5 Uhr, ra Schir- loftheater- ?s I- öster- I ichamp& ^rianne* Alt> ' '• Reethoten. ierntes. Morley, Schubert. । Moszkowsky. Mendelssohn. Chopin. ■ Rubinstein. i: Abt. hms-Doppler. 'N* )er. 'fir. < dem Piano- j r’schen Buch- i en Musikalien- Nebemal r geschlossen. Donnerstag den 4. December 1879 Nr. 283. Kietzener Anzeiger AWgk- nii) Amtsblatt fit bei Kreis Gieße,. tRcMctteitirtnmaut I p 1R / «chulstr°ß- B. 18. . .. _ .. _ , _ 77 PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit vrmgerlohn. Erschernt täglich mtt Ausnahme des Montag». Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. hier nach nicht s über die Ausübung des Er- , verfassungsmäßigen Berathung r gelegt, welcher sich in seinen Hauptgrundzügen dem Entwürfe im Wesentlichen davon ausging, daß die Bestimmung über die welche eine Schulbildung in vorerwähntem Sinne nicht nachzuweisen vermochten. Eine nähere Betrachtung der Tabelle lehrt, daß der größte Thetl dieser Analphabeten den vorwiegend polnischen Landesthetlen der Monarchie zufällt. Während nämlich Hohenzollern nicht einen Mann eingestellt hatte, dem die Kenntniß von Lesen und Schreiben abgtng, und die Provinzen Schleswig-Holstein 0,25, Hessen-Nassau 0,30, Rheinland 0,35, Sachsen 0,40, Branden, bürg 0,44, Hannover 0,53, Westfalen 0,58, Pommmern 0,85, Schlesien 2,10 Procent Recruten ohne Schulbildung besaßen, wurden unter den Recructen von Ostpreußen 7,51, von Westpreußen 10,20 und von Posen 11,18 Procent er- mtttelt, welche weder lesen noch schreiben konnten. Die vorstehende Uebersicht läßt übrigens einen wesentlichen Fortschritt gegen die Resultate der früheren desfallfigen Erhebungen erkennen. Geht man z. B. auf das Ersatzjahr 1868/69 zurück — die Prüfungen bestanden bekanntlich in Preußen schon früher und wurden später auch in den Staaten des Norddeutschen Bundes vorgenommen — so ergibt sich, daß unter den in 1868/69 eingestellten 88,607 Recruten 3295 oder 3,72 Procent ohne Schulbildung waren. Posen hatte 14,73, Preußen 12,56, Schlesien 3,40, Westpfalen 1,88, Pommern 1,18 Procent Analphabeten. Die übrigen Provinzen zeigen in den damaligen und jetzigen Procentsätzen nur unerhebliche Abweichungen. Im Großherzogthum Hesien schwanken innerhalb der Ersatzjahre 1868/69—1878/79 die Procentsätze der Recruten ohne Schulbildung zwischen 0,64 und 0,08. Die Gesammtzahl der innerhalb dieser Jahre eingestellten Mannschaften betrug 31,037, die der Analphabeten 112 oder 36 Procent der ersteren. Das jüngste Ersatzjahr 1878/79 ergab, daß unter 2601 eingestellten bezw. geprüften Recruten nur 6 oder 0,23 Procent zu finden waren, welchen das Prädicat „ohne Schulbildung" ertheilt werden wußte. (Vergl. Mittheilung Großh. Centralstelle für die Landesstatistik Nr. 208, Juni 1879, S. 496.) Darmstadt, 1. Decbr. Das Großh. Regierungsblatt Nr. 58 enthält die Allerhöchste Verordnung, die orgamschen Bestimmungen der Landes-Unioer- Telegraphische Depeschen. Wagner'» telegr. Correspoudenz • Bureau. Köln, 2. Decbr. Die Regierungs-Propofition in der heutigen außerordentlichen Generalvelsammlung der Rhetntjchen Eisenbahn ist folgende: für die Stamm-Actten 61/3 pCt., für die Actten &t. a. 4 pCt. in Consols, Um- tausch 16. April 1884. — Die Generalversammlung der Rheinischen Bahn acceptirte die Regie- rungs-Proposition von 6^/3 pCt. Chemnitz, 2. Decbr. Das „Chemn. Tagrb!." meldet: Gestern Abend Rußland. Moskau, 1. Decbr., Abends. Der Kaiser ist heute Abend 9 Uhr etngetrvffen. Deutschland. Darmstadt, 30. November. Das Großh. Regierungsblatt (Beilage Rr. 25) enthält: 1. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That. Am 6. August l. I. gerieth der 13jährige Heinrich Reichert zu Nierstein beim Baden im Rhein in Lebensgefahr und war bereits dem Ertrinken nahe, als Friedrich Lerch, der 22 Jahre alte Sohn des Schiffers Heinrich Lerch VIII. zu Nierstein, herbei- eilte, fich in feinen Kleidern in den Fluß stürzte und nach jener etwa 10—15m vom Ufer entfernten Stelle, an welcher der Rhein eine Tiefe von ungefähr 4—5m hatte, zuschwamm. Daselbst erfaßte er den bereits unter das Waffer gesunkenen rc. Reichert und brachte den Knaben, indem er ihn mit dem rechten Arme frsthtelt, unter Beihülfe des vom Ufer aus entgegengekommenen Peter Keffel von Nierstein, glücklich lebend an's Land. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben dem Friedrich Lerch zu Nierstein für diese mit Muth und Entfchloffenheit vollbrachte That, neben Bewilli- gung einer Geldprämie, das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für Rettung von Menschenleben" Allergnädigst zu verleihen geruht. 2. Zusammenstellung der Ergebniffe der Staatsschulden-Tilgungskaffe- Rechnung für 1876. 3. Ordensverleihung. 4. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen fremder Orden. 5. Dienstnachrichten. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 21. Oclbr. dem evang. Mitprediger Gustav Drescher zu Gießen die evang. Pfarrstelle zu Armsheim, dem evang. Pfarrer Wtlh. Bichmann zu Udenhausen die evang. Pfarrsteüe zu Burg-Gemünden, am 30. Oct. dem Gräflich Erbach-Fürstenautschen Oberförster Ostner in Beerfelden die Ausübung der forstpolizeilichen Functionen in den dem Gräflichen Hause Erbach- Fürstenau innerhalb der Standesherrschaft eigenthümlich zustehenden Waldun- gen zu übertragen. 6. Concurrenzeröffnungen. Erledigt find: Eine mit einem evang. Lehrer zu besitzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Reichelsheim i. O. mit Unem Gehalt von 500 AL] das Präsentationsrecht steht dem Herrn Grafen zu Erbach-Erbach zu. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Volkartshain mit einem Gehalt von 900 Al.] das Präsentationsrecht steht dem Herrn Grafen zu Stolberg-Wernigerode-Gedern zu. Die Concurrenzeröffnung 1 in Beilage Nr. 21 wird hiermit zurückge- nommen. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Stelle an der Gemein- beschule zu Ober-Ramstadt mit einem mit dem Dienstalter steigenden Anfangs- gehalt von 1000 AL Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemrindtschule zu Appenheim mit einem Gehalt von 900 AL Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Horrweiler mit einem Gehalt von 900 Al. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Aspisheim mit einem Gehalt von 900 Al. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Gemeindeschulstelle zu Gersprenz mit einem Gehalt von 900 AL] das Präfentationsrecht steht dem Herrn Grafen zu Erbach Elbach zu. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Jügesheim mit einem Gehalt von 950 Al. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mörfelden mit einem nach dem Dienstalter des betreffenden Lehrers fich bemesienden Gehalt von 1000-1400 Al. Die mit einem evang. «ehrer zu besitzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Böllstein mit einem Gehalt von 900 Al.] das Präsentationsrecht steht dem Herrn Fürsten zu Löwenstein Wertheim-Rosenberg und dem Herrn Grafen zu Erbach-Schönberg »u Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde, schule zu Stockheim mtt einem Gehalt von 900 AL] das Präsentationsrecht ftebt dem Herrn Grafen zu Erbach - Fürstenau zu. Die mit einem evang. Lebrer zu besitzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Erzbach mit einem Gehalt von 900 Al.] das Präsentationsrecht steht dem Herrn Grafen zu Erbach-Erbach zu. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hergersdorf mit einem Gehalt von 900 Al. Eine mit dntm evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kirch- Brombach mit einem Gehalt von 900 AL; das Präsentationsrecht steht dem Herrn Fürsten zu Löwenstein-Wertheirn-Rosenberg und dem Herrn Grafen zu Erbach-Schönberg zu. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Groß-Buscck mit einem Gehalt von 1000 Al. Darmstadt, 30. November. Gemäß § 12 der Recrutirungs-Ordnung vom 28. September 1875 findet einige Zeit nach der Einstellung der Recruten eine Prüfung derselben im Lesen und Schreiben statt. Auf Grund dieser Prüfung werden diejenigen Rrcruten als „ohne Schulbildung" aufgeführt, welche in keiner Sprache genügend lesen, auch ihren Vor- und Familiennamen nicht leserlich schreiben können. Das September-Octoberheft des „Centralbtatts für die gesammte Unterrichtsverwaltung in Preußen" veröffentlicht nunmehr die Ergebniffe dieser Prüfung bei den im Landheere und bei der Marine im Ersatzjahre 1878/79 eingestellten preußischen Mannschaften, wonach unter 86,489 Recruten sich 2265 Mann oder 2,62 Procent der Gesammtzahl vorfanden, sität Gießen betreffend. m. Darmstadt, 2. December. Die erste Kammer der Stände ist auf den 9. d. M. zu einer Sitzung einberufen, in welcher die 16 zur Berathung reifen Gegen- st ände ihre Erledigung finden werden. Unter denselben befindet sich auch der Gesetzes- Entwurf, die Ausübung des Erziehungsrechtes in Bezug auf die Religion der Kinder betreffend, welcher in feiner jetzigen Fassung den Ständen sofort nach Constituirung des gegenwärtigen Landtags zum zweiten Male vorgelegt wurde. Nachdem das Be- dürfniß einer neuen gesetzlichen Regelung des Erziehungsrechtes der Eltern in Bezug aus die Religion der Kinder auch im Großherzogthum Hessen schon lange heroor- getreten war, hatte ein im Jahre 1862 Seitens der Großh. Regierung dem Landtage vorgelegter Gesetzentwurf zu einer verfassungsmäßigen Vereinbarung nicht gefi'chrt, obwohl die zweite Kammer der Stände demselben im Wesentlichen zugestimmt, jedoch die Zusatzbestimmung beiaesügt hatte, daß derselbe erst gleichzeitig mit dem Erscheinen des Gesetzes über die rechtliche Stellung der Kirchen und kirchlichen Vereine im Staate in Wirksamkeit treten solle. Nachdem sodann das zuletzt erwähnte Gesetz im Jahre 1875 zur Verabschiedung und Publikation gelangt war, hatte die Großh. Regierung dem vorigen Landtage wiederum den Entwurf eines Gesetzes über die Ausübung des Erziehungsrechtes in Bezug auf die Religion der Kinder zur verfassungsmäßigen Berathung und Beschlußfassung vorgelegt, welcher sich in seinen Hauptgrundzügen dem Entwürfe von 1862 anschloß und im Wesentlichen davon ausging, daß die Bestimmung über die religiöse Erziehung als ein Ausfluß der elterlichen Erziehungsgewalt zu behandeln, die Wahl der betreffenden Religion deßhalb dem freien pflichtmäßigen Ermessen zu überlassen sei, ohne sie hierin durch staatliche Vorschrift ober Verträge zu binden, beziehungsweise binden zu lassen. Eine verfassungsmäßige Vereinbarung über dieses Gesetz ist jedoch auch auf dem vorigen Landtage nicht zu Stande gekommen, da der in dem Entwürfe enthaltene Grundsatz, welchem die zweite Kammer der Stände wiederholt zustimmte, daß die in dem Gesetze getroffenen Bestimmungen über das religiöse Erziehungsrecht durch Vertrag nicht wirksam abgeändert werden können, daß mit anderen Warten Verträge über die religiöse Erziehung der Kinder nicht rechtswirksam sein sollen, in der Abstimmung der ersten Kammer der Stände, und zwar mit 13 gegen 12 Stimmen abgelehnt und vielmehr der Grundsatz der Gültigkeit und Klagbarkeit solcher Verträge adoptirt worden ist. Da das Bedürfmß nach einer endlichen gesetzlichen Neuregelung dieser Angelegenheit dringend und allseitig anerkannt worden ist, so hat sich die Großh. Regierung für verpflichtet erachtet, dieselben dem gegenwärtigen Landtage wiederholt vorzulegen und hat dabei an ihren, in dem früher vorgelegten Gesetzesentwurfe zum Ausdruck gebrachten grundsätzlichen Anschauungen lediglich festhalten zu müssen geglaubt. Die zweite Kammer erteilte dem Gesetzesentwurfe wiederholt mit einigen von der Regierung gebilligten Modificationen gegen wenige Stimmen ihre Zustimmung und auch der Widerstand der ersten Kammer soll sich dem Vernehmen ' bedeutend gemindert haben, so daß es zu einer Durchzählung der Stimmen wohl kommen durfte. ist im zweiten Zwickauer BrückenSerg-Schachte die Belegschaft durch schlagende I Wetter verunglückt. Man befürchtet, daß 70 bis 80 Mannschaften tobt ge- blieben sind. Die Rettungsarbeiten sind in vollem Gange. Petersburg, 2. Decbr. Durch Verfügung des zeitweiligen General- Gouverneurs von Petersburg ist bie Todesstrafe des verurtheilten Mirsky in Zwangsarbeit auf unbestimmte Zeit, die IZi/zjährige Zwangsaibeitsstrafe Tarchow's in 10jährige Festungsarbeit umgewandelt. Diese Milderung der Strafen wird durch die Minderjährigkeit der Verurtheilten und deren volle Reue moiiotrt Konstantinopel, 2. Decbr. Der Termin zur Räumung von Gus- finje und Plava läuft am 12. ds. ab. — Mukhtar Pascha ist tn Peizrend etngetroffen. — Die hiesige bulgarische Agentur warnt die Dampfschifffahrts- Gesellschaften, mohamedanische Flüchtlinge zur Beförderung nach Bulgarien aufzunehmen, so lange nicht eine Verständigung mit den bulgarischen Behörden erzielt sei. London, 2. Decbr. Dem „Daily Telegraph" zufolge besteht das Unwohlsein der Königin nur in einer leichten Erkältung und flößt keinerlei Besorgniffe ein. — Heute findet ein Cabinetsrath statt. PariK, 2. Decbr. Mehrere Journale versichern, daß die Minister in der gestrigen Zusammenkunft bei Waddington beschloffen hätten, von der Depu- tirtenkammer unverzüglich ein Vertrauensvotum zu verlangen. Moskau, 2. December, Abends. Gestern Abend als der Kaiser sich bereits hier befand, verunglückte ein zweiter noch unterwegs befindlicher kaiserlicher Extrazug durch Explosion. Ein Bagagewagen wurde in die Luft gesprengt, 7 Wagen entgleisten. Menschen wurden keine verletzt. Berlin, 2. Decbr. Die Eisenbahn-Commission des Abgeordnetenhauses vertagte die Berathung der Vorlage über den Bau von Sekundärbahnen bis nach Neujahr. — Die Unterrichts-Commission beschloß mit 11 gegen 10 Stimmen über die Elbinger Petition zur Tagesoidnung überzugehen. — Die Schanksteuer-Commission lehnte die Anträge, welche die Erhebung der Steuer fakultativ für die Gemeinden machen wollten, mit 11 gegen 6 Stimmen ab. — 2. Decbr. Die „Nordd. Allg. Ztg." kann nach zuverlässigen Informationen alle Zeitungsmittheilungen über eine angebliche Absicht der Regierung, nach dem Erwerb der Privatbahnen auch die bedeutenden Walzwerke in ihren Besitz zu bringen, als aus der Luft gegriffene Erfindungen erklären. Paris, 2. Decbr. Deputirtenkammer. Der Minister des Aeußern, Waddington, erklärt: Das Ministerium verlangt, daß man auf die Tribüne bringe, was man in den Journalen und in den Couloirs der Kammer colpor- tirt. Es ist nöthig für die Jntereffen des Landes, zu wißen, wer uns eigentlich regirt. Kein Ministerium kann ein Programm annehmen, das ihm auf- genöthigt wird. Das Parlament muß sich darüber aussprechen, ob das Ministerium sein Vertrauen hat, ja oder nein! Wenn das Vertrauen ein unvollständiges ist, wird das Cabinet sich sofort zurückziehen. Der Minister fordert die Kammer auf, sich vollständig auszusprechen, ihre Beschwerden und ihre Angriffe auf die Tribüne zu bringen. Der Minister verläßt die Tribüne unter dem Beifalle nicht nur des Centrums, sondern auch eines Theils der Linken. Nach der Erklärung Waddingtons trat die Kammer in die Berathung der Tagesordnung wieder ein. Die Sitzung wurde geschloffen, ohne daß ein weiterer Zwischenfall eingetreten wäre. — Die Bureaux der Linken werden morgen nach den gesonderten Berathungen der vier Linkengruppen zur Besprechung zusammentreten. Berlin, 2. Decbr. Die hier coursirenden Gerüchte über ein Attentat auf den Kaiser Alexander auf dem Wege nach Moskau, wo derselbe bereits gestern Abend wohlbehalten angelangt ist, werden auf die hierher erfolgte Meldung zurückgeführt, daß einem dem kaiserlichen Zuge folgenden Güterzuge, auf welchem die Dienerschaft sich befand, ein Unfall wiederfahren sein soll. Authentische Mittheilungen fehlen. Berlin, 2 December. Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Debatte über den Etat fort. Bei der Position „Lokaloolizeiverwaltung' berührte Abg. Hänel die Mißstände, welche bei der Berliner Theatercensur zu Tage getreten, erinnert an das Verbot des Stückes „Mana Antoinette", kommt alsdann auf die Verlängerung des „kleinen Belagerungszustandes und fordert den Minister auf, die Gründe dieser Maßregel darzulegen. Der Münster des.Innern erwidert, er habe es sich sorgfältig angelegen sein lassen, die Beaufsichtigung der Theatervorstellungen soweit thunlich sachverständig führen zu lassen; er bcdaure, daß das Verbot der Aufführung des Stückes „3J?arta Antoinette" das Gastspiel der Rifiori beeinträchtigt habe; allein das Verbot fei durch die Mittel, welche der Tendenz des Stückes zum Ausdrucke verhelfen, gerechtfertigt gewesen. Die Gründe, welche im vorigen Jahre zur Verhängung des kleinen Belaaerungszustandes geführt, dauerlen fort. Die lauten Verhöhnungen des Gesetzes und der Obrigkeit seien allerdings verstummt, indessen die geheimen Agitationen gewachsen. Die alten Verbindungen mit dem Auslände und mit den Führern würden fortgesetzt. Man möge nur einmal den Rechenschaftsbericht der Socialdemokratie in dem in Zürich erscheinenden Organ „Der Socialdemokrat" betrachten. Der Minister verliest Stellen, worin der Stand der socialdemokratischcn Bewegung als ein vortrefflicher bezeichnet wird. Die Aufrechterhaltung des kleinen Belagerungszustandes sei unabweisbar geboten; seien wir doch wenigstens vor den lauten Friedensstörungen und Kundgebungen der Socialdemokratie seil Jahresfrist verschont geblieben. Die Ausweisung fei ein sehr hartes Mittel, aber das einzige, um die gefährliche Agitation einzuschränken. Die öffentliche Meinung hatte bisher den Bestrebungen der Regierung in ihren Maßnahmen gegen die Socialdemokratie zur Seite gestanden. Möge das auch ferner so bleiben! Dann würden die angewandten Mittel schließlich nicht nur palliativ wirken, sondern zu einem bleibenden inneren Frieden führen. (Beifall auf der rechten Seite des Hauses.) In der weiteren Diskussion führt Windthorst Beschwerde über tendenziöses Verfahren bei der Insertion von amtlichen Bekanntmachungen Das Kapitel: „Lokalpolizeiverwaltung" wird nach den Anträgen der Commission genehmigt. Bei dem Kapitel: „Polizeiverwaltung in den Provinzen" beklagt Kantak die gehässige Handhabung des Gesetzes betr. die Geschäftssprache der Behörden in der Provinz Posen. Der Minister rechtfertigt das Verfahren der Behörden als durchaus gesetzmäßig. Kantak stellt Anträge auf C'ne authentische Interpretation des Gefchäftsspcachc.Gesetzes in Aussicht. Das Kapitel wird genehmigt. Das Kapitel: „Polizeidiftricts-Commissarien in der Provinz Posen" wird nach unerheblicher Debatte genehmigt. Bei dem Kapitel: „Landgendarmerie" plaidirt Meyer für die Vermehrung der Landgendarmerie in den östlichen Provinzen. Das Kapitel wird genehmigt. Die weitere Berathung findet morgen statt. Berlin, 2. Decbr. Der „Retchsanz." meldet: Die Kaiserin hat dem Ausschuß der am 28. Novbr. in Breslau stattgehabten Delegirten-Conferenz zur Berathung der durch die vaterländischen Frauenoereine gegen den Roth- stand in Oberschlesien zu gewährenden Hülfsteistungen 1000 Mark überweisen losten. Washington, 2. December. Im Senat und der Kammer wurden Resolut onen eingebrucyt, in welchen beantragt wird, die Regierung solle der Gesellschaft zur Herstellung eines Canals durch Nicaragua Schutz zugestehen. Der Kammer ging ferner der Antrag zu, im Laufe der Session au dem bestehenden Münzgesetze nichts zu ändern. Der Antrag wurde an eine Commission verwiesen. Pesth, 2. Decbr. Das Oberhaus hat unter Ablehnung der Amendements die 10jährige Verlängerung des WehrgesetzeS angenommen. Berlin, 2 December. Bei dem versuchten Attentat auf den Zar bei der Ankunft in Moskau waren die Schienen unterminirt. Die Explosion erfolgte erst, als der kaiserliche Zug schon vorüber war. Der Zar blieb unversehrt. Berlin, 3. December. Nach einem Privattelegramm der „Nordd. Allg. Ztg." aus Posen wäre constatirt, daß in Warschau und Russisch-Polen die Rinderpest sich immer mehr verbreite. Man glaube in Folge dessen von preußischer Seite eine militärische Grenzsperre erwarten zu müsten. Lokales. (Rieften, 3. December. (Sterblichkeit in Gießen.) Die Zahl der Todesfälle in der Woche vom 23 bis 29. November belief sich im Ganzen auf 7. Es befanden sich unter den Gestorbenen 3 erwachsene Personen (an Lungenschwindsucht, Recurrens-Fieber und Nierenentzündung je ein Fall) und 4 Kinder im ersten Lebensjahre. Von den letzteren starb eins, 2 Tage alt, an Krämpfen, eins, 4 Tage alt, an angeborener Schwäche, eins, 9 Tage alt, an Gehirnschlagfluß und eins im Alter von 6 Monaten an Bronchi enentzündung. G. Gießen. 3. December. In unserer Stadt curfirte gestern Ab.nd schon das Gerücht: in Marburg seien am Nachmittag 30 Schüler auf der Lahn eingebrochen und ertrunf.'n. Was an der Sach^ ist, mögen die Leser aus folgender Notiz der in Marburg erscheinenden „Oberhess. Zeitung" entnehmen. Dieselbe schreibt: „Marburg, 2. December. Mit einer Bestimmtheit, wie es selten gelingt, war gestern das Gerücht hier verbreitet, daß 23 Gymnasiasten aus dem Eise d:r Fulda bei Hersfeld verunglückt seien. Nachdem uns von verschiedenen, glaubwürdigen Seiten dasselbe mitgetheilt wurde, nahmen wir es auch in unser Blatt, auf spätere telegraphische Anfragen in Hersseld kam dann die erfreuliche Nachricht, daß an der ganzen Sache kein wahres Wort sei, nur in einem kleinen Theile der Auflage unseres gestrigen. Blattes konnten wir diese Nachricht noch mittheilen." — Gestern kam einer Frau von Herborn auf dem Wochenmarkt ober sonstwo ein Portemonnaie mit ca. 160 JL. Inhalt abhanden. — Einem Droschkenkutscher wurde heute Nacht ein Mantel vom Wagen herunter gestohlen. — Die Schlosserarbeiten an der Wieseckbrucke in der Gartenstraße sind gestern beendet worden. Ein geschmücktes Tannenbäumchen zeigte den Passanten die Fertigstellung an. Wenn man bedenkt, daß bei der eben herrschenden n ederen Temperatur die Arbeiter über dem Wasser in dabei zweifelhafter Stellung arbeiten mußten, so darf man sich freuen, daß dieser The.l der Arbeit beendet ist. Ob es zweckmäßig war und im Interesse der Gesundheit der Arbeiter gelegen hat, daß die Reparatur eben, anstatt zu einer wärmeren Jahreszeit vorgenommen wurde, überlassen wir dem Urtheille der Leser. Gießen, 3. December. Im Monat November 1879 wurden von Seiten der Schutz - Mannschaft arrelirt: Bettler 70, Obdachlose 4, wegen Scandal 1, wegen Trunkenheit 4, Widerstand 2 Diebstahl 3, auf Requisition wurden 6 Personen arretirt, Schulkinder 9. Anzeigen erfolgten in sanitätspolizeilicher Beziehung wegen schädlicher Ausdünstung 11, bösartiger Thiere 1, in ficherheitspolizeilicher Beziehung gegen Bettler 70, Ruhestörung 164, Diebstahl 12, Betrug 4, schwere Körperverletzung 4, Meldewesen 33, sonstige Sicherheitspolizei 10. Ferner wegen Thierquäleret 3, Störung der Sonntagsfeier 1, Coneubinat 4, Uebertretung der Feierabendstunde 63, Führung von unrichtigem Maß und Gewicht 6, wegen Vergehen gegen die Droschkenordnung 4, Straßenreinigung 6, Fahrordnung 9, sonstige Straßenpolizei 12, Bau- Polizei 1", Feuerpolizei 6, Steuerdefraudation 14, Oktroi 8. Summa sämmtlicher Anzeigen 461 gegen 387 tm Monat October. — Für die „Suppenanstalt" gingen weiter bei uns ein: Materialoerwalter Schellhaas 5 JL, ß. Roth 5 Jt, Frl. Rumpf 10 JL, H H 20 JL, Baierthal 3 Jt, Löwe 2 JL, H. Eifert 2 JL, Gg. Fr. 2 JL, $ B. Singer 3 JL, August Will 10 JL, F. Bender & Co. 30 JL, W N 3 J4, Frau L 3 JL, Erlös eines nach der Comite- sitzung gespielten Scats 1 JL 30 4, Geheirnerath Völker 25 JL, Ung. 3 „M, Mylius 30 W. Wiegand 3 JL, L. Th. Felsing 10 JL, S. Reutlinger 10 JL, Labroisse 10 JL, K. G. 2 JL, Carl Emmelius 50 JL, Heyligenstaedt 5 JL, G. Windecker 5 JL, Frl. Windecker 3 Jt, Dr. Ploch 10 Jt, Frau Justizrath Ploch 10 JL, Dr. Winkler 5 JL, Prof. Dr. Thaer 5 M., Prof. Dr. Weiland 6 JL Sa. 291 JL, mit den in vorletzter Nummer quittirten 374 Jt nunmehr 665 JL. Den freundlichen Gebern Dank sagend, bitten wir, angesichts der strengen Kälte, (heute Nacht 13 Grad) um weitere Gaben. Die Exped. d. Gieß. Anz. Handel und Verkehr. Herborn (dn der Cöln-Gießener Eisenbahn), 1. Decbr. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 181 Ochsen, 185 Kühe und Rinder, 209 Schweine. Der diesjährige Weihnachtsmarkt wird am Montag, den 22. December und der Neujahrsmarkt am Montag, den 29. December l. I. dahier abgehalten. Verschiedene Handelskammern hatten sich, wie bereits gemeldet, an das Reichskanzler- amt mit dem Ersuchen gewandt, die bei dem Eincassiren der Wechsel durch bie Post hervorgetretenen Uebelstände zu beseitigen, den Briefträgern die Annahme von Theilzahlunzen zu gestatten und Anordnungen zu treffen, daß der fällige Betrag des Nachmittags 4 Uhr in der Postamtsstclle gezählt werden könne. Das General-Postamt, an welches daß Reichskanzleramt die Eingaben zur Bescheidung abgegeben, hat jene Anträge abgelehnt und dabet zunächst bemerkt, daß, wenn auch der Absender den Vermerk „sofort zum Protest" gemacht, der Wechsel nicht unmittelbar nach der Vorzeigung geleisteter Zahlung zum Protest gestellt wird, vielmehr die Postanstalt die Zahlung noch bis zum Zeitpunkte der wirklichen Weitergabe zum Protest oder bezw bis zum Schluffe derjenigen Post, mit welcher die Weiterscndung zu erfolgen haben würde, annehmen kann. Die Annahmefrist allgemein auf 4 Uhr Nachmittags zu verlängern, ist unthunlich, weil der jeweilige Postabgang die Festsetzung einer gleichmäßigen Frist ausschließt. Die Annahme von Theilzahlungen und die Anwednng des wechselrechtlichen Verfahreus bei Wechseln mit Nothadressen lasie sich auch nicht erfüllen, weil das Postauftragsverfahren möglichst einfach gestaltet werden muß, die Verwaltung auch alle Bestimmungen fern zu halten hat, welche einerseits nicht unmittelbar in den Rabmen des Postbeförderungswesens passen und andererseits den Beamten besondere Regreßverbindlichkeiten auferlegen könnten. Allgemeiner Anzeiger. Akadenrisd)rr Gesangverein. 7841) Die nä chste Probe kann erst am Freitag den 5. d. M., Abends 7 Uhr, in der kleinen Aula stattfinden. Der Vorstand. Pelxwaaren werden nach neuester Mode umgearbeitet. Reparaturen schnell, gut und billig aus- gefübrt bei (7816 A. Schultheis junior, Kürschnerm., Seltersberg 10. Logis. 7791) Ein Logis, von 4-5 Zimmern, wird, pr. Februar-März beziehbar, zu miethen ge ucht Offerten beliebe man in der Exped. d. Bl. unter 7791 abgeben zu wollen. hillipni 1879. den nburg. 34 <0 Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag bet Vermeidung des LLktchtttche Klage d dieser ießen entlichen Kenntniß gebracht, daß g unterm heutigen Tage mit ung Leihgestern, Kreises etern belieben worden ist. ittn w 6W n taWt V btt 9. Umtigtn tg 11, böiartign mg 164, Dirbstahl ijolijtilO. gmttt rtittiing dn Ain- Btrgtbtn gegen die ft oder sonstwo Wagen herunter rohe sind gestern anlen hie fertig: n lemperatar die mußten, so dais ‘mifeiß mar uni ir tbtn, anftatt - dem Urteilte IS j L,W j" X,i9Ä Msgevotenes. Grüne eingemachte Schnitt-Bohnen emefeblen .. i7676 J. A. Busch Sohne. legitimiren. Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Jnteressenden der Stadt Gießen, dagegen die übrigen Zahltage für die Auswärtigen bestimmt sind. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihrer Gemeinde auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen. Gießen, den 28. November 1879. Der Rechner der Spar- und Leihkasse: Kehr. 6582) Ueberziehen von Schirmen und Reparaturen an denselben werden rasch und billig ausgeführt. I. Weitzenkorn, Kreu;. Vkffeutllchk Mallnlulachung. 7865) Nachdem Johannes Balser IV. von Rödgen sich damit einverstanden erklärt hat, daß ihm in der Person des Johannes l o o s VIII. in Rödgen ein Bei- tanb betgegeben werde, so wird solches mit dem Anfügen zur öffentlichen Ken b ntß gebracht, daß gültige Rechtsgeschäfte mit bem Johannes Balser IV. von Rödgen nur burch den genannten Curator abgejchloffen werben können. Gießen, den 28. November 1879. Großherzogliches Amtsgericht Gießen. G ebha rdt. wichen 153 del 34 Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Samstag Dienstag Mittwoch Samstag Dienstag Mittwoch Bettscdern und Daunen, Drell, Barchent u. Federleinen, Lieferung vollständiger Betten in streng reeller Ausführung empfiehlt Die Möbelfabrik u. -Lager von Th. Brück, (5232 Schlossgasse Lit. B. Nr. I. HaterialDerualter öuerthal 3 Jk laust Will 10 X nach der i V Labrmffe iv* nbtiftr dA * Dr. 1 bin in r tt iWiW V (M M__ 4. Decbr. 6 „ 9. „ 10. „ 11. , 13. „ 16- „ 17. , 18. „ 20. „ 23. „ 24. „ 27. „ 30. „ 6358) Alte Herrenhnte werden zu Dameuhüten favonirt. Neueste Formen zur Ansickt bereit. E. L. Gail Schulstraße. Prima ital. Maronen «mpftch» (744li Gg. MUH. Meidig. ____ ) Unter Bezugnahme auf die.Art. 34 und 35 des Berggesetzes -20^28. Januar 1876 wird hierdurch zur -*-*“*- bfl6 ^herr Johannes Heiland zu Grü bem Bergwerke „Elisabeth e" in ber ( Dießen, mit einem Felde von 1,910,493 Mwaiqe Einwendungen gegen diese V-rle' Verlustes des Vorzugsrechtes binnen drr' aeaen den Bergwerkseigenthümer geltend Frist ist die Einsicht des Situationsriffe Jedem^gestattet^^^ 3 November 1879. Großherzogliche Obere Je Jaup. von 80 an bei (7856 Jul. Buch. werden daher auf- Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt und zwar: wua. 7692) Hasen und Rehbraten sind stets auf Bestellung zu haben bei Wildprethändler Ebel, Marktstraße. Holzversteigerung im Gießener Stadtwalde. Montag den 8. Dezember, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde, Schutz- beztrk Stolzenmorgen, in dem District Lichteneichen nachverzeichnetes Holz ver» steigert werden: A. Brennholz: /2S ihr. — Entree SO Pfg. 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