Sturm. '$), Carl Str. ««. Mittwoch, den 19. März 1879. Hiekener ÄnMger AMge- nnd Amtsbktt fit den Kreis Gießen. RedaettsnSdurea« t GxpeditisnSbureau r Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. (1645 WR itl. I er», j 1 und T t H4++ Herzai, und lagt :It fltiDtubet, n Lcdein, je schände^, ) sein? trennen streit, ücklicb nennen, in Zeit? »lußtnb,. trii'in Zugend, inn. ’unb an' Neunten w unsre Ng Zurufen- ittwe, i^n, fttx baut, unb Regen schaut. v- . trrblV^ A-litisch Deutschland. Darmstadt, 17. März^ Betreffend: Kirchliche Nachrichten aus dem Jahre 1878 hat das Großh. Oberconsistorturn ein Ausschretben an die evangelischen Pfarrämter des GroßherzogthumS erlasien, das mit Folgendem beginnt : „Indem wir Ihnen dte nachstehenden kirchlichen Mittheilungen aus dem Jahre 1878 zugehen lassen, werfen wir einen kurzen Rückblick auf das Leben unserer evangeltschen Landeskirche in diesem Zeitabschnitt. Mit Dank gegen Gott müssen wir anerkennen, daß im Ganzen bas bezeichnete Jahr eine Zeit kirchlichen Friedens gewesen ist. Im Frieden konnten die kirchlichen Behörden und die Geistlichen ihres Amtes warten, im Frieden die Gemeinden den Segen des Evangeliums und der Heiligeri Sacramcnte erfahren. Es war deshalb auch kein Jahr kirchlichen Rückschritts; vielmehr sind hier und da kirchliche und religiöse Fortschritte zu verzeichne,'. Dte Noth der Zett hat in manchen Herzen wieder eine Erkennlniß vom Werthe des christlichen Glaubens geweckt, welche erstorben schien, und naritentlich die keinem Auge mehr verborgenen sittlichen Schäden unseres Volkes, jene beiden Tage des Mords vor Allem, an denen das geheiligtste Leben im deutschen Reiche, das Leben unseres ehrwürdigen Kaisers, so schwer gefährdet wurde, haben auch in unserer Kirche viele Seelen erschreckt und sie wieder an das Eine gemahnt, das noth thut; und das ernste und fromme kaiserliche Wort, in verschiedener Art an verschiedene Stände gesprochen: Sorget dafür, daß dem Volke nicht die Religion abhanden komme, — hat eine gute Stätte in vielen Herzen gefunden und trägt gewiß seine guten Früchte. — An der schweren Heimsuchung aber, von der am Ende des Jahres 1878 unser hessisches Fürstenhaus getroffen worden ist, konnte das Volk erkennen: „Alles Fleisch tst wie Gras und alle Herrlichkeit der Menschen wie deö Grases Blume", und erfahren, daß nur eine Macht in Noth und Tod aufrecht erhält, ciejentge. durch welche unsere fürstliche Familie ausrecht erhalten worden ist: treuer Glaube und unerschütterliches Gottvertrauen. So hätten wir denn Ursache mit größerer Zuversicht aus Befferung der religiösen und kirchlichen Verhältniffe der Zukunft entgegen zu gehen, wenn nicht so manche traurige Zustände im Volksleben vorhanden wären, welche diese Hoffnung wieder nteterbeugten. Wir weisen nur auf , einen Punkt hin, aus dem eine Quelle großer Besorgmß für Alle entspringt, welche auf die tieferen Ursachen kirchlichen und staatlichen Verfalls oder Auf- peigens zu blicken gewöhnt sind. Es ist dies die Erziehung der Jugend, des Heranwachsenden Geschlechts. In unzähligen deutschen evangelischen Familien tst die alte, Jahrhunderte lang bewährte, sich an Religion und Kirche anschließende, zur festen Sitte gewordene Erziehungsweise von Grund aus zerstört. An die Stelle ernster Zucht ist vielfach falsche Humanität, an die der nothwendigen Milde gegen die Jugend sehr oft sträfliche Schwäche getreten; die Strömungen des Materialismus, der Erwerb- und Genußsuchr haben auf dem Gebiete der Erziehung wahrhaft verheerend gewirkt, und die Verwechselung des Lehrens und Lernens mit wirklichem Bilden hat eine Oberflächlichkeit in der Anschauung über die rechten Ziele der Jugenderziehung in wetten Kreisen hervorgerusen, durch welche bessere Erkenntmß und segensreicheres erziehliches Wirken außerordentlich gehemmt wird. Und wie soll sich die religiöse und kirchliche, die staatliche und materielle Zukunft unseres Volkes gestalten, wenn in der Gegenwart die rechten Wege zur Heranbildung des jungen Geschlechts, welche nur die Wege der Gotteserkenntniß und Gottesfurcht sind, fort und fort verfehlt werden? Die evangelische Kirche hat es von jeher als eine ihrer Hauptaufgaben er^Pet, sich der Jugend in Haus und Schule anzunehmen, um sie zum Herrn zu führen. Sie kann sich der Lösung dieser großen Ausgabe nimmermehr entschlagen, n enn sie nicht ihrem göttlichen Berus untreu werden will. Darum ergeht an die Diener der Kirche, der Geistlichen, namentlich in unserer Zeit der Ruf: Helfet, daß die Kinder, zu Dem geleitet werden, der gesagt hat: „Laffet die Kindlein zu mir kommen" und lehret sie erziehen „in der Zucht und Vermahnung zum Herrn." — Dte großen, oft unüberwindlich erscheinenden Schwierigkeiten, welche sich heutzutage von den verschiedensten Lebensgebteten aus dem Geistlichen bei dieser Pflichtgemäßen Arbeit entgegenstellen, sind uns wohlbekannt, aber erlassen kann sie nicht werden; und je schwerer die Arbeit ist, d.sto mehr Arbettsmuth fordert dte Kirche von ihren Arbeitern. Nur der rechtschaffene und unsträfliche Arbeiter ist seines Lohnes werth. So wollen wir denn nicht nachlassen mit Lehren, Ermahnen unb Warnen, damit die Jugend christlich erzogen werde. Betühren Sie den hochwichtigen Gegenstand öfter in Ihren Predigten, geben Sie in diesen die rechte Anleitung. Ertheilen Sie den Ihnen aufgetragenen Religionsunterricht und vornehmlich Ihre Cm firmantenstunden mit aller Treue und Ausdauer. Besprechen Sie auf seelsorgerischen Wegen mit Elt.rn und Erziehern dte von Gottes Wort vorgezeichneten christlichen Erziehungsmittel und Bildungsztele. Benutzen Sie dte KatechiSmuslehre zu erziehlicher Einwirkung; nehmen Sie sich der Heranwachsenden Jugend an, wo es sein kann in Fortbildungsschulen, Iünglingsveretnen, JugendgotteSdiensten, Leseveretnen und wie immer sich Gelegenheit bietet, den jugendlichen Herzen nahe zu kommen Vorzüglich aber sei eS Ihr unausgesetzte« streben, d'e eigenen Häuser zu Bildungshäusern für's Dich Gottes zu machen und die eigenen Kinder wahrhaft christlich zu erziehen, er PH eit. damit daS eigene Beispiel das Siegel sei für die christliche Lehre, Mahnung und Warnung. Groß sind die Anforderungen, die in unserer Zeit an den Geistlichen ergehen, und manchmal will unter der Größe der Aufgaben der Muth und die Kraft sinken. Aber groß sind auch die Ziele uud stärkend ist die Gewißheit: Gott ist mit seinen Arbeitern, und treue Arbeit tst nicht vergeblich in dem Herrn. Und wenn anscheinend auch keine Frucht von der Aussaat kommt, so muß der christliche Geistliche auch aus Hoffnung säen und in Go tergcbenheit abwarten können, daß es dem Herrn gefällt, seinen Früh- und Spätregen und Sonnenschein zu senden, daß das Samenkorn aufgehe und Frucht bringe. So sei denn der treue Gott auch in diesem Jahre mit Ihrer Arbeit und segne Sie in all' Ihrem Thun!" Es folgen sodann die kirchlichen Nachrichten im Einzelnen. Unter den speciellen Nachrichten aus den einzelnen Großh. Superinten- denturen ist unter Superintendentur Gießen u. Ä. erwähnt: In der Super- intendentur Gießen fanden Dekanatsvisitationen statt: in Lang-Göns (Gießen) und in Schotten und wurden Kirchenvisitationen gehalten: in Mendorf a. d. L., Beuern, Dleichenbach, Bruchenbrücken, Crainfeld, Dorheim mit Schwalheim, Cngelrod, Ermenrod, Ettingshausen mit Hattenrod, Friedberg, Gießen, Gedern, Geis-Nidda, Gettenau, Glauberg, Gioß-Felda mit Windhausen, Hitzkirchen, Kirchberg, Landenhausen, Lang-Göns, Lardenbach, Nieder-Eschbach, Rieder- Gemünden Nieder Rosbach, Nieder-Weisel, Ober-Lais, Ober-Rosbach, Ortenberg, Queckborn, Ranstadt mit Effolderbach, Reichelsheim i. d. W., Rohrbach mit Stockhe m, Ruppertsburg, Schotten mit Rainrod und Rüdingshain, Schwarz, Ulrichstein, Volkartshain, Wallernhausen mit Fauerbach, Wetterfeld. — Gustav- Adolfs-Feste wurden abgehalten: in Grünberg, Heidelbach, Herrnhaag, Hungen, Kirtorf, Lang-Göns, Lauterbach, Nidda, Oher-Rosbach, Rodheim und Rainrod. — Missionsfeste fanden statt: in Glauberg, Holzheim, Lauterbach und Londorf. — Confessionswechsel: Zur evang. Kirche traten Über 2 Katholiken und 2 Baptisten; zu den Alt-Lutheranern 2 Personen. Oesterreich. Wien, 15. März. (Special-Telegramm des „Berl. Tagebl.") Die Lage in Szegedin war bis gestern Abend 10 Uhr wenig verändert. Die Rettungsarbeiten werden fortgesetzt. Die Gefahr ist etwas geringer, weil der Sturm nachgelaffen. Der Bürgermeister von Szegedin äußerte sich gegenüber dem Peflher Hülfscomtt6 resignirt: „Ich danke der Hauptstadt für den guten Willen, allein seinem Szegedin ist nicht zu helfen. Daß das Unglück so groß geworden, daran sind wir theils selbst, theils die Indolenz der Bevölkerung schuld, aber auch der Mangel an Besonnenheit Seitens der Regierungsorgane. Man dachte nur an dte Vertheidigung der Dämme, aber nicht, was zu tbun sei, wenn die Katastrophe hereinbricht; höchstens 100 Kähne waren disponibel, aber kein einziges Floß war vorhanden. Ein Glück war noch der erste blinde Alarm in der Schreckensnacht, der die Bevölkerung wach erhielt, so daß die meister! wenigstens mcht im Schlafe überrascht wurden. Die Zahl der Tobten dürfte Tausende betragen, da Viele, welche nicht von ihrer Habe sich trennen wollten, ertranken." So der Bürgermeister von Szegedin. — In dem benachbarten gleichfalls überschwemmten Orte Doroezma ist d e Aufregung hochgradig. Die arme Bevölkerung droht dte höher gelegenen Häuser der Reichen anzuzünden, denn, wenn dte Habe der Armen vernichtet würde, bann solle auch btejenige ber Reichen, welche den Armen keine Hülfe leisteten, nicht verschont bleiben. Arankreich. Paris, 16. März. Die conservativen Zeitungen veröffentlichen den Protest der Mat-Minister gegen das Brandmarkunqsvotum der Deputtrten- kammer. Dieselben erklären darin, die Kammer habe ihre constttuttonelle Be- fugntß überschritten, sie sei nicht der zuständige Gerichtshof für die abgegebene Entscheidung; mithin sei der betr. Act null und nichtig. Die Kammer habe wohl dte früheren Minister in Anklagestand setzen können, durfte sie aber nicht verurtheilen, ohne sie zuvor zu vernehmen; dte Kammer konnte thnen ihre Freiheit nehmen, hatte aber nicht das Recht, ihre Ehre anzugreifen. Die Protestirenden unterbretten jenes Votum mit Vertrauen dem Urtheilsspruche des nationalen Gewtffens. Nußland. Petersburg, 16. März. Aus einem Telegramm, Loris -Melikoff's von Astrachan vom 15. d. tst ersichtlich, daß auf Grund günstiger Ergebnisse der ärztlichen Besichtigung der Bewohner von Wetlianka dte Absperrung dieses Dorfes auAehoben ist, nachdem zuvor ein Dankgottesdienst abgehalten worden war. Somit bleibt nur Selistrenoje abgesperrt, woselbst die 42tägige Qua- rantänefrtst am 23. März abläust. Türkei. Konstantinopel, 15. März. Die Unterhandlungen über die mit Oesterreich abzuschließenden Conventionen sind unter Theilnahme Khercdin Paschas wieder aufgenowmen, schreiten indeß nur mühsam vorwärts. — Gemäß den den türkischen Grenzcommiffären erteilten Instructionen würde sich die Pforte zur Abtretung der Ebene von Pharsala verstehen, aber den Besitz von Janina und Arta festzuhalten wünschen. Telegraphische Depeschen. Wagner'S telegr. «orrespondenr- Bureau. »erlitt, 17. März. Seine Majestät der Kaiser hatte eine recht gute Nacht; ein Fortschritt in der Besserung der Hüftenanschwellung ist auch heute zu bemerken. Berlin, 17. März. Reichstag. Berathung über die Darlegung der Regierung betreffs Verhängung des sogenannten kleinen Belagerungszustandes über Berlin. Liebknecht greift die ganze Maßregel als unberechtigt an. Das Socialistengesetz fordere für solche Maßnahmen den Nachweis des besonderen Bedürfnisses; solcher könne nicht geführt werden. Die Eoctaldemokratte habe sich dem Soctalistengesetze gefügt, weil die Partei keine Revoluttons-, sondern eine Reformpartei sei; eine geheime strafbare Propaganda könne der Partei nicht vorgeworfen werben. Redner verzichtet im Namen seiner Partei darauf, Anträge zu stellen, und will schließlich sich noch deswegen rechtfertigen, daß er und seine Freunde bei Ausbringung des Lebehochs auf den Kaiser sich nicht von ihren Plätzen erhoben. Präsident v. Forckenbeck unterbricht den Redner, indem er bemerkt, dieses Verhalten der Socialbemokraten verletze daS monarchische Bewußtsein des Reichstags aufs äußerste. (Beifall.) Nach der Unterbrechung durch den Präsidenten fuhr Liebknecht fort: er wolle constatiren, daß keine Beleidigung beabsichtigt sei. „Der Gedanke an Majestätsbeleidigung lag uns absolut fern. Ich würde umgekehrt sagen, wenn in Deutschland die Republik proklamirt wäre, würde ich den Herrn" — hier wird Redner von furchtbarem Lärm und Rufen: Herunter von der Tribüne! unterbrochen und verläßt die Tribüne Minister Graf Eulenburg erklärt: Die gesetzliche Grundlage für das Vorgehen der Regierung gibt das Socialistengesetz, die thatsächliche Grundlage gab die große Gefahr für Berlin alS Herd der socialdemokratischen Agitation, die an vielen Orten zurückgetreten war, an anderen ganz aufgehört hatte. Die ganze Gesetzgebung vom vorigen Herbste sollte abwehrend wirken. Wir konnten nicht warten, bis die Resultate der geheimen Versammlungen, die Re- sulrate der geheimen Agitationen offen hervortraten; wenn wir dieses hätten abwarten wollen, dann hätten wir das Socialistengesetz entbehren können. Wir haben keinen Grund für unser Vorgehen aufgestellt, der nicht auf Thatsachen basirt. Ich erinnere an das Eindringen von Socialdemokraten in Versammlungen, an den Zündstoff, den socialdemokratische Blätter und Flugschriften herbeitrugen und den wir beseitigen mußten. Der Minister verliest Auszüge aus dem mit rothcn Lettern gedruckten Most'schen Blatte „Die Freiheit" und fragt: Stehen diese Ausführungen im Einklang mit der Unterordnung unter das Gesetz? mit dem Friedenswerk einer Reformpartei? Urtheilen Sie selbst! Endlich wird man nicht bestreiten können, daß hier geheime Sammlungen für socialistische Zwecke stattfanoen. Habe ich nöthig, auf die Gefahr der internationalen Wühlereien der Socialisten, auf ihre Congresse, ihre gegenseitigen Unterstützungen hinzuweisen? Will man leugnen, daß die deutsche Socialdemokratie sich solchen Verbindungen hingibt? Dies konnte und mußte die Regierung zum Nachdenken und Handeln bringen. Auch gegen Hasselmann mußte man vorgehen, um seinen agitatorischen Plänen ent- gegenzutreten. Dies sind die thatsächlicken Gründen für unser Vorgehen. Dazu aber kommt die Attentats- und Mord-Epidemie, die Manie, mit Drohbriefen vorzugehen gegen Personen, an deren Leben Jedem Alles liegen muß und zum Glück bei der Mehrzahl der Nationen auch liegt. Die Nachforschungen haben hier doch auf merkwürdige Spuren geführt, auf die Verfertigung von Mordmstrumenten in Berlin wie in Ostpreußen. Vorsichtsmaßregeln mußten getroffen werden für das, was namentlich hier geschützt werden mußte, und was in Berlin zu schützen ist, das brauche ich nicht näher zu sagen, das liegt im Kopfe und Herzen jedes braven Deutschen. (Beifall ) — Die Debatte wird hierauf geschloffen und der Antrag des Präsidenten, der Reichstag möge erklären, daß er von dem Rechenschaftsbericht Kenntntß genommen habe, angenommen. Bezüglich der Petitionen wegen des Belagerungszustandes wird der Commissionsantrag angenommen. — Es folgt nunmehr die Fortsetzung der Etatsberathung bei den Capiteln der Zölle und Verbrauchssteuern. Stumm tritt für Etsenzölle ein und rechtfertigt die Etsenenquete. Commission. Bamberger wendet sich gegen die Ausführungen Slumm's und rügt insbesondere die Geheimhaltung der Verhandlungen und Beschlüffe der Enquete-Commlssion. Reichensperger (Crefeld) spricht gegen die Aufhebung der Mahl- und Schlachtsteuer und für tndtrecte Steuern. Rickert polemisirt gegen Reichensperger. Stumm verlangt größeren Schutz gegen die Leiden der Nheberei. Präsident des Reichskanzleramts, Hofmann, verspricht im Namen der Regierung möglichsten Schutz für die Rhederei. Hierauf wird Titel I genehmigt. — Nächste Sitzung Mittwoch. Dresden, 17. März. Das „Dresd. Journ." bestätigt das Wteder- auftreten der Rinderpest zu Aussig und Peterswalde in Böhmen, also in unmittelbarer Nähe der sächsischen Grenze; die Maßregeln gegen Einschleppung nach Sachsen sind wesentlich verschärft worden. Kairo, 16. März. Das Bankhaus Rothschild hat bis zur vollständigen Aushebung des über die egyptischen Domänen verhängten Sequesters jede weitere Zahlung auf Rechnung der Anleihe abgelehnt. Pera, 17. März. Aus Philippopel wird gemeldet, daß der Finanz- dircctor Schmidt vorgestern in Begleitung des französischen Commiffärs Cou- touly abgereist ist, um den Bezirk Slivno zu inspictren. General Stolipine begab sich vorher nach Slivno, um Unruhen zu verhüten. ' Pesth, 17. März. Die Rettungsmaßregeln werden energisch fortgesetzt. Die Theiß ist um 30 Centimeter gesunken, auch der Wasserstand ihrer Nebenflüsie ist im Sinken begriffen. Die Dämme bei Cwngrad sind herge- ftellt. Die Erhaltung der Dämme bet Szentes ist, wenn 1500 Wann unausgesetzt arbeiten, wahrscheinlich. Wie«, 17. März. Der Kaiser ist gestern Abend 8*/* Uhr mit Gefolge , worunter die Minister Tisza und Wenkheim, nach Szegedtn abzeretst. Nach Szegedtner Berichten der „Neuen Fr. Pr." sind von den 10,000 Baulichkeiten Szegedins bis jetzt 8200, darunter 4800 Wohnhäuser, eingestürzt und, soweit bekannt, 1900 Menschen umgekommen. —- Die „Wiener Abendpost" meldet: Die Kaiserin beschloß in Folge der Szegedincr Katastrophe sofort von Irland zurückzukehren und gedenkt am 26. d. in Wien etnzutreffen. Szegedin, 17. März. Der Kaiser wurde heute Vormittag bei seiner Ankunft von der ganzen zurückgebliebenen Bevölkerung mit Begeisterung empfangen ; derselbe besichtigt zu Schiffe die Ruinen der Stadt. Bisher wurden 23,000 Flüchtlinge befördert. An Lebensmitteln herrscht kein Mangel. Pesth, 17. März. Auf die Ansprache des Bürgermeisters Palfy von Szegedin entgegnete der Kaiser: Der tiefe Schmerz im Herzen leitete mich her, ich wollte mit eigenen Augen sehen, wie es dieser unglücklichen Stadt ergangen. Das Herz schmerzte mir, als ich dieses große Unglück sah. Ich hoffe, daß beffere Zeiten kommen und die Stadt noch aufblühen wird. Man muß nicht allzuttef bekümmert sein, die Hülse wird kommen. Der Kaiser sprach mit vor Rührung bebender Stimme und wandte sich auch ab, um seine Thränen zu verbergen. Der Kaiser erkundigte sich bet dem Bürgermeister, dem Regierungs-Commiffär und anderen Personen nach den Details, durchfuhr auf einem Ponton die Stadt, überall mit Begeisterung empfangen, und reiste Mittag 12 Uhr nach Wien ab. Madrid, 17. März. Ein Rundschreiben des Ministers des Innern schärft den Beamten seines Refforts ein, sich jeden Drucks auf die Wähler zu enthalten und ebenso gegen Jeden einzuschreiten, der einen Druck zu Gunsten ministerieller oder oppositioneller Candidaten ausüben würde; die Regierung wolle die in Freiheit ausgesprochenen Ueberzeugungen des Landes kennen lernen. DaS Schulwesen in Hessen vor dem Nichterstuhl der „Deutschen Reichspost". Die in Frankfurt erscheinende „Deutsche Reichspost" brachte vor einiger Zeit eine Reihe von Aufsätzen, die sich über die hessischen Schulzustände, wie sie seit der Gesetzgebung von 1874 geworden sind, in der abfälligsten Weise auslassen. Diese Artikeln wimmeln von Unrichtigkeiten und Entstellungen, die wir höflicher Weise nur auf eine großartige Unkenntmß jetziger und früherer Verhältnisse zurückführen wollen. Die in Darmstadt erscheinende „Hessische Landeszeitung" versucht nun eine Widerlegung der erhobenen Anklagen und glauben wir im Interesse der guten Sache unseren Lesern diese Widerlegung nicht vorenthaltcn zu sollen. Da wird zunächst gesagt, die hessischen Volksschulen seien im Augenblick schlechter als vor dreißig Jahren. Eine Behauptung von wahrhaft imponirender Keckheit, aber doch durch und durch unwahr. In welchem Falle sind die Garantieen für gute Schulen gegeben? Wir denken, wenn die Lehrerbildung gut ist, wenn jeder Lehrer genau weiß, was er zu thun hat, wenn strenge Aufsicht darüber geführt wird, daß die bestehenden Gesetze und Verordnungen auch wirklich zur Ausführung kommen, wenn gesorgt wird für schöne und gesunde Schulhäuser, wenn die nöthigen Unterrichtsmittel da sind, wenn die materielle Lage der Lehrer derart ist, daß ihnen quälende Nahrungssorgen nicht die Berufsfreudigkeit kümmern und rauben. In all diesen Dingen sind nun seit dreißig Jahren und namentlich seit die gegenwärtige Schulbehörde die Geschäfte führt, so gewaltige Fortschritte gemacht worden, daß eine Vergleichung zwischen sonst und jetzt fast unmöglich wird. Man frage doch die alten Lehrer, die die früheren Zustände kannten und alle Wandlungen zum Besseren an sich selbst erlebt haben! Und trotz alledem und alledem sollen die Schulen schlechter geworden sein? Die heutigen Lehrer, die eine dreijährige Seminarschulung durchgemacht haben, deren materielle und sociale Lage eine auskömmliche und würdige geworden ist, die sollen weniger leisten als ihre Vorgänger zu einer Zeit, da die jammervolle, kärgliche Besoldung den armen Schulmeister zu einer stehenden komischen Figur des Volkswitzes gemacht hatte und da man die kaum erloschene Institution des Wandeltisches noch in frischer Erinnerung trug? Das glaube, wer Lust hat. Bei der ganzen nörgelnden Rederei übersieht der Herr Artikelschreiber übrigens vollständig, daß er den von ihm mehrfach gepriesenen Männern des alten Regimes einen recht schlechten Dienst erweist. Unmittelbar vor dem Erlaß des neuen Schuld gesetzes, also vor 1874, sollen die Schulzustände nämlich so überaus schlechte gewesen sein, daß Leute aller Richtungen und Parteien eine Aenderung aus das Sehnlichste herbeigewünscht hätten; „fange man nur einmal an mit Reformen", habe man damals allgemein gesagt; „es ist die höchste Zeit, es kann ja auf keinen Fall schlechter werden." Wer hat d.nn nun, wenn das wahr ist, die vor dreißig Jahren verhältnißmäßig guten Schulen so schlecht gemacht, daß alle Welt ohne Rücksicht auf Parteistellung eine Aenderung um jeden Preis wünschte? Die neue Regierung doch nicht. Und die neue Negierung soll dann nach vierjähriger angestrengter Reformthätiakeit (das Gesetz ist erst seit 1875 in Kraft, nicht, wie die Reichspost meint, seit 6 Jahren) das Kunststück fertig gebracht haben, die Schulen noch schlechter gemacht zu haben, als sie schon waren? Die Reichsposl muß wahrhaftig ein unbegrenztes Zutrauen zu der Glaubensfähigkeit oder der Gedankenlosigkeit ihres Leserkreises haben, wenn sie es wagen darf, ihm solche Dinge ernsthaft vorzureden. Der Herr Artikelschreiber hat sich bemüht, seine kecke Behauptung von der Schlechtigkeit der heutigen Schulen auch einigermaßen zu begründen. Er sagt, die Volksschule sei überladen mit Lernstoff; dadurch trete eine Zersplitterung ein, die es in keinem Fach zu einer rechten Leistung kommen lasse. Die Begründung dieses Vorwurfes geschieht in wenig loyaler Weise. So wird gesagt, die heutige hessische Volksschule lehre Botanik und Physik. Das ist unwahr. Botanik und Physik verlangen einen wissenschaftlichen Unterricht, der auf den Gymnasien und Realschulen ertheilt wird, aber nicht in der Volksschule. Warum wählt der Herr Gegner überhaupt diese hochklingenden Fremdwörter? Auf die Art weiß ja der gemeine Mann gar nicht, was eigentlich gemeint ist. Die Worte Botanik und Physik kommen im ganzen Schulgesetz und in sämmt- lichen Ausführungsverordnungen auch nicht ein einziges Mal vor. Da ist bescheidener Weise die Rede von Naturbeschreibung und Naturlehre; und damit soll angedeutet werden, daß sich die betreffenden Belehrungen in den allerelcmentarsten Grenzen zu halten haben. Wie sieht es nun mit dem Vorwurf der Zersplitterung aus? Das Schuledict von 1832 schreibt in § 24 vor: „Die Lehrgegenständc der Volksschule sind entweder unbedingt oder be- „dingt nothwendige. Jene, die auf keiner Schule mangeln dürfen, sind, „neben der Ausbildung der geistigen und körperlichen Kräfte überhaupt, „Reliaionslehre, biblische Geschichte, Sittenlehre, richtiges Lesen, Rechte und „Schönschreiben, Rechnen, Unterricht in der Muttersprache und im Gesänge." „Bedingt nothwcndig sind: Erdbeschreibung, vaterländische Geschichte, „Musik, Landwirthschaftslehre, Anfangsgründe der Naturlehre, der Natur- „geschichte und der Formenlehre." Der Artikel 12 des Schulgesetzes von 1874 sagt: „Gegenstände des Unterrichts in der Volksschule sind: Religion, Lesen „und Schreiben, deutsche Sprache Rechnen, Formenlehre, Geschichte, Erd- „künde, Naturkunde, Gesang, Zeichnen, sowie, wo cs die Verhältnisse irgend „gestatten,---Turnen und für Mädchen Unterricht in weiblichen Hand- 2 0 p— £ e Gießen, 1h. März. Tagesordnung für die Stadtverordneten - Sitzung ao» Donnerstag den 20. März 1879, Nachmittags 4 Uhrr 1. Innere Ausstattung des neuen Schulhauses für die höhere Mädchenschule. 2. Abschluß der Zugänge zu dem Stadtbach. 3. Die Erweiterung deS Friedhofs betreffend. 4. Das Tonnensystem betreffend. 5 Die Straßenunterhaltungs-Arbeiten pro 1878 betreffend. 6. Gesuch des Restaurateurs Balthaser Lenz um Bauerlaubniß. 7. Desgleichen des I. P. Sann. 8. Gesuch des Steinkohlenhändlers Johannes Fischer um Erlaubniß zur Anlegung einer Einfriedigung. 9. Anlagen auf der Schoor zwischen Neustadt und Wallthor. 10. Den Neubau dcs Universitätsgebäudes betreffend 11. Kostendecreturen. 12. Gesuch dcs Ferdinand Kreiling um vrlaubniß zum Fahren durch den Oswald'schcn Garten. Gießen, 18. März. Die Sterblichkeitsverhältniffe der Stadt Gießen im Jahre 1878 erwiesen sich, wie aus den „Mittheilungen Großh. Centralstelle für die Landesstatistik" hervor- geht, nicht so günstig wie im Vorjahre; gleichwohl aber zählt Gießen zu denjenigen größeren Gemeinden unseres Landes, die im Jahr 1878 eine relativ geringe Sterblichkeit hatten. Die Zahl der Todesfälle betrug in letzterem Jahr 378, im Jahr 1877 dagegen 332, was einer I Sterblichkeit von 25.2 bezw. 22.7 auf 1000 Einwohner entspricht. Unter der Gcsammtzahl I der Todesfälle befanden sich 94 Kinder im 1. Lebensjahr, 71 ältere Kinoer und 213 Erwachsene, j Die Todesursachen in beiden Jahren zeigen keine erheblichen Differenzen und bieten bemerkens- werthe Erscheinungen nicht dar. In 1878 verstürben an Infektionskrankheiten 46 Personen und zwar an Croup und Diphtheritis 16, an Keuchhusten 9, an Masern 7, an Rose und Unterleibstyphus je 3, an Ruhr und Kindbettfieber je 2, an Scharlach 1 und an anderen Krankheiten dieser Art 3 Personen. Sonstige vorherrschende Krankheiten hatten in 149 Fällen den Tod zur Folge. Auf Lungenschwindsucht kommen hiervon 72, auf akute entzündliche Krankheiten der Athmungsorgane 45, auf Darmkatarrh und Brechdurchfall 16, auf Apoplexie (Schlagfluß) 14 und auf akuten Gelenkrheumatismus 2 Fälle. An anderen bekannten Krank- * heften verstärken 166, durch Selbstmord 7, durch Unglücksfall 4 und durch Körperverletzung I 1 Personen Unbekannt blieb die Todesursache in 5 Fällen. I — Mr verfehlen nicht unsere Leser nochmals auf die morgen Abend in Wenzel's Saalbau aufzuführende komische Oper „König Wullrisching" aufmerksam zu machen. 1 Bezweckt ja doch der „Sängerkranz" durch diese Aufführung nur arme bedürftige Familien 1 sowie eine wohlthätige Stiftung zu unterstützen — Zwei liederliche Frauenspersonen wurden gestern verhaftet; bie eine wegen Ausschwindelns von Maaren in einem Laden auf dem Neuenweg und bie andere wegen zwecklosen * Umhertreibens und Unterschlagung. — Selbst die Polizei wird von den Anfechtungen der Handwerksburschen nicht verschont. Kommt da gestern ein armer Reisender und bittet auf der Polizeiwache um eine kleine , Unterstützung. Als er aber verschiedene Schutzmänner in Uniform erblickte, waxtete er gar nicht < das Geschenk ab, sondern drückte sich ganz sachte von binnen. Hießen, M) Al <**! r.gÄ, Mmat P-ar F UO. 70 3 per Pst-' 50-56 E Frankfu yit. 3 X ; do. I (Berliner. effecti» je nach Qualität v 17—18.50, . JL U-l6, Lir Weizenkleie, grobe «erstehen stch lan1 w im Mainsta Donners Freitag der jedesmal von Men im hiesige! Vorderste Schul stehende Holzsoi steigert werden, I. Donnerst 136 Kummet ii ii 2 14 16 2 103 2953 IWO 2750 56 2 ... Iei lagt die Aus > ;>»b 1" ; >ba h-ri-U $ 1 StÜ g. auf t Freitag d "»den auf® früher Bi Schi 8» K« 1735) @r°66- i 41 „ II fireitaf 29 Eichenstäm Duchm. un mit 11,78 1 BuchechM 167 NadeWmn! Duchrn.u,i - mit 50 U Eichechng 174 NM Ämter, 586 Manfiti Die ZusiM au der Chausje Mainzlar,, Großh. Md°ettn-SiM- Aarchenschulr- ab: RelKW irt, -'ierdälmisse M in w^dlichen H'ü iHortj, folflO___* Ifcbrciber übrigens 1:5 a^n Regimes, des neuen Schul: >5 schlechte gewesen m das Sehnlichste habe man damals schlechter werben/ 'almißmäßig guten Paneistellung eine icht. Und die neue tat (bas Gesetz iß 'en) das Kunststüll ab.m, als sie schon 1 zu her Glaubens^ sie es wagen barf, bauptung von der ■ tben. Er sagt, die । irrerung ein, die csj inbung dieses Kor- i lige hessische Kolks-1 d Pyysik verlangen Realschulen ertheilr ner überhaupt diese ' jßann gar nicht, ie§ unb in i'ämmb Da ist Weidener it soll angebeuiei avftcn GreuM zu iß unb:W ober nyU bmsen, M 1 fräste udechWl, 5 vfl'en, Recht- W it und im (5iW ländische @*W nrlehre, der W; öor. einiget ' Wfie uT !,uäIaf|tn V? ■a-Sj ÄJ^ta j ^Keckheit, aber I L,««'Schul« R K mm w-li I SW wird I „ wenn j N! fUrt, A I ich! Liß Suflanbt tannten il M aHebtmmj !• bit ein, i '°°°l-La,e e« ' Jä Urt Sorjänja I »Utnetfter ju et' ' «an die kaum en ug? Das glaube abni wtüor- >- » j3e?ß fltlatnni*P- i'"T ßrrvachs^' co,^'8ei ft* * i »ölet ,i„ V,6