Mittwoch den 2 Juli , 1879. chießener 'Htn^eiger Anzeige- und Amtsblatt fit den Kreis Gießen. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Deutschland. Berlin, 28. Juni. Die Tabakssteuer-Commission beschloß ferner, daß die »olle Steuer von 45 Mk. für inländischen Tabak erst am 1. April 1882 eintrete und daß die Steuer vom 1. April 1880 bis 1. April 1881 nur 20 Mk., vom 1. April 1881 bis 1. April 1882 30 Mk. betrage. Berlin, 29. Juni. Ofsiciös wird geschrieben: „Die Spaltung der uativnaüiberalen Partei scheint jetzt nach dem Geständutß derjenigen Organe, welche bisher die Thatsache am entschiedensten bestritten, nicht mehr verdeckt werden tu können. Die Enthüllungen des Correspodenten der „Hamb. Rachr." «erden zwar In der „Nat.-Ztg." unter Berufung auf die „N.-L-C-" noch in Abrede gestellt, dagegen von der „Tribüne" als richtig anerkannt. Aus parla- mentarischen Kreisen verlautet, daß Abg. v. Bennigsen über die jetzt anerkannte Nothwcndtgkeit der Auseinandersetzung keinen Zweifel mehr lasie. Es wäre ,n der That schwer begreiflich, wie eine Partei Elemente wie Bennigsen und Lasker, noch weniger aber wie Bennigsen und Bunsen auf die Dauer zusammenhalten könne. Was Lasker betrifft, so enthält die neueste Nummer des „Grenzboten" eine eingehende und schlagende Darstellung seines ganzen politi- schen Wirkens und seines Verhaltens gegenüber dem Fürsten Bismarck. Es erhellt daraus unwiderleglich, in welchem Grade di: Wirksamkeit des genannten Abgeordneten die Ursache gewesen ist, ein wahrhaft erfolgreiches unb. vertrauensvolles Zusammenwirken der nattonalltberalen Partei mit dem Fürsten Bismarck unmöglich zu machen. Dabei wird in dem Artikel und dies verstärkt den Eindruck deffelben, weder den Absichten, noch dem Charakter oder dem Talent des Abg. Lasker irgendwie zu nahe getreten." — Der „Köln. Ztg." wird von hier geschrieben: Obgleich Herr v. Bennigsen bei seinen Verhandlungen mit dem Reichskanzler nur mit wenigen Parteigenossen Rücksprache genommen hatte, so ist die Ablehnung der von ihm geforderten constitutionellen Garantien doch von entscheidender Wichtigkeit für die Stellung der nationalliberalen Partei. Bei Weitem die meisten Mitglieder der Partei sehen sich jetzt in der Lage, gegen die Finanzzölle, und da diese mit den Schutzzöllen unzertrennlich verbunden sind, gegen die ganze Vorlage zu stimmen, und nur einige eifrige Schutzzöllner dürsten sich bet dieser Gelegenheit absondern. Die conseroativcn Blätter sind eifrig bemüht, ihr Bündntß mit den Klerikalen zu rechtfertigen und zu eiuschuldigen. Sie behaupten, daß der Antrag v. Bennigsen auch durch den B-itritt der Conservattven, falls der Antrag für diese annehmbar gewesen wäre, nicht die Mehrheit erhalten haben würde, und übrigens entwickeln sie, daß der Franckenstetn'sche Antrag nur zum Schein eine Stärkung des Parttkalarismus bedeute. Man behauptet zwar, daß das Reich jetzt nach wie vor bei den Einzelstaatcn zu Gaste gehe; aber es habe ihnen die Mahlzeit in's Haus geschickr. Der Reichskanzler habe es durchgesetzt, daß das Reich durch tndirecte Steuern alles Röthige herbeischaffc sür sich selbst, und sogar noch für die Einzelstaateu etwas übrig taffe. Indessen ist doch bekannt, daß dte bisherige, von allen Nationalen gebilligte Loosung des Reichskanzlers die „Abschaffung der Mairikularumlagen" war; und diese Maliikularbetiräge werden betbehalten werden. Das Centrum hat unbestreitbar einen großen Sieg erfochten und glaubt dabei sich Ansprüche auf dte Dankbarkeit des Reichskanzlers erworben zu haben. Allerdings stnd den Ultramontanen für ihre Unterstützung der Reichskanzlerpolttik keine unmittelbaren Zugeständniffe auf kirchenpolitischem Gebiete in Aussicht gestellt worden; aber wenn Jemanv einen Schaffner bittet, ihm ein Coupö allein zu überlasten, so weiß dieser recht gut, daß, falls er diesen Wunsch erfüllt, er am Ende der Reise auf ein gutes Trinkgeld zu rechnen hat. Vorläufig wird das Centrum von den Conscrvativen eifrig ermahnt, nun auch zur Besiegelung des Bünd- nistes eine recht tüchtige Tabakssteuer zu bewilligen. Der Finanzmintstcr Hobrecht hatte tn der Tarifcommission erklären lasten, unter 100 Mk. könne die Regierung es nicht thun. Jndcsten bewilligte die Commission nur 85 Mk-, und Personen, welche sich für cingeweidt ausgcben, behaupten, daß 85 Mk. die Summe sei, mit welcher sich die Regierung schlimmsten Falles zufrieden geben werde. Das ist immerhin ein hoher Zoll, desten Last die Tabaksfabrikanten spüren werden. Die Nachsteuer ist auch bet der zweiten Lesung mit großer Mehrheit verworfen worden, und so dürfen wir wohl mit Sicherheit hoffen, daß dte Regierung auf die vexatortsche Maßregel verzichten werde. Schweiz. Bern, 27. Juni. Gestern Abend wurde Bern und Umgebung wieder plötzlich von einem Orkan heimgesucht, welcher so heftig war, daß ein vor der Stadt gebaute« Haus, welches das gleiche Schicksal schon einmal bei dem Sturmwind am 22. Februar d. Js- erlitten hat, vollständig^niedergeriflen wurde. Waren derartige Unwetter in diesem Frühjahre tn der L-chwctz nichts Seltenes, so scheinen sich doch im Allgemeinen die diesjährigen Erndteaus- sichten nicht zum Ungünstigsten zu gestalten. So wird unter Anderm die Heu- erndte — vor wenigen Wochen noch war das Gras so zurück, daß man an eine grobe Mißerndte glaubte —, wie mau von allen Seiten hört, auch dieses Jahr wieder eine äußerst ergiebige fein, nur daß sie etwas später etngebracht werden wird, als gewöhnlich. Ebenso läßt sich Die Saison In Betreff der Touristen sür die Schweiz recht gut an, namentlich sind es Amerikaner und Engländer, welche den Fremdenverkehr zu beleben anfangen. Nachdem nun so ziemlich alle Alpenpäste schneefrei und passirbar geworden — seit Ende voriger Woche ist dies auch mit dem Bernina der Fall —, steht demselben übrigens auch in dieser Beziehung nichts mehr hindernd im Wege. Italien. Rom, 28. Juni, Abends. Der Fürst von Bulgarien sprach dem König und der Regierung seinen Dank aus für den Einfluß, welchen Italien bei seiner Erbebung zum Fürstenthron ausgeübt und erklärte ferner, baß er den Berliner Vertrag gewiffenhast beobachten werde. Derselbe wird Montag nach Brindisi reisen, um sich daselbst auf einem russischen Kriegsschiff nach Konstan- tinopel einzuschiffen. Der König hat dem Fürsten das Großkreuz des Mau- ritius- und Lazarus-Orbens verliehen. _______________ ffireartionöbureaui 1 Schulstraß- B. 18. yxpedttlonSbnreau > I ___ Die Interpellation über die Währungsverhältniffe. Nur mit peinlichen Gefühlen können wir an die Reichstagssitzung vom IS Juni in welcher die Delbrückffche Interpellation über die Absichten der Reichsregt'erung hinsichilich der Münzwährung zur Sprache kam, zurück denken. Zwar den Wortlaut der Antwort Bismarck's, „daß weder im Bun- desrath noch im preußischen Ministerium ein Antrag auf eine Abänderung unserer Münzgesetzg-bnng gestellt, daß die Frage, ob ein solcher zu stellen wäre von keiner Seite auch nur zur Sprache gekommen oder berührt worden ist" diesen Wortlaut könnten wir mit Befriedigung registriren. Aber der Umstand daß die Blätter derjenigen Parteien, auf welche sich Fürst Bismarck in der mufften Aera stützt, einstimmig für die Doppelwährung eingetreten waren, ebne demeniirt zu werden, daß ferner das Centrumsmitglied Schröder dte bittere Schale, in welcher jener Kern der Bismarck'schen Antwort eingehüllt war, als die Hauptsache ansehen und den Inhalt der ganzen Antwort auf die Formel bringen konnte: „Das wird sich finden I" daß endlich diese Interpretation der Kanzler-Rede bei den Organen der Co, servativen und der Ceu- lrumspartei mit so viel Wohlbehagen citirt wird — Alles das ist darnach angethan, die Befriedigung Über jenen Wortlaut herabzustimmen. Allein wenn es schon schlimm ist, daß man in weiten Kreisen, bei Freunden und Feinden der Doppelwährung aus der Antwort des Kanzlers nichts mehr glaubt heraushören zu dürfen, als daß für jetzt jene Frage nicht auf bet Tagesordnung steht, daß also der Gedanke an eine über kurz oder lang etwa bevorstehende Aenderung keineswegs ausgeschloffen ist, so ist es doch fast noch schlimmer, daß die Interpellation zu so scharfen Aeußerungen Seitens des Reichskanzlers Anlaß gegeben hat. Sollte denn der Name eines so eminenten Fachmanns und eines so loyalen „Freundes" des Reichskanzlers, wie Delbrück es ist, von dem der Kanzler noch vor nicht gar zu langer Zeit sagte, daß er in Wirthschaftsfragm ihm entschieden „über" sei, sollte ter Name eines Bennigsen, den vor Kurzem der Kanzler noch zur Theilnahme an der Führung des Staatsruders eingeladen hat, sollten die Namen von Männern aus der deutschconservativen Partei, wie Minnigerode u. A., nicht eine hinreichende Bürgschaft dafür bieten, daß die Interpellation lediglich tm öffentlichen Interesse, keineswegs aber, um dem Kanzler Verlegenheiten zu bereiten, eingcbracht war? Wozu in aller Welt ist denn die Volksvertretung noch da, wenn sie in einer notorisch in so hohem Grade die ganze Nation in Spannung haltenden Angelegenheit es nicht wagen darf, fich Auskunft zu erbitten, "ohne fich den Vorwurf zuzuziehen, daß man unüberlegt gehandelt I Es ist im höchsten Maße zu beklagen und für die rein sachliche Führung der Geschäste, also sür das doch in elfte Linie zu stellende allgemeine Wohl durchaus nicht förderlich, daß bei dieser Gelegenheit, wo nach allgemeiner Auf- faffung tn Retchstagskreisen die Annahme eines Uebelwolleus von Seiten der Interpellanten ganz m.b gar ausgeschloffen und, wie sich aus der Verhandlung herausstellte, auch svrmell die Rücksicht beobachtet war, welche bet Stellung von Interpellationen die der Regierung befreundeten Parteien zu beobachten pflegen, auf Seiten des Kanzlers ein so gereizter Tan angeschlagen wurde. Daß derselbe dann In Bamberger's Gegenrede seinen Widerhall fand, kann nicht befremden. Wir betlagtn tief, daß durch solche Vorkommniffe die Kluft, welche den großen Kanzler von seinen alten Freunden trennt, sich stets erwei- tert. Doch geben wir darum die Ueberzeugung nicht auf, daß hüben und drüben, wo es zu handeln gilt, schließlich doch stets einzig und allein das Wohl des Ganzen maßgebend sein wird. Telegraphische Depeschen. Wagner'« telegr. Korrespondenz, vureaa. Berlin, 30. Juni. Reichstag. Vor Eintritt in die Tagesordnung theilt der Präsident den Eingang mehrerer Urlaubsgesuche mit. Richter (Hagen) erklärt der Bewilligung der Urlaubsgesuche widersprechen zu müssen, da das Haus wahrscheinlich nicht beschlußfähig fei. Es folgt darauf die Auszahlung des Hauses welche die An- wesenheit von 194 Mitgliedern ergibt. Das Haus ist somit nicht beschlugfahig. Die Sitzung wird auf eine Stunde vertagt Nach Wiederaufnahme der Sitzung werden die verlesenen Urlaubsgesuche ohne Anstand bewilligt. Der Gesetzentwurf über die Consular-Gerichtsbarkett wird in dritter Berathuna ohne Debatte durch Enbloc-Annahme erledigt; ferner wird ohne Debatte erledigt die zweite Berathung der Uebersicht über die Ausgaben und Einnahmen pro 1877/78. Die zweite Berathung der SS 3-10 des Vogelschutzgesetzes auf Grund des Commissionsberichtes wird von der Tagesordnung abgesetzt und hierauf mit der zweiten Lesung des Zolltarifs fortgefahren bei Nr. 11 (Haare, Federn, Borsten). Dreyer beantragt hieroei, Pferdehaare, gekräuselt, in Lockenform gelegt, auch gesponnen, mit 15 ^Zoll zu belegen. (Nach der Vorlage sollten sie zollfrei sein.) Hierbei wird durch itio in partes abgestimmt, wobei sich die Anwesenheit von 191 Mitgliedern ergibt. Die Sitzung wird nunmehr auf eine halbe Stunde vertagt Die Sitzung wird um 3Vr Uhr mit der beschlußfähigen Anzahl von Abgeordneten wieder ausgenommen. Das Amendement Dreyer wird abgelehnt und die bezügliche Position in der Fassung der Commission genehmigt. Für gereinigte Bettfedern wird auf Antrag Windthorst's Zollfreiheit gewährt (statt 6 X in der Fassung der Commission). Bei Nr. 19 (Kupfer rc.) beantragt Neumann, Kupfer m rohem Zustande oder als Bruch mit 3 X pro 100 Kilogramm zu besteuern, während die Commission Zoll- freiheit beantragte. Der Antrag Neumann wird abgelehnt. Position 19 (Kupfer) wird unverändert nach den Anträgen der Commission angenommen, ebenso Position 38 (Thonwaaren) — Nächste Sitzung Dienstag 10 Uhr Berlin, 30. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Nach unseren Informationen ist es außer Zweifel, daß die Regierung nicht gewillt ist, bezüglich der Verstaatlichung der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn an die Acttonäre weitere Zugeständnisse zu machen, vielmehr auf dem im Mintsterial- Erlasse vom 3. Juni kundgegebenen Standpunkt fest beharrt. Die bevorstehende Generalversammlung dürste darüber auch nicht im Zweifel belassen werden, daß die Regierung bei der Nichtannahme des zwischen ihr und den Gesellschafts. Vorständen vereinbarten Vertrages von weiteren Verhandlungen Abstand nehmen werde. — Die Nachricht, der Ftnanzmintster Hobrecht habe seine Entlassung erbeten, wird von der „Nordd. Allg. Ztg." bestätigt. — Die Nachricht, daß die Regierung in der Zolltarifcommisston des Reichstages für den Antrag v. Franckenstein gestimmt habe, beruht demselben Blatte zufolge, auf einem Jrrthum. Wahr ist, daß, wie auch der Ftnanzminister Hobrecht in der Tarif- Commission ausdrücklich hervorgehoben hat, die verbündeten Regierungen noch keine Stellung zu dem Anträge Frankenstein genommen haben, somit eine Erklärung über denselben regierungsseitig nicht abgegeben werden konnte. Petersburg, 30. Juni. Die Behauptung auswärtiger Blätter, der russische Botschafter Lobanoff habe bei der Pforte gegen den Jrade bezüglich der Ersetzung des Khedive Ismail durch Tewfik Verwahrung eingelegt, ist unrichtig. Rußland versuchte keineswegs die Politik der anderen Mächte zu durchkreuzen. — Bezüglich etwaiger Sommerretsen des Kaisers ist keinerlei Disposition getroffen. — Der deutsche Botschafter v. Schweinitz wird unmittelbar hier zurückerwartet. Paris, 30. Juni. Heute Vormittag hatte die Partei des Appell au peuple eine Zusammenkunft in Rouher's Wohnung. Das Testament des Prinzen Napoleon nebst den dazu gehörigen Codicillen wurde verlesen. Irgend ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Ferdinand Barrot und Murat wurden beauftragt, sich zum Prinzen Jerome zu verfügen und ihm von dem Testament Mitthetlung zu machen. Rouher lehnte diese Mission ab mit der Erklärung, er sei seit dem Tode des Prinzen unwiderruflich entschlossen, sich mit activer Politik nicht mehr zu befassen. Versailles, 30. Juni. Die Deputirtenkammer beschloß, den Gesetzentwurf, betr. die Freiheit des Unterrichts, als dringend zu behandeln. Chislehurst, 30. Juni, früh. Im Zustand der Kaiserin Eugenie ist keine bemerkenswerthe Aenderung eingetreten; die Nacht verlief unruhig. Berlin, 30. Juni. Das Inkrafttreten der neuen Organisation Elsaß- Lothringens ist der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge nicht vor dem 1. September zu erwarten. Köln, 30. Juni. Die Generalversammlung der Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft hat mit großer Majorität den Antrag auf 6 pCt. in Consols nebst einer Convertirungsprämie angenommen. Berlin, 30. Juni. Auch die Minister Falk und Friedenthal haben gestern ihre Entlassung eingeretcht. Friedenthal hat sein Entlaffungsgesuch durch Gesundheitsrücksichten begründet; Falk hat sich in milder Weise im Allgemeinen auf die Lage bezogen, die seinen Rücktritt als wünschenswerth erscheinen lasse, namentlich würden die Verhandlungen mit dem Vatican dadurch erleichtert werden. Der Finanzminister Hobrecht erklärt, daß sein Rücktritt mit dem Franckenstetn'schen Anträge nichts zu thun habe. Wien, 30. Juni. Meldung der „Polit. Corresp." aus Kostantinopel. Der sranzösische Botschafter soll sich dahin geäußert haben, Frankreick könne niemals die von der Pforte verfügte Aushebung des Fermans von 1873 zugeben, welche Egypten in ebendasselbe Verhältnis zur Pforte zurückversetze, wie es zur Zeit Mehemed Alffs war. Frankreich und England verhandeln wegen eines gemeinsamen Protestes gegen die Aufhebung. Der Ministerrath beriech am 28. Juni darüber, ob dem abgesetzten Khedive die Erlaubniß, nach Konstantinopel zu kommen, erthetlt werden soll, faßte indeß keinen Beschluß. Gestern wurde vom Ministerrath die griechische Frage verhandelt. Die Pforte soll heute den Mächten eine hierauf bezügliche Mittheilung macken. Die Gerüchte über die Erschütterung der Stellung des Großvezirs Khereddin gewinnen neuerlich an Consistenz. London, 30. Juni, Abends. Oberhaus. Lordkanzler Cairns bringt die irische Universitäts-Bill ein, welche darauf in erster Lesung angenommen wird; dieselbe bezweckt die Auflösung des Queens-College und Errichtung einer neuen Universität. — Beaconsfield erklärt auf Befragen Strathedens: Es finde kein öffentliches Begräbniß des Prinzen Napoleon statt; die Leiche wird in Sherneß gelandet und von königlicher Artillerie nach Chislehurst begleitet; letztere wohnt auch der Beerdigung bei. Belgrad, 30. Juni. General Alimpic und der Großindustrielle Vschetecka sind als Delegirte zu den Verhandlungen über die Eisenbahnconvention noch Wien abgereist. — In Folge andauernder Dürre in ganz Serbien wird eine arge Mißerndte besorgt. Alexandrien, 30. Juni. Der ehemalige Khedive Ismail Pascha mit den Prinzen Huffein und Haffan ist heute Abend 6 Uhr auf einer Dacht nach Neapel abgereist; bei der Abfahrt gaben die französischen und englischen Schiffe Salven ab. Paris, 1. Juli. Das Journal „Gaulois" veröffentlicht den Text des Testamentes des Prinzen Louis Napoleon; dasselbe enthält die bereits bekannten Bestimmungen und endigt mit einem Codicill, welches den ältesten Sohn des Prinzen Napoleon als denjenigen bezeichnet, welcher das Werk Napoleon'S I. und Napoleonas III. fortsetzen solle.___________________ Lokale s. Gießen, 1. Juli. Der hiesige Turnverein feierte am Sonntag unter großer Betheiligung sein 32jähriges Stiftungsfest auf der Badenburg, und der Verlauf der frohen Feier Auszug. machen. zu in des Verfahrens dm verfügenden Zustellung einer Theile und mit Otto Schöner, Pfarrvicar. Endurtheil. In Untersuchung gegen Adam Scheyda von Gießen wegen Beleidigung durch die Preße. war ein schöner und alle Festtheilnehmer befriedigender. Nachmittags 1 Uhr traten die activen Tumer des hiesigen Vereins als auch die zur Berberrlichung des Festes hierher gekommenen Turner der Vereine Lich, Nidda, Wetzlar und Wieseck an der städtischen Turnhalle an und bewegten sich von dort nach der Badenburg, woselbst zunächst der 1. Sprecher Herr Philipp Uhl eine Ansprache an dieselben hielt. — Hierauf begannen während die Klänge der hiesigen Regimentsmusik durch den Garten schallten, die turnerischen Uebungen und zwar zunächst die Frei- und Ordnungsübungen, Preis- und Kürturnen. Sämmtliche Uebungen machten durchweg einen recht guten Eindruck und legten Zeugniß für das lobenswerthe Streben der Turner ab, besonders fanden die Productionen der Turner beim Kürturnen allgemeinen Beifall. Nach Beendigung des Turnens und nach einem einleitenden Rückblicke von Seiten des Turnwarts C. Demuth auf die Geschichte der deutschm Turnerei seit ihrer Begründung durch den Turnvater Jahn und auf die gegen sie ergangenen Verfolgungen, sowie auf die endlich erfolgte Würdigung und Anerkennung derselben als ein wesentliches Mittel zur Hebung des Volkskraft, begann die Prcisvertheilung. Es wurden im Ganzen 17 Preise ausgegeben, bestehend in Diplomen und für die 6 ersten Preise noch Eichen-Laubkränze. Gießen erhielt 12 Preise, darunter den ersten, Wetzlar 3 Preise, darunter den zweiten, Lich erhielt den achten und Wieseck erhielt den neunten Preis. Mit diesem feierlichen Acte welcher mit einem donnernden „Gut Heil" auf die deutsche Turnerei endigte, war das Fest als ziemlich abgeschlosien zu betrachten. Durch die zahlreiche Betheiligung von allen Seiten der hiesigen Einwohnerschaft konnte man das Wollwollen erblicken, welches dem Turnverein entgegengebracht wurde. Gießen, 1. Juli. Wegen Diebstahl wurde gestern Abend ein Frauenzimmer verhaktet. — Heute Morgen gegen 5 Uhr erhängte sich in der Wolkengafse ein Mann. Ein hinterlaßener Zettel spricht Frau und Kinder von der Ursache des Selbstmordes frei; er, der Selbstmörder allein sei Schuld daß er so tragisch ende. — Das Befinden des durch Revolverschüsse verwundeten jungen Mannes ist nicht ganz gefahrlos. Die Kugel ist, entgegen unserer gestrigen Nachricht, im Schenkel noch nicht gefunden. wird auf die am heutigen Tage gesetzlich gepflogene Verhandlung, bei welcher Rubricat anwesend, auf den vom Großherzoglichen Staatsanwalt gestellten Antrag nach stattgehabter Berathung des Großherzoglichen Bezirksstrafgerickts im Berathungszirnrner; auf Grund nachfolgender Gesetzesstellen: SS 185, 186, 73, 194, 200 St. G. B. Art. 322 St. G. B. sowie Art. 243 d. G. v. 5. April 1877 :c. hierdurch zu Recht erkannt: Adam Scheyda von Gießen, 32 Jahre alt, verheirathet, Redacteur, ist wegen des ihm zur Last gelegten Vergehen der Beleidigung in eine Geldstrafe von zwanzig Mark, im Falle der Uneinbringlichkeit mit vier Tagen Haft zu verbüßen, sowie zum Ersätze der Kosten zu verurtheilen, auch dem Ankläger K Unverzagt die Befugniß zuzusprechen, lich halten. Gießen, den 30. Juni 1879. Georg Schlosser, Pfarrer. An die Redaktion des „Gießener Anzeigers". Auf Grund des Preßgesetzes fordern wir Sie auf, die nachfolgende Erklärung Ihrem Blatte abzudrucken. Wir haben die Zusendung der kirchlichen Nachrichten und der Kirchenbuchsauszüge an Sie unterlassen, weil eine solche öffentliche Aufforderung*), wie Sie sie in der Woche zuvor an uns gerichtet haben, zumal Männern im öffentlichen Amte gegenüber nach den Gewohnheiten der guten Gesellschaft für so ehrenrührig und beleidigend gilt, daß uns dadurch eine fernere amtliche Verbindung mit Ihnen vorerst unmöglich gemacht wurde. Sie klagen uns damit vor der Gememde gradezu der Unpünktlichkeit in einer von uns übernommenen Verpflichtung an. Diesen Eindruck haben Sie jetzt noch dadurch verstärkt, daß Sie behaupten, daß mehrfach mündlich an uns gerichtete Bitten vergeblich gewesen seien. Von solchen mündlichen Aufforderungen wissen wir beide am Orte anwesenden Geistlichen nichts**), und dasselbe können wir von dem gegenwärtig abwesenden Herrn Pfarrer Dr. Seel, der seine Auszüge immer schon Tages zuvor mit den kirchlichen Anzeigen versendet, versichern. ***) Eine Verzögerung mag in ganz seltenen Fällen einmal vorgekommen sein, da der Geistliche, der die Amtswoche hat, grade am Ende der Woche mit Arbeit oft überladen ist, oder auch der Kirchendiener, wie es diesmal der Fall war, durch anderweitige Aufträge verhindert sein kann. Dann wäre es aber das allein richtige gewesen, wenn die Redaktion, der wir diese Auszüge jahraus jahrein aus Gefälligkeit liefern, dieselben hätte abholen lassen. Sie haben statt dessen den von Ihnen emgeschlagenen Weg vorgezogen. Wir können das Urtheil darüber ruhig der Gemeinde überlassen. Sie wird eine solche Behandlung ihrer Geistlichen mit ihrer eignen Ehre unverträg- Theil dieses Urtheils auf Kosten des Beschuldigten binnen 14 Tagen von Urtheilsausfertigung an, einmal durch den Gießener Anzeiger, in demselben derselben Schrift, wie der Abdruck der Beleidigung geschah, öffentlich bekannt V. R. W. So geurtheilt und alsbald in öffentlicher Sitzung verkündet Ouvrier. Kullmann. Großmann. Kattrein. Für den Auszug. Kattrein. *) Von „Aufforderung" in diesem Sinne kann unserer Ansicht nach keine Rede sein; wir haben einfach die Herren Geistlichen ersucht, uns das Manuscript etwas frühzeitiger zustellen zu wollen, da wir sonst mit dem Satze nicht rechtzeitig fertig würden. ** ) Wir müssen hier unsere Angabe aufrecht erhalten. Sehr oft haben wir durch den Kirchendiener die Herren Geistlichen in obigem Sinne gebeten. Wenn die Bitte nicht ausgerichtet wurde, trifft uns keine Schuld. Ohne Ursache würden wir uns jedenfalls nicht veranlaßt gefunden haben solche öffentlich auszusprechen. ** *) Herrn Pfarrer Dr. Seel hatte unsere Bitte nicht gegolten und müssen wir auch hier bestätigen was beide unterzeichnete Herren hierüber sagen. Wir haben geglaubt, das was Herrn Dr. Seel möglich war, auch von den anderen Herren Geift- lichen erwarten zu dürfen. D. Web. Verloosungeu. Karlsruhe, 30. Juni. Bei der heutigen Gewinn-Ziehung der Badischen 35 fl. Loose fielen je 1000 fl. auf die Nummern 42222 52604 53905 61404 82866 101330 155855 187934 266778 267786. __ Handel und Verkehr. Gießen, 1. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. X 0,80 bis X 0,90, Hühnereier per Stück 4i/2u. 5 H, Gänseeier, per Stück — Enteneier, per Stück 5V2 4, Käse, per Stück 4—8 Käsematte, per Stück 3 Erbsen, 1 Liter 17 H, Linsen, 1 Liter 20 H, Tauben, das Paar 75 Hühner, per Stück X 1.25, alte Hahnen, per Stück X 1,30, junge Hahnen, per Stück X 0,90 Enten, per Stück X 1,50, Kartoffeln, per 100 Kilo X 9, Zwiebeln, per Ccntner X —, Milch per Liter 16 u. 18 Ochsenfleisch, 70 H per Pfd., "Kuh. und Rindfleisch 56—60 Hammelfleisch 60—70 H, Schweinefleisch 56-60 X Kalbfleisch 46—50 H. Kirschen per Pfd. 20—25 Frankfurt, 30. Juni. (Fruchtbericht.) Mehl Nr. 1, X 39, Nr. 2, X 37 Nr. 3 X 31, Nr. 4 X 27, Nr. 5 X 21. Roggenmehl <% (Berliner Marke) X 21.50 bo I (Berliner Marke) X 19.50—20, do. II (Berliner Marke) X 14.50—15.50. Weizen effectiv hiesiger ab Bahnhof hier X 21, «b unserer Umgegend X 20,25-50 bo. fremder je nach Qualität X 19,50 — 21, Roggen, je nach Qualität X 13 — 15.25, Gerste X 16,50—17,50, Hafer X< 13,75—15,25, Kohlsamen X 26, Erbsen 19—27, Wicken X 14—16, Linsen X 17—36, Bohnen, weiße, X 19.50, Roggenkleie —, Weizenkleie, grobe und feine X — Rüböl, detail, X 62. Stimmung matt. Drmgenv offerirt — Hauptsächlich gefragt war — (Die Preise verstehen sich särnmtlich per 200 Pfund Zollgewicht — 100 Kilo.) Frankfurt, 30. Juni. Der heutige Diehrnarkt war gut befahren. Angetrieben waren ca. 400 Ochsen, 230 Kühe und Rinder. 230 Kälber und 300 Härnrnel. Die Preise stellte . sich: Ochsen 1. Qual. X 66—68, 2. Qual. X 58—62, Kühe und Rinder 1. Qual. X 59—60, 2. Qual. X 54—56, Kälber 1. Qual. X 52—54, 2. Qual. 46—48, Härnrnel 1. Qual. X 55—60, 2. Qual. X 50-52. Schweine das Pfd. 54 i&FlflSDBB x Spiegelfabrik Jji Carl Leib, Vergolder, M Giessen (hinter der Kirche ji unterhält Ln^er aller Arten Spiegel, Vilderrahmen, ki Tische mit Harmorplallen, Gold- und Politurleist&n, Hi Alle Sorten Spiegelglas nl Das Eiurahmen tun Bildern üa wird billigst ausgeführt. Neuvergoldungen werden -tut' RS das Solideste bald gefertigt. Friedberg - Hanauer Eisenbahn. Submission auf den Neubau eines Empfangsgebäudes, Güterschuppens und ■einer massiven Rampe für Station Bruchköbel. Zeichnungen, Bedingungen, Massen-und Preisverzeichnisse liegen in unserem Betriebs- und Bautechmschen Büreau hiersclbst und bei dem Eisenbahn-Baumeister Francke zu Friedberg zur Einsicht offen und werden Zeichnungen zum Preise von 3 X, Bedingungen zum Preise von 3,5 X bei den genannten Stellen abgegeben. Offerten sind an uns bis zum Dienstag Len 8. Juli d. I., Vormittags 11 Uhr, Linzureichen. . (4d14 Cassel, den 21. Juni 18/9. Königliche Direction der Main-Weser-Bahn. Haftbefehl. Das unterzeichnete Gericht bat beschlossen, daß der Leinweber Heinrich Simpel, geboren am 6. April 1833 zu Liederbach, Kreis Alsfeld, weil er verdächtig ist, nachdem er im Jnlande als Dieb bestraft, darauf abermals einen Diebstahl begangen bat und bestraft ist, bevor seit Verbüßung der letzten Strafe zehn Jahre vergangen sind, in der Nacht vom 26. auf 27. Mai 1879 zu Leun bei Braunfels im Kreise Wetzlar dem Landmann Jacob Piseator I. diesem gehörige Kleider, namentlich eine dunkelgraue Hose, einen schwarzen Rock, eine schwarze Hose und einen blauen Kittel, sowie diesem gehörige Wäsche, namentlich sechs Hemden, gezeichnet J. P. und ein weißes Taschentuch, gestickt: „Aus Freundschaft", und ein Paar demselben gehörende hellrothe Hosenträger in der Absicht rechtswidriger Zueignung und zwar mittelst Einbruchs und Einsteigens aus einem Gebäude weggenommen und gegen § 242, 243 Nr. 2, 244 St. G- B. gehandelt zu haben, zu verhaften und an das Gefängniß der Königlichen Kreisgerichts-Commission zu Braunfels ab- zuliefecn. Urkundlich unter Siegel u. Unterschrift: Wetzlar, den 20. Juni 1879. Königliches Kreisgericht, Abtheilung I. (L. 8.) gew. St eltzer. (4431 Jeikgeöotenes. 2s chläfrige, gutgearbeitete Bettstellen zu 16—18 X, verzierte Kommode mit vier Schubladen zu 26 — 28 X, einthüriger Kleiderschrank zu 24, 26, 28 X, Tische mit Schubladen zu 9—10 X Gleichzeitig empfehle ich mich im Auf- poliren von Möbeln unter Zusicherung reeller und pünktlicher Bedienung. Achtungsvoll Georg Hammel, Bau- u. Möbelschreiner, 4292) Marktstraße D. 31.__________ Heugras •am Waüborn und am Philosophen- wald zu verkaufen. 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