Nr. 108. Mittwoch, den 7. Mai 1879. I i AMP- mb AmisM fit tat Kreis Gieße«. Rrd actis«-vrrrra« r Gxpedition-b«re«r r GchulstrsHs D. 28. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher I ß e i l. Gießen, am 5. Mai 1879. Betreffend: Die Einführung einer allgemeinen Einkommensteuer, hier die Wahl der Einschätzungs-Commissionen für 1880. Das GroßbnMlichc Kmsamt Gicßcn an die Großherzoglicken Bürgermeistereien des Kreises. Wir erinnern diejenigen von Ihnen, welche noch im Rückstände sind, an Erledigung der Verfügung vom 18. April 1879 binnen drei Tagen. Dr. Boekmann. Gefundene Gegenstände: 1 goldner Ring, 1 Last Reiserbesen, 1 Cigarrenspitze mit Etui, 1 Mantel. Gießen, den 5. Mai 1879 Großherzogltche Polizeiverwaltung Gießen. Fresenius. Apolitischer Hheil. Deutschland. Darmstadt, 4. Mai. Die Ernennung des Oberstaats-Anwalts Dr. v. Buri tn Darmstadt zum Reichsgkrich'srath in Leipzig ist keine unverdiente Ehre; der Ernannte genicht als Schriftsteller über communalistische Materien einen weithin geachteten fernen. Die „Frkftr. Ztg", welcher wir tiefe Mlttbeilung entnehmen, sogt: Geradezu auffallend ist der Unterschied in den Besolkungsverhältniffrn des hessischen und des Rcichsdienstes. Der Ernannte erhält dermalen einen Gehalt von 5400 Mk., bezieht aber demnächst als Mitglied des höchsten deutschen Gerichts außer seinem WohnungSgeldzu- schuffe noch einen Gchalt von 12,000 Mk., also weit üb.r dos Doppelte. Darmstadt, 4. Mai. Prinz Alexander von Battenberg, der erwählte Fü.st von Bulgarien, gedenkt die Deputation bulgarischer Notabeln, deren Eintreffen in Darmstadt vom 12. d. ab entgegengesehen werden kann, dort im Palais seines Vaters zu empfangen, sobald seine Wahl auch von den übrigen Großmächten anerkrnnt worden ist, ketnenfalls aber vor dieser An erkenuung. Alle wetteren Entschlußi ngen in Bezug auf die Abreise des Prinzen nach Sofia oder Tirnowa, seinen Bestach in Konstantinopel, das etwa mitzunehmende Gefolge, das zu bilbei.be Cabinet, Entlastungen oder Anstellungen von Beamten u. dergl. m. sind naturgemäß noch nicht gefaßt; was darüber schon in der Preffe verlautete, ist einfach in das Reich der Combinationen zu verweisen. , _ Prinz Alexander gedenkt, den Beiliner Friedensvertrag als Grundlage seiner Politik sestzuhalten; er will Nichts als dem Lande den inneren und äußeren Frieden e. halten, demselben gesunde und rechtliche Institutionen geben und nach einer Jahrhunderte langen Vergangenheit der Knechtschaft dem Lande eine gesegnete Zukunfl schaffen. Der Prinz ist sich desten voll bewußt, daß er ein an. scheinend sorgenloses Leben aufgiebt, um ein solches ernstester, sorgenvollster Thätig- keit dafür eimutauscken; aber er thut es mit freudiger Zuversicht, so daß Alle, die in diesen Tagen ihm naheten, das Land beglückwünschen, das solche Wahl getroffen. Berlin. Von der Reichs-Commission für die australischen Weltausstellungen wird Folgendes mitgetheilt: Die Betheiligung Deutschlands an den australischen Weltausstellungen und die Förderung derselben durch das Reich verfolgt wesentlich andere Zwecke, als die Beschickung früherer, namentlich der europäischen Weltausstellungen. Galt es dort, insbesondere in Wien, ein vollständiges Bild der Gesammtproduction Deutschlands vorzuführen, so kann es bei diesen Ausstellungen, deren Besucher im Wesentlichen aus die Be- wohner Australiens sich beschränken werden, nur darauf aukommen, zu zeigen, welche für bie Bedürfnisse jener Gegenden geeignete Erzeugniffe der Industrie zweckmäßig aus Deutschland zu beziehen sind. Erhaltung des bisherigen Markts gegenüber der gesteigerten Cvncurrenz Englands und Amerikas, Eröffnung neuer Absatzquellen und Anknüpfung dauernder unmittelbarer Geschästs- beziehungen mit den australischen Colonien und den anderen Ländern der Südsee ist demnach der Zweck, welcher bei Beschickung der australischen Ausstellungen verfolgt wird. Um ihn zu erreichen, muß vor Allem dafür gesorgt werden, daß jene Fehler vermieden werden, welchen nach den übereinstimmenden Mittheilungen der mit den geschäftlichen Verhältuiffen der in Rede stehenden Gegenden vertrauten Personen den so überaus raschen Niedergang unserer Ausfuhr nach dem Aufschwung in Folge des deutsch-französische» Krieges zuzuschreibe« ist' geringwerihige Waare, sowie unpünkiliche und unprobemäßige Lieferung. Es gilt zu zeigen, daß die deutsche Industrie nicht blos preiswürdig, sondern auch gut fabrictrt und daß sie an Reell'tät hinter dem Auslande nicht zurückstehl. Eö werden daher auf den australischen Ausstellungen nur völlig tadelfreie Erzeugniffe zuzulaffen sein. Nicht minder wird von der Bethetltgung jeder Industrielle sernzuhalten fdn, dem nicht ein so guter geschäftlicher Ruf zur Seile steht, daß für die streng probemäßige Ausführung etwa sich an die Ausstellung anknüpfender Aufträge garautirt werden kann. Wenn sonach nur wirklich gute Erzeugniffe in Sidney und Melbourne zur Schau zu stellen find, Die constitutionellen Garantien. Eine Zeit lang ist die polnische Bedeutung der Zoll'eform fast gänzlich unbeachtet gelassen worden, weil im Streite über die wirthschaftlichen Prtnci- pien, besonders aber auch in dem Jntereffenkampfe um die einzelnen Tarif- posttionen die volle Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung von diesen materiellen Fragen absorbirt wurde. Em Volkswtrth nach dem andern, ein Industriezweig nach dem andern erhoben ihre Stimmen und die idealen Politiker fühlten wohl heraus, daß diese realen Debatten als eine Klärung des gestimmten Materials schon darum v»'angehen mußten, weil zu allen Zeiten das Volk zuerst die Magensrage. die Rücksichten aus seinen Gelbbeutel entscheiden läßt, ehe es an cm ideal«s Thema seiner constitutionellen Entwickelung heran- iritt. Bei den jetzigen Debatten im Reichstage erinnert mau sich erst, daß vor Jahr und Tag Herr v. Bennigsen tn Varztn gewesen ist, und daß seit jener Zeit die Frage der constitutionellen Garantien auf der Tagesordnung steht. Diese constituttonelle Frage hat für Preußen, wie für alle deutschen Bundesstaaten mit entwickeltem Budgetrecht sehr ernste Seiten. In Preußen handelt es sich z. B. um eine Stärkung der mangelhaften Constitution. Das Abgeordnetenhaus besitzt ein gut ausgebildetes Ausgabe-Dewilligungsrecht, dem aber das entsprechende Correlat des Einnahme Bewilligungsrechtes fast gänzlich fehlt. Der Wegfall der Matricular-Umlagen schafft für Preußen einen Uber- chuß in Höhe eben dieser directen Leistung an dos Reich, und das Äbgeord- netenhaus hat nach dieser Richtung hin keine andere Gewalt, als die theoretische Befugl iß, die Regierung zu, kapitalistischen Ansammlung dieses Uebersä ußes zu zwingen ; es hat aber kein Mittel tn der Hand, dieser Ueberschnßwtrthschast durch Beseitigung einer Steuer von angemeffener Größe em Ende zu machen. Aus diesen Gründen mußte der Steuerreform im Reiche eine constitutioneüe Garantie für Preußen vvrangehen, welche dem preußischen Abgeordnetenhause das Recht zug.sta d, eine der bestehenden Steuern von Jabr zu Jahr nur in Quoten, je nach Bedarf, zu bewilligen. Bekamtlich >st ti se cm stituttonelle Garantie durch die von dem Finanzmintster Hobrecht tm Abgeordnetenhause erlesene Sabine,sordre gegeben worden. Aehnlichc Verhältnisse bestehen i« einzelnen anderen deutschen Staaten. Aber auch das Reich selbst ist mit seiner constitutionellen Entwickelung on die S'kuerresorm geschmiedet. Das Budgetrecht des deutschen Reichstages hat die Quelle ferner unverkennbar großen Bedeutung in den Matricular- Umlaaen, deren Höhe von I hr zu Jahr durch den Reichstag bestimmt wird, ballen die Matricular Umlagen fort, wie dies unzweifelhaft durch die Steuerreform geschieht, so fällt damit auch die positive Macht des Reichstags in Nichts zusammen. Das Parlament, wenigstens der Ltberal'smus, hält es daber sür ganz selbstverständlich, daß für diese Ernbuße an parlamen- riscker Machtvollkommenheit ein Ersatz geschaffen werden muß. Maa geht dabet von der Ansicht ans, daß die in der Reichsversaffung vorgesckriebene ^orm der Matricular Umlagen eine nothwendige sei, und daß deren Beseili- aung nicht ander« als auf dem Wege der Verfassungsänderung erfolgen dürfe. Der Reichstag sieht in den Matricular-Umlagen den Kern feines Budgetrechts und will und kann von diesem nichts pretsgeben, es sei den», daß ihm bafÜT ein Ersatz gewährt uird. Wenn die Osficiösen tm Reiche die Matricular- Umlagen alS einen Nothbehels hinstellen, der zetzt einfach — ohne Ersatz der in ihnen liegenden cvi stific>rung von Südafnka zu fördern und sandte am 10. April Instructionen an Bärtle Freie k-ine Annection vorzunehmen, aber Maßregeln zu treffen zur L-icherung der enallchen Colonien gegen die von den Zulu« drohende Btt-Hr. Wafbinaton, 5. Mai. Die Demokraten brachten im Repräsentau- tenbause einen besonderen Gesetzentwurf ein, wonach bet Vornahme der Präsidentenwahl die Anwesenheit von Bundestruppen an den Wahlorten verboten *Cm London, 5. Ma«, Abends. Oberhaus. Auf Befragen Granvilles antwortete Salisbury in halbstü.diger Rede; er g^bt «ne U-b-rsicht ubrr das bereits behufs «usführnng de« Berliner Vertrags geschehene. Die Räumung Ostrumeliens soll am 3. Mat ansangen und am 3. August aushören, er g aube, dieselbe habe schon Begonnen. Waddingtons Antrag, betreffend die Mediatto in der griechischen Frage, sei von allen Mächten angenommen. __ SU&UhL Petersburg, 1. Mai. Wie wenig Umstände die russische Polizei selbst mit hohen Herrschaften macht, möge folgendes Beispiel beweisen. Hier in Petersburgsieben die Gebrüder Faminzin, die beide sehr angesehen und bekannt sind, denn der altere ist Professor an der Unwersität mit dem Titel „Excellenz" und den jüngeren kennt man weit und breit als tüchtigen Musiker, Compomsten und Musikreferenten., Em Universitätsprofessor ist heute selbstverständlich der Polizei weit verdächtiger als jedes andere Menschenkind, und in der Rächt vom Samstag auf Sonntag vor acht Tagen erschien mit einem Male ein Haufen Bewaffneter m der friedlichen Professorwohnung, 1Z Mann hoch unter Führung eines Polizei-Obersten waren sie ausgezogen. Faminzin wurde aus dem Bette geholt und ihm sehr höflich mitgetheilt, man habe höheren Orts den Befehl erlassen, Die Wohnung zu durchsuchen- «Gut/ sagte Fammzin, »handeln Sie nach Ehrern Befehl!" Nun begann eine Durchsuchung der werthvollen Bibliothek des Professors, während welcher diesem die Haut schauderte. Die Werke wurden auf ben Erdboden geworfen, mit den Füßen darauf herumgetreten und von den Pollzeimenschen nach allen Richtungen hm Durchwühlt. Fammzin wird über ^n Jahr nothig haben, um feine Bibliothek wieder in Stand zu fetzen. Als diese Untersuchung beendet war, wandte sich Der Oberst mit der größten Artigkeit an den Professor und sagte- „Excellenz! Ich bedauere unendlich, indessen Sie müssen mich begleiten und ^hr HZr Bruder auch, es ist höherer Befehl." „Wenn es höherer Befehl i\t" entgegnete ruhig der Gelehrte, „dann thun Sie, was Ihres Amtes ist. Die beiden Herren Faminzin, die zusammen dasselbe Haus bewohnten, mußten sich schleunigst ant eiben, wurden dann von den Polizisten in die Mitte genommen und abgeführt. Natürlich glaubten die beiden Brüder nicht anders, als daß sie nach der dritten Abtheilung verbracht werden wmden, das war aber leider nicht der Fall, sondern der Zug hielt tm Demidow-Pereulok vor dem Gefängnißthurme, der lediglich zur Aufnahme für nach ©ibiriei verbannte Verbrecher bestimmt ist. Die beiden Herren mußten hier eintreten und wurden danach in Einzelhaft abgeführt. Der Prosesior kam in em dumpfes Mauerloch von vier Schritt Länge zwei Schritt Breite, eine Gefangenenzelle, diewohl noch niemals in anderen Ländern eine „Excellenz" bezogen hat, die noch keiner Schuld überführt ist. Die Wände der Zellen waten feucht, das Bett unfauber, und Famm- zin een. bat dringend, man möge ihm doch wenigftens ein trockenes Gesängniß anweifen. „Excellenz", erwiderte der immer sehr höfliche Oberst, „es thut mir grenzens leio, allein andere Zimmer gibt es nicht mehr, alles ist befetzt." Der Professor brachte die Nacht angekleidet und ohne zu schlafen zu- Am nächsten Vormittag gegen 11 Uhr erschienen seine Peiniger wieder bei ihm- „Bitte, kleiden Sie sich au«," hieß es jetzt, „wir müssen mit Ihnen eine genaue Durchsuchung vornehmen." Dagegen proteftirte Faminzin sehr heftig, und zu feinem Glück erschien der Polizei-Oberst, der liebenswürdig wie immer, sehr bedauerte u. s. w., aber durch die energischen Vorstellungen des Professors sich schließlich doch bestimmen ließ, die körperliche Untersuchung zu untersagen. Alle Gegenstände dagegen, die der Verhaftete bei sich führte, mußte er abliefern unb auch ein Buch „Organische Chemie". Faminzin bat, man möge ihm doch das Buch lassen da er vor langer Weile vergehe. Jedoch vergebens. Das Buch wurde als wichtiger Fund triumphirend von bannen geschleppt- Eine neue Freude erwartete Se. Excellenz beim Diner: Die Suppe wurde ihm mit einem Holzlöffel aufgetragen, den hie Noraänaer des Professors, heißhungerige Sibirianex, schon bedenklich benagt hatten, und zum zweiten Gange, zum Rindfleisch, gab es weder Messer noch Gabel. „e>ie haben das Besteck vergessen", erinnerte fanft der Professor. „Durchaus nicht, Excellenz , antwortete der dienstbare Geist, „den Arrestanten werden keine Messer und Gabeln verabfolgt damit sie sich den Hals nicht abschneibcn ober bie Pulsabern nicht offnen. Das sind ja recht angenehme Aussichten," bachte bie „Excellenz" unb begann bas leckere Mal mit Fingern unb Zähnen. Die Luft in bem „Zimmer" war so schlecht, baß der Professor bringend bat, man möge ihm gestatten, ein wenig im Arrestantenhofe fpazieren zu geh n Die Bitte wurde gewährt, unb von einem eolbaten mit geladenem Gewehr vorn und einem Soldaten mit geladenem Gewehr hinten escortirt, durfte die Professor-Excellenz auch frische Luft schnappe»; das gefiel aber doch dem ganz unschuldigen Manne nicht und er kehrte nach fünf Minuten wieder in ferne Zelle zuruck. Mm ließ man ihn ruhig unb ohne Nachricht, ja ohne Verhör^ ben ganzen Montag, Dienstag, Mittwoch unb Donnerstag in feinem Lochgesangmß^ Seine wieberbolte Bitte um Rückgabe ber „Organischen Chemie ' mürbe immer abgefchlagen. Ain Donnerstag enblich erschien ber artige Ofsicier wieber und sagte: „Excellenz, ich habe bas große Lokales. Gießen, 6 Mai In ber TabakbesttUtrunqs-Frage ging heute eine detitionan den Reichstag welche von weit über 2000 Arbeitern Gießen« unb besten Umgegend unterzeichn ist. — Die Petenten besprechen in derselben die dem Hause zugegangene Vorlage und bezeichnen solche als die Interessen des ArbeiterstanveL schädigend. Nach Einführung so hoher Sätze, wie sie die Vorlage in Aussicht nehme, müsse der Consum zurückgehen, und seien Arbeiterent- laffungen in Folge hiervon zu befürchten; die Llcenzsteuer deute darauf hin, daß man die Idee deS Monopols noch nicht aufgegeben habe und die Nachversteuerung endlich werde eine furchtbare Stockung im Geschäft herbeiführen. In richtiger Würdigung der unausbleiblichen Nachwirkungen einer Nachversteuerung wird, unter näheren Ausführungen, darauf hingewiesen, daß Händler und Fabrikanten wohl längere Zeit keinen Absatz finden würden und letztere dann Aichr in der Lage wären, die Arbeiter weiter beschäftigen zu können. Die Unterzeichner bitten deßhalb: „Der bohe Reichstag möge die Vorlage ablehnen, wenn e- aber gar nickt anders gehen könne, als daß Tabak überhaupt höher besteuert werden müsse, bann wolle er es doch bei einer ganz geringen Erhöhung bewenden lassen unter Beseitigung der Licenzgebühr und Verwerfung jeder Nachversteuerung." Die Petition schließt mit den Worten: „Wir nahen uns vertrauensvoll dem hohen Reichstage und hoffen, daß es demselben gelingen werde, die großen Gefahren, welche einen Theil des arbeitenden Volkes in Elend und bittere Noth zu bringen geeignet sind, von demselben abzuwenden." Der Umstand, daß die hier besprochene Petition von weit über 2000 Arbeitern unter zeichnet wurde, dürfte das sich so nennende Tabaksteuer: Comit^ wohl nicht länger im Zweifel darüber lassen, daß sein Vorgehen von dem hiesigen Arbeiterstande mißbilligt wird und demnach sein Mandat als erloschen zu betrachten ist. — Se König!. Hoheit der Großherzog traf heute Mittag H,23 von Alsfeld kommend auf hiesigem Bahnhof ein und reiste mit der Weser-Bahn 11,41 nach Darmstadt wieder ab. — Für nächsten Sonntag sehen wir in dem 6. (letzten) Concerte des Gießener EoneertVereinS einem seltenen musikalischen Genüsse entgegen. Mit Freuden begrüßen wir das Auftreten des Violinisten Herrn Co n c ert meist er Heermann aus Frankfurt a. M , der mit seinem seelenvollen gediegenen Spiele schon wiederholt das kunstsinnige Publikum unserer Stadt in hohem Grade beglückt hat und bei Vielen noch in dankbarer Erinnerung steht. Fräulein Frl lunger, Cone'ertsängerin aus Frankfurt a M., gehört unbedingt zu den bedtu- tendsten Sopranstimmen unserer Tage, namentlich entfaltet sie in der hohen Lage ihrer Stimme einen entzückend schönen gewinnenden Reiz, wie er nur selten einer Stimme innewohnt. Schon längst ein Liebling des Frankfurter Publikums hat sie sich daselbst stets bet freunblichsten Begrüßung unb des lebhaftesten Beifalls zu erfreuen. Am letzten Charsreitag sang sie die Sopranpartie in Back's Matthäus-Passion in Darmstadt und zwar zur höchsten Befriedigung der Concertbesucher. In Herrn Dingeldey, einem Schüler Liszt's sehen wir eine junge aufstrebende musikalische Kraft, dem jetzt schon der Ruf eines bedeutenden Claviervirtuosen »oraußgeht unb der nicht allein ben KreiS seiner nahen Verwandten in unserer Stabt burch sein Spiel hoch erfreuen sonbern auch zweifelsohne ben hohen Anforberungen der kunstverständigen Besucher unseres Coneertes vollkommen genügen wird. — Bei frühzeitiger Bestellung wird es an guten Spersitzen nickt fehlen, da — wie wir hören — bei dem bedeutend kleineren Podium, das für bas bevorstehenoe Coneert nöthig fein wirb, eine größere Zahl Sitze neu hergerichtet werben können. — (Gentiana verna.) Die gutgemeinten Worte zu Gunsten unserer lieblichen Alpen» pflanze sinb sehr dankenswerth und zeitgemäß; möchten sie nun auch etwas nützen! Noch einige Jahre der Verwüstung in jetzt üblicher Weise unb bas schöne Pflänzcken, bas sonst weit und breit nicht vorkommt, ist total verschwunben. Das Ausstechen mit Wurzeln ist um so tabelns- werther, als es ganz zwecklos ist. Denn man sollte doch endlich gelernt haben, daß dieser Enzian überhaupt nicht mit Erfolg cultivirt werden kann, weder in freiem Lande noch im Topfe. ' h. Obiger uns freundlichst zugesandten Notiz möchten wir unsererseits noch zufügen, daß es namentlich den Eltern angelegen sein möge, die Kinder blos zum Anschauen des liebliche« Blümchens anzuhalten. Wer z. B. am Sonntag Nachmittag nach dem Philosophenwalde, resp. der dortigen Restauration ging, wird mit Bedauern bemerkt haben, daß bort verschiebentlich unter Tischen unb Bänken bte Blümchen zerstreut lagen. So viel Liebe zur Natur muß man een Kleinen beibringen, baß sie bas, was ben Naturfreunb mit Bewunberung unb Freube erfüllt, nicht zerstörungslustig oder unbedacht abrupfen, um es nach einigen Minuten wegzuwerfen. Ueberdies dürfte es auch Sache der Waldhüter sein, ein aufmerksames Auge zeitweilig auf haben. D Red. — Herr Lindner, Jjer beliebte Komiker am hiesigen Theater hat den Lony'schen Bierkeller pachtweise übernommen. Er glaubt ein recht aufmerksamer, freundlicher und unterhaltender Kneipwtrth zu werden, bei welchem die Gäste sich bald heimisch finden würden Seine zahlreichen Freunde sind wohl derselben Ansicht und begrüßen mit Freuden das Unternehmen des beliebten Papa Lindner. Handel und Verkehr. Gießen, 6 Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. 85 bis 90 H, Hühnereier, per Stück 4 H,°2 Stück 9 Gänseeier, ver Stück — Enten der, per Stück 5 H, 2 Stück — Käse, per Stück 5—8 H, Käsematte, per Stück 3 Erbsen, 1 Liter 18 H, Linsen, 1 Liter 22 H, Tauben, bas Paar 65 Hühner, per Stück X 12", Hahnen, per Stück X 1.30, Enten, per Stück X -, Kartoffeln, per 100 Kilo X 6—7, Zwiebeln, per Etr. X 12—13. Ocksenfleisch 70 A per Pfd., Kuh» und Rindfleisch 56—60 Schweinefleisch 58 — 60 H, Kalbfleisck 46 -50 Frankfurt, 5. Mai. (Fruchtbericht.) Mehl Nr. 1 X 39, Nr. 2 X 37 Nr. 3 X 31, Nr. 4 X 27, Nr. 5 X 21. Roggenmehl o/t (Berliner Marke) X 21.50, do. I (Berliner Marke) X 19.50—20, bo. 11 (Berliner Marke) X 14.50—15.50. Weizen, effeetiv hiesiger ab Bahnhof hier X 21—21.25, ab unserer Umgegenb X 20,50—21, do. fremder je nach Qualität X 20,50 — 21, Roggen, je nack Qualität X 13;—15.75, Gerste X 17-19, Hafer X 13.50 — 14.50, Kohlsamen X 27 —29, Erbsen X 19 bis 27, Wicken X 14—16, Linsen X 17—36, Söhnen, weiße, X 19.50, Roggenkleie X 10, Weizenkleie, grobe unb feine X 8—9, Nüböl, detail, X. 6«. Stimmung ruhig. Dringend offerirt russischer Roggen Hauptsächlich gefragt war — (Die Preise verstehen sichAsämmtlick per 200 Pfund Zollgewicht — 100 Kilo ) Frankfurt, 5. Mai. Der heutige Viehmarkt war ziemlich gut befahren. Angetrieben waren ca. 360 Ochsen, 200 Kühe und Rinder, 180 Kälber und 200 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 65—67, 2. Qual. X 6' —62, Kühe 1. Qual. X 60 bis 62, 2. Qual. X 52-54, Kälber 1 Qual. X 63-65, 2. CluaL 58—60, Hämmel 1. Qual. X 62—64, 2. Qual. X 52—54 per 100 Pfund Flelschgewicht. Schweine das Pfund 54 Pfg. Allgemeiner Anzeiger. 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Auch Nichtmitglieder haben Zutritt. (3093 v. Liebigs liiiidermelil übertrifft alle anderen an Eiwetßstoff (18,25 %) und ist das Verhältniß von diesem zu den Kohlehydraten genau wie bei der Muttermilch. Liebigs Malto Leguminose. 280) Bester blutbildender Nahrungsstoff, enthält 21% leicht löslich' Etwetßstoffe. Billiaer, nahrhafter und leicht verdaulicher als Fleisch, ist es ein Krastmehl für Säuglinge, Serophulose, Blutarme, Magenkranke, Nkeeonvaleseenten und Greise. Preis des Paquets von 1 Pfd. — 80 per comptant. Wiffenschaftltche Abhandlungen über Ltebig's Malto - Leguminose sind gratis zu Diensten. Das Allein-Depot von »r. Hempel, HirschaMheke. Bekanntmachung. 3125) Unter Bezugnahme aus bie Art. 34 und 35 des Berggesetzes tom 28. Januar 1876 wird hierdurch zur öffentl chen Kennnnß gebracht, daß das Fürstliche Haue SolmS-Hohensolms- Lich untern heurigen Taz- mit dem Eisenerzbergwerke „Aurora" m Der Gemarkung Lich, reift8 (Kwßen , mit einem Felde von 163581 Quadratur kern beliehe > worden ist. Etwaige Einwendungen gegen diese Verleihung müssen bei Vermer?ung des Verlustes des Vorzugsrechtes binnen drei Monaien durch gerichiliche Klage gegen den BergwerkSetgenthümer gellend gemacht werden. Während dieser Frist ist die Einsicht des Siluationsrisses bei der Bergmeisterei Gießen Jedem gestattet Darmstadt, den 16. April 1879. Großherzogliche Obere Bergbehörde. Jaup. T e ck l e n b urg. Gras-Versteigerungen. Die diesjährigen Grasnutzungen an den Gräben und Böschungen nachbenannter Straßen sollen in den dabei bemerkten Terminen an Ort und Stelle meistbietend verpachtet werden und zwar: 1) Donnerstag den 8. Mai auf der Straße von Gießen bis Lang-Göns, Anfang Morgens 8 Uhr in der Nähe der Veterinäranftalt. 2) Freitag den 9. Mai auf der Straße von Lang-Göns bis Butzbach, Anfang Morgens 8 Uhr bei Abtheilungsnummer45. 3) Montag den 12. Mat auf der Straße von Gießen gegen Marburg, Anfang Morgens 8 Uhr, in der Nähe des „Pfau". 4) Mittwoch den 14. Mai auf der Straße von Gießen über Reiskirchen, Anfang Morgens 8 Uhr in der Nähe des Schützenhofes. 5) Freitag den 16. Mai auf der Straße von Gießen über Lich gegen Langsdorf, Anfang Morgens 8 Uhr in der Nähe des Gießener Friedhofs 6) Dienstag den 20. Mai aus der Straße von Lich gegen den Hessenbrückerhammer, Anfang Morgens 9 Uhr in der Nähe des Friedhofs zu Lich. 7) Freitag den 23. Mai auf der Straße Lich bis Hof-Gill, Anfang Morgens 9 Uhr in der Nähe des Eisenbahn-Viaducts. Die resp. Großherzoglichen Büiger- meistereien werden ersucht diese Versteige- ningen im Interesse ihrer Gemeinde besonders bekannt machen zu lassen. Gießen, den 1. Mai 1879. Großherzogliches Kreisbauamt Gießen. In Vertretung: M. Wahl, (3010 Großherzoglicher Kreisbauaufseher. Holzversteigerung. Donnerstag den 8. Mai l. I., Nachmittags von 2 Uhr an. sollen in dem Beuerner G'meindewalD, Dtstrict Heegstrauch, folge.de Holzsortimente nochmals versteigert w rden: 30 Eichen-L-iämme, bis zu 82 Ctm. Durchmesser, mit 30 56 Fstmlr., 20 Nadel-Stämme mit 8,35 Fstmtr., 43 Eichen-Derbstangen, 48 Nadel- „ und 100 „ Reisstavgen. Die Zusammenkunft ist in Füns- hausen. Beuern, den 3. Mat 1879. Großherzogl. Bürgermeisterei Beuern. Ranft. (3097 Montag den 12. Mai und die folgenden Tage, Nachmittags 2 UH5, sollen im Haufe des Herrn Aktuar Funk die zum Nachlasse der Frau S. Kaufmann Ww gehörigen Möbel, bestehend in Kleiderschränken, Sophas, Tischen, Stühlen, Schreibfecretären, Silber s chrank rc. Ferner Bettwerk, Weißzeug, Kleidungsstücke, Küchen- und Hausgeräthe an den Meistbietenden gegen Baarzahlung versteigert werden. Die Gegenstände können Montag, Vormittags von 10—12 Uhr eingesehen werden. I. A.: 3135)_______Fr. Müller.___________ Verfleigerungs Anzeige. Die au ui Bewohnen eingericht'te Bauhütte am neuen Girichtsgebäude dahier soll Montag den 12. Mai, Vormittags 9 Uhr, an Ort und Stelle u« ter den vor der Versteigerung bekannt gemacht we den- ben Bedingungen auf den Abbruch versteigert werden. Großherzogl. Kreisbauamt Gießen. 3117) Holzapfel. Donnerstag den 8. Mai, Nachmittags 2 Uhr, werden im Hause des Herrn Emil Pist or in der Marktinaße dahier die zum Nach- laß der Frau Oberförster Runkel gehörigen Mobilien, bestehend in 1 Sopha, 2 Bettstellen mit Bettwerk, 3 Schränke, 1 Consolschrank, 2 runde Tische, mehre viereckige Tische, Spiegel, 1 Sessel, Stühle, 1 PeUollumheerd und verschiedene andere Hausgeräihschaften öffentlich gegen Baarzahlung versteigert. Gießen, den 5. Mai 1879. In Auftrag: (3092 _______M. Pilger._______ Versteigerung. Freitag den 9. Mai d. I., Vormittags 10 Uhr, sollen die zum Schuldenwesen des Johannes Balser VII. zu Oppenrod gehörenden Mobilren in dessen Wohnung öffentlich gegen Baarzahlung versteigen werden: 16 Kistchen mit Cigarren. 1 Faß mit Oel. 1 Faß mit Obstwein. 7 Packet Stärke. 1 Kistchen mit Galanteriewaaren. 4 Piund geschälte Gerste. 2 Kistchen mit Schuhnägel. 1 Pack Seife. 1 altes Schiänkchen mit Flaschen. 1 Kistchen Pfeffer. 1 Kistchen mit Nelken. 1 Killchen mit Bleifedern und Griffel. 2 Krämerwaagen mit Gewichtsteinen. 77 Stück Feuerzeug. 21 Stück Wichsschächtelchen. 24 Schulbücher. 2 Lampen. 1 Krämerschrank. 15 leere Bienengöcke. 18 leere Kistchen 1 Mähmaschine. 3 Reste Futt i zeug. 3 Paar Tuchhosen. 3 Tuchröcke. 3 Tuchwesten. 1 Spiegel. 2 Wagen mit Zubehör. 1 Pflug und Egge. 1 Piuhlfaß. 2 Viehgeschirre. 1 Frucht-Putzrnühle. Oppenrod, bin 3. Mai 1879. 3090) Pclrt, Massecurator. Iermietpungen. 3120) Ein kleines Familienlogis zu vermiethen PH. Bötz, Garlseld- 3119) Ein möblirteS Zimmer an 1—2 Herren abzugeven, auf Wunsch auch Kost. Näheres in der Exped. d. Blit5. 3131) Ein Logis zu vermiethen, dem preußischen Bahnhof gegenüber. Näheres bei Caspac Jung IV., Kleinlinden. 2847) Schönes Zimmer, möblnt oder unmöblirt, in der Nähe der neuen Aula zu vermiethen. Wo? sagt dieExp- d. Bl- 2573) MÜbl. Zimmer m. Cab zu vcr- miethen. Preis p. Semester 90 JL Bei d. Exved. d. Bl. zu erfragen.____________ st gut ckaussict. (3132 Spezialität. (3116 Zum Unfertigen von Eerevice, Poraucbes, Thora montcl rc., empfiehlt fich Heinrich. Lieber, Hanau, Glockenstr. 21. Goldsticker L!?abnenfabrikant. »****♦♦»♦ An Gemeinden 3112) Ein tüchtiger Russensteinmacher, welcher sieben Jahre auf einer Fabrik war, die besten Zeugnisse vorlegen kann, und bei seinem jetzigen Herrn Über seine Arbeit Erkundigung eingezogen werden kann, sucht noch 2- bis 300,000 Steine zu machen, sämmtl che Arbeiter beisammen. Adresse I. Krebs auf der Russenstein- Fabrik in Hoch-Weisel bei Butzbach. ♦♦*♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ 9/5 7 ü. Kkc. (3133 werden zu billiAstem Zinsfuß Kapitalien bis zu jeder Hohe ohne Provisionsberechnung dargeliehen. Hypothekarische Sicherheit wird nicht verlangt. Adressen mit näheren Angaben unter U. 61010 befördern Haaeeneteln de Vogler in Frankfurt a. M. 3109 Verantwortliche Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Druckerei (Fr. Ehr. Piet ich) in Gießen. M. I®6 Darwst jirtittn Kammei l>ervorgeht, ist \ Piäsidknieu mi 5500 Mk. bea 7500 Mk., die trag der vortr Mnüber halte! gchrdetten Ansi! fr-, als in Bai I gdb dotirt ist. llk Rkgierung i — Von t bet Bericht übe tzibühren-Ordm iize vor. Wir itnberungen an Lgieruna gebill xibient befonben Äihligt fein, die Hinheffen, somi 'n Vnordnungsa m- Darm Kchnln v. Sta U Mts. folge „Die mir f-Wf. mitgeiheil in, Vie heßifche tlflMbeant ZniWgsnac w der hessü Wt von Nachb dieser Ges. ** Leianlaffn hierüb . 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