(4595 tert, vlrth. 'gen. ^ersamm- 1$- Juli, sei, !• ' H ich die X lWt tnb reelle totibtn. ?Ä. aufe nut Preisen. MN. :eine 1 Mk. i feinsten. ms. « I« »e; ff L D fl- ff 1U8« % - &9aS t * p 2 ® ZS-ß gfe ■„So 8 -e --§• Z-§S <5d v .o O S?r. ISS. Freitag den 11. Juli 1879. Kiehener Anzeiger Anzeige- lei AMsblatt für in Kreis Gießen. ssax*.} ■■ -- ««“*»»gAr»K?,:s«A rtgsr A ml kicher Hßeil. Nr. 20 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 6. d. Mts., enthält: (Nr. 1309.) Bekanntmachung, betreffend die vorläufige Einführung von Eingangszöllen auf Material- und Speceret-, auch Conditorwaaren und andere Consumtibilien, sowie auf Petroleum. Nr. 21 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben ven 7. l. Mts., enthält: (Nr. 1310.) Bekanntmachung, betreffend die vorläufige Einführung von Eingangszöllen auf Tabak und Tabakfabrikaten. Gießen, den 9. Juli 1879. Großherzogliches Kreis amt Gießen. Dr. Boekmann. Aokilisch Die Reaction und die Socialdemokratie. Nickt allein in Berlin, sondern im ganzen Reiche hatten die Nachrichten von dem Abgänge der drei Minister Hobrecht, Falk und Friedenthal eine ganz eigenartige Aufregung erzeugt. Der Schritt kam nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel, derselbe war schon wochenlang umwölkt; es zeigte sich daher im Volke auch keine allzugroße Bestürzung über das aujsteigcnde klertkal- conscrvative Ungewttter, sondern mehr eine gewisse Niedergeschlagenheit, eine verstimmende Abkühlung der Hoffnungen, die man noch in letzter Stunde auf das Verhallen des Reichskanzlers gesetzt hatte. Weite Volksschichten hatten sich im Laufe von fast zwei Dezennien in die Ansicht eingelebt, Laß das, was Bismarck thue, wohlgethan sei, und man begegnete in diesen Kreisen stets der Ansicht: „Bismarck wird cs schon machen 1" — Diesmal aber sieht man doch ein verlegenes Schweigen und Achselzucken, und Schweigen ist auch eine Antwort. Möglich ist es ja heute noch, daß Bismarck wieder einmal Rücksicht nebmen muß und nicht anders handeln kann, als er handelt. Aus die organischen Schöpfungen des Reiches würde die Reaction gleich einem giftigen Mehlthau fallen. Es ist aber nicht allein der Stillstand, der uns gefährlich scheint. Die Reaction ist allzeit thätiger und kühner gewesen, als der Liberalismus. Man glaube ja nicht, daß sie mit den drei Opfern in Ministerkretsen befriedigt sein wird; in Kürze weiden ihnen die wenigen tüchtigen und einflußreichen liberalen Kräfte in der Verwaltung des Reiches, wie Preußens, folgen. Dann wird die Thätlgkett beginnen, welche alle liberalen Errungenschaften in Frage stellt, und von diesem Punkte an wird, weil das liberale Bürgerthum in die Defensive gedrängt wird, auch ein neues Anwachsen der Socialdemokratie zu verzeichnen sein. Es ist ja schließlich kein Gehctmniß, daß das Socialistengcsetz nur äußerlich Ruhe geschaffen, aber die sociale Krankheit nach Innen getrieben hat. Man colportirt die Worte eines bekannten Socialisten: „Unsere Aufgabe muß jetzt sein, den Klassenhaß im Geheimen zu schüren; — wir sind nicht unthätig; wir arbeiten mehr als je I" Für dieses Schüren eignet sich schon die Gegenwart mit ihren verfahrenen Zuständen; ganz besonders aber würde es durch eine Zett der Reaction begünstigt werden. Die Steuerprojectc geben Anlaß, gegen den Staat und die Parteien aufzureizen; die wirthschaftltche Kalamität, insbesondere die vielen betrügerischen Bankerotte, bieten Gelegenheit, gegen die Besitzenden aufzustacheln und die Reden der Orthodoxen dienen dazu, die Religion lächerlich zu machen. Das ist eine böse Saat! Damit sie nicht aufgehe, wird das Volk gut thun, sich nicht allein auf Staat und Polizei zu verlassen, sondern die Freunde des socialen Friedens müssen rüstig für die Volksbildung arbeiten, deren Förderung wir bekanntlich nicht von der Reaction zu erwarten haben. Diese Gefahr der Herrschaft einer klerikal-conservattven Majorität in Deutschland möge man nirgends unterschätzen sondern ihr nach Kräften entgegentreten. Deutschland. Darmstadt, 9. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung d. d. 4. I. Mts. den dermaligen König!. Prcuß. Arckivsecrctär zu Marburg, Dr. Arthur Wyß, mit Wirkung vom 1. August 1879 an zum zweiten Haus- und Staats-Archivar bei Großh. Haus- und Staats-Arckiv-Dtrection zu ernennen geruht. Darmstadt, 9. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem Sergeanten Krebs im 2. Großh. Jnfant.-Regtment (Großherzog) Nr. 116 das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für Rettung von Menschenleben" zu verleihen geruht. Berlin. Der Proceß gegen den des Taschendiebstahls angeklagten russischen Obersten Bafllewitsch, welcher in erster Instanz des Berliner Gerichts verurtheilt war, endete in zweiter Instanz mit der Freisprechung des Angeklagten. Das Urthetl des ersten Gerichts hatte seiner Zeit nicht geringes Aufsehen erregt und zweifelte man damals bereits allgemein an der Zuverlässigkeit der Zeugen, denen im Angeklagten ein reicher, soviel bekannt unbescholtener Mann mit den besten Empfehlungen hoher, ehrenhafter Personen gegenüberstand. Nach der erneuten Beweisaufnahme erklärte selbst der Staatsanwalt, in diesem Falle die Verthcidigung selbst zu führen, denn der Angeklagte sei das Opfer eines beklagenswerthen Jrrthums geworden. Die Beweisaufnahme er^ab jetzt, daß die bestohlen sein wollende Zeugin eine liederliche er Hheil. Dirne war. Das Portemonnaie derselben ist nicht gefunden und nicht festge stellt, ob Zeugin überhaupt ein solches besessen. Berlin, 8. Juli. Eine neue große Ueberraschung hat die Schwenkung des Centrums in der Frage der verfassungsmäßigen Bürgschaften gebracht. Man deutet in der katholischen Presse geheimnißvoll auf stille Abmachungen mit der Reichsregierung hin. Es bleibt nicht unbemerkt, daß Windtborst-Meppen viel mit dem Reichskanzler conserirt; — die Gerüchte wollen wissen, daß in Kürze eine umfassende Amnestie in Aussicht steht, welche die Rückkehr der Bischöfe und vieler verurtheilter, flüchtiger katholischer Priester ermöglicht. Jedenfalls aber erkennt man immer deutlicher, wie wenig die Devise „Wahrheit, Freiheit und Recht" dem-Centrum werth ist, wenn ihm Entgegenkommen von Setten des Staates bewiesen wird. Im Reichstage hatte man bei der Verhandlung über die Ftnanz- zölle auf einen großen Tag gerechnet. Man wollte aber auf keiner Sette der Generaldebatte über des Reiches Zukunft, über das Tarifgesetz, vorgreifen. So ging es oenn hübsch still und langweilig zu. Der Weinzoll vermochte die Gemüther fast gar nicht zu erregen. Der Kaffeezoll kostete doch wenigstens eine namentliche Abstimmung. Salz und Thee gingen rasch vorüber. Erst bei dem Petroleum kam es wieder zu größerer Lebhaftigkeit. Charakteristisch bleibt es, daß sich schließlich die Socialdemokratte hervorwagte und Alles umwarf, den Freihandel wie den Schutzzoll, die Liberalen wie die Conservativen, mit einem Wort alle Zustände und die moderne kapitalistische Produktionsweise. Heute folgt die Berathung des Tarifgesetzes. Aus Bayern. Wie schlimm es in München in finanzieller Hinsicht steht, beweist die niederschlagende Nachricht, daß außer den bereits auf der Gant stehenden Häusern in nächster Zett deren noch 1100 (?) auf dieselbe kommen würden, da ein allgemeiner Häuserkrach bevorstehen soll. Wie viele Existenzen müssen dadurch zu Grunde gehen! Die nach Hunderten in den letzten Jahren hingebauten Häuser wurden fast durchgehends mit Hülfe von bet den Banken aufgenommenen Geldern erbaut. Diese besitzen daher die erste und sichere Hypothek, während die übrigen Gläubiger den größten Thetl ihrer Darlehen einbüßen werden, weil der Häuserwerth seit einem Jahre namhaft gesunken ist. In den neugebauten Stadrtheilen, deren Häuser seit Jahren wie Pilze aus der Erde aufgeschossen sind, stehen in einem Hause seit mehreren Wohnungszielen ost zwei und drei Etagen leer, nachdem der Zuzug vom Lande nach hier bedeutend nachgelassen hat. — Der Bescheid des köntgl. Staats- mintsteriums auf die Beschwerde der hiesigen Metzgermeister gegen die Einführung der obligatorischen Trichinenschau ist hier eingetroffen. Dem Vernehmen nach lautet derselbe abweisend. Hesterreich. Wien, 8. Juli. In Oesterreich gestaltet sich die Wahl des bekannten Gründers, Ritters Ofenheim von Ponteuxtn, zu einem öffentlichen Scandal. Der Bezirk der Slädte Szuczava-Radauh-Szered erhielt dafür von dem Ritter ein Darlehn von 150,000 Gulden, um damit Sparkassen zu begründen. Man weiß hier wirklich nicht, ob die Schamlosigkeit größer ist auf Seiten der Gewählten oder der Wähler. Frankreich. Paris, 8. Juli. Die neueste Bismarckssche Wendung erfüllt in Frankreich die Ultramontanen mit neuem Stegesmuth. Ueber den Sturz des Cultus-Ministers, „der hinter sich so viele Ruinen läßt", schreibt der „Univers": „Dieser Mensch, der Sohn eines Landpastors, hat vom September 1872 an den verderblichsten Einfluß auf ganz Deutschland ausgeübt. Er geht weg. Es steht zu wünschen, daß die preußischen Traditionen, nach welchen er verfuhr, mit ihm verschwinden." Paris, 8. Juli. Rouher soll während seiner Anwesenheit in Chisle- hurst alles aufbieten wollen, um die Kaiserin zu bestimmen, daß sie in einer Proklamation zu Gunsten des Prinzen Napoleon Jerome eintritt, da er dies für das einzige Mittel hält, um zu verhindern, daß die Partei sich zersplittert. Der Prinz Napoleon hält noch immer zurück, hat indeß eine indirekte Kundgebung gemacht: er ließ in dem Blatte „Paris - Capitale" ein Schreiben veröffentlichen, das er im Mai 1871 an Jules Favre richtete und worin er die Regierung der nationalen Verthetdtgung scharf angreist und die Berufung an das Volk verlangt. Es wird behauptet, die Prinzessin Clottlde sei dafür, daß Prinz Napoleon sich offen an die Spitze der Imperialisten stelle; sie soll dies im Interesse ihres Sohnes für nothwendig halten. — Der Prinz Napoleon Jerome geht am Freitag mit seinen beiden Söhnen nach Chislehurst, um dem Begräbnisse des kaiserlichen Prinzen anzuwohnen; die Prinzessin Mathilde reist schon am Donnerstag ab. Der Prinz Napoleon Jerome wird als Haupt der Familie Bonaparte der Feier vorstehen. Belgien. Brüssel, 8. Juli. In Belgien hat man an einer Kirchthüre in Laeken in vlämischer Sprache, sowie heute an den Mauern des Brüsseler Justizpalastes einen Drohbrief gegen den König angeheftet gesunden. Es ist ganz erstaunlich, bis zu welcher blinden Wuth sich die Klerikalen wegen des Schulgesetzes htnreißen lassen. Manche ihrer Organe leisten nach Form und Inhalt Unglaubliches, wenn sie diesen Gegenstand besprechen. England. London, 8. Juli. Im englischen Unterhause ist der Antrag auf Einsetzung einer Commission zur Untersuchung der Nothlage der Landwtrthschaft durchgegangen. Der Antragsteller führte aus, daß die Weissagungen Cobden>s sich nicht erfüllt hätten; er wolle allerdings nicht be» haupten, daß der Freihandel ohne Gegenseitigkeit der einzige Grund der Nothlage sei. Obwohl für den Freihandel von Bright u. A. energisch eingerreten wurde, ist der Beschluß doch eine Concession an die Gegner. Bei der Gründlichkeit der Untersuchungen der Engländer, wo es sich um volkswirthschaftliche Probleme handelt, wird die Enquete über die Landwtrthschaft sicher ein für alle Länder interessantes Resultat zu Tage fördern. London. Mr. Robert Collenzo schreibt unter dem 23. Juni an den Redacteur der „Daily News", daß es jetzt, da Feuer und Schwert abermals in das Land und die Heimstätten eines unschuldigen und harmlosen Volkes (die Zulus) getragen werden sollen, an der Zett sei, die öffentliche Aufmerksamkeit auf Thatsachen zu lenken, welche entschieden in den Vordergrund gestellt werden müßten. Ein glaubwürdiger Korrespondent melde ihm aus Natal: „Zu verschiedenen Malen, als Boten von Cetewayo mit einer weißen Fahne eintrafen, um den Frieden zu erbitten, wurden dieselben in Eisen geschloffen; auf andere geschossen. Ihre alten Freunde Jnfunzt und Uktsinane, welche vom Könige abgeschickt waren, um in unterwürfiger Weise um Frieden zu bitten und zugleich die Frage zu stellen, was der König denn eigentlich verbrochen habe, befinden sich seit Wochen im Gefängnisse." Jnfunzt und Uktsinane sind zwei regelmäßige, wohl bekannte und überaus geachtete Gesandte Cetewayo's; beide Jndunas vom höchsten Range und als solche von der Natal-Regterung anerkannt. Mr. Fräs. Buckell, Mitglied des königl. Collegiums der Wundärzte tn Romsey schreibt unter dem 22. d. an den Redacteur der „Daily News": Ich sende Ihnen anbei den Auszug eines Briefes, den die hier lebende Mutter eines unserer Soldaten in Südafrika erhalten hat. Ein Theil desselben ist so grauenerregend, daß es mich freuen sollte, denselben osstctell demenlirt zu sehen, oder falls dies nicht geschehen kann, zu hören, daß die nöthigen Schritte geschehen sind, um die Wiederholung solch entsetzlicher Barbareien zu verhindern. Der Auszug des Briefes, der von einem Gemeinen des 60. Regiments köntgl. Scharfschützen, Südafrika, 13. Mai 1879, geschrieben ist, lautet: „Ehe man es sich versieht, bedrängt uns der Feind aus nächster Nähe; aber sie haben die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Am 2. April, als wir Pearson aus Ekowe herausholten, fielen sie zu Tausenden über uns her, allein wir räumten rasch genug unter ihnen auf und da unsere Küche gerade unser Frühstück an jenem Morgen herrichtete und wir uns just zum Mahle setzen wollten, kam der Feind über uns her und wir beschossen ihn etwa eine Stunde; unserer Lebtage haben wir keinen solchen Anblick gehabt, zu Tausenden lagen sie auf dem Boden umher; wir hatten unser Frühstück an jenem Morgen verloren und aßen an jenem Tage auch kein Mittagessen, weil die Zulus, die wir getödtet hatten, so schrecklich stanken; was die Verwundeten betrifft, so schickten wir, nachdem das Feuer eingestellt war, unsere Schwarzen unter sie hinaus und die tödteten alle Verwundeten; einige derselben baten unsere Schwarzen um einen Tropfen Wasser, ja sie gaben ihnen Wasser! sie stießen ihnen ihre Affe- gais durch den Leib, daß sie hinten wieder herauskamen." Amerika. New-Aork, 8. Juli. Im Senate zu Washington hatte Burnside einen Protest gegen das Projekt des Panama-Kanals erhoben, welcher die Ausführung ausschließlich für die Amerikaner in Anspruch nahm. Herr v. Lesseps hat nun em Beruhigungs-Telegramm an den „New.Aork- Herald" gerichtet, in welchem er ebenfalls für die Neutralität des Unternehmens — ohne Controle und Einmischung der Regierungen eintritt. Telegraphische Depeschen. Wagner's telegr. T»rresp»u>eut-Vure«s. Ems, 9. Juli. Se. Majestät der Kaiser hat gestern eine Spazierfahrt nach Fachbach unternommen und Abends der Theatervorstellung beigewohnt. Die Kur wurde in regelmäßiger Weise fortgesetzt. Berlin, 9. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Gutem Vernehmen nach ist Aussicht vorhanden, daß die Herstellung einer directen Schienenverbindung zwischen Berlin, Schwerin und Lübeck nunmehr von Seiten des Staates in die Hand genommen wirv. Die bezüglichen Einleitungen wurden getroffen und Schritte bei den beteiligten Regierungen gethan. Bukarest, 9. Juli. „Telegraphist" und „Romania libera" perhor- resciren die über das Commissions-Programm hinausgehenden Concessionen in der Judenfrage. Letzteres Blatt bemerkt: Wenn Europa damit unzufrieden ist, werden wir es ertragen, noch einige Zeit in nicht vollständig anerkannter Unabhängigkeit zu verbleiben. Versailles, 9. Juli. Die Deputirtenkammer hat den Gesetzentwurf über den höheren Unterricht genehmigt mit Einschluß des Art. 7, welcher den nicbtautorisirten Congregationen (Jesuiten rc.) die Ertheilung von Unterricht verbietet Paris, 9. Juli. Die Regierung hat den Marschällen Mac Mahon, Canrobert und Leboeuf die Genehmigung zur Reise nach Chislehurst behufs Theilnahme an der Leichenfeier des Prinzen Napoleon versagt. Berlin, 9. Juli. Reichstag. Die Fortsetzung der zweiten Berathuna des Zolltarif-Gesetzentwurfes beginnt heute bei § 7 (Garantiefrage). Windthorst alä Steferent characterisirt die Anträge Franckenftein und Bennigsen, von denen der erstere oenföderativen Character der Reichsoerfassung festhalte und zugleich die verfassungs- maglgen Matrlkularbeiträge beibehalte. Die Commission habe die Unmöglichkeit eingesehen, beide Anträae zu vereinigen. Der Antrag Bennigsen schaffe, indem er feste Einnahmen beweglich mache, Unsicherheit im Budget. — v. Bennigsen erklärt, bei Annahme des Antrages Franckenftein sei es ihm unmöglich, für den Tarif zu stimmen und rechtfertigt seinen Antrag auf Quotisiruna mit der Rücksicht auf das Einnahme- Bewilligungsrecht dts Reichstages; er habe die Neigung der Regierung, darauf em- zugehen, angenommen. Redner verweist auf das Unerwartete des Compromisses und den gleichzeitigen Rücktritt von drei Ministern; durch das Compromiß feien die Grnnd- lagen der Verfassung erschüttert, die Stellung der Einzelstaaten zum Reich verschoben. Redner fuhrt dies im Einzelnen aus. — Minister Friedenthal erklärt anknüpfend an Bennigsen's über die Minister-Demissionen: Obwohl der Reichstag ni^ bie Stelle zur Erörterung der Frage, sei er, um Jrrthümer ein für allemal aus- zuschlietzen, genothigt zu erklären, daß der Antrag Franckenftein auf feinen Entschluß reinen Einfluß geübt habe; er werde für diesen Antrag stimmen. Im Namen der beiden anderen Minister Erklärungen abzugeben, sei er nicht legitimirt. Was seinen Freund Falk angehe, so könne er prognofticiren, derselbe werde mit ihm für den Antrag Franckenftein votiren. v. Kardorff erklärt sich für den Antrag Franckenftein, der die beste Handhabe zur Vermittelung biete und macht die Nationalliberalen für die jetzige Lage verantwortlich- Es, erfolgt hieraus heftiger Widerspruch seitens der Nationalliberalen. Fürst Bismarck: Wenn man sich seit 18 Jahren die Aufgabe gestellt hat, die deutsche Einheit zu consolidiren, so begreift man die Schwierigkeiten nicht, die hier emer einfachen wirthschaftlichen Maßregel entgegentreten, einer Maßregel, welche die Mehrzahl der Nation will und die eine unerhörte und verlogene Preßagitation nicht wird zu mchte machen können. Das Reich hat alle Hauptfinanzzölle. Es kann feine Bedürfnisse nicht decken. Jeder Versuch, dies Ziel zu erlangen, war bisher gescheitert, bis ich selbst den Vorschlag machte, unsere finanziellen Zustände zu bessern. Ich hoffte auf eine leichte Verständigung. Die liberale Partei "vernichtete diese Hoffnung; sie machte keinen Gegenvorschlag, sondern begnügte sich mit der reinen Negation, wie die Fortschrittspartei, die ja, ohne die Intentionen der Regierung zu kennen, stets opponirt und die Quelle aller Beunruhigung ist und war. Ich habe mich für den Francken- fteln'schen Antrag entschlossen, nachdem ich gesehen habe, daß ich die Wege, welche andere Fractionen vorgeschlagen, nicht gehen kann. Diese Wege, die wir aus den Debatten über den Petroleumzoll kennen, können die verbündeten Regierungen, kann das Reich nicht gehen. Sie sind wenig verschieden von der socialdemokratischen Richtung (Lärm und Heiterkeit), welche sie mindestens vorbereiten! Die Annahme, daß ich die Finanzhoheit des Reiches schädige, ist gänzlich aus der Lust gegriffen. Wo ist denn ba§ verfassungsmäßige Einnahme-Bewilligungsrecht des Reichstages erschüttert? Ich verstehe vollkommen die Forderung nach constitutionellen Garantien, habe aber einen solchen Antrag wie den Franckenstein'schen, der nur nach dieser Richtung genügt, aus der Mitte der nationalliberalen Partei erwartet. Vor einem Jahre wurde ich verdächtigt, auf dem Berliner Congresse Deutschlands Interessen auf das Sviel gesetzt zu haben. Das Verleumderische dieser Behauptung ist seitdem klar geworden. Heute gefällt man sich darin, mich besonderer Reactionsgelüste zu beschuldigen. Ich habe mich immer mehr und mehr von der nationalliberalen Partei, die mich bis dahin unterstützt hatte, verlassen gefühlt. Es ist nickt richtig, daß ich mit irgend einer Fraction gebrochen habe. Ich habe nie einer solchen angehört, seitdem ich Minister bin. Ich habe stets nur dahin gestrebt, Deutschlands Einheit zu schaffen und zu erhalten. Ich bin mit Allen gegangen, die mich darin unterstützt haben. Es ist für Deutschland ein Glück, daß es sich außer auf Preußen auch auf andere Staaten zu stützen hat. Es ist dies eine Stütze, die uns durch nichts ersetzt wird. (Beifall.) Fürst Bismarck fährt fort: Hätte ich die Diktatur je für zweckdienlich gehalten für die Einigung Deutschlands, ich hätte gewiß dazu gerathen, aber ich war mir bewußt, daß der Weg, den ich vorschlug, der richtigere und bessere war. Redner wirst einen Rückblick auf die Entwickelung des Reiches in den ersten Jahren seines Bestehens. Wenn ich, fährt er fort, enger an die liberalen Parteien gedrängt wurde, hoffte ich dadurch eine allgemeine Verständigung zu fördern. In dieser Voraussetzung sehe ich mich getäuscht, seitdem eine große geachtete Presse und Partei mich befehdete. Die Regierung muß ihre Wege gehen, die sie für richtig erkannt hat. Sie wird die Unterstützung der Fractionen bedürfen, aber sie wird nie von ihnen abhängen dürfen. So lange ich Minister bleibe, werde ich in meinen jetzigen Bestrebungen nicht Nachlassen, die ich zum Heile des Vaterlandes für erforderlich erachte. Es wäre Verrath am Vaterlande, wenn ich davon abließe. Lieber wäre es mir, wenn ich die Matrikularbeiträge entbehren könnte. Wenn ich aber von der nationalliberalen Partei im Stiche gelassen werde, wenn mir fein positiver Vorschlag gemacht wird, so muß ich doch an dem feslhalten, was wir haben. Nach dem Anträge Franckenftein erhalten die Einzelstaaten, was ihnen von Rechtswegen zusteht. Das Reich steht gerade da, in voller Finanzhoheit da, wenn es seine Forderung geltend macht, ohne in die Verwaltung der Einzelstaaten einzugreifen. Ich erachte die Finanznoth im Wesentlichen für gehoben und glaube, daß das Finanzwerk, das wir setzt schaffen, segensreich wirken wird. Es ist nicht abzusehen, wie die Verfassung dadurch erschüttert werden soll oder gar der Bestand des Reiches, das sich ja doch aus den verbündeten Regierungen zusammensetzt. Der Wortlaut des Bundesvertrages im Eingang der Verfassung stellt das Verhältniß ganz klar. Es ist in keiner Weise zu behaupten, daß wir jetzt den Partikularismus stärken. Redner erörtert die verfassungsmäßigen Bestimmungen über die Erhebung und Verwendung der Zölle an der Hand der einzelnen Paragraphen der Verfassung zum Nachweise, daß der Antrag Franckenftein sich genau in dem Rahmen der Verfassung bewege. Die Regierung werde sich von dem Wege, den sie jetzt betreten, seitdem sie sich am letzten Sonntag für den Antrag Franckenftein erklärt hat, nicht verdrängen lassen. Ich selbst werde diesen Weg bis ans Ende gehen, den ich als den richtigsten zum Heile des Vaterlandes erkannt habe; ob ich Haß oder Liebe damit ernbte, ist mir gleichgültig. (Beifall rechts und im Centrum.) Windthorst erklärt sich für den Antrag Franckenftein, beleuchtet die Haltung des Centrums und bestreitet, daß dasselbe Concessionen gefordert oder erhalten habe. Das Centrum wolle nur der wirthschaftlichen Bedrängniß abhelfen. Das Zusammengehen mit den Konservativen hänge von der Beendigung des Kulturkampfes ab. Das Gentrum hoffe mit den Konservativen zusammenzuwirken, nicht zur Reaction, sondern zur Revision der von jeher vom (Zentrum bekämpften Maigesetze. — Lasker spricht gegen den Antrag Franckenftein und rechtfertigt die Haltung der nationalliberalen Partei, welche dauernd so weit sie irgend gekonnt, nachgegeben habe. — v. Helldorf befürwortet den Antrag Franckenftein. Nachdem v. Komierowski Namens der polnischen Abgeordneten erklärt hat, daß seine Partei sich der Abstimmung enthalte, wird die Discussion geschlossen. § 7 wird in namentlicher Abstimmung mit 211 gegen 122 Stimmen angenommen. Die Polen enthalten sich der Abstimmung. Geschlossen für den Paragraphen stimmen die Conser- vativen und das Zentrum, dagegen die Fortschrittspartei, die Nationalliberalen und die Socialdemokraten. — Nächste Sitzung Donnerstag 10 Uhr. Berlin, 9. Juli. Die „Proo.-Corresp." enthält einen Artikel über die Wirksamkeit des Finanzministers Hobrecht, welcher folgendermaßen schließt: Indem Minister Hobrecht für die unmittelbaren Zwecke der Finanzpolitik des Reichskanzlers sein volles Einverständniß zu erkennen gab, deutete er zugleich an, daß die letzten Ziele und Pläne des Kanzlers namentlich in Bezug auf die Umgestaltung und Aufhebung der directen Steuern in Preußen wohl weiter gingen als die seinigen, fügte aber alsbald hinzu, daß dies Fragen seien, um deren Lösung es sich zur Zeit noch gar nicht handle, die für jetzt nur eine allgemeine grundsätzliche, aber keine praktische Bedeutung haben. Inzwischen scheint jedoch diese Verschiedenheit der Auffassungen über die künftige Gestaltung der preußischen Finanzpolitik den Minister Hobrecht vorzugsweise dazu bestimmt zu haben, seinen Abschied zu erbitten. Tirnowa, 9. Juli. Heute Vormittag 9 Uhr wurde in der historischen Kr^nungskirche das Tedeum abgehalten, wonach die.Eidesleistung des Fürsten Alexander von Bulgarien stattfand. Der Fürst trug russische Generals- Uniform und die Großkreuze verschiedener Orden. Er sprach die Eidesformel fließend in bulgarischer Sprache, was von der Versammlung mit lebhaftem Enthusiasmus ausgenommen wurde. SlemtlcH nach Maaß unter Garantie des Gutpassens liefert zu billigen Preisen (2965 __________H. Rnbfamen. 4591) Schöne große Ä n a- nas-Erdbeeren täglich frisch gebrochen. SelterSberg E. 37. Lokales. Gießen, 10. Juli. Die auf Sonntag den 13. dss. Mts. vorgesehene Regatta zu Bad Nauheim kann, wie uns von kompetenter Seite mitgetheilt wird, nicht' abgehalten werben. — Als Hauptgrund ist der nachträgliche Rücktritt des Mannheimer Ruder-Vereins zu betrachten, gegen welchen die hiesige Ruder-Gesellschaft mit ihrem 4 riems inrigged Raceboot — selbst Äuch gegen Seniormannschaften — fahren wollte. Die Offenbacher Ruder-Gesellschaft, sowie der Offenbacher Ruder-Verein hatten in anerkennenswerther Weise ihre Mitwirkung zugesagt, ebenso der Mainzer Ruder-Club mit seinem 4ruderigen deutschen Gigg „Ludwig IV/' für welchen jedock trotz aller Bemühungen keine paffende Concurrenz zu finden war. — Mit einer Verlegung der Regatta auf einen späteren Termin konnte die Großherzogliche Curcommission zu Bad Nauheim sich nicht einverstanden erklären, ebensowenig konnten jene Vereine, welche ihre Betheiligung per 13. er. zugesagt hatten hiermit einverstanden sein, da deren Kräfte durch mehrere im Laufe res Monats August stattfindende Regattas anderweit zu sehr in Anspruch genommen sind. — Drr Oberheff. Obst- und Gartenbau-Verein, als Zweig-Verein des Rheinischen Gartenbau-Vereins, unter dem Präsidium Sr. Erlaucht des Herrn Grafen von Laubach, veranstaltet vom 6. bis 9. September in den Räumen des Wenzel'schen Gartens eine Ausstellung von Pflanzen, Obst und Gemüse. Als Preise sind Geldbeträge sowie ehrende Anerkennungen vorgesehen; außerdem wird der besten Leistung die goldene Vereinsmcdaille (Werth 120 .X) zugesprochen. Das Preisrichteramt wird anerkannt tüchtigen Fachleuten zuertheilt und hoffen wir, daß denselben durch zahlreiche Sendungen aus dem Gebiete der Flora eine recht mühsame Arbeit hinsichtlich der Prüfung des Besten bescheert werde. Anmeldeformulare, sowie Prospekte find von Herrn Kammerrath Weber zu Laubach, sowie Herrn Kunstgärtner Deines in Gießen zu beziehen.__________________________________________________________________ Vermischtes. Mainz, 7. Juli. Unglücksfall. Am Samstag Abend schloß ein löjähriges Mädchen die Ladenthüre des in der Jakobsbergerstraße befindlichen Cigarrenladens. Zur größeren Sicherheit wollte daffelbe ein großes eisernes Aushängeschild zwischen Thür und Theke stemmen, glitt dabei aus und das Schild fiel dem Mädchen auf die Luftröhre, so daß es zwischen Thür und Schild gepreßt wurde und erstickte. — Eine Keilerei, bei welcher erklecklich Blut floß, fand in verflossener Nacht von der Rosengaffe nach der Sackgasse zwischen Handarbeitern statt. Es wurde mit Messern gestochen, eine Rase abgeschnitten und mehrere andere Verwundungen verübt. Den Anlaß soll eine Frauensperson gegeben haben. Auch wurden schließlich Verhaftungen vorgenommen. Triberg, 7. Juli. Wie ein Augenzeuge mittheilt, hat es gestern auf den Höhen Lei Schönwald geschneit; gewiß eine seltene Naturerscheinung bei dieser vorgerückten Jahreszeit. Worms, 6. Juli. Die Firma Doerr & Reinhart ließ heute die erwachsenen männlichen Arbeiter ihrer Fabrik, über 300 Personen, mittelst Extrazuges nach Offenback befördern, um daselbst die Landes-Gewerbeausstellung zu besichtigen. (W. Z.) — Professor Reuleaux hat seinem ersten geflügelten Worte: Billig und schlecht! ein zweites nachfliegen lassen, das an die Handwerker gerichtet ist. Es lautet: Mehr Werkstätten, weniger Schaufenster! — Es soll nicht alles Kaufmann werden. Nürnberg, 1. Juli. In einer gestern stattgehabten Versammlung hiesiger Bierwirthe, zu der sich über hundert Theilnehmer eingefunden hatten, wurde nach vem „Nürnb. Corresp." beschlossen, die hiesigen Bierbrauer aufzufordern, den Bierpreis zu ermäßigen, wivrigenfalls die Bierwirthe den Bezug einstellen würden. Es wurde constatrrt, daß 7 auswärtige Brauer unter entsprechenden Garantien sich anheischig gemacht haben, den hiesigen Bierwirthen Bier in jeder Quantität ju 16 per Hectoliter franco in's Haus zu liefern. Ein gleicher Preis wird nun auch von den hiesigen Bierbrauern verlangt, wogegen die Wirthe den Schankprcis auf 22 per Liter festsetzen wollen. Das mit der Ueberbringung dieser Forderung an die Herren Bierbrauer betraute Comite wurde zugleich beauftragt, die in der Versammlung nicht erschienenen Bierwirthe zum Anschluß einzeln einzuladen. Verschiedene Wirthe haben bereits den Schankpreis über die Straße auf 22 herabgesetzt. London, 4. Juli. Der Haupstadt lächelt heute Morgen ein wenig Sonnenschein, - das ist das einzig Erfreuliche, was wir vom Wetter zu berichten haben. Gestern Nachmittag war der Nebel so stark, daß eine Zeitlang Gas gebraucht werden mußte. Den ganzen Vormittag hindurch regnete es stark. In Dublin war starker Sturm. Eine Brücke über den Äire bei Kirkstall ward fortgerissen Aus Stalybridge wird gemeldet, daß eine der Straßen vollständig mit kleinen Würmern bedeckt war, die offenbar durch einen Wirbelwind verschlagen w°rden waren, denn viele von ihnen hingen an den Mauern der Häusern. In Lancashire und m Derbyshire ist durch Sturmw-tt-r großer Schaden angerichtet worden. Viele Lämmer sind durch Kalte umgekommen. In Schottland sind ganze Felder überfluthet worden. — Gestern wurde hier em Mordproceß zu End- geführt, der viel von sich hat reden machen. <^n e nem H°u/e "»"Euston Square man cot wenigen Wochen das Skelett eines Frauenzimmers n einem Kohlenkeller gefunden und daraufhin eine Magd, di- früh-r in s-n-m Hause gedient hatte und in deren Besitz man verschiedene Kostbarkeiten der Verstorbenen fand, des Mordes geklagt. t®i'|,16c Eltern von den Geschworenen für „nicht schuldig" erklärt worden So bat es denn ganz den Amchein, als ob den vielen Fällen nicht aufgeklärter Mordthatcn cm neuer hmzuzufugen sei. Em anderer Schreckensproceß, bei dem es sich um ein- in Rich mond zerstückelt gefundene Frau Thomas handelt, findet dort heute Abend oder morgen seine Erledigung. ö ,tul __ n, Am Samstag den 21. Juni wurde im Kattegat das der Kovenbaaem Newcastler Dampfschiffs Gesellschaft gehörende neue Dampfschiff Konstantin von dem englischen Dampfer Joseph m den Grund gebohrt. Ein Augenzeuge berichter darüber: Um 101/, Ubr bte Passagiere beim Frühstückstische saßen, kam der Capitän plötzlich aus dem Ausauck ae' fturit unfe mtt dem Rufe.- „Hier geschieht eine Collision, welches Unglück, folgt mir!" svrana er aufs Deck, ihm nach die Passagiere. Im selben Augenblick erfolgte der Zusammenstoß. Der englische Dampfer muß mit dem Nebel gekommen sein. Die beiden Schiffe hielten Curs gegeneinander, und erst im letzten Augenblicke bekamen sie einander in Sicht. Der Dampfer Joseph brach mit dem Bug direct in die Steuerbordseite des Konstantin hinein. Bei dem gewaltigen Stoße war es, als ob im Innern des Schiffes Alles zusammenbräcke. Aus Der Oeffnung an der Seite des Konstantin wälzten sich Schafe, Schweine, Tonnen und Fastaaen in einem Wirrsal, während das Wasser hereinstürzte. Der Joseph wurde durch den Zusammenstoß zuruckgetrieben und schwenkte herum, so daß sein Steven unter einem ziemlich spitzen Winkel mit dem Steven des Konstantin zu liegen kam. Bald darauf explodirte die Maschine des Konstantin, der Schornstein wurde hoch in die Luft geschleudert, eine dichte Dampfsäuls stieg auswärts und im selben Augenblick versank das Schiff. Die ganze Katastrophe dauerte sechs bis sieben Minuten. Inzwischen hatten mehrere Matrosen, Passagiere u. s. w. sich an ©orb des Joseph gerettet. Die Stelle, wo der Konstantin gesunken war, glich einem chaotischen Ladeplätze, wo Thiere, Butterfässer, Tonnen und Schiffskisten, umgekehrte Bote und abgelösle Schiffstheile durcheinander lagen. In diesem Chaos befanden sich auch die ^uruckaebliebenm von der Mannschaft und den Passagieren des Konstantin. Am Bord des Joseph, dessen eigene Mannschaft vollauf beschäftigt war, die aus Steinkohlen bestehende Vorderladuna über Boro 8" werfen, um den Bug des Schiffes so viel zu heben, daß die Oeffnung in demselben über die Wasserlinie kam, brachten inzwischen diejenigen, welche sich vom Konstantin gerettet hatten, einige Bote in See, um den übrigen Schiffbrüchigen zu Hülfe zu kommen. Es gelang auch nach und nach, die letzteren aufzufischen, einzelne allerdings in einem ziemlich traurigen Zustande. M't Ausnahme eines Heizers wurden alle gerettet. Da das Wetter und die See ruhig waren konnte der Dampfer Joseph seine Reise bald fortsetzen. Das Hornvieh, von welchem 350 Stück sich an Bord befanden, war gebunden und ging daher mit dem Schiffe unter; die Schafe und Schweine dagegen waren lose und eine Menge davon wurde durch die Oeffnung an der Seite des Konstantin hinausgedrängt. Sie schwammen zwischen dem übrigen Wrack umher, kämpfend um ihr Leben und suchend, sich auf den rollenden Fastagen zu retten. In ihrer Angst bissen die Schweine nach den Menschen, welche in ihrer Nähe aufkamen. Noch 24 Stunden nach dem Unfälle sind lebende Schweine an dem Orte der Katastrophe aufgefischt worden. Handel und Verkehr. Frankfurt, 9. Juli. (Marktbericht.) Butter im Großen 1. Qual. »lat 8 SC' w Ä I 4bö5) •" «nto