Nr. IM. Dienstag den 17. Juni 1879. 6)idiener Munger AilZeigk- iti AMshlM fit Kn Kreis Gießen. RedaettonSVirrearr t Expedittonsbureau r Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. politischer Hheil. Deutschland. Darmstadt, 14. Juni. Seine Königliche Hoheit der Großherzog und Seine Großherzogliche Hoheit der Prinz Wilhelm wohnten heute Vor« mittag dem Letchenbegängniß des Obersten a. D. Schers bet. — Seine Großherzogliche Hoheit der Prinz Heinrich, Geuerallieutenant und Comvandeur der Großherzogltcken Division, hat sich zur Meldung bei Seiner Majestät dem Kaiser nach Berlin begeben. Darmstadt, 13. Juni. Das heute ausgegebene Großh. Regierungsblatt Nr. 22 enthält das Gesetz, die Uebertragung von Grundeigenthum und die Fortführung der Grundbücher in der Provinz Rheinhesien betr. m. Darmstadt 15. Juni. (Evangelische Landessynode. 24. Sitzung.) Unter dem Vorsitze des Vicepräsidenten Dr. Seel fuhr die Synode in ihrer gestrigen Sitzung in der Berathung des Entwurfs einer Dienstpragmatik für die evangelischen Geistlichen fort und genehmigt zunächst § 29, welcher von der Berechnung des Dienft- nlters handelt. Die folgenden Paragraphen enthalten Bestimmungen über die Erledigung der Stellen, den Austritt aus dem Amte und die Versetzung der Geistlichen. § 30 wird angenommen. Ueber § 31, wonach eine Versetzung eines definitiv angestellten Geistlichen entweder auf Nachsuchen des Betreffenden oder gegen dessen Willen, sei es im Disciplinarweg oder im Interesse des Dienstes, erfolgen kann, entspinnt sich eine längere Debatte, worin von mehreren Seiten das Princip der Strafversetzungen namentlich bei Geistlichen angefochten wird und derartige Bestimmungen überhaupt in das zu erwartende Disciplinargesetz verwiesen werden. Der Paragraph gelangt schließlich in der Fassung der Regierungsvorlage zur Annahme. Nach § 32 werden Dienstentlassungen nach Einleitung eines geordneten processualischen Verfahrens durch das erweiterte Ober-Consistorium erkannt. Abg. Schlich will für diesen Fall das erweiterte Ober-Consiftorium noch durch die Ersatzmänner des Synodalausschusses verstärkt haben, während Schröder die Entscheidung über Dienstentlassung dem staatlichen Verwaltungsgerichtshof, verstärkt durch den Präsidenten und zwei weitere Mitglieder des Ober- Consistoriums, in die Hand gelegt wissen will. Ober-Consistorialpräsident Goldmann, sowie die Abgg. Köhler (Friedberg), Wernher, Rieger unb Köllner sprechen für die Regierungsvorlage, welche auch, nachdem der Antrag Schlich zurückgezogen worden, gegen 2 Stimmen angenommen wird. §34 wird in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen und damit die Berathung des Gesetzentwurfes abgebrochen. — Präsident Eigenbrodt übernimmt den Vorsitz und eröffnet die Berathung über die Petition der Kirchengemeindevertretung zu Darmstadt vom 15. October 1875. Der erste Punkt dieser Petition betrifft Abänderung der Kirchenverfassung in der Richtung, daß das Laien-Element in den Dekanats- und in der Landesfynode unter größter Berücksichtigung der Seelenzahl stärker vertreten werde als bisher. Wegen Unzeitgemäßheit einer Verfassungsänderung glaubt das Ober-Consistorium und der Ausschuß auf diese Bitte nicht eingehen zu können und erklärt auch die Synode den Gegenstand für erledigt. Weiter wird verlangt Constituirung der evangelischen Stadtgemeinde Darmstadt zu einem Dekanate für sich allein, ohne die dermalen mit ihr verbundenen 10 Landgemeinden. Auch diese Bitte wird nach dem Anträge des Ausschusses nach längerer Debatte, an welcher sich Ober-Consistorialrath Linß, sowie die Abgg. Schröder, Rieger, Köhler (Friedberg), Hager, Baur, Buchner und Curtmann betheiligen, abgelehnt. Die dritte Bitte geht auf Ablehnung der Anträge auf Einführung eines neuen kirchlichen Eherechtes neben den Reichs- und Staatsgesetzen über die Ehe, die vierte auf Ablehnung der Anträge auf Einführung irgendeiner äußeren Kirchenzucht gegenüber Personen, welche nach Einführung der obligatorischen Civilehe ihre Ehe nicht kirchlich einsegnen lassen. Da solche Anträge überhaupt nicht vorliegen, beschließt die Synode nach dem Antrag des Ausschusses bezüglich beider Punkte der Petition Ucbergang zur Tagesordnung. Die letzte Bitte geht auf Verpflichtung der Geistlichen, einem jeden bürgerlich getrauten Paare die von demselben gewünschte kirchliche Einsegnung ohne Weiterungen zu gewähren. Auch diese Bitte wird fast ohne Debatte einstimmig abgelehnt. — Nächste Sitzung Montag. Fortsetzung der Berathung der Dienstpragmatik. Berlin, 12. Ium. Die heutige „Tribüne" schreibt: „Es stellt sich immer deutlicher heraus, daß das Geheimniß der Entscheidung über den noch streitigen Thetl des Zoll- und Steuerplans nicht in dem Maße beim Centrum ruht, wie man anzunehmen sich jetzt gewöhnt hat. Der Widerstand, den die Partei gegen die „Finanzzölle" ankündigt, sei er nun ernst oder nicht ernst gemeint, wird die Richtung der kommenden Beschlüsie nicht ändern können. Zweifellos ist zunächst, dcß die Finanzzölle aus der Tarifcommisston, auch trotz der etwaigen Ablehnung des Centrumscommtsiarien, unversehrt hervorgehen werden. Die Minderheit gegen sie würde sich im ungünstigsten Falle aus den fortschrittlichen, den ultramontanen und zwei national-liberalen Mitgliedern zusammensetzen; die Conservativen mit den anderen national-liberalen Mitgliedern einschließlich des Abg. Delbrück hätten also die Mehrheit. Nicht wesentlich anders würde sich die Sache im Plenum gestalten. Als muthmaßliche Opposition gegen die Finanzzölle wären im äußersten Falle zu rechnen: 24 Fortschrittler, 8 Socialdemokraten, 14 Polen, die geschloffenen 102 Mitglieder des Centrums, zusammen etwa 150 Stimmen, bet denen noch dazu Die Parteien vollzählig in Ansatz gebracht sind. Nimmt man an, daß an dieser Vollzähligkeit durch nie zu vermeidende Absenzgründe bet der Abstimmung etwa 20 Stimmen fehlen, so bleiben etwa 130 Stimmen. Um diese bis zur Mehrheit zu verstärken, würde, abgesehen von den „Wilden", mehr als die Hälfte der National-Liberalen nöthtg sein, eine Bedingung, die wir nach der Lage der Umstände für ausgeschlossen halten müffen." — Der Kaiser hat aus Babelsberg, 9. Juni, folgenden Erlaß an den Reichskanzler gerichtet: Auf den Bericht vom 28. v. Mts. will Ich mit dem Ausdruck Meiner vollen Anerkennung und Meines besonderen Dankes für die Mir von Ange- hörigen der Reichspost- und Telegraphen-Verwaltung zu Meiner Goldenen Hochzeit kundgegebenen Theilnahme hiermit gern genehmigen, daß der auö diesem Anlaß gesammelte Betrag von 55,703 Jl. 75 H mit dem Vermögen der Kaiser Wilhflrn-Stiftung für die Angehörigen der Retchspost- und Tele- graphiN- Verwaltung vereinigt werde. Berlin, 13. Juni. Die vor etwa 14 Tagen von der „Germania" gebrachte und vielfach besprochene Mittbeilnng, daß Graf Wilhelm Bismarck die Berathung über die Petitionen betreffs Einführung der facultativen Civilehe zu einer Rede gegen die obligatorische Civilehe benutzen wolle, wird von der „Post" in zuverlässiger Weise als aus der Luft gegriffen bezeichnet; es fallen daher auch die allgemeinen Schlußfolgerungen, welche an jene Behauptung geknüpft worden sind. Obwohl spät erscheinend, wird diese Zurückweisung doch in solchen Kreisen, die weder ultramontaner noch protestantisch-orthodoxer Engherzigk-it znueigeu, willkommen geheißen werden. Berlin, 14. Juni. Reichstag. Fortsetzung der ersten Berathung des Gesetzentwurfes, betreffend die Verwaltung Elsaß-Lothringens. v- Puttkammer (Löwenberg) anerkannt die Mäßigung in der Rede des elsässischen Abgeordneten North, der gegenüber der Standpunkt Guerber's freilich zur Vorsicht mahne. Von dieser Vorsicht sei der Gesetzentwurf getragen. Redner sucht die einzelnen Einwendungen Guerber's zu entkräften; er bedauert indessen, daß dem Ministerpräsidenten kein besonderes Ressort zugewicsen und daß Cultus und Unterrichtsverwaltung getrennt seien. Windthorst erklärt sich mit der Tendenz der Vorlage, der Annäherung an eine constitutionelle Regierung, einverstanden, hat aber im Einzelnen Manches auszusetzen; die Stellung des Statthalters sei unklar, diejenige der Minister zu unselbstständig. Er anerkennt jedoch, daß den Reichslanden durch die Vorlage ein weites Vertrauen entgegengebracht werde. Die Elsaß-Lothringer möchten dies beherzigen und sich nicht ferner von den öffentlichen Geschäften fernhalten, v. Puttkammer (Fraustadt) rechtfertigt den Entwurf gegen verschiedene Ausstellungen Guerber's und Windthorst's. Nach einer kurzen Bemerkung des Unterstaatssecretärs Herzog wird die Discussion geschlossen; der Antrag auf Verweisung an eine Commission abgelehnt und die Vorlage zur zweiten Berathung gestellt. Es folgt hierauf die erste Berathung des Gesetzentwurfes, betreffend die Statistik des auswärtigen Waarenverkehrs. Klügmann erklärt sich gegen die Vorlage. Derselbe verkennt nicht den Nutzen der obligatorischen Anmeldung, spricht sich aber gegen die intendirte Controle und die besondere Gebühr aus und beantragt die Verweisung an eine Commission von 14 Mitgliedern, v. Mmnigerode befürwortet den Entwurf, wünscht aber gleichfalls die commiff arische Vorberathung. Stumm erklärt sich für die Vorlage. Minister Hofmann legt die Zweckmäßigkeit des Gesetzes dar und hebt hervor, daß die neuentstehenden erheblichen Kosten die Gebühr nothwendig machten, v. Schorlemer- Alst bemängelt die Vorlage in verschiedenen Punkten und verlangt gleichfalls die commissarische Vorberathung. Karsten verlangt dasselbe und plaidirt für die Herabsetzung der Gebührensätze. Bamberger besorgt verschiedene Unzuträglichkeiten und wünscht eine Ermäßigung der Sätze. Nach einigen Bemerkungen Mosle's wird der Entwurf an eine Commission von 14 Mitgliedern verwiesen. Nächste Sitzung Montag um 12 Uhr. Berlin, 14. Juni. Die Tarifcommisston nahm die Position Glas und Glaswaaren im Ganzen nach der Vorlage an, schied aber aus verschiedenen Nummern der Position einzelne Artikel aus, für welche der Zoll erheblich herabgemindert wurde. v. Bennigsen beantragte bet der zweiten Lesung vor den Finanzzöllen sämmtliche Schutzzölle durchzuberathen. Die Beschlußfaffung über diesen Antrag wurde bis zum Montag ausgesetzt, wo voraussichtlich die erste Lesung geschloffen wird. — Die Tabakssteuer-Commission lehnte einstimmig die Licenzsteuer ab. Die Wucher-Commission verwarf den Antrag Reichensperger's, betr. die civil- rechtlichen Bestimmungen gegen den Wucher. — Die Brausteuer-Commission beendete die erste Lesung des Gesetzes. — Die „Nordd. Allg. Ztg.", anknüpfend an ein Telegramm aus Rom, betr. den Glückwunsch des Papstes an den Kaiser, erklärt den von anderen Blättern gebrachten Zusatz, daß die Amnestirung von Geistlichen noch nicht möglich gewesen sei, für unrichtig und sagt, es sei absolut unwahr, daß die Amnestie auch für bestrafte Geistliche bevorgestanden habe und noch in letzter Stunde scheiterte. Im Gegentheil sei irgendwelche politische Erörterung von vornherein an die Maßregeln der Begnadigung nicht geknüpft gewesen. Dieselbe sei nie Gegenstand einer Besprechung des Staatsministeriums, vielmehr auf Grund der vom Kaiser geäußerten Wtllensmeinung lediglich Gegenstand geschäftlicher Behandlung im Ministerium des Innern und der Justiz gewesen. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet ferner: Auf Befehl des Kaisers von Rußland stiftete das russische Central-Comit6 unter dem rothen Kreuz eine Medaille, welche in weißer Emaille das rothe Kreuz, umgeben von einem silbernen Kranze, zeigt. Diese Auszeichnung ward 18 Mitgliedern des deutschen Central-Comitvs, welche eine besondere Thätigkeit während des jüngsten russisch-türkischen Krieges entfalteten, verliehen. Berlin, 14. Juni, Abends. Am Dienstag findet Sitzung des Bundes- rathes zur Beschlußfaffung über den Gütertarif-Gesetzentwurf statt. Stuttgart, 14. Juni. Der Ministerpräsident v. Mtttnacht ist nach Berlin gereist, um den Berathungen des Bundesraths beizuwohnen. Hesterreich. Wien, 14. Juni. Die „Polit. Corresp." meldet im Gegensätze zu den vor einigen Tagen verbreiteten Mittheilungen opposttioneller Blätter, daß Seitens der Vertretung des heiligen Stuhles dem Ministerium des Aeußern soeben von einer Depesche des Staatssecretärs Nina an den Nuntius Jacobiut Kenntniß gegeben wurde, welche einige Vorschläge in Betreff der Ordnung der hierarchischen Verhältnisse Bosniens und der Herzegowina anregt und der Würdigung der Regierung anheimgibt. — Die „Polit. Corresp." meldet aus Rom. daß bet der dortigen österreichischen Botschaft an dem italienischen Hofe über eine Berufung des Baron v. Haymerle nach Wien absolut nickts bekannt sei, dagegen sei es richtig, daß derselbe seinen Urlaub, wie alljährlich, im nächsten Monat antreten werde. — Aus Belgrad wird der „Poltt. Corresp " (. meldet, daß Fürst Dondukoff-Korsakoff nach der Uebernahme der Districte von Breznik und Tru als Ueberbringer eines Schreibens des Kaisers von Rußland an den Fürsten Milan in Ntsch etngetroffen sei. — Sermet Pascha e>klärte Ristic, die Pforte sei nicht in der Lage, mit Serbien eine Consular- Convention abzuschUeßen. Serbien verweigerte demzufolge zur Errichtung eines türkischen General-Consulats in Ntsch seine definitive Zustimmung geben. — Die „Poltt. Corresp." meldet aus Athen: Der französische Geschäftsträger hat die griechische Regierung benachrichtigt, seine Regierung sei entschlossen, bei den bevorstehenden Verhandlungen über die griechische Grenz- frrge von dem 13. Protokoll des Berliner Vertrages nicht abzugehen. — Photiades Bey kehrt nach Kreta zurück, ohne die Genehmigung der Beschlüsie der kretenstschen Nationalversammlung Seitens des Sultans mitzubrtnqen. Pesth, 14. Juni. Unterhaus. Der Ministerpräsident überreichte ein küntgl. Rescript, welches den Reichstag schließt und denselben gleichzeitig für den 2. October einberuft. Dänemark. Kopenhagen, 14. Juni. Die Reichstags-Session ist heute geschloffen. Irankreich. Paris, 13. Juni. Die letzten Nachrichten aus Algerien melden, daß die Aufständischen umzingelt seien und man alle Aussicht habe, dem Aufstand ein schnelles Ende zu machen. Die Niederlage, welche die Aufständischen bei Batna, 900 Mann stark (800 Mann Fußvolk und 100 Reiter) erlitten und bei der sie 70 Todte und 80 Verwundete hatten, haben die benachbarten Stämme von der Betheiligung am Aufstand abgeschreckt. Ein Theil der Aufständischen soll die Absicht gehabt haben, nach Tunis überzutreten, doch wurde dies durch den Vormarsch der französischen Truppen verhindert. In El Hammah, einem Dorfe, das 20 Stunden von Batna liegt, haben die Aufständischen sich stark verschanzt. Paris, 14. Juni. Im Senat unterstützt der Ministerpräsident Waddington den Entwurf wegen Rückkehr der Kammern nach Paris und die Berufung eines Congriffes für bie Diskussion bezüglich Abänderung des bez. Verfassungsartikels, welcher den Sitz der Kammern in Versailles vorschretbt. Waddington sagt, die Regierung stehe für Aufrechterhaltung der Ordnung em; er constatirr die eingetretene Beruhigung der Gemüther und das kluge Verhalten der französischen Demokratie während der Krise des Jahres 1877, welche das Vertrauen der Regierung verdienten. (Beifall). Der Finanzminister L6on Say tritt den Einwendungen entgegen, wonach Gefahren hätten entstehen können aus dem Verhalten des Municipalcaths von Parts und erklärt, die Regierung werde den Gesetzen Achtung verschaffen. Laboulaye bekämpft den Entwurf. Freycinet, Minister der öffentlichen Arbeiten, sagt, nicht für die Rückkehr der Kammern nach Parts stimmen hieße, kein Vertrauen zur Regierung haben. Jules Simon unterstützt die Vorlage. Audiffret-Pasquier bekämpft dieselbe; , r bittet den Senat, die errungenen Frelheiten nicht den Leidenschaften von 6aris auszusetzen. In der Abstimmung wurde mit 153 gegen 133 Stimmen beschlossen, in die Specialberatdung einzutreten und sodann der einzige Artikel der Vorlage mit 149 gegen 130 Stimmen angenommen. England. London, 14. Juni. Der englische Botschafter Layard meldete am 14. Mai auf eine Anfrage Lord Salisbury's, daß Karatheodory Pascha und er Großvezir das Bestehen eines russisch-türkischen Abkommens, wonach die Entsendung türkischer Truppen an die Balkangrenze nicht stattfinden solle, in Abrede stellten. London, 14. Juni. Graf Schuwaloff wird in etwa 14 Tagen zum Kurgebrauche nach Wildbad und von dort nach Petersburg gehen- London, 14. Juni, Abends. Der litnrarische Congrcß wählte den Prinzen von Wales, Beaconsfield, Gladstone, Hallberger. Cotta, Heyse, Jokcu uud Longsellow in das Ehren-Comit^ und bestimmte Lissabon zum näd?- fien Congreßort. Italien. Nom, 14. Juni. Die Kammer genehmigte nach mehrtägiger Debatte mit 185 gegen 115 Stimmen die Regierungsvorlage, wodurch der Stadt Florenz eine Entschädigung von 49 Mill. Lire zugesprochen wird. Türkei. Konstantinopel, 13. Juni. Mahmud Nedin Pascha erhielt die Erlaubnis noch Konstantinopel zurückzukehren, und soll bereits abgereist sein. Fuad klagte Osman Pascha beim Sultan an, von Rußland und dem Khedive von Aegypten große durch Geldsummen bestochen zu sein. Ein zweiter hober Würdenträger der Pforte bestätigte diese Anklage. Eine Untersuchung soll sofort eingeleitet werden. ______ Telegraphische Depeschen. Wagner'6 telegr. Torrespoudenz-Vureirt. Stettin, 15. Juni. Kurz vor Abgang des Dampfers „Orpheus" x oh tjur nach Königsberg explodtrte heute früh der Keffel dlffeiben; bis jetzt sind 10 Todte ermittelt. Petersburg, 15. Juni. Der „Regierungsbote" mildet: Die Un- Ersuchung gegen den Staatsverbrecher Solowjeff ergab, daß derselbe in Ver- k hr mit einem Friedensrichter des Samara'schen Gertchtskreises stand, was oucb durch Haussuchung bei Letzterem bestätigt ward, wobei verbotene Bücher und compromittirende Correspondenzen gefunden wurden. Bukarest, 15. Juni. Das Regierungsorgan „Rvmanul" fordert die Kammern auf, die Frage der Juden Emanctpation nunmehr möglichst rasch zu erledigen, um die politische Situation des Landes zu consolidiren, da jede Zögerung die Schwierigkeiten vergrößern würde. Berlin, 15. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Der Protesterklärung der deutschen Regierung gegen die einseitig erlaffenen Finanzdecrete des Kbedive haben sich nunmebr sämmtliche Großmächte mit alleiniger Ausnahme Italiens angeschloffen. Wie daffelbe Blatt ferner erfährt, traf auch bereits die Melcung ein, drß der Viceköuig sich dem Proteste gefügt hat und demnächst die Zustimmung der Mächte zur Herstellung eines allgemeinen rechtsverbindlichen Actes für die Ordnung der egytischen Finanzverhältniffe nach- suchen wird. Paris, 15. Juni. Heute hielt dec Minister Lepöre anläßlich des Regioual-Co, cuises zu Poitiers eine Rede, welche gänzlich dem Ackerbauwese» gewidmet wir und worin er sagte, daß die Ackerbaukrifis nicht zu fürchten sei und die Hoffnung ausdrückre, daß die Thaten der Regierung alle loyalen Gegner für die republikanische Nation gewinnen würden. Potsdam, 15. Juni. Heute Nachmittag 11/2 Uhr fand im neuen Palais die Tmfe des Erbprinzen von Meiningen statt. Die Majestäten, das kronprinzliche Paar und die übrigen Mitglieder des königlichen Hauses, der Herzog von Edinburgh und die G:oßh. Badischen Herrschaften wohnten der Feierlichkeit bei. Die Prinzessin erhielt die Namen Feodora Victoria Augusta Marianne Marie. Lokales. Gießen, 16. Juni In Hinblick auf die Un-uträglichkeiten, zu welchen die Versendung von Spirituosen, fluffigem Lack und Firniß in nicht besonders verpackten Blechgefäßen geführt hat, namentlich auf die Gefahr, welche bei Beschädigung derartiger Sendungen in Betracht der Feuergefährlichkeit der genannten Flüssigkeiten auch für andere Postsendungen, ganze Postladungen, Postwagen, Niederlageräume u. s. w. eintritt, sollen laut einer am 4. d. M. ergangenen Verfügung des Generalpostamts nicht besonders verpackte Blechgefäße mit Spirituosen, flüssigem Lack und Firniß von der Postbeförderung fortan ausgeschloflen sein. Nur wenn die Bleckgefäße mit Flüssigkeiten der bezeichneten Art noch in haltbare Kübel, Kisten oder Körbe fest verpackt sind, bleibt deren Versendung mit der Post bis auf Weiteres gestattet. — Eine andere vom 6. d. datirie Verfügung derselben Behörde bestimmt, daß Postsendungen an Schüler ohne namentliche Bezeichnung derselben auch dann als unbestellbar zu erachten sind, wenn jenen Adresien eine unbestimmte Hilfsadrrsse beigefügt ist. Die Postaw stalten haben die eben bezeichneten Sendungen nicht erst nach dem Bestimmungsorte zu senden, sondern, so weit thunlich, an den Einlirferer zurück zu geben. Gießen, 16. Juni. Obgleich die Kehrichtabfuhr in unserer Stadt bereits über ein halbes Jahr besteht, scheint darüber was unter Hauskehricht zu verstehen ist, nock bedeutender Zweifel zu bestehen indem die Hausbesitzer annehmen, daß die in jeder Haushaltung leider zu viel entstehenden Scherben, zerbrochene Teller, Flaschen k. welche seither unbeanstandet mitgenommen wurden, auch hinzugebören, während neuerdings einzelne Fuhrleute der Meinung sind, diese gehören nicht dazu und entweder solche Scherben zurückwerfen oder einfach die betr. Kasten stehen lasten. Eine Aufklärung hierüber wäre daher gewiß am Platze. Ein weiterer Mißstano bei dem jetzigen System ist das längere Liegen des Straßenkerichts, der kaum zusammengekehrt, wieder auseinandergefahren wird, in den bei dunklen Winterabenden mancher hineinpatscht und sich gründlich beschmutzt. Dieser Mißstand wäre nun bei gutem Willen der Hausbesitzer leicht zu beseitigen, wenn man diesen Kehricht ebenfalls sofort in Kistchen ober sonstige Gefäße schöpfen und auf Seite stellen lasten wollte, es würde dadurch viel größere Reinlichkeit der Straße erzeugt und die Abfuhr würde viel rascher geschehen- —■ — Gestern Morgen ließ sich in Wieseck eine Zigeunerin ein Geldstück wechseln und verlangte dabet lauter Münzen, welche eine grade Jahreszahl tragen. Die aefällige Ladeninhaberin suchte und suckte nack solchen, kramte die Kaffe aus und als sie aufschaute war daS Weib und mit ihr ein 20= sowie ein 10 Markstück versckwunden. Sofort angestellte Nachforschungen nach der Diebin hatten keinen Erfolg. Es möge dieser Fall zur Warnung dienen. — Einem Italiener wurden von einem Landsmann ein Betrag von 30 Fres. entwendet, welchen der erstere in die Hosen eingenaht hatte. Der Dieb wurde hier festgenommen. Vermischtes. — (Höflichkeit ist eine Zier.) Es ist in Soldatenkreisen ja allbekannt, daß fast alle militärischen Signale ihre entsprechenden Texte haben So fragte ein Vorgesetzter eines Morgens einen Rekruten, wie der Text der eben geblasenen Neveille laute. Dieser weiß es aber nickt und jener gibt ibm die Aufklärung in folgender Weise - „Hast Du sanier Kerl denn noch nicht lang genug geschlafen?" ,,Also wie heißt es?" wird der Rekrut abermals gefragt. Der Rekrut antwortete höflich: „Haben Sie fauler Kerl u s. w." „Nanu," ruft der Vorgesetzte, „ich habe nicht Sie, sondern Du gesagt." — „Ja, ich kann doch zu dem Herrn Lieutenant nicht Du sagen!" — (Richtig aber warum?) Offieier: „Was hot der Soldat zu beobachten, wenn er mit der Eisenbahn durck einen Tunnel fährt?" — Soldat: , Er darf den Kopf nicht zum Fenster hinausstecken." — Offieier: „Richtig, aber warum darf er es nicht thun?" — Soldat: „Damit der Tusinel nickt beschädigt wird " ® log alt, 4 Juni. Ein entsetzliches Unglück hat sich am zweiten Feiertage, Abend- 6 Uhr, auf der Oder dicht an der Brücke ereignet. Drei Kinder des Kaufmanns Kionka, ein Sohn von 19, eine Tochter von 17 und eine Tockter von 16 Jahren, so wie der 18jährige Sohn des Kaufmanns Walter hatten bei der Gerberei einen Kabn bestiegen. Leider war die Segelstange nicht umgelegt worden; sie war die Veranlaffung des Unglücks. Beim Aufzug der Oderbrücke konnte in Folge des Hochwassers der Kahn nicht durchkommen, die Segelstange stieß an den Aufzug an, der Kahn erhielt einen gewaltigen Ruck und stürzte um. Ertrunken sind der 19jährige Sohn und die 16jährige Tockter des Kaufmanns Kionka und der 35jährige Werkführer Vogt, Vater von 5 Kindern. Alle verfügbaren Kähne wurden in Bewegung gesetzt, um die Ertrunkenen aufzufinden, doch bisher vergeblich. — Sein hundertjähriges Jubiläum bat kürzlick der folgende Beschluß gefeiert, der vom Rath in Frankfurt a. M. am 28. Mai 1779 gefaßt wurde und wörtlich lautet: „Resolutu* coram Deputatione ord. Brachte der ältere Herr Bürgermeister mündlich vor, was maßen in letzter Leipziger Meffe von dem Gotthelff Ephraim Lessing ein Dram« unter dem Titel: „Der weise Nathan" erschienen seye, welches den seandaleusesten Inhalt in Rücksicht der Religion enthielte, weßhalben Er anheim stellen wolte, was gegen dieses verdächtige Buck vorzunehmen seye. Cemmittatur dem älteren Herrn Bürgermeister, sogleick bei allen hiesigen Buchhändlern berumzuschicken und dieses Drama nachdruckiamst zu verbiethen." Ausgeführt 28. Mai 1779 laut beigefüaten Berichts des Kanzlisten Heinrich Bernard Beilermann. Handel und Verkehr. Frankfurt, 14. Juni. (Marktbericht. 1 Butter im Großen 1. Qual. JL. 0,90 2. Qual. sagt die Exped. d. Bl Zur Nachricht meiner geehrten Kunden und einem verehr!. Publikum, daß ich vom Heutigen 4O°/o billiger arbeite, wie seither. 4066) Achtungsvoll W. Müller, Schuhmachermstr. 4051) Für einen""Jungen vom Lande wird ein tüchtiger Schuhmachermeister ge- sucht. Adresse in der Exped. d. Bl. Warnung. ~ 4070) Ich warne hiermit Jedermann, auf meinen Namen etwas zu borgen, indem ich für nichts hafte. Großen-Buseck, im Juni 1879. Konrad BonariuS 1. Wittwe. zu Michaelis ein tücht. in der Hausarbeit bewandertes Mädchen. Wilhelmstraße 18. 281) Getragene Kleider, Stiefel, altes Geld, Gold und Silber, Antiquitäten, Oel- gemälde, Zinn rc. kauft Ijouis Rothenberger, '861 6zcuum3)5 3607) Ein Dienstmädchen mit guten Zeugnissen wird gesucht Neue Anlage C. 31, tm dritten Stock. Die ?r?n u"^rer Wiese v lst zu verpachten. _3891)__Zinßer K Schmidt. 3964) Man sucht kaufm. Lehrstelle für einen jungen Mann mit Gymuasial- Vorkenntnissen. Anfragen sub 3964 an die Exped. d. Bl. 399o) Ein mittelgroßes Haus wird zu kaufen gesucht. Anzahlung 2500 JL Von wem? sagt die Exped. d. Bl. Restauration Zahnstein. Dienstag den 17. d. M. beginnt (4059 Großes Preiskegeln. Das Nähere auf der Kegelbahn. Siers Zu ladet ein W. Hofmann. ”^78) 2—3 unmöblirte Zimmer mit Bedlenung per l.Juli zu mietheu gesucht. Offerten mit Preisangabe unter H an die Exped. d. Bltts. Oberhessischer Verein für Localgeschichte Mittwoch den 18. Juni, Nachmittags 5 Uhr, in WENZEL’s GARTEN Generalversammlung. Tagesordnung: 1- Bericht über das abgklaufene Vereinsjahr 1878/79 2. Vortrag des Hrn. Hofgerichtsrath Dr. Stammler 3982) (der Bauernaufstand in Oberhesten im Herbste 1830) 3. Neuwahl des Ausschusses. V P UJ1 Evang. Kirchengesangverein. Wiederanfang der Proben: (4067 Donnerstag den 19. Juni, Abends 7 Uhr, in der alten Realschule. Der Vorstand. Turnverein Gießen. Mittwoch den 18. d. Mts., Abends präcis */29 Uhr: Generalversammlung bei Wirth Schnell. Tagesordnung: Fortsetzung der Berathung über Abänderung der _________________Statuten._____________________ (407& Geschäfts - Empfehlung. 3949) Einem geehrten Publikum von Gießen und Umgegend zur gefL Nachricht, daß ich von heute an in meinem Haus", Neuenweg Lit. B. 179, °m Drechsler- u. Stuhlmacher-Geschäft eröffnet habe. Unter Zusicherung schnellster und reeller Bedienung bitte um geneigten Zuspruch. Achtungsvoll ______________________J. Mauser. . Ilie urinier Bank übernimmt Werthjia pierc in offenem Zustande zur Verwahrung und Verwaltung unter den im Reglement festgesetzten Bedingungen. Sie besorgt hiernach: Die Abtrennung und Einziehung der Zins- und Dividende-Coupons, die Entgegennahme von Hypothekenzinsen; die Controlle über Ver- loosungen und den Jncaffo verlooster resp. zurückzahlbarer Papiere; den Bezug neuer Couponbogen oder definitiver Stücke; die Besorgung weiterer Einzahlungen und Ausübung von Bezugsrechten nach vorder eingeholtem Auftrage und Einzahlung der erforderlichen Geldbeträge; Überhaupt alle mit der Anlage und Ver- werthung von Capitalien verbundenen Manipulationen. Das Reglement, sowie die zur Deponirung erforderlichen Formulare, sind von der Bank unentgeldlich zu beziehen. Frankfurt a. M., im Juni 1879. Mil lion öer ^frankfurter Rank. P. P. Am 27. dss. findet in Wenzel's Garten dahier, Abends 8 Uhr präcis, eine Alte - Herren - Kneipe mit vorausgehendem einfachen Abendessen Statt, wozu das unterzeichnete Comite alle früheren Corpsstudenten freundlichst einladet. Anmeldungen bittet man bis spätestens den 24. dss. dem mit-" unterzeichneten Dr. Dettweiler zutommen zu lassen. Es wird gebeten in Couleur zu erscheinen. Gießen, den 9. Juni 1879. Bornemann, Landrichter. Lynker, Rentamtmann. Korn- meffer, Hofgerichtsrath. Muth, Hofgerichtsrath. Pistor^ Hofgerichtsrath. Dr. Boekmann, Provinzialdirektor. Hütern Oberförster. SÜffert, Steuercommissär. Dr. Glasor, Kreisarzt. Bramm, Bürgermeister. Weidig, Hofgerichtsadvokat. Zimmermann, Staatsanwalt. Jockel, Staatsanwalts-Substitut. Dr. Rabenau, Stabsarzt. Metz, Hofgerichtsadvokat. Joseph, Forstaccessist. Dr. Dettweiler, Gymnasiallehrer. Dr. Vogel, ________Assistenzarzt.__________________________________________________(3985 wmiiili i mn IHIHI m i———— 6oÖes=flnjeige. Gestern Nachmittag 3 verschied nach langem Leiden unsere liebe Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Juliane, Christian Friebel’s Wittwe, geb. Ockel, im 75. Lebensjahre. (4058 Um stille Theilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, am 16. Juni 1879. Die Beerdigung findet Dienstag den 17. d. M-, Nachmittag- 5 Uhr, statt. Verantwortliche Redaction: A. Schcyda. — Druck und Verlag der Brühl'sche» Univ.-Druckerei (Fr. Ehr. Nietsch) in Gießen.