A Dienstag, den 7. Januar 1879. Aidjcncr HWiger Ayeizc- uni) Amtsblatt fit den Kreis Gießen. । -------------- “ “ Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn Redactionsbureaur | Sckulstraße 8. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Vxpeditionsbureau: f wm Amtlicher H h e i l. Bekanntmachung. Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Provinzial-Ausschuß der Provinz Oberhessen zu Mitgliedern der Commission für die Einkommensteuer pro 1879 die Herren Hofgerichts-Advocat Dornferff zu G testen, Bürgermeister Jacobi zu Rodheim v. d. H., Bürgermeister Zimmer zu Villingen, und zu Ersatzmitgliedern die Herren Jacob Wißler zu Butzbach und Jost Korell zu Schwabenrov Landesernannt hat. Gießen, am 31. December 1878. Großherzogliche Provinzial-Direction Oberhessen. Dr. Boekmann. 1———"ggg politisch Die politische Lage. Von allen Seiten her kommen Friedensbotschaften. Zuweilen allerdings hört man die Botschaft wohl, allein uns fehlt der Glaube. Jndesien nehmen wir zum neuen Jahre zunächst den guten Willen für die That. Die hohe Pforte hat die Commission sür die vom Berliner Corgreß für Griechenland beschlossene Grenzbertchtigung ernannt und Truppen entsendet, um den Widerstand der Albanesen gegen die Abtretung der den Montenegrinern zugesproche- nen Festurg zu brechen,, und ferner den Fütsten Nikita ausgesordert, Com- mifsare zur Uebernahme zu entsenden. Das Zustandekommen des Separatfriedens zwischen Rußland und der Türkei ist in nahe Aussicht gestellt. Die russische Regierung hat ihre Bereitwilligkeit, den Berliner Vertrag auszusühren, dadurch von Neuem bekundet, daß sie ihre Beamten in Ostrume- lien angewiesen hat, der internationalen Finanzcommtsston, welche nur sür das Wohl des Landes wirke, thätigen Beistand zu leisten. Lord Beaconsfield hat wiederholt geäußert, daß der Berliner Vertrag bis zu dem festgesetzten Termine vollständig ausgesührt und sein Zweck, Europa zu beruhigen, bald in vollem Maße erreicht sein würde. Aber nicht nur ist im Allgemeinen der gute Wille zu loben, sondern man führt durch die That die Friedensbestimmungen allmählig durch. Be« kanntltch ist eine gemeinsame Besetzung Ostrumeliens, sowie der Gebiete, in denen nach Abzug der Rusten Unruhen zu befürchten wären, beschlossen, und zwar durch Truppen der nicht direkt betheiligten Mächte. Die hohe Bedeutung dieser Thatsache sür dm allgemeinen Frieden ist einleuchtend. Europa entfernt die russischen Truppen und beseitigt damit die Furcht vor einem Gewaltstretch Rußlands. Ein Zeichen friedlicher Strömung ist es ferner, daß Rußland und Eng. land sehr nahe daran sind, nicht nur aus der Balkan-Halbinsel, sondern auch in Centralasien sich zu verständigen. Man bringt die bestimmte Frage Dis- raeli's, sowie die Zurückberusung der russischen Gesandtschaft aus Kabul mit englischen Zugeständnisten m Europa in Verbindung. Einige Empfindlichkeit zwischen den Westmächten wegen der von Frankreich angeregten syrischen Frage, sowie der Zwischenfall in Tuntv sind ohne tiefe Bedeutung. Endlich darf man auch bald die Einigung Oesterreichs mit der Türket erwarten. Der Umstand, daß Oesterreich sür seine Opfer in Bosnien eine Entschädigung sucht, wird das Einvernehmen der Kaisermächte nicht stören. Für die Aufrechterhaltung des Dret-Katser-Vündntstes, welches sür den Weltfrieden seine große Bedeutung bekundet hat, sorgt die deutsche Politik des Fürsten Bismarck. Trotz Beust und Schönerer ist eine Trübung der Verhält- ntffe zwischen Oesterreich und Deutschland nicht zu besorgen. So treten wir denn in das neue Jahr mit den besten Friedensaussichten. Deutschland. Darmstadt, 4. Januar. Der Abg. George hat in der zweiten Kammer den Antrag eingebracht, dieselbe wolle sich dasür aussprechen, daß das Gesetz vom 9. December 1876, die Wetnsteuer betr., ausgehoben werden möge; wenn dies vorerst nicht thunlich sein sollte, daß die Weinsteuer bei dem Weinhandel auszuheben sei und die Provinzialstraßen-Bauschuld nur von da an aus den Staat zu übernehmm wäre, wo die ganze Weinsteuer in Wegfall gekommen sein würde. ~ Berlin. Der Wortlaut der Welfenadresie an den Herzog von Cum- berland und die Prinzessin Thyra liegt in verschiedenen Blättern vor. Es genügt, ein paar Sätze mitzutheilen, nm das Machwerk zu kennzeichnen. Die Adresie beginnt: Durchlauchtigster Herzog! Gnädigster Herzog und Herr! Die frohe und verheißungsvolle Kunde von der Verlobung Eurer König!. Hoheit mit der Königl. Prinzessin Tbyra von Dänemark hat des tief gebeugten hannoverschen Volkes Herz getroffen wie ein heller Sonnenstrahl, der er Hheil. dunkles Gewölk durchbricht. Inniger als je fühlt in der gegenwärtigen Zeit gewaltsamer Trennung Hannovers Volk dem angestammten Herrscherhause und Eurer Königl. Hoheit, dem Haupte und Erben dieses Hauses, in Allem ich verbunden, was das Herz bewegt: Freud und Leid. Können wir jetzt.nicht aus dem Boden der Heimath, in dem Erbe der Väter, Eure Konrgl. Hoheit mit lautem Jubel beg süßen, so quillt nur um so heißer ic. rc. Berlin, 4. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." erinnert daran, daß der nächste Reichstag, soweit das Gebiet der Reichsjustiz-Gesetzgebung in Frage komme, si-b nur mit solchen Voilagen zu beschäftigen haben werde, welche e nen wesentlichen Bestandtheil der mit in diesem Jahre in Kraft tretenden Reichs- justizgcsitze beiden, und glaubt deshalb die Meldungen der Blatter in btn letzten Tagen über die Arbeiten in Betreff einer Reform des Actieng-setzes, der Notariats-Ordnung und dergl. insofern als gegenstandslos bezeichnen zu können, als sie nicht sür den kommenden Reichstag in Angriff genommen wer- den. — Dasselbe Blatt reproductrt den Zweiseln der ,,Kreuz-Ztg. gegenüber die Meldung der „National-Ztg.", daß der Kaiser mittelst Schreibens vom 30. Decbr. in auszeichnender Weise dem Eultusminister den Ausdruck seines Vertrauens erneuert habe. Ein Schreiben desselben Sinnes sei an dem nämlichen Tage an den Oberkirchenrath gerichtet worden. Berlin, 4. Januar. Herr v. Hansemann ist wegen der Domantal- Anlcihe heute nach Wien abgereist. - Justizrath Wölffel hat ein Mandat der Rumänischen Eisenbahn-Gesellschaft übernommen , um verschiedene schwe- bende Fragen in Bukarest zu regeln- - In den allernächsten Tagen findet eine Conserenz von Delcgirten der Magdeburg.Halberstädter Eisenbahn-Gesellschaft mit Delegtrten des Finanzministeriums bezüglich der Bedingungen für den Ankauf dieser Bahn durch den Staat statt. — Die vom Hause Bletch- röder heule eingesührte zweite Orient-Anleihe wurde zu 57 in Posten gehandelt. Oesterreich. Wien, 3. Januar. Meldungen der „Polit. Corresp." Aus Skutari iAIbanienj vom 1. d. Die Einwohner von Podgoritza telegraphirten dem Sultan, sie seien entschlossen, sich dem ihren Bezirk betreffenden Beschlüsse des Berliner Congreffes keinesfalls zu unterwerfen. Gleichzeitig ließ die Medschutz von Podgoritza die Wohnhäuser jener Einwohner von Spuz demoltren, welche sich nach Danilovgrad begaben, um Montenegro ihre Unterwerfung anzuzeigen. Aus Konstantinopel. Frankreich, England, Deutschland und Oesterreich stimmten der beabsichtigten Ernennung Rustem Paschas zum Gouverneur Ostrumeltens zu: Rußland, welches an RustemS katholischer Consession Anstoß zu nehmen scheint, hat sich bisher noch nicht ausgesprochen. Die Verhandlungen zwischen Karatheodort Pascha und Lobanoff wegen des definitiven Friedens haben am 31. D-cember begonnen. Wien, 4. Januar. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel von gestern: Die im russischen Botschasts-Hotel fortgesetzten Verhandlungen über den russisch-türkischen Frtedensvertrag nehmen einen günstigen Verlau. Es ist gegründete Hoffnung auf einen baldigen befriedigenden Abschluß derselben vorhanden. Nach einer verbürgten Aeußerung Karatheodort Paschs hat Fürst Lobanoff bet Eröffnung der Verhandlungen den unmittelbaren Beginn der theilwessen Räumung des iürkischen Gehietes, nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages in Aussicht gestellt. - Der seit Monaten beurlaubte Wr- kische Botschafter in London, Musnrus Pascha, ist dahin zurückgekehrt. - ®er G^nzregultrungs'Commiffär für Montenegro, Kiamtl Pascha, ist nach Alba- nien abgereist. — Dieselbe Correspondcnz meldet aus Athen: Die Pforte disponirte, daß die griechisch-türkische Grenzregulirungs-Commission nicht in Athen, sondern in Kalkut bet Arta zusammentreten solle. Wien, 4. Januar, Abends. Das hiesige „Telegr.C°rresp. Burc->u meldet au« Rom vom Heutigen: Die Verhandlungen wegen Wiederbestellung Telegraphische Depeschen. Wagner'S telegr. Eorrespondenz - Bureau. Paris, 5. Januar. Von den Erneuerungswahlen zum Senat sind bisher 58 Resultate bekannt; danach gewinnen die Republikaner 33 Sitze. Unter den nicht wiedergewählten Conservativen sind hervorzuheben: Marschall Canrobert, Depeyre, Espeuilles, Montgolfier, Dutroil, Belcastel, Behic, Pourcet und Meaux. Unter den Gewählten befindet sich Fournier, Botschafter in Konstantinopel. — Die Ergebnisie der Senatswahlen sind nunmebr insgesammt bekannt: Die Republikaner gewinnen 41 Sitze. Sämmtliche ausscheidende republikanische Senatoren sind wiedergewäblt, während nur 13 Konservative gewählt wurden. Zwei Stichwahlen sind erforderlich. — Der Senat zählt nach seiner jetzt erfolgten theilweisen Neubildung 119 Conservattve und 176 Republikaner; unter letzteren sind 64 heute Gewählte. Die republikanische Majorität beträgt demnach 57. Kopenhagen, 5. Januar. Der Kriegs- und Marineminister General Dreyer hat seine Entlastung genommen und ist General Kauffmann zum Krtegs- niinister und der seitherige Generaldirector des Martneministeriums, Ravn, um Ministerpräsident ernannt worden. Petersburg, 5. Januar. Wenn schon die Pforte die Albanesen aufforderte, der Abtretung von Podgoritza nicht feindselig entgegenzutreten, und darauf hinwies, daß der Berliner Vertrag, der die Herausgabe von Podgo zrttza verlangt, ausgeführt werden wüste, so herrschen hier doch Zweifel, ob die türkische Regierung den aufsässigen Albanesen mit geeigneten Machtmitteln gsgenübertreten werde. Die „Ägence Rüste" gibt diesen Z oeifeln Ausdruck und äußert die Ansicht, baß die factische Herausgabe von Podgoritza an Montenegro bei der Unterzeichnung des russisch-türkischen Friedens unter die Bedingungen aufzunehmkn sein werde, von denen Rußland die Zurückziehung der Truppen abvä g'g mache. Madrid, 5. Januar. In Leres wurde eine Gesellschaft von 7 Internationalisten verhaftet und wichtige Papiere mit Beschlag belegt. Astrachan, 5. Januar. Bald nach der Rückkehr der Kosaken aus der astatischen Türket entstand in dem jenotajewschen Bezirk des Gouvernements Astrachan eine Epidemie, welche von den Aerzten als Pest anerkannt wurde. Ehe man Quarontatne-Maßnahmen ergreifen konnte, verbreitete sich die Pest auf mehrere Dörfer. Der Gouverneur von Astrachan schritt energisch mir Einführung der strengsten Quarantaine ein. Den eingelaufenen Nachrichten zufolge ist die Sachlage eine schreckliche und die Sterblichkeit sehr groß Zum Zwecke der Quarantaine-Maßnahmen wurden Truppen und Aerzte nach Astrachan beordert. Spanien. Madrid, 3. Januar. In der Deputirtenkammer wurde das gegen eine Sergeanten und zwei Soldaten wegen Verschwörung gegen das Leben ihres Vorgesetzten gefällte Todesurtheil, welches morgen in Ceuta vollstreckt werden soll, zur Sprache gebracht. Mehrere Deputirte beantragten die Umwandlung der Todesstrafe in eine andere Strafart. Der Ministerpräsident machte geltend, daß das Militärgesetz die Hinrichtung der Verurtheilten vorschreibe. Madrid, 4. Januar. Die Hinrichtung des Königsmörders Moncast y Oliva hat heute früh gegen 9 Uhr stattgefunden. Kriechenland. Athen, 3. Januar. Wie verlautet, hat der hiesige türkische Bevoll- mächtigte der Regierung mitgethetlt, daß der Präsident der türkischen Grenz- regulirungs-Commission, Mukhtar Pascha, das Dorf Kukut bet der Stadt Darta zur Zusammenkunft der beiderseitigen Commisiäre gewählt habe. Beide Orte finden sich auf der Karte der europäischen Türket nicht. In Folge deffen ergingen Rückfragen, welche hoffentlich ergeben werden, daß die bezüglichen Verhandlungen nicht sofort mit einer Mystification begonnen haben. Wen. Kalkutta, 31. December. Officiell. Gholam berichtet, daß ihm der Emir Schir Ali am 10. Decbr. eröffnet habe, Angesichts des Verlustes von Ali-Musjid und Peiwar und des erschütterten Vertrauens der Truppen halte er weiteren Widerstand für unthunlich und habe beschloffen, bei Rußland Schutz zu suchen und die Angelegenheit einem europäischen Congreffe zu unterbreiten. Jakub Khan wurde am selbigen Tage freigelasien und ihm der Eid obgenommen, daß er nach den Weisungen des Emirs handeln wolle. Letzterer verließ am 13. Decbr. Kabul, nachdem er vorher sein in 70 Laks Rupien bestehendes Prtvatvermögen in's Ausland geschickt hatte. Kalkutta, 3. Januar. Officiell. Wali Mahomed übersendete dem General Roberts ein Schreiben, worin er seine Dienste anbtetet und mittheilt, Jakub Khan, welcher zu entkommen suche, werde bewacht. Schir Alt sei nach Petersburg gegangen. eines russischen Vertreters bei der Curie sind vollständig gescheitert. Urusios's Mission erzielte keinen Erfolg, da über mehrere wichtige Differenzpunkte fern Etnvernehm-n zu erreichen war. Sßeflb, 4. Januar. Aus competenter Quelle verlautet, daß das Deficit des Staatshaushaltes im Jahr- 1879 22,880,000 st. behage, wobei auf die Amortisation der Staatsschulden 5 Mill. st. mehr als im Vorjahre entfallen. Dänemark. Kopenhaaen, 3. Januar. Bei den letzten Wahlen zum Folkething verlor die gemäßigte Linke 14 Sitze, davon 7 an die Rechte, welche anderer- setts 2 Sitz- -inbüßt-. Der Führer der Radikalen, Tauber, ist unter-g-n. Der frühere Ministerpräsident Gras Holstein - Hoisteinborg siegte gegen seinen radikalen Gegen-Candidaten. Gewählt sind 36 von der Rechten, 33 Radikale, 28 Gemäßigte, 2 Deputtrt-, die keiner bestimmten Partei angehören. Von einem Deputaten ist die Parteistellung unbekannt. Zwei Wahlen finden erst später statt. England. London, 4. Januar. Der „Standard" meldet,au8 Khost vom 3. b.: Eine Abihetlung der Truppen d-s Generals Roberts rückte ohne Widerstand zu finden, in Khost ein. Die Eingeborenen, welche sich unfreundlich zeigen, “ÖÄ!"1“ S* •<»•' »«« W-ti m R. Hudson und Company, Samenhändler in L-eds und Hüll. Die Passiva sollen 105 000 Pfd. Stetl- betragen. Die Cruichbank und die Ornichbank in Truro haben ihre Zahlungen eingestellt. Di-Passiva sind noch unbekannt. Italien. Rom. Die Curie ist ein wenig entmuthigt über die schier unheilbare Schwindsucht des Peterspsennigs; die maßgebenden Kreis- dort sind schon zu dem Beschluss- gekommen, daß große Vereinfachungen und Ersparniffe in dem ganzen Organismus der obersten kirchlichen Verwaltung, in den Congregationen sowie im Hofstaate einzuführen sind, so daß die dadurch ersparten Summen für Zwecke des allgemeinen Jntereffes des päpstlichen Stuhles verwendet werden können, für den „geheimen Fonds" so zu sagen, der minder für die Verwaltung bestimmt ist als für di- Jnscenirunz des katholischen Dramas unserer Tage. Doch wird auch ein allgemeiner Aufruf an die Bischöfe erlassen werden. Die Seeundärbahn Kölbe-Biedenkopf-Laasphe. Biedenkopf, 31. December. Unsere Eisenbahnfrage steht dermalen im Vordergrund der öffentlichen und privaten Discussion. Nach jahrelangem Hangen und Bangen in schwebender Pein, bei der unsere Industrie nack mehrjährigem Stillstand sich schon anschickte, den Krebsgang zu gehen, ist die Situation mit einem Schlage Plötzlich eine hoffnungsvolle geworden, wir glauben sitzt daran, daß wir eine Eisenbahnverbindung bekommen und die Thatsachen berechtigen uns zu diesem Glauben Wie Ihnen bekannt ist, hat am 12. und 13. December der Herr Oberpräsident von Ende aus Kassel in Gemeinschaft mit den Herren Regierungspräsidenten v. Wurmb aus Wiesbaden und v. Steinmann aus Arnsberg die Strecke der projectirten Bahn von Kölbe bis Laasphe bereist, er hat mit den Gemeinden und sonstigen Jntereffenten Verhandlungen gepflogen, in Biedenkopf wurde eine Versammlung zur Besprechung der Angelegenheit durch ihn veranlaßt und das Resultat der Mission des Herrn Oberpräsidenten kann nach alle dem als ein durchaus günstiges bezeichnet werden. Folgende Eröffnung wurde von dem genannten Herrn den Jntereffenten gemacht: Als unerläßliche Bedingung für die Verwirklichung des Projects einer Seeundärbahn von Kölbe nach Laasphe wird eine lebhafte Betheiligung der Jntereffenten, der Gemeinden re. an den Kosten des Unternehmens festgehalten. Es ist nur dann auf die Befürwortung staatsseitiger Uebernahme des Baues und Betriebs an höherer Stelle zu rechnen, wenn zum wenigsten 1) der zur Ausführung der Linie erforderliche Grund und Booen, deffen Erwerbungskosten zu etwa 280,000 X veranschlagt sind, seitens der Gemeinden oder sonst Betheiligten unentgeldlich zur Verfügung gestellt und ebenso die Mitbenutzung der Chaussee von Kölbe nach Laasphe im Umfange des Projects seitens der Provinzial- beziehungsweise communalständischen Verwaltung unter Verzichtleistung auf jegliche Entschädigung dafür gestattet wird; 2) zu den übrigen in runder Summe noch 1,720,000 X betragenden Baukosten ein unter keinen Umständen zurückzugewährender baarer Betrag von 100,000 X (was bei 35 Km, Länge der Bahn etwa 3000 JL pro Km. ausmacht> geleistet und in näher zu bestimmenden Zeitabschnitten während der Bauausführung zur Verfügung gestellt wird, und 3) im Falle, daß anstatt der directen Linie über Eibelshausen der um etwa 500 Meter längeren Concurrenzlinie über die Karls- und die Wilhelmshütte der Vorzug gegeben werden sollte, die auf etwa 2O,OoO x veranschlagten Mehrkosten dieser Linie gleichfalls seitens der Jntereffenten getragen werden. Eine Vorbedingung für die staatliche Uebernahme des Baues und Betriebs der fraglichen Linie ist endlich oie, daß die zur Zeit schwebenden Verhandlungen wegen des Erwerbs des Großh. Hess. Theils der Main-Weser-Babn seitens des preußischen Staats zu dem erwünschten Abschluß gelangen werden, da nur bei der hiernach zu erreichenden Vereinfachung im Verwaltung^- und Abrechnungswesen der Main-Weser Bahn eine staatssettige Betrtebsführung auf die Ansckluß- linte Kölbe-Laasphe thunlich sein werde. An der projectirten Bahn sind die Kreise Wittgenstein mit 5, Biedenkopf mit 19 und Marburg mit 11 Kilometer betheiligt und es steht zu erwarten, daß die aufzubringende Summe nach Maßgabe der Kilometerzahl pro Rata von den betreffenden Kreisen, resp. Gemeinden übernommen werden wird. Die Stadt Biedenkopf hat bereits 10,000 X als Baarzuschuß für oie Bausumme gezeichnet, von den benachbarten Hüttenwerken sind ansehnliche Zeichnungen bereits geschehen oder doch in sichere Aussicht gestellt, Kaufleute, Gewerbetreibende, Beamte, Landleute re tragen opferwillig ihr Scherflein bei, damit endlich erreicht werde, wonach wir schon so lange gestrebt: die Verbindung mit dem großen Verkehr. — Von manchen Seiten wurde im Beginne der Agitation für das gedachte Project die Befürchtung laut, die Stadt und der Kreis Marburg würden sich dem Unternehmen gegenüber passiv verhalten, die Stadt Marburg insbesondere, weil der Verkehr aus dieser Gegend in Folge der Bahn statt nach Marburg nach Kölbe geleitet werden würde Nur oberflächliche Betrachtung des Sachverhalts kann zu diesem Schluffe führen. Marburg hat das eminentste Interesse, daß diese Bahn hergestellt wird; Kölbe in seiner durch hohe Berge und durch die Einmündung der Ohm in die Lahn beengten Lage wird sich niemals zu einem größeren Stappelplatz eignen, der dortige Bahnhof wird eine Vergrößerung der Natur der Sache nach erfahren, Hauptplatz wird aber nach wie vor Marburg bleiben, in oessen Bahnhof alle nach Süden gehenden Güter ohne Umladung einlaufen weroen. Ist einmal die Stichbahn bis Laasphe gebaut, dann wird die Weiterführung der Bahn im Westen nach Altenbunden zum Anschluß an oie Ruhr-Siegbahn, im Osten nach Alsfeld zum Anschluß an die Oberhessische Bahn nur noch eine Frage der Zeit sein; Marburg wird deßhalb, wenn es seine Jntereffen zu würdigen versteht, bei unserem Project sich lebhaft bethetligen muffen, wenn es nicht erleben will, daß der Bahnlinie überhaupt eine andere Richtung, die nach Gießen, gegeben werden soll. Daß Gießen der Sache nicht gleichgiltig gegenübersteht, beweist die Interpellation, die der Abgeordnete v. Rabenau in Gemeinschaft mit mehreren oberhessischen Abgeordneten in der darmstädtischer zweiten Kammer eingebracht hat; er fragt darin an, ob es richtig sei, daß die hessische Regierung mit Preußen wegen des Verkaufs des hessischen Antheils an der Main-Weser-Bahn in Verhandlung stehe; daß die Herren Interpellanten wissen, wie der Bau unserer Bahn von dem Erwerb der Main-Weser-Bahn durch Preußen abhängig gemacht ist,' daß sie den Verkauf zu Hintertreiben suchen werden, um die Richtung der Linie nach Gießen statt nach Marburg zu erzwingen, dürfte aus mehrfachen Gründen wohl angenommen werden können; nur ein energisches Einschreiten Marburgs wird es vor der drohenden Gefahr, umgangen zu werden, beschützen. — Marburg wird das zweitkleinste Landgericht der Monarchie werden mit etwa 185,000 Seelen, die Erbauung der Bahn nach Laasphe wird das schon bet Abgrenzung der Oberlandesgerichts- und Landgertchtsbezirke hervorgetretene Verlangen der Bewohner des Kreises Wittgenstein, dem Landgerichte Marburg zugetheilt zu werden, noch berechtigter erscheinen lassen und die Staatsregierung wie der Landtag werden sich einem derartigen wohlmotivirten Antrag gegenüber nicht ablehnend verhalten können, denn Wittgenstein gehört weder seiner Lage, noch seinem Volksstamm nach zu Arnsberg, die Reise an das dortige Landgericht nimmt mehr Zett in Anspruch, als eine Reise von Laasphe nach Berlin. Alles dies sind Motive für Marburg, der vorliegenden Frage in ernster Würdigung der Verhältnisse näher zu treten und gemeinsam mit uns zu wirken, daß Marburg wieder werde, was es in alter Zeit bis in's Mittelalter hinein war: der Vorort für die obere Lahn. So geben wir uns denn der frohen Hoffnung hin, daß unser Unternehmen von mehr als einer Seite Unterstützung, daß es namentlich auch seitens der betreffenden communalständischen Verbände eine werkthätige Förderung finden werde. Rein wirtschaftliche Gründe werden diese Körperschaften veranlaffen, uns beizuspringen. Die Straßenstrecke, die durch die Bahn entlastet. werden wird, hat in unserem Kreis eine Länge von 19 Kilometer, welche unserem communalständischen Verband-jährlich ein-n Kostenaufwand von 600 X per Kilometer, also 11,40o X per Jahr für Unterhaltung verursachen, alle 10 Jabre tritt hierzu eine kostspielige Hauptreparatur, nach Herstellung jener Bahn wird die fragliche Unterhaltung kaum die Hälfte des seitherigen Betrags kosten; Grund genug für den Verband, unser Unternehmen zu unterstützen. Auch die kaiserliche Post wird ein Beträchtliches gewinnen, wenn sie in Folge der Bahn demnächst die Postwagencoursc von Marburg btS Laasphe einstellen kann, für den Herrn Generalpostmeister dürfte deßhalb Veranlassung gegeben sein, ebenwohl dem Unternehmen fördernd nahe zu treten. So liegen unsere Pläne und Aussichten am Ende des Jahres 1878. Möge es uns vergönnt sein, am Schlüsse des kommenden Jahres Ihnen berichten zu können: Unsere Bahn ist der Vollendung nahe. (Rhein. Cour.) Lokales. Gießen, 6. Januar- Schluß des Entwurf zum Voranschlag (siche Nr. 4 d. Bl.) der Stadt Gießen pro 1879 Ord.-Nr. Ausgabe. Betrag im vorigen Jahre Für 1879 vorgesehen. Außerordentliche 115. Zurückzuzahlende Kapitalien 30911 43 31830 71 117. Ankauf von Grundstücken 2o 107 62 — — 118. Erbauung gemeinheitltcher Gebäude 50000 — 5145 a 33 121. „ von Schulhäusern 67120 — 79726 28 122. „ „ Straßen, Brücken und Wegen 71 190 14 55793 — 123. Beitrag zu den Kosten des Univcrsitätsgebäudes 20982 85 — — 124. 125. Rente der Oberhessischen Eisenbahngelände-Entschädigung Kosten der Parceüenvermessung 5761 2500 74 5761 3000 74 Summe der außerordentlichen Ausgaben 2-3-73 78 227on7 06 Aus dem „Erläuterungsheft zum Entwurf des Voranschlags" entnehmen wir folgende interessante Notizen. Zur statistischen Uebersicht wird bemerkt: Wie im Erlauterungsheft zum voriaen Voranschlag angegeben, betrug die Einwohnerzahl der Stadt Gießen im Jahre 1840 — 7209, im Jahre 1850 = 8696, im Jahre 1860 — 8992, im Jahre 1870 — 10233, im <>ahre 1871 = 12245 und im Jahre 1875, der zuletzt vorgenommenen Zählung 13980. Unter den zuletzt ermittelten 13980 waren enthalten 12442 Evangelische, 931 Katholiken (tncl. der Altkatholiken), 538 Israeliten, 6 Menoniten und 63, welche sonstigen christlichen Religionssecten angehören. Dann befanden sich unter den Evangelischen 95 Reformirte. Bei dem steten Zuzug kann die jetzige Einwohnerzahl mindestens um 1000 Köpfe höher angenommen werden. Die Zahl der Ortsbürger erfährt keine Vermehrung mehr, weil die früher vorgeschrtebene Erwerbung des Ortsbürgerrechts bet Verheirathungen nach den Reichsgesetzen nickt mehr erforderlich ist. Von den gegenwärtigen 1393 Ortsbürgern und resp. Ortsbürgers-Wittwen sind noch 7 im Genuß von Loosstücken. ' Die letzte Zählung des Viehes hat im Jahre 1873 stattgefunden, damals waren vorhanden 6 Fohlen, 287 Pferde, 39 Kälber, 99 Rinder, 6 Bullen, 36 Ochsen, 370 Kühe, 566 Schafe, 194 Schweine und 130 Ziegen, welcher Bestand, da er sich nicht wesentlich verändert haben wird, auch für das Jahr 1879 angenommen wird. An Gebäuden waren vorhanden im Jahre 1840 — 797, im Jahre 1850 — 810, im Jahre 1860 = 816, im Jahre 1870 = 871, im Jahre 1873 — 952, im Jahre 1874 = 99), im Jahre 1875 — 1020, im Jahre 1876 —, 1075, im Jahre 1877 — 1114 und im Jahre 1878 sind 23 Gebäude zugegangen, sodaß die Gesammtzahl der Gebäude 1137 beträgt. Die Normalsteuerkapitalicn der Stadt Gießen betrugen im Jahre 1860 = 219400 fl., im Jahre 1870 = 267244 fl., im Jahre 1871 = 272037 fl, im Jahre 1872 = 286858 fl., im Jahre 1873 = 301099 fl., im Jahre 1874 = 309641 fl., irn Jahre 1875 — 3276 19 fl., im Jahre 1876 — 347091,5 fl., im Jahre 1877 — 369411,3 fl. und im Jahre 1878 == 3842139/.g fl. Für das Jahr 1879 sind dieselben festgestellt woxdcn und zwar: a. die Grundsteuerkapitalien 142108?/10 fl. b. „ Einkommensteuerkapitalien 165622$ 10 „ c. „ Gewerbesteuerkapitalien 86490 „ Schulden der Stadt. Laut Beilage 1 zum 1878t Voranschlag betrugen dieselben 1,488,1/0 JL 42 H Laut Beilage 1 berechnen sich solche für das Jahre 1879 auf 1,603,641 „ 06 „ daher Zugang an Schulden 115470 jt. 64 Das Vermögen der Stadt beträgt nach dem 1879t Budget 3,596,669 82 und «onstatirt einen Zugang von 99,608