Nr. 288. Mittwoch den 10. December 18W» Meiner 'Anzeiger Aszeige- M Amtsblatt fit bea Kreis Gießen. vchulstrahe B. 18. MMMW Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montag-. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brmgerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 H'o titi sch er Hheit. Darmstadt, 6. December. (Schluß des Berichts des ersten Ausschusses der ersten Kammer der Stände über die Vorlage Großh. Gesammtministeriums über die Abtretung des hessischen Antheils an der Main-Weser-Eisenbahn an Preußen und die damit zusammenhängenden Petitionen der Stadtverordnetenversammlung in Gießen, des Gemeindevorstandes in Dortelweil und des Gemeindevorstandes der Stadt Bad- Nauheim betr., erstattet von des Grafen zu Solms-Laubach Erlaucht.) Was die finanzielle Seite der Angelegenheit betrifft, so ist in den jenseitigen Ausschußberichten sowohl, wie in den Verhandlungen verehrlicher zweiter Kammer das Detail in so erschöpfender Weise herungezogen und zusammengestellt, daß hier füglich darauf verwiesen werden kann. Wenn nun auch der berichtende Ausschuß sich weder vollkommen der Ansicht der Minorität, daß in dem Kaufpreis der wirkliche Werth des Objects ausgedrückt sei, noch der Ansicht der Majorität, daß man zu solch schlechten Preisen werthvolle Objecte nicht verkaufen solle, anschließen kann, so muß er doch sich dahin aussprechen, daß der Kaufpreis, wenn auch dem Werth des Objects nicht ganz entsprechend, doch den Verhältnissen ganz angemessen ist und, was bessnders den Ausschlag bei dieser Krage geben muß, dem hessischen Staate für die Dauer dieselbe Rente zu sichern geeignet ist, als die aus dem fortdauernden Besitz des Main-Weserbahn-An- theils zu erwartende sein wird. Nach dem Bericht der Majorität des jenseitigen Ausschusses, der mit großer Gründlichkeit alle einschlägigen Zahlen zusammenstellt, und auf den deshalb hier füglich verwiesen werden kann, ergibt sich, daß bei dem Verkauf des Main-Weser-Bahn-An- theils für die Summe von 17,250,000 Jt. auf eine dauernde Verzinsung des Anlage- capitals zu 4 pCt. gerechnet ist. Während nun von den Gegnern des Verkaufs nachzuweisen versucht wird, daß aus dem Beibehalten des jetzigen Verhältnisses auf die Dauer eine höhere Verzinsung des Anlagecapitals zu erwarten stehe, behauptet die Gegenseite, im Gegentheil sei im höchsten Fall eine Rente von 4pCt., oder, was wahrscheinlich sei, eine noch niedrigere zu erwarten, wenn man das Eigenthum der Bahn unter den jetzigen Verhältnissen beibehielte. Wenn es sicher wäre, daß die Gegner des Verkaufs Recht hätten, dann würde man wohl veranlaßt sein, sich die Sache sehr zu überlegei», da man sich, am allerersten aber bei der jetzigen Finanzlage wohl besinnen sollte, die Einnahmen deS Staates zu schmälern. Aber wir befürchten, daß die Aussichten, die von der Minorität verehrlicher zweiter Kammer eröffnet worden sind, und die auch Großh. Negierung bei Abschluß des Vertrags vorgeschwebt haben, größere Berechtigung haben. Denn zunächst ist es doch eine Erfahrungssache, daß im Allgemeinen d-e Erträgnisse aller Bahnen, denen immer neue Concurrenzlinien gebaut werden, in stetem Abnehmen begriffen sind, und anzunehmen, daß die Main-Weser Bahn, die ihre Richtung wohl weniger dem naturgemäßen Verkehrszuge, als vielmehr der Diagonale verschiedener gegen einander wirkender Kräfte verdankt, noch mehr als bis jetzt schon geschehen, zu Gunsten von günstiger situirten Concurrenzbahnen abgeben wird. Und dies wird unzweiselhalft um so mehr geschehen, als jetzt alle Concurrenzlinien Eigenthum des preußischen Staates sind. Hier braucht man noch gar nicht einmal chicanöse Absicht vorauszusetzen, wenn man annimmt, daß man in Preußen den Verkehr lieber auf die Bahnen leitet, deren Erträgnisse ganz in den eigenen Säckel stießen, als auf die Bahn, von deren Erträgniß man einen bedeutenden Theil abliefern muß, nach dessen Höhe noch obendrein der Kaufpreis berechnet wird. Aber nicht blos diese Verhältnisse hat die königlich preußische Bahnverwaltung in der Hand, sie hat auch fast allein über sämmtliche Verwaltungsmaßreaeln zu bestimmen, die auf die Rente der Bahn direct Bezug haben. Bauten zu Lasten des Baucapitals, Anzahl der fahrplanmäßigen Züge, kurz, eine ganze Menge Bestimmungen hängen fast ganz allein von ihr ab, abgesehen von denjenigen Aufwendungen, die in nächster Zeit aus Gründen allgemeiner Nothwendigkeit in's Auge gefaßt werden müssen. Die Bahnhöfe werden an verschiedenen Orten umgebaut werden müssen, wie z. B- Friedberg, Gießen, und ob die Main-Weser-Bahn nickt genöthiat sein wird, sich an der Anlage des projectirten Frankfurter Centralbahnhofs zu betheiligen, erscheint dem Referenten doch mindestens zweifelhaft. Daß aber die immensen Kosten solcher Anlagen sich auch nur annähernd durch den Verkauf des Bahnhofterrains werden decken lassen, das wird doch Niemand eingeredet werden können. Auch geht aus den Aeußerungen des Herrn Vertreters der Großh. Regierung in verehrlicher zweiter Kammer hervor, daß noch für den größten Theil der Bahn die große Ausgabe der Umlegung der Schienen und Ersatz derselben durck Bessemerftahlschienen bevorsteht, so daß die Behauptung der Majorität, „daß durch die in den letzten Jahren oorgenommenen großen Reparaturen zwar für den Äugenblick die Rente der Bahn gedrückt worden sei, aber gerade deshalb so bald keine solchen Reparaturen nöthig werden würden, weshalb für nahe Zukunft eine Steigerung der Rente zu erwarten sei", doch auf schwachen Füßen stehen dürfte. — Und welche Rücksicht sollte denn auch die königlich preußische Regierung bestimmen, für nothwendig oder auch nur als wünschenswerth erkannte Ausgaben zu Gunsten der hessischen Staatskasse zu unterlassen? Es heißt zwar in dem jetzt geltenden Vertrage vom 30. Mai 1868 im Art. 6, daß über alle diese Dinge eine Verständigung der Regierungen zu erfolgen hat, aber es liegt dock in der Natur der Verhältnisse, wie Jeder leicht einsehen wird, wer den größten Einfluß bei diesen Verständigungen hat- Es ist jedesmal der der die meisten Pressionsmittel in der Hand, und deren entbehrt Hessen vollständig' Wenn die Debatte in verehrlicher zweiter Kammer gezeigt hat, daß laut provisorischer Abrechnung für das erste Halbjahr 1879-80 die Rente bis auf 2,4 pCt- habe fallen können, so ist dies doch gewiß ein Fingerzeig, wie gefählich das Experiment ist, den Kaufvertrag nicht zu ratisiciren. Der berichtende Ausschuß wenigstens möchte die Ver- anwortung nicht mit übernehmen, und wird seine jetzige Ansicht auch dann für die richtige halten, wenn ,hm etwa nach wirklich vollzogenem Verkaufe der Bahn nachgewiesen werden sollte, daß die königlich preußische Verwaltung als Eigenthümerin der Bahn eine bessere Rente als 4 pCt. erzielt haben sollte. Und wenn nun gefragt wird, warum gerade jetzt dieser Vertrag abgeschlossen wird, so kann der berichtende Ausschuß das Vorgehen Großh. Regierung nur billigen, indem er der Überzeugung ist, daß bei der voraussichtlich fallenden Rente der Bahn ein längeres Zuwarten einen ähnlichen Verlauf nehmen würde, wie das bekannte Geschäft mit den sybillinischen Büchern, und daß naturgemäß die Eisenbahnerträgnisse bei weiterem Ausbau des deutschen Netzes stets abnehmen werden, dafür haben wir ein sprechendes Analogon in der Geschichte des Chausseegeldes, das hinreichte, um die Kosten der Chausseen zu bestreiten, als im Großherzogthum nur eine existirte und zuletzt mir einen verschwindend kleinen Theil derselben deckte. Was also riskiren wir bei dem Verkaufe? Wir entledigen uns eines unwürdigen, durch den Sieger im Friedensvertrag aufgezwungenen Verhältnisses, eines Schein- Eigenthums. Dagegen erreichen wir reine Verhältnisse, die stets unklaren Gemeinsckaften vorzuziehen sind, wir erhalten der Provinz den Nutzen, den die Main-Wefer-Babn bisher gebracht hat, da die Interessen der Provinz vertragsmäßig in genügendem Grade gewahrt sind (es wird im Wesentlichen nichts anders im Betriebe der Bahn, als es bis jetzt war) und sichern uns den Betrag der Rente in der Höhe, auf die dauernd zu rechnen sein wird. Wir kommen aber auch in die Lage alte Schulden abzustoßen und erhalten die Mittel zu nützlichen Verwendungen. Und hier wird es wohl am Platze sein, wenn der berichtende Ausschuß seine Meinung dahin ausspricht, daß es finanziell von Vortheil sein wird, dte Verkaufssummen in möglichst umfassender Weise für Abtragung älterer Eisenbahnschulden zu verwenden, was nach der Vorlage der Großh. Regierung aeschieht, indem außer der Tilgung der Restbauschulden der Main-Weser- Bahn und der Main-Neckar-Bahn auch noch etwa 7,500,000 von der Bauschuld der Oberhessischen Bahnen abgestoßen werden sollen. Und wenn auch in der nächsten Zeit im Eisenbahndepartement noch dem Großherzogthum bedeutende Aufgaben erwachsen sollten, so wird durch Tilgung der alten Schulden die etwaige für deren Lösung erforderliche Inanspruchnahme des Credits des Landes bedeutend erleichtert. — Nach allem Obigen ist es der Antrag des berichtenden Ausschusses: Hohe Kammer wolle dem von der Großherzoglichen Regierung voraelegten Vertrage, betreffend die Uebertragung des Eigenthums an der im Großherzog- lichen Gebiet belegenen Strecke der Main-Weser-Bahn auf den preußischen Staat, ihre Zustimmung ertheilen. Die einzelnen Bestimmungen des Vertrages haben dem Ausschuß verehrlicher zweiter Kammer Gelegenheit gegeben, verschiedene Wünsche kund zu geben, ohne daß ein Antrag gestellt worden wäre. Durch Ablehnung der Vorlage wurden diese Bemerkungen überhaupt gegenstandslos, der berichtende Ausschuß beschränkt sich auch im Allgemeinen daraus, die von dem jenseitigen Ausschuß als wünschenswerth bezeichneten Gegenstände der Aufmerksamkeit der Regierung ebenfalls zu empfehlen. — Es ist dies namentlich, nachdem durch die Erklärung Großherzoglicher Regierung der Punkt wegen der Grundsteuer dahin erledigt ist, daß in Analogie aller ähnlichen Verhältnisse auch von der Main-Weser-Bahn keine Grundsteuer erhoben werde, noch „die Ausdehnung des Versprechens der thunlichsten Berücksichtigung der Angehörigen des hessischen Staates bei Anstellungen des niederen Personals an der im Großherzogthum belegenen Bahnstrecke auch auf die höheren Bediensteten (Art. 10)." Zu den Petitionen der Stadtverordneten-Vcrsammlung in Gießen, des Gemeinde- vorstanves zu Dortelweil und des Gemeindevorstandes der Stadt Bad Nauheim, die dem Referenten übrigens nur aus dem jenseitigen Berichte bekannt sind, ist nach Vorigem nicht viel zu sagen. Die Stadt Gießen bittet: „Dem von der Großherzoglichen Regierung beabsichtigten Verkaufe des hessischen Antheils an der Main-Weser-Bahn an den preußischen Staat die Zustimmung zu versagen ober dieselbe nur unter der Bedingung zu ertheilen, welche ein gleichzeitig mitgetheilter, von der Stadtverordneten-Versammlung zu Gießen angenommener Antrag an den Verkauf geknüpft wissen will. Die Bitte, dem Vertrag überhaupt die Zustimmung zu versagen, fällt von selbst mit Annahme des vom berichtenden Ausschuß gestellten Antrags zum ganzen Entwurf. Die Bitte der Stadt Gießen aber, zur Bedingung der Annahme des Vertrags zu machen: „daß der Bau der Linie Biedenkopf-Kölbe unterbleibe, dagegen aber die Herstellung der Linie Altenhunden-Biedenkops-Kinzenbach-Gießen mit birecter Einmündung in bie Oberhessischen Bahnen unter Sicherung ber aus biejer Route refultirenben Gütertransporte für bieselben sofort in Angriff genommen werden müsse", können wir aus denselben Gründen wie der Ausschuß verehrlicher zweiter Kammer nicht befürworten, wenn wir auch im Jntereffe der Stadt Gießen, die durch die Richtung der Berlin-Metzer Bahn schon schwer geschädigt ist, wünschen möchten, daß Altenhunden- Gießen gebaut würde. Wir beantragen daher: Die Bitte der Stadt Gießen in ihrem ersten Theile für erledigt zu erklären, in ihrem zweiten Theile, soweit sie die Bedingung Der Erbauung ber Linie Altenhunben-Kinzenbach-Gießen befürwortet, nicht zu gewähren. Die Petition ber Stabt Bab-Nauheim geht dahin: „Den Bestimmungen bes Schlußprotokolls, wonach bas Anhalten beiber Schnellzüge an ber Station Nauheim fortan nur im Sommer, dagegen im Winter, und auch dies nur für den Fall ber Einrichtung einer Wintercur, nur bei einem Schnellzug in jeder Richtung stattfinden soll, die diesseitige Genehmigung zu versagen." Auch hier hätte ber berichtende Ausschuß gerne gesehen, wenn diesen nicht ungerechtfertigten Wünschen nachgekommen werden könnte, indessen glauben wir, daß bei der großen Nähe von Friedberg doch kein Grund oorliege, wegen dieser Beeinträchtigung der Stadt Nauheim, die am fühlbarsten wird in den 14 Tagen vom 1. Mai, wo die Badesaison beginnt, bis zum 15. desselben Monats, wo die Sommerfahrtenpläne in Kraft treten, den ganzen Kaufvertrag zu verwerfen und die Großh. Regierung erklärt, die in Pos. 3 des Schlußprotokolls enthaltenen Bestimmungen betreffs Nauheim sei das äußerste, was in dieser Sache zu erreichen gewesen sei, so würde die Zustimmung zu dem Wunsche ber Stabt Nauheim einer Ablehnung bes Vertrages gleichkommen, was wir nicht befürworten können- Deßhalb beantragt ber berichtenbe Ausschuß: Ablehnung bieses Ansinnens. Enblich können wir bas Begehren ber Gemeinde Dortelweil, die Erhaltung des seitherigen Characters dieser Station nicht befürworten, da Großherzogliche Regierung selbst erklärt hat, daß Angesichts des geringen Verkehrs aus derselben ihre Versetzung in die Categorie ber Haltestellen auch biesseits nicht habe beanstandet werden können. Wir beantragen daher: Auch Ablehnung des Ansinnens der Gemeinde Dortelweil. Darmstadt, 6. December. Der „Frkstr. Ztg." wird von hier gk schrieben: Nach der bisherigen Gesetzgebung in H.ssen und in vielen anderen deutschen Staaten waren Concurs-Forderungen in der ersten GläubigerVcr- sammlung geltend zu machen. Nach der Reichs-Concursordnung wird eine Frist bestimmt, innerhalb welcher Ansprüche anzumelden sind, die nach dem Ablauf der Anmeldefrist angemeldeten Forderungen können blos unter der Voraussetzung aus dem 8 Tage später abzuhaltenden Prüfungs-Termin geprüft werden, daß weder der Verwalter noch ein Concurs-Gläubiger dagegen Widerspruch erhebt; andererseits ist auf Kosten der Säumigen ein besonderer Prüfungs-Termin zu bestimmen. Diese Kosten sind nicht unbedeutend, da jeder Gläubiger eine besondere Ladung erhält, der Termin in öffentlichen Blättern auszuschreiben ist und die Reisekosten und Diäten der etwa erscheinenden Rechtsanwälte, des Verwalters rc. zu berichtigen sind. Es ist sogar möglich, daß der Säumige an der ersten Abschlags-Dividende nicht pathciplren darf. GS ist der Zweck dieser Zeilen, auf diese Bestimmungen aufmerksam zu machen, da aus Unkenntlich sehr vielfach dagegen gefehlt und das rechts- suchende Publikum dadurch in empfindlichsten Nachtheil versetzt wird. Auch kann nicht genug anewpsohlcn werden, in Proceßtagfahrten genau zur festgesetzten Stunde zu erscheinen, da bei einem verspäteten Erscheinen der einen Partei die andere Versäumniß-U^therl erwirken kann. Steht hiergegen auch Einspruch frei, so hat man doch die Kosten der neuen Tagfahrt zu tragen. m. Darmstadt, 8. Decbr. Der Finanzausschuß der ersten Kammer beantragt nach einem von Sr. Erl. dem Grafen zu Solms-Laubach erstatteten Bericht, dem Beschlüsse der zweiten Kammer beizutreten, für den Gehalt eines definitiv anzustellenden Cultur-Jnspectors statt der für den Gehalt eines provisorisch anzustellenden Cultur-Jngenieurs verwtlliglen 3300 Mk. jährlich 4400 Mk. und sowohl diesen Betrag, als auch die bereits für Bureaubedürfntffe, Reisekosten und Vermeffunzsarbeiten verwilltgten 3000 Mk. für die ganze Finanzpertode als Pauschsumme unter der Beschränkung zu bewilligen, daß der Gehalt eines definitiv anzustellenden Cultur- Jnspectors höchstens 4400 Mk. betragen und diese Summe nicht übersteigen dürfe. Weiter beantragt der Finanzausschuß der ersten Kammer nach dem deSfallS von Sr. Durch!, dem Fürsten zu Isenburg und Büdingen erstatteten Bericht Beitritt zu dem Beschluß der zweiten Kammer, zur Errichtung eines Auditoriums für die physikalischen Vorlesungen an der Landesuntversttät neben den aus dem allgemeinen Baufond für Universttätsgebäude zu entnehmenden 4000 Mk. weiter die Summe von 12000 Mk. zu verwilligen. Berlin, 7. Decbr. Dem kürzlich in der Retchsdruckerei fertig gestellten Bericht des Generalpostmeifters über die Ergebnisse der Retchspost- und Telegraphen-Verwaltung während der Jahre 1876—78 entnehmen wir folgende auch für wettere Kreise intereffante Notizen: Vor Allem find für die Entwickelung der Verkehrsanstalten zwei Momente von hoher Bedeutung gewesen: die am 1. Januar 1876 tn's Leben getretene Verschmelzung des Post- und Telegraphenwesens und die Erweiterung des Berner Postoeretns zum Weltpostverein. Die erstere hat den fortschreitenden inneren Ausbau der Post- und Telegraphenanlagen ermöglicht, ihre weitere Vorschtebung in das Innere der Landbezirke, ihre Vervollkommnung vom Standpunkt der Wtffenschaft und der Technik, endlich ihre größere Ver- werthung im Jntereffe der Allgemeinheit unter gleichzeitiger Verminderung des Verwaltungs-Apparats und des Beamten-Körpers. Der Weltpostverein aber fichert dem Postwesen eine durch nationale Grenzen nicht gehemmte Wirksamkeit, die für die Culturbestrebungen der Menschheit eine immer höhere Bedeutung erlangen wird. Beide Momente haben wesentlich betgetragen, trotz des Darntederliegrns von Handel und Industrie eine Steigerung in den Leistungen und eine Erhöhung in den Reinerträgen der Reichsverkehrsanftalten her- betzuführen. Die Vermehrung der Gesammtzahl der beförderten Postsendun- gen 'M Jahre 1878, gegen das Jahr 1875, beläuft sich auf 185 Mill. Stück, die Vermehrung der telegraphischen Depeschen auf 1 Million. Zugleich aber ist nicht nur das in der früheren Telegraphenverwaltung hervorgetretene Deficit von jährlich 31/! Mill. Mk. beseitigt, sondern es ist vom Jan. 1876 bis zum März 187s ein Reinüberschuß von mehr als 27 Mill. Mk. an das Reich abgeltefert. Die Zahl der Postämter und Postagenturcn ist seit dem Jahr 1875 von 6556 auf 7068 gestiegen, die Zahl der Dlegraphenämter von 1686 auf 4143. Schon mehr als die Hälfte aller Postbeamten ist im Telegraphenbetrteb mit verwendet, wodurch eine große Ersparung an Beamten- kräften etntrilt. Dazu ist trotz der außerordentlichen Vermehrung der Verkehrsanstalten das Gejammtpersonal in den letzten drei Jahren von 60,330 nur auf 62,060 gestiegen. Nach sorgfältigem Studium aller einschlägigen Fragen war im Herbst 1875 ein umfassender Plan zur Herstellung eines unterirdischen Telegraphennetzes für das Reich entworfen uns festgestellt; die Gesammtlänge der unterirdischen Leitungen des Reichs beträgt gegenwärtig schon 16,740 Kilometer, die längste Linie, von Kiel nach Straßburg z. E. gehend, erstreckt sich auf mehr als 1219 Kilometer. In welchem Grade die Post auf den Geldumsatz einwtrkt, läßt sich daraus ersehen, daß im Jahr 1878 der Betrag der Postauftragsbrtefe auf reichlich 306 Millionen, der Betrag der Postanweisungen gar auf mehr als 1777 Mill. Mk. sich belaufen hat. — Beim Centrum scheinen die Trauben etwas sauer zu fe)n, und, täuscht nicht Alles, so find die Verhandlungen mit der Curie tn's Stocken ge- rathen. Darauf läßt wenigstens das Auftreten Windthorst's in einer der letzten Sitzungen des Abgeordnetenhauses schließen. Bis jetzt hatte sich das Centrum ziemlich prssiv verhalten; die Thatsache aber, daß im Abgeordnetenhause eine conservaliv-nattonalliberale Mehrheit für die meisten Angelegenheiten geschaffen ist, der Umstand ferner, daß das Cenlrum bei den wichtigen Eisenbahn-Vorlagen nicht, wie es anfänglich gehofft, die Entscheidung in die Hand bekommen und nun endlich, bei dem langsamen Gange der Verhandlungen mit Rom, seinen Wählern gegenüber aus der bisherigen Unentschiedenheit heraustreten muß; alle diese Verhältniffe haben, wie eS scheint, die E itscheldung der Een- trumsfraktion dahin gedrängt, daß der parlamentarische Strom wieder los- gehen soll. Man hatte gestern den Etat des Ministeriums des Innern dazu ausersehen, den ersten Anlauf auShalten zu müffen. Herr Windthorst erklärte laut und feierÜch, daß der Culturkampf in alter Weise fortdauere, er griff den Minister des Innern heftig an, weil die Nichtbefiätigung von Ultramon- tanen zu Bürgermeistern u. s. w. nur Culturkampfgelüsten zuzuschreiben sei. Anscheinend kam es Herrn Windthorst aber doch nur darauf an, etwas Näheres übcr den Stand der Verhandlungen mit Rom zu erfahren, auf die er zu diesem Ende wiederholt zurückkam. Graf Eulenburg blieb jedoch die Antwort darauf schuldig. Herr Windthorst kündigte bereits an, daß die weiteren Angriffe beim Etat des Cultusministeriums erfolgen würden, doch soll dabet die Person des Herrn v. Puttkamer, so viel möglich, geschoit werden. Die Scharmütz l Seitens des Centrums sind also eröffnet; warten wir ab, wie lange dasselbe die oppositionelle Stellung innehalten wird. — Die erschreckende Häufigkeit von Eisenbahn-Unfällen hat Herrn Miy- bach zum Erlaß eines Resc>iptes veranlaßt, in welchem er den föiv.gL Diiec- ionen eine verschärfte Controle der Betriebssicherheit s Vorschriften a.ewpfirhlt. Das Rescript deutet an, daß gewiffe Unterlaffungen von Vorsichtsmaßregel« im Betriebsdienste stellenweise gewohnheitsmäßig gewesen zu sein scheinen, ohne bisher entsprechende Rüge gefunden zu haben. Im Uebrigen betont das Re- fcript die Wichtigkeit einer aufmerksamen Handhabung und Beobachtung der Signal- uno Wuchenstellungs-Apparale, wobei erwähnt wird, daß die gewöhnlichen optischen Telegraphen sich in einigen Fällen manzehaft erwiesen haben. Hoffentlich trägt die dankenswerche Anregung des Arbe.tsmintsters dazu bei, daß eben auch der technischen Verbefferung der der Betriebssicherheit dienenden Vorkehrungen und Apparate mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird, als bisher. — Berichte aus Oberschlesien, aus ßot-Iau, Kreis Rybnik, und aus dem Kreise Pleß eröffnen überaus traurige Aussichten. Der Nolhstand und der Hunger ist da und in die Hütten der kleinen Handwerker und Tagelöhner, der Wlttwen und Wrisen bereits eingrkehrt. Keine Kartoffeln, kein Brod, keine Kohle ist vorhanden — und dabei der eisige Winter. Zwar sind Gemeinde- wegbauten von der Regierung angeordnet unter Staatsunterstützung, aber die Gemeinden vermögen nicht bnzusteuern und der „Schief. Volksztg." zufolge dürfte „nach Weihnachten ein fast allgemeiner Nothstand mit allen seinen Schreck- inssen ausbrechen, wenn demselben nicht rechtzeitig vorgebeugt wird. Im Kreise Pleß giebt es über 80,000 Einwohner, von diesen dürften sicherlich 40,000 unterstützungsbedürftig sein." Inzwischen hat der Vaterländische Frauenverein auf Veranlassung der Kaiserin und unter Mitwirkung des Staatsministers Dr. Friedenthal begonnen, eine „planmäßige Organisation zur Hülfsthäng- keit" in's Werk zu setzen. Für die Aufbringung der außergewöhnlichen Geldmittel wurde beschlossen, einen Aufruf zu freiwilligen Beiträgen in den Zeitungen zu veröffentlichen und von Setten des Frauenvereins in Berlin die Ueberweisung eines größeren Betrages zu erbitten, deffen Gewährung in Aussicht steht. . ' ■ - ■ 1 -■ 1 ——■MB Telegraphische Depeschen. Wagner's telegr. Correspondeur - Bureau. London, 8. Decbr. Der Änchor-Dampfer „Anglta" ist am Samstag flott gemachr und Sonntag in Glasgow angekommm. London, 8. Decbr. Meldung des „Reuter'schen Bureau"s aus Konstantinopel vom 7. ds. ; Das diplomatische Corps soll der einstimmigen Ansicht sein, daß, wenn sich der Angriff der Montenegriner durch die Albanesen bestätigen sollte, die Pforte keine Verantwortung dafür treffe, da diese das Möglichste that, einen Coufltct zu verhindern. Layard gingen zufriedenstellende Berichte aus Kleinasien zu, wo durch kräftiges Vorgehen der türkischen Behörden sich die Lage befferte. Berlin, 8. December. Meldungen des „Retchsanzetgers". In die Commission wegen Verthetlung des Schillerpreises sind berufen: Die General- Intendanten v. Hülsen (Berlin) und v. Wolzogen (Schwerin), die Profefforen Grimm, v. Treitschke, Scherer und Julian Schmidt (Berlin), Gustav Freytag (Wiesbaden), Devrtent (Frankfurt) und Director Förster (Leipzig). — Der Kaiser verlieh dem Staaissecreiär v. Schelling den Cyaracter eines Wirklichen Geh. Rothes mit dem Prädikat Excellenz. Pesth, 8 Decbr. Die in voriger Woche gefallenen Schneemaffen und Niederschläge verursachten in mehreren Gegenden Hochwaffer. Bet Großwardetn ist der Körös über seine Ufer getreten, so daß ein Tyeil von Großwardein einen halben Tag lang in 50 Cmtimeier Höhe unter Waffer gesetzt war. Seit gestern ist die Gefahr abgewendet. Der weiße und der schwarze KöröZ find bedeutend angeschwollen, mehrfach Dämme durchbrochen und einige Ortschaften überschwemmt. Auch der Mrros-Fluß ist sehr angeschwollen. Aus Sieben- bürgen wird ebenfalls über Austreten von Flüffen berichtet. Straßburg, 8. Deember, Abends. Die Einladungsschreiben an die Mitglieder des auf den 16. ds. zusammenberufenen Eilaß - Lothringischen Lan- desauöschuffes sind von dem Statthalter Feldmarschall v. Manteuffel persönlich unterzeichnet. — Der Statthalter gibt heute anläßlich des russischen Georgsfestes zu Ehren des Herzogs Georg von Mecklenburg - Strelitz ein Diner. Die von heute an als Publikations-Organ der Landesoerwaltunz an Stelle der „Straßburger Zeitung" erscheinende „E'.saß-Lothringtsche Zeitung" erklärt an der Spitze ihres nichtamtlichen Theiles: Nachdem mächtige Ereig- niffe die Geschicke Eisaß^Lothringens mit denen des deutschen Reiches unauflöslich verbunden haben, kann die Förderung der Landestntereffen nur von der Basis aus erfolgen, daß die Wiedervereinigung deS LmdeS mit dem übrigen Deutschland nicht nur als vollendete, sondern auch als unumstößliche Thatsache betrachtet wird. Diesem leitenden Gedanken wird die Haltung der „Elsaß- Lothrinqischen Zeitung" entsprechen. Madrid, 8. December, Abkiids. Der König übertrug dem Präsidentm der Deputirtenkammer Posada Hrrrera die Bildung des neuen Krbinets: letzterer konferirte mit Sagasta, Serrano. Alonso Martinez und Cimacho, besuchte auch Canovas del Castillo. Die Bildung eines Kabinets mit Hilfe der Constitutionellen scheint sehr schwierig. Berlin, 9 December. Sämmtliche Fraktionen beriechen gestern über ihre Stellung zu den Eisenbahnvorlagen. Die Konservativ:n und Freikonser- vativen werden geschloffen für dieselben, Fortschrittspartei und Polen geschloffen dagegen stimmen. Die Nattonalliberalen dürften, mit Ausnahme von höchsten« 15 Mitgliedern, dafür, das Centrum, nur einige Mitglieder ausgenommen, dagegen stimmen. Stuttgart, 9. Decbr. Heute Nacht ist das Gebäude des Circus Herzog in d^r N ck -ritraße abg-brannt. ______________________ Lokales. Gießen, 9. December. Die „Volksküche" wurve heule Vormittag ohne weitere Formalitäten eiöffret. Zahlreiche HandwerkSburschen ließen sich die treffliche Speise les gab heute französische Suppe) im Speisesaale munden. Ebenso war der Verkauf an Arme und Arbeiter ein sehr lebhafter, so daß die zwei Keffel für die Folge wohl nicht ausreichen dürften. — Für die „Volksküche" gingen weiter bei uns ein: Dr. F. B. 10 Jt, Dr. Stammler 10 <^L L. G. D. Dr- Dt. 10 JL, Dr. Schüler 10 JL, M. K- 2 Jt, L. R. 1 Rechnungsrath Reuning 10 JL, Carl Vogt. Rentner 10 , von Mitgliedern der freiw städt. Feuerwehr bei einem Gesellschaftsspiel lo 39 H, durch Herrn Döring gesammelt 232 JC, Jean Sandner 1<> JL, v. Western- bagcn 20 Jt, Geh. Kircbrnralh Dr. Köllncr 10 X, M Rosenthal 10 X, Droescder u. Simon 10 X, Rath Z 10 X, Dr 3 X- Summa 378 X 39 mit den in letzter Nr. guittirten 1225 X 26 H nunmehr 1603 X 65 Wir sagen den freundlichen Gebern herzlichen Dank und nehmen weitere Gaben gerne entgegen. — Für die . Volksküche" haben nachstehende Herren, welche Victualien und EinrichtungS- ! gaben spendeten, sich verdient gemacht: Herr Weißbäcker gab für 15 X Holzwaaren, I Herr Ferd. Bapst spendete einen Ofen, Kohienkosten, Löffel rc., HH. Gebr. Windecker gaben 150 Pfb RciS, HH. Koch & Krotz l"0 Pfd. Reis, Herr Slug. Kröll einen Goffenstein von Eisen- ' Ferner stellte Herr'C. Balzer der Küche 50 Stühle und 9 Tische zur Verfügung. l< ist am Samstag au8 -sv- r einstimmigen z«. urch die Aibaneien ^effe, da diese bal m jchiedrnstelle^ r türkischen Behii- nzeignS". I« bi( lfen: Die ®enewl in), die Prosissmi n), Tnstap zrqtag' i Ä AL Ä «Ä* ft ? ’ni bl« 1 r?"b blt Wiener, btt NH® ' ff», aber Mt i fi*’ , 5® *te‘fe 1 Mlch 40.000 ’w 8t««H6[te(n ' rur )e»öhlllichtn W- 8ea lD den geitun: '"s in Berlin die 'Währung in SuL- stomaRtn uni 0« (StofaiM von ©tojmitbuv. Mi wat. Leit r einige Orlschssltt Len. LuS Siebte ungSschrribrn an tu lothringischen Ä»> Manteuffel persi" jßlich des ruM« Mecklenburg' Ttrch ?andesotr»valtliklz ci rtvringische Zeitung ibrrn mächtige Sr« ,,z mit de« M?* ^iltuafl der „'s' ” Ml M««1 L unb TB'» gaiineti m*1 W ■!i «“&# ;SÄ> s-di°d-brf 51 Ärß U brt , ßti| • !*rt ■«<1 .yf 1 ißinDt»^ — iDolkSküche) Bet dem Unterzeichneten gingen weiter et»: von Hrn. Reglerungs- retth Laberkorn 10 JL, Rentner Frtedr. Bender 20