282. Erstes Blatr. Sonntag ben 9. November 187&* Kichmer HtnMger Anzeigk- «st Amtsblatt fit ies Kreis Gieße«. > 1 !■■■■■'■'■— " ' PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. 1 Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 P^ Amtlicher HHeit. o Gießen, am 6. November 1879. Betreffend- Statistische Ermittelung der lanvwirthschaftlichen Bodenbenutzung und des Ernteertrags im Deutschen Reich im Jahr 1879. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Diejenigen von Ihnen, weiche noch mit Einsendung der Nachweise über die Ernleergebniffe im Rückstände sind, werden hieran mit Frist von 3 Tagen bet Meidung der Zusendung von Wartboten, erinnert. Dr. Boekmann. ___ _____________ ___ Bekanntmachung. Gefunden: 1 Kinderhandschuh, 1 Rolle Papier, 1 wollenes Halstuch. d*Diel gefundenen Gegenstände sind auf der Polizeiwache (Schloßgasie 258) aufbewahrt. Gießen den 8. November 1879. Großherzogltche Polizeiverwaltung Gießen. v Fr es e n t u g. Lanq Gö n 8 , den Pfarr-Corrferenz. Mittwoch den 12 November: Pfarr-Conferenz zu Gießen. 6. November 1879.Strack, Dekan. Hessen auf Grund des Brumair-Gesetzes vom Jahr VII- der französischen Republik in der Form des Dimensionsstempels zur @r^c&ung- Diese Verschiedenheit m der Er- Hebungsform und in der Höhe der Abgabe fortbestehen zu lassen, liegt kein Grund vor, wäre vielmehr m verschiedener Hinsicht als mißstandig zu betrachten. Nach Ansicht der Großh. Regierung empfiehlt es sich, deren Beseitigung dadurch herbeizumhren, daß die in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen bestehenden bezüglichen Vorschriften auf die Provinz Rheinhessen ausgedehnt werden. Der vorliegende Gesetzesentwurf soll diesem Zwecke dienen. Der zweiten Kammer ging ein Gesetzentwurf in Betreff des Baues und der Unterhaltung der Knnststtahen im Grotzherzogthum, sowie em weiterer in Betteff der Disciplinarverhältnisse der nichtrichterlicheu Staatsbeamten zu. Der erstere Gesetzesentwurf umfaßt 21, der letztere 57 Artikel. > Berlin, 5. Novbr. Der Kaiser wird morgen nach Letzlingen zur Jagd gehen und von dem Großfürsten Wladimir von Rußland begleitet werden. Auch der russiiche Botschafter, Herr v. Oubrtl, wird an diesen Hofjagden The«! nehmen. Niemand, der Herr v. Oubril spricht, wird auf ber Gedanken verfallen können, daß sich neuerdings etwas ereignet habe, was Rußland in die Quere gekommen. Er ist in der heitersten Laune, und Rußland thut gewiß ganz Recht, daß es gute Miene macht, so wenig ihm das Spiel behagen mag ; denn es ist augenblicklich außer Stande, aus das deutsch-österreichische Bündniß durch irgend eine Handlung zu antworten. In den Pariser Regle- rungskreisen will man jetzt schlechterdings nichts von auswärtiger Polltrk wißen. Gule Beobachter, die kürzlich in Paris waren, versichern, daß Paris jetzt glänzender als je sei. Die großen Gasthöfe sind überfüllt mit Fremden, das Bois de Bonlogne faßt kaum die Zahl der glänzenden Equipagen, die dort herumrollen, die Geschäfte gehen gut und die Finanzen legen Zeugniß ab von der großartigen Sreuerkraft des Landes trotz seiner ungünstigen Ernte. Die Regieiung Grevy's ist eutfchlosien, allen Gegnern der Republik kräftig entgcgenzuireten, und allem Anscheine nach wird sie wenigstens eine Zeit lang sich behaupten. Auch Gambetta hat mildere Saiten ausgespannt, Frankreich Bat die Rachegedanken verschoben und setzt seine, Stolz für jetzt darin, das Land anfblühen zu sehen und seine Kräfte zu sammeln. Unter tiefen Umstanden hat Rußland sich überzeugen muffen, daß es vorerst keine Allianz finden kann um unbekümmert um das deutsch-österreichische Bundniß seine orientau- schen Pläne fortzusetzen. Sehr traurig werden die Verhältntsie in Konstan- tinopel von denen geschildert, die kürzlich am goldenen Horn gelebt haben. Die letzte Folge der großen Anstrengungen des letzten Krieges ist Erschöpfung und Armuih. Man sieht, sagt ein Berichterstatter, nur selten noch Leute, die einen heilen Rock anhaben, und selbst dle Minister finden es nicht mehr möglich, sich zu bereichern, da eben kein Geld mehr da ist- Der Sultan soll ein Mann von Intelligenz sein und sich den Regierungsgeschäften elfrig, fast zu eifrig widmen Das letzte Z-rwmfnlß mit England ist wohl am richtigsten aufzusasien als ein persönliches Zusammenstößen zwischen dem Sultan und dem englischen Boischafter Layard. Er hatte im Voraus dagegen prottstirt, daß Mahmud Nedim, das Haupt der russischen Partei, wieder «n s Ruder gelange. Mit ihm würden die Reformen aufhören, und wenn die Türkei d«s Kierans bezügliche Versprechen nicht halte, würde Englands Unterstützung weg- s lle . So weit mochte er Recht haben. Nun aber that er einen Schritt, durch den er den Sultan Persönlich verletzte. Er ging nach ShrKn um Midhat Pascha mit großem Geräusche einen Besuch abzustatten. Abdul H-umd betrachtet aber Midhat Pascha, welchen er nur gezwungen aus der Verbau, nun« zurückries, als feinen persönlichen Feind, und um sich an Layird zu rL beries'er Ma mud Nedim In seinen Rath. Leider dreht sich dtt Ge- schäfiigkeit der Diplomaten in Konstantinopel allzuviel um Pasönl.chkriteu doch können wir nicht glauben, daß aus so geringfügigen Ursachen. em ernst- liches Zerwürfniß zwischen England und der Türket hervorgehe. (Köln. Ztg.) peutschla»l>. m. Darmstadt, 6. November. Der Abgeordnete M.hl hat in der letzten Sitzung der zweiten Kammer den Antrag eingebracht, dieselbe wolle die Großh. Re. aierung um Vorlage eines Gesetzentwurfes ersuchen, welcher die dermalrgen Normen über die straf, und civilrechtliche Verfolgung öffentlicher Beamten wegen m Ausübung oder aus Veranlassung der Ausübung des Dienstes begangener Handlungen und Unterlassungen einer neuen Regelung unterziehe. Dem Anträge sind folgende Motive beigegeben: „Der Art. 23 der Dlenstpragmatik vom 12. April 1820, des einzigen gesetzgeberischen Aktes, welcher obige Frage direct behandelt, bestimmte, daß bet „Anschuldigung oder Verdacht einer Amtsverletzung" die dem betreffenden Beamten vorgesetzte Dienstbehörde „die vorläufige Untersuchung haben" solle. Er spricht also nur von strafrechtlicher Verfolgung der Beamten, wurde jedoch durch verschiedene Urthelle des vorhinigcn Staatsrathes auf civilrechtliche Verfolgungen ausgedehnt Der § 11 des Einführungsgesetzes zum deutschen Gerichtsverfassungsgesetz laßt die landesgesetzlichen Bestimmungen, durch welche die Verfolgung von Beamten an die Vorentscheidung einer besonderen Behörde gebunden ist, bestehen und verlangt nur - soweit es hiervon Interesse — daß diese Vorentscheidung einem in bestimmter Art componirten obersten Verwaltungsgerichtshofe des Landes oder eventuell dem Reichsgerichte übertragen werde. Bei der auf dem vorigen Landtage in hoher Kammer stattgekundenen Berathung eines Ausführungsgefetzes zu jenem Gerichtsverfassungsgesetz wurde nun zwar aus Veranlassung eines von dem Abgeordneten Dr. Osann eingebrachten Antrags auf Aufhebung Mer Vorentscheidung allseitig — auch von dem Vertreter der Großh. Regierung — die Nothwendigkeit einer neuen Regulirung dieser Frage der Verfolgung der Beamten anerkannt; man hielt jedoch, da diese Frage sich nicht blos auf Richter, sondern auf alle Beamten beziehe und da sie einer sorgfältigen, umfaßenden Prüfung bedürfe, nicht für zweckmäßig, dieselbe bei jener Gelegenheit auszutragen und beließ es daher vorläufig bei der Bestimmung des Entwurfs, daß, insoweit die Verfolgung eines Beamten an die Vorentscheidung der vorgesetzten Behörde gebunden sei sie dem Verwaltungsgerichtshofe übertragen werde. Ebenso wurde auch auf dem dermaligen Landtage bei Berathung des die Bildung und Zuständigkeit dieses obersten Verwaltungsgerichtes betreffenden Gesetzes verfahren, indem man den von dessen Com- petenz handelnden Art. II des Entwurfes, welcher bei seiner Fassung so verstanden werden konnte, als ob bei der Verfolgung eines Beamten eine Vorentscheidung unterstellt werde, mit Zustimmung der Regierung dahin redigirte, daß es zur Competenz des Verwaltungsgerichtshofes unter Anderem gehöre, tn denjenigen Fallen, m welchen nach dem bestehenden Rechte eine Vorentscheidung nöthig sei, diese zu erlassen. So harrt die Frage, inwieweit die Verfolgung eines Beamten an eine Vorentscheidung des Verwaltungsgerichtshofes gebunden sei und ob sie fortan daran gebunden bleiben solle, noch ihrer durchaus nothwendigen Lösung" Der von der zweiten Kammer niedergesetzte besondere Ausschuß zur Vorberathung des Gesetzesentwurfs, die allgemeine Bauordnung betreffend, wird Donnerstag den 13. d. M- wieder zufammentreten. m. Darmstadt, 7. November. Der zweiten Kammer der Stände wurde unterm 25. October d. I. von Seiten des Großh. Ministeriums der Finanzen em Gesetzentwurf in Betreff der Erhebung des Eingabestempels in der Provinz Rheinheffen nebst Motiven vorgelegt, dessen einziger Artikel lautet: „Die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen über Entrichtung des Eingabestempels in der Provinz Rheinhessen sind aufgehoben. Die durch die Verordnung vom 16. Februar 1825, den Adminiftratio- stempel betreffend), wegen Erhebung des Eingabestempels in den Provinzen Starkenburg und Obcrhesfen getroffenen Bestimmungen werden auf Eingaben aus der Provinz Rheinhessen ausgedehnt. Die Stempelabgabe beträgt 1 JL 10 für jeden Bogen." Die dem Gesetzesentwurf beigegebenen Motive sagen: Nachdem durch das Gesetz vom 30. August d. I., die Ausführung des Deutschen Gerichtskostengesetzes und der Deutschen Gebührenordnung für Gerichtsvollzieher und für Zeugen und Sachverständige betreffend, die in den Provinzen Starkenburg und Oberhesfen geltende Stempel- und Taxordnu'ng vom Jahre 1822 nebst Zusätzen rc., sowie die in der Provinz Rheinhessen geltenden Bestimmungen über Dimensionsstempel und Einregislririingsgebühr außer Wirksamkeit gesetzt und durch die Verordnung vom gleichen Datum, die Gerichtskosten und Gebühren betreffend, neue, für die drei Provinzen des Großherzogthums gültige Vorschriften wegen Erhebung von Stempelabgaben und Gebühren in der nichtstreitigen Gerichtsbarkeit und dem besonderen Verfahren erlassen worden sind, besteht nur bezüglich des Eingabestempels noch eine Verschiedenheit der Landesgesetzgebung über das Stempelwesen. In den beiden rechtsrheinischen Provinzen kommt bekanntlich der Eingabestempel als Fixstempel mit 1 Jü 10 für jeden Bogen in der Provinz Rhein- Konstantinopel, 6. Nvübr. Von bestunterrichteter Seite wird die Nachricht, daß England ein Ultimatum oder eine Note an die Pforte gerichtet habe, für unbegründet erklärt. Die Wahrheit ist, daß die Pforte aus die Nachricht von der Entsendung englischer Krigsschiffe nach den türkischen Ge- wäffern mit der englischen Botschaft in Cornmunication getreten ist. Amerika. — Die neueste Post aus Süd-Amerlka bringt Einzelheiten über das Seetreffen, in welchem daS vielgenannte peruanische Widderfchlff „Huascar" gekapert wurde. Einer Depesche aus chilenischer Quelle zufolge hatte der „HuaScar" den Kampf gegen die ganze cornbinirte Flotte zu bestehen. Admiral Grau und sämmtliche Officiere des „Huascar" wurden getöotet. Der „HuaScar" strich nicht seine Flagge, ec wurde aber gänzlich zerstört. Die Chilenen retteten 70 Personen seiner Mannschaft, einschließlich der Verwundeten. Ein Telegramm aus Panama besagt, daß die Seeschlacht 6 Stunden dauerte. Der „Huascar" weigerte stch, sich zu übergeben und sank schließlich. EineS der chilenischen Panzerschiffe befand sich ebenfalls in sinkendem Zustande. Die Meldung von dem Verlust des „Huascar" verursachte viel Aufregung in Peru, aber der Enthusiasmus für den Krieg dauert an. Die öffentlichen Zeichnungen für den Kriegsfond, die in Lima an dem Tage stattfanden, als die Kunde von der Vernichtung deS „Huascar" anlangte, ergaben nicht weniger als 2^/, Millionen Francs. Telegraphische Depeschen. Waguer'S telegr. Correspondenj - Bureau. Berlin, 7. Noobr. Abgeordnetenhaus. Erste Berathung des Staatshaushalts- Etats, sowie des Gesetzentwurfs, betreffend die Verwendung der Ueberschüsse aus den Reichssteuern. Es haben sich 7 Abgeordnete gegen und 3 für die Vorlagen zum Wort gemeldet. — Richter (Hagen) spricht gegen den Etat, welcher die verheißenen Steuer- Erlasse nicht enthalte. Er vermißt Bewilligungen für Unterrichtszwecke und die Beamten und kritisirt den Eisenbahnetat; die schwankenden Einnahmen desselben könnten nicht zum Hauptfaktor des Budgets gemacht werden, wie es durch die Verwirklichung der Staatsbahn-Jdee geschehen würde. Redner fordert den Finanzminister aus, bie neuen Bahnen der Wirthschastspolitik zu verlassen. v. Zedlitz wendet sich gegen die Ausstellungen Richter's, weist auf die erheblichen Besitzobjecte hin, welche mit der Erwerbung der Privatbahnen an den Staat gelangen und vertheidigt das Staatsbahnsystem. Auch das Gesetz über die Verwendung der Reichssteuern erscheine als ein gerechtes und loyales. — Finanzminister Bitter will lediglich gegen Richter das Wort nehmen, um die gegen des Reichskanzlers und seine (Bitter's) Steuerpolitik gerichteten Vorwürfe abzulehnen. Das Schreiben des Reichskanzlers an den BundeSrath vom 15. December fei von dem Motive geleitet, der allgemeinen Calamität entgegenzutreten, welche aus der bisherigen Wirthschastspolitik entstanden war. Ein großer Theil des Volkes habe dies gebilligt; die Majorität des Volkes stehe heute hinter dem Reichskanzler. Die Verheißungen, welche der Reichskanzler gemacht, hätten die erhofften Wirkungen der neuen Steuergesetzgebung zur Voraussetzung; dieselben seien abzuwarten. Aus Börsenkreisen habe er (der Minister) seine Informationen über Hebung der Zustände nicht geschöpft; er stehe solchen Kreisen gänzlich fern; er habe seine Nachrichten von zuständiger Seite aus allen Provinzen eingezogen. Redner verliest eine Reihe von Einfuhrangaben, um die Besserung der Verhältnisse zu skizziren. Uebrigens habe er vor Uebernahme seines Amtes sich in vollstem Umfange mit dem Reichskanzler verständigt und stehe ganz und voll zu ihm bezüglich aller Zoll- und Steuer-Fragen. Eine rationelle F'nanzwirthschast werde sein einziges Bestreben bleiben. Auf tichter's Frage, ob Redner, wie sein Vorgänger einmal von Bismarck's Steuerplänen sagte, „Zukunftsmusik" treibe, erwidere er ■ er stehe in der Musik wie bezüglich der Finanzwirthschaft auf klassischem Boden und werde demselben treu bleiben — Eultusminister v. Puttkamer legt die Gründe dar weshalb in der Thronrede das Unterrichtsgesetz nicht erwähnt fei: man müsse warten' bis Staat und Communal-Verbände die finanzielle Last würden tragen können. Das' Pensionsgesetz für Volksschullehrer könne nicht außer Zusammenhang mit der allgemeinen Verwaltungsgesetzgebung erledigt werden; bis dahin müsse man sich mit den jetzt geforderten 300,000 Mk. begnügen. Man hoffe ein Penfionsminimum von 600 Mk. bewilligen zu können; dies sei jedenfalls schon eine Verbesserung. Die Angriffe Richter's auf die Generalsvnode würden sicher allgemeiner Mißbilligung begegnen. Er (der Minister) habe andere Angriffe erwartet wegen der Minderausgabe von 3 Millionen bei dem Extraordinarium des Cultusministeriums Er bedauere, daß dies nothwendig sei; die Schuld trage die allgemeine Finanzlage Er hoffe, das werde sich künftig bessern. — Negierungs-Commissär Burghart rechtfertigt die Vorlage wegen Verwendung der Ueberschüsse aus den Reichssteuern; die Regierung hatte die Zusage zu erfüllen, welche sic gemacht; dem sei durch die Vorlage entsprochen Rickert (aegen die Vorlagen) erklärt Namens seiner politischen Freunde der Gesetzentwurf über die Verwendung der Ueberschüsse aus den Reichssteuern habe'nicht die berechtigten Erwartungen erfüllt und sei nicht eine volle Einlösung der gegebenen Zusage. Die in voriger Session getroffene Vereinbarung war so verstanden, daß der Erlös an Steuer stets in den Etat ausgenommen werden sollte. Jetzt aber sei ein mechanisches Geschäft des Finan;ministers intendirt. Redner wünscht die Ueberweisung auch des Gesetzentwurfs über die Verwendung der Ueberschüsse aus den Reichssteuern an die Budget-Commission. — Nächste Sitzung morgen. Hadersleben. 7. Novbr. Krügrr-Beftoft ist wieder zum Landtags- Abgeordneten gewählt worden. Berlin, 7. November. Die Nachricht, daß der Vice-Präsident des StaatsmimsteriumS, Graf Stolberg, sich aus seiner Stellung zurückzuziehen gedenke, sowie die daran geknüpften Combinationen über die anderweitige Besetzung einiger Botschafterposten sind durchaus unrichtig London, 7. Novbr. Die „Times" erfährt, Musurus Pascha habe Lord Salisbury versichert, die auswärtige Politik der Türkei sei unverändert. Der Sultan wünsche sehnlichst die der britischen Regierung versprochenen Reformen auszusühren. Es werde wohl thunlicbst sein, Oberst Baker zum Gens- darmerie-Chef in Armenien zu ernennen. Er hoffe, die von England ange- orbnete Flottenbewegung werde für unnöthig befunden werden. Lord Salis- bury habe erwidert, die britische Regierung könne einen neuen Verzug nicht dulden. Unter der gegenwärtigen indolenten Leitung müsse das türkische Reich in Stücke fallen. Die britische Regierung verlange Thaten und keine Worte, werde aber in Anbetracht der Versicherungen des Botschafters vorläufig warten. Paris, 7. Novbr. Das „Journal officiel" veröffentlicht ein Decret, Wvdurch bie Kammern auf ben 27. d. M. einberufen werden. Pari-, 7. Novbr., Abends. Das Journal „Estafette" bezeichnet die Nachricht, daß Prinz Jerome Napoleon stch eine Hoshatung einrichte, als um begründet und erklärt, der Prinz beschäftige sich nur seinen Kindern und lebe zurückgezogener als je zuvor. London, 7. November. Der Werthbetrag der Einfuhr im October «gilt eine Zunahme von 273,426 L. gegen das Vorjahr, die Ausfuhr eine Zunahme von 443,973 L- Eine amtliche Depesche berichtet, das Gerücht von der Desertion afgha- nischer Regimenter in Herat entbehre der Bestätigung. Ayub Khan sei lhat- sächlich von den Truppen in dec Citadelle gefangen gehalten. München, 7. November. Der russische Thronfolger nebst Gemahlta und Gefolge ist heute Vormittag 9 Uhr von Paris hier eingetroffen und hat seine Reise nach Salzburg-Gmunden ohne Aufenthalt fortgesetzt. Lokales. Gießnr, 8 November. Wie bereits mitgetheilt nehmen die Schwurgerichtsverhand- lungen für das IV. Quartal 1879 am 8. December ihren Anfang. Als Geschworene sind für diese Periooe bestimmt: 1 1. Balthasar Sprenger von Kirtorf, 2. Heinrich Weitzel II., Bürgermeister von Kaichen, 3. Ernst Lutz von Heinbach, 4. Erich Wasserschleben, Kaufmann in Gießen, 5. Joh. Listmann, Schildwtrth von Blitzenrod, 6. Karl Münch von Homberg, 7. Bolprecht Struth II., Wachstuckfabrikant von Lauterbach 8. Asser Rothschild von Ober-Seemen. 9. Christian Dörr IV., Weißgerber zu Grünberg, 10. Heinrich Schudt, Müller zu Bruchenbrücken, 11. Schmidt, Bürgermeister zu Bermuthshain, 12. Martin Hartmann, Färber zu Grünberg, 13. Ludwig Jung II., Fruchthändler von Heuchelheim, 14. Karl Martin Wenzel von Butzbach, 15. Karl Becker I., Gerber von Gießen, 16. Adam Bingel, Beigeordneter von Tambach, 17. Eberhard Hahn III, Landwirth zu Annerod, 18. Friedrich Wilhelm Möller, Kaufmann zu Lauterbach, 19. Johannes Desch VII., Landwirth zu Wetterfeld, Theodor Füg, Gerichtsmann und Landwirth zu Landenhausen, 21. Georg Reitz, Bürgermeister zu Södel, 22. Wilhelm Seipprl zu Butzbach, 23. Friedrich Jung, Landwirth zu Klein Linden, 24. Wilhelm Breidenbach, Rentner zu Nieder-Wöllstadt, 25. Karl Leonhard Münch, Rentner zu Gießen, 26. August Walz, Gastwirth zu Büdingen. 27. Bernhard Schwarz, Kaufmann in Reichelsheim. 28. Johann Deckenbach zu Nieder-Seemen, 29. Karl Geisler, Landwirth zu Lollar, 30. Georg Waldschmidt II., Gemetnderechner zu Leihgestern. Ergänzungsgeschworene werden nach dem neuen Gerichtsverfahren nicht aleichzeitii ausgeloost. ° 8 Gießen, 8. Novbr. Am 5. d. Mts. hielt im Kaufmännischen Verein Herr Dr. Emil Glaser einen Vortrag über Shakespeare^ dichterischen Einfluß auf die deuttcke Literatur, worin der geehrte Redner hauptsächlich nachzuweisen versuchte daß Götbe und S ch i l l e r, welche unserer dramatischen Literatur die Signatur gegeben haben durck- aus nicht das waren, was sie nach Roderich ® c n e b i in feiner „Shakespearo'manie« betitelten Schrift, gewesen sein mußten, nämlich von Shakespeare unbeeinflußt Sie Hatten, so suchte Herr Glaser unter Anderem auch durch Proben aus ihren Dramen darzuthun, allerdings an Shakespeare theils ihren Geschmack gebildet was sogar in einzelnen Dictionen und Wendungen erkennbar wäre, theils dessen formelle Bühnentechnik, im Gegensatz zu den spröden Bühnengesetzen der Franzosen seiner Reit angenommen — ein Zugeständmß, das freilich wohl den erhabenen Lorbeer unserer Dichterfürsten auch nicht im Geringsten schmälere. Der Vortrag war ein wirklich ae- diegener und m sehr gefälliger Sprache gehalten. Leider war der Besuch desselben ein unerwartet geringer und dürfte diese, auch schon früher gemachte Erfahrung den Kaufmännischen Verein nicht ermuntern, auch künftighin, wie er seit Jahren gewohnt war weiteren Kreisen ui ähnlicher Weise Schönes und Lehrreiches zu bieten ' Gießen, 8. November. Mitten in der Stadt, am Marktplatze, wurde heute Nackt die Hirschapotheke ihres Symbols, des vergoldeten Hirsches, welcher über dem Eingang seine Lagerstätte hatte, beraubt. Spitzbuben oder andere Buben haben das ziemlich schwere Objekt weg, geschafft, ohne daß man eine Spur hat, wohin. ' ö — Gestern Nachmittag wurde ein öfters an Krämpfen leidender Junge bestnnungslo- vor dem Stalle in einer Hofraithe in der Löwengaffe aufgefunden. Jedenfalls durch den Fall hatte sich derselbe eine bedeutende Kopfwunde zugezogen. ° Vermischtes. — Ein Belgrader Korrespondent der „Times" erwähnt einer Thatsache, die ein seltsames Licht auf die inneren Zustände Serbiens wirft. Innerhalb einer Entfernung von drei Stunde» von Belgrad beherrscht ein frecher Straßenräuber Namens Despovttch mit einer aus 50 Spießgesellen bestehenden Bande das Land. Reisende, deren Erscheinung ihre Habsucht reizt, werden geplündert und ermordet. Seitens der Regierung ist ote Ergreifung dieser Räuber »ersucht worden, aber Despovttch ist bisher der Verfolgung entschlüpft und nur drei seiner Leute sind erschaffen worden. Die Bande zeichnet sich durch große Grausamkeit aus, indem sie durch Folterqualen den Bauern das Geständniß erpreßt, wo sie Geld und Werthsachen verborgen haben. Berlin, 27. Oktober. Raubanfälle auf öffentlicher Straße unter Anwendung von Betäubungsmitteln scheinen sich jetzt auch in Berlin zu wiederholen, nachdem sie in Paris und London schon lang- die Aufmerksamkeit und die Thätigkett der Criminalbrhürden in Bewegung gesetzt hatten. Vorgestern Abend 11 Uhr ging ein Schloffergeselle quer durch den Lustgarten, alS plötzlich Jemand von hinten ihm auf die Achsel klopfte. Der Schloffergeselle drehte sich um und in diesem Augenblick hielt ihm der Fremde sein Taschentuch vor die Rase. Der Ueber- fallene verlor das Bewußtsein und sank zu Boden. Als er seine Besinnung wieder erlangte, befand er sich auf dem Erdboden, seiner silbernen Cyltnderuhr beraubt. Als der Ränder dem Sckloffer das Taschentuch vor die Nase hielt, hatte dieser zwar noch kurze Zett so viel Besinnung, um die Lage zu erfaffen, dagegen fehlte ihm vom ersten Augenblick an die Kraft, um Hülfe herbeizurufen. Auszug aus denStandkssmlüreMrrn des Manürsamts Gießen Vom 1. bi- 7. Novlmber 1879. Aufgebote. 1 November. Kutscher Heinrich Adolph von Obergwegfurth mit Eltsabethe Engelhardt, Tochter des verstorbenen Ackermanns Johannes Engelhardt von Alt Buseck. 4. Schuhmacher Ludwig Fischer von Groß-Linden mit Katharine Pfaff, Tochter des Zimmermanns Konrad Pfaif von Groß Linden. 4 Schuhmacher Philipp Lather von Kirtorf mit Johannettc BonariuS, Tochter des verstorbenen Schuhmachers Christoph BonarmS von Groß -Buseck. 7. Schreiner Wilhelm Heß von Leihgestern mit Katharine Herrmann, Tochter des Schneidermeisters Wilhelm Herrmann von Nieder - Ohmen. 7. Meckaniker Georg Maximilian Peter Böger von Gießen mit Anna Peth, Tochter des verstorbenen AckermannS David Peth III. von Mörstadt. 7. Sckretner Johann Boltz von Mühlhausen, Ober-Elsaß, mit Philomene Menzel, Tocktrr des verstorbenen Spinner- Johann Menzel von Mühlhausen. Eheschließungen. 5. November. Kaufmann Johannes Hilgärtner von Elimback mit Katharine Elisabeth« Krell, Tochter des Mechanikus Jacob Krell von Lampertheim. 5 Bierbrauer Philipp Lindens struth von Wieseck mit Margarethe Seipp, Tochter des verstorbenen Zimmermann- Kaspar Seipp von Ober-Bessingen. Geborene. 24. Oktober. Louise Johanna, Tochter des Schloffcrs Ludwig Heinrich Debus. 31. Dem Bremser Johannes Lub ein Sohn. 1. November. Wilhelmine Elise, Tochter dcs Schloffers Johann Georg Michel. 26. October. Elia Pauline, außerehelich von auswärts. 28. Heinrich, außerehelich von auswärts 31. Otto Paul Karl, Sohn des Gensdarmcil Franz Ernst Gustav Brockwitz. 1. November. Otto Karl Konrad Wilhelm, Sohn des Lackirers Johannes Röbmig. 3. Karl Lorenz Ludwig Heinrich, Sohn des Sckuhmachers Philipp Kinkel. 3. Theodor August Ludwig, Sohn des Bahnarbeiters Martin Kohlermann. 1. Dem Schneider Peter Hexamer ein Sohn. 5. Max Karl Otto. Sohn deS Schriftsetzers Albert Wolff. 5. August Louis Karl, Sohn dcs Schretnermcisters Christian Haubach. 5. Dem Hauptmann im II. Großherzoglich Hessischen Infanterie-Regiment Nr. 116 Georg Hof eine Tochter. Gestorbene. 31. October. Elisabetbe Weber, .r-0 Jahre alt, von Heuckelheim. 1. Anna Schandua, geb. Laux, 3r- Jahre alt, Eheftau des Galanteriewaarenhändlers Petcx Schandua. 1. Marie AusM aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. (5etrug-hülf- basier, b«6 Ackermann- ,u W'-I-ck Johanne- Linvenstruth ehel. Sohn, und M°r,arelhe Se.pp, de« Zlmmerme.ster« zu Oberbeisingen Kaspar Seipp ehel. Tochter. Getaufte. Den 1. November. Dem Fuhrmann Karl Jakob Schmidt ein Sohn, Friedrich Philipp, geb. O Dem Heizer an der Main-Weser-Bahn Philipp Mank eine Tochter, Anna 0e^e^T12B^TnU^liur an der Main Weser-Bahn Heinrich Wenderoth rin Sohn, 2ocm" GastwirthErnst Jughard eine Tochter, Anna Albertine Johannette, ^eb. ^en^23.^Jult. ^h^ann Johann Jakob Lader ein Sohn, Georg Heinrich, geb. den rtfxTiitiQne Weißer acb. Schmitt, 72 Jahre alt, Ehefrau des ArresthausverwalterS Joseph I Weißer 2.^ Der G?oßherzogllche Rechnungsrath t. P. Georg Wilhelm Rabenau 64 Jahr. ? \ cr^edrich Philipp, 25 Tage alt, Sohn des Fuhrmanns Karl Jacob Schmidt. 2. Sckudmacker Katt Stoll, 42 Jahre alt. 5. Dem Gastwirlh August Friedrich Albold ein todt- Mcner Sohn 5 Anna Becker, geb. Htrzel, 33 Jahre alt, Ehefrau des Berg-Ingenieurs Maximilian Becker. _________________________________ 7. September. Denselben. Dem Schreiner Wilhelm Müller ein Sohn, Karl Wilhelm, geb. den 26. September. Denselben. Dem Kaufmann Julius Schulze ein Sohn, Julius Franz, geboren den 15. September. Denselben. Dem Landwirth Karl Rinn ein Sohn, Wilhelm Reinhard Christian, geb. den 9. October. Denselben. Dem Rangirer an der Main - Weser - Bahn Georg Semmler eine Tochter, Johanna Helene Katharine, geb den 3. September. Denselben. Dem Taglöhner Johannes Wagner ein Sohn, Anton August, geboren deN 10. JUNi. zr. r . r Denselben. Dem Hetzer an der Main - Weser - Bahn Karl Wilhelm Groß ein Sohn, Karl Wilhelm Paul, geb. den 29. September. Beerdigte. Den 1. November. Jakob Büttner, Kasernenwärt«, alt 46 I. 11 M. 23 T., gest. den 30. October. Den 4. November. Georg Wilhelm Rabenau, Rechnungsrath i. P., alt 64 I. 4 M., atft. den 2. November. Denselben. Marie Christiane Weißer, geborene Schmitt, Ehefrau des Provinzial-Arresthausverwalters dahier Joseph Weißer, alt 72 I. 2 M., gest. den 1. November. «8 Handel und Verkehr. Gießen, 8. November. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. JL 0,90 bttz JL 1.05, Hühnereier per Stück 7 Käse per Stück 4—8 Käsematte per Stück 3 H, Erbten 1 Liter 2o Linsen 1 Liter 24 H, Tauben das Paar 5n—60 H, Hühner per Stück 0.50—0.80, Hahnen per Stück JL 0.50-0.9", Enten per Stück JL 1.50—00, Gänse JL 1.70—5.50, Kanoffeln per 100 Kilo JL 54/r-64/r, Weißkraut, 100 St. JL 3—8, Zwiebeln per Ctr. jt 6—7, Milch per Liter 16 und 18 Ochsenfleisch 70 H per Pfd., Kuh- und Rindfleisch 50 — 56 Kalbfleisch 50 — 54 Hammelfleisch 50 — 60 H, Schweinefleisch 60 Truthähnen per Stück 6-7 JL MsstMche KekanntiMchung. 7315) Nachdem die Eröffnung des Concurses über daS Vermögen des Joseph Simon von Großen-Linden von der Ehefrau deffelben beantragt ist, wird zur Sicherung der Vermögens- maffe demselben jede Veräußerung, Verpfändung und Entfremdung von Bestandthnleu der Maffe hiermit untersagt. Dies wird hierdurch bekannt gemacht. Gießen, am 15. Oktober 1879. Großherzogl. Amtsgericht Gießen. Zur Beglaubigung: G lässing, _______ Gericktsscbreiber.__________ Submission. 7317) In den Fretherrltch von Rabenau'schen Waldungen sollen ca. 300 Fest«. Radel-Stamm- U. Stangenholz aus den Jahren 1878 und 1879 auf dem Submissions- wege abgegeben werden. Gefällige Offerten sind bis zum 2. Dezember lfd. IS., Mittags 12 Uhr, versiegelt bei der unterzeichneten Behörde einzureichen, die auch erbötig ist, jede gewünschte Auskunft zu er- theilen. Londons, den 6. November 1879. Die Freih. Oberförsterei Rabenau. __________Franz.__________ Die Lieferung von 913 kg Roggen nach Dorlar soll Dienstag den 11. d. MtS., Morgens 10 Uhr, dahier wenigstnebmend vergeben werden. Crofdorf, 6. November 1879. 7319) DaS Bürgermeisteramt. Versteigerung. Donnerstag den 13. d. MtS., Nachmittags 2 Uhr, werden auf dem Bureau des Großherzogl. Ortsgcrichts die Immobilien des Anton Weller r Flur Nr. Mtr. I 1219 56 Hofraithe in der Sandgasse, I 1219a 56 Hofraithe daselbst, einer öffentlichen Versteigerung ausgesetzt- Gießen, den 7. November 1879. GroßherzoglicheS Ortsgericht Gießen. ,7311)Lüdeking. Mk-eSotenes. Teppiche^ abgepaßt und im Stück, Tischdecken re., empfehlen in schöner Auswahl (7310 Grebrüder Scheel, Krautfässer verkauft billigst (7329 Ludwig Moser (kühlen Grunde). Herrenhüte von Mk. 2,25, 2,50 u. 3 an. CD 6303) Baronshüte von Mk. 2,25 an. ANNONCEN lür die Fraiiklnrler Zeitung cd CM cti c O in ui o co 7348) Mein Lager in Polstermöbeln, Gardinenleisten, Rosetten, Haltern u. s. w. bringe in empfehlende Erinnerung. In Möbelstoffen offrrire ich das Neueste und Eleganteste. Bettstellen, Rohrstühle, Rohrsessel. Klappsessel.Spiegel Ovaltische zu außerord-nllich 6ilbaen Preise». — B-st-r Mobelplusch wird auch für Schuhmacher ausgeschnitten. P. Hollman«, Möbelhandlung. J. Weitsenkorn Kreuz. 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