lällll. Nr. IS. Mittwoch, den 22 Januar 187». Meßmer HtnMger Anzeige- und AmtsM für de» Kreis Gießen. RedaetionSbureau r ExpedittonSburean r Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Hheit. Gefundene Gegenstände: 2 Portemonnaies, 1 Glacehandschuh, 1 gewebener Handschuh, 1 alte silberne Uhr, 1 Wagenkette, 1 Photographie ;mtt Rahmen, 2 Taschenmesser, 3 kleine weiß und roth gestreifte Taschentücher, 1 Schlüssel und 1 Thürdrücker. Gießen, am 20. Januar 1879. Großherzogliche Polizeioerwaltung Gießen. Fresenius. tiug.__ tWL7’ 1, beabfich- n 4-6 Uhr nie: Dichter sti 2 Pers. bnflkmülldkil >n bet gan>m ® gtflbt oder äS/5 ^2^— Sifssffl- aberger. verkebneichM de Läckrrel mit ig ist bei doller d. Bl. Bch MdlÄ * nebft 3“* iu mi-id-" ht;?S: t-k' e*2- j*l,ar;l jKnitnt®tni; lnfa«B V'8 u I..--'' rsil etitfd, alte? inquüäten, Oel- politisch Die kirchliche Politik der Hohenzollern. Da der Culturkampf nicht ausstnbt, ist es Z»it, an die Entstehung des Conflicts und an die Geschichte zu erinnern. Die Politik Preußens zeichnete fich auf religiösem Gebiete fast allgemein durch die größte Toleranz aus, und nur die Uebergriffe der Kirche auf weltliches Gebiet wurden mit Entschieden- heil zurückgewtesen. So hat Friedrich der Große, der in vieler Beziehung der jetzigen Gesetzgebung Vorgriff, entschieden jede Einmischung zu Gunsten gewißer Unter- thanen verweigert, welche sich kirchliche Strafen zugezogen hatten. Seine Vertheidigungspolitik dagegen war nicht weniger entschieden, als die jetzigen. Er sagte dem Papste mit großer Bestimmtheit, daß er „ihm so wenig, wie einer andern Macht" gestatten würde, durch seine Gesetze die Gewiffensfretheit seiner preußischen Unterthanen in Schlesien zu beschränken, und ebenso wies er mit Entschiedenheit die Ansprüche des Papstes zurück, daß alle Kinder aus gemischten Ehen katholisch erzogen werden sollten. Sein Nachfolger, Fried, rtch Wilhelm II., suchte m einem Codex. der bis 1850 in Kraft blieb, die Beziehungen zwischen Kirche und Staat der Politik seiner Dynastie gemäß zu definiren. Dieser Codex, das allgemeine preußische Landrecht, welches dem einzelnen Bürger fast die vollste Gewiffensfretheit gewährt, enthält gewtffe Bestimmungen in Betreff der kirchlichen Gesellschaften. Eine derselben lautet folgendermaßen: „Jede kirchliche Gesellschaft ist verpflichtet, von ihren Mitgliedern Verehrung für das göltliche Wesen, Gehorsam gegen die Gesetze und Treue gegen den Staat zu verlangen, und ernste, moralische Ansichten unter ihnen zu verbreiten." Wohl mögen wir erstaunt sein, daß es jetzt als Verfolgung bezeichnet wird, wenn man umgekehrt verlangt, daß nichts gegen die Grundsätze im Staate gelehrt „werde." Der ganze Codex hatte den Zweck, „klerikalen Excessen" vorzubengen, sowie jede Bedrückung des individuellen Gewtffens zu verhindern, und der nationale Charakter der anerkannten römisch-katholischen Kirche wurde sorgfältig bewahrt, indem bte Einführung päpstlicher Bullen oder auswärtiger bischöflicher Jurisdiction ohne besondere Genehmigung des Staates auf das Strengste untersagt wurde. Es ist bemer- kenswerth, daß das noch jetzt Landesgesetz in Preußen ist. Was das Eigenthum betrifft, so hatte die katholische Kirche in Deutschland iu der Mitte des vorigen Jahrhunderts wenig Grund zur Klage. Aber die meisten ihrer weltlichen Besitzungen gingen zur Zett der Revolution verloren, welcher die Kriege Napoleons und die Auflösung des deutschen Reiches folgten. Nach dem endlichen Sturz Napoleons sand sich Preußen als eine leitende protestantische Macht, aber mit einer bedeutenden katholischen Bevölkerung, für welche gesetzliche Bestimmungen getroffen werden mußten. Nach den längeren Verhandlungen zwischen Niebuhr und Gonsalvt wurden sieben katholische Diöcesen geschaffen und ausgestattet, umer der Bedingung, daß die preußische Krone bei der Wahl der Bischöfe eine Stimme haben sollte. Dieses Resultat wurde in einer von der preußischen Regierung sanctionirten päpstlichen Bulle angenommen und bekannt gemacht, und es trat nun ein neues Geschlecht von „armen und zelotischen" Bischöfen auf, welche durch ihren Streit über gemischte Ehen bald bewiesen, daß die Tage des Conflicts zwischen Staat und Kirche noch nicht vorüber wären. Die traditionelle Politik der Nachsicht mußte aufgegeben und summarische Maßregeln gegen die widerspenstigen Bischöfe von Cöln und Posen ergriffen werden. Sie wurden im Jahre 1837 wegen Nichtachtung der Regierung und Ungehorsam gegen die Gesetze in's Gefängntß gesetzt. Bald nach der Thronbesteigung Friedrich Wilhelm IV. aber wurde wieder ein Waffenstillstand geschloffen, in welchem der Kirche alles gewährt wurde, und dieser Friede dauerte bis zum ersten Reichstage im Jahre 1871, wo der lange glimmende Conflict aus's Neue in Hellen Flammen aufloderte. Die Geschichte dieser neuen Bewegung uud ihre Besiegung durch die Kirchengesetze ist bekannt. Wenn der Kaiser 1873 und 1878 diesmal im Vereine mit dem Kronprinzen energisch römische hierarchische Anweisungen zurückwies, so hat er, gleich sehr im Geiste seiner Vorfahren gehandelt, als seine Zeit verstanden. Deutschland. Darmstadt, 17. Januar. Wie die „Darmst. Ztg." hört, ist Herr General-Major v. Förster, Commandeur der 49. (I. Großherzogltchen) Infanterie.Brigade zum Commandeur der 6. Jnfanterle-Dtvision (Brandenburg) b fördert worden. er Hh eif. Darmstadt, 20. Januar. Wie bereits mitgethetlt, find Seine Königliche Hoheit der Großherzog und die Großherzoglichen Kinder heute Morgen nach England abgereist; im Gefolge befindet fich Hofmarschall Oberst v. Weper- weller und Major Wernher. Die Dauer des Aufenthalts in England wird sich vorousstchiltck bis in die zweite Hälfte des Monats Februar erstrecken. Darmstadt, 19. Januar. Die gemeinschaftlichen Beratungen der Finanzausfchüffe beider Kammern über den Hauptvoranschlag der Staats- Einnahmen und -Ausgaben in der Finanzperiode 1879—1882 nahmen gestern und vorgestern vier Sitzungen in Anspruch und wurden gestern Abend beendigt. Der Druck des Berichtes des Ausschuffes zweiter Kammer soll durch Zuhilfenahme mehrerer Druckereien thunlichst beschleunigt werden. Der zweiten Kammer ging unterm 15. d. M. von Seiten Großherzoglichen Ministeriums der Justiz ein Gesetzentwurf in Betreff des Verfahrens in Forst- und Feldrügesachen zu. Derselbe umfaßt 28 Artikel und wurde dem Gesetzglbunasausschuß zum Berichte überwiesen. Be ^in. Eine osficiöse Notiz, die neuerdings entschieden in Abrede stellt, daß seit der Rückkehr des Kaisers ein Briefwechsel zwischen dem Popst und Sr. Majestät stattgefunden habe, weist von Neuem darauf hin, daß der erste praktische Schritt, an welchen die weiteren anknüpfen müßten, Seitens der Curie noch nicht erfolgt sei. — Der Prinz von Battenberg soll bekanntlich Aussichten auf den bulgarischen Thron haben, und die verschiedenen Mächte dürften keine erheblichen Einwendungen gegen seine Wahl haben. Rußlands Einverständntß sichert ihm natürlich eine mehr als genügende Zahl von Stimmen in der Nationalversammlung. Eine andere Frage ist, ob der Prinz die Wahl annehmen würde. Man will es bezweifeln, und diese Ungewißheit könnte zu dem Aufschub, welchen die Vorbereitungen erfahren, beigetragen haben. Berlin, 18. Januar. Wie in Bundesrathskretsen verlautet, wird die möglichst rasche Berufung des Reichstags auf das dringende Bedürsntß zurückgeführt, die Genehmigung des deutsch-österreichischen Handelsvertrages vom 15. December v. Js. einzuholen, da die Retchsregierung durch die Seitens der Gerichte verfügte Beschlagnahme österreichischer Eisenbahn-Waggons der österreichisch-ungarischen Regierung gegenüber in die peinlichste Lage versetzt wird. — Wie dem „Berl. Tagebl." als bestimmt mitgethetlt wird, sollen die socialdemokratischen Abgeordneten, sobald sie nach dem Zusammentritt des Reichstags nach Berlin kommen, auf Grund deS kleinen Belagerungszustandes ausgewiesen werden. Verbürgen möchten wir diese Nachricht zwar nickt, ebenso wenig Zuversicht haben wir aber auch dazu, sie rundweg für unbegründet zu halten. Es stoßen hier zwei Rechte aufeinander, und es ist nicht leicht zu sagen, welchem von beiden der Vorrang einzuräumen sei. Jeder Abgeordnete hat nach der Verfaffung und vom moralischen Standpunkte aus das Recht und die Pflicht, bei Beginn der Session seinen Platz im Parlamente einzunehmen ; jede Behörde andererseits hat das Recht und die Pflicht, ihre einmal auf Grund eines Gesetzes erlaffenen Verfügungen aufrecht zu erhalten. Neh- men also jene Abgeordneten ihren Platz im Reichstage ein, so find fie von ihrem Standpunkte aus im Recht, und weist Herr v. Madai sie aus, so ist er von seinem Standpunkte aus ebenso im Recht. Es würde aber ohne Zweifel zu bedauerlichen Vorgängen kommen, wenn man nicht vorher dazu schreiten wollte, die Entscheidung einer höheren Instanz anzurufen und, nachdem sie ergangen, öffentlich bekannt zu machen. Eine Ausweisung ohne Weiteres, die über die Köpfe der Volksvertreter in ihrer Gesammtheit hinweg decretirt werden sollte, würde doch unzweifelhaft vom Reichstage als eine Be. einträchtigung seiner eigenen Competenz ausgenommen werden. Denn wie sehr er auch wünschen mag, daß fernere Ausschreitungen jener socialiftischen Abgeordneten unterbleiben, so kann er doch unmöglich wünschen, daß fich die Polizei in's Mittel legt und die betr. Mitglieder einfach am Erscheinen verhindert. Wie man aus dieser verwickelten Lage herauszukommen suchen wird, läßt fich im Augenblicke schlechterdings nicht absehen. Berlin, 18. Januar. Großes Aussehen erregt die brieflich hierher gelangte Erklärung des Fürsten Bismarck, es sei ihm einerlei, ob das Strafgesetz für den Reichstag angenommen werde oder nicht. Natürlich ist damit das Schicksal dieses Gesetzentwurfs vollends besiegelt und man braucht nicht mehr zu besorgen, daß daraus ein Conflict entstehen könne. Berlin, 18. Januar. Der preußische Landtag lenkt die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Zunächst erblickt man das Centrum in seiner Molle Absicht, die Schankstätten erheblich höher zu besteuern, werde practlsch bethätigt werden, sobald die Reichssteuerreform ab- „Nordd. Allg. Ztg." zufolge hat das Reichsgesundheitsamt in Gewerbesteuer, schieden. Die preußischerseits geschlossen sei. — Der Telegraphische Depeschen. Wagner'S telegr. Eorrespondenz-Bureau. Berlin, 20. Januar. Durch eine im „Retchsanzeiger" veröffentlichte Bekanntmachung wird der Elsaß-Lothringische Landesausschuß aus den 23. Jan. Folge der Fortdauer der Pest-Erkrankungen in Südrußland die Maßregeln in Vorbereitung genommen, welche 6ei weiterem Vorrücken der Seuche zur Ab Wendung der Gefahr von den Grenzen erforderlich sind. Um diesen Mrß- regeln durch gemeinsames Vorgehen mit Oesterreich die möglichste Wirksamkeit zu sichern, habe sich im Auftrage des Reichskanzlers der Geh. Regterungsrath Finkelsburg nach Wien begeben, wo er die erforderlichen Verabredungen mit den österreichischen Sanitätsbehörden treffen wird. Pesth, 20. Januar. Unterhaus. Apponyi meldet eine Interpellation an, ob der publtcirte Entwurf eines Organisattons- und Verwaltungs-Statutes für Bosnien und die Herzegowina authentisch sei und ob die Regierung die erwähnte oder eine andere Verwaltungs-Organisation ohne Rücksicht auf die gesetzgebenden Organe sestzuftellen und einzusühren gedenke. — Stmonyi in- terpellirt wegen der orientalischen Pest. TiSza erwidert, die Regierung werde die nothwendigen Maßregeln ergreifen, um das Uebel von den Landesgrenzen fernzuhalten. — Der Handelsminister legt den Handelsvertrag mit Italien vor. Bern, 20. Januar. Die Gotthardbahn-Subvention ist mit überwältigender Majorität angenommen; dagegen stimmten nur die Cantone Waadt und Graubünden. — Für die Gotthardbahn - Subvention sind im Ganzen circa 263,000 und gegen dieselbe circa 107,000 Stimmen abgegeben worden. Frankreich. Paris, 17. Januar. Das Amtsblatt bringt heute die Mittheilung, daß ein präsidentschaftliches Decret 2245 Mai'Aufständischen ihre Strafe er- leffen hat. Eine wettere Mittheilung des Amtsblattes über die Sache besagt, daß von den 4023 Aufständischen, die vom Kriegsgericht zur Deportation oder Zwangsarbeit verurtheilt worden, nach Ausführung des Decrets vom 15. d. noch 1067 Verurtheilte in Neu-Caledonien bleiben werden, nämlich 891, denen bis jetzt noch keine Strafmilderung bewilligt worden, und 176, die unter der Bedingung begnadigt sind, daß sie ihren Aufenthalt in der Colonie nehmen, weil man ihre Rückkehr nach Frankreich für gefährlich bält. Von betten, welche das Decret vom 15. d. begnadigt, waren verurtheilt 69 zu Zwangs- arbeit, 12 zu Zuchthausstrafe, 258 zur Deportation in einen befestigten Ort, 1164 zur einfachen Deportation, 400 zur Gefangenschaft, 17 zu einfachem Ge- fängntß, 41 zur Verbannung, 264 zur I ternirung; die Strafe von 19 Ver- urtheilten wurde in einfache Deportation umgewandelt. Amerika. New-Aork, 15. Januar. Die Indianer, die jüngst auö dem Fort Robinson geflüchtet waren und einen zeitweiligen Schlupfwinkel in den Black Buffs gesunden hatten, sind dort während mehrerer Tage von den verfolgenden Bundestruppen belagert worden. Schließlich schaffte man sogar Ka "vnen herbei; trotzdem sind 28 Indianer entwischt, 70 wurden abermals gefangen genommen und der Rest getödtet. Lokales. Gießen, 21. Januar. Veranlaßt durch verdächtige, auf den letzten Brand Bezug habende, Redensarten wurde gestern ein Einwohner von Heuchelheim verhaftet und hierher verbracht. Vermischtes. Darmstadt, 20. Januar. Das Großh. Kreisamt Darmstadt hat dem Commandanten der freiwilligen Turner-Feuerwehr Carl Justus die Funktionen eines Feuerwehr- Jnspectors (Beaufsichtigung der Feuerwehren und Löscheinrichtungen) in den Landgemeinden des Kreises Darmstadt übertragen. Deutz. (Ein gefährlicher Fund.) Kürzlich bemerkte einer der Arbeiter, welche auf dem Köln Mmoener Bahnhöfe in Deutz beschäftigt waren, Kohlen von einem Eisenbahnwagen in Körbe zu schaufeln, in demselben Augenblicke, als er die gehäufte Schaufel in den Korb entleeren wollte, einen sackähnlichen Gegenstand. Nachdem er denselben unter den Kohlen bervorgezogen batte, gewahrte man mir Schrecken, daß es ein mit einer Blechkapsel versehener Sack war,' welcher mehrere Pfund Sprengpulver enthielt, wie solches in den Kohlenbergwerken benutzt wird. Der so gefährliche Fundgegenstand wurde sofort der Bahnbofs-Jnspektion übergeben und von dieser die Untersuchung, auf welche Art und Weise dieser Pulversack unter die Kohlen gerathen, etngelettet. Da dieselben zum Heizen der Lokomotiven bestimmt waren, so ist kaum abzuseben, mit welch gräßlichem Eisenbahnunglück das neue Jahr begonnen hätte, wenn man einem Dampfroß — „dieses Pulver eingab." (Verk. Ztg.) — Mit dem Nachlaß des Prinzen Heinrich der Niederlande beschäftigt sich jetzt auch die ausländische Presse in eingehendster Weise. So bemerkt ein Wiener Blatt, daß Prinz Heinrich einer der reichsten Fürsten unseres Weltthetls gewesen sei, und seine Gattin Prinzessin Marie — zwar eine Prinzen-Tochter, aber doch in pekuniär nicht gerade verhältniß- mäßig sehr glänzenden Umständen — dadurch vermuthlich eine der reichsten Wittwen deS Kontinents werven dürfte. Der Heiraths-Konrrakt, dessen Bestimmungen seiner Zeit natürlich geheim geblieben waren, jetzt aber nach dem Tove des Prinzen kaum werden geheim gehalten werden können, soll bestimmen, daß ihr ein sehr großer Theil des Vermögens des Prinzen zufällt. Die Hinterlassenschaft aber ist eine außerordentlich bedeutende. So besaß der Prinz eine Silber-Mine in Amerika, die ihm jährlich eine fürstliche Revenue abwarf, die seinen Gebrauch vollständig deckte. Er hinterläßt große Summen an holländischen und russischen Staats- papieren, ferner 'bedeutende Beträge in Aktien von holländischen Schifffahrts- und Bank-Unternehmungen und endlich neunundneunzig Güter und städtische Grundstücke in £oUanb — neunundneunzig, denn hundert und mein: zu besitzen gestattet ein altes holländisches Gesetz nur dem König der Ntev-rlande. Welchen Theil von all den Schätzen dieser Welt die Prinzessin Marie erben wird, mag dahin gestellt bleiben. Die Familie des Prinzen Friedrich Karl von Preußen aber, so meint das österreichische Blatt, erlebt bas merkwürdige Schicksal, im Zeitraum von einem Jahre zwei Töchter verheirathet, eine Tochter verlobt zu haben und nun bereits eine Tochter verwittwet zu sehen. — Der „Germania" zufolge gibt es zur Zeit 10,033 Jesuiten, darunter 4660 Priester. Vilbel, 19. Januar. In Okarben hat die Nidda zwei weitere Opfer gefordert. Vater und Sohn wurden vermißt; nachdem man das Handwerkszeug des Letzteren am Ufer des Flusses gefunden batte, wurde gestern der Leichnam des Unglücklichen aus den Fluthen gezogen. Wahrscheinlich hat der Sobn dem vorher ins Wasser gerathenen Vater zu Hilfe eilen wollen und hierbei sein Leben ebenfalls lassen müssen. (Die Ertrunkenen waren zwei Metzger, £ ater und Sohn, aus Großkarben.) Während des Unterrichts in der Fortbildungsschule in Kleinkarben wurde ein Knistern an den Wänden des Saales hörbar; die unternommene Jagd auf Mäuse lieferte zwar keine Ausbeute, dagegen wurde entdeckt, daß im oberen Raum durch die dort aufgehäufte Asche sich die Balken entzündet hatten. Also — Vorsicht. (D- N.) Essen, 16 Januar. Das städtische Gas- und Wasserwerk macht bekannt, daß der Gaspreis vom 1 Januar ab von 18 H auf 15 H für den Cubikmeter unter Beibehaltung der bisherigen Rabattsätze herabgesetzt worden ist. als Beschützer der Freiheit, indem es den Antrag gestellt hat, Preußen möge ferne Vertreter bei dem Bundesrathe instruiren gegen das Reichsrags-Dis- ciplinargesetz zu stimmen. Von hoher Bedeutung ist ferner die Abfertigung, welche der Cultusminifter Falk in anderchalbstündiger Rede den Ultramontanen zu Theil werden ließ. Der Minister rechtfertigte glänzend die erziehlichen Grundsätze seiner Thätigkeit aus dem Gebiete deö öffentlichen Unterrichts. — In Oesterreich haben die Debatten über den Berliner Vertrag und den Handelsvertrag mit Italien im Abgeordnetenhause begonnen. Das gegenwärtige Ministerium vertritt diese Verträge noch und tritt bann zurück. Ueber ferne Nachfolger gehen bie Muthmaßungen noch sehr weit auseinander. — Die langjährigen Streitigkeiten zwischen der Schweiz und dem Vatikan stehen auf dem Punkte, erledigt zu werben. Es hanbelt sich hauptsächlich um eine Verständigung mit ben Bischöfen in Basel unb Genf. Der Friedensstifter ist Leo XIII. unb, wenn es auf bes neuen Papstes biplomatische Begabung allein ankäme, würbe auch ber kirchliche Friebe mit Deutschland bald geschloffen sein. — Aus der Türkei werben große Ueberschwemmungen burch bas Austreten der Maritza gemeldet. Nach den neuesten Nachrichten soll Adrianopel von den Russen sofort geräumt unb bas Hauptquartier nach Barna verlegt werden. Stettin, 18. Januar. Aus Melbourne wird unterm 28. November v. Js. von einem Beamten des deutschen Consulats geschrieben: „In der letzten Zeit sind hier eine Menge Deutsche angekommen, um hier, da es zu Hause nach ihren Schilderungen so überaus traurig fein soll, ihr Heil zu versuchen. Die meisten dieser jungen Leute sind Handlungsgehülfen; bie armen Teufel thun mir immer leib, benn es bietet sich hier auch gar keine Aussicht, in chrem Fache ein Unterkommen zu finden Sie werden bald gezwungen fein, als Kellner, Hausknechte, Stiefelputzer rc. ein erbärmliches Dasein zu fristen. Der Arbeitsmarkt ist hier überfüllt. Handwerker können allerdings immer mehr oder weniger lohnende Beschäftigung finden, aber für andere Leute, wie Clerks rc., ist es reiner Selbstmord, nach hier zu kommen. Wir werden täglich überlaufen mit persönlichen Gesuchen um Stellen, unb es thut mir immer i. ber Seele weh, wenn ich ben Leuten so jegliche Aussicht benehmen unb ihnen rathen muß, irgend etwas anderes zu ergreifen, um sich vor dem Verhungern zu schützen." (Osts.-Ztg) nach Straßburg einberufen. — Betreffs der im Auftrage des Kaisers erfolgten Einbringung ber Vorlage über die Strafgewalt bes Reichstags in ben Bunbesrath hebt bie „Nordd. Allg. Ztg." hervor, baß tiefer Modus ber Einbringung von Vorlagen beim Bunbesrath bie Regel bilbe unb in weitaus ben meisten Fällen beobachtet sei. — Bezüglich ber Besteuerung ber Branntweinschänken erfährt dasselbe Blatt, man habe sich für eine burch bie Landesregierungen aufzulegende nicht für eine vom Reich ausgehende Branntweinsteuer ent» Versailles, 20. Januar. Deputirtcnkammer. Senard (gemäßigte Linke) äußrrt ferne Anerkennung über die bisherige Haltung ves Ministeriums, erachtet aber dessen Programm für ungenügend, namentlich bezüglich der Beamten. Dufaure erwidert: er nehme gern die von Senard ausgesprochenen Gesinnungen an. Der Minister werft sodann auf den Anrheil, den er an der Gründung und Befestigung der Republik genommen habe, hin und erklärt, er werve sich künftig strenger hinsichtlich der Beamten zeigen, ohne inveß die für geleistete Dienste gebübrende Anerkennung vorzuentyalten. Madier de Montjau (Radikaler) ergreift das Wort. Der Schluß der Rede Dufaure's wurde von gegen 250 Mitgliedern mit Beifall begleitet. Madier de Montjau und Floquet (Radikale) kritisiren darauf das Programm des Ministeriums. Floquet verlangt den Rücktritt des Cabinets und ein neues Ministerium, welches die Vereinigung der Linken'vertrete. Aus Ersuchen des Ministers des Innern wird die Sitzung auf kurze Zett suspendirt. Ferry beantragt folgende motivirte Tagesordnung: die Kammer, im Vertrauen auf die Erklärungen des Ministeriums und darauf rechnend, daß das Ministerium im Vollbesitz [feiner Actionsfreiheit nicht zögern wird, den Wünschen der Kammer Genugthuung zu geben, namentlich bezüglich ves Verwaltungs- und Gerichtspersonals, geht zur Tagesordnung über. — Die Regierung erklärt sich mit dieser Tagesordnung einverstanden. Floquet beantragt die einfache Tagesordnung, lieber letztere wird zur Abstimmung geschritten. Die von Floquet vorgeschlagene einfache Tagesordnung wird mit 222 gegen 168 Stimmen verworfen; gegen dieselbe stimmen die republikanische Linke und das flinke Centrum, für dieselbe die Union republieaine und die äußerste Linke; die Rechte enthält sich der Abstimmung. Daraus wird die von Ferry vorgeschlagenc motivirte Tagesordnung mit 223 gegen 121 Stimmen angenommen. Petersburg, 20. Jmuar. Verschiedene Zeitungen durchläuft die Nach licht, daß nach dem Abzüge der russischen Truppen eine europäische gemischte Occupation Rumel'ens stattfinden falle, wobei vorzugsweise Belgien unb Schweden beteiligt sein und bie Großmächte ein kleines Kontingent stellen würden. In Bezug hieraus wird von unterrichteten Personen mitgetheilt: 1) die Frage der gemischten militärischen Besetzung nick Abzug der russischen Truppen aus Ostrumelien regte Andrnffy zur Zeit des Berliner Congreffes an; 2) die angegebenen Special's (Ziffern und Nitionalität des Eontingents) sind durchweg ohne thatsächliche Unterlage; 3) es fand in der Frage ein Ideenaustausch statt, der nicht zum Abschluß führte; 4) gegenwärtig hat es nicht den Anschein, daß das Project ber g-mischten Occupation zur Ausführung gelangt. Wien, 20. Jmuar. Meldung der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel oom 19. b.: Bei Redact'vn bes russisch-türkischen Friedensvertrages ergaben sich unerwarteter Weise Sch oierigkeiten erheblicher Natur, welche den Abschluß der Verhandlungen und die Unterzeichnung des Vertrages zu ver. zögern drohen; bie russischen Bevollmäch igten bestehen auf Aufnahme eines Artikels in ben Friedensvertrag, der die Pforte zur Durchführung aller im Berliner Vertrag nicht berührten Bestimmungen des Vertrages von San Stefano verpflichtet. Dir türkischen Beoollmächtigten hingegen wollen die Nothwendigkeit dieser neuerlichen Stpulirung nicht anerkennen, indem ste darauf Hinweisen, baß die Pforte die Anerkennung der vom Berliner Vertrag nicht berührten Verpflichtungen aus dem Vertrage von San Stefano nie verweigert habe. Trotzdem hofft man binnen Kurzem eine Verständigung. — M'ckdtar Pascha zeigte der Pforte an, daß er das Dorf Amino bei Arta als Ort des Zusammentretens der türkisch-griechischen Grenzregulirungs-Commisston gewählt habe. Kalkutta, 20. Januar. (Olsiciell.) Die turkestanischen Truppen sind sehr unzufrieden. Das ganze Hazarch'Reiterregiment ist aus Kabul de- fertirt. Die Mangals sammeln sich wieder an. Der Achakzais-Stamm hat seine Unterwerfung ang-zeigt. Die Bergstämme bereiten einen neuen Angriff auf Tank vor; dieser Poften ist verstärkt. worden. -----o- z o . hunderte hindurch in dieser Grotte gewesen sein - rtSine Riesenqrotte.) In der Nähe von Glasgow, Junctton in Kentucky, ist unlängst ^ine merkwürdige Grotte entdeckt worden. Dieselbe ist bereits auf eine t^nt ernung von 2 i evqliscben Meilen in einer Richtung, genannt die lange Route, und 16 Meilen m emer andern Richtung, genannt die kurze Route, erforscht worden. Die Zugänge sind sehr breit, ein Pferdeqespann kann leicht eine Distanz von 11 Meilen Yassiren. Auf der langen Route begegnet man d?ei breiten und sehr tiefen Flüssen. Einer derselben ist schiffbar m einer Lange von 14 Meilen, bis die Passage zu schmal für ein Boot werd. Dies bildet die dritte oder Fluß, route die in einem Boote erforscht werden muß. Die Grotte ist über alle Beschreibung hinaus Merkwürdig und übertrifft an Großartigkeit die Mammouth- oder irgend eine andere vorher entdeckte Grotte. In einem der großen Recrffe sind mehrere mumlenartige Ucberreste gründen Sie lagen in rcb gearbeiteten Steinsärgen und dem Aussehen nach mögen sie Jahr- . - - ■ - .......-f- Sie sind den egyptlschen Mumien sehr ähnlich- . , __ Die Prügelstrafe steht in einigen Staaten Nordamerikas in schönster Blüthe In Xichmond wurde eine Bettlerin mit V, Hieben bestraft und öffentlich °u°a°p-isscht Man a- flt1 €;nen ftebcn Fuß hohen Prügelvfosten, band sie an und entblößte sie bis zur Hüfte, Kotaus der Henker ohne Erbarmen fünfundzwanzig Streiche auf den Nücken der Frau medersausen ließ. Die Unglückkiche schrie und wandte und drehte sich wie m. Todeskampfe wo^ bei große Thränen über ihre Wangen herabströmten. So geschehen rm aufgeklarten Jahrhund der Toleranz im freien Amerika. °us alle Hauptplatz- von sind stets zum Tage-- ww Cours zu haben bet E). Dietz. Handel und Verkehr. Gießen, 21. Januar. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter, per Pfd. 70—75 H, Hühnereier, per Stück 7 H, Enteneier, per Stück 8 Käse, per Stück 5 bis 11 H, Käsematte, per Stück 3 Erbien, 1 Liter 20^, Linsen, 1 Liter 22 Tauben, bat Paar X —, Hühner, per Stück X 150, Hahnen, per Stück X 1.60, Enten, per Stück X 2 Ganse, per Pfd. — Kartoffeln, per 100 Kilo X 5—6 —, Zwiebeln, per Ctr. X 8.—' Ochsenfletsch 70—72 per Pfd., Kuh« und Rindfleisch 56—60 Schweinefleisch 58—60 Kalbfleisch 54—60 Hammelfleisch 60 - 65 H. Frankfurt, 20 Januar. Der heutige Viehmarkt war ziemlich befahren. Angetrieben waren ca. 380 Ochsen, 190 Kühe und Rinder, 210 Kälber und 300 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 70—72, 2. Qual. X 62—66, Kühe 1. Qual. X 64 bis 66, 2. Qual. X 54-57, Kälber 1. Qual. X 66—6«, 2 Qual. 60—62, Hämmel 1. Qual. X 57—59, 2. Qual. X 46-48. Schweine das Pfund 55 _______________ □HF- Inserate, w welche in der nächsten Nummer Aufnahme finden sollen, bitten wir bis Vormittags IO Uhr gef. aufzugeben. Später einlaufende müssen für die folgende Nummer zurückgestcllt werden. Die Expedition. Allgemeiner Anzeiger. Versteigerung. Mittwoch den 22 , und wenn nöthig Donnerstag den 23. d. M., je von Vormittags 9 und Nachmittags 2 Uhr an, wird der Rest der noch vorhandenen Möbel öffentlich an den Meistbietenden versteigert. Dieselben bestehen noch in feinen Salongarnituren, 1 Salonei nrichtung in schwarzem Holz, 1 Speisezimmereinrichtung in Eichen- reich geschnitzt, 1 hochfeine Schlaszimmeremrichtung, 2 französische Bettladen mit Sprungrahmen und Haarmatratzen, i Spiegelschrank, 1 Waschschrank und 2 Nachtschränkchen mit Marmor, 1 Canapee, verschiedene Rohrstühle, Sp egel, Ovaltische, 1 Büffet, 1 pol. Schrank, 1 Küchenschrank, 1 Ausziehtisch, 1 Klapptisch, 1 Kommode und noch Vieles hier nicht genannte. 4443 Seltersweg C. £4, parterre. MaiD-Weser-Balm. Verkauf aller Bahnschwellen. Donnerstag den 23. Januar, des Nachmittags um 2 Uhr, sollen auf dem Bahnhofe zu Lollar circa 800 Stück alte ausrangirte Bahn- schwellen öffentlich meistbietend verkauft werden. Gießen, den 20. Januar 1879. Der Bahnmeister: 425) Gerhardt. Mittwoch den 22. Januar 1879, Nachmittags 1 Uhr, -werden im Laden des Herrn Wilhelm Balser am Kirchenplatz dahier porcel- lanene Kannen und Tassen, Bockgläser, ein Schreibpult, eine Copirpresse, eine Laden- und Magazinseinrichtung öffentlich gegen Baarzahlung versteigert. Gießen, den 21. Januar 1879. M. Pilger, Massecurator. Zwei ordinäreKahrkühe kommen künftigen Montagne« 27. Januar, Mittags 1 Ubr, auf dem Bureau des Unterzeichneten gegen Baarzahlung zur Versteiaernng. Hattenrod, am 20. Januar 1878. Großh. Ottsgertcht Hattenrod. 453) Menget. 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Da in Griechenland die Keller ebenerdige Magazine sind, die selbst im Winter nie unter 150 R^aumur-Wärme kommen, so sind die Weine in warmem Raume (die Flaschen gestellt) aufzubewahren. 1) Camarite ä 170 H, ein aussergewöhnlich trockener Rothwein, von ganz merkwürdigem Tanningehalte, der besonders als Magenwein sehr zu empfehlen ist. 2) Corinther ä 190 3?, ein trockener Rothwein, voll, feurig und von angenehmer Blume, jedem gleichpreisigen Burgunder und Bordeaux mindestens ebenbürtig. 3) Elia ä'l50 H, 4- Kalliste ä 180 zwei weisse und 5) Vino di Bacco ä 150 ein rother Claret, alle drei sehr alkoholreich , mit fein 7 gewürzhafter Blume, an trockenen Sherry und Madeira erinnernd. 6) vino santo ä 170 H, 7) Achaja Malvasier, weiss, ä 190 8) Misistra Malvasier ä 180 A und 9) Achaja Malvasier, roth, ä 190 H, sind ausgereifte, treffliche Süssweine, sehr fett, voll und feurig und von eigenartigem mildem Ton und Character; die beiden Achaja von Geschmack des Madeira, der Misistra dem Malaga ähnlich. . 10) Vino rose ä 200 H, ist ein Essenzwein von hervorragender Gute, er wird von J dem Lieferanten als eine Seltenheit bezeichnet und hat vor achtem Tokayer die Billigkeit des Preises voraus. —-- Neue Sorten sind: 11) Moscato a 190 H, ein hervorragender Süsswein aus Cephalonia, nur aus Muskateller Trauben bereitet, von charakterischem, sehr feinem Bouquet. ..... 12) Mavrodaphne h 210 H, ein bestem Portwein in Farbe und Qualität ähnlicher Wein von Patras, sehr kräftig, voll und alkoholreich. — Preise per comptant. 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