Ne. 111. Mittwoch, den 14. Mai 187». Kichener iKiueiger Anxeize- rnib Amtsblatt für bei Kreis Gießen. Redaetionsbirreair r ^xpcditionsburean r } Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher T h e i l. Gießen, am 10. Mat 1879. Betreffend: Die Ableistung des Verfassungs-Eides. Das Großherzogliche Kmsmnt Gießen au die Großherzoglicken Bürgermeistereien des Kreises. Wir erinnern diejenigen von Ihnen, welche noch im Rückstände sind, an die Erledigung unserer Verfügung im Anzeiger Nr. 97 vom 26. April l. I. binnen 3 Tagen. Dr. Boekmann. Bekanntmachung. In Gemäßheit des §. 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat April 1879 veröffentlicht: Hafer 13,83 Mk., Heu 4,20 Mk. und Stroh 3,60 Mk. per 100 Kilogramm. Gießen, am 10. Mai 1879. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann. politisch Deutschland. Berlin, 9. Mai. Der erste Act des großen Zoll- und Steuerdramas ist heute glücklich zu Ende gekommen, nicht obne daß es beinahe schon zu einer kleinen Knsis gekommen wäre. Die Gegensätze sind so gespannt, daß es ohne persönliche Verstimmungen und deren Entladungen kaum abgehen kann. Wenn dem nun einmal so sein muß, so ist es am Ende bester, dies geschieht zu Anfang und in der allgemeinen Discussion, als daß es zum Schluß die Lösung im Allgemeinen und die Specialberaihung der einzelnen Details stört. Abgesehen von diesen Zwischei fällen, kann man wohl sagen, daß die Debatte fast von allen Rednern auf der Höhe der Situation gehalten wurde. Während im Anfang durch die Reden Delbrück's und Bamberger's die Freihavdelsparlei bester vertreten zu sein schien, stellten die Ausführungen der Regierungscom- missare und zumal die Rede Denmgsen's das Gleichgewicht zu Gunsten der Schutzzollpartei wieder her. Dabei ist es recht charakteristisch für den behandelten Gegenstand, daß selbst die besten Redner der beiden Parteien sich gegenseitig einzelner Jrrthümer und falicher Austastungen nicht ohne Grund beschuldigen konnten: so schwierig ist es, das ganze Material zu beherrschen und die covpltctrten Wechselwirkungen in Industrie und Verkehr richtig zu deuten. Wer nur Delbrücks R»de lesen wollte, müßte allerdings glauben, daß noch nie ein Tarisentwurs so mangelhaft vorbereitet und so schlecht zusammengtstellt gewesen sei, als die jetzige Vorlage, und wer nur die Reden Varnbüler's, Mayr's oder Burghardt's liest, wird glauben, daß der Regte'ungstarif zum Mindesten nicht mehr Fehler birgt, als die s. Z. von Delbrück selbst ausge- arbeiteten Regierungs-Vorschläge und daß eine Reihe von Vorwürfen gegen ihn ungerrchtfertigt sind. So verschieden nehmen sich die Dinge aus je nach dem Standpunkte und je nach der Berechnungsweise. Der eine rechnet z. B. mit der durch die Zölle bevorstehenden Verteuerung in Procent der bisherigen Sätze, der andere in ganzen Zahlen mit dem Aufschlag auf den einzelnen Eonsumartikel; darin allein steckt schon der Unterschied des Eindrucks. Im Ganzen und Großen wird wohl der Abg. Bennigsen das Richtige getroffen haben, wenn er weder die großen Erwartungen, noch die großen Befürchtungen, welche man von beiden Seiten an die Vorlagen der Regierung knüpft, für gerechtfertigt hält und aus politischen Gründen für die Vorlagen — vorbehaltlich der Redactton oder richtiger Reduktion in einzelnen Sätzen — stimmen will. Die Rede Bennigsen's bezeichnet insofern einen Wendepunkt, als mit seiner Stellungnahme dos Schicksal der Regierungs-Vorlage im günstigen Sinne entschieden sein dürfte. Unentschieden ist nur noch, auf westen Unterstützung der Reichskanzler schließlich mehr Werth legen wird, auf die der alten Freunde von der liberalen Partei oder auf die neuen Anhänger vom Eentrum. Am liebsten wü'e es ihm wohl, wenn er keinem von beiden Con- cesfionen machen und zu Dank vei pflichtet sein müßte. Hieran wird sich wohl noch für einige Zeit bis zu den ersten entscheidenden Abstimmungen ein tnter- estant's parlamentarisches Krtegsspiel knüpfen. Wenn im Uebrigen soviel Aufhebens von dem Briefe des Reichskanzlers an den bekannten Agrarier Herrn v Thuengen gemacht wird, so möchten wir diesen Brief für ein diplomatisches Manöver ansehen, um durch die Furcht vor den Consequenzen zu schrecken, und sind keineswegs der Ansicht, daß nach Annahme der Regierungs-Vorlage die agrarische Agitation nun erst recht los- gehen werde. Allerdings wird man in Zukunft den Agrarfragen etwas mehr Aufmerksamkeit wie bisher schenken wüsten. In dieser Beziehung ist es sehr ersreul'ch, daß Herr v. Benntgsin hierüber ein sehr bemerkenswerthes Programm entwickelt hat, aus dem wir nur die Frage des ländlichen Erbrechtes und besten Consequenz auf die Erhaltung eine« leistungsfähigen Bauernstandes hervorheben wollen. Will man dann ferner die SteuerrevtsionSpläne Bis- er Iheil. marchs extravagant finden, so scheint man zu vergeffen, daß sie nur eine etwas exactere Ausführung deffen sind, was das preußische Abgeordnetenhaus in seiner letzten Session in der bekannten Resolution beschloffen hat, Verwendung der vom Reich an die Einzelstaaten abzuführenden Überschüsse, resp. der Summen, welche durch die Aushebung der Matrtkularbeiträge flüssig werden, zur Übertragung der Grund- und Gebäudesteuer an die Communen und Verminderung der Klaffen- und Einkommensteuer. Verminderung ist freilich noch keine Aushebung. Allein damit hat es so wie so gute Wege. Soviel wird schon immer bestehen bleiben, daß der Rahmen bleibt, welchen man in Zetten der Notb beim Nachlassen der indirekten Steuern wieder ausbauen kann Wenn wir im Interesse des Friedens auf die letzte Rede Laskers wie des Reichskanzlers und die peinliche Auseinandersetzung mit dem Präsidenten Forckeub-ck gern verzichtet hätten, so wüsten wir doch auf die gewichtigen Worte hier aufmerksam machen, mit denen Fürst Bismarck auf das Ueberwte- gen der Politiker von Beruf und der nicht im Erwerbsleben selbst stehenden Männer in unseren Parlamenten hinwies. In diesem Umstand liegt gewiß eine Hanptursache unserer Fraktionszerklüftung und des Mangels an Erfolg bei unseren politischen Parteien. Es konnte aus die Dauer nicht frommer, wenn alle in das wirthschaftltche Leben tief einschneidenden Gesetze und staatlichen Einrichtungen nur vom politischen Standpunkte und nach ihrer Einwirkung aus das politische Leben hin beurtheilt wurden. Hilft uns die gegenwärtige Zersetzung der Parteien dazu, daß diese Art von Politik in den Hintergrund tritt, so könnten wir uns über manches Schlimme, was die Uebergangszeit bringt, wohl gelösten. — Die „Köln. Z." schreibt: Da die Schutzzöllnerinder Geschäftsbehandlung der Zollvorlagen einen Sieg erfochten hatten, so läßt sich voraussehen, daß sie auch in Bezug auf die Vorlage selbst im Großen und Ganzen den Sieg davontrogen werden. Im Einzelnen aber läßt sich erwarten, daß die Schutzzölle manche Erniedrigung erfahren werden. Auch der Ausschuß des deutschen Landwirthschaftsrathes hat dem Reichstage ein Gesuch um Ermäßigung der Industrie-Schutzzölle des neuen Tarifs überreicht. — Die „Kreuz-Ztg." schreibt: „Wir haben schon mehrfach hervorgehoben, daß die Erfolge, welche sich die Landwirthschaft von den Zöllen auf landwtrthschaftltche Produkte verspricht, wett geringer sein dürften, als die Nachtheile, die ihr aus den hohen Jndustrie- zöllen erwachsen werden. Es wäre wohl zu wünschen, daß Seitens der deutsch- konservativen Abgeordneten Anträge auf Herabminderung der Eisen- und Textilzölle gestellt würden." — Ein Reichscommiffar für Zölle hat dem Reichskanzler berichtet, daß von einem preußischen Hauptamte leere Cigarrenkisten von nur gehobeltem ungefärbten Holze, von Außen mit aufgeklebtem Papier gedichtet und innerhalb zur Cigarrenverpackung mit Papier beklebt oder mit Decken versehen, als seine Holzwaaren verzollt werden, während sie sonst frei eingehen. Da der Ftnanz- minister im Einrerständniß mit dem Bundesraths-Steuerausschuß sich für freien Eingang erklärt hat, soll überall gleichmäßig so verfahren werden. Frankfurt, 10. Mai. Von Setten der köntgl. Regierung aufgefor- dert, sich über die von mehreren Seiten befürworteten Vorschläge zur Abänderung des Unterstützungswohnsitz-Gesetzes zu äußern, hat der hiesige Magistrat 1) die Frage, ob der Anfangstermin für den Laus der Fristen für den Erwerb, resp. den Verlust des Unterstützungswohnsitzes durch An- resp. Abwesenheit, statt erst mit Vollendung des 25. schon mit Vollendung des 24. Lebensjahres zu bestimmen sei, entschieden verneint; 2) gegen die Herabsetzung der Dauer der gedachten Fristen von zwei auf ein Jahr sich ausgesprochen, vielmehr die Verlängerung derselben aus drei Jahre befürwortet; 3) widersprochen, daß die bisherige Verpflichtung des Ortsarmenverbandes, Personen, welche im Gesinde- dtenst stehen: Gesellen, Gewerbegehülfen, und Lehrlinge, welche am Dtenstort erkranken, während eines Zeitraumes von sechs Wochen die erforderliche Kur und Verpflegung gewähren — auf Fabrik«'beiter land- und forstwirthfchast' liche Arbeiter ausgedehnt, und daß statt sechs Wochen drei Monate gef tzt werde. Dagegen hat der Magistrat 4) dem Vorschlag zugestimmt, daß zur Erleichterung des Beweise- der Landarmen Ei^e>.schatt, diese nicht nur ange- »ommen werd n soll, wenn der Unterstützte keinen Unterstützungswohnsitz hat, sondern auch, wenn ein solcher sich nicht ermitteln läßt. Ebenso ist der Magistrat einverstanden, 5) daß dem Gesetze eine Besttmmuna einzesügt werbe, wonach es — in ähnlicher Weise, wie es nach dem preußischen Gesetze vom 21. Mai 1855, Art. 13, der Fall war — den Behörden wiederum die Be fugntß beigelegt wird, Personen, deren nicht arbeitsfähigen Angehörigen öffentliche Unterstützung gewährt werden muß, ohne vorgängige gerichtliche Procedur zur Arbeit innerhalb oder außerhalb eines Arbeitshauses anzuhalten. Irankreich. Paris, 11. Mat. In einer privaten Versammlung hielt heute Cl6- menceau, Führer der äußersten Linken, eine Rede, worin er sein Programm entwickelte. Darnach verlangt derselbe Freiheit der Preffe, der Versammlung und der Vereinigung; Säcularisation des Unterrich's ; Abschaffung der Obedtcnz- Briefe; Reduction des Militärdienstes; Ve.pflichtung der Seminaristen zum Militärdienste; Abschaffung der Seminar-Stipendien; Trennung der Kirche vom Staat; Einkommensteuer. Der Redner kritiflrte sodann des Längeren das Verhalten der Regierung in verschiedenen Fragen und schloß mit den Worten: Es ist Zeit, in eine wahre republik mische Politik einzulenken, und Spaltungen in der republikanischen Partei zu vermeiden. Fiußland. Petersburg. Der hiesige Correspondent der „Wiener Abendpost" schreibt zur Situation: Was die fremden Zeitungen über hiesige Zustände berichten, ist fast ausnahmslos aus der Luft gegriffen. Namentlich haben die Gerüchte, als ob Rußland von den Nihilisten rnintrt sei und am Vorabende einer Revolution stände, keinerlei Begründung. Die endlich, wenn auch etwas spät, erlaffenen energischen Maßregeln dienen dazu, das Publikum zu beruhigen. Seit den vom General Gurko ergriffenen strengen Verordnungen haben keine Demonstrationen mehr stattgefunden. Höchst übertrieben ist es, wenn ein Pariser Blatt sich schreiben läßt, die Zahl der allein hier Verhafteten belaufe sich auf 4700, von denen mm aus Mangel an Platz die meisten habe nach Kasan und Saratow schaffen müffen. Im Ganzen wurden etwa 20J0 Personen gefänglich eingezogen. Von diesen wurden viele nach dem ersten Verhöre entlasten, einige Hundert wurden aus Mangel an Platz in der Nacht in die Casematten von Dünaburg geschickt. Unter den Hiergebliebenen. welche sich auf die Gefängniste der Gensd'armerie, des lithauischen Schlostes und der Festung vertheilen. hofft man die meisten Führer der Ntbtllstenba.de arretirt zu haben. Die Erbitterung des Volkes gegen die Verschwörer ist kaum zu beschreiben. Wehe dem Nihilisten, welcher unseren durch den schweren Wachdienst erbitterten Dworniken (Hausknechten) in die Hände fallen sollte. Moskau, 11. Mai. Der hiesige General'Gouverneur erließ eine Verfügung in Betreff des Waffe, Handels und des Waffenbesitzes. Dieselbe ist der in Petersburg erlaffenen ähnlich. Rumänien. Bukarest, 11. Mai. Gegenüber den bei der Wahlpropaganda von gewisser Seite ausgegangenen Behauptungen, das Cabmet Bratiano hätte hegen das Ausland eine Verpflichtung hinsichtlich der Judenfrage etngegangen, veröffentlicht das Amtsblatt ein (Kommunique, wonach die Regierung keinerlei Verpflichtung übernommen hat und worin diese Gerüchte als Verläumdungen bezeichnet werden, welche geeignet seien, Ruhestörungen im Lande heibetzuführen - nd die Landkstntereffen zu gefährden. Telegraphische Depeschen. Wagner s telegr. Tvrrespoudenj-Buresrr. Paris, 12. Mat. Die Journale glauben im Allgemeinen an keine Krisis, ehe die betr. Fragen vor die Kammern kommen. — Die „R^publique francaise" möchte den Sturz des Ministeriums vermieden sehen, weil sie nicht sicher ist, daß ein anderes Ministerium es bester gemacht haben würde. — Das Blatt bemerkt, das gegenwärtige Cabinet stehe mit seinen Anschauungen li der Mitte der Majorität von beiden Kammern und mit diesen Majoritäten lüste regiert werden. Baden-Baden, 12. Mat. Ihre Maj. die Kaiserin ist Nachmittags 1 Uhr 45 Min. nach (Koblenz abgereist. Berlin, 12. Mai. Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht eine noth- gedrungene Erklärung der Berliner Maschinenbau - Actiengesellschaft Schwartz- kopff, worin dieselbe die Behauptung Richters ui der Retchstagssitzung vom 5. Mai, daß sie noch vor einigen Wochen Locomotiven au die Warschau- Wiener Bahn 8500 Mk. billiger, als an die oberschlesische Bahn verkauft habe, für absolut unwahr erklärt. — Die betr. Bundes! atbs-Ausschüste haben heute die Vorlage, betr. die Erhebung provisorischer Zölle (da- Sperrgesetz) mit unbedeutender Abänderung angenommen. DaS Tabaks-Nachsteuergesetz wird dadurch in keiner Weise berührt. Stuttgart, 12 Mai. Der „Staats-Anz." meldet: Die Vermähl lung des Herzogs Georg von Leuchtenberg mit der Prinzessin Therese von Oldenburg hat gestern in Gegenwart der Majestäten und des Hofes programmmäßig ftattgefmiden. Rom, 12. Mri. In dem beute gehaltenen (Konsistorium wurden zu Cardinälen ernannt: Fürstbischof Färstenberg, die Erzbischöfe Haynald, Deeprez und Pie, die Professoren Pecct und Hergenröther, Pater Newman, der Dominikaner Zigliera und zwei Bischöfe. Ferner wurde verkündet die Ernennung von elf Bischöfen in Italien, zwei in England, zwei in der Türkei, Forlani's zum Bischof von (Katrarr* und von sechs Bischöfen in partibus in fidelium. Die neu ernannten Cardinäle leisteten den vorgefchriebeneli Eid. Petersburg, 12. Mai. Nachrichten aus Peru zufolge brach in Irbit am Freitag Abend bei starkem Winde eine Feuersbrunst aus, wodurch der beste Stadttbeil zerstört wurde. Der Schaden ist sehr groß. Berlin 12. Mai Reichstag. Fortsetzung der ersten Berathung der Tabaksteuer- Gesetze. v. Schmid (Württemberg) wendet sich gegen die Ausführungen v. Marschalls und Kiefer's und betont, daß die Tabaksteuer nicht nach den Forderungen der Interessenten, sondern nach den Bedürfnissen des Reiches bemessen werden müsse. Diese Bedürinisie seien stark gewachsen und konnten nur durch inbirecte Steuern befriedigt werden, daber sei die Vorlage gerechtfertigt- Das Monopol werde auch von Redners politischen Freunden verworfen; da das Monopol aber ausgeschieden, bleibe nur die Gewichtssteu r übrig. Redner legt die Vorzüge des GewiLtesteuersystems dar und spricht die Ansicht aus, daß die Tabakindustrie die Sätze der Vorlage vertrage, erklärt sich indeß gegen die Licenzsteuer. — Meyer (Schaumburg-Lippe) protestirt gegen jeden Gedanken der Wiederbelebung des Monvpol-Projeetes, untersucht die verschiedenen Steuersysteme und betont die Nothwendigkeit, die Frage definitiv zur Lösung zu bringen. Er fordert eine Herabsetzung der Sätze, spricht gegen die Nachsteuer und bezeichnet die Licenzsteuer als ganz verwerflich. — Bundes-Commissar Geh. Finanzrath Schomer wendet sich gegen verschiedene Bemängelungen der Vorlage, rechtfertigt namentlich die Licenzsteuer mit Hinweis auf andere Staaten, wo dieselbe erhoben werde, und vertheidiat die Nachsteuer. Lender wendet sich nachdrücklichst gegen die Vorlagen, insbesondere gegen die Licenz- und die Nachsteuer. Fritzsche i Socialdemokrat) spricht gegen jede Tabakbesteuerung, verbreitet sich über die Stellung der socialdemokratischen Partei zu der Wirthschaftsreform überhaupt und erklärt, dieselbe werde nur ausnahmsweise Zölle für solche Industrie bewilligen, die besonders stark gesährdet seien. Buhl schlägt vor, um die Härten der Nachsteuer vermeiden und zugleich die Speculation einzuschränken, daß ein Uebergangsstadium mit niedrigen Sätzen für mehrere Jahre geschaffen werde' — Während Bubl's Rede tritt Fürst Bismarck ein. — Köpfer «endet sich gegen die Vorlage. — v. Puttkamer (Löwenberg> verwahrt sich dagegen, daß die Monopolfrage durch Annahme des vorliegenden Gesetzes definitiv beseitigt sein solle, und spricht sich gegen jede Ermäßigung der Eingangsabgaben von Tabak aus. — Die Vorlage wird hierauf nach dem Anträge Lowe's (Bochum) an eine besondere Commission von 28 Mitgliedern verwiesen. — Nächste Sitzung Mittwoch 12 Uhr. London 12. Mat, Abends. Unterhaus. Auf Befragen Baxter's erklärt Bourke, die Regerung w'ffe nichts von einem Uebereinfommen zwischen der Türkei und Rußland wonach die Türkei auf das Recht, Garnisonen am Balkan zu haben und Plätze in Ostrumelten zu besetzen, verzichtete. Colontal- Mtnister H cks Beach erklärt: Die Boers lösten am 18. April ihr Lager auf und k hnen friedlich heim. Die (Konferenz Bärtle Frere's mit ihrer Obrigkeit ist glücklich abgelaufen. — Nortbcote theilt mit, die Pstngstferien des Hauses würden vom 27 Mai bis 9. Juni dauern. Lokales. Kiesten, 13. Mai. Tagesordnung für die Stadtverordneten - Sitzung am Donn erstag den 15. Mai 1879, Nachmittags 4 Uhr: 1. Gesuch des Turnvereins um miethweise Ueterlassung des Balcon-Zimmers der Turnballe 2. Gesuck der Schützengesellschaft um Ueberlasiung eines Schießplatzes. 3 Den städtischen Bauplan betreffend. 4. Gesuch des Heinrich Baum um Bauerlaubniß. 5. Gesuch des Jacob Reitz von Gießen um Bauerlaubniß. 6. Kostenden eturen. 7. Die Stellung der Rechnung für das Jahr 1W7K. 8. Die Weidenvflanzungen am Ufers-Brunnen. 9. Die Zolltarifvorlage. Gießen, 13. Mai In dem am 15. d. in Kraft tretenden Sommerfahrplan der Naffauischen Eisenbahn ist auch die Strecke Lollar-Wetzlar ausgeführt. ES zehen täglich auf derselben drei Züge nach beiden Richtungen Die Fahrzeit beträgt 70—NO Minuten (Lollar- Gießen-Wetzlar nur die Hälfte), directen Anschluß an die Züge der Main Weser-Bahn hat nur ein Zug von Wetzlar, so daß auf Personenverkehr wohl nicht viel zu rechnen ist. Gießen, 13. April. Die Einladung des Berliner Magistrats an sämmtliche deutsche Städte mit mehr als 10,000 Einwohnern zum Städtetage, welche in gleichlautenden Schreiben an die betreffenden Stadtbehörden abgegangen, ist vom Oberbürgermeister v. Forckenbcck unter zeichnet und bat folgenden Inhalt: „Auf Anregung einer größeren Anzahl von städtischen Behörden haben wir uns entschlossen, die bedeutenderen deutschen Städte zu einer Zusammenkunft einzuladen, in welcher gemeinsame Schritte gegen die drohenden Getreide- und Viehzölle zu berathen sind. Ist eS doch unzwetfelbaft, daß gerade die städtischen Behörden in dieser Frage als Hauplvertreter der Consumenten dastehen, denen sonst, im Gegensätze zu den rührigen und mächtigen Produccnten, jedes Organ, sich geltend zu machen, fehlt. Hat auch schon manche Stadtbehvrde ihrer Pflicht, die Einwohner vor der drohenden Gefahr zu schützen, durch Petitionen an den Reichstag zu genügen gesucht, so wird ein gemeinsames Votum kurz vor dem Augenblicke der Entscheidung doch noch von besonderem Gewichte sein, und zwar um so mehr, als in neuerer Zeit und nach I jenen ersten Petitionen, zahlreiche und gewichtige Kundgebungen für eine Erhöhung der beantragten Getreide- und Viehzölle vorliegen Die Versammlung wird am 17. d. Mts., Vormittags 11 Uhr im Festsaale unseres Rathhauses stattfinden. Am Abend vorher finden sich bi? Theilnehmer ebendaselbst zu einem zwanglosen Zusammensein ein." Vermischtes. Darmstadt, 10 Mai. Wir erhalttn von zuverlässiger Seite Mitthetlung über den von uns der „Wormser Ztg " entlehnten Artikel betr. des von „Darmstädter Firmen" für die Notleidenden im Spessart angekauften Weins, welcher „total gefälscht" sein sollte. Nach der uns vorliegenden Nr. 117 der „Aschaffenburger Ztg." wäre die „N. W. Z." (soll diese W.- Kürzung „Wormser" oder „Würzburger" bedeuten? D. X ) die Stamm-Quelle der rundlaufenden Notiz und bemerkt dazu die „Aschaffenburger Zeitung" wörtlich: „Diese Notiz ist absolut unwahr. Das hiesige Hilfscomite hat weder in Darmstadt noch sonstwo Wein angekauft. — Ein uns weiter zugesttllter Privatbricf besagt, „der Vorsitzende des Central-Hilfscomitös für den Spessart, Herr Bürgermeister Medikus in Aschaffenburg, erkläre, daß die obige der „Aschaffenb. Ztg." entlehnte Richtigstellung durchweg zu bestätigen sei. — Nach dem Brief scheint die Verunglimpfung der „Darmstädter Firmen" ihre Geburtsstätte in Würzburg zu haben. Wohl etwas gewöhnlicher Brobneid! — — Die „Weser-Zeitung" schreibt: Eine neue Erfindung von praktischer Bedeutung und außerordentlicher Tragweite wurde kürzlich von Eowper, einem bekannten Mechaniker und Tele- graphenbauer in England, gemacht Es ist dies ein wirklicher Telegraph, d. h. eine in die Ferne schreibende Maschine. Der Absender einer Depesche bewegt seine Feder auf dem Präparaten Papier des Apparats und gleichzeitig mackt auf der anderen Station eine zweite Feder genau dieselben Züge und Bewegungen, als ob sie durch eine unsichtbare Hand geführt würde. Im Februar d I. wurde bereits auf diese Weise zwischen London und Brighton in Gegenwart des Redaeteurs der englischen Zeitschrift „Nature" telegraphirt. Das exaetc Arbeiten de8 neuen Instruments grenzte an's Wunderbare. Die Feder des Apparats auf der Empfangsstation machte Bewegungen, als ob sie durch ein geistig belebtes Wesen geführt würde Demnächst sollte der Apparat von Cowper weitere Proben seiner Tüchtigkeit vor der Gesellschaft der Telegraphen-Jnzenieure Englands ablegen. Die „Nature" gibt bereits ein facftmilirtel „Specimen of telegraphic writing“, welches der zwischen Westminster und Brighton thätige Apparat geschrieb.n hatte. Dicic Uebertragung der Handschrift' des Absenders in daS Telegramm ist namentlich für die Handelswelt von großer Wichtigkeit." London, 5. Mai. (Cholera und Hungersnoth in Indien.) Aus Kalkutta wird unterm 4. d. gemeldet: Das heurige große Khumb- oder Duodeeennialfest in Hurdwar droht in seinen Folgen ebenso traurig zu werden, wie dasjenige von 1*67 war. Es versammelten sich 75O,i'OO bis 1,t, und werden sämmtliche Nachlaßgläubig r vargeladen, ihre Forderungen im Termin (2972 den 28. Mai I. I., Vormittags 9 Uhr C Z, dem Con radictor gegenüber unter dem R chisnachtheil der Ausschließung von de^ Masse anzumelden, und zu begründen. Marburg, am 28. April 1879. König!. Amtsgericht, Abteilung III. Versteigerungen. Samstag den 1*7. l. Mts., Vo-mittags 11 UbT, soll lm alten Rathhaussaale das Ausweisen von Schullokalln, veranschlagt zu 547,42 versteigert werden. Gießen, den 13 M st 1879. Grofiherzogl. Bürgermeisterei Gießen. 3302) A. Bramm. __ Holzversteiqerung. Freitag den 16. d. Mts., Mvr e»s 8 Uhr, sollen in h'esigrm Gemetndewald versteigert werden: 23 Rmtr. Nadel-Spetter. 159,3 Wm. Nadel K üppel 57,5 Nadel-Stöcke, 5150 Nadel - Wellen, 15 Nadel- Stämme und 1250 Nadel Stangen (Bohnenstangen). Anfang und Zusammenkunft im D'strict Mühlberg oberhalb der Rsids- mül le. Leihgestern, den 13. Mai 1879. Großh. Bürgermeisterei Leihgest rn. _________Heß._______(3295 Heute, Mittwoch den 14. Mai, Nachmittags 2 Uhr, kommen die zum Nachlaß der Frau S. Kaufmann Wittwe gehörenden Möbel zur Versteigerung. (3296 Gras Versteigerungen. Die diesjährigen Grasnutzungen an den Gräben und Böschungen nachbenannter Straßen sollen in den dabei bemerkten Terminen an Ort und Stelle meistbietend verpachtet werden und zwar: 1) Mittwoch den 14. Mai auf der Straße von Gießen über Reiskirchen, Anfang Morgens 8 Uhr in der Nähe des Sckützenhofes. 2) Freitag den 16. Mai auf der Straße von Gießen über Lich gegen Langsdorf, Anfang Morgens 8 Uhr in der Nähe des Gi-'ßener Friedhofs 3) Dienstag den 20 Mai auf der Straße von Lich gegen den Hessenbrückerhammer, Anfang Morgens 9 Uhr in der Nähe des Friedhofs zu Lich. 4) F eitaq den 24. Mai auf der Straße Lich bis Hof-Gill, Anfang Morgens 9 Uhr in der Nähe des Estenbahn-Viaducts. Die resp. Großherzoglichen Bürgermeistereien werden ersucht diese Versteigerungen im Interesse ihrer Gemeinde besonders bekannt machen zu lassen. Gießen, den 1. Mai 1879. Großherzogliches Kreisbauamt Gießen. In Vertretung: M. Wahl, (3010 Großherzoglicher Kreisbauaufseher. Aeikgebotenes. 3288) Soeben ist vollständig erschienen: Perls, Prof. Dr., — Lehrbuch der allg. Pathologie, 2 B e. eX 24 Vorräthig in der Ferber’schen Univ.-Buchh. in Giessen. Verkauf einer Mahlmühle. Die im Amtsbezirk Herborn bei Eisemroth gelegene Mahl- und Oelmühle, die sogenannte Schaafsmühle, beabsichtigt der Besitzer aus freier Hand zu verkaufen. 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Böhler’s Dampf Färberei und chemische Wasch-Anstalt, 44 Lettersweg Giessen Settersweg 44. Reinigen stder Art von Damen- und Herren Garderoben mit allen möglichen Verzierungen ohne Beschädigung der Fa?on und Farbe. Decken, Teppiche ieder Größe, Chales, Stickereien, Federn, Handschuhe, Sammt (auch uniertrennt) ic Spitzen auf Neu gewaschen nach Wunsch auch reparirt. Herrenkletder un= zertrennt gewaschen und gefärbt unter Garantie der Farbe. (3293 ♦4$ - - Verantwortliche Redactton: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. -rr.112 RedackionSb ^xpedittonSi mb Zur k i) In Bc 2) W ist Ei 3) S 3' I. 4) B D lst 5) S ük V)Ä hi bei Schür! empfehlen @emä| werfen und nm kkschllißfoffurs hiernach ist dir Wie t dir Lrranschläl Berlin, «ifenbahu.Nitzk! Mittelst eine, unterirbiji ^len von köni 'n feinen beit. Hamburg und ^deutschen Kc Die erwähnte Kriegs,M; Me gleich», «"«»hl sich t nOl ^.b«»Iche R, Mnet. ollr g’Watte b,6 uJn,n' auf 3 *5,623,35 km tln9 frebfnbe » ta . ?e flni Äeg^x'ch« »I eine ®?bnic °ldrige„°>°n l« 3 •Mft1 ta*« j