Wt -rr. 193 Donnerstag den 21. August 1879 Aijeigk- mV Amtsblatt für iri Kreis Gießen (5444 Redactionsbureanr 1 _ , rn , n 1O (?xpeditionsbureau: / Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brmgerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. ‘1*1 in dessen ausschließlicher Verwaltung befinden, an Stelle des Ministers Hofmann beauftragt wird; ferner die Ernennung des Unterstaatssecretärs Sydow zum Director der Hauptverwaltung der Staatsschulden mit dem Amtscharakter eines Präsidenten und des wirklichen Geheimen Ober-Finanzrathes Meinecke zum Unterstaatssecretär im Finanzministerium. Wie es heißt, wolle die Regierung eines deutschen Bundesstaates (Bayern) bei dem» Vundesrath die Einführung einer Jnseratensteuer beantragen. Der „Bert. Börs.-Cour." bemerkt hierüber: „Das Jnseratenwesen steht bet uns noch auf einer weit niedrigeren Stufe, als in anderen Culturstaaten, als namentlich in Frankreich, England und Nordamerika. Aber das darf doch auch gesagt werden, daß auch in Deutschland heute die Zeitungs-Annonce ein unentbehrliches Hülfsmittei für unsere gesammte nationale Wirthschaftsthätig- keit und für das ganze politische und öffentliche Leben im weitesten Sinne des Wortes bedeutet. Und dieses Hülfsmittel ist kein verächtliches, sondern äußerst wirksames und der heutigen Generation wäre die Rückkehr zu den alten Zuständen zum Ausklingeln und Ausrufen auf offenen Plätzen oder zur Beschränkung auf briefliche Mittheilung kaum faßbar. Die Macht und der Segen der Pceffe beruht richt ausschließlich auf dem redactionellen, sondern in ganz 'wesentlichem Maße auch auf dem Jnseratentheile. Die Publicität fördert mit dem vielen Guten naturgemäß auch manches Schlechte; aber die letztere nachtheilige Wirkung verschwindet fast vor der ersteren segensreichen. Das Jnseratenwesen st und bleibt, wir stehen nicht an, diese Bezeichnung auszusprechen, ern Culiurhülfsmittel, das als solches wohlbegründeten Anspruch auf Beachtung, Unterstützung und sorgsame Ausbildung hat, dessen Beschränkung dagegen eine Schädigung des öffentlichen Jntereffes involviren würde. Eine solche Beschränkung wber enthält offenbar die Einführung der restringirenden Jnseratensteuer. W'.nn bei uns das Annoncenwesen bereits die denkbar höchste Entwickelungsstufe erreicht hätte und es Niemanden gäbe, welcher den Nutzen deffelben unterschätzte, dann vielleicht möchte die besprochene Auflage der Kraft entbehren, die Jnserirungen zu verringern, und also insoweit unschädlich sein. Die gedachte Voraussetzung trifft aber, wie vorhin gesagt, bei uns in Deutsch- land nicht zu; im Gegentheile, unser Jnseratenwesen krankt noch daran, daß ein großer Theil der Bevölkerung den Effect der Annoncen zu niedrig veranschlagt , die Zeitungen haben in Folge dessen durchgängig die Preise der Inserate so mäßig ansctzen muffen, wie sie in den Ländern, wo das Verständniß von dem Werrh des Jnserirens allgemeiner und gefestigter ist, nicht annähernd gefunden werden. Um so verderblicher muß ein Preisaufschlag wirten, wie ihn Hne Jnseratensteuer herbeiführen würde." Auf ein Berliner Telegramm des Londoner „Globe", welches ebenfalls von der beabsichtigten Steuer spricht, bemerkt die „Köln. Ztg.": „Wir brauchen nicht zu sagen, daß diese Nachricht in der vorliegenden Form nur eine Ausgeburt der seit einigen Tagen herrschenden Hitze sein kann. Die preußische Regierung kann unmöglich glauben, die preußische Presse zu Gunsten der sächsischen, bayerischen, mecklenburgischen u. s. w. zu belasten, und der deutsche Reichskanzler wird wohl keine vergeblichen Anstrengungen machen wollen, eine Verfassungsänderung zu erstreben, um dem inländischen Geschäftsmanne die Inserate vertheuern zu können. Das wäre doch das gerade Gegentheil des vielgepriesenen Schutzes der nationalen Arbeit, wenn man es der Industrie und dem allgemeinen Verkehr erschwerte, sich Absatzwege oder Arbeitskräfte zu beschaffen, oder dm Arbeitskräften, sich lohnende Beschäftigung zu suchen. In einer Richtung könnte man eine solche Steuer geradezu als eine Steuer auf die Arbeitslosen, eine Bedrückung der dürftigsten Klaffen der Bevölkerung zeichnen. Das hätte sich der Gewährsmann des „Globe" wohl selbst sagen können, ehe er das obige Telegramm nach London sandte. Ihm müssen wir es vorläufig überlassen, eine Conferenz der Finanzminister der Einzelstaaten zusammenzubringen, in welcher beschlossen wird, daß jede Landesregierung bei sich zu Hause die Steuer auf Zeitungsannoncen einführe. Auf das jetzige Telegramm des „Globe" hin werden wohl die Inserate für den Arbeitsmarkt nicht theurer werden." Belgien. Brüssel, 17. August. In voriger Woche haben die Bischöfe Belgiens zu Mecheln eine schwere Berathung gehalten und Beschlüsse gefaßt, die so unglaublich klingen, daß die „Gazette", welche darüber angeblich verbürgte Mit- theilungen macht, dafür aufkommen mag. „Allen Lehrern und Zöglingen der Normalschulen soll die Absolution verweigert werden. Der in den weltlichen Schulen ertheilte Religionsunterricht ist als schismatisch anznsehen; alle Lehrer, die ihn ertheilen, verfallen der Excommunication. Allen Elementarschullehrern, auch denen, die sich des Religionsunterrichts enthalten, ist die Absolution zu verweigern. Alle Kinder, welche die weltlichen Elementarschulen besuchen, können, da sie ohne Unterscheidung gehandelt haben, provisorisch zur ersten Communion zugelassen werden. Diese Beschlüsse sind den Decanen und Pfarrern und von diesen in der nächsten Predigt den Gläubigen mitzutheilen." Im „Echo du Parlement" werden diese Beschlüsse bereits ausführlich erörtert. Die „Flandre Liberale" und die „Jndependance Belge" trauen der ganzen Meldung nicht und wollen deren Bestätigung oder Ableugnung abwarten. Die klerikalen Blätter sagen kein Wort darüber. Deutschland. Darmstadt, 19. August. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute den Generalmajor v. Lyncker, den Rector der Landes- Universität Streng, den Director des Großh. Hoftheaters Wünzer, den Bildhauer August Herzig, den Steuerrath Köster von Zwingenberg und hörten darauf den Vortrag des Staatsministers Frhrn. v. Starck. Darmstadt, 19. August. Bei dem gestrigen Festdiner im Saalbau brachten Se. König!. Hoheit der Großherzog, Allerhöchst welcher um 5 Uhr das Diner mit Seiner Gegenwart beehrte, in Erwiderung eines von dem Prinzen Heinrich Großherzoglicher Hoheit auf Allerhöchstdenselbeu ausgebrachten und mit begeisterter Zustimmung aufgenommenen Trinkspruch folgenden Toast aus: „Meine Herren! Als Vertreter des ganzen Landes, das selbst in allen Schichten der Bevölkerung in so erfreulicher Weise bei dem heutigen Feste vertreten ist, danke Ich Ihnen recht herzlich für den -Mir von Meinem lieben Herrn Bruder ausgebrachten und von Ihnen freudig erwiderten Toast. Es freut Mich, Sie Alle treulich vereint zu sehen — als Zeichen dafür, wie es bei uns zu Hause steht, als Zeichen dafür, daß am heutigen Tage alle Klassen und Schichten der Bevölkerung in Freuden vereinigt find. Ich trinke auf das Wohl des Landes. Unser Hessenland lebe hoch l" In das Hoch stimmten die Versammelten mit der größten Begeisterung em. AuS dem Großherzogthum Hessen, 14. August, wird der „Wes.-Ztg." geschrieben: Es scheint wirklich, daß sich die römische Curie unser Land als Versuchsterrain ausersehen hat, um zu prüfen, wie weit sich der passive Widerstand gegen die Staatsgesetze ausspinnen läßt, um darnach dann chrc Stellung für die nächste Zeit ausnützen zu können. Der Personenwechsel in der Münchener Nuntiatur, nebst der Wiener stets das motorische und lei- rende Element für die in den süddeutschen Bisthümern seit Jahrzehnten unterhaltenen Streitigkeiten und aufregenden Hchriftkämpfe gegen die Regierungen, scheint nicht ohne Rücksicht auf diese Lage erfolgt zu sein; der abgehende Nuntius Masella wird wenigstens als ein zu höflicher und nachgiebiger Charakter bezeichnet. Nachdem nun der Bischof von Eichstädt am letzten Sonntag (10 d.) ferne Firmungsmission in dem nördlichen Theile des Bisthums beendet, vorher in Mainz außerdem auch einige Priesterweihen vollzogen hat, wird Anfangs nächsten Monats der Bischof von Speyer in dem südlichen Theile des Landes (Bergstraße, den Kreisen Worms und Alzey) im Auftrage des Papstes die Firmung vornehmen. Den Decanats-Vorstehern ist die Weisung geworden, nicht allein Erstcommunicanten, wie seither ausschließlich zulässig, sondern auch jene katholisch Getauften zur Firmung vorzuberetten, von denen eine richtige Vorstellung von der Handlung vorauszusetzen ist, d. h. in der Jugend so weit wie thunlich vorzugreifen. Diese Rückkehr zu dem Ge- brauche der Kirche in den ersten Jahrhunderten ihres Bestehens,, in welcher der Papst Melchiades die Taufe als eine Aufnahme zum Kriegsdienst, die Firmung als die Bewaffnung zur Schlacht bezeichnete, ist, obschon es sich um innere kirchliche Dinge in diesem Falle handelt, doch ein nicht mißzuverstehendes Zeichen, daß man in Rom an keinerlei Nachgiebigkeit, oder vielmehr nicht daran denkt, die Staatsgesetze .irgendwie zu berücksichtigen in nächster oder fernerer Zukunft, daß trotz aller Nachgiebigkeit unserer Regierung von der Hierarchie das Resultat ihrer eigenen Renitenz den Gläubigen als ein von ihr nicht verschuldeter Nothstand dargestellt und für das Martyrium der Kirche die Stimmung möglichst gehoben und befestigt werden soll. Mainz, 16. Augu". Der Abg. Moufang hatte merkwürdiger Weise den Redacteur des „Mainzer Anzeigers", Herrn Franz Schreiber, verklagt, veil dieser sich geweigert hatte, die ihm übersandte bekannte Rechtfertigungs- schrist abzudrucken. Heute wurde in der Sitzung des Polizeistrafgerichts das llriheil verkündigt; dasselbe lautet dahin, daß Herr Schreiber nicht gesetzlich verpflichtet sei, die ihm von Herrn Moufang übersendete, mit der Aufschrift Zur Berichtigung und Abwehr" versehene Berichtigung aufzunehmen. Das llrtheil ging von den Erwägungsgründen aus, daß der Redacteur eines Blattes nur verpflichtet sei, Thatsachen zu berichtigen; in diesem Sinne spreche sich der § *1 des Preßgesetzes aus. Das Acteustück des Herrn Moufang enthalte ater keine thatsächliche Berichtigung, sondern Deductionen und deshalb könne dne Aufnahme nicht verlangt werden. Berkin, 17. August. In den deutschen Münzstätten find in der Woche vcm 3. bis 9. August 1879 an Goldmünzen geprägt worden: 1,721,060 >d sich betitelt alt n über die seid e Schrift IN r Seite meinet i Arris der A- tunben mich hm e Erwiderung jj iu ermessen, athmet die Da- *n Iw * * «nb ’S erfreue, °» jentjie, was v» i« i(b; \* !«"« Wn Ml * l M811,1 glfud)t -»" ’ ’ 7b, WU Lindn-l AfA' Ourlfü' „Ms ann Berck, )r. @uitItijd) gerchtsslUMr ! AlsMA' Äufschluh. a«i,ch.' 18 ^Secretariat; ^ctioa. äffer. * Herr Hof- iw Nra*, lm Druck ver-i gl, weldie Unsen orechuss- 'iderung keinerlei" lchen in ihrem ssen gegen die ttsachen abzu- Vlichen Jrrthum; mm'sslonk- resp. greift, erllärm Leidenschaftlich. nblger Prüfung hätte überzeugen ^Hastigkeit det Aegypten. Kairo, 18. August. Las ganze Cabinet hat seine Entlastung gegeben. In dem neuen Cabinet wird der Khedtve selbst den Vorsitz, Zulficar Justiz und Inneres, Mustapha Fahni Aeußeres, Haidar die Finanzen, Osman Refkr den Krieg und die Marine, Mehemed Marascli die öffentlichen Arbeiten und AU Ibrahim das Unterrichts-Portefeuille übernehmen. Telegraphische Depeschen. «Saguer's telegr. ®vrrefpon>eni ■ «ure**. Berlin, 19. August. Der „Retchs-Anz." publicirt die Ernennung des Oberverwaltungs-Gerichtsraths v. Goßler zum Unterstaatssecretär und Director im Cultusmintsterium. Wien, 18. August. Meldung der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel : Die Einwohner von Marmitza im Distrtcte von Volo haben beschwerdeführend an mehrere Botschafter telegraphirt, daß die türkische Behörde die vom Sultan erlastene Steuer des Vorjahres eintreibt, sie zu Frohnarbetten zwingt und hundert ihrer dagegen oppontrenden Mitbürger etnkerkerte. Sie bitten schließlich um Abhülfe oder Ermöglichung der Auswanderung. Wien, 19. August. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel: Die Botschafter der Mächte beantworteten durch eine Collectiv-Mittheilug die Anzeige der Pforte über die Ernennung der Commistäre für die griechischen Verhandlungen dahin, daß sie, nachdem die Ernennung der Commistäre um drei Monate verzögert worden sei, nunmehr die Anzeige des Eröffnungstages der Verhandlungen innerhalb 48 Stunden gewärtigen. Wien, 19. August. Der Kaiser ist heute aus Ischl hierher zurückgekehrt und hat von den neuernannten Ministern den Eid entgegengenommen. Konstantinopel, 19. August. Die die serbischen Ansprüche anläßlich des Einfalls der Arnauten zurückweisende Note der Pforte wurde am 16. August übergeben. — Die Pforte hat einen höheren Beamten nach Samos gesandt, um die gegen den Senat vorgebrachten Beschwerden der Bevölkerung zu prüfen und die nothwendigen Maßregeln zu ergreifen. Berlin, 19. August. Anknüpfend an den Artikel der Petersburger Wochenschrift „Otgoloszki", welcher bezüglich der feindseligen Aeußerungen der russischen Preste in den Angelegenheiten der auswärtigen Politik darauf htn- weist, daß die russische Ober-Preßverwaltung sich mit Beständigkeit und Ge- wistenhaftigkett jedes Etnflustes hierbei enthält, schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.": Wir glauben eine Erklärung nur darin finden zu können, daß die ganze Ver* hetzung der öffentlichen Meinung gegen Deutschland von der nihilistischen Partei und von hohen Beamten, welche diese Partei als Werkzeug für ihre Zwecke benutzen, betrieben wird. Daß die Störung guter Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland einen Theil des Programmes der Umsturzpartei bildet, ist begreiflich. Es muß ihr daran liegen, die gegenseitige Anlehnung dieser beiden großen conservattven Monarchen zu untergraben. Aber welche Zwecke verfolgen Beamte, ohne deren passive und active Begünstigung ein solches Treiben der Preste nicht möglich wäre? Pesth, 20. August. „Ellenör" zufolge wird voraussichtlich der österreichische Botschafter in London, Graf Karolyi, zum Nachfolger Andraffy's ernannt werden. Die Ernennung würde noch in dieser Woche erfolgen. Nürnberg, 20. August. Dem „Fränkischen Kurier" zufolge passirte in der Nacht von gestern auf heute Minister Cairoli mit Gemahlin Nürnberg auf der Reise nach Straßburg. Die Mer der Enthüllung des Landes-Denkmals in Darmstadt. Darmstadt, 19. August. So wäre es denn vorüber, das schöne Fest der Enthüllung unseres Landes-Kriegerdenkmals, ein Fest, das in der freudigen Geschichte des Hessenvolkes stets einen der ersten Plätze einnehmen wird, das unserem Vaterlande und speciell unserer Vaterstadt zu hoher Ehre gereicht, deren Bürgern es vertrauensvoll in die Hand gegeben war, die äußere Begehung des Festes zu einer seiner Bedeutung würdigen zu gestalten. Die Stadt Darmstadt hat ihre Ehrenaufgabe in einer Weise gelöst, welche ihr den Dank der Festgäste aus allen Theilen unseres Landes sichert. Im Festgewand empfing sie ihre Gäste, welche in den frühen Morgenstunden die Bahnzüge aus allen Richtungen ihr zuführten; im Festgewand durchzog unsere Schuljugend die Straßen, um sich in ihren Schulen zum Festzuge zu versammeln. Es war auf jedem Gesicht der Ausdruck reiner Freude zu lesen, um die Vollendung eines Werkes, das Dankbarkeit und Liebe gegen die tobten und lebenden Streiter aus großer Zeit geschaffen. Diese Festesfreude konnte auch nicht getrübt werden durch den von 7 Uhr an sich in Strömen ergießenden Regen. Namentlich ließen es sich die beiden hier bestehenden Kriegervereine nicht nehmen, draußen auf dem Friedhöfe, wo ihre tobten Kameraden aus ben Jahren 1870 und 1871 ruhen, diesen ihren Ehrentribut zur festgesetzten Stunde zu zollen. Der „kameradschaftliche Kriegerverein" hielt seine Feier um halb 6 Uhr, der „Kriegerverein" um 8 Uhr. Ueber erstere konnten wir bis jetzt nähere Erkundigungen nicht einzieben, von letzterer aber können wir nach eigener Anschauung bemerken, daß sie eine dem Vereine in hohem Grade zu Ehren gereichende war. Von dem Gedanken getragen, unser schönes Landesfest nicht besser beginnen zu können, als durch einen Act der Pietät gegen Diejenigen, welche uns die Abhaltung desselben mit dem Verluste ihres Lebens ermöglichen halfen, versammelten sich zahlreiche Mitglieder des Vereins um 8 Uhr auf dem Friedhöfe, um in Begleitung einer Musik und der Vereinsfahne zum Kriegerdenkmal zu ziehen, wo bereits eine große Zahl von Leuten erschienen war, welche der Feier anwohnen wollten. Es waren Angehörige der Gefallenen aus allen Theilen des Landes, Männer und Frauen unserer. Stadt, Vertreter auswärtiger Kriegervereine und Gemeinden, welche sich der in ihrer Einfachheit erhebenden Feier anschlossen. Nachdem die Musik vor dem Denkmal einen passenden Choral gespielt, ergriff in Verhinderung des Veremspräsidenten Kamerad Mayer das Wort zu folgender Ansprache: Kameraden, die Ihr, von der Hand vaterländischer Liebe zugedeckt, in sanfter, süßer Ruhe hier schlummert, an Euren Grabeshügeln wollen wir, Eure Kameraden, unser heutiges hehres Fest beginnen. Euch, Ihr treuen Tobten, gilt unser erster Gruß heute an bem Ehrentage der hessischen Division, ber Ihr zum größten Theile angehört, ober mit welcher Ihr in schwerer unb großer Zeit Schulter an Schulter gekämpft. Nehmt hin, Ihr, bie Ihr ba unter'm Grase ruhet, ben Dank Derer, welche bas mörberische Blei braußen verschont unb bie heute zu Euren Gräbern wallen, um hier ben heiligen Schwur zu erneuern, bie mit Eurem theuren Blute erkaufte Erbschaft bes großen einigen beutschen Vaterlanbcs in bem Geiste zu bewahren, bcr Euch beseelte, als ber letzte Schlag Eures brechenben Herzens Euren Lieben im beutschen Vater- lanbe galt. Das Vaterlanb bewahrt Euch Treue um Treue. An seinem Ehrentage gebenkt es in erster Linie seiner theuren Tobten. An den Lorbeerkränzen, bie es auf bie Gräber all' der Kämpfer aus bem glorreichen Völkerkrieg nieberlegt, hängt Euer Blut, sie sinb benetzt von ben Thränen Eurer Eltern, Eurer Wittwen, Eurer Kinber unb Geschwister — gewiß eine schöne Zier, geweiht ben Manen Derer, bie für bes Vaterlanbes trauten Heerd hinausgezogen sind unb ihn beschützt haben. Dem Menschen ist nichts eigen, Es steht ihm nichts so an, Als baß er Treu' erzeigen Unb Lieb' erweisen kann. Wir, ber Kriegeroerein, wollen bieses Wort wahr machen; in Treue unb in Liebe kommen wir zu Euren Gräbern am heutigen Festtage, besten freubige Begehung Ihr uns mit bem Einsatz Eures Lebens ermöglichen halst; in Treue unb in Liebe wird Euer Gebächtniß leben, so lange noch ein Tropfen Blutes durch beutsche Abern rinnt. An Euren Grabeshügeln wollen wir unb soll sich bas kommenbe Geschlecht bie Mahnung holen, Euch nachzueifern in sreubigem Opfermuthe für das Wohl des theuren Vaterlandes. Nehmt hin ben schlichten Kranz, ben Dankbarkeit und Kameradschaftlichkeit Euch heute widmet, Ihr treuen Todten; was Ihr mit Eurem Herzblute erkämpfen halft, das große deutsche Vaterland — es wird Eure Gräber auch ferner ehren, deren Anblick uns in wehmüthig starker Weise zuruft: Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, In keiner Noth uns trennen unb Gefahr. Das walte Golt! Nicht blos aus Frauenaugen fahen wir Thränen rinnen, als Herr Mayer ben prachtvollen Lorbeerkranz an ben Stufen des Denkmals nieberlegte, auch über bie Wangen manchen Kriegers rollten sie nieber in bem Momente, wo Denen Ehre geschah, bie braußen in ber Felbschlacht einst Schulter an Schulter mit ihm kämpften. Der Sängerchor des Vereins schloß bie Feier mit bem Vortrag bes ergreifenben Liebes „Söhne ber Schlacht". Der Himmel hatte unterbepen Erbarmen mit bem schönen Feste bekommen und um 9 Uhr füllten sich die Gotteshäuser, wo eine Andacht zum Gedächtniß ber Gefallenen gehalten würbe. In bcr Stabtkirche, bie fast überfüllt war, hielt Herr Pfarrer Dr. Sell folgenbe Rebe: Sie sind hier im Gotteshause zusammen gekommen zur stilleren Vorfeier eines rauschenden Festtages. Im Gotteshause — damit ist schon der Ton angegeben, der diese Feier durchziehen soll. Wie wir gern am frühen Morgen unserer hohen Kirchenfeste, die zugleich christliche Familienfeste sind, die Gräber Derer schmücken, die sich früher mit uns freuten, so treten wir jetzt im Geiste an die Gräber Derer hin, die heute vor neun Jahren oder in ben folgenden Monaten des großen Krieges bie Tobes- wunde, ben Tobeskeim empfingen, wir benfen Derer, bie für uns gefallen unb gestorben sinb. Ein Denkmal aus Erz unb stein reichen wir ihnen heut', aber ber beste Dank ist, baß man ihrer gebenkt. Unb bas können wir hier am besten, wo ihre Namen ae- schrieben stehen, wo oft genug treue Liebe ihnen in ber Stille nachgeweint hat. Aber auch ben Lebenben soll bas Denkmal gelten, bie im Felbe mit ber Waffe geftanben ober pflegenb, helfend» unb berathenb, unb wenn wir das ganze Heer nennen wollen, bas bamals wirklich ober im Geiste im Felbe staub, nun, es ist Allbeutschlanb gewesen, Männer unb Frauen zumal, bas ganze Vaterlanb, es war bamals ein Felblager, unb Alle, ber vertrockneten Seelen ausgenommen, bie ber allgemeine Jubel unb bie allgemeine That nicht rührte, haben ihren Antheil gehabt am Sieg ber beutschen Heere. Unb so ist bas Lanbes-Kriegerbenkmal recht eigentlich ein Denkmal ber großen Zeit, bie wir vor neun Jahren erleben burften. Wie ber Gebaute feiner Errichtung ber noch frischen Begeisterung jenes Sieges- unb Friebeusjahres entsprang, so soll es selber künftigen Geschlechtern von bem Geiste zeugen, der es errichtet hat. Solches Zeugnisses bedürfen wir. Was wir feit jener einzigen Zeit erlebt von wahrhaft ungeheurem Frevel an Kaiser unb Reich, an Gott unb Vaterlanb, bas hat es auch den harmlosesten Gemütheru gezeigt, wie uothwenbig uns sichtbare Erinnerungszeichen sind in einem Augenblicke unvergleichlicher Größe unserer Nation, wie er vielleicht nicht ein zweites Mal wieder kommt, wie uothwendig Denkmäler sind, um das Volk denken und danken zu lehren. „Wer Dank opfert, der preiset mich," so spricht ein großartiger Psalm im Namen Gottes des Ewigen. Das ist das wahre Lob Gottes: em dankbares Herz. Und so dürfen wir ja wohl hoffen, heute wo uns das Herz so mancher vaterländischen dankbaren Gedanken voll ist, auch wenn sie nicht unmittelbar mit göttlichen Dingen in Beziehung stehen, etwas zum Lobe Gottes zu thuu- Und wem danken wir diese große Zett? Wir danken sie Gott und unserem Heere. 1) Wir danken sie Gott Lasset uns laut und deutlich das Bekenntniß auo- sprecheu. rote es der Führer aller deutschen Heere, unser Kaiser, so oft gethan, wie sich's seine größten Feldherren unb Staatsmänner auszusprechen nicht gescheut unb wie eö ber mwerbilbete (Sinn unseres Volkes noch versteht, währenb allerbings ein guter Theil im Jrrgai ten einer kurzsichtigen unb schwunglosen Vielwisserei verloren, nicht mehr zu sagen wagt: Sieg unb Ehre kommen von Gott. Solche Dinge, wie wir sie bamals in wenigen Monaten erlebt haben, bie möge ein Anberer bem Zufall ober ber Nemesis ober sonst einer neuaufgeputzten heibnischen Gottheit auf Rechnung schreiben, unferem gesunben Menschenverftanb will es nicht einleuchten, baß eine Zeit von so unvergleichlicher Größe, ein vergeltendes Gericht fast ohne Beispiel in der Weltgeschichte, eine Abrechnung zwischen zwei Völkern von der erschütterndsten Pünktlichkeit sich solle vollzogen haben, ohne eine Hand, bie ba vergalt unb abwog unb strafte, ja es will uns menschlicher unb ebler gebucht scheinen, wenn wir auch dem Feinbe es zu Gute kommen lassen, baß nicht allein eigene Unbesonnenheit unb Eitelkeit, fonbern baß Gottes Hand ihn geschlagen hat; haben doch rechte Männer, bie früher zu ben Freigeistern gehört, es bekannt, burch bies Walten der Vorsehung in ben Geschicken unsres Volkes zu Gott bekehrt worben zu sein, sichtbar unb hörbar mit Augen unb Ohren sinb freilich Gottes Gerichte nicht. Wenn unser Psalm sagt: „Gott ber Herr ber Mächtige rebet unb ruft ber Welt vom Aufgang ber Sonne bis zum Niebergang. Unser Gott kommt unb schweiget nicht. Er ruft Himmel unb Erbe, baß er sein Volk richte", so spricht er von Dingen, die man so wünschen und greifen kann als man feinen eigenen Geist sehen und seine Gedanken greifen kann. Aber bie ganze tiefsinnige Ordnung der sichtbaren Welt nach Maß unb Zahl, Verhältnissen unb Gestalt, bie nur ber suchenbe Verstaub enträtselt, ist auch nicht sichtbar unb boch glaubt jrber an sie, ber ihre Geheimnisse erforscht- Unb nur ein Theil biefer Weltorbnung ist bas Richteramt Gottes über bie Völker — ben heibnischen Völkern waren ihre Kriege Entscheibungsfchlachten zwischen ihren Göttern selbst. Seitbem ber gesittete Theil ber Welt bem Einen Gott bient, haben auch bie Kriege einen anberen Sinn angenommen. Dort galt es Unterjochung, womöglich Vernichtung ber Feinbe, jetzt hanbelt es sich im Kriege zwischen zwei christlichen Nationen nur noch um ein Uebergewicht ber einen über bie anbere- Wir glauben nicht mehr, baß irgenb ein Volk Europa's nicht sein solle, weil jebes einen eigenthüm- lichen Beitrag zu der christlichen Gesittung stellt. Mit biesem Glauben — unb das ist christlicher Glaube über Völkerleben unb Völkerkrieg — traten wir vor neun Jahren in ben Krieg, nicht um ben Feind» zu zermalmen, fonbern um vielhunbertjährigen lieber; muth in seine Schranken zurückzuweisen. Es gelang burch Gottes Hülfe in einem Umfang unb einer majestätischen Sicherheit bie Niemanb erwartete. Wir haben Gott Lob nicht bas Weh unb ben Jammer hinein nach Frankreich getragen, ben sie über uns gebracht, wohl aber benfelben Respect bort erzwungen, ben wir früher in eigener Schwäche ihren kriegslüsternen Einfällen schenken mußten. Seit ber Zeit, ba bas Deutsche Reich bie Wacht bes Friebens in Europa übernommen, haben wir welterschütternbe Fragen zur Lösung kommen sehen, ohne baß sie einen Weltkrieg zur Folge gehabt hätten. Die gelassene Ruhe unb bas gezückte Schwert in beutsckem Arm, sie haben's verhinbert. Wenn Unzufricbene unb Kleingläubige, Schwärmgeister unb Unruhestifter jammern, bas Deutsche Reich habe uns nichts gebracht als neue Steuern unb unerschwingliche Militairlast, sie sollen Recht haben; aber was mit keinem Gelbe zu bezahlen ist unb wofür andre Geschlechter gern Gut und Blut hingegeben hätten, das ist errungen: bie Freiheit Deutschlanbs im eignen Hause, bas Ansehen Deutschlanbs im Rath ber Völker unb bamit die Zukunft bes beutschen Namens in allen Länbern unb auf allen Meeren. Auch bie Völker leben ja nicht von Brob allein unb wie ber Richterspruch Gottes bamals jebem ehrlichen Deutschen im tiefsten Herzen wohlgethan, so kann er's boch auch noch heute. Wenn wir nicht in ben leibigen Parteikämpfen, mit benen wir uns ben meisten Theil der Zeit vertreiben, so bettelarm an Zufricbenheit unb so krämerhaft in unseren Anschauungen geworben wären, bie wir boch früher glaubten, auf eine würdige Stellung der deutschen Nation komme es jedem ächten Deutschen an — so würden wir's noch täglich mit Freude und Stolz empfinden. Freilich eines Volkes Ehre und Ruhm, große Erinnerungen und gemeinsame Helden — die sind wie der gemeinsame Glaube und die eine Sprache nur geistige Güter. Dem sie nichts gelten, dem ist nicht zu helfen; der möge hinziehen, wo's kein Vaterland gibt. Und wenn wir nun als ein zum Theil selbstverschuldetes Nachspiel ber großen Leit baran erinnert worben sinb, baß wir trotz unserer Überlegenheit in Waffen boch ein armes Volk sinb unb in vielen Künsten unb Geschicklichkeiten hinter anbern zurück, wenn wir aus einem fast allgemeinen Rausch ber Ueppigfeit will's Golt enblich wieber erwacht sinb, so ist auch bas ein rechtteitiaer Ruf Gottes gewesen, uns aut das zu besinnen, was wir leisten können, und die deutsche Ehre darin zu suchen, baß wir die männlichen Tugenben ausbilben, wozu wir berufen sinb, inbeß anberen Volkern Anberes gegeben ist. Ja so verstehen wir bie beklagenswerthen Dinge, bie wir erlebt. ^fening von Cei verai Unb e Wiichj Es id Mi Daß Einst Daß Gnä Sich fair Wit Abs Unb N Gießen, 20. Augu Qimnur von Herchenh Mß, wurde in eine a 'M dieser letzten Ver ^litttood) btn 2 »on «otmuta98 Men im alten M 'chert werden: ^Lieferung von B wn, veranfchl. zu WJÄ ■ Ä 1W ^.Innern e L h-u aber M Freunds ch ' nbU so ■ Emm-" ■’SääJ fÜriTtamflß- Und ^Ä-N'Mswu 15 Ä£hr, bie unser W ~ wie, Gott geb Jft Denkmal bar, Worben, bas Md' fiel was ber Tob un fylfri nicht merth. 3. taf: und ben umei Sib am Kreuzes tun des Heerwesens ©tttUung hat, baß j Volkes uub des ®n pjpfern für das W jhrM die nicht N Zeit- hi,n( and) nächtlich.Linden^ ■ L^oies Müden, b 1.- ;iaH, üNdUN . .] äN tzM 8**k M das den $ über die ? Skschuh -n- Der lden Liedes 'mmen und u6 der Ge- err Pfarrer chier eines lieben, der tn Kirchen: ini die sich $$ hin, die 5 die Todes: nö Scharben ' beste Dank Rainen ge: t h°t. Aber gestanden Mn wollen, Mb gewesen^ sdtazer, und und die oll: tschen Heere, groben Zeit, enes Sieges- i dem Geiste )ir seit jener ich, an Gott : nothwendig jlicher Größe ' nothwendig tn im Namen itrv Und so ldischen dank: en Dingen in en wir diese ienntniß aus- han, wie sich's it und wie es ein guter Thcll nicht mehr u )tr sie dM's r der Stoß ben, uMD ) unoergM- Schichte, eine sich solle ooll- ja es will uns i Gute kommen i Gottes Hand geistern gehört, ,'olkes zu Gott i sind freilich Nächtige redet r Gon kommt , so spricht er , eigenen M nnng der W t iuchende $er- ir ihre Geheim- ml Gottes, Ar lachten tfö* itn Gott bient, s Unierjo-Hu^ hm inw W . M glauben im eigenthu'^ _ und das ist - neun Jahren litten U* in einem Uen- >-» 8"^ litesi®“"'’ OS ft, W" ch Pcut%beil nerstrn W ,8Ä nicht zu MSi. n do-» SÄ ■einen Ruf -zur Ordnung zurück, zur Bescheidenheit und Tapferkeit. Die Erhaltung 'g Geistes durch den wir siegen sollten, das ist der beste Dank an Gott für jene tzrosie Zelt- ^ene aud) ba§ Denkmal, das Denkmal gilt den Kriegern des Landes, gilt unserem Heere. Es war das Werkzeug scharf und schneidig, von Meisterhand Whrt, durch welches Gott den Sieg aab. * Es aab eine Beit, da glaubte der Deustche gebildeteren Schlages großentheils mächtlich heruntersehen zu dürfen auf das Soldatenwei-k. Schien es doch nur ein fnnteß Spielzeug in den Händen von mancherlei Kriegsherren und meinte man doch Sie wirklichen Tugenden, die auch da sich fanden: Manneszucht und Pflichttreue, an- rmwo besser zu finden. Das ist Gott Lob anders geworden. Heute ist das deutsche jyev unser Stolz, seitdem offenbar bekannt geworden, wie nicht nur dre ledesmalige Mtbe der Nation an Leibeskraft, sondern auch die größte herrlichste Manneskraft amierer nationalen Helden in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts ,m Heere sich beiden, seitdem der höchste Ehrentitel des deutschen Kauers der ist, der Feldmarschall ll sein aller Deutschen. Und mehr als auf die Schule bauen wir auf den Geist, den U Heer den Männern einftößt, der Pflichttreue, des Gehorsams und des Edelmuthes. Mn "und nimmer aber wäre ein solches Heer geworden im Frieden. Wenn unsere Mördern eine Freundschaft schließen wollten, die immer dauern sollte m Kampf und €iea Noth und Tod, so traten sie unter zwei geneigte Speere, öffneten eine Ader, und M das Blut zusammenfloß, so wurden die Herzen der Männer eins. Das geschah in jener großen Zeit; das Blut aller der deutschen Stamme machte aus dem Heere Ms Und daß auch unser Stamm dabei sein durfte, deß rühmen und freuen wir uns leute wie damals. Und mit der Errichtung des Denkmals sprechen wir es aus , daß wir cs wissen, was wir dem deutschen Heere verdanken, und daß wir es halten für die jefte Wehr, die unser Vaterland, ungeschwächt und unverkürzt, handhaben soll gegen den Lißercn, wie, Gott gebe nie, gegen den inneren Feind. — Einen siegenden Krieger Mi das Denkmal dar, und einen sterbenden. Was der sterbende mit seinem Blute wiitcrworben, das soll der siegende mit seinem Schwert behaupten. Wer uns das an; inftct was der Tod unserer Kameraden errang, der spottet ihres Todes und ist ihres Lusers nicht werth. Ihres Opfers — es ist ein Gedanke, auf dem alle Religion .beruht und den unser Chriftenthum in der leuchtendsten Gestalt verwirklicht sieht im Heiland am Kreuze; das Opfer. Und das scheint mir der tiefste, das der christliche ginn des Heerwesens zu sein, das ja sonst in dem Reiche des Fnedensfürsten keine Stellung hat, daß es im Volke wach hält den Gedanken: Es aibt Zeiten im Leben Les Volkes uud des Einzelnen, da alle Pflichten zurücktreten vor der einen: sich auf; zllspfcrn für das Ganze. Das aber lehrt uns keine Schule, denn tn der Schule fitzen jfinber, die nicht wissen, was opfern heißt, das lehrt nur mit ihrem Wort vom Kreuze Lie,'JMigion, und das lehrt in seiner Weise durch Mannszucht und Pflichtstrenge das Heer. Diesem Geist, der von dem Heere ausaehen und dann vom Volk in's Heer ein; Langen soll, huldigen wir heut mit unserem Kriegerdenkmal. In diesem Sinne dürfen wir uns dieses Denkmals dankbar freuen und begrüßen es mit dem Gelübde, das ein «hier Dichter (Curtius) vor 9 Jahren am Todtenfeld von Metz gethan: Ihr bleibet unser! Ein Vermächtmß Ist euer Tod für Jedermann, Und eure Thaten im Gedächtniß, Wächst unser deutsches Volk heran. Es schwöret bei dem theuren Blute Mit dem ihr uns den Sieg erwarbt, Daß es mit felsenhartem Muthe Einsteht, wofür ihr kämpfend starbt; Daß Deutschland neu durch euch geworden, Gerächt durch eures Blutes Zoll, Sich nimmer mehr in Süd und Norden Feindselig wieder trennen soll. Wir wollen treuen Sinnes immer Abschwören jeden falschen Schein, Und euer Heldentod soll nimmer Vergessen noch verwirket sein. So sei es! Amen. (Fortsetzung folgt.) Lokales. Gießen, 20. August. (Schwurgerichtsverhandlung am 19. Aug.) Katharina Kemmer von Herchenhain, angeklagt des versuchten Mordes ihres 3 Jahre alten Lindes, wurde in eine Zuchthausstrafe von 12 Jahren und in die Kosten verurtheilt. -Mit dieser letzten Verhandlung ist die diesmalige Schwurgerichtsperiode geschlossen- Gießen, 20. August. Tagesordnung für die Stadtverordneten - Sitzung am Donnerstag den 21. August 1879, Nachmittags 4 Uhrr 1. Klage des Ortsarmenverbands Hamburg gegen den Ortsarmenverband Gießen. 2. Die Verpachtung der Gemeindejagd. 3. Verlegung eines städtischen Grabens. 4. Voranschlag über die sachlichen Bedürfnisse für die städtischen Schulen pro 1880. 5. Der Bedarf an Saat-Bucheln und Eicheln pro 1879. 6. Gesuch der Georg Becker's Wittwe um Erlaubniß zur Erbauung eines Treibhauses. 7. Gesuch des Conditors Heinrich Kinkel dahier um Erlaubniß zur Vornahme von Bauveränderungen. 8. Die Sedanfeier. — Die Zahl der Todesfälle während der Woche vom 10. bis 16. August betrug in Gießen 7. Davon ereigneten sich 2 bei Kindern, die nur einige Monate alt waren. Beide starben an Krämpfen. Ein Zjähriges Kind erlag einer Gehirnentzündung, ein 2Vr Jahre altes Kind allgemeiner Abzehrung. Von 3 erwachsenen Personen starb eine an einem organischen Herzleiden, eine an Knochenfraß, eine an eitrigem Erguß in die Brusthöhle. G. — Die gestrige außerordentliche Generalversammlung der Gewerbebank war von 72 Mitgliedern besucht. Die Versammlung genehmigte die Aufhebung des in der außerordentlichen Generalversammlung am 29. Januar 1877 wegen Erwerbung des I. B a ch'schen Grundstückes gefaßten Beschlusses und stimmte mit 40 gegen 32 Stimmen für den Ankauf der Wiesen oer Herren H. Weidig und Th. Haubach an der Wieseck, hinter der Loge, zum Bauplatz für das zu erbauende Bankgebäude. Die erhebliche Minorität der Versammlung war dafür, daß das Bankgebäude in der Stadt feinen Platz haben müsse. — Wir erwähnten vor einigen Tagen des Mißstandes, daß die Ueberwölbung des Schipka;Passes noch ohne Geländer sei und daß dadurch leicht ein Unfall paffiren könne. In Bezug daraus wird uns ferner mitgetheilt, daß am Schipka-Paß noch ein größerer Mißstand obwalte. Seit circa 2 Monaten ist das Pflaster einige Quadrat; metcr groß in der Mitte der Caplansgafse vis-h-vis dem Schipka;Passe, an welcher Stelle die Straße nur einige Meter breit ist, aufgerissen. Die Anwohner haben nun täglich das interessante Schauspiel, wie Fuhrwerke, welche die Straße paffiren müssen, sich fast stundenlang aus dem Morast und der Untiefe herauszuarbeiten sich bemühen. Schließlich muß sich wohl noch der Thierschutzverein ins Mittel legen. — Der vom Ruder;Club bei der internationalen Regatta in Frankfurt errungene Pokal ist im Erker des Herrn Jul. Bach am Seltersweg ausgestellt. — Wir berichtigen die Mittheilung in unserem gestrigen Blatte unter Berlin betr. Petroleumstcuer dahin, daß nicht wie gesagt worden 1 pro 100 Kg. sondern 6 «M. Steuer zur Anwendung kommen. Eingesandt. Gießen, 20. August. Die außerordentliche Generalversammlung der Gewerbebank am gestrigen Abend war statutengemäß ordentlich und rechtzeitig berufen und darf vorausgesetzt werden, daß sämmtliche Mitglieder der Bank Kenntniß von derselben hatten. Trotzdem fand sich von über 700 Vereinsmitgliedern nur der 10. Thetl bewogen, an dieser so hochwichtigen Versammlung Theil zu nehmen. Wir sagen hochwichtig, weil es sich um ein Objekt von mindestens 40,0. 0 handelte, welche für ein Bankgebäude verausgabt werden sollen. Es waren im Ganzen nur 72 Mitglieder anwesend, von denen 32 gegen den Ankauf des von dem Auf- sichtsrathe proponirten Bauplatzes (Weidig - Haubach) stimmten. Bei den 40 Stimmen für diesen Bauplatz befanden sich diejenigen des in pleno erschienenen Aussichtsrathes sammt Bankbeamten und Diener, im Ganzen also ca. 18 Stimmen. Würden diese 18 Stimmen von den 40 in Abzug gebracht, blieben 22 Stimmen aus der Versammlung der Mitglieder, welche sich für den Bau außerhalb gegen 32, welche sich für den Bau innerhalb der Stadt ausgesprochen haben. Jedem Unbefangenen muß es unter diesen Umständen einleuchten, daß hier von einer Majorität keine Rede sein kann und wurden sich unseres Erachtens nach die Mitglieder des Aussichtsrathes einer großen Verantwortlichkeit unrerziehen, wenn sie auf Grund dieses „Majoritätsbeschlusses" ein Bankgebäude erbauen wollten, welches für die Bankmitglieder am zweck- widrigsten Platze ist. Bei der Wichtigkeit der Sache einer so schlecht besuchten Generalversammlung gegenüber, wäre eine schriftliche Abstimmung durch Herumsendung einer Abstimmungsliste bei sämmt- lichen Mitgliedern geboten, denn es kann doch unmöglich eine Majorität von 40 Mitgliedern auf so einfache Weise mit dem Vermögen des Vereins wirthschaften. — Eine zweite Frage wirft sich bei Besprechung dieses noch auf. Hat die Baufrage überhaupt ein so reges Interesse bei bcn gesammten Mitgliedern hervorgerufen, daß man deren Zustimmung zu dem gefaßten Beschlüsse unterstellen darf, oder läßt sich das Nichterscheinen der großen Mehrzahl am gestrigen Abend durch die Abneigung am Bauen überhaupt erklären? Einsender vieses, als altes Bankmitglied, glaubt es dem Interesse der Bank und ihrer Mitglieder schuldig zu fein, auf diese Zustände öffentlich aufmerksam zu machen. «■rass iMawMnmaiiiiwa»«smnT^TW«EHmMn«M»n8aa35Zsy-r Mittwoch den 27. l. Mts., v>on Vormittags 9 Uhr an, illen im alten Rathhaussaale ver- 1 liiger t werden: JL )ße Lieferung von Stetnkohlen- ifen, veranschl. zu 383,20 - ^Lieferung von Cementröhren, veranschl. zu 132,— )tr Lieferung von Cement, veranschl. zu 126,— 'Maurerarbeit, „ „ 298,32 ' Zirmhauerarbeit, n „1256,- Ochdeckerarbeit, ll „ 286,84 Lhreinerarbett, u „ 318,38 ' Lchlosseraröeit, n „ 357,50 t Mserarbeit, < Lpenglerarbeit, il „ 97,44 „ 504,10 ' Dißbinderarbeit, „ „ 1383,96 öie Lieferung von Basalt- ßeinen, veranschl. zu 127,50 ! rai Anfahren derselben, veranschl. zu 322,50 ■ rar Anfahren von Kies, veranschl. zu 94,50 Naussirarbeit, „ „ 451,20 Wstererarbeit, „ „ 1800,41 Gi-eßen, den 20. August 1879. Großherzogl- Bürgermeisterei Gießen. MIT) A- Bramm. - > Ms bevorstehende Manöver em- Wen wir gut geräucherten feinsten Blasenschinken, feinste Cervelatwurst, feinste Ochsenzungen, jmie Arac, Cognac und Rum in bekannter Güte. (5473 J. A. Busch Söhne- Allgemeiner Anzeiger. Submission zu 5370) Die bei dem Umbau der Wieseckbrücke vor dem Neuenweger Thor H M zu n ii ii H n Gießen nöthig werdenden Arbeiten, als: Maurerarbeit,....... Steinhauerarbeit,...... Zimmerarbeit....... Schlosserarbeit u. Trägerlieferung, Weißbinderarbeit,...... Pflaster- und Chaussirarbeit, . . findet daselbst Montag den 25. August 1879, Dormittags 9 Uhr, die Submissionseröffnung in Gegenwart der etwa erscheinenden Concurrenten statt veranschlagt h Gießen, den 15. August 1879. Großherzogliches Kreisbauamt Gießen. I. A.: >von Rieffel. sollen in Submission vergeben'werden. Pläne, Voranschläge und Bedingungen können in unserem Bureau im neuen Gertchtsgebäude eingesehen werden und cX 446 92 135 66 625 57 2339 01 367 39 380 56 Bekanntmachung. 5438) Das Realsclmlgeld pro II. Quartal 1879 (I. Quartal 1879/80) ist innerhalb 8 Tagen, an den Zahltagen Dienstag, Donnerstag und Samstag an den Unterzeichneten zu bezahlen. Gießen, den 18. August 1879. Der Rechner Großh. Realschule Gießen. Enders, Stadtrentmeister. 5417) Ein Haufen Mist ist zu verkaufen ___________________bei Bäcker Kuhn. 50 Inder Strohseile zu verkaufen. (5458 ______________Fr. Müller, Neustadt. Loose M Landes-Geiverbe-AussteUung in Offenbach a M. a 1 pr. Stück bei (5463 Wilh. Balser, Kirchenplatz. Sehr gute Dickmitch ist stets zu haben bei (5471 PH. Müller, Lvwengafse 161. Salicylsäure-Weinessig ZU1N Eimnachen, per Liter 50 Pfennig, empfiehlt (5405 Robert Stuhl, Marktstraße 23. Bekanntmachung. 5478) Das Frühobst der Stadt, bestehend tn Aepfeln und Birnen von Bäumen am Wiesecker und Krosdorfer Weg, in der Allee an der Grünberger Straße und vor dem Friedhof soll Samstag den 23. d. Monats, von Nachmittags 3 Uhr an, versteigert werden. Zusammenkunft cn der Gail'schen Wollspinnerei. Gießen, den 20. August 1879. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. A. B r a m m. Ieitgeöotenes. 5429) Ein Bauplatz mit angelegtem (Sorten im Garfield ist zu verkaufen, wobei bemerkt wirb daß der Betrag mit 5% verzinslich stehen bleiben kann. Näheres _____________Seltersweg Vit. C- Nr. 10. Rohe HafEee’s von 90 H bis JL 1.60 per Pfd-, Stets frisch gebrannten Kaffee von 1.20 bis JL 2 per Pfd., Raffinade in Broden, Würfeln und aemahlen, la. Crystallzucker, empfiehlt (5327 I€. Göbel. Neue Baue. Ausgestreckte Maschinen - Treib - Riemen aus bestem Kernleder, Schöpfbecher (Elevator) für Mühlen, Naturgare MH- u. Mnderiemen. Preislisten stehen gerne zu Diensten, s Louis Wittich II. enzel s Garten (Saalbau). Grosses Abschieds - Concer t vor Abmarsch in die Manöver Donnerstag den 21. August, ausgeführt von der ganzen Kapelle des 2. Großh. Heff. Inf.- Regiments Rr. 116, unter Leitung des Kapellmeisters Herrn C. Krausse. Wir bri Uingcnseucke Mtihundnt Zltz vinllisstrWO -tundkn um W bis aus Wei geschriebene ! gießen, B Wir ednne Anfang 6 Uhr. — Entree MO Pfg. 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ES rnaz d ! *(n khi, daß iMwilien »oit bm «d bie Giiichrdi, Echtzg.i «'“« Mist »o 1“ Ijeilett unb fcmmt iu „(ti| ; «Mt »fr E,dicht, rS? 1 Sttüe hii rV69- 'Fracht ' Am*" 39mai ® J8* l6i‘8m=i Jj*. ■Wb IftlQJ 2 K Mr 'Mti’^ e[of«n :6«b< °"b ftna " bie St, 4554) Meen Nebenhaus, mittleres Familienlogis, bestehend aus 5 Zimmern, allem Zugehör und Gartenantheil, per 1. Octbr. zu vermiethen. Helfrich, vorm. Wagner, _________________Marburgerstraße.______ 4942) Der zweite Stock meines Hauses, 6 Zimmer und allem sonstigen Zubehör zu vermiethen. _______Karl Bergmann, Gartfeld. 4963) Der dritte Stock unseres Hauses ist per 1. Oktober zu vermiethen. ______________ Gebr. Stamm. 5158) Die Mansarde meines Hauses, 4 Zimmer, Küche und Zubehör, pr. 15. Oktober zu vermiethen. Fabrikant Iughardt, Kanzleiberg B. 72. 4668) Wegen Versetzung des Herrn Hofgericktssecretair Scharmann ist der obere Stock meines Hauses, bestehend aus 5 Zimmern, Küche mit Wasserleitung rc., pr. 1. 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