srr. 136 Zwr-ites Blatt. Sonntag, den 15. Juni 187N Kießcner Myeiger AykiSk- Md Amtswtt str Ira Kreis Gieße«. «xpeditton-burcaur } Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». _!l ————— ........... " ■ ■ I WDI Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringerloh«. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher HheiL. Gießen, den 8. Juni 1879. Betreffend: Die Bildung der Schöffengerichte und der Schwurgerichte. Der Stadtrichter des Großherzoglichen Stadtgerichts Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Albach, Allendorf a. d. Lahn, Allendorf a. d. Lumda, Allertshausen, Alt- Buseck, Annerod, Bersrod, Beuern, Burkhardsfelden, Climbach, Daubringen, Garbenteich, Gießen, Groß-Buseck, Groß-Linden, Hausen, Heuchelheim, Klein-Linden, Lang-GönS, Leihgestern, Lollar, Mainzlar, Oppenrod, Reiskirchen, Rödgen, Ruttershausen, Staufenberg, Steinbach, Treis a. d. Lumda, Trohe, Watzenborn, Wieseck. In Gemäßheit der Verordnung vom 14. v. Mts. wollen Sie ein Verzeichniß aller in Ihren Gemeinden wohnhaften Personen aufstellen, welche zu dem Amte eines Schöffen oder Geschworenen berufen werden können. In dieses Verzeichniß, Urliste genannt, sind alle Deutsche männlichen Geschlechts aufzunehmen, welche das dreißigste Lebensjahr vollendet haben und zur Zeit der Aufstellung der Listen bereits volle zwei Jahre in Ihren Gemeinden ihren Wohnsitz haben, jedoch mit Ausnahme folgender Personen, welche nicht in der Liste aufzunehmen sind: 1) Diejenigen, welche rechtskräftig zu einer Zuchthausstrafe verurtheilt sind. 2) Diejenigen, welchen die bürgerlichen Ehrenrechte überhaupt oder die Fähigkeit zur Begleitung öffentlicher Aemter auf die Dauer einer Zeit rechtskräftig aberkannt sind, sofern diese Zeit noch nicht abgelaufen ist. 3) Diejenigen, welche wegen nachstehender Verbrechen oder Vergehen oder wegen Versuchs derselben zur Aburtheilung.vor das Schwurgericht oder das Bezirksstrafgericht verwiesen worden sind: Hochverrath, Landesterrath, qualificirter Aufruhr, qualificirter Auflauf, qualificirte Meuterei, qualificirter Landfriedensbruch, Thätlichkeit gegen ein Mitglied einer landesfürstlichen Familie, Sprengung eines Senats oder einer gesetzgebenden Versammlung, gewaltsame Hinderung eines Mitglieds eines Senates oder einer gesetzgebenden Versammlung sich an den Versammlungsort zu begeben oder zu stimmen, Wahlfälschung, Kauf einer Wahlstimme, Widerstand gegen einen Forst- oder Jagd-Beamten mit körperlicher Beschädigung, Münzfälschung, Verbreitung falschen Geldes oder verringerter Münzen, Meineid, wiffentliche Beeidigung eines falschen Zeugnisses oder Gutachtens, falsche Anschuldigung, Kindes- Unterschiebung oder Fälschung des Personenstandes in gewinnsüchtiger Absicht, Unzucht, Nothzucht, Doppelehe, wiffentliche Abschließung einer Doppelehe durch einen Religionsdiener oder Standesbeamten, Blutschande, Verleitung zum Beischlaf durch Vorspiegelung einer Ehe, Mord, Todtschlag, Kindesmord, Vergiftung, Aussetzung mit nachfolgendem Tode oder mit erheblichen Nachtheilen für die Gesundheit des Ausgesetzten, Körperverletzung mit nachfolgendem Tode, schwere Körperverletzung, vorsätzliche Zerstörung einer Wafferleitung mit nachfolgender schweren Körperverletzung, Diebstahl, Unterschlagung, unbefugte Wegnahme eines Leichnams, gewerbsmäßiger Wilddiebstahl, rechtswidrige Entziehung der eigenen beweglichen Sache, Raub, Menschenraub, Erpreffung, Hehlerei, qualificirte Sachbeschädigung, Betrug, Untreue, gewinnsüchtige Geschäfte mit Minderjährigen, Urkundenfälschung, gewerbsmäßiges Glücksspiel, betrüglicher Bankerutt von Kaufleuten oder Unterstützung desselben, Brandstiftung, vorsätzliche Ueberschwemmung mit Gefahr für das Leben oder mit gemeiner Gefahr für das Eigenthum Anderer, vorsätzliche Beschädigung von Eisenbahnen mit Gefahr für den Transport, Herbeiführung der Strandung eines Schiffes, vorsätzliche Zerstörung von Schifffahrts- zeichen, Brunnenvergiftung, Nichterfüllung von Lieferungsverträgen in Nothzeiten, Bestechung, wissentlich strafrechtliche Verfolgung Unschuldiger durch Beamte, vorsätzliche Vollstreckung nicht erkannter Strafen durch Beamte, vorsätzliche Nichtverfolgung strafbarer Handlungen durch Beamte, vorsätzliches Entweichenlassen eines Gefangenen durch einen Beamten, Rechtsbeugung durch einen Beamten, Benachtheiligung einer Partei durch ihren Rechtsbeistand im Einverständniß mit der Gegenpartei. 4) Personen, welche unter Curatel gestellt sind oder über deren Vermögen Concurs erkannt ist. 5) Personen, welche für sich oder ihre Familie Armen-Unterstützung aus öffentlichen Mitteln empfangen oder in den drei letzten Jahren, von Ausstellung der Liste zmückgerechnet, empfangen haben. 6) Personen, welche wegen geistiger oder körperlicher Gebrechen zu dem Amte nicht geeignet sind, also namentlich Geistesschwache, Taube, Stumme. 7) Dienstboten. 8) Staatsbeamte, welche auf Grund der Landesgesetze jederzeit einstweilig in den Ruhestand versetzt werden können. 9) Richterliche Beamte und Beamte der Staatsanwaltschaft. 10) Gerichtliche und polizeiliche Vollstreckungsbeamten (also auch Bürgermeister, Beigeordnete, Schutzmänner, Polizeidiener.) 11) Religionsdiener (Geistliche, Rabbiner). 12) Volksschullehrer. 13) Dem activen Heere oder der activen Marine angehörige Militärpersonen. 14) Kreisräthe und Provinzial-Directoren. 15) Die Vorsitzenden der Staatseisenbahn-Direction. Bei eintretenden Zweifeln werde ich auf mündliche oder schriftliche Anfragen Auskunft geben. Unmittelbar nach Aufstellung des Verzeichniffes (der Urliste) wollen Sie in Ihren Gemeinden durch Anschlägen und Ausschellen oder auf sonst ortsübliche Weise bekannt machen lassen, daß die Urliste für die Schöffen und Geschworenen eine Woche lang und zwar vom.....(das Datum ist anzugeben) — an bis einschließlich den.....ten Juli l. I. — (auch hier ist das Datum auszufüllen und der Endtermin ist so zu bestimmen, daß derselbe in den Anfang des Monats Juli fällt) — auf dem Rathhause (oder wo ein solches nicht besteht, in dem sonst zu bezeichnenden Gemeindelocale) zu Jedermanns Einsicht offen liege, und daß innerhalb jener Offenlegungsfrist Jedermann gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit des Verzeichniffes (der Urliste) schriftlich oder zu Protocoll des Bürgermeisters Einsprache erheben könne. Von den von Ihnen bestimmten Tagen an, wollen Sie die Urliste offen legen, Jedermann Einsicht gewähren und innerhalb der Offenlegungsfrist schriftliche Einsprachen annehmen, mündliche Einsprachen aber zu Protocoll nehmen. Nach Ablauf der Offenlegungsfrist, spätestens jedoch bis zum IS. Juli l. I. wollen Sie mir die aufgestellten Urlisten der Schöffen und Geschworenen einsenden und den Urlisten die schriftlich erhobenen Einsprachen und die von Ihnen errichteten Protocolle über, Einsprachen beilegen. Auch wollen Sie in einem Begleitberichte anführen, von welchem Tage an bis zu welchem einschließlich und wo die Urliste nach ortsüblicher Bekanntmachung offen gelegen Hai, und in den Begleitberichten sich unter Ansührung aller erheblichen Thatsachen über Grund oder Ungrund der erhobenen Einsprachep äußern. Sind Ihnen Gründe bekannt, aus welchen eine in die Urliste aufgenommene Person die Berufung zum Amte eines Schöffen oder Geschworenen ab lehn en kann, so wollen Sie diese Gründe im Begleitbericht ansühren. Solche Ablehnungsgründe haben: 1) Mitglieder einer deutschen gesetzgebenden Versammlung; 2) Personen, welche im letzten Geschäftsjahre die Verpflichtung eines Geschworenen erfüllt haben; 3) Aerzte; 4) Apotheker, welche keine Gehülfen haben; c u t. = ,DOa 5) Personen, welche das 65. Lebensjahr zur Zeit der Ausstellung der Urliste vollendet haben oder daffelbe bis zum Ende des Jahres 1880 vollenden würden. 6) Personen, welche glaubhaft machen, daß sie den mit der Ausübung des Amtes verbundenen Aufwand zu tragen nicht vermögen (also arme Personen). Endlich können Sie auch im Begleitberichte erwähnen, ob Sie gegen die Zulässigkeit einzelner in die Urliste aufgenommener Personen unbeseitigte Bedenken haben. r , , , Berichtigungen, welche nach Absendung der Urliste erforderlich werden, wollen Sie uns ohne Verzug zur Anzeige bringen. Ich empfehle Ihnen die heutige Verfügung aufzubewahren, da in den kommenden Jahren aus dieselbe Bezug genommen werden wird. Langsdorfs. Uolitisch Wochenübersicht. Die verstoßene Woche gehört der Weltgeschichte an! Das deutsche Volk hat den Tag der goldenen Hochzeit seines deutschen Kaiser- Paares gleich einem Nattonalfeste gefeiert- Es ist kein zufälliges Zusammentreffen, daß einzelne Berliner Blätter von einem Kaiser-, andere von einem Volksfeste sprechen, nicht nur unser Gefühl, sondern der Sprachgebrauch deutete damit an, daß Kaiser und Volk Eins find. Die Retchshauptstadt Berlin ist, wie stets, ihrer Verpflichtung eingedenk gewesen, der hohen Feier einen würdigen und glänzenden Ausdruck zu geben, aber auch im ganzen Reich hallte der Jubel des Festes wieder, wie dies aus Stadt und Land durch frohe Berichte bekundet wird- Vor Allem find jene Intentionen des Kaiserpaares glänzend erfüllt worden, welche dahin gingen, dem ernsten Tage durch ehrende Denkmale der Wohlthätigkeit ein dauerndes Gedächtniß zu stiften. Die vielen Millionäre im Reich hat ein einfacher Bürger von Nordhausen, I. C- Plaut, durch eine Gabe beschämt, welche in ihrer Großartigkeit an einen Peabody erinnert. Dieser echte Bürger hat allein dieselbe L>umme (300,000 ^.) für denselben Zweck bestimmt, die von der Retchshauptstadt bewilligt worden ist. Jedenfalls ergiebt aber die Summe der für wohlthatige Zwecke geschenkten Gelder im deutschen Reich eine enorme Ziffer, und so wird denn der 11. Juni 1879 für ewig erglänzen als ein Tag, der das Volk und die Geber ehrt und unendlich viel Gutes gestiftet hat. Gekrönt wurde der Tag durch em reiches Werk der Gnade des Kaisers, indem sich für einige hundert verirrte G müther die Gesängnißthore öffneten, um sie, erschüttert durch die allerhöchste M^de — hoffentlich gebessert — der goldenen Freiheit und dem bürgerlichen Berufe wiederzugeben. Der Kaiser, durch den jüngsten Unfall erheblicher geschädigt als man annahm, und die Kaiserin, in seltener Frische und Leutseligkeit, können mit froher Genugthuung aus das Werk der Nächstenliebe blicken, welches sie angeregt haben. Umgeben von der glücklichen Familie, von einer großen Anzahl fremder und deutscher Fürsten, von den höchsten Würdenträgern und von Deputationen aus allen Provinzen Preußens, von den Gesandten des Volkes, den schlichten Bürgern und Bauern, genoß das Jubelpaar die hohe Freude, sichtlich vor Augen zu haben, wie das ganze Volk in inniger Liebe und Treue den Tag feiert. Wohl befremdet es, daß die zugesagten kaiserlichen und fürstlichen Besuche aus dem Auslande zum Theil ausgeblieben waren, nur Rußland hatte zwei Großfürsten entsandt, wohl hatte man außer dem König von Sachsen und den regierenden Fürsten einiger Kleinstaaten noch auf manchen Besuch gerechnet, der ferne blieb, aber dies konnte eine Feier nicht beeinträchtigen, deren schönster Schmuck die Liebe des deutschen Volkes und seine glänzend bethäligte Opfer- willigkeit bleiben wird. Der Rerchstag hat seine Arbeiten am 9. d. wieder begonnen und sich zunächst mit der Novelle zur Gewerbeordnung beschäftigt, welche eine Verschärfung der Concesstonsbedingungen für Schank- und Gastwirthschaften be- znxckl. Der „Prov.-Corresp." zufolge hält die Reichsregterung nach wie vor an der Hoffnung fest, daß nicht nur die von ihr beabsichtigte Wirthschafts-, sondern auch die Ftnanzresorm gelingen werde: sie ist nämlrch überzeugt, daß die Bedenken, welche der Durchführung der letzteren von politischem Gesichts- punkten entgegenzustehen scheinen, in vertrauensvollem Entgegenkommen ihre Erledigung finden dürften. Ohne Zweifel rechnet sie — und zwar nicht mit Unrecht — darauf, daß ihr bei den bevorstehenden Verhandlungen über die finanzpolitischen Vorlagen, bei denen das Centrum in die alte Opposittons- stellung zurückzutreten gedenkt, die Unterstützung der nationalliberalen Partei unter Voraussetzung einer befriedigenden Erledigung der Frage der constitutio- r.ellen Garantien nicht fehlen darf. Die preußische Regierung hat die Einführung der Robe als Amtskleidung der Richter und Anwälte beschloßen. Die Beschlüße der m München stattgehabten Delegirten-Conferenz der deutschen Gewerbekammern, welche sich u. A. für freiwillige Bildung von Innungen, für Einführung obligatorischer Lehrlingsprüsungen und Arbeitsbücher, für Beschränkung der Schankconcessionen, aber gegen die Beschränkung der allgemeinen Wechselfähtgkeit aussprachen, haben in competenten Kreisen volle Zustimmung gesunden. Heber den Stand der Dinge zwischen Berlin und Rom meldete vor einigen Tagen die „Weser-Ztg.", es seien neuerdings Seitens der Curie posi- live Vorschläge zur Beilegung des kirchlichen Confllcts in Berlin eingetroffen. Von wohlunterrichteter Seite wird diese Nachricht indeß m Abrede gestellt. Die „Germania" versichert, eine baldige Beilegung des Kampfes stehe jedenfalls nicht in Aussicht. In der katholischen Bevölkerung sei man längst zur Ueberzeugung gelangt, daß die friedensseligen Versicherungen der officiösen Preße nicht ernsthaft zu nehmen seien, und wenn man noch daran zweifeln wollte, so würden die Thaten der Regierung selbst sehr sanguinische Naturen ernüchtern. Noch vor Kurzem habe ein dem Reichskanzler sehr nahe stehender Reichsbeamter geäußert, jener denke nicht daran, der katholischen Kirche irgendwie nachzugeben. Ohne Nachgiebigkeit des Staates in gewissen Punkten sei aber — das begreife jedes katholische Kind — ein Friede schlechterdings unmöglich! Was über die Stimmung im Vatican verlautet, ist ebensowenig geeignet, die Annahme zu rechtfertigen, daß von dort Vorschläge komme» würden, welche eine annehmbare Grundlage für Verhandlungen bieten könnten. In Rom meint man nämlich, Fürst Bismarck werde sich, da er die Unterstützung des Centrums zur Durchführung seiner finanziellen Pläne notowendig brauche, gezwungen sehen, deffe» Stimmen um jeden Preis zu erkaufen und den Frieden mit Rom ohne wesentliche Concessionen Seitens cer Curie abrn- schließen. Bei einer solchen Verkennung der wirklichen Sachlage braucht man sich gewiß keiner Besorgniß um einen „faulen" Frieden hinzugeben. Wie rief die Hoffnungen der Ultramontanen selbst aus einen Umschwung der Dinge von oben her gesunken sind, geht u. A. aus der Thatsache hervor, daß die Geistlichkeit der Diöcesen Münster und Paderborn eine Commission gewählt hat, um Vorschläge zu einer „Selbsthülfe" zu beratben. Der Schweizer Bundesratb hat, dem Beispiel der deutschen Regierung folgend, bei der Bundesversammlung Finanzzölle aus Tabak, Petroleum, Kaffee, Thee und Gewürze beantragt. Oesterreich verlor in dem früheren Minister Dr. Giskra einen seiner hervorragendsten liberalen Partetsührer, Gras Andraffy, einen der gefährlichsten Gegner seiner Orientpolitik. er Hheit. Die Folgen des neuen deutschen Zollgesetzes für Rußland werden noch immer eifrig von der russischen Preße besprochen. Man glaubt dort allgemein, daß dem Gesetze der Gedanke zu Grunde gelegen habe, Rußland zu zwingen, seine Grenzen der Emfuhr deutscher Fabrikate zu öffnen. Ob diese Hoffnung eine begründete ist. oder ob darin nur ein Manöver zn sehen ist, mit welchem der Kanzler die Opposition zum Schweigen bringen will, das kann erst die Zukunft lehren, denn natürlich hängt Alles davon ab, wie die deutsche Regierung Rußland gegenüber ihre Kampfzölle benutzen wird. Der Hochverräther Solowjeff, welcher den Mordversuch auf Kaiser Alexander gemacht hatte, wurde zum Tode durch den Strang verurtheilt und einige Tage nachher wirklich gehängt. Während ein Depeschenwechsel zwischen Jakub Khan und dem Vicekönig von Indien das neue Freundschasksverhältniß zwischen England und Afghanistan in ein befriedigendes Licht stellt, sind die Aussichten auf eine baldige Beendigung des Krieges im Caplande noch immer schwach: Cetewayo hatte zwar den Wunsch nach Friedensunterhandlungen ausgesprochen, der englische Gesandte, der sich in Folge deßen zu ihm begab, mußte indeß unverrichteter Sache zurückkehren. Deutschland hat wegen Zerstörung der Misstonsstation Saron und wegen Mißhandlung des deutschen Missionars Brune durch englische Soldaten ernste Reklamationen in London erhoben. Die Ermächtigung zur Verfolgung Cassagnac's, welche die französische Deputtrtenkammer mit großer Majorität ertheilt hat, steht zwar in ziemlich schroffem Widerspruch mir der polirischen Toleranz, welche die Republik neuerdings durch die Begnadigung der Communards und die Fret- laßung Blanqui's bekundigt hat, aber andererseits m»ß man gestehen, daß es dieser bonaparlistische Raufbold doch etwas zu arg getrieben hat. Zu den sich Tag für Tag wiederhol'llden Schmähungen der Regierung in seinem Blttre „Pays" gesellte sich in der Kammer das Bestreben, diese gesetzgebende Körperschaft durch tumultuarische Scenen zu discreditiren. Schließlich han- bdte es sich, nachdem andere Parteiblätter bestraft worden waren, um eine Frage der Gerechtigkeit. Man konnte für Cißagnac schwerlich ein Privilegium gemeiner Verleumdungen dulden, weil er Mitglied der Kam ner war. Die Regierung wünschte ein Kammerootum, um ihre Stellung Den Preßdeltctea präcisirt zu erhalten. In der Genehmigung zur Verfolgung Caßagnac's sieht sie die Aufforderung, die bestehenden Gesetze gleichmäßig gegen Alle anzuwenden. Aus Spanien wird eine große freihändlerische Demonstration gemeldet. Das Volk dort thäte bester, sich nicht um Theorien zu streiten, sondern fleißig an der Hebung seines nationalen Wohlstandes zu arbeiten. Die blutigen Confltcte in dem Sandschak von Novibazar sind von Bedeutung. Einmal zeigen sie, daß der Berliner Vertrag keineswegs ausreicht, überall ,,da unten" auch nur für kurze Zeit Ruhe zu schaffen, zum andern ist eine Wiederholung der Greuel nicht ausgeschlossen. Die Albanstea organisiren sich wieder als Insurgenten und es stehen wahrscheinlich neue Gefechte bevor. Dieses Bergvolk will weder zur Türkei, noch zu Griechenland gehören; es wird also, da man seine Unabhängigkeit nicht refpectiren wird, schließlich zwischen zwei Feuer gerathen. Die diplomatische Action Deutschlands gegen Egypten erfreut sich der Zustimmung aller Mächte. Nachdem Oesterreich, England und Frankreich d'.e Berechtigung des Protestes gegen die Verletzung der internationalen Conventionen anerkannt und sich ihm angeschlossen hatten, ist nunmehr auch Rußland nachgefolgt. Die Repiäsentantenkammer der Vereinigten Staaten hat sich auf 8 Tage vertagt/ nachdem sie abgelehnt hatte, in die Berathung der Silberbill ewzutreten. Verwischtes. Neu-Isenburg, 5. Juni. Mit freudestrahlenden Phisiognomien kehrten vorgestern unsere Jagdherren von ihrem Treiben zurück, denn sie hatten das Glück, einen Rchbock zu erlegen. Das im Geiste schon so lange ausgemaltc Rehbockeßen konnte nun endlich abgehalten werden. Alles wurde vorbereitet, der Rchbock ausgenommen und bei dem Metzger, dessen Lokal für tue Abhaltung des langersehnten Schmauses auserkoren war, während der Nacht aufbewahrt. Doch welch' ein entsetzlicher Schrecken durchzuckte am nächsten Morgen den ganzen Kreis der Gourmands — der Rehbock war fort — alle Gesichter verblaßten, sofort wurde das ganze Dorf in Allarm gesetzt und zu vielen Hausuntersuchungen geschritten Allein Alles war vergeblich, der Rehbock war fort. Heute früh nun fand man ihn im Felde liegen; der Spaßvogel, der die Beute fortschlcppte, machte sich noch das Vergnügen, folgendes Berschen dazu zu legen: „Der Rchbock ist gefunden, er ist jetzt wieder da, er war ja nicht gestohlen, er war bet seiner Fraa." Für die Jagdherrcn war der Spaß einmal verpfuscht und sie zogen es deshalb vor, das projectirte Mahl nicht abzuhalten. Echternack, 3. Juni Das widerliche Schauspiel, welches sich alljährlich am Psingst- dienstag hier unter den Namen „Springprocession" wiederholt, war heute durchaus nicht vom Wetter begünstigt. Trotzdem blieb di? Betheiligung an der Procession so wie der Zufluß auswärtiger Zuschauer nickt hinter den Vorjahren zurück. Unter strömendem Regen sprangen sick 7-—80U0 Mensch in den Sckweiß hinein, um sich dann auf den naßen Rasen hinzulegen und ihr mitgebrachtes Mahl zu verzehren oder sich auf den Carousiells und an den Ausschreiern der zahlreichen Verkaufsbuden zu ergötzen. Man versteht eben, zu Ehren des heiligen Willibord das Angenehme mit dem Verrückten zu verbinden. Die Geistlichen, die sonst die Procession in Stärke von 30-40 Mann, aber wohlweißlick im gewöhnlichen Schritt, zu begleiten pflegen, hatten heute bei dem Regen vorgezogen, zu Hause zu bleiben. Nur in der Kirche, dem Endpunkt der Procession, waren einige anwesend- (S-- u. M.-Z.) — Ein Verbrechen, welches sehr lebhaft an die Emordung des Geldbriefträgers in Wien durch den später dafür Hingerichteten Francesconi erinnert, hat ganz Rom in Aufregung versetzt. Am 3. Juni Nachmittags kam in das Wechsetgeschäft von Eorbucci ein junger Mann und vereinbarte die Bedingungen für den Verkauf von flehen im Betrage von 3« 00fr Er ersuchte den Banquier, die flehen aus seiner Wohnung durch einen Commis, dem gleich das Geld mitqegeben werden könnte, abholen zu laßen und gab als seinen Namen Odoardo Novaro, als seine Wohnung das vierte Stockwerk eines Hauses der Straße de la Stamperia an. Bald darauf begab sich Gaudenzio Jonio, der Commis des Bankhauses, mit 3000 fr. nach der bezeichneten Wohnung. Er fand Novaro zu Hause, der ihn fragte, ob er das Geld bei sich habe, bann die Thür öffnete, um sich zu überzeugen, ob auch Niemand in ver Nähe sei und dann wieder zu Jonio zurücktrat. In dem Augenblicke, wo der letztere das Geld aus der Tasche nahm, zog jedock Novaro einen Dolch und stieß ihn dem Unglücklicken zweimal mit großer Heftigkeit in den Rücken. Trotz der fürchterlichen Verwundung behielt Jonio Geistesgegenwart und Kraft, sich zur Wehr zu setzen Ja, er biß in seiner Todesangst Den Mörder so verzweifelt in die Hand, daß der letztere laut aufschreiend zum Zimmer hinausstürzte. Jonio folgte, ihm, verlor aber auf der Treppe die Besinnung. Man hofft, ihn am Leben erhalten zu können, obwohl er sehr bedenklich verwundet ist. Die genaue Beschreibung des Thäters, welcher den besseren Ständen anzugehören sckeint, ist vorhanden. Man hofft, seiner habhaft werden zu können, da die Verwundung an seiner Hand so schwer sein muß, daß er ohne ärztliche Hilfe nicht gesunden kann. Jonio sagt, er hörte die Knochen in der Hand knacken als er zubiß, und in der That hat man die Blutspuren drei Straßen weit bis an eine Fontäne verfolgen können, wo der Derbrecker sich in Gegenwart einer Anzahl Frauen die Hand wusch und kühlte. Das Geld hat der Räuber nicht erlangt. Allgemeiner Anzeiger. 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Bl.______________ 3844) Eine freundliche Familienwohnung im Gartfeld, bestehend aus 3 Zimmern nebst Zubehör, ist an eine ruhige Familie zu vermiethen und gleich beziehbar. Mo? sagt die Exped. d. Bl.___________ 3714) In meinem neu erbauten Hause im hinteren Gartfeld sind mehrere kleine und größere Familienlogis mit abgeschlossenem Corridor und allen Bequemlichkeiten zu vermiethen und alsbald beziehbar^_______________W. Sculing. 3631) Zimmer und Cabinet mit oder ohne Möbel zu vermiethen. ________________________Gartfeld 1146/i0. 3624) Ein schönes möblirtes Zimmer, parterre, in bester Lage, auch zum Comptoir geeignet,aus Wuns ch mit geräumigemAußen- keller, weist die Exped. d. Bl. nach. 3551) In meinem Hause im Gartfeld ist der erste Stock mit 6 Zimmern nebst Zubehör pr. 1. Juli zu vermiethen. __________________I Bernhardt. 3214) Ein Familienlogis per 1. Juli zu vermiethen bei ______Uhrmacher Böger, Seltersweg.__ 3212) Ein Logis, bestehend aus 3 Zimmern, 2 (Kabinetten, Küche und nöthigem Kellerraum, mit Wasserleitung per sofort zu vermiethen im ehemals Thorn'schen Hause.__Frankfurter Straße. Der seither von Herrn Dr. Weiffenbach bewohnte untere Stock meines Dauses, Alicenstraße 1025/w, bestehend aus 6 Zimmern und Zubehör, ist vom 1. Juli an zu vermiethen. (2988 ___________________Dr. Th. Tasche. 2737) Ein möblirtes Zimmer zu ver- miethen im Frankfurter Hof. 2006) 5 ,3immer, Küche rc. im 1. Stocke, gleich beziehbar, zu vermiethen. _________________F. Zöller, Neustadt. 3916) 2 größere Familienlogis, das eine 6 das andere 5 Zimmer (auf Wunsch auch eines getrennt,) sind zu vermiethen und gleich zu beziehen. _______________Wilh. Krämer. Gartfeld Vit. A. Ur. 118,6 ist die Parterre - Wohnung, bestehend in 5 heizbaren Zimmern, 2 Kammern u. s. w , sowie Gartenantheil, zu vermiethen und 1. Oktbr. beziehbar. (3917) Böger. 3961) Die unteren Lokalitäten nebst 4 Stuben m den oberen Gelassen im Doflei n'schen Hause sind zu vermiethen und gleich zu beziehen. Or. Dix, am Neuenweger Thor. 3717) Asterweg Lit. A. Nr. 124 ist der dritte Stock, bestehend in 5—6 Piecen, Küche, Keller u. s. w., zu vermiethen und kann Anfangs September I. I. bezogen werden. Ausstellung Landes des Grossherzogthums Hessen in Offenbach am Main unter dem Protectorat Seiner K. Hoheit des Grossherzogs. 3850) Eröffnung am T. Juli 1879. Ä. BAI» WILDUNGEN. ä bei Cassel bis 10. Octb Gegen' Stein, Gries, Nieren- und Blasenleiden, Bleichsucht, Blutarmuth, Hysterie rc- sind seit Jahrhunderten als specifische Mittel bekannt: Georg-Victor Quelle und Helenen- Quelle. Wohnungen im Badelogirhause u. Europäischen Hofe. — Bäder. — Bestellungen von Wasser oder Wohnungen, Anfragen rc. erledigt: 2456) Die Inspection der Wildunger Mineralquellen-Actien-Gesellschaft. Geschäfts - Empfehlung. 3949) Einem geehrten Publikum von Gießen und Umgegend zur gefl. Nachricht, daß ich von heute an in meinem Hause, Neuenweg Lit. B. 179, ein Drechsler- u. Stuhlnrucher-Geschäft eröffnet habe. Unter Zusicherung schnellster und reeller Bedienung bitte um geneigten Zuspruch. Achtungsvoll J. Siäuser. 4000) Mein Fleischwanren Geschäft im Kümmel- schen Hause in SSieferf ist von heute an täglich von Morgens 9 —11 Uhr, Samstags auch Nachmittags, geöffnet. ___________C. B. Texter. Miseckerlhal. 3875) Die Wirtschaft zur liarhEust Gross-Uwseck hält sich einem verehrlichen Publikum bestens empfohlen. Neben verschiedenen kalten Speisen ein vorzügliches Glas Heß, aufmerksame Bedienung, billige Preise, vergrößerte Localitäten für Gesellschaften, Kegelbahn im Garten. Carl Schwalb. Geschäfts - Eröffnung. 3939) Einem geehrten hiesigen und auswärtigen Publikum die ergebene Anzeige, daß ich in dem Hause des Herrn Bäcker Löber, Wallthor- straste, ein Kappengeschäft eröffnet habe. — Reelle Bedienung und billige Preise zusichernd zeichnet hochachtungsvoll Theodor Schmidt. Geschästs Empfehlung. Einem geehrten Publikum von (Ziehen zur gefl. Nachricht, daß ich von heute an im Hause des Herrn Loth, Flügelsgasse A. 87, ein Schreiner-Geschäft eröffnet habe. Unter Zusicherung guter und solider Arbeit halte ich mich bestens empfohlen; ferner empfehle ich mich noch im Weißpoliren von Spritz- malerei'Arbeiten. Achtungsvoll Kari Köhler. NB. Bestellungen können auch im Hause des Herrn Metzger B. S ch m id t, Mäusburg, abgegeben werden. (3991 I Varme Beider halte bestens empfohlen (1466) Andreas Guter. 2318) Der 2. Stock meines Hauses ist zu vermiethen und am 1. Juli d. I. be- ziehbar. S Katzenstein, Seltersberg. vermischte Anzeigen. 3978) 2—3 unmoblirte Zimmer mit Bedienung per 1. Juli zu miethen gesucht. Offerten mit Preisangabe unter H. an die Exped d. Bltts.__ 3988) Ein braves Mädchen, mit guten Zeugnissen, auf Johanni gesucht. ________A. 252. 3994) Einen tüchtigen Schreiner sucht _______________Gg. Nenzel. Eine Bäckerei, an der Hauptstraße gelegen, ist auf Johanni d. Js. mit allem Inventar zu verpachten. Auf Wunsch wird das Haus mit Hof- raithe, Scheuer und Stallung, welches sich für jeden Geschäftsbetrieb eignet, unter günstigen Bedingungen verkauft. Näheres durch 3720) Th. Rolloff, Walltbvr. Photographien in allen Größen werden schön und sauber bei billigen Preisen angefertigt im photogr. Atelier von (558 V. Kolodzie. Metzsteingasse Kr. 45, im ©arten. 3995) Ein mittelgroßes Haus wird zu kaufen gesucht. Anzahlung 2500 JL Bon wem? sagt die Exped. d. Bl. Wareaung. Ich warne hiermit Jedermann meiner Tochter Anna etwas zu borgen, indem ich für nichts hafte Gießen, im Juni 1879. (3962 Adam Weirich, Schneider. 3905) Em tüchtiger Glaser-Geselle findet sofort Arbeit bei Carl Bitrau. Reparaturen an Uhren und Musikwerken werden schnell und billig ausgeführt von (238 fc Rob. Hartmann, A Uhrmacher, '' Lindenplatz Nr. 30. An- und Berkaus aller Arten Uhren. Lieferung und Reparaturen von Thurmuhren. P*fer