166. Zweites Blatt. Sonntag den 20. Juli 1879. Kichener Wyeiger AM-e- ü«L AmtsM fir ka Kreis Gießen. «edaettonSbrrreau r Gxpedittonsbureau r Schulfiraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des MorrtagS. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit BringerlohiL Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. BggggggggBBBBBB 1 . J.Ji Amtlicher Hheil. Bekaiinkmachung. Betreffend: Die Prüfung der Bewerber um Berechtigung zum einjährig freiwilligen Militärdienst im Herbst 1879. Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen sich der im Herbst lfd. Jahres stattffndenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufaefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bei Meldung des Ausschlusies von dieser Prüfung spätestens bis zum !♦ August 1879 bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission einzureichen. Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Speciellen das Folgende bemerkt: t. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großher- zogthum Hessen seinen dauernden Aufenthaltsort hat. 2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen. 3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird. 4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: a) Geburts-Zeugniß; b) Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit und Fähigkeit den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen; c) ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei-Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist; d) einen selbstgeschriebenen Lebenslauf. Zu pos. b. wird noch besonders darauf hingewiesen, daß in dem Einwilligungs-Attest die Erklärung des Vaters oder Vormundes, in der Lage zu sein, den Freiwilligen während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen darf und daß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß. 5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (Französisch, Englisch, Lateinisch oder Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will. 6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugniß beizulegen. Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anl. 2 zur Ersatz-Ord. — I. Theil der Wehr-Ord. vom 28. September 1875 — Reg.-Bl. Nr. 55 von 1875) Aufschluß. Bezüglich des Prüfungs-Termins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt weitere Bekanntmachung. Eine specielle Ladung erfolgt nicht. Darmstadt, den 7. Juli 1879. Großherzogliche Prüfungs - Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: S p a m e r. I-lilisch Wochenübersicht. Unser Kaiser hat die Kur in Ems, die ihm vortrefflich bekommen ist, beendigt und sich am 14. d. von dort auf einige Tage zum Besuch der Kaiserin nach Coblenz und von da nach der Insel Mainau begeben. Die Retchstagsjession, eine der längsten und mühevollsten aller bisherigen, ist am 12. d. zu Ende gegangen. Nachdem die vertrauliche Verständigung zwischen den Führern der die Mehrheit des Reichstages bildenden Parteien m bckannter Weise vor sich gegangen, konnte die definitive Entscheidung über die wirthschaftlichen Vorlagen in den letzten Tagen rasch erfolgen. Zuerst am 8. d. die Annahme des Tabakssteuergesetzes in zweiter Lesung nach den Beschlüssen der Commission, welchen die Regierung unter Verzicht auf Nach- und Licenzsteuer entgegenkam. Derselbe Tag brachte schon die vorläufige Einführung der beschlossenen Etngangszölle auf Tabak und Tabaksfabrikate. Bet der zweiten Lesung des Zolltarifgesetzes wurde der sog. Kampfzoll-Paragraph 5, nachdem sich die Regierung mit einem Kampfzoll von nur 50 pCt. einverstanden erklärt, in der CommisstonSfaffung angenommen; § 6, der von den Transttlägern für Holz und Getreide handelt, nach dem Vermttte- lungsantrag Varnbüler, wonach dieselben nicht obligatorisch, sondern nur sacul- tattv sein sollen. Am 9. d. begannen darauf die Verhandlungen über den wichtigsten Paragraphen, welcher die Garantiefrage betrifft, § 7. Fürst Bismarck gab dabet in einer leidenschaftlichen Auseinandersetzung über sein Verhältniß zur national-liberalen Partei den Mitgliedern desselben Schuld, daß sie ihn im Stich gelassen; Wtndthorst durfte sich als „Freund in der Noth" aussptelen, und so fiel die Entscheidung zu Gunsten des ominösen Paragraphen mit 211 gegen 122 Stimmen. Großes Aufsehen erregte es, daß auch die Minister Friedenthal und Falk, nachdem ersterer bestimmt erklärt, daß der Antrag Franckenstein keinen Einfluß auf sein und seines Freundes Entlassungsgesuch gehabt, für § 7 stimmten. Der folgende Tag stellte die Wirkungen der klertkal-conservattven Freundschaft in ein unerwartetes, aber eben deshalb um so charakteristischeres Licht, Indem die neue Mehrheit die Regierungsvorlage über den Bauplatz für das Retchstagsgebäude ablehnte und statt derselben den Antrag Reichensperger, welcher den sog. kleinen Königsplatz zu diesem Platz empfahl, genehmigte. Die dritte Lesung des Zolltarifs brachte weiter den zwischen den Eisen- industriellen und Agrariern abgeschlossenen Compromiß an den Tag, indem die Erhöhung der Eisenzölle auf den Antrag Stumm's nach dessen ausdrücklicher er Hheit. Erklärung, er und seine Freunde würden nur im Fall der Annahme seines Antrages für eine Erhöhung der Kornzölle stimmen, unter Zustimmung der Regierung mit 178 gegen 160, die Verdoppelung des Roggenzolls nach dem Antrag Mirbach (1 Mk. pro 100 Kg.), unter Bemerkung des Regierungsvertreters, daß er nicht widerspreche, mit 186 gegen 160 Stimmen genehmigt wurde. Am letzten Tage folgte endlich dir Schlußabstimmung über das ganze Zolltarifgesetz mit dem Resultat, daß nicht weniger als 217 Stimmen für und nur 117 Stimmen gegen dasselbe abgegeben wurden. Versöhnlich klang wenigstens nach a(T dem Streit und Zank das Schlußwort, welches der Reichskanzler nach Verlesung der den Reichstag schließenden kaiserlichen Ordre an die Versammlung richtete, indem er an den Dank für deren lange, mühevolle Arbeit die Hoffnung knüpfte, daß die Meinungsverschiedenheiten, welche dabei aufgetreten seien, keine dauernden sein, sondern daß die Aibeiten, welche in Zukunft bevorstänben, Alle vereint finden möchten, in gemeinsamem Sinne an die Arbeit zu gehen. Einen wohlthuenden Eindruck machte es auch, daß der Reichstags-Präsident v. Seydewttz, nachdem er selbst Anerkennung für seine kurze Thätigkeit gefunden, das Haus aufforderte, dem Mann, welcher vor ihm die Mühe und Arbeit der Session getragen, Dank abzustalten. Die nächste Folge der Entscheidung über die wirthschaftlichen Fragen zeigte sich in der freilich längst vorhergesehenen Spaltung der national- liberalen Partei. Nachdem der Abg. v. Treitschke schon am 11. d. seinen Austritt erklärt hatte, traten nach der Schlußabstimmung auch fast alle anderen Mitglieder, sofern sie für das Tarifgesetz mit dem Antrag Franckenstein gestimmt, im Ganzen 17, darunter die Abgg. Bähr, Völk und Wehren- psennig, aus. Am Tage nach dem Reichstagsschluß vertagte sich der Bundesrath, nicht ohne daß dessen Vorsitzender, Staatsmintster Hofmann, ein Gesetz, bett, die Ausdehnung des Reichsbudgets auf 2 Jahre, an Stelle der bisherigen einjährigen Budgets angekündtgt. Am folgenden Tage veröffentlichte nun auch der Retchsanzeiger die Er- thnlung der nachgesuchten Dienstentlassung an die Minister Falk und Friedenthal, sowie deren Ersetzung durch den bisherigen Oberpräsidenten der Provinz Schlesien, v. Puttkamer, und den Rittergutsbesitzer Dr. Lucius. Während der frühere Minister Hobrecht bei seiner Entlassung nur zmn Wirklichen Geh. Rath mit dem Prädtcat Exceüeuz ernannt worden, wurde de beiden anderen Ministern der Charakter eines Staatsmtnisters belassen. Gleich zeitig wurde der Minister der öffentlichen Arbeiten, Maybach, zum Chef des Reichsamts für die Verwaltung der Reichseilenbahnen und der Präsident des Reichskanzleramts, Hofmann, zum Minister für Handel und Gewerbe ernannt. Schon früher war die Ernennung des Geh. Oberrezierungs-Rathes Starke aus dem Reichskanzleramt zum Unteistaatssecretär im Ministerium des Innern erfolgt. Das Resultat der österreichischen Reichsrathswahlen liegt setzt vor und geht dahin, daß 173 Kandidaten der liberalen, 175 der conservativen und sog. nationalen Fractionen gewählt worden sind, die Liberalen also 50 Stimmen verloren haben. Der conservative Graf Taaffe ist jetzt der Mann der Situation. Italien hat sein neues Ministerium. Cairolt hat daffelbe unter eigener Uebernahme der Präsidentschaft und des Auswärtigen fertig gebracht und mit seinen Collegen schon den Eid geleistet. Der König von Belgien hat die Sanctton des neuen Volksschulgesetzes schon am 1. d. vollzogen. Weß Geistes Kinder die dortigen Ultramontanen sind, ergibt sich aus der Thatsache, daß, als die Unterzeichnung bekannt wurde, ein neuer Drohbrief an die Mauern des Justizpalastes in Brüffel angeschlagen gefunden wurde, welcher kurz und bündig lautete: „Das Schulgesetz ist unterzeichnet. Laßt uns jetzt den König erdolchen im Namen Gottes und des Vaterlandes !" Gleichzeitig erschienen die ultramontanen Blätter mit schwarzem Trauerrande, um zu zeigen, wie tief sie dies „Unglücksgesetz" beklagen. Ihren Widerstand gegen das Gesetz geben natürlich die Führer der Partei auch jetzt noch nicht auf. Die unter dem Einstuß des Klerus stehenden Provinzialräthe stimmen nunmehr gegen alle Vorlagen, in denen es sich um solche Geldbewilligungen für die Volksschule handelt, welche das Gesetz nicht ausdrücklich vorschreibt. In Chislehurst sand am 12. d. das feierliche Leichenbegängniß des Prinzen Louis Napoleon in Gegenwart des Prinzen Jerome Napoleon und seiner beiden Söhne, sowie der gesammten officieüen englischen Welt und unter starker Betheiligung der aus Frankreich berbetgekommenen Bonapartisten statt. Die französische Regierung hatte den Marschällen die Theilnahme ausdrücklich verboten. Am merkwürdigsten war indeß, daß der gegenwärtige Erbe des Kaiserthrones, Prinz Jerome, die Einladung der Kaiserin Eugenie, sie zu besuchen, ablehnte. Frankreichs Deputirtenkammer hat die Ferry'sche Vorlage über den Universttätsunterricht mit dem unveränderten Art. 7, der den Ultramontanen ganz besonders ein Dorn im Auge ist, weil er sich wesentlich gegen die Jesuiten richtet, mit großer Majorität (362 gegen 159 Stimmen) angenommen und dieselbe dann sofort dem Senat zugehen lasten. Leider kann deren Durchdringung durch diese Körperschaft noch keineswegs als gesichert gelten, da die Zahl der Gegner sich bei einer von ihr soeben vorgenommenen Ausschußwahl als überwiegend erwiesen hat. Trotzdem hält man in republikanischen Kreisen nach wie vor an der Hoffnung fest, daß der Senat es nicht wagen werde, durch hartnäckigen Widerstand gegen das Gesetz eine Krisis herbeizuführen. Für die Stimmung in den entscheidenden Kreisen ist es charakteristisch, daß die Deputirtenkammer am 14. d., als am Jahrestag der Bastille, keine Sitzung hielt und die Regierung einen Bischof mitsammt einem General gerichtlich belangt hat, den ersteren, weil er eine Vereinsversammlung gehalten, ohne die gesetzlichen Vorschriften zu erfüllen, den anderen, weil er darin eine Rede vom Stapel gelaffen. Die am 13. d. auf den Longchamps abzehaltene große alljährliche Parade über die Pariser Garnison, die erste unter dem neuen Regime, verlief glänzend und unter Dem Jubel der zahlreich herbeigeströmten Bevölkerung. Bemerkenswerth war, daß Präsident Grevy und noch mehr Gambetta vom Publikum mit Begeisterung empfangen, der päpstliche Nuntius dagegen mit dem Rufe: „Es lebe das Gesetz Ferry ! Es lebe die Republik I" geärgert wurde. Die in London versammelte internationale Telegraphen-Conferenz hat sich im Princtp für Annahme des Worttariss mit einer dem Preise von 5 Worten glcichkommenden Grundtaxe ausgesprochen. Um ihr einen Sporn zu weiteren Fortschritten auf der Bahn der Reformen zu geben, haben die englischen Handelskammern neuestens deut Generalpostmetster eine Vorstellung eingereicht, in welcher sie denselben bitten, auf die Annahme der von Deutschland vorgeschlagenen Einfübrung eines einheitlichen Worttariss hiuzuwirken. Die Hebung des Großen Kurfürsten. Nach den officiösen Berliner Mittheilungen hat die Inangriffnahme der eigentlichen Hebungsarbeiten der bei Flokestone gesunkenen Panzerfregatte Großer Kurfürst noch nicht Statt gefunden. Dieser Angabe gegenüber erhält die „Köln. Ztg." aus Dover eine Zuschrift, in welcher Nachstehendes ausgeführt wird: Die Aufstellung, daß seit dem vergangenen Herbst nichts weiter geborgen worden sei, als drei Anker und eine Acht-Centimetcr-Stahlkanone, ist insofern richtig, als die Lage des Schiffes, kielaufwärts, jeden Versuch, werthlose Gegenstände zur Oberfläche zu bringen, überflüssig erscheinen lassen würde. Zur Beantwortung der Behauptung hinsichtlich der eigentlichen Hebungsarbeiten werden folgende thalsächlichen Mittheilungen dienen. Trotz der seit neun Monaten herrschenden ungünstigen Witterung wurde jede Gelegenheit benutzt, durch die geübtesten englischen und deutschen Taucher über die Lage der Fregatte, über die Bruchstelle im Rumpf des Schiffes und über alle Punkte zur Anheftung von Pontons die ausführlichste und gewissenhafteste Auskunft zu erlangen. Nachdem die Größe und innere Gestaltung der Bruchstelle festgestellt war, wurden verschiedene Modelle zur Schließung derselben angefertigt; erst nachdem es gelungen war, den nach innen lockenförmig fick drehenden Bruchrand genau zu messen, wurde die Anfertigung eines halbzölligen Stahlschildes unternommen. Die Höhe desselben ist 10 Fuß, die Breite 7 Fuß, es ist oval und convex, von Stahlriegeln und Querbalken gestützt, mit einem äußeren Stahlrande umgeben, unter welchem starke Guttapercha-Wasserröhren angebracht sind, welche durch Anpressung des Schildes an die äußere Wandung des Schiffes mit Hülfe kräftiger Stahlschranben die geringste Ocffnung verschließen. Zur Ausführung der äußerst schwierigen Operation der Verschließung der Bruchstelle dient ein eisenbeschlagenes Schwebegerüst, das von den Tauchern an den Schiffskörper befestigt wird. Alle diese Vorbereitungsarbeiten und Apparate sind ziemlich beendet und es handelt sich nur noch um die Gunst der Witterung. Die be- währtesten englischen Ingenieure und Tauchermeister haben die Ausführung der Ardeir übernommen. Der von dem Berichterstatter geschilderte kleine Raddampfer Sherdoco von 118 Tonnen wurde von der englischen Regierung als ein Schiff von 380 Tonnen gebaut und ist mit den stärksten Hebungs-Apparaten versehen. Seine Centrifugalpumpe wirft in der Minute 6000 Gallonen Wasser aus, während die Luftpumpen, von einem neu construirten Dampfkessel gestützt, im Stande sind, den Wassergehalt des Kielraumes der mächtigen Panzerfregatte in einem Tage zu verdrängen und derselben die Fähigkeit zum Selbstschmimmen zu verleihen. Ein neu und für diesen Zweck besonders con- struirter Apparat ist bereit, die Masten und das Takelwerk, welche durch die beim Sinken erfolgte Umdrehung des Schiffes in den Kreideboden des Meeres gedrungen, mit größter Schnelligkeit zu durchschneiten und zu entfernen, so daß beim Steigen des Schiffes keine Hindernisse obwalten können. Außerdem verfügt Herr Leutner nicht über 5, sondern über 200 Pontons von je 10—18 Tonnen Hebekraft' welche, nachdem das Schiff durch die Wirkung der mächtigen Luftpumpen vom Boden gehoben und von Bugsir-Dampfern in eine niedere Wasserschicht geführt worden ist, wesentlich dazu dienen werden, die unter dem Einfluß der andrängenden Fluth vorzunehmende Umwendung des riesigen Schiffes zu unterstützen. Außerdem werden in den Tagen des eigentlichen Hebungswerkes 12 Taucher in verschiedenen, auf das vollständigste ausgerüstete Booten bereit sein, die vielfach verschlungenen Drahtseile, welche mit den gelösten Masten, Raaen und sonstigen Schiffsgegenständen Zusammenhängen, in kürzester Zeit zu lösen. Seit 14 Tagen werden die Fluthen des Canals vom Sturme gepeitscht; sobald die See sich beruhigt hat und die Taucher in die Tiefe steigen können, hofft Herr Leutner zu beweisen, daß er viele Tausende von Pfunden nicht für zwecklose Versuche in die L>ee gesenkt hat. Drei Wochen ruhiger Arbeit werden — so hofft man — genügen, den Kurfürsten in Sicherheit zu bringen, obgleich die Fluth nicht längere Arbeitszeit als 35 Minuten bis V/z Stunde den Tauchern gewährt. Vermischtes. — Minen-Explosion. Am 9. Juli fanoen, wie man dem „B T." mittheilr, auf der großen Rhede von Kronstadt Uebungen im Minenlegen statt, welche von der Panzerfregatte „Admiral Lazareff" aus geleitet wurden. Reben der Fregatte übte eine Rudcr-Barkassi mit 18 Mann Besatzung unter dem Commando des Lieutenants von der Garde-Marine-Equipage Katschaloff. Die Uebung war fast beendet und Die Mannschaft der Barkasse gegen 4 Uhr Nachmittags eben damit beschäftigt, eine mit 60 Pfund Pyroxiltn geladene Mine aus dem Wasser zu Heben, als dieselbe — wodurch ist noch unaufgeklärt — über dem Wasser explodirte. Von der Barkasse ist nur der Kiel und ein Theil des Verdecks übrig. Von der Besatzung wurden 14 Mann aus dem Wasser gezogen. Davon waren 7 schwer verwundet. Einem der Unglücklichen waren beide Beine abgerissen; er starb wahrend der Amputation. 5 Mann sind tobt und konnten bis jetzt nicht aufgefunden werden. Abgerissene Gliedmaßen trieben auf dem Wasser. Der Lieutenant Kotschaloff ist contusionirt und in einem Zustande der Betäubung; seine Uniform war ganz zerfetzt. Auf der Panzerfregatte wurde ein Mann leicht verwundet. Die furchtbare Erschütierung der Explosion war bis Kronstadt und Oranienbaum zu verspüren. — Im englischen Unterhause fand kürzlich eine Inspektion der in dem Heere und auf der Flotte gebräuchlichen Peitschen (cats) statt. Es giebt deren vier Sorten. Die schlimmste ist die „MarinoCat." Sie hat einen 19 Zoll langen Stiel, an welchem ein dicker Strick befestigt ist, der sich auf vier Zoll Entfernung vom Stiele in drei Stricke theilt, von denen jeder wieder in drei Tage! zerfällt, jeder dieser Tage! ist mit neun Knoten versehen, so daß die „Ma- rinc-Cat", wenn gehörig gehandhabt, bei jedem Hiebe 81 Wunden hervorbringen kann. Das Instrument erregte doch einiges Entsetzen unter den Mitgliedern. In der Ausstellung befanden sich außerdem eine „Navy-Cat" und eine verbesserte „Navy-Cat", welche den bekannten Namen der „neunschwänzigen Katze" verständlich machten. Vom Stiele gingen neun kräftige Stricke aus. Sie unterscheiden sich bei den beiden Instrumenten nur durch verschiedene Länge. — Die Erfindung eines neuen Apparates zur Beleuchtung der Höhlen des menschlichen Körpers mit elektrischem L'chte erregt augenblicklich großes Aufsehen in allen ärztlichen Kreisen. Der Erfinder desselben ist ein sächsischer Arzt Dr. Nitze, welcher diesen Apparat in der letzten Sitzung der k. k. Gesellichaft der Aerzte in Wien vorgezeigt und die Anwendung desielben de monstrirt hat. Die Beleuchtung geschieht vermittelst eines Dünnen Platindrahtes, welcher durch Verbindung mit einer elektrischen Batterie weißglühend gemacht wird. Zum Schutze gegen die enorme Hitze, welche von dem weißglühenden Platindrahte ausgeht, ist die Vorrichtung getroffen, daß die Wand der Messingröhre, in welche Der Platindraht cingeschloffen ist, beständig von einem Strome kalten Wassers berieselt wird, wodurch sie eine gleichmäßig niedrige Temperatur behält. In Folge dessen kann der glühende Platindraht ohne Schaden sowohl mit den Fingern angefaßt, als auch in jedes beliebige, zugängliche Organ des Körpers eingeführt werden. Das Licht, welches von dieser Leuchtquelle ausgeht, ist geibröthlich, „daß schönste Alpenglühen", wie ein Beobachter treffenD bemerkt hat. Das Instrument, weiches von seinem Erfinder „Cystoskop" genannt wird, stellt eine lange, dünne, mit einem Schnabel versehene Röhre dar, in welche ein optischer Apparat eingeschoben wird, der wiederum zu diesem besonderen Zwecke in ein möglichst dünnwandiges Röhrchen eingefaßt ist. In der Wand des Schnabels, in welchem sich der weiß- glühende Platindraht befindet, sind mehrere kleine, längliche Oeffnungen ausgeschnitten, durch welche die Strahlen des glühenden Drabtcs austreten können. Diese Oeffnungen sind dann wieder durch Fenster von Kristallglas verschloßen. Ilm verschiedene Felder des zu untersuchenden Gebietes nach einander beleuchten zu können, ist am äußeren Ende des Instrumentes eine besondere Vorrichtung angebracht, durch welche daffelbe um seine Längsaxe gedreht werden kann, ohne daß der elektrische Strom oder der unaufhörliche Wasserzufluß dadurch unterbrochen wird. Dies ist bei dem sehr sinnreich erdachten, immerbin aber etwas komplicirten Apparate ein Vortheil, welcher für die praktische Brauchbarkeit desselben von außerordentlicher Bedeutung ist. — Dr. Nitze hofft sogar, daß es ihm in allernächster Zeit gelingen werde, auch die Magen wand, welche bisher am Lebenden nur indirekt für das Tastgefühl erreichbar war, der Inspektion mittelst seines Apparates zugänglich zu machen. — Die Reparatur von Pappdächern betreffend, nehmen wir hiermit Veranlaffung, auf ein Hülfsmittel aufmerksam zu machen, welches für die Besitzer von Pappdächern von größtem Jntereffe sein dürfte. Die Firma W. Lentz e, Dachpappenfabrik in Einbeck, Provinz Hannover, liefert nämlich zur Reparatur alter schadhafter Pappdächer ein vorzügliches Fabrikat, „Mastic - Dachlack", welches zur wafferdichten Herstellung alter reparaturbedürftiger Pappdächer wie folgt Verwendung findet. Nachdem das zu reparirende Pappdach einer sorgfältigen Revision unterzogen worden und die in der Dachpappe etwa befindlichen Riffe und kleinen Löcher mit Mastic Dackkitt vollständig verschmiert worden sind, wird die ganze Dachfläche mit heißem Mastic - Dachlack vci mittclst einer sogenannten Schrubberbürste überstrichen. Dieser Ucberzug soll so vorzüglich fein, daß in Folge der schieferähnlichen Festigkeit desselben die Dächer nicht allein vollständig wasser- dicht hergestellt werden, sondern auch alte ausgetrocknete Dachpappe wieder biegsam und geschmeidig wird. Wir wollen durch diese kurze Mittheilung hierauf aufmerksam machen und bemerken nur noch, daß auch die in der Fabrik des Herrn W. Lentzc gefertigten Dachpappen nach uns vor liegendem Muster von ausgezeichneter Qualität und auf der diesjährigen Gewerbe-Ausstellung zu Hannover prämiirt worden sind. Sciilflfeberieht. Mitgetheilt von dem Agenten deS Norddeutschen Vlont (5 W. Dietz In Gießen. Southampton, 16. Juli. Der Postdampfer Rhein, Capt. H. C. Franke, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 5. Juli von Newyork abgegangen war, ist gestern 11 Uhr Abends wohlbehalten hier angekommen und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Post und Ladung 12 Uhr Nachts die Reise nach Bremen fortgesetzt. Der Rhein überbringt 201 Passagiere und volle Ladung. Allgemeiner Anzeiger. Segeltuch in jeder Webeart nnd Breite, Drilliche, Rohleiiten, Packleinen, Sackleinen and fertige Säcke in allen QuaUtttee. Wasserdichte Stoffe and Decken für Waggons und Fuhrwerke. Zelte für ManÖVerZWeCke, ete. sowie aMe TorwuDdicn AHürel liefern au billigen Preisen Heinrich Rommel & Co. w (früher Bommel, Nagel * Ce.) 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