Lokales. Gießen, 4. October. (Sitzung der Stadtverordneten am 2. October.) Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, die Herren Beigeordneten Keller und Heß; von Seiten der Stadtverordneten Vie Herren Gail, Grbneberg, Homberg er, Lüdektng, Ad. Noll, Aug. Noll, Petri, Pfannmüller, Scheel, Schopbach und Wortmann. Nach Eröffnung der Sitzung, in der auch Herr Pfarrer Dr. Seel erschienen ist, nimmt derselbe in warmen Worten Abschied von der Gemeinde-Vertretung und spricht seinen Dank aus für die Aufmerksamkeit, die ihm Seitens der Spitzen der Stadt gelegentlich seines Wegzuges von hier zu Theil geworden. Er bitte, daß die Gemeinde-Vertretung daS der Kirche seither bewiesene Wohlwollen auch in Zukunft bewahren möge und wünscht schließlich der Gemeinde Gießen einen würdigen Nachfolger. Herr Bürgermeister Bramm verliest sodann die Rechnung der Löber scheu Stiftung, welche einen Vermögensstand von 47880 1 H, darunter 46632 Jü 43 Kapitalvermögen aufweist. Der Voranschlag der evangelischen Gemeinde pro 1880, für welchen eine Ausgabe von 10364 6 vorgesehen, ergiebt eine Minderforderung von ca. 400 JL gegen das Jahr 1879 zu Gunsten der Stadtkaffe, welch günstiges Resultat in einzelnen geringen Ausgabeposten seinen Grund hat. Da der Voranschlag wesentliche Aenderungen nicht enthält, wird derselbe genehmigt. Nach Mttthetlung Großherzoglichen Kreisamts hat dasselbe gegen die Anstellung der 3 neuen Schutzmänner Lang, Horn, Hinter nichts zu erinnern, weßhalb die Versammlung die definitive Anstellung derselben beschließt. Die Waldculturlöhne sollen wie seither aus der Hand in Tagelohn gegeben werden. Der von der Oberförsterei Gießen gestellte Antrag, die zur Anschaffung eines zweiten Nummerschlägels nöthigen Ausgaben von ca. 40 zu bewilligen, wird angenommen. Ueber die Verpachtung des Steinbruchs im Hangelstein entsptnnt sich eine längere Debatte. Der seitherige Pächter Fr. Wirbelauer in Wieseck hatte in einem Schreiben an Großherzogliche Bürgermeisterei dargethan, daß der Steinbruch in Folge der verminderten Bau- thätigkett 2C. nicht den Ertrag liefere, der tbm, dem Petenten, es ermögliche, das festgesetzte Pachtgeld im Betrage von 400 JL zu entrichten und sucht in Folge dessen um eine Pachtermäßigung nach, dahin gehend, daß ihm der Strinbruch für die Dauer der Pachtzeit um den Pachtpreis von 200 überlassen werden möge. Auf Antrag des Herrn Gail wird beschlossen, dem Gesuchsteller von der seither gezahlten Pachtsumme von 400 Jt. 100 JL nachzulaffen, so daß vom 1. Januar 1880 an dieselbe 300 JL beträgt. Das weitere Gesuch des Fr. Wirbelauer um Ueberlassung der an der Wasserleitung liegenden überflüssigen Schienen wird dahin beantwortet, daß demselben fragliche Schienen um den Preis von 60 pro Meter überlassen werden sollen. Da die in der städtischen Turnhalle stch befindliche Gasuhr für den Turnverein unzugänglich ist, weil solche in einem abgeschlossenen Zimmer sich befindet, der Turnverein jedoch die Controle über den eigenen Gasverbrauch beanspruchen zu müssen glaubt, wendet sich derselbe an Großherzogliche Bürgermeisterei mit dem Ersuchen, hier Abänderungen eintreten zu lassen. Der Entscheid hierüber wird bis zur näheren Untersuchung dieses Umstandes auSgesetzt. Die eingereichten Gesuche um Baucrlaubniß (Dr. I L. Jett, Christian Keller und Louis Hellmold) werden befürwortet, ebenso, jedoch auf Widerruf, dos Gesuch dek Photographen Backofen in Darmstadt um Errichtung eines Ateliers im Garten des Herrn Dr. v Löhr- Heinrich Schäfer II. sucht um die Erlaubniß zur Erbauung eines Nebengebäudes nach. Da jedoch schon die Erlaubniß zur Erbaung oes Hauptgebäudes s. Z. beanstandet wurde, wird dies Gesuch abgelehnt. Sonntag den 5. October 187» Mrger fh?. 232. Zweites Blatt. -"..L s. «*rfc >et I l-EllT, "i'd S bett Z Vf. “"b pch ' Gerhardt, ZM, Anzeige - nah AmMÄ für hen Kreis Gießen. t ( D chulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. PveiS viertelfShrlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh^ MmJgrotwpMnMmiriiiii — Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher THeil. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenutuiß gebracht, daß der diesjährige Herbstmarkt zu Schotten nicht am 28. und 29. October, sondern am »l. uno 22. Ajctober stattfindet. Schotten, den 27. September 1879. Großherzogliches Krelsamt Schotten. I. V. d. K.: ___ 6516 liten M »mite. Ende 1877 über rnt: Mäng'ad)? Rente ben Dollen Einlage wird mit diesem t HintMebenen, ttn Munirn. — Io und alsbaldigen en zu 5°/0, sowie Rechenschaftsberichte, fschlüsse bereitwillig Müller, Druik- >n w M hie f» uniitei heben n Dank. Frau. Ws Morneweg, Kreis-Assessor. sten und Cantonaltsten vorliegt. — Die Nachrichten aus Cuba lauten miß lich; General Blanco verlangt 20,000 Mann Verstärkungen. Großes Aufsehen erregt in Portugal ein Artikel des Madrider „Jm- parcial", welcher „die historischen Ansprüche Spaniens" betitelt ist und auf eine Annexion Portugals htnausläuft. Die Lissaboner Journale tadeln einstimmig diese neueste Aeußerung spanischer Anmaßung und bezeichnen den Artikel als das Erzeugniß eines Fieberkranken; sie verthetdtgen bte Freiheit und Unabhängigkeit Portugals und rarhen Spanten, sich um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Da bisher alle panslavisttschen Versuche, Ostrumelieu und Bulgarien zu einem Reiche, „Großbulgarien", zusammenzuschmeißen, gescheitert sind, so trachtet man jetzt danach, den Berliner Signatarmächten dadurch eine Nase zu drehen, daß man die Union auf kirchlichem Gebiete fortzuführen sucht. Der Vater dieser J^ee, der bulgarische Minister des Aeußern, Bata- banow, hat einen Bericht an den Fürsten Alexander gerichtet, den dieser genehmigt hat. Ein kirchlicher Abgesandter reist nach Stambul, um die Genehmigung der Pforte zu erhalten, die indesien versagt werden dürfte. Wochenübersicht. Es ist natürlich, daß die Thatsache einer deutsch-österreichischen Allianz bet den auswärtigen Cabtneten und in der Preffe aller Länder ihre Nachwirkungen hat. Man muß sich erst daran gewöhnen, den neuen Faktor in der Großmachtspolitlk gebührend in Rechnung zu ziehen. Wichtig und überraschend ist cs, daß Rußland das Gewicht der Thatfachen voll anerkennt und unverkennbar eine Annäherung an Deutschland kundgiebt. Es ist in dieser Beziehung schon beachtenSwerth, daß mit einem Schlage die antideutschen Hetzereien in der russischen Preffe aufgehört haben. Der klugen Politik Frankreichs haben wir es zu verdanken, daß die Utopie eines aggressiven französisch-russischen Bündntffes verschwunden ist. So sehr auch Gortscha- koff das Bedürfntß fühlte, seine Laufbahn mit eurem Weltenbrande zu beschließen, so wenig Thetlnahme fand er in Frankreich, wo man vorläufig noch am jüngsten Kriege mit dem streitbaren Deutschland genug hat. Das Ergebntß der preußischen Landtagswahlen wird allerdings nur eine geringe ziffermäßige Verstärkung der liberalen Parteien aufwetsen. Das Centrum wird ziemlich ungeschwächt bleiben, auch die Conservattven erleiden nur geringe Einbuße. Die liberale Partei kann aber auch sehr starke Minoritäten für sich in Anschlag bringen, welche ergeben, daß ihre Sache nichts verloren hat. Die Wahlmännerwahlen beweisen, daß nach wie vor in P-eußen der verfaffungsmäßige Freisinn in der großen Mehrheit der Bevölkerung eine gesicherte Heimstätte besitzt. Still und ohne jedes Gepränge hat der Statthalter von Elsaß- Lothringen, Freiherr v. Manteuffel am 1. October, dem denkwürdigen Tage, an welchem das Reichsgericht eröffnet ward und thetlwetse der neue Zolltarif in Kraft trat, seinen Einzug in Straßburg gehalten. In kurzer und bündiger Weise hat er der Bevölkerung seinen Amtsantritt angezetgt. Nach dem Besuche des Kaisers, der einen erfreulichen Umschwung in der Stimmung des Landes bekundete, hat der neue Statthalter darauf verzichtet, eine Mahnung an die Bevölkerung auszusprechen oder Hoffnungen zu veröffent- l?cn' die er hegt, er begnügt sich damit, Gott um Kraft zu bitten, daß er sein Amt zum Ruhme des Reiches und zum Wohle von Elsaß-Lothtngen übe. ..Die Zusammenkunft zwischen Bismarck und Gortschakoff soll zur Wirklichkeit werden. Man darf wohl annehmen, daß der russische Kanzler nicht gerade mit freudigen Gefühlen diesen Büßergang antritt, sowie daß er nur einem Befehle seines Kaisers folgt. Wie die Sachen liegen, tritt Gort- schakoff vor fertige Thatfachen und abgeschlossene Dinge, an denen nichts mehr zu ändern ist; er mag sich ihnen anbequemen oder nicht, es ist beides gleich- gultig; nur hat er im litzteren Falle die Consequenzen zutragen. Fürst Bts- jT ix-tx WA Fürsten Gortschakoff die Grundideen und die Resultate des österreichischen Abkommens unverhüllt darlegen, und die russische Durchlaucht wird daraus ersehen, daß die Dinge in Wien weiter gediehen sind, als ihr trcx sich für einige Zett in Berlin und in Wien sicher vor russischen Ränken und Angesichts der Verhältnisse in Centralasien wird Rußland wohl oder übel der neuen Situation Rechnung tragen. u., Das Danket, welches der Gemetnderath in Marseille dem franzö- st s ch e n Unterrichtsmtnistergegeben hat, war eine glänzende Kundgebung gegen die Ultramoiitanen. Der Maire von Marseille gab der Hoffnung auf An- °°hme des Unterrichtsgesetzes Ausdruck, und der Minister betonte wiederholt, die Regierung sei in stch selbst einig und werde insbesondere an dem Art. 7 ft1“": sranzostschen Ministerrache gab Waddington Ausschluß über ^Zwischenfälle auf dem Gebiete der auswürtgien Politik, insbesondere über Bismarcks Besuch bei Teifferenc de Bort in Wien. ° Mehreren regierungsfeindlichen Generalen sind die Päffe in'» Ausland zugestellt w.rden. Aus beschlagnahmten Papieren ,eht hervor, daß eine Verschwörung von gemäßigten Republikanetn, FSderali- Bekanntmachung. Betreffend: Die Geschäftsordnung für die GerichtSschreibereten der Amtsgerichte. ?uL®r?n??er.l 4 der Geschäftsordnung für die Gerichtsschretber der Amtsgerichte wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß unsere Gerlchtsschretberet täglich, mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, von Vormittags 9 bis 11 Uhr dem Publikum geöffnet ist und daß Rechts- sucher.de darum nur tn diesen Stunden auf Beförderung rechnen können. Grünberg, den 1. October 1879. Großherzogliches Amtsgericht Grünberg. Fritz, Oberamtslichter. Vermischtes. Heßloch, 29. Septbr. Heute in aller Frühe ereignete sich dahier ein bedauerlicher Unglücksfall. Der bei Herrn Heinrichs stehende Fasielochs machte sich in seinem Stalle frei und rannte, wild geworden, im Hofe herum, woselbst er den herbeigeeilten Wärter angr.ff und derart zurichtete, daß an desien Aufkommen von ärztlicher Seite aus sehr gezweifelt wird. Straßburg. Unter den Landmädchen in Volkstracht, welche zu Wiwersheim den Majestäten Blumensträuße überreichten, befand sich Marie Börst von Mundolshcim, welche mit dem Bouquet zugleich im Auftrage der Gemeinde ein in elsässischer Mundart verfaßtes Gedicht dem Kaiser übergab, in welchem die Gemeinde ihren Dank ausspricht für die Erlangung einer Eisenbahnhaltestelle. Es lautet Herr Kaiser, duen Sie mich doch g falligschd exkustre, Wenn ich do zue 'ne kumm um 'ne zue bräsendire Vun Mundolsheim e Struß. Faschd hawt mi schenirt, Sie Henn so viel zue duen unn sinn gewiß breßirt. Un dock, Sie sehn's, ich hab mier's nitt loon nemme welle, Im Name der Gemein mich Ihne vorzestelle, Zue danke Ihne jetz fier d' Mundelser Station, Die an der Jsebahn Sie Henn errichte loon. Dor lange Johre schun, noch unter de Franzose, Henn mer d' Station begehrt, bi Kleine unn bi Große, Unn do hett's g'heiße stets: Ihr Litt, es kann nitt g'scheh'n, „Allez ä Vendenheim“, der Woij ijch gar zu scheen. Do Henn mier uns gewendt, vum Reddt endli heißer, In ere Bilteingab an Sie, de guede Kaiser, Wie vor zwei Jahre Sie bi Mundolse sinn g'sinn, Do Henn' die Sach gclees Sie grad in unserm Sinn. Drum danke miet au jetz so rechd vun ganzem Herze Un welle ganz getroschd d' vergangnr Sach verschmerze, Wil doch dis Glück uns hitt, dis lang erhofft, isch b'jcheert, Zue sauije Ihne selbschd, wie Sie uns sinn so werth. Un wie's uns Alli fraijt, daß nach so schwere Daue, Wo Sie-e-Mörderziel — in Vaddcrbruschd getraue So bittre heiffe Schmerz — uf neijer Kaiserfahrt Jetz widdre vor unS stehn vum ewje Gott bewabrt! O nemme Sie de Struß un uns'ri Wunsch oernewe, Hoch soll in Himmels Schutz stets Kaiser Wilhelm lewe, Un soll der littoi Gott Sie doch erreiche loon Uff langer Erdenbahn noch manchi Station I — Aus Herculesbad in Ungarn wird der „Ternesv. Ztg." geschrieben: In dem den berühmten Curort in weitem Kreise umgebenden Wälderkranze ist ein ungeheurer Brand auSgebrochen, der bereits jetzt eine riesige Ausdehnung erlangt hat und nicht nur die sämmt- ltchen daselbst befindlichen fiscalischen Waldungen, sondern auch den herrlichen Curort selbst Otto Freund Wittwe hat um die Erlaubniß zur Anbringung eines Kellerloches vor -ihrem Hause (Neustadt) nachgesucht. Die Versammlung hat gegen dieses Gesuch keinerlei Einwendungen vorzubringen, weßhalb Genehmigung erfolgt. t . Herrn Wilhelm Wenzel, welcher um Ueberlasiung von Ba,altstemen einkommt, werden solche zum Preise von JL 4.50 pro Wagen überlasten. Ferner liegen 4 Gesuche um Erlaubniß zur Errichtung vou Grabdenkmälern vor, welche sämmtlich genehmigt werden. , . Die Vertheilung der Denunciationsgebühren bei Octroidefraudationen wird nach dem Thellungsplane genehmigt, nachdem mttgetheilt worden, daß in der vergangenen Perlvde 54 Anzeigen wegen Defraudation erfolgten. r , , Herr Kupferschmied Zimmer hatte vor seinem Hause eine Treppe anlegen lasten, ohne die hierfür nöthige Genehmigung erhalten zu haben, weßhalb dieselbe wreder abgetragen »eiben mußte wodurch aber das Straßenpflaster beschädigt und dasselbe trotz wiederholter Aufforderung bis dato nicht wieder hergestellt worden ist. Nach Darlegung der Verhältnisse steht sich die Versammlung genöthigt, klagend gegen den Obengenannten vorzugehen. Eine Eingabe, in welcher es sich um den zwischen dem Hause des Herrn F. Burkhardt und dem Clubgebäude befindlichen Graben handelt, wird der Baudeputation zur Antragstellung überwiesen. . Nachdem mehrere Kostendeereturen genehmigt, schließt die öffentliche Sitzung. —6. zu gefährden droht. Die Flammen, welche bereits durch mehrere Tage wüthen, sind auf dem rumänischen Abhänge des die Grenze bildenden Csezma-Gebirges zum Ausbruche gelangt, wo bereits 300 Joch Waldungen von demselben vermehrt sind; hierauf schlugen die Flamm-n auch nach dem ungari'chen Abhänge des Gebirges herüber und verzehren jetzt die auf den Höhen um Herculesbad befindlichen Waldungen. Von der Schrecklichkeit deS Ereignisses kann man sich kaum einen Begriff machen; die glühenden Wipfel, die einen Regen von brennenden Blättern niederfallen lasten, das explosionsartige Krachen der von den Flammen verzehrten Niesenbäume, das Feuer, welches sich an Schlingpflanzen und GraswuchS immer weiter frißt, dazu das Geheul der fliehenden Thierc das Kreischen der aus ihrer Ruhe aufgestörten großen Raubvögel bilden -ine Seenerie, die sich in ihrer Furchtbarkeit nicht beschreiben läßt. Die Behörden thun alles Mögliche, um den verheerenden Brand in sich abzugrenzen, allein der Größe des Ereig- nistes gegenüber sind alle diese Anstrengungen machtlos. Nur ein starker und andauernder Regen kann da helfen, da bereits die Wurzeln der Bäume brennen und die Hitze so groß ist, daß man sich den brennenden Wäldern auf weite Strecken nicht mehr nähern kann. Dom Trompeter, Ende Septbr. Eine der bestgehaßten Pflanzen auf Wiesen sind jetzt die Herbstzeitlosen, die dem Rindvieh nack Umständen sehr gefährlich werden können. Zur Vertilgung derselben empfiehlt ein erfahrener Landwirth Folgendes: Wan fertigt einen fünf Centimeter starken und etwa 1 Meter langen Stab, spitzt ihn an einem Ende zu und schlägt ihn Ende April, wenn sich die dunkelgrünen Spitzen der Blätter zeigen, in der Witte — in bas Herz — einer Pflanze etwa 40—50 Centimeter tief rin. Man zieht btn Stab dann wieder aus dem Boden heraus, läßt das Loch offen und treibt ihn in das Herz einer andern Herbstzeitlosen hinein. Der Boden ist um diese Zeit meist noch feucht, also weich, das Einschlagen geht rasch und ein einziger Mann keilt an einem Tage meist 300 Pflanzen an. Auf solche Weise wird die 30—45 Centimeter tief stehende Zwiebel verletzt und stirbt um so sicherer ab, wenn sich im Loche Regenwasser sammelt, das dir Fäulniß der Zwiebel fördert. Im nächsten Frühjahre wird man allerdings den zehnten Theil der Pflanzen wieder finden. Diese werden noch einmal in derselben Weise behandelt. — (Sein oder Nichtlein.) Ein Fünfktrchener Advokat erhielt von seinem Freunde, dem ehemaligen Reichstags-Abgeordneten Dr. D., folgende Zeilen: „Wenn Du diese Zeilen liest, weile ich nicht mehr unter den Lebenden. Willst Du meinen Leichnam sehen, so komme in meinen Keller im Weingarten; den Schlüffel wirst Du an bekannter Stelle finden " Der Advokat eilt tief erschüttert in den Weingarten — vielleicht ist es noch Zeit, den Freund zu retten. Wer aber beschreibt seine Uebcrraschung, als er den Freund frisch und gesund ihm entgegenkommen sieht. Es erfolgte die Erklärung seitens deS Todes-Kanbidaten. Dr. D. war in bet That fest entschlossen, sein Leben zu enden. Er ging daher in den Weingarten, nahm eine Dosis Morphium, setzte sich unter einen schattigen Nußbaum und erwartete sodann den Tod. „Ich dachte, in dieser Welt werde ich nicht mehr erwachen." Er schlummerte ein. Er erwacht .... Eine saftige Traube hängt verlockend vor seinem Munde. Er weiß nicht, ist et in dieser oder in der anderen Welt. Er drückt die Augen zu, er schlägt sie wieder auf. Seine Hand streckt sich unwillkürlich nach der köstlichen Fruckt aus, er richtet sich auf — baib ist die Traube verschwunden. Ihr folgt noch eine zweite, eine dritte. Die Hitze deS Nachmittags ist verschwunden, ein balsamisches Lüftchen weht ihm Kühlung zu. Die Strahlen der scheidenden Sonne vergolden die Gipfel des Gebirges und Dr. D. erhebt sich mit dem Behagen des wohl- gesättigten Mannes und mit dem Gefühle: Freund, dies Leben ist doch schön! Wien. (Die Preisnasen.) Bei der „Bretze" in Neulerchenfeld, in einem jener, noch aus dem alten Wien ins neue hineinragenden Vergnügungslokale, wurde kürzlich ein höchst originelles Fest veranstaltet. Es war eine Nasenausstellung, verbunden mit einem Wein« lesefest. Ein Plakat, auf dem zwei Nasen von übermenschlichen Proportionen prangten, forderte an den vorhergehenden Tagen alle Besitzer von irgendwie bedeutenden Nasen auf, sich bei dem Feste einzufinden und um die ausgesetzten Preise zu bewerben. In der That erschien eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Bewerbern mit den merkwürdigsten und großartigsten Nasenbildungen. Um jeden Unterschleif hintanzuhalten, wurde das Publikum ermahnt, sich n-cht durch wächserne oder andere künstliche Nasen täuschen zu lasten, sondern die mit der Eintrittskarte verabreichten Coupons, welche als Stimmzettel zu gelten hatten, nur für die „Naturnasen" abzugeben. Jedem einzelnen Preisbewerber war e8 gestattet, sich den unterschievlichen Gästen vorzustellen, feine Nase anzupreisen und um Abgabe der Stimme zu deren Gunsten zu bitten. Gegen 1 Uhr Nachts fand daß Skrutinium statt und wurde Folgendes zu Protokoll genommen: 1. Preis il Dukaten» Fiaker Reicher, Besitzer einer Pfundnase römischer Form, 3 Zoll hoch, mit 223 Stimmen. 2. Preis (3 Silbergulden) Fiaker Hallt, mit dem Spitznamen „Kipfel- schmarrn", Standplatz bei den Mickaelern, Besitzer einer Gurkennase, mit 129 Stimmen. 3. Preis (2 Silbergulden) Gärtner Erwa, Besitzer eineß jog. Kupferhefte», mit 63 Stimmen. Mit vielen Toasten auf die Sieger in diesem edlen Wettstreite und deren p,ei»würdige Nasen schloß der genußreiche Abend. Jeilgeöotenes. 6439) Einige gut erhaltene Wormser Oefen sind preiswürdig abzugeben Wo? sagt die Exved. d. Bltts._________ Ahornlaubsiigmhofi, unb abgehobelt Vorlagen u. Blaubogen empfiehlt (6441 _________Ernst Balser, Mäusburg. weiße Vorhänge aller Art, Rouleaur-Drell in den gangbarsten Dessins, Anfertigung jeder Decorations-Arbeit in geschmackvollster Ausführung bei (5231 Th. Brück, Zchloßgasse P-1- Militär-Handschuhe, Militär-Halsbinden, Trotteln, Hosenträger rc. empfiehlt zu äußerst billigen Preisen. Willi. Wirsig, 6347) Handschuhmacher, B. 17 Schulstraße B. 17. Handschuhe werden schön gewaschen und reparirt.__ Salat-Oele. Feinste* Oelllettr, pr. Liter JL 1.28, Seaamoel, feinstes, reinschmeckend, pr. Liter JL 1,20 (4674 empfiehlt Fritz Flimm. Johnsons VaterN-Stärke-Glan? empfiehlt (6949 Emil Fischbach. Neues Magdeb. 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Oolksmann und erst Mit sreudiger 'chen Rechtspflege, manche Schwierigkei und Rechtsanwälte ^ben, und auch bi Dle Neuheit der Ve ^reichlich aufgew Rechtspflege aus de Zonale Bedeutun eln gemeinsam Ä"S-S«I ttirb „S i"dnficht!Ich * Wntr politisch« An unsere Mitbürger in Stadt und Land! Gestattet, daß wir uns in einer uns alle nahe angehenden Angelegenheit mit einem freimüthigen Worte an Euch wenden. Bei den von uns abgehaltenen Versammlungen und Besprechungen, an welchen sich ^Männer aus allen Ständen und Berufsarien betheiligten, ist es von allen Seiten, übereinstimmend anerkannt worden, daß der Sonntag mit seiner Ruhe, seiner feierlichen Stille, seiner Anregung zu innerer Sammlung, mit seiner geistigen und leiblichen Erfrischung ein unentbehrliches Bedürfniß und eine große Wohlthat sei. Wie könnte das auch bezweifelt werden! Zu deutlich lehrt die Erfahrung, daß der arbeitende Mensch ohne eine regelmäßige wöchentliche Ausspannung von der Arbeit seine Kräfte vor der Zeit verbraucht. Dasselbe bezeugt die Wissenschaft. Angesehene Männer aus den verschiedensten Wiffenschaften haben nachgewiesen, welche segensreichen Folgen für die Gesundheit, für den Wohlstand, für das Familienleben, für die sittliche Tüchtigkeit eines Volkes eine gesunde Feier des Sonntags habe, welch' unersetzliche Verluste an diesen Gütern dagegen die Mißachtung des Sonntags unfehlbar mit sich führe. Dadurch erweist sich die alte Gottesordnung des wöchenlichen Ruhetages in i^er inneren Nothwendigkeit auch für die, welche eine religiöse Verpflichtung Z"r Feier des Sonntags nicht anerkennen. Trotz dieser gewichtigen Zeugnisse für die Nothwendigkeit der Sonntagsfeier, trotzdem sie kaum ernstlich von Jemanden bestritten wird, wird doch unter, uns am Sonntage viel gearbeitet. Zahlreiche Handwerker machen wenigstens den Soimtagvormittag zum Werktag, der größte Theil unserer Läden ist den ganzen Sonntag über geöffnet. Wir wollen mit diesen Worten keine Anklage erheben, zumal wir wohl wissen, daß es manche Industriezweige giebt, bei welchen der Natur ihres Betriebes nach die Arbeit nicht völlig unterbrochen werden kann. Vielmehr möchten wir unsere Stimme erheben zu Gunsten derer, welchen durch die bei uns allmählich eingebürgerten Gewohnheiten ohne unabwendbare Nothwendigkeit Sonntagsarbeit zugemuthet wird. Durch die von uns angestellten Nachfragen konnten wir uns nämlich überzeugen, bafi bie überwiegende Zahl der Handwerker und Kaufleute die Sonntagsarbert als eine schwere Last empfindet. Aber die Ansprüche ihrer Kunden, des kaufenden Publikums nöthigen sie dazu. Sie ihrerseits müssen infolge helfen wiederum ihre Gesellen und Lehrlinge, ihre Gehilfen und I sn zur ^beit am Sonntag anhalten. So sind ganze Klassen der | evolkerung unter uns thatsächlich ihres Sonntags wider ihren Willen veraubt. Sie kommen weder zum Gottesdienst, noch können sie ihren Familien leben, sie müssen die so nöthige Erholung für Leib und Seele entweder ganz verkürzt" le lü^r^ ^nen doch an Dauer und innerem Gehalte bedenklich ... Wbr selbst die Wohlthat des Sonntags schätzen gelernt hat, dem kann es Nicht zweifelhaft fern, daß diesen ihres Sonntags Beraubten ein Unrecht und schere Unbill, geschieht und daß es Pflicht ist, hier Abhilfe zu schaffen. Es ist das Nicht )o schwer, als es vielleicht auf den ersten Blick erscheint. Ist Nothstand nur erst allgemein anerkannt, so kann bei gutem durch gemeinsames Zusammenwirken ohne allzugroße Mühe Vieles zu seiner Abstellung gethan werden. Wir erlauben uns dafür folgende Vorschläge zu machen: 6478) Zwei kleine Logis zu Dmntetl)en. __ Mühlgasse D. 84. 6466) Eine Famtltenwohnung zu ver- mtelhcn bet Georg Sticher, Marktstraßc. 6449) Ein Logis zu vermiethen. Dorr Ww., Schießgärren. 6442) Eine bequeme MansarbenwoH nung non 3 Zimmern mit »Zubehör an eme sttlle Familie zu vermiethen. 9 _ Ehr. Schopdach. 6434) Möblirtc Zimmer zu nermiethen. — __ _________ilßctnfaal. , ,6^3) Em kleines Logis an eine eim -eine Person ober eine kleine Familie zu nermiethen. Jßtt fr. 113/ 6125) Ein möbltrtes Zimmer zu ner- mtethen bei Chr. Retber am Kreuz. 6421) Familienlogis, gleich ^beziehbar, zu nermiethen. Georg Weber, Neue Bäue B- 90. Bierbrauerei. Die Fries'sche Brauerei, an der Lahn gelegen, welche sich auch zu jedem anderen Geschäftsbetriebe leicht einrichten läßt, ist Wohnung und Garten unter sehr günstigen Bedingungen zu nermieih.n coent. zu verkaufen Näheres bei (6052 ______________ I. Blitz. Iie Mschmenllnckerei von Carl Pietsch II., Nahrungsberg, empfiehlt sich zur Anfertigung aller Arten Herren-, Damen- und Kinderstrümpfe Socken ie. in Wolle und Baumwolle. Anstncken von Strümpfen u. 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