Anzeige - md Amtsblatt sm den Kreis Gießen. } wt'.8 »«• Mit -Usn-HE w M-Eg.. Aoti tisch er Thei t. Aeulschland. Berlin, 15. Decbr. Die „Nordd. Allg. Ztg." weist auf die Erfolge hin, welche der Kohlen-Ausnahmetartf von der oberschlesischen Eisenbahn nach der Ostbahn und darüber hinaus erzielt, insbesondere auf die Steigerung des Kohlenverkehrs in Ost- und Westpreußcn und den Preisrückgang der englischen Kohle. Die Provtnzialbehörden und die Mehrzahl der kaufmännischen Cor- porationen Ost- und Wefipreußens, sowie die Vorsteher-Aemter der Kaufmannschaft von Danzig, Königsberg und Memel seien für die Verlängerung des Tariffs eingetreten. Dieser Wunsch sei jetzt um so berechtigter, als dadurch zugleich einem großen Theile der bedrängten oberschlesischen Bevölkerung Ge- legenheit zu Arbeit und Verdienst gegeben werde. Die in Folge der Tartf- maßregel für den Handel der preußischen Seeplätze durch Herabdrückung oder Steigerung der Schiffsfrachten befürchteten Nachthetle seien nicht etngetreten. Aus Oberschlefien. Zum Nothstand wird der „Schl. Ztg." aus dem Kreise Lubbtnitz u. A. geschrieben: Sehr viele Uebelstände, sehr viel Noth könnten hier beseitigt werden, wenn die Großgrundbesitzer sich selbst mehr um ihre Besitzungen kümmerten. Viele Güter sind den größten Thetl des Jahres der Verwaltung der Beamten anverlraut, der Herr läßt sich nur zur Jagdzeit sehen. Daß die Verwaltungsbeamten mehr darauf angewiesen sind, nach oben zu sehen und für einen möglichst hohen Ertrag der Güter zu sorgen, ist selbstredend und wird Niemand übel auslegen oder anders erwarten; der Besitzer selbst aber, wenn er das Elend auf den Gütern so kennen lernte, wie ich es gesehen habe, würde — davon bin ich überzeugt — Vieles thun, diesem Elend abzuhelfer. Wenn aber irgend einmal Klagen zu den Ohren der Besitzer kommen, hält man die Schilderungen für übertrieben; das sind sie nicht. Die Bevölkerung hat sich hier an die schlechteste Lebensweise, an das Kämpfen mit Noth und Entbehrung gewöhnt, und wenn hier ein Beamter sagt: es steht schlecht bei uns, dann kann man getrost annehmen, daß der Hunger vor der Thüre steht, Telegraphische Depeschen. Waguer's telegr. Correspondenz • Bureau. Stuttgart, 16. Decbr. Ein Telegramm des Bergwerks-Dtrectors Bilfinger in Wrlhelwsglück bezeichnet als wahrscheinliche Ursache der Explosion das verbotswidrige Mitbrtngen von Sprengmaterial und die Aufbewahrung reffelben in der Nähe des Ofens oder unvorsichtige Annäherung der Spreng- rnaffe an's Licht. Straßburg, 16.. Decbr. Der Lardesausschuß wurde um 3 Uhr im Rathhaus-Saale von dem Statthalter, Feldmarschall v. Manteuffel, mit folgender Rede eröffnet: Aus Allerhöchsten Befehl Sr. Maj. des Kaisers begrüße ich den Lar-desausschuß von Elsaß-Lothringen, der mit erweirerten Be- fugntffen betraut heute zum ersten Male zusammentritt. Außer dem Landes- Haushalts-Etat werden Ihnen, geehrte Herren, verschiedene Gesetzentwürfe zu- gehen, welche theils für die Durchführung der Justizorganisation erforderlich, iheils bestimmt sind, die materiellen Jntereflen des Landes zu fördern. Die patriotische Haltung, welche der Landesausschuß in früheren Sessionen bewährt hat, gibt die Bürgschaft für die pflichttreueste Prüfung der Vorlagen. Die weiteren geschäftlichen Mittheilungen werden Sie, geehrte Herren, von dem kaiserl. Staatssecretär des Ministeriums erhalten, der auch die Eidesleistung derjenigen Mitglieder entgegen nehmen wird, welche noch nicht vereidigt sind. Möge Gottes Segen auf Ihren Berathungen ruhen. Im Namen Sr. Maj. des Kaisers erkläre ich dle Session des Landesausschuffes für eröffnet. — Hierauf folgte die Vereidigung der anwesenden neuen Mitglieder des Laudes- ausschuffes. Der (gib lautet: Ich schwöre Gehorsam der Verfaffung und Treue dem Kaiser. Nach Constituirung der Versammlung wurde Jean Schlumberger mit 37 Stimmen zum Präsidenten gewählt. — Der Statthalter trug die große Generals Uniform. Dem Acte wohnten bet: der Minister Herzog, die Unterstaatssecretäre, Oberst v. Strantz, Mtnistertalrath Jordan und Assessor Graf Bismarck. Von 56 Mitgliedern des Landesausschuffes waren 53 anwesend. London, 16. Decbr. Die Journale sehen die Lage in Afghanistan als eine kritische an, glauben indeffen, daß bislang kein Grund zu ernsten Be- sorgniffen vorhanden s--i. Berlin, 16. Debr. Abgeordnetenhaus. Fortsetzung der zweiten Berathung des Feld- und Forstpolizei-Gesetzes. Vor Eintritt in die Generaldiscussion, bei $ 1, wird ein Antrag von Schorlemer-Alst angekündigt, dahingehend, den Entwurf an die Commission zurückzuverweisen behufs Prüfung der weiter eingehenden Anträge sowie der Frage der provinziellen Regelung dieser Materie. Abg. v. Ludwig erklärt, seinen Antrag zu Gunsten des Antrags Schorlemer zurückzuziehen. Meyer (Arnswalhe) befürwortet den Entwurf, erklärt sich jedoch schließlich für den Antrag Schorlemer. Seelig erklärt sich gegen Die Vorlage, Prinz Reuß dafür. Letzterer äußert aber gleichfalls schwere Bedenken. Hänel befürwortet seinen auf provinzielle Regelung gerichteten Antrag. Knebel spricht gegen den Entwurf, ebenso Meyer (Breslau), v. Eynern, Grimm und Miquel. Minister Lucius bedauert, daß die neu hervorgetretenen Gesichts- ounkte nicht schon bei der ersten Lesung ausgestellt worden seien und einen Anhalt für die Commission gegeben hätten. Die Negierung verfolge keinen anderen Zweck als das HauS: Schutz für die Waldeigcnthümer einerseits und Vermindenmg von Härten andererseits. Die Regierungsvorlage habe auch Härten möglichst vermieden. Die Polemik habe sich gegen die Commissionsvorlage gerichtet. Die Existenz harter Bestimmungen dürfe nicht unbedingt zu deren Handhabung führen. Zu dem Gedanken einer provinziellen Regelung könne die Regierung heute eine definitive Stellung nicht nehmen. Eher empfehle sich wohl die generelle Regelung und nur für einzelne Punkte die provinzielle. In der Abstimmung wird der Gesetzentwurf nach dem Anträge Schorlemer's an die Commission zurückverwiesen. — Nächste Sitzung morgen. Tagesordnung: Bericht der Unterrichts-Commission über die Elbinger Petition. Breslau, 16. Decbr. Heute Nacht entgleiste auf der rechten Oderufer-Bahn zwischen Zembowitz und Sausenberg ein gemischter Zug in Folge eines Radreifbruches. Der Locomottvführer und der Hetzer find tobt, brei Beamte verletzt, die Locomotive und 8 Wagen stark beschädigt. Das Geleise ist gesperrt. Frankfurt a. M., 16. Decbr. In der Stadtverorbneten-Versamm- lung wurde heute Abind nochmals eine Präsentationswahl zur Oberbürgermeister-Stelle vorgenommen, weil die vorige auf Protest des Stadtraths Hollhof vom Ministerium für ungültig erklärt worden war. Von 50 Mitgliedern waren 46 anwesend. 42 Stimmen fielen auf Oberbürgermeister Miquel in erster Linie, vier weiße Zette! wurden abgegeben. Die Herren Dr. Hamburger und Dr. Hummser erhielten je 46 Stimmen. Wien, 16. Decbr. Es bestätigt fich, daß der von Rußland beantragte gemeinsame Schritt der Mächte bei der Pforte in der Angelegenheit der Uebergabe von Gussinje an Montenegro Seitens des österreichischen Eabt- nets cbgelehnt wurde. Lokales. Gießen, 9. December. In der gestrigen Sitzung des Provinzial-Ausschusses der Provinz Oberhessen kam der Recurs des Kreisamtes Alsfeld gegen eine Entscheidung des Kreisausschusses des Kreises Alsfeld, durch welch' letztere ein auf die Niederlegung des Nathhauses zu Alsfeld gerichteter Beschluß des Gemeinderathes daselbst die Genehmigung erhielt, zur Verhandlung. Der genannte Gemeinderathsbeschluß hatte nach feinem B'ucmmiverden bereits vielfach Sensation erregt, und war es namentlich auch die „Darmstädter Zeitung" (siehe 1878 Nr. 342, erstes Blatt), welche der Hoffnung Raum gab, daß dieses künstlerisch und kunstgeschichtlich höchst interessante Bauwerk des spätesten gotbischen Stiles, eines der letzteren der noch erhaltenen derartigen Bauten in unserem Lande, zugleich ein architektonischer Schmuck der Stadt, der Nachwelt als altes Monument der Vergangenheit erhalten bleiben möge. Der Vorsitzende, Groß. Provinzialdirector Herr Dr- Boekmann, referirte zunächst den Sachverhalt, indem er auch die wichtigsten Actenstücke vorlesen ließ. Es ging daraus hervor, daß in den Jahren 1863 bis 1877 nur die geringe Summe von 1476 X 82 auf die Unterhaltung des Rathhauscs verwendet worden ist. Nach einem von dem Stadtbauaufseher aufgestellten Voranschläge sollte die Wiederherstellung dieses Bauwesens nunmehr den Kostenbetrag von 5716 68 erfordern. Der Gemeinderath nahm dasselbe als baufällig an und beschloß unterm 3. December 1878, das Rathhaus niederzulegen, da die Herstellung des Nothwendigsten schon bedeutende Kosten ergeben würde, und da der Gemeinderath Angesichts der sonstigen, auf Jahre hinaus bevorstehenden großen Ausgaben die Verantwortung für einen so großen Aufwand in Betreff eines dem ursprünglichen Baustil längst entrückten Gebäudes nicht übernehmen könne. Das Kreisbauamt Alsfeld sprach sich jedoch dahin aus, daß man trotz der vorhandenen vielfachen Schäden das Gebäude noch nicht für baufällig erklären könne, und daß die Kosten der Beseitigung derselben etwa 1600 Jt. betragen würden. Das Kreisamt Alsfeld verweigerte die nach Art. 47 der Landgemeindeordnung erforderliche Genehmigung zu dem genannten Gemeinderathsbeschlusse, weßhalb nach der erwähnten Gesetzesftelle der Kreisausschuß hierüber zu beschließen hatte. Da Letzterer jedoch die Genehmigung ertheilte, gelangte diese Sache in Folge Recurses des Kreisrathes an den Provinzial-Ausschuß zur Entscheidung. Als Sachverständige zur Sikung waren eingeladen und erschienen die Herren Prof. Dr. Gareis, Geh. Baurath Prof. Dr. H. v. Ritgen. Beide von Gießen. Stadlbaumelster Raupp von Offenbach und Kreisbaumeister Wiess ell von Alsfeld. Herr Prof. Dr. Gareis, welcher zunächst das Wort über die Frage erhielt, ob das Alsfelder Rathhaus einen historischen Werth habe, Hebtaus der denkwürdigen Geschichte der Stadt Alsfeld die hervorragendsten Momente hervor, welche sich an das nach einem großen Brande im Jahre 1512 erbaute Ratbhaus knüpfen. Er gedenkt der Einführung der Reformation, des Bauernkrieges, der Belagerung der Stadt im dreißigjährigen Kriege, der Gerichtsbarkeit der Stadt, der neuen Zunftordnung rc. und der mit Bezug auf diese Ereignisse und Gegenstände in dem Ratyhause geführten Verhandlungen. Mit Bezug auf alles dies vindicirt Redner dem Alsfelder Rathhause ein hohes historisches Geh. Baurath Prof. Dr. o. Ritgen führte hierauf aus, daß dasselbe nicht minder auch einen bedeutenden Kunstwerth habe. Die Erhaltung dieses Gebäudes, das in gothischem Stile mit späteren Einbauten im Renaissancestil im Jahre 1512 erbaut sei, erscheine sowohl für die Kunstgeschichte im Allgemeinen, wie für die Provinz Oder- Hessen und ganz besonders für die Stadt Alsfeld von Wichtigkeit und sehr wünschens- werth. Es gelte dies ebenso von dem schönen Steinbau des unteren Stockwerkes und der Gesammterscheinung dieses den Marktplatz Alsfelds herrlich schmückenden mittelalterlichen Bauwerks, wie auch von den Holzschnitzereien der Thüren, Thürgesimse rc. Als es sich bei der Restaurirung der Wartburg darum gehandelt habe, Thüren nach dem Gcschmacke der betreffenden Zeit herzustellen, sei kein besseres Muster gefunden worden, als eine Thüre des Alsfelder Rathhauses. Es gäbe überhaupt nur noch ein dem Alsfelder Rathhaus ähnliches Gebäude und dies sei das im Jahre 1498, also 14 Jahre früher, erbaute Rathhaus zu Wernigerode im Harz. Diesem Rathhause verdankte Wernigerode vorzugsweise feinen Ruhm und den lährlichen Besuch zahlreicher Fremdem Die im Rathhause zu Alsfeld noch erhaltene innere Einrichtung sei aber in kunstgeschichtlicher Beziehung noch weit interessanter. Nach entsprechender Herstellung solle es an kunsthistorischer öffentlicher Würdigung und Bekanntmachung für die kunstliebende Welt nicht fehlen. Alsdann werde Alsfeld ebenso von Fremden aufqesucht werden, wie Wernigerode, und es liege daher im eigenen Interesse der Stadt Alsfeld, ihr schönstes Baudenkmal sich zu erhalten. Das Prachtwerk „Architektur-Aufnahmen des Hessischen Archltettenvereins" widme der Wiedergabe der einzelnen Schönheiten des Alsfelder Rathhauses nicht weniger als sieben große Blatter. Es wäre daher sehr zu bedauern, wenn dieses Gebäude, das den damaligen Styl der Reformationszeit repräsentirte, niedergelegt würde. We Tu beren ®e^iHaun^ Tntftebenben ^often auf etrualSOO JL, roobeijebod) auf eine etwaige Verwendung des Gebäudes keine Rücksicht genommen sei. Redner verliest em ausführliches, gemeinschaftlich von ihm und Professor v. Ritgen erstattetes Gutachten, worin schließlich folgende Ansicht vertreten wird: 1) Daß das im Jahre 1512 im gothischen Style erbaute Rathhaus später zwar mancherlei Veränderungen und Einbauten im Renaffsance-Styl erfahren hat, daß dasselbe aber an sich und mit diesen Einbauten ein höchst werthvolles Baudenkmal bildet, dessen Erhaltung für die Kunstgeschichte int Allgemeinen, wie für d-e Provinz Ober- bessen und für die Stadt Alsfeld selbst wünschenswert ist, weghalb man sich mit dem Artikel in der „Darmstädter Zeitung" Nr. 342 vom 10. December 1878 nur einverstanden erklären -m $nncrn des Gebäudes von der Stadt geschehenen Ab- sprießungen keineswegs die vollständige Baufälligkeit des Rathhauses beweisen sondern daß die Nothwendigkeit solcher Vorsichtsmaßregeln nur eine Folge der Vernachlässigung und der Unterlassung der richtigen Unterhaltungsarbeiten seit vielen Jahren ist und nur einem weiteren Nachgeben der Gebälke vor beugen soll. , 3) Daß, wenn in den letzten 15 Jahren im Ganzen wirklich 1476 JL zur Reparatur des Rathhauses verwandt worden sind, diese Reparaturen zum Theil m unzweckmäßiger, ja im Dachstuhl sogar in nachtheiliger Weise ausgefuhrt wurden rc. Herr Kreisbaumeister W iessel weist darauf hin, daß er sich in demselben Sinne früher amtlich geäußert habe und dem Bemerken nichts weiter zuzufügen wisse. In Anbetracht der finanziellen Schwierigkeiten, welche die Erhaltung des Gebäudes für die Stadt Alsfeld etwa bieten dürfte, wurde auch noch darauf hingewiesen, daß die ursprüngliche Anlage des Bauwerks gewissermaßen von selbst auf die Erhaltung aufmerksam mache. Es ließen sich nämlich in Uebereinstimmung mit dem Plane des Baues im unteren Stockwerke Kaufläden in der Weise Herstellen, daß die schonen Bogenstellungen wieder zu Tage treten. Der Pachtzins dieser Kaufläden wurde sicherlich, nachdem die nicht umfangreichen Reparaturen der oberen Stockwerke vollendet waren, der Stadt Alsfeld für lange Jahre einen viel höheren Ertrag abwerfen, als die Zinsen des durch Abbruch etwa gewonnenen Capitols betrugen. Auch beliefen sich die Kosten für die Herrichtung eines neuen Bürgermeisterei-Bureaus rc. durch einen dem Vernehmen nach in Aussicht genommenen neu zu erbauenden dritten Stock auf dem sog. Hochzeitshause jedenfalls viel höher, als der Aufwand für die Herstellung des Rath- hauseS erfordern würde. , _ __ .. ,. Der als Vertreter der Stadt Alsfeld erschienene Gemeinderath I. C. Th. B u ck i n g bestritt die Ausführungen der Sachverständigen nicht, sondern führte nur aus, daß die finanzielle Lage der Stadt den Aufwand bedeutender Kosten zu dem beregten Zwecke nicht gestatte, ohne dieselbe bankerott zu machen. Die Stadt sei durch eine bedeutende Schuldenlast gedrückt, erhebe hohe Umlagen, gegen welche selbst der Großh. Fiscus reclamirt habe, und muffe für die Armen, deren Zahl sich mehre, eher sorgen, als für solche Bauten, deren Alsfeld übrigens außer dem Rathbause noch eine größere Zahl zu unterhalten habe. Es sei daher für die Stadt besser, das Rüthhaus, welches Redner auf Grund eines Gutachtens des in der Sitzung gleichfalls erschienenen und alsbach- verständigen von ihm zugezogenen Zimmermeisters Sondermann von Alsfeld für baufällig hält, nieder zu legen und den Bauplatz zu verwerthen. Die Stadt werde übrigens das Rathhaus gern erhalten, wenn ihr die Mittel geboten würden. Sie würde es bereitwilligst dem Staate, oder dem oberhessischen Vereine für Localgeschichte k überlassen. Eventuell dürfte man auch mit dem veranschlagten Kostenbeträge schwerlich ausreichen. Auch Sachverständige könnten sich irren, wie ein in Alsfeld vorgekommener Fall (mit dem sog. Grab-Born) beweise. Zimmermeister Sondermann verliest ein von ihm über den Zustand des Rathhauses verfaßtes Gutachten, wonach er zu dem Schlüsse kommt, daß dasselbe baufällig sei. Es entspinnt sich noch eine weitere Debatte über die einzelnen Punkte des Gutachtens zwischen ihm und den übrigen Experten. Nachdem noch einige Fragen seitens zweier Mitglieder des Provinzialausschusses gestellt worden waren, zieht sich derselbe nach Schluß der Sitzung zur geheimen Be- rathung zurück. DaS Urtheil wurde alsbald verkündigt und lautet: In Sachen bett, den Antrag de« Ortsvorstandes Alsfeld auf Abbruch de« Rathhauses daselbst hat der Provinzial-Ausschuß der Provinz Oberhessen in seiner heutigen öffentlichen Sitzung auf den von Großh. Kreisamte Alsfeld gegen die Entscheidung des Kreisausschuffes des Kreises Aisfeld vom 28. März l. I. verfolgten Reeurs, nach von dem Vorsitzenden erstatteten Vortrag und stattgefundener mündlicher Verhandlung zu Recht erkannt: daß der verfolgte ReeurS begründet sei, demzusolge das angefochtene Urtheil erster Instanz aufzuheben und dem auf Abbruch des Rathhauses gerichteten Beschlüsse deS Ortsvorstandes zu Alsfeld vom 3. Deeember v. I. die Genehmigung zu versagen sei, unter Verurtheilung der Gemeinde Alsfeld in tote Kosten des Verfahrens , sowie zur Zahlung eines Averfionalbetrages von 40 in die Provinzialkaffe. Entscheidungsg runde. Rach Art. 47 p®s. 2 der Landgemeindeordnung ist die Genehmigung der Auffichts-Be- hirde erforderlich zur Veräußerung oder wesentlichen Veränderung von Sachen, welche einen besonderen wirthschaftlichen, historischen oder Knnstwerth haben. Die Genehmigung ist von dem KreiSrathe zu ertheilen. Nimmt derselbe Anstand, dieselbe zu ertheilen, so ist darüber von dem KreisAuSschuffe zu beschließen. Daß ein Abbruch sowohl als eine Veräußerung, auch als eine wesentliche Veränderung ilt betrachten sei, erweist sich als selbstverständlich, und ist auch von dem Ortsvorstande nicht bestritten. Der Antrag auf Abbruch ist von dem Ortsvorstande unterm 3. Deeember v. I. gestellt und diesem Anträge unterm 22. Februar d. I. die Genehmigung Großh. Kreisamts Alsfeld versagt worden. Dir Competenz des KreiS- unv resp. Provinzial-Ausschusses kann hiernach keinem Zweifel unterliagen. Die für die materielle Entscheidung m erster Linie relevante Frage, ob das Rathhaus zu AlSfeld einen besonderen historischen oder Kunstwerth habe, muß nach dem ebenso gründlich motivirten als bestimmten Gutachten der Sachverständigen Profeffor Dr. Gar eis, Geh. Bau« rath Dr. v. Ritgen, Stadtbaumeister Raupp und Kreisbaumeister Wiessel unbedingt bejaht werden und kann dchhalb dahingestellt bleiben, ob der Vertreter des Gemeinderarhes bei feinem, in der mündlichen Verhandlung erklärten ausdrücklichen Zugeständniffe in dieser Beziehung nur seine persönliche Ansicht aussprach, over ob er, wie er annehmen zu dürfen glaubte, die Majorität des Gemeinderatheö hinter sich hatte, welcher diese Frage bis dahin immer mit Entschiedenheit verneinte. Mit dieser ersten Frage ist aber selbstverständlich die Hauptfrage noch nicht bejaht. Muß auch angenommen werden, daß die Genehmigung zu einer Veräußerung nicht allein in dem Halle versagt werden kann, toenn diese Versagung das finanzielle Jntereffe der Gemeinde fördert — venn für einen solchen Fall wäre eine besondere gesetzliche Bestimmung nicht nothwendig gewefen — sondern auch in dem Falle, wenn diese Versagung der Gemeinde ein finanzielles Opfer auferlegt, so wird ebenso wenig ein Zweifel darüber obwalten können, daß dieses Opfer im Verhältniß stehen muß zu dem ,zu erreichenden Zweck und zu der finanziellen Lage der Gemeinde. Handelt es sich auch dermalen nur um Die Frage, ob die Genehmigung zum Abbruche dr- RathhauseS ertheilt oder versagt werden soll, so wird doch der Entscheidung dieser Frage die Entscheidung der oben angedeuteten beider präjudieieller Fragen vorhergehen müssen, weil es widersinnig wäre, den Abbruch eines Gebäudes nicht zu genehmigen und dasselbe demnächst durch Versagung der Mittel zur Erhaltung der langsamen, aber sicheren Vernichtung preiszugeben. Nachdem sich die drei Sachverständigen v. Ritgen, Raupp und Wießel in ein- gehender technischer Begründung mit Destimmtheit dabin ausgesprochen haben, daß eine gründliche Reparatur des Rathhauses nur einen Kostenaufwand von 1800 veranlassen könne, und diese Berechnung von der anderen Seite in keiner irgendwie in Betracht kommenden Weise widerlegt worden ist, muffen beide oben erwähnten Vorfragen bejaht werden. Man kann unmöglich behaupten, daß die Erhaltung eines so werthvollen Gebäudes mit einem Kostenaufwand von 1800 zu tbcucr verkauft sei, und eben so wenig wird unterstellt werden können, daß dieser Betrag die Gemeinde Alsfeld in finanzieller Beziehung zu stark belaste. Auch bei einer finanziell weniger günstig situirtcu Gemeinde könnte dieser Betrag nicht als ein unverhältniß- mäßig hoher gelten, und darf daher von eingehender Prüfung der finanziellen Lage der Gemeinde abgesehen werden. werden soll, das wichtige Ehrenrecht verdankt, allein einen Abgeordneten zur zweiten Kammer der Lanvstände wählen zu dürfen. Aber auch abgesehen von allen obigen Gründen rechfertigt der Umstand die Abweisung des von dem Ortsvorstande gestellten Antrages, bat von einem eigentlichen Opfer, vas der Gemeinde zugemuthet würde, überhaupt nicht die Rede sein kann. Erstens nämlich handelt es sich nach der überzeugenden Darlegung der drei Sachverständigen nur um jetzige Nachholung der Reparaturen, deren Vornahme in einer Reihe von Jahren von der Gemeinde nachlässiger Weise versäumt worden ist. Ist nach Inhalt der Seien in einer Reihe von 15 Jahren nur der Betrag von 1476 JL, also jährlich nicht einmal 100 zur Unterhaltung eines so werthvollen Gebäudes verwendet worden, so theilt die Gemeinde nut das Schicksal eines jeden Hausbesitzers, wenn sie jetzt auf einmal das Versäumte nach- holen muß. Zweitens kann nach demselben Gutachten gar nicht die Rede davon sein, daß die Baufälligkeit des Gebäudes dessen Abbruch rechtfertigen würde. Mit einem verhältnißmäßig geringfügigen Kostenaufwand kann dasselbe den Nachkommen erhalten werden; mit genau demselben Aufwande, den die Einrichtung eines Bürgermeisterei-Bureaus in dem sog. Hochzeitshause in Anspruch nehmen würde, kann dieselbe in dem Rathhause vorgenommen werden, und die Ein- rtchtung von Kaufläden in dem unteren Stocke wäre sogar ein recht rentables Unternehmen, da sicherem Vernehmen nach für diese Läden von solventer Seite bereits 800 je jährlich geboten worden sind. Nach Vorstehendem würde sich der Abbruch des Rathhauses zu Alsfeld nicht nur als ein unverantwortlicher Verstoß gegen die historischen, architektonischen und ästhetischen Rücksichten charaeterisiren, tle durch die Vorschriften des Art. 47 gewahrt werden sollen, sondern auch als eine gänzlich unentschuldbare Vernachlässigung der Regeln vernünftiger Haushaltung. Würde in einem so eclatanten Falle die Genehmigung zum Abbruch nicht versagt werden, so wäre nicht einzusehen, in welchem Falle überhaupt noch eine solche Versagung gerechtfertigt erscheinen könnte. In der heutigen Sitzung des Provinztalausschusses kam nach vorheriger geheimer Erledigung einer größeren Anzahl von Gegenständen ein Recurs des Großh Kreisbauamtes Alsfeld gegen eine Entscheidung des Kreisausschusses des Kreises Lauterbach in Betreff der Herstellung einer Stützmauer in der Ortsdurchfahrt zu Blitzenrod zur Verhandlung. Ersteres hatte Großh. Kreisamt Lauterbach unter Bezugnahme auf Art. 2 des Gesetzes vom 30. October 1860 ersucht, die Gemeinde Blitzenrod zur Stellung der Materialien zur Herstellung einer Stützmauer in der Ortsdurchfahrt zu Blitzenrod zu veranlassen. Das Großh. Kreisamt hatte hiernach der Gemeinde die Uebernahme der fraglichen Ausgabe angesonnen, aber nach erfolgter Weigerung des Ortsvorstandes in der weiteren Verhandlung die Parteirolle dem KreiSbauamte überlassen. Der Kceisausschuß entschied, daß dem Anträge des Großh. Kreisbauamtes nicht zu entsprechen sei, weil Der angerufene Gesetzesartikel nicht Anwendung finden könne, indem die fragliche Arbeit nicht unter denselben zu subsumiren sei. Der Provinzialausschuß erkannte mit Rücksicht darauf: daß der Kreisausschuß seine Competenz durch Berufung auf Art. 48, II, 2 der Kreisordnung begründet habe; daß aber dieser Artikel keine Anwendung finden könne, weil 1) das öffentliche Interesse in keiner Weise an der Entscheidung der Frage be- theiligt sei, ob die Gemeinde, oder der Fiscus das für die fragliche Stützmauer erforderliche Material zu stellen habe, und es sich lediglich um die Entscheidung dieser Frage in dem vorliegenden Falle handle, 2) nach unserer Organisation über die Nothwendigkeit und den Umfang der Ausgabe in höchster Instanz lediglich das Groß. Ministerium der Finanzen zu entscheiden habe, und hierdurch nach der ausdrücklichen Bestimmung des allegirten Artikels die Competenz des Kreisausschusses ausgeschlossen werde; daß es sich nach Vorstehendem nur um die Entscheidung der Rechtsfrage handle, wem der Art. 2 des Gesetzes vom 30. October 1830 die Verpflichtung der Stellung des Materiales in dem ooi liegenden Falle zuweise; daß in allen Fällen, in denen es sich lediglich um die Entscheidung einer Rechtsfrage handle, die Entscheidung nicht den Verwaltungsgerichten, sondern nur dem Gerichte zustehe; daß aber auch in dem Falle der Anwendbarkeit des Art. 48, II, 2 der Kreisordnung das von dem Kreisausschusse stattgefundene Verfahren als unheilbar nichtig erscheinen müsse, weil das öffentliche Interesse nur von dem Kreisamte und nicht von dem Kreisbauamte zu vertreten sei, in dem vorliegenden Falle aber das Kreisamt die fragliche Ausgabe zwar der Gemeinde angesonnen, im Verlaufe der weiteren Verhand jung aber die Parteirolle dem Kreisbauamte überwiesen habe, statt dieselbe selbst zu übernehmen, wie dies klar aus dem Umstande hervorgehe, daß zu der mündlichen Verhandlung das Kreisbauamt geladen und ihm überlassen wurde, das Jnterejse be5 Fiscus zu vertreten, daß die Recurssatalien dem Kreisbauamte eröffnet worden feien, daß diese Behörde den Recurs gerechtfertigt und daß schließlich bei Einsendung her Acten der Kreisrath als Vorsitzender des Kreisausschuffes sich ausdrücklich gegen den fiscalifchen Anspruch aussprach, den er ursprünglich durch sein Ansinnen vertreten hatte; cs sei das angefochtene Urtheil der vorderen Instanz als nichtig auszuheben. In Bezug auf den Recurs des I. Weber von Ober-Sorg gegen eine seine Re- clamation bezüglich der Bürgermeisterwahl verwerfende Entscheidung des Kreisausschuffes des Kreises AlSfeld bestätigte der Provinzialausschuß das Urtheil der erst n Instanz unter Verurtheilung des Recurrenten in die Kosten des Verfahrens und zur Zahlung eines Averfionalbetrages von 30 in die Provinzialkaffe und zwar mit RücksicÄ darauf: daß aus der Unterlassung der Bezeichnung der Wahl als Stichwahl bei der erfolgten Einladung zur Wahl in Ermangelung einer Vorschrift eine Richtigkeit nicht hergeleitet werden könne; daß die Behauptungen in Bezug auf bei der Wahlhandlung vorgekommene Unregelmäßigkeiten in keiner Weise als erwiesen erschienen; daß für die Behauptung einer erfolgten Fälschung der Stimmzettel jeder Beweis fehle, und dem Anträge des Recurrenten, die einzelnen Wähler in der mündlichen Verhandlung über ihre Abstimmung eidlich zu vernehmen, unmöglich entsprochen werde» konnte, weil durch eine solche Vernehmung, sei es durch ein VerwaltunySgericht, oder ein Untersuchungsgericht das gesetzlich garantirte Wahlgeheimniß in gröblicher Weise verletzt werden würde. Im dritten Falle hatte sowohl Großh. Kreisamt Gießen, als auch der Gemeinderath zu Heuchelheim gegen eine Entscheidung des Kreisausschusses deS Kreises Hießen recurrirt, welcher auf Antrag des Großh Kreisanttes Gießen die dem Bürgermeister zu zahlende Vergütung für die Kosten des Standesamtes auf 150 Jt jährlich vom 1. Januar l. I. an festgesetzt hatte. Der Provinzialausschuß erkannte auf eine jährliche Vergütug von 100 JL vom 1. Januar l I. an. Die hierauf noch vorgenommene Wahl zur Einschätzungscommffsio» der Em- kommcnsteuer ergab Wiederwahl der seitherigen Mitglieder. Gießen, 17. December. sSchwurger ichtsv er Handlung.^ Am 16. d. M gegen Katharina Gräb von Pfordt, wegen Kindcsmord. Die Angesckuldigte ist 20 Jahre alt, ledig und seither gut beleumundet. Die Gräb wurde nach Beendigung der gegen sie eingeleiteten Untersuchung wegen des ihr zur Last gelegten Verbrechens des Ktndesmords vor das Schwurgericht verwiesen und sprachen die Geschworenen, nachdem dieselben fich von der Schuld der Gräb überzeugt hatten, das „Schuldig" auS, worauf der Gerichtshof dieselbe in eine Gefängnißstrafe von 3 Jahren, unter Anrechnung von 4 Monaten Untersuchungshaft, verurthcilte. Gießen, 17. Dezember. Ein Stromer stahl gestern Abend einem Fuhrmann vom Wagen herunter einen Pfcrdeteppich. Er wurde eingeheimst. — In Steinbach ist vorgestern Nacht ein Pferd im Stalle erfroren. — Heute Nacht hatten wir nur 16* Kälte. — Don Seiten des Thierschutzvereintz sind in hiesiger Stadt mehrere (vorläufig 4) Futterplätze hergerichtet worden, um dem armen gefiederten Volk durchznhelfen. — In Reiskirchen wurde bei einem 22jährigen Mädchen ebenfalls das Rccurrensfieber constatirt. Die erforderlichen sanitären Vorkehrungen sind bereits angeordnet. — Forstwart Becker in Alten-Buseck feierte vorgestern, am 15. dsS., sei» 50jähriges Dienstjubiläum. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog verlieh dem Jubilar das Verdienstkreuz für 50jährige treue Dienste. Die Gemeinde beschenkte ihn mit einem schönen Seffel. Tt !äi Vergeht das Jüttern der hungernden Vögel nicht! Vermischte-. — [$B»m strengen Winters Die schärfste Kälte soll in der Nacht zum jüngsten Dienstag ,ruf der Siegeshöhe bei Liegnitz konstatirt worden sein. Wie das „Ltegnltzer Stadtblatt" erfährt, sollen dort die Thermometer um 3 Uhr Nachts — 32« R-, auf der Hezerwtese — 310 R. gezeigt haben. — Auf der Jauerstraße zu Ltegnitz wurde früh Morgens ein junges Reh ganz erstarrt aufgefunden, Vas Thier vermochte kaum mehr zu entfliehen, sondern wurde aufgegrtffen und in einen warmen Stall gebracht. — Bei Landeshut sind viele Vögel auf Flur und Feld erfroren. — Im Walde zwischen Loslau und Rybnik (Oderschlefien), wurde eine aus Männern, Weibern und Kindern bestehende, elf Köpfe starke Ztgeunerbande, am fast erloschene» 'Feuer sitzend, erfroren aufgefunden. Das Leben war aus Allen entflohen. Die Leichen wurden am Montag in Loslau etngebracht. — Gleichwohl hält bezüglich der Strenge und des zeitigen Eintritts der diesjährige Winter keinen Vergleich aus mit derjenigen seiner strengsten Vorgänger im vorigen Jahrhundert. Da began«, wie wir aus den Aufzeichnungen der Berliner „Preußt- fchen Gesellschaft der Wissenschaften" entnehmen, der Winter des Jahres 1708 schon am 2. October mit einer solchen Heftigkeit, daß die alten Obstbäume und Weinstöcke in Berlin und in der Mark eingingen. Der SptrituS im Thermometer fiel am 8. Januar 1709 auf 90 Grad Fahrenheit, waS gleichbedeutend mit 55 Grad Reaurnur sein würde, wenn nicht, wie anzu- mehmen, Die Kältegrade damals auf einer anderen Skala beruhten. Anno 1716 stieg die Kälte sogar auf 107 Grad, und 1729 waren zu Ende März noch die Straßen-(Aieh-)Brunnen Berlin- minoer grimmig rrar oer Lvinlcr 'j/.n aus: wo Grab Fahrenheit tn der Nacht zum 25. Ja nuar. Es wird sogar berichtet, daß der Wein bei Ertheilung des Abendmahls im Kelche ge fror (?). Dies Alles war nur ein Kinderspiel gegen das Wütben des gestrengen Herrn von 1739 bis 1740; seine Herrschaft währte von Michaeli bis zum Juli; noch am 13. Juli hatten unsere guten Voreltern von Frost und Reif zu leiden, und 102 Grad Fahrenheit waren, nach den Mesiungen obiger Gesellschaft, an der Tadesordnung. In den gewöhnlichen Thermometern fiel der Spiritus bis in die Kugel und zersprengte die Instrumente; beim Läuten vernahm man durch die stark verdichtete Luft nur einen dumpfen Glockenton; Wassertropfen und der aus einer Höhe von 2>' Fuß ausgeworfene Speichel froren zu Eis. Die Erdrinde war in der Umgegend von Lebus dermaßen gehärtet, daß man die tobten nicht bestatten konnte, während der fette Boden der Altmark oft Spalten von mehreren Fuß in der Breite aufzeigte. Das Vieh ging noch Anfangs Mai, ohne einzubrechen, auf dem Eise; bei Prenzlau waren die Bäche und Gräben bis auf den Grund ausgefroren; die Eisdecke der Elbe hatte noch im März eine Stärke von 2 Ellen, und zwischen Spandau nnd Potsdam benutzte man im April die Eisdecke als Passage, während zu derselben Zett in Berlin die Straßen mit hohem Eise belegt waren. Erfroren doch noch am 10. Juni einem Bauer aus Salzwedel, der bei einem nächtlichen Ritte nach dem Dorfe Bergen betrunken vom Pferde gefallen war' in jener Juninacht Hände und Füße! Furchtbar litten unsere heimischen kleinen Vögel, während die Störche, wieder umkehrend, nach wärmeren Ländern zogen. Damals konnte man erst gege» Ende August zur dürftigen Ernte schreiten; daS Fuder Heu, sonst 1 Tblr. im Preise, stieg bis auf 20 Thlr., und die Lebensbedürfnisie erreichten eine bis dahin nicht gekannte Höhe. — Gott schütze uns vor der Wiederkehr solcher Winter! Besitzer zu veranlagten, dass gestreut werd,'. Dte^Mnfä! io zahlreich gewesen, daß sie fast nicht aufzuzählen sind. ' bet d-r drei LrK 1 -Wit? 11J?' 6ln: 8oo be 4 MN geboten SS? auf Arn Stellung her enJfc?“ ?l,^nrob zu emernahmederftag- Ortsuorstandes in brt DerAceisausschutz ^p"chen sei, weil der rm die fragliche Arbeit luB »kannte mit Rück- aui Art. 48, II, 2 bet Für Landwirthe ist die Deutsche Allgemeine Zeitung für Landwirthschast, Gartenbau und Forstwesen, verbunden mit der Beilage „Zeitschrift für Viehhaltung und Milchwirthschaft", redigirt von Dr. von Klenze, Molkerei-Consulent für das Königreich Bayern, unentbehrlich. — Es ist die reichhaltigste und billigste Zeitung für den Land- wirth, welche sowohl dem Körner- und Futterbau, wie auch der Viehhaltung und Milchwirthschaft gleiche Aufmerksamkeit widmet und zur höchstmöglichen Ausnutzung des Bodens, wie auch des Viehstalles die zweckentsprechendste Anleitung gibt. — Dieselbe erscheint im Verlage von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M- und nimmt jede Postanstalt Bestellungen zu Eine Mark für das Vierteljahr an. — — Für die „Volksküche" gingen ferner bei uns ein: Gg. NenzellO^., Pfarrer Dr. Haupt 5 JL, Gesammelt beim Abendessen 71 Ertrag für eine Fastenbretzel ll'jfc 73 H, I. Lenz 3 X, M. S. 10 Jl., „B^i einer Hochzeitsfeier gesammelt 77 JL“ Rau, Wieseck 3 Jl. Summa 120 JL 44 mit den in Nr. 292 quittirten 1799 Ji. 75 $ nunmehr 1920 X 19 H. Herr R- Göbel spendete für die Volksküche 25 Pfd. $et§. — Allen freundlichen Gebern Dank sagend, nehmen wir weitere Gaben gerne entgegen. — Für „Oberschlesien" gingen bei uns ein: M P. 5 Jt, I. Lenz 3 .3t, Kreisgerichtsrath Zierenberg 10 i°* b°r «mv ...... Hl*” Main Weser-Bahn. 8181) Die Ausführung von Stollen und Schachten zur Entwässerung des Bahndammes nördlich der Station Lang-Göns soll im Wege der öffentlichen Submission vergeben werden. Die Bedingungen sind auf dem Bureau des Stationsvorstehers zu Lang-Göns einzusehen und daselbst Offerten- Formul are zu erhalten. Die Offerten sind bis zum Submissions-Termine, Samstag, den 27. Deeem ber er., Vormittags 10 Uhr, Lei der unterzeichneten Betriebs-Jnspection portofrei und versiegelt und mit Ler Aufschrift: „Submission auf Herstellung von Stolle« und Schachten* versehen, einzureichen. Frankfurt a. M., den 16. December 1879. Königliche Betriebs Inspektion.____________ MerheWe Eisenbahnen. 816$ Mit dem 1- k. MtS. gelangt der Nachtrag IV. zu dem Tarifheft „Deutsche Eisenbahr-Berbände, VecbandS-Gütcrtarif, Thcil I" zur Einsührung. Derselbe enthält Zusatzbeftimmungea zu <§ 47 und S 53 des Betriebs Reglements und Aenderungcn rc. der allgemeinen Tarif- Vorschriften nebst Güter-Classificatirn- Ver- ikaufspreis » A vro Gx emplar. Gießen, den 12- Dezember 1879. Grotzherzoglrche Dircßko«.___ Bekanntmachung. Nächst«« Freitag «nd di« fei- gende» Tage, Zedesmal Nachmittags von 1—8 Uhr, werden im städtische« Holzmagaziu Ehristbäumchen zu de« Preise von 10, 20 40 u«d BO H ausgegeben. Gießen, den 17. December 1879. Großherzszl. Bürgermeisterei Gießen. B17S) A- Bramm.________ Sberhesßschk Eisenbahnen. Nächste« Freitag de» 1*. d Wttl., Nachmittags 1 Uhr, werden auf de« B chnbof Groß-Buseck ^tne arößere Anzahl alte ausrangtrte Bahnschweüen öffmtlich meistbietend versteigert. Die Bedingungen weiden im Termin bekannt gegeben werden. Gießen, den 16. December 1879. Die Magazinsverwaltung. SILS) Günther. AeUgeöoteves. BLaffee» roh, tm Preise VSN .M. 1— bis JL 1.60 per Kilo, sowie stets frisch gebrannten Kaffee VON JL 1.20 bi» JL IM per Ve Kilo _ rmpstehlt (617» ft. Seibel, 44 «äusbmg 44. Donnerstag den 18. Deebr. werden in der Restauration Bramm (Neustadt) (8168 Christbäumchett verkauft H. Schäfer. Mein Lager in (iSiimn ist in nur besten und preiswür- bigsten Qualitäten auf daS reichste assorc tirt und bitte ich «« genei-te« Anspruch. (817i Fr. Seibel, 44 Mänsburg 44. Wild. Hansen, Neh- und Hirschbraten find in habe« bei (8177 «ildhändler Ebel, Marktstraße. Jeinlle Punscheffensen. Arac, Rum u. 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Kaisow Congou Pecco Soucbong Lapsing „ Als Handelskammermitglteder werden vorgeschlagen: Nestaurations Verpachtung. Die seit langen Jahren betriebene Restauration auf dem Teichhause zu Bad-Rauheim soll auf dem Submtssionswege anderweit verpachtet werden. Die Anerbietungen sind längstens bis Montag, den 29. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, versiegelt und mit der Aufschrift „RestaurationS-Verpachtung betreffend" versehen, bet unterzeichneter Behörde etnzureichen, ihre Eröffnung findet tn Gegenwart der anwesenden Submittenten statt. Später etnlaufende Anerbteteu finden keine Berücksichtigung. Die Bedingungen können von jetzt ab auf unserer Geschäftsstube eingesehen werden. Bad-Rauheim, den 15. December 1879. Großherzogliche Badedirection Bad-Nauheim. Jäger-(8173 Kleinigkeit höher. Zur gefälligen Abnahme empfiehlt sich Die Perkaufs-Niederlage von Pfd. 5.25 7 — 7.— 3.— Fertige Wasche! al-: Kirrderhemdea in allen Größen, sowie Damenhemden in Leinm, Halbleinen und Baumwolle (letztere von 1,80 Mark an), Shirling'Rocke von den einfachsten bis zu den elegantesten, Schleppröcke, Neglige Jacken und »Hauben, Beinkleider u. s. w. empfehlen zu den billigsten Preisen. Aufträge für Weihnachten werden noch entgegengenommen, oiefeloen rasch und pünktlich besorgt. 7177 Geschwister Heer®, Neuenweg. Thee - Niederlage von Robert 8cheibter in London. Diese Thee’s zeichnen sich aus durch ihre Reinheit, sind der Verpackung as (8170> (8186 E-uar-Silbereiftn, Fabrikant Die Anmhmckelle von 8178) Neustadt Neustadt im Lokale des Herrn (8185 11 11 zu vermieden. H. Adami. Frankfurter Hypothekenbank 5% Markpfandbriefe von 1874 und 1875 betr. getrennt. Lit. D. 85. Geld - CourS L. Georgi, Fabrikant. Fritz Koch, Kaufmann v* 16 16 20 16 16 - 4 4- 11—15 11—15 25—30 65-70 65 55-60 17-20 Nachfolgende, ausscheidende Herren werden zur Wiederwahl vorgeschlagen: Wayz weroen ais vkjonoers geeignet au Wärmste empfohlen die Herren: Fritz Koch, Kaufmann. Die Dlrection Dr. L. Olilenschiager. Sigmund Heichelheim, Banquier. Heinrich Schirmer, Tabaksfabrikant Gei Iffuss ■ empfiehlt sein LAGEB in allen Sorten Sdjuljen und Stiefeln für Herren, Kamen und Kinder ?u den bekannten billigen Preisen. Oppenheimer Dombau - Loose sind in der Exped. d. Bltts. 3 3 Mk. zu haben.________ 8032) Einem werthen Publikum halte meine Wirthschaft zur Stadt Lindenau am Hamm bestens empfohlen. H^Walldorf. Aermiethungcn. 8169) Der mittlere Stock meines Hauses ist vom 1. April k. Js. ab zu vermiethen. ____Rechtsanwalt Lauer. 8167) Ein kleines Familienlogis ^ü vermiethen^bci______A Moog A. 93. 8174) Die Wohnung des Hrn. Dr. Großmann, 7 Zimmer, 2 Kammern, Wasserleitung rc., ist per 1. April 1880 anderweit Julius Schulze, Sonnenstraße 58. Mr Weihnachten empfiehlt das Neueste in: Damenkragen, Manschetten, Barben, La- vallieres, Dorsteckern, Schleiern, Schürzen, Korsetten, Taschentüchern, Foulards, Handschuhen rc. rc., zu festen billigen Preisen Der große HiiliwiiiiniiiinsviTtoif W. Herbert am Markt bringt sein reichhaltiges Schuh- und. Stiefellager zu billigsten Preisen, in empfehlende Erinnerung. (8188 8I71) Zur Handelskammer werden vorgeschlagen: Herr Ludwig flcorgi, Fabrikant. Eduard 8ltbereisen, „ Ädots Binder, Weinhändler. Donnerstag den 18. December 1879: VI. u. letztes Abonnement-Concert Anfang Uhr. - Entree &O Pfg. Es wird gebeten, die Karten an der Kaffe abzugeben. ______________ HraussC) Kapellmeister. 7436) Ein freundliches Familienlogis bestehend aus 6 Zimmern nebst allem Zubehör ist zu vermiethen und sogleich be- ziehbar. Näheres bei der Exped. d. Bl. 8129) Zwei ineinandergehende möblirte Zimmer zu vermiethen auf Wunsch auch 7877) 8182) Den noch ausstehenden Restbetrag unserer 5%iflen Markpfandbriefe von 1874 und 1875 (Serie VI) kündigen wir hierdurch zur Rückzahlung. Den Inhabern dieser Pfandbriefe räumen wir das Recht ein, dieselben gegen 4Vr°/oige Pfandbriefe al pari mit Beginn der 4VrO/oigen Verzinsung vom 1. Januar 1880 ab nmzutauschen, sofern die Anmeldung hierzu bis Ende December 1879 erfolgt Der Umtausch der so angemeldeten Pfandbriefe findet alsdann vom 10. bis 31 Januar 1880 statt. ' Die nicht zum Umtausch angemeldeten Pfandbriefe werden vom 10. Januar 1880 ab gegen Rückgabe der Stücke nebst den noch nicht fälligen Zinscoupons und den Talons zurückbezahlt, unter Zinsberechnung bis zum Rückzahlungstag, spätefiens aber bis -um 1. März 1880. Umtausch und Einlösung erfolgen bei unserer Casse und unseren sämmtlichen tzinlösungsstellen, insbesondere in Gießen bei Herrn Aron Heichelheim. Ebendaselbst können Formulare für die Anmeldung zum Umtausch in Empsana Genommen werden. 0 Frankfurt a. M., den 1. December 1879. 20-Francs-Stücke . do in Va • Englische Souvereigns . Russische Imperiales . Holländische ft 10-Stücke Ducaten ...... Dollars in Gold . . . vermischte Anzeige«. Nähmaschinen aller Systeme werden schnell und gut. reparirt bei (801'.' _____Wilh. Graf, Grünbergerstrabe. 6358) Alte Herrenhüte werden Damenhüten sa^onirt. Neueste Formen zur Ansicht be reit.__________E. «. Gail, Schulslraße. 8187) Eine Hypothek von 2113 Mark wird gegen entsprechenden Nachlaßzu eediren gesucht. Wo? sagt die Gxp, d. Dltts. l\\0WN für alle hiesigen und auswärtigen Zeitungen befindet sich bei .Buhon .Blosse Frankfurt a. M. gegenüber /Ä ft* gegenüber der Hauptpost. O der 'Hauptpost. Preise wie bei den Zeitungs-Expeditionen selbst. _ Bei grosseren Aufträgen hiervon noch entsprechende Rabatt-* bewilligung. 7859) Parterrewohnung zu vermiethen Nah, bei der Exped. d. Bl. __________ 8160) Ein Familienlogis und zwei moburte Zimmer zu vermiethen bei C. Rahn. 2006) 5 Zimmer, Küche rc. im 1. Stocke gleich beziehbar, zu vermiethen. F. Zoller, Neustadt. 6996) Der 3. Stock in meinem Vorderhause ist durch den Wegzug des Herrn Lieutenant Naumann zu vermiethen und nach Uebereinkunft bald zu beziehen. H. Werner, Bismarckstraße 170. 7460) Ein großes und ein kleines Familienlogis zu vermiethen. ____Neuenweg B- 138. 7564) Möblirte Zimmer auf sofort billig zu vermiethen. Näheres bei der Exped. d. Bl.______________________________ 7472) Der mittlere Stock meines Wohnhauses, bestehend aus sechs ineinandergehenden Zimmern, verschiedenen Mansarden und allem Zubehör ist zu vermiethen und kann sofort oder auch später bezogen werden. Helfrich, Marburgerstraße 177. 7477) Mansarde zu vermiethen^ Fabrikant Iughardt, Kanzleibcrg. 7838) Laden mit Logis in der Mitte der Stadt zu vermiethen. Näheres in der Exped. d. Bl. ______________________ 8020) Der untere Stock meines Vorderhauses, seither zu Univcrsitätszweckcn benutzt, ist per 1. April zu vermiethen. H. Bepler, Ludwigsstraße. Verantwortliche Redaction: A- Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Um ».-Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. Hierzu ein zweites Blatt.