187» Dienstag den 9. September Nr. 209 icliciier Aiijetger AMize- und Amtsblatt fit den Kreis Gießen «ed-rtt-»»bttre«»r 1 Schulstraße B. 18. ExpedttisnSbrrreau r J w 1 Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. 8. Sept. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 P^ Gesetz über die Schulaussicht wollen wir nicht preisgeben. An der Forderung eines Unterrtchtsgesetzes halten wir fest- Wir werden zu verhüten streben, daß die Verwaltung der Schule in einem anderen Geiste gesührt werde, als demjent- gen, welcher die Amtsführung des Ministers galt beseelte. — Der Wahlaufruf der National-Liberalen ist unter Andern mitunter- zeichnet: v. Bernuth, Baumstark, Borettus, Braun, Böttcher, Burg, Bunsen, Dohrn, Dernburg, v. Forckenbeck, Harnier, Lasker, Lipke, Lammers, Leffe, Miquel, Alexander Meyer, Mommsen, Oppenheim, Rickert, Röpell, Schröder (Berlin), Werner, Siemens, Thtlenius, Techow, ». Unruh, Wachler und Wölfel. — geldmarschall v. Manteuffel, welcher vorgestern aus Bromberg hier wieder etniraf, reist heute Nachmittag nach Topper ab. — Der russische Gesandte in Aihen, Gchelmerath Saburoff, welcher, von Petersburg kommend, einige Tage hier verwetlte, ist gestern von hier via Dresden nach Wien ab- gereift und kehrt von dort nach Athen zurück. Berlin, 6. Septbr. Die kriegsgerichtliche Untersuchung über die Frage, ob und in wieweit die Befehle und das Verhalten des Capitäns zur See, Grafen v. Monts, an dem Untergang des „Großen Kurfürsten" Schuld tragen, scheint nach einer Mtttheiluug der „Sielet Ztg." wiederum ergebnißlos bleiben zu sollen. Wenigstens versichert das genannte Blatt, das sich in dieser Angelegenheit zu verschiedenen Malen als wohlunterrichtet erwiesen hat, daß das zuletzt abgehaltene dritte Kriegsgericht es als solches abaelehnt hat, Experimente mit dem Modell des „Großen Kurfürsten" als Bewetsmaterial gegen den Angeklagten in Betracht zu ziehen. Das Modell soll, wie die „Köln. Ztg." wiffen will, die darauf gesetzten Erwartungen allerdings keineswegs erfüllt haben. Denn als bei offenen Compartements und Wallgängen der Leck geöffnet wurde, neigte sich das mit Wasser gefüllte Schiffsmodell zwar zur Sette — aber es kenterte nicht. Königsberg, 6. Septbr., Abends. Bei dem beutigen Diner von 380 Gedecken im königlichen Schlöffe, zu welchem die Spitzen der Ctvilbe- Vörden geladen waren, brachte der Kaiser folgenden Trtnkspruch aus: Die Kaiserin und Ich haben mit sreudigem Gefühle Ostpreußen und die alte Krönungsstadt, welche für Uns so reich an Erinnerungen tst, wieder betreten. Mtr find diese Gefühle verschiedenster Art und der Wechsel der Geschicke im Leben nirgends lebhafter wie hier entgegengetreten, denn Ich war hier in der Zett der größten Roth des Vaterlandes und dann erlebte Ich hier den höchsten Glanz Meiner irdischen Lausbahn. Die Freudigkeit, mit der Wir hier empfangen worden sind, gibt Zeugntß von der patriotischen Gesinnung, in welcher Stadt und Land zu allen Zeiten sich in sreudiger Opserwilltgkett hervorragend gezeigt haben. Ich erhebe daher Mein Gias und trinke aus das Wohl Ostpreußens und der Stadt Königsberg. — Der Oberpräsident v. Horn dankte für die ausgesprochene Huld und Gnade in bewegten Worten. Hesterreich. Wien, 6. Septbr. Die „Polit. Corresp." meldet aus Serajewo: Feld- zeugmeister Herzog von Württemberg ist mit dem G-neralstabschef Oberst Älbori beute über Gorazda nach Sajniea aufgebroch-n, tim dem am 8. Sept, erfolgenden Einmarsch in das Sandschak Novibazar zu letten. wn. MtlUto £££*£» Irankreich. Paris, 6. Septbr. Der „Agence Havas" zufolge ist die Nachricht verschieden-r Blätter, die Regierung habe beschloffen, den Art. 7 des Ferry- schen Gesetzentwurfs fallen zu laffen, gänzlich unbegründet. AI * *• p-r i/g * Michi», £?J> dem j. »«Jettä bei <"mera w LZ-riihaidt. 1 “'H Melb, ß Unverzaht. Keutschland. Berlin, 4. Septbr. Die heute Morgen erfolgte Abreise des Kronprinzen nach Königsberg war noch gestern zweifelhaft und ist erst in letzt.r Stunde beschlossen worden. Heute Morgen ist auch der Kriegsminister, General v. Kameke, abgereist, um sich dem Gefolge des Kaisers bei den Manö- vern in Königsberg und Stettin anzuschließen; auch nach Elsaß-Lothrtngea wird der Kriegsminister dem Kaiser folgen. General-Feldmarschall v. Manteuffel dagegen wird den Kaiser nach Beendigung der Mcmöer in Ostpreußen bereits verlaffen und am 1. October in Straßburg zur Uebernahme seines Amtes als Statthalter von Elsaß-Lothrtngen eintreffen. — Die Bestimmungen der Ersatzordnung, welche die Meldung von Militärpflichtigen der jüngsten Jahresklaffe zum freiwilligen Diensteintrttt im Musterungstermin behandeln, haben eine so verschiedenartige Auslegung erfahren, daß die Minister des Krieges und des Innern sich veranlaßt gesehen haben, folgende nähere Bestimmungen als Norm sestzusetzen: „1) Den Freiwilligen steht gesetzlich die Wahl des Truppentheils, bet welchem sie ihrer activen Dienstpflicht genügen wollen, innerhalb des Deutschen Reiches frei. Diese gesetzliche Vorschrift ist Lurch § 62, 8 und 83, 4 der Ersatzordnung nicht beschränkt und es ist deshalb jedem sich im Musterungsiermine zum fret- williaen Diensteintritt meldenden Militärpflichtigen der jüngsten Jahrwklasse ein Meldeschein zu ertheilen; 2) die in Rede stehenden Freiwilligen sind nach Maßgabe des § 49, 4 der Ersatzordnung in Verbindung mit § 75, 7 a. a. O. von der Loosung auszuschließen und an die Spitze der Vorstellungsltste E. zu sitzen; 3) durch die im Musterungstermin ertheilte Erlaubntß zum freiwilligen Diensteintritt ist eine Zurückstellung von der Aushebung nicht bedingt Der ertheilte Meldeschein hat deshalb nur bis zum Aushebungsgeschäft Gültigkeit, 1 und sind deshalb alle diejenigen Freiwilligen, welche bis zu diesem Termine von einem Truppentheil nicht angenommen worden sind, ohne Weiteres aus- mheben und einzustellen." r Ä Q . . _ ~ — Ueber das Zusammentreffen des deutschen Kaisers und des Czaren tn Alexandrowo wird der „Köln. Ztg." Folgendes gemeldet: Der Beschluß ! zu der Zusammenkunft der beiden Kaiser ist kaum 24 Stunden vor Abreise des Kaisers Wilhelm gefaßt worden. Am Montag fand ein lebhafter Depeschenwechsel zwischen dem Kaiser und dem Feldmarschall v. Manteuffel statt. Der Letztere übermittelte die dringende Einladung des Kaisers Alexam der zu einer Begrüßung unseres Kaisers an der Grenze auf dessen Rche nach Königsberg. Die Vorbereitungen dazu sind so geräuschlos und heimlich betrre- b-en worden, daß das Gefolge des Kaisers erst gestern Nachmittag Kunde von der Reise erhalten hat. Wenn nun auch mit besonderer Betonung sofort gemeldet wird, daß der Kaiser nur mit militärischem Gefolge reist, so wird trotz alledem Niemand glauben wollen, daß man es hier mit einem Ereigntß ohne erhebliche politische Tragweite zu thun habe. Gegenüber diesem erscheint die osficiöse Ungeschicklichkeit, welche den politischen Charakter der Mission Manteuffels in Abrede zu stellen suchte, erst tn ihrem Lichte. Berlin, 6. Septbr. Der „Reichs-Anzeiger" und königlich preußischer Staats-Anzeiger" veröffentlicht ein neues Reglement über die Ausführung der Abgeordnetenwahlen für den Umfang der Monarchie mit Ausnahme von Hohenzollern, unter Aufhebung der früheren Reglements vom 10. Juli 1870 und 23. August 1876. — Die hiesigen Morgenblätter veröffentlichen den Wahlaufruf der National-Liberalen, welcher bis auf den Paffus über die Schule mit der tereitg bekannten Veröffentlichung der „Neuen Fr. Pr." buchstäblich uberein- tftimmt. Der bezügliche Paffus lautet in der heutigen Veröffentlichung: Das Man bringt hiermit zur Kenntniß derjenigen, welche die Deutsche Collektiv-Ausstellung von Molkerei-Produkten, veranstaltet vom Ä' Sff ’X* "«■* ffrpdl butter) b sGruvve 50)- Dauer-Butter (cured butter). 2) Fremde Käse (foreign cheese). (fresh Käse werden in Hamburg eingeliefert. Adreffe und Termin der Einlieferung bleibt später Bestimmung Vorbehalten. Die Anmeldung wird bis zum 10. September d. I. erbeten und hat beim Oeconomierath Petersen in Oldenburg ^ßherzogthum und auf ,u beziehenden Anmeldern zu geschehen. Eine -iwatg« Verlängerung de« Anwetdeterwins wild später bekannt gemacht werden. Auskunft über .ie näh« De. »»erd. W Htoolb, ©artfdb. ^WernÄn. noenflajje A. 229 ^Herder untere ff. ^Lrunbergerftraße. W SöbeiTS^u Louis Lony, ti vemielhen. der, Reuenbäuen. i Cabinet, parterre, >en. mensttaße B- 62. nwohnung von drei )r zu vermiethen- idt, Reichensand. )tod unseres Hauses i vermiethen. 6tbr. Stamm. Ltock meines Hauses, | r sonstiger Zubehör, ; gmann, Gartseld- i Mansardenwohnung | ’.r 8. Dftober zu ver- (lictnftrais £ 97. ■ rock meines '-ßotbtv- ier anduMit;uM Keurnmeg B. 177- ersetzung des Hem rcharmann ist der Dauses, bestehend au5 mit Wasserleitung rc., meitig zu vermiethen- EmdFischbach^. liebenhaus, mittlerer »end aus 5 Zimmern, ) «Iartenantheil, per oorm. Wagner, tarburgerftraBt_ sä® 'äffiÄÄ irter_v£L——rpTf KM zt'schen oder Am 17. l. M. wird der letzte Amtstag bei uns abgehalten. Gießen, den 6. September 1879. ' ... - Großb. Stadtgericht Gießen. Großh. Landgencht Greßen. Langsdorfs. I. V. d. L.-R.: Oppermann, Stadtgenchts-Affessor. England. London, 4. Septbr. Das Kriegsministerium erhielt im Laufe des Tages folgende Depesche von Sir Garnet Wolseley vom 18. August: Cete- wayo wird seit dem 13.Aug. von mehreren Truppenabtheilungen verfolgt, ohne daß ihnen seine Gefangennahme bisher gelungen wäre. Er hat blos zwei oder drei Leute bei sich. Ennyanana, sein Premierminister, Lesingwejo nebst andern wichtigen Häuptlingen, ergaben sich hier am 14. Aug. und brachten über 600 Stück königlichen Viehes mit. Drei von des Königs Brüdern haben sich hier ergeben. Täaltch werden hier und anderwärts Waffen und Vieh abge- liefert. Ich stehe mit Usibebo, dem bedeutendsten Häuptling nach Umugamana, in Verbindung und vertraue zuversichtlich, daß er sich noch im Laufe dieser Woche ergeben wird. Gesundheitszustand der Truppen bleibt ein vortrefflicher. Pferde und Zugvieh um Vieles gesünder- London, 6. Septbr. Das „Reuterffche Bureau" meldet aus Simla von heute: Die englische Botschaft in Kabul wurde am 3. d. Mts. von tn- surgirten afghanischen Regimentern, welche ihren rückständigen Sold forderten, angegriffen. Die Angreifer wurden von dem Pöbel der Stadt unterstützt. Der Emir suchte den Aufruhr zu beschwichtigen und sandte seine Söhne und mehrere andere Persönlichkeiten an die Anführer ab. Der Haufe war aber den Vorstellungen derselben unzugänglich und der Emir selber wurde von den Insurgenten belagert. Der Angriff auf die englische Botschaft dauerte den ganzen Mittwoch über an. Am Abend dieses Tages brach zudem eine Feuersbrunst aus. Das Schicksal des Majors Cavagnari selbst, sowie der übrigen zur Botschaft gehörigen Personen ist bis jetzt unbekannt. ES sind Befehle an die britischen Truppen gegeben worden, sofort nach Kabul zu marschiren und findet eine allgemeine Concentratton der Truppen gegen das afghanische Gebiet statt. (Siehe unten unter telegr. Dep. D- R-) Nutzland. Petersburg, 6. Septbr. Der Botschafter in Konstantinopel, Fürst Lobanoff, ist zum Botschafter in London ernannt. An seine Stelle in Konstantinopel tritt der bisherige Gesandte in Athen, Gehetmerath Saburow. — Der seit vorgestern herrschende heftige Sturm dauert noch fort. Das Anschwellen der Gewäffer, welche bis zum höchsten bisher erreichten Punkt gestiegen waren, ist zum Stehen gekommen. Die Inseln und Vorstädte sind noch überschwemmt. — Der bisherige erste Dragoman bei der Botschaft in Konstantinopel ist zum Botschaftsrath daselbst ernannt. — In Folge des heftigen Sturmes ist das Waffer in der Newa und in sämmtllchen Kanälen der Stadt 8 Fuß über den gewöhnlichen Stand gestiegen. Eingelaufenen Nachrichten zufolge haben keine Verluste an Menschen- leben stattgefunden. Das Waffer ist heute gesunken. Das Wetter prachtvoll. Brest - Litowski, 5. Septbr. Der Kaiser von Rußland ist Nachts 2 Uhr hier eingetroffen, übernachtete im Salonwagen, besichtigte am Vormittage die hiesigen Truppen und setzte um 11 Uhr die Reise nach Odefla fort. Odessa, 6. Septbr., Abends. Der Kaiser traf heute Nachmittag 4 Uhr hier ein, besuchte die Kathedrale, hielt Truppenschau und begab sich zur Fortsetzung seiner Reise Abends 7 Uhr auf der kaiserlichen Jacht nach Jalta. Aosnien. Serajewo, 3. Septbr., 121/, Uhr Mittags. Soeben ist wieder ein heftiger Brand aus dem linken Mtljatzka-Ufer in dem türkischen Stadttheil Altsakowatz ausgebrochen. Bisher stehen drei Gebäude in Flammen. Das österreichische Consulat ist bedroht; an der Ntederreißung der benachbarten Gebäude wird gearbeitet. (W. Fr.-Bl.) — Abends. Der Brand wurde durch energisches Eingreifen des Militärs rasch localisirt. Nur 4 Häuser brannten nieder. Das arg gefährdete österreichische Consulat blieb unversehrt. Als Entstehungsursache des Brandes wird Unvorsichtigkeit bezeichnet. Bet der Rettungsarbett wurden zwei Cwil- Personen schwer verletzt. — Wie es heißt, überschreitet die Hauptcolonne der zur Besetzung von Novibazar bestimmten Truppen am 8. Septbr. bet Cajnica die Grenze. Türket. Konstantinopel, 29. August. Den hohen Beamten und Officieren ist aus Anlaß des Ramasan-Begtnns ein Gehaltsbetrag von einem halben Monat ausgezahlt, die niederen Beamten, die Subaltern-Offlciere und Ruhegehalts-Empfänger find auf den Anfang der nächsten Woche vertröstet worden. Allen Moscheepredigern ist strengstens untersagt, über Gegenstände politischer Natur zu reden; sie sollen sich ausschließlich mit der Glaubens- und Sittenlehre bcsaffen, jede Zuwiderhandlung wird mit Absetzung und Verbannung bedroht. — Die stürmischen Vorgänge im Krtegsmintstertum sind in wahrheitsgemäßer Form zu Ohren des Sultans gelangt. Die Clique Osman Paschas wußte indeffen jede Untersuchung dadurch zu verhindern, daß in die dem Padischah zu Gesicht kommenden türkischen Blätter ein Artikel eingeschmuggelt wurde, nach welchem die stürmischen Scenen im Seraskerat durch einige aus dem Jrrenhause entsprungene türkische Weiber verursacht worden seien. Der Padischah gab sich mit dieser Erklärung zufrieden, der Zugang zum Krtegs- ministerium wurde mit verstärkter Militärmacht besetzt und Alles blieb beim Alten. Konstantinopel, 6. Septbr. Nachrichten aus Philippopel vom 5. Septbr. zufolge hat die europäische Commission die Motion des französischen Delegirten Ring bezüglich der Douanen angenommen; der italienische und der russische Delegirte enthielten sich der Abstimmung. Die Commission beschloß nach Erschöpfung der Tagesordnung ihre Sitzungen bis zu einer erneuten von der Pforte im Einvernehmen mit den Botschaftern der Mächte zu veranlaffenden Einberufung zu vertagen. Der griechische Consul richtete an die Commission das Ersuchen um Interpretation des Art. 20 des Statuts. Diese Frage wird wegen chrer Bedeutung demnächst in Gemäßheit des Regle- ments geprüft. ______ Telegraphische Depeschen. ««gurr'» telegt. T-rrespoutzens - Vure«». London, 7. September. Das „Reuter'sche Bureau" meldet aus Simla : 8 Eingeborene, die nach Abikheyl kamen, sagen aus, sie h tten die Leichen von englischen Officieren in Kabul gesehen; 9 indische Soldaten seien entkommen. Der Emir verlange ^englische Hilfe. Major Conolly meldet, daß gestern in dem Landstrich bis Shutargardan und auch noch darüber hinaus vollständige Ruhe herrschte. Bashan Khan, welcher die Gegend jenseits Shutargardan besetzt hält, bot dem englischen General Doran, dem Befehlshaber der Khyber- kolonne, seine Dienste an. Die englischen Truppen find von Pishin zurückberufen und besetzen wiederum Kandahar. London, 8. Septbr. Lady Cavagnari in Winburg empfing gestern Abend ein Telegramm des Vtcekönigs von Indien, welches meldet: ihr Gatte, Secretär Jenkyns, Dr. Relly, Lieutenant Hamilton, sowie dir ganze Escorte der englischen Gesandtschaft in der Stärke von 67 Mann, sind in Kabul überfallen und trotz verzweifelter Gegenwehr gelobtet worden. Linz, 7. Septbr. Der Kaiser ist hier eingetroffen und von Behörden, Geistlichkeit, Deputationen der Corporattonen ganz Oberösterreichs und von der Bevölkerung enthusiastisch begrüßt worden. Vor der Tribüne deS Volksfestplatzes hielt der Präsident des Festcomitös die mit Begeisterung aufgenommene Huldigungsrede. Darauf besuchte der Kaiser die Ausstellung. Lokales. Gießen, 8. Septbr. Wir gedachten in letzter Nr. d. Bl. schon ein Verzeichniß der prämiirten Aussteller zu bringen. Die Herren Preisrichter hofften biS 11 Uhr Morgens fertig zu sein. Schöner Gedanke das, jedoch es kam anders. Von Morgen- 9 bis Nachmittag- 5 Uhr waren die Herren an ihrer Arbeit. Daß diese keine kleine war, wird jeden Besucher der Ausstellung überzeugt haben. Wenn wir in letzter Nr. einige der Aussteller übergangen haben, so bitten wir, solches zu entschuldigen. In der Eile konnte solche- geschehen, auch kamen einige der Aussteller zu spät, als daß wir sie in letzter Nr. erwähnen konnten. — Wir lassen nun in Nachstehendem die preisgekrönten Aussteller, sowie die Ausstellungsobjekte folgen: O b st. Für daS schönste und am richtigsten benannte Sortiment Aepfel und Birnen, wenn möglich von jeder Sorte 2 Stück. 1. Preis: Jean v. Nebell, Frankfurt a. M. Für die gleiche Sammlung in der Provinz Oberheffen gezogen 1. Preis: Hofgärtner Junker in Lich. Für das schönste und am richtigsten benannte Sortiment Aepfel und Birnen, jede Gone k 2 Stück mindestens. 1. Preis: Hofgärtner Welle tn Affenhetm. Für die reichhaltigste und am richtigsten benannte Sammlung von Früchten, als: Aepfel, Birnen, Pfirsiche, Pflaumen, Kirschen, Aprikosen, Weintrauben, Nüsse, Himbeeren und Erbeeren tn der Provinz Oberhessen gezogen. Ehrende Anerkennung: Frau v. Gehren in Gießen und Freiherr v. Schenk'sche Gutsverwaltung in Nieder-Ofleiden. Für die bestkultivirten Obstbäumc, hochstämmige, wie auch Spalier- und Pyramidcnform. 1. Preis: B. Müllcrklein in Carlstadt a. M. Für die gleiche Sammlung bestkultivirter Obstbäume, hochstämmige, wie auch Spalier- und Pyramidenform, in der Provinz Oberhessen gezogen. Ehrende Anerkennung: Herrnhagener Baumschule bet Büdingen. Frische Gemüse. Für das reichhaltigste und mannigfaltigste und am richtigsten benannte Sortiment gut kultivtrter Gemüse, als: Kohlarten, Rüben, Salat, Bohnen, Gurken, Melonen, Erbsen, Möhren, Radies, Rettig und Champignon. 1 Preis: Jean v Nebell, Frankfurt a. M. 2. Preis: Gutsbesitzer Schlcnke, Hardthof bei Gießen. Ehrende Anerkennungen: Gärtner Zieprecht in Lollar, Frau Inspektor Gabriel und Gärtner Johannes Balser von Gießen. Für das beste Sortiment Kartoffeln. 1. Preis: Jean v. Nebell, Frankfurt a. M. Derselbe auf 12 neue Sorten ehrende Anerkennung. Blumen und Zierpflanzen. Für neue Züchtungen, gleichviel von welchem Genre. 1. Preis: Hartmann Henckel von Bickenbach. Ehrende Anerkennung: v. Rockenthin, Büdingen. Für die bestarrangirte Gruppe gemischter Kalthauspflanzen tn mindestens 50— 75 Töpfen. 1. Preis: Ehr. Georg, Gießen. Ehrende Anerkennung: Hartmann Henckel, Bickenbach. Für die bestarrangirte und kultivirte Gruppe von Warmhauspflanzen, als Palmen, Dra^ caenen, Maranten, Begonien, sowie auch Farnkräuter in mindestens 60 Pflanzen. 1. Preis: Frau Becker Wittwe von Gießen. 2. Preis: Obergärtner Kampeitz von Hof Gill. 1. Preis für die werthvollste und reichhaltigste Gruppe: C. L. Ibach, Frankfurt a M. 2. Preis: H. Henkel von Bickenbach. Ehrende Anerkennung: v. Rockenthin, Büdingen, und D. Moser in Friedelhausen. Für die reichhaltigste Gruppe von Canna und Aroideen in mindestens 50—60 Pflanzen. Ehrende Anerkennung: C. L. Ibach, Frankfurt a. M. und Frau Becker Wittwe, Gießen. Für die beste von einem Liebhaber im Zimmer kultivirte Pflanze (Begonie) 1. Preis: Frl. Schuster von Gießen. Die übrigen Einzelpflanzen von Ausstellern zeichneten sich sämmt- lich durch gute Cultur aus und wird solches von den Preisrichtern anerkannt. Für die schönste Sammlung Culturpflanzen, Coleus, Fuchsien, Heliotrop, Solaneen, Wigandta, Aralien und andere; auch zur Aufstellung auf Rasenpartien verwendbar. Ehrende Anerkennung: v. Rockenthin, Büdingen. Für die schönste und reichhaltigste Sammlung Fuchsien tn mindestens 30 Stück. 1. Preis: Gg. H. Schirmer von Gießen. 2. Preis: Gärtner Chr. Georg von Gießen. Ehrende Anerkennung: Doellstaedt & Richter, Frankfurt a. M. Für die effektvollste Gruppe blühender Scarlet-Pelargonim und Zonale, darunter mindestens 18 gefüllte in diversen Sorten. 1. Preis: Chr. Georg von Gießen. 2. Preis: Gg. H. Schirmer. Ehrende Anerkennung: Hartmann Henckel, Bickenbach, Doellstaedt ck Richter, Frankfurt a. M. Für die schönste Sammlung von Gladiolus. Ehrende Anerkennung: Doellstaedt und Richter, Frankfurt a. M., Braungardt, Sachsenhausen. Für die beste und reichhaltigste Sammlung von Coniferen für das freie Land in schön kultivirten Pflanzen, bie kleinste mindestens 1' hoch. 1. Preis: Hartmann Henckel, Bickenbach. Für die reichhaltigste Sammlung bunter Blattpflanzen, Warm« und Kalthaus Stauden oder annueller Pflanzen. 1. Preis: Chr. Georg, Gießen. Ehrende Anerkennung: E L. Ibach, Frankfurt a. M. Für die schönste Sammlung abgeschnittener Rosen. 1. Preis: Gebr. Schultheis in Steinfurth Ehrende Anerkennung: Gärtner Schaum, Gießen. Für die schönste Sammlung abgeschnittener Dahlien. 1. Preis: Chr. Georg, Gießen- Ehrende Anerkennung: Doellstedt & Richter, Frankfurt a. M. Für das schönste bepflanzte Tepptchbeet. 1. Preis und ehrende Anerkennung: Gärtner Carl Berger von Gießen. 1. Preis für gleiche geschmackvolle Ausführung: Gg. H. Schirmer. Für das scbönstc Handbouquet in französischer Form, Dasenbouquet, Blumenkorb und Haarschmuck. 1- Preis: Chr. Georg in Gießen- 2. Preis: Frau Claßmann, Mainz. Ehrende Anerkennung: Gärtner Rösing, Marburg, für bepflanzte Pflanzenständer; Frau Becker Wittwe, Gießen, für Kranz und Bouquet; Kunstgärtner Becker von Lich, für Tafelaufsatz; Frl Emilie Mettenheimer für Blumenreller; Gärtner Schaum von Gießen, für Bouquet; Fr. Chr. Pietsch, Gießen, für Bouquet. Für die besten Garteninstrumente. Ehrende Anerkennung: Ludwig Kalbfleisch, Lauterbach, Messerschmied Rmker, Weilburg. Für die besten und billigsten Pflanzen-Kübel. Ehrende Anerkennung: Küfer Kohlcr- mann von Gießen. Für die schönsten künstlichen, künstlich getrockneten oder aefärbten Blumen und Gräser. 1. Preis. Chr. Georg von Gießen. 2. PreiS: Doellstaedt L Richter, Frankfurt a. M. Ehrende Anerkennung: Frau Claßmann, Mainz. Für das schönste Aquarium. 1. Preis: Carl Schwaab. Ehrende Anerkennung: Frau Lina v. Gehren, A. Scheyda von Gießen. Zur freien Verfügung der Herren Preisrichter standen außerdem ehrende Anerkennungen zur Prämiirung kleinerer Einsendungen von Obst, Gemüsen und Blumen, sowie auch sonstiger für den Garten und Obstbau verwendbarer Gegenstände. Es erhielten solche: 1. Preis: Ehr. Georg von Gießen für blühende Begonien. 1. Preis: I. Rose in Gonsenheim bei Mainz für Markt- und Zimmerpflanzen. Diplome: Graf Laubach, Erlaucht, für vortreffliche Cultur von Orangebäumen, Wilhelm Wenzel im Garten für Dekorationspflanzen, Hartmann Henckel in Bickenbach für Cvclamen, Jean von Nebell in Frankfurt a. M. für Gloxtnien-Sämlinge, Stationsvorsteher Möhl in Salzschlirf für schöne Hortensien, desgl für selbstgefertigte Gartcnmöbel in Naturholz. Jacob Bertram in Stegburg für Pflanzenständer und Gartendecorationen und Dr. Throm in Gießen für chemische Salze. Für Arrangement, Decoration und Leitung der Gesammt-Ausstellung die Goldene Vereins - Medaille der Rheinischen Gartenb«» - Vereine dem Kunst- und HandelSgä'.tner Earl Deines in Gießen. Gießen, 8. Sept. Am Samstag Nachmittag wurde von dem Zuge 4 Uhr 20 Min. der Oberhessischen Eisenbahn am Bahnübergänge im Riegelpfad ein Zjähriges Kind vom Fänger der Maschine umgestoßen. Der Zug wurde jedoch noch zur richtigen Zeit zum Stehen gebracht und kam das Kind mit einer leichten Kopfwunde davon. ■*!> * _ 8-K, Vs" j«i»Ä |i»it, _ h, jis ■ »(1 CÄW Men. 1 2 tcn einem M ^nd sich Lr*unb®c * w* I ' _ Multo tat Lbkinnitznss «eich erthrilen la tzibr sind so eon Aet, ohne M Alchengun ttitb; er kann i DaS LooS des ei erleichtert, währn und haben d,e H Kassel, auf dem ikatzenb §°hann »NNNch Art 855 A ®5r. »NNkich , efl Qrn % 576{p «m g r9!niWl ij Zainen u fe 'M Dienstag Nachil soll auf dabiesig raithe der Chris mls versteigert1 Pur. Mir. 1»/« 94 Hos ga1 Gießen, den 4 GroßherzoM 5750) Grm Berftl "Wen Wiese, Aiten-Busech ü versteuert wert 1) in der G von 7 Hektare Mittwoch ves My bet Wnth Rr 2) in der < 41 Hektaren Dvnnersta des Mo bet Wirth L J) in der Hektaren an beu .des Nach, d idonen, ßrbsm, Möhrn ' ffuif a. M. 2. Pieck V : Gärtntt Zikprechl i; E lesen. Frankfurt a. M. Tr | brauerlehrling, der Sohn eine- hiesigen Eisenbahnbeamten, wurde, während die anderen Brauerei- bediensteten zum Kaffeetrinken gegangen waren, von einer Drehsäule der Dampfmaschine, jedenfalls durch eigne Unvorsichtigkeit, an den Kleidern erfaßt und so lange herumgeschleudert, bis in Folge seines gräßlichen Geschreies die Mitarbeiter herbeistürzten und ihn aus seiner schrecklichen Lage befreiten. Bei dem Herumschnellen war das linke Bein gegen einen dritten Gegenstand eingeklemmt gewesen, so daß der Fuß förmlich zerquetscht und das Bein unterhalb der Kniescheibe buchstäblich durchgeschleift wurde. Der unglückliche junge Mann wurde in's Landkrankenhaus gebracht. — (Eine Schlange.) Zu Ende der Saison hat sich im Bad Elster noch eine ergötzende Scene abaespielt. Aus einer Zelle, in welcher eine Dame ein Moorbad nahm, erscholl plötzlich ein ängstliches Gekreisch und die Glocke wurde stürmisch in Bewegung gesetzt. Große Aufregung l Das Personal lief zusammen und zwei Bademägde orangen muthig in die Zelle ein. Da stand die Dame, von einer dichten Moorkruste überzogen, außerhalb des Bades, zeigte zitternd in das Bassin und rief: Eine Schlange, eine Schlange! Das war zu viel für den Muth der Bademägde, sie citirten den Bademeister, eine wahre Hünengestalt, herbei, der sich vor keiner Schlange der Welt fürchtet. Er tauchte den entblößten Arm in die dicke Flüssigkeit, und was zog er heraus? — einen Zopf! Hoffentlich wird dieser tragische Fall den Damen zur Warnung dienen, daß sie hübsch ihre Zöpfe feststecken, bevor sie in's Bad steigen. Versteigerungen. Dienstag den S. September, Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Ortsgericht die Hof- raithe der Christian Dörr Erben nochmals versteigert werden, als: Flur. Mtr. lto/62 94 Hofraithe in der Wetzsteingasse. Gießen, den 4. September 1879. Großherzogliches Ortsgericht Gießen. Grummetgrss - Versteigerung. Dienstag den 9. September, Morgens 8 krnnung: DoellM °t rt das freie Land m |# w Henckel, Bickenb-i ihren« 5 ni: Aebr. SchultheiS l e. Shr- Georg, < S«, ÄIUM-U ,dwg r»1 W rftitnung • 501 drankfarr°- ** 'uflien, fc । PieiS! $ ffl bei 10 ßoitmann * >en, .gäuiW' 4 ' u. @oN. * 1 tu Ulli vom 3*Ä-«** ächt Demerary - Honduras in div. Qual. . JL 1.10—1.35 bei größerer Abnahme entsprechend billiger, empfiehlt W. Heuser, 5122)______________vorm. F. Bieler. Kleingemachtes Brennholz Otto Garn, Handelsgärtner, Ecke des Kirchen- u. Lindenplatzes. Das vormals Krailing ’ sche Wohnhaus ist auf ben Abbruch zu verkaufen. 5830)G-g. Fh. 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Markus, Reichensand 224. 5653) Der mittlere Stock meines neuen Hauses, 6 Zimmer, ist zu vermiethen. ____________________Th. Wode. 5713) Ein kleines Familienlogis ist im Nebenhaus zu vermiethen und am 1. Oktober beziehbar. ____________I. Ruckstuhl, Gartfeld. 5718) Zwei Mansardenlogis zu ver- miethen bei I Bellos Wwe., Grünbergerstraße. 5761) Ein Logis zu vermiethen. Schlosser Roll, Kaplansgasse. 5767) Ein Logis zu vermiethen. ___________________Mühlgaste D. 84. 5772) Ein fein möblirtes Zimmer mit Cabinet und ein kleines Familien-Logis ist sofort zu vermiethen _________________Neustadt D. 86. 5785) Ein Familienlogis auf den 1. November zu vermiethen. ____________I Schäcker Wittwe. 5792) Ein Logis zu vermiethen. ________Fr. Blumöhr, Schießgärten. 5812) Ein freundliches Familienlogis ist zu vermiethen und bald zu beziehen. Zu erfragen bei Wildprethändler Ebel, Marktstraße D. 29._______________ 5813) Ein Familienlogis zu vermiethen __________bei Earl Heil, Schießgärten. 5717) Ein Logis von 5 Zimmern rc. zu vermiethen. ________Carl Lange, Seltersweg 44. 5685) Der mittlere Stock meines Hauses bestehend in 5 Zimmern, Küche, Keller rc ist sofort zu vermiethen, und alsbald beziehbar^____________Balth. Strauch. 5465) Ein möblirtes Zimmer zu oer- miethen bei C. Fr. Eonrad, Friseur, _______________Mäusburg 48._______ 3024) Eine Wohnung von 4 Zimmern und Zubehör in meinem Nebenhaus an eine stille Familie sofort zu vermiethen. ________________________vr. Ploch. 4991) Zwei Parterrezimmer, un- möblirt, auch als Geschäftslokal geeignet, sind zu vermiethen bei W. Ferber, Buchhändler, Schulstraße. 5185) Eine Mansarden-Wohnung an eine ruhkge Familie auf den 1. 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Otto Roth, Verlagsbuchhändler, _______________Marburgerstraße.________ (Sesiiciit | ein braves Dienstmädchen zum sofortigen Eintritt. Rothenberger, Kaplansgasse. 5817) Eine alte deutsche Lebensver- sicherunaSgesellschaft ersten Ranges sucht in der Provinz Oberhessen thätige zur Uebernahme ihrer Vertretung geeignete achtbare Personen aller Stände. Offerten unter Chiffre R. 62051 an Haasensteiii 8' ’6 »ilb