulässig ist. Das genannte Maschinenhaus soll mit einer Dampfmaschine zum Betrieb Der Wasserleitung und zur Lieferung des heißen Wasiers für die Brühbotliche versehen werden. Da jedes Gebäude frei steht, ist gehörige Luftreinigung, eventuell'auch Äbschließung krankheitsverdächtiger Locale möglich und größere Feuersgcfahr weniger zu befürchten. Mit Ausführung dieser Durchaus zweckmäßigen Pläne, bei welchen die Einrichtungen in Köln und Mannheim zum Muster Dienten, wirD die Stadt Gießen wieder um ein gemeinnütziges Institut reicher. Die baldige Verwirklichung des Projekts ist um so mehr zu wünschen, als die gegenwärtig in der Stadt zerstreut liegenden vielen Privatschlächtereien bebeutenoe Mißstände mannigfacher Art im Gefolge haben. Wohl mag oct etwas entfernt gelegene Platz, in der Nähe der Wieseckmündung, einige Unbequemlichkeiten für manchen Metzger mit sich bringen. Dies dürfte jedoch durch die Benutzung der sehr praktischen und Zeit ersparenden Einrichtungen des städtischen Schlachilocals reichlich ausgewogen werden. Interessant ist es weiter, bei diesem Anlaß zu hören, daß in Gießen dermalen wöchentlich etwa 45 Stück Ochsen und Rinder, 89 Stück Kälber und Schafe, sowie 122 Schweine geschlachtet werden. Gießen, 21. November. Ein Bäuerlein von Burkhardsfelden gedachte am heutigen Tage ein gemästetes Borstenthier zu schlachten. Um Wurst machen zu können, muß man bekanntlich auch Zwiebeln haben. Da diese Dem Manne aber fehlten, wollte er sie in der Stadt holen. Statt sic nun zu kaufen, entwendete er dieselben gestern in einem Laden in den Neuen Bäuen, wurde dabei ertappt und mußte anstatt nach Hause in das bekannte Hötel in der Bachgasse wandern. Wegen lumpiger 4 Pfund Zwiebeln macht sich der Mann unglücklich! — Bei einem hiesigen, übrigens wohlhabenden Bäckermeister, erschwindelte sich ein Bauemburscke auf den Namen eines auswärtigen Geschäftsfreundes mittelst eines gefälschten Scheines 12 JL Die Sache ist bei der Polizei anhängig gemacht. Vermischtes. Hungen , 20. Novbr. Die Versammlung, welche Der Vorstand des Landes Pferde- zucht.Vereins unter Vorsitz des Hofstallmeister i. P. Frhr. von Schäffer-Bernstein (in Verhinderung des VereinspräsiDenten) am Sonntag, den 16. d. Mts. im Solmser Hof zu Hungen in der Wctterau abhalten ließ, lieferte von Neuem den Beweis, dap das häufige Bielen derartiger Gelegenheiten zum Austausch Der Erfahrungen und Ansichten einen sehr erfreulichen Anklang nicht allein bet den Pferoezüchtern selbst findet, sondern auch in anderen Kreisen dem Vereine hierdurch Freunde und Förderer seiner Zwecke gewonnen werden. Seme Durchlaucht der Fürst zu Ysenburg-Büdingen und Freiherr von Rabenau, Präsident des landwirthschaftlichen Provinzialvereins Oberhessen, ehrken die Veriammlung durch ihre Gegenwart, uns die lebhafte Theilnahme an den Verhandlungen betätigten das warme Interesse, welches der Vorstand des Pferdezuchtvereins seit Beginn seiner Thäligkeit bei den landwirthschaftlichen Vereinen zu erregen bestrebt ist. Der zum Ausschuffe des Vereins neuerwählte anwesende Delegirte des landwirthschaftlichen Provinzial-Vereins Oberheffen, Herr Th. Wortmann aus Gießen, wurde vom Vorstanve begrüßt und der nun folgende Vortrag des Herrn Reglerungsraths Freiherrn von Gagern über die Zwecke und erzielte Resultate des Pferdezuchtvereins gab ein klares Bild der vielseitig angemeldeten Förderungsmittel, welche bisher in manchen Beziehungen schon von sichtbarem Erfolg gekrönt sind. Hieran schloffen sich die Ausführungen des Herrn Kreisveterinärarztes Dr. Krender« Nidda, m Bezug auf die verschiedenen Betriebsarten der Pferdezucht und Den Werth unD Die Nothwendigkeit derselben, besonders auch für Den Landwnth, Der sein Arbeitsthier sich vortheil- hafter selbst ziehe, als die gefährlichen Chancen des Ankaufs zu laufen. Nachdem nun der Vorsitzende zur Debatte aufgefordert und namentlich hierzu die Frage der Rentabilität brr Remontezucht empfohlen batte, nahm Herr Freiherr von Rabenau das Wort zur ausführlichen Begründung der Ansicht, daß der Landwirth in erster Linie, wenn er Pferde zieht, immer seinen eigenen Bedarf im Auge zu behalten habe; unv dies sei auch in Wirklichkeit so, wenn die entsprechenden Deckhengste zur Verfügung stünden. Ein Privatbe« schäler des schweren gut gezogenen Ardennerschiags, der lange Jahre im Besitze des Herrn Redners gewesen sei, habe eine ganz unglaubliche Anzahl von Stuten in einer Periode erfolgreich gedeckt. Die Zucht der leichten Remonte könne bei der Dermaligen Lage nicht lohnend sein, da sie nicht wie in Ostpreußen auf großen Gütern in ausgedehntem Maße betrieben werden könne. Herr Premier-Lieutenant Baron von Eschwege, Mitglied Der Königlichen Remonte-An- kaufs^Commission. hatte hierauf die Güte, eingehend Auskunft über die m den letzten Jahren in Oberheffen gemachten Ankäufe von drei- und ausnahmsweiie vieijährigen Thieren zu er- theilen. Eine vermehrte Zufuhr und Verbefferung des Materials habe sich besonoers auf dem Remontemarkt in Nidda ergeben und die gezahlten Preise seien im Verhältniß zur Waare gewiß nicht zu gering gewesen. Die Commission sei ermächtigt, verhältnißmäßig sehr hohe Gebote zu machen, um correcte Remonten zu erwerben; sie dürfe jedoch ein vierjähriges Pferd nicht höher bezahlen, als ein gleich gutes dreijähriges; ein großer Vortheil für Den Züchter liegt somit auch hier in dem rechtzeitigen Entschluß zum Verkauf. Herr Secretär Gros-Kolnhausen betont, wie sehr der Landwirth darauf angewiesen sei, zu rechnen und wie der Erlös für ein theuer aufgezogenes Pferd nur in seltenen Fällen einigermaßen das Futter lohne. Gegen diese Auffaffung gibt der Vorsitzende zu bedenken, daß die rationelle Aufzucht ja namentlich nur im ersten Jahre eine intensive Fütterung des Fohlens unbedingt erfordere, bann je nach Umftänben unbesckabet guter Entwickelung keine großen Opfer verlange, immer aber bei fortgesetzter Hafergabe baß beste Resultat liefern werde • Herr Kreisaffeffor Morncweg Schotten will bas lohnenbste Felb des Pferdezucht-Vereins darin finden, daß et der schlechten Pflege und unangemessenen Behandlungsweise der Pferde entgegentrete, worauf Herr von (Sagern versickert, baß in letzterer Beziehung ein Zusammengehen bes Vereins mit dem Thierschutzverein beschloffene Sache sei. Herr Klingelhöffer Hof Graß bringt zum Schluffe die Rede auf die so wesentlich nöthige Verbefferung des Stutenmatenals und befürwortet den Ankauf von Mutterstuten, worauf die Einführung von Stutenfohlen allseitig als eine Maßregel erklärt wird, welche den nöthigen Anklang finden werde und auch den Vorzug in Berücksichtigung der schwierigen Acclimati|ation älterer Stuten verdiene. Hiernach schloß der Vorsitzende die dreistündigen Verhandlungen mit dem Wunsche, die Landwirthschaft möge aus der Pferdezucht in Zukunft diejenigen Voriheile zu erzielen verstehen, welche sie bei richtigem Betrieb zu bleien im Stanoc sei. Jrtldjbä&er in Gießen. Sonntag, den 23. November. Wilhelm Hartmann, Neustadt Emil Noll, Löwengasse. Ludwig »feil, Neue Baue.______________________________________________ Kirchliche Anzeigen der evangelischenGemeinde?uGießen. Gottesdienst: Sonntag den 2 3. November. (Fticr des Tobtenfestes in ber FriebhofSkapelle.) Morgens: Pfarrer Schlosser. — Nachmittags: Pfarrverwalter Schöner. Nächsten Sonntag, ben 30. November, als am 1. Advent, wird das heilige Abendmahl gefeiert werden. Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 23. bis 29. November besorgt Pfarrer Schlosser. ®tQStn M r' W^e ^mnte s?T.8e^un« M st-ht, { möglich und "lchtungr, in mnügigea Z'", als die tan^ mannia- *« Ahe der Di-s dürfte bt8 städtischen "±s-”k vihtveinr tf am hrutizrn M man bt e in ber Stabt 1 *n den Reuen > in ber Bach- lüLich! inötlte sich «in in(8 gefälschtkn Lander.Pferde- rftein (in Ler- Hvs zu Hungen fige Sitten der- erfreuiichen Anten -reifen dem Rabtaau, Prä- immlung durch [ten das warme »äiigkeit bei den landwirthschaftr ! vom Borstmr ill Gagtru über tn virljeiiig an- n sichtbarem 8r- s 2)r. Rreubtr- Werth und tie ier fid) bOTtbtil- ierzu die Frage Rabenau das 'mit, wenn n ,ur V'v auch in tzin ißxwatbf esiht W Herrn i Periode ersoiz- iohnend jein, da jen werden könne hrn Remonte-An'' een legten >n Thitren >u er- irjonderS auf bem jfe iui Maare ge- jebT hohe Gebote njeS Üf'rt « ** m 3*1 W iuf angiwli” f”' mtifa '*■ ’SÄ“ , Zusammengehen Ktfmtli» »M ' worauf die S'b,«-* en rcclimaN!«^ teffl •«*** [t 019* ei»"1. Die «Martini l. I. fällig gewesenen Pachtgelder zur hiesigen Armen-, Plockischen und evang. Kirchenkasie können bis Ende l. Mts. noch ohne Kosten bezahlt werden. Gießen, am 19. November 1879. P Der Rechner: Wittich. Holzvcrsteigerung im Gießener Stadtwalde. Montag den 24. November, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde in den Distrtcten Sandberg und Ursulum nachverzeichnetes Holz versteigert werden: A. Brennholz: Scheith. Prügelh. Stockh. Reish. Raummeter. Wellen. Buchen — 3 2 — 130 Nadel 1097 195,4 30,1 4800 8. Bau-, Werk- und Nutzholz: 146 Fichten- und Kiefernstämme mit 34,36 Festm., 506 Fichtenstangen mit 13,18 Festm. Die Zusammenkunft ist auf der Ehausiee nach Nödchen an den s. g. Ochsenwiesen. Gießen, den 19. November 1879. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. 7558) A. Bramm. _______ Arbeitsdersteigerung. Montag den 1. Dezember er., Nachmittags 2 Uhr, werden von unterfertigter Bürgermeisterei, die zur Herstellung eines Brunnens erforderlichen Arbeiten öffentlich in Accord vergeben, als: 1) Brunnengraberarbeit, veranschl. zu JL 166,50 2) Abfuhr des Bodens, veranschl. zu «X 19,78 3) Brechen, Fahren und Setzen von 30 Cbmtr. Steinen, veranschl. zu cX 81,— 4) Lieferung eines Brunnenrahmens mit Platten, veranschl. zu CD Niederlage \ GESCHÄFTSBOCHIR-FABRIKI i J. C. König & Ebherdt U HANNOVER m Buch- und Steindruckerei. 7547) Wir bringen unser reichhaltiges Lager in Puppenköpfen, Gestellen sowie Täuflingen von den billigsten bis zu den feinsten in empfehlende Erinnerung. Moritz Gregor! 4? 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