■T (501? (5025. eisen oder ltt kürzester lngabe per •ollen. Lehr, r (5028- Bier Ät. 118. 6 Uhr >rAbds. 10 Uhr (4613 ) W. 18 Pfg. eil. Bälden, ' einige Tage m Oeldruck- nicht gezeigt Ratenzahlung (4965 Stellung sind in der e5 ä 40 uchl unD er- mbtre A-L, «tldi- ___ IrrS^L PS und ttonce- hti itr. 17«. Freitag den I August 187». Kichener Anzeiger Anikige- Md Amtsblatt für dm Knis Gießen. «edacttousbureau r GxpedittouSbureaur Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montag». Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringerloh«. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf. Uositisch Das Unterrichtswefen. Es wird kaum irgend eine politische Partei geben, welche nicht gern sehen würde, daß ein Friedensschluß mit dem Vatikan den leidigen Cultur- kampf aus der Welt schafft. Das deutsche Volk hat noch so große politische und wirthschaftliche Aufgaben zu lösen, daß ihm ein Religionsfrieden nur er- wünscht sein kann. Aber — in Preußen, wie in Deutschland — hofft man, daß dieses Ziel erreicht werden kann, ohne daß die Schule wieder dem kirchlichen Einfluffe überantwortet wird. Es ist eine freiheitliche Forderung, die man geltend macht, und sie bezieht sich nicht etwa allein auf die Katholiken, sondern auch auf Protestanten und Juden, auf alle Reltgtonsgenoffenschaften. Man will die öffentliche Schule nicht mehr im Dienste religiöser Jntereffen, sondern als „Veranstaltung des Staates" sehen. In Preußen war der 1872 in der Person des Unterrichts-Ministers ein- getretene Wechsel auch ein Wechsel des Systems. Die weltliche Schulaufsicht deutete an, daß man die Schule als die einigende Bildungsstätte für das gesammteVolk betrachte; nur deshalb, nicht etwa aus irgendwelcher Animosität gegen die katholische Kirche wurden die klerikalen Einflüffe, welche nicht zu einigen, sondern zu zerreißen und zu trennen, und die Verbreitung gemeinnütziger Kenntniffe zu hemmen versuchen, beseitigt. Daß man damit die Axt an die Wurzel aller hierarchischen Gelüste legte, ist allerdings richtig, und wenn es einer Bestätigung für die Wichtigkeit und Richtigkeit dieses Vorgehens des Staates bedürfte, so liegt dieselbe darin, daß man in allen Ländern, jüngst in Belgien und Frankreich, den Schwerpunkt eines Kampfes gegen die Ultrawontar.en in die Unterrichtsgesetze verlegt sieht. Ueberall erscheint es erforderlich, daß die Schulaufsicht in die Hände gelangt, in welche sie gehört, nämlich in die Hände pädagogisch erfahrener Schulmänner. Der Erlaß eines freisinnigen Unterrichtsgesetzes für Preußen wäre von hoher Bedeutung für das deutsche Reich gewesen. Es ist gerade bei der jetzigen reactionären Strömung sehr zu bedauern, daß, obwohl der Geist der Unterrichtsleitung ein befferer geworden war, es nicht gelungen ist, zunächst das gesammte Bildungswesen in Preußen auf die feste Unterlage eines Unterrichtsgesetzes zu stellen. Daß es einmal Reichssache werden möge, ist zunächst ein schöner Traum. Seine Verwirklichung ist aber unmöglich, wenn Preußen nicht mit einem Unterrichtsgesetz vorangeht, welches der ganzen Nation begehreuswerth erscheint. Gerade im Reiche würde man begreifen und em- skhen, daß die allgemeine Schulpflicht und Volksbildung eine schöne Phrase bleibt, wenn die Mittel der Gesammthett nicht überall eingreifen und dre schwächeren Glieder unterstützen. Ein Reltgionsfrieden, der, wenn auch nur in Preußen, die Schule wieder der Kirche überantwortete, wäre als ein harter Schlag für die Entwickelung das Unterrichtswesens, als eine schwere Schädigung des Retchsgedankens zu betrachten. ____ Deutschland. Berlin, 28. Juli. In einem Sendschreiben, welches der Vertreter des Wahlkreises Offenbach-Dieburg, der Chef-Redacteur der „Nat.-Ztg." in Berlin, Herr Friedrich Dernburg im „Odenw. Boten" veröffentlicht, bemerkt derselbe über die Zoll- und Steuergesetze: Mit dem Inhalt dieser Zoll- und Steuer- gesetze bin ich aber keineswegs in der Hauptsache einverstanden. Eine Ver- theuerung aller Lebensbedürfnisse wird die Folge sein; je geringer der Mann rst, desto mehr wird ihn das neue Zoll- und Steuerwesen drücken. Denn gerade die nothwendigsten Lebensbedürfniffe sind am stärksten herangezogen — Petroleum, Kaffee, Schmalz, Wolle, Baumwolle und Eisen muffen besonders herhalten. Den Landmann hat man dafür zu gewinnen gesucht und theilweise gewonnen, indem man ihm mit Kornzöllen beizuspringen versprach. Wie wett unserm Bauernstand mit Kornzöllen geholfen werden kann, will ich hier gar nicht untersuchen, — ich glaube es nicht. Die meisten Landbewohner bei uns verkaufen, so viel ich weiß, nicht viel Korn, sehr viele müssen sich sogar Korn kaufen, oder verzehren das von ihnen gezogene. Es war mir aber von Anfang an kein Zweifel, daß die Kornzölle leichter beschlossen, als durchgeführt werden können, denn bei jeder Theuerung geht der ganze Druck der Bevölkerung alsbald gegen diese Zölle. So habe ich gefürchtet, daß der Landmann schließlich der Betrogene sein und für die Eisen- und Baumwoll-Industrien die Zeche bezahlen müsse. Und das ist noch eher etngetreten, als man glauben konnte. Die Kornzölle sind schon suspendtrt, ehe sie eingeführt sind. Die Reichstagsmehrheit hat Zölle auf Korn und Flachs beschlossen. Was geschieht aber am letzten Tage vor dem Auseinandergehen? Die Erhebung der Korn- Me wurde plötzlich auf den 1. Januar 1880 zurückgesetzt, so daß die ganze diesjährige Ernte des Auslandes noch herein kann; das Eisen aber ist bereits vor Wochen, noch ehe, daß der Zolltarif nur fertig war, durch eigenes Gesetz unter hohe Zölle gestellt worden, ebenso Petroleum und Kaffee. Der Zoll auf Flachs soll gar erst am 1. Juli 1880 beginnen. Die Mühlenindustrie und das schlechte Wetter haben zusammengearbeitet, daß es dieses Jahr keinen Kornzoll geben wird. Was das nächste Jahr für Gründe bringen wird, das kann Niemand Voraussagen, aber günstige für diese Zölle sicher nicht. Die Kornzöüe werden nie ein gesichertes Dasein haben, auch wenn sie das nächste er Hheil. Jahr in Geltung kommen. Niemand kann auf sie rechnen. Die anderen schweren Lasten der Zoll- und Steuergesetze bleiben, und der Landmann hat das Zusehen. Aber alle Warnungen sind vergeblich gewesen. . Berlin, 29. Juli. An einen Rücktritt des Chefs der Admiralität v. Stosch, von dem schon oft die Rede war, ist feit dem Conflict mit dem Fürsten Bismarck, der allerdings immer noch nicht ganz beigelegt ist, in diesem Augenblick nicht zu denken. Wenn man, wie schon seit langer Zeit, den General-Lieutenant und Director des allgemeinen Kriegs-Departements, v. Voigts-Rhetz, abermals als Nachfolger des Herrn v. Stosch nennt, so glauben wir bestimmt versichern zu können, daß dieser selbst daran gar nicht denkt, dagegen den Rücktritt in den praktischen Dienst, sei es als Comman- beur einer Division oder Artillerie-Jnspection, welcher Waffe er früher an- gehört hat, lebhaft wünscht. Wie bereits gemeldet, ist dem Admiral Bätsch vor Kurzem das Urtheil des zweiten Kriegsgerichts in Sachen des „Großen Kurfürsten", das auf eine fechsmonatliche Festungshaft lautet, publicirt worden. Es wird davon gesprochen, daß in diesem Falle eine theilweise oder gänzliche Begnadigung eintreten wird. Unsere frühere Meldung, daß der Capitän Graf Monts in dem ersten Kriegsgericht mit einem vierwöchentlichen Stubenarrest belegt worden wäre, ist dahin zu berichtigen, daß auf einen vierwöchentlichen Festungsarrest, nicht Stubenarrest erkannt wurde. Ebenso ist der Capitän- Lieutenant Klausa in dem zweiten Kriegsgericht nicht freigesprochen, sondern zu einer vierwöchentlichen Festungsstrafe verurtheilt worden. Ueber den Zusammentritt des dritten Kriegsgerichts über den Grafen Monts verlautet noch nichts, ebenso sind noch keine Bestimmungen über den Nachfolger des Vice- Admirals v. Henk als Directors der Admiralität getroffen, und dürfte dies auch erst nach der Rückkehr des Chefs der Admiralität von seinem Sommer- aufenthalt erfolgen. Entgegenstehende Meldungen sind deshalb nur Vermu- thungen und mit Vorsicht aufzunehmen. — Aus der Anordnung der kaiserl. Admiralität zum Bau von vier Glattdeckscorvetten und zwei Panzerkanonenbooten scheint hervorzugehen, daß dieselbe den Bau größerer Panzerschiffe, wie Panzer-Fregatten und -Corvetten, für die Zukunft nach den eigenen und den Erfahrungen im letzten türkisch-russischen und In dem jetzigen Kriege zwischen Peru, Chili und Bolivia ganz aufgegeben hat. (Köln. Ztg.) Aus Schlefieu. Dem in Habelschwerdt erscheinenden „Gerichtsboten" geht aus der Grafschaft Glatz die Mittheilung einer Verfügung der Regierung zu Breslau zu, welche als Sittenbild weitere Verbreitung verdient. Es heißt dort nämlich: „Die königliche Regierung zu Breslau hat in Erfahrung gebracht, daß an verschiedenen Orten Vergehen der Einsassen durch Erlegung einer von Ortsgerichten (es sind keine wirkliche, sondern nur sogenannte von Schulzen geführte Aemter) zu bestimmenden Quantität Branntweins und Biers bestraft worden, welches sodann von den Dorfgerichten vertrunken wird. (!) Sie hat daher die Kreisbehörden angewiesen, diejenigen Ortsgerichte, welche sich ein so pflichtwidriges Gebahren zu Schulden kommen laffen, zur strengsten Verantwortung zu ziehen." Frankreich. Paris, 28. Juli. Die Lyoner Freihändler haben gestern folgende Erklärung beschlossen: „Weil die Handelsfreiheit im In- wie im Auslande die natürliche und logische Consequenz der Arbeitsfreiheit ist, erheben wir Einspruch gegen jede Erhebung der Zölle, welche jene beiden Freiheiten beschränken könnte, und hauptsächlich gegen jede Vermehrung der gegenwärtigen, in den Conven- tionstarif eingeschriebenen Zölle für Getreide und Vieh; — wir verlangen in möglichst kurzer Frist die Erniedrigung der Handelsverträge in dem weitesten und liberalsten Sinne, die Aufrechterhaltung der freien Einfuhr der Seide und der Seidencocons und die Aufhebung der Eingangszölle auf Baumwollengarn." Dieser Beschluß wird der Regierung auf dem Petitionswege zugehen. England. London, 28. Juli. Den jetzt seit 24 Wochen strikenden Maschinenbauern Londons fängt es an, sehr schlecht zu gehen, und sie drohen, ihre noch in Arbeit stehenden Berufsgenoffen bei deren Arbeitgebern im Lohne zu unterbieten, wenn sie dem Strike Ausschuß nicht reichlichere Unterstützungen für die Feiernden zugehen lassen. Letztere erhalten jetzt wöchentlich aus der Strikekaffe je 133/4s und 1s für jedes Kind, wenn sie Mitglied des bezüglichen Gewerksvereins sind, oder je 7y2s nebst ls für jedes Kind, wenn sie diesem Vereine nicht angehören. Aus Bradford werden demnächst nahe an 300 Maschinenbauer nach Amerika hinübergehen, von wo aus ihnen vortheilhaste Lohnsätze angeboten worden sind. Telegraphische Depeschen. Wagner'» telegr. S-rresp-nbeur-Burea«. Berlin, 30. Juli. Der heute geschloffene Blinden-Congreß wählte Frankfurt a. M. zum nächsten Congreßort. — Die „Nordd. Allg. Ztg." hebt in einer Besprechung der rumänischen Frage hervor, daß, während die Großmächte selbst nichts unterlassen hätten, um ihre Achtung vor den Entscheidungen des Berliner Congreffes an den Tag zu legen, die rumänische Regierung sich der principieüen Unterwerfung unter den Willen Europas entziehen zu dürfen geglaubt und in dem jüngsten Circularschreiben Campineanu's neuerdings versucht habe, mit den Großmächten in eine Art Controverse über die Congreß- beschlüste einzutreten. Die Würde der Congreßbeschlüste müste solche nachträgliche Auseinandersetzung unter allen Umständen als unzulässig erscheinen lasten. Es sei kaum zu bezweifeln, daß Campineanu's, soweit der „Nordd." bekannt, hier amtlich gar nicht zur Kenntmß gebrachtes Rundschreiben überall der gleichen Austastung begegnete. In dem Programm der neu gebildeten rumänischen Regierung sei die Bereitwilligkeit zur Lösung der Judenfrage im Sinne der Congreßbeschlüste ausgeschlosten. Das eigene Jntereste Rumäniens erheische, daß die Ausführung dieser Absicht nicht wieder in den parlamentarischen Jntriguen und Feactionsmanövern ein Htnderniß finde. Man solle sich nicht mit der Ausflucht trösten, daß von keinem Zwange zur Ausführung der Congreßbeschlüste die Rede sein könne, Rumänien demnach wohl wagen dürfe, den Widerstand fortzusetzen. Es sei eine Lebensbedingung des modernen Staates, sich den Gesetzen des internationalen Rechtes zu beugen. Rumänien gefährde die Gegenwart und gebe die Zukunft preis, wenn es in unbegreiflicher Ueberhebung daran denke, sich selbst dauernd außerhalb der normalen internationalen Beziehung zu stellen. Wien, 30. Juli. Meldungen der „Poltt. Corresp." aus Konstantinopel bestätigen die Einigung der Pforte mit Frankreich und England rücksichtltch des Investitur-Fermans für den Khedive und besagen ferner: Der Ferman spricht die provisorische Erneuerung der Privilegien von 1873, besonders die der directen Erbfolge und des Rechtes des selbständigen Abschlusses von internationalen Verträgen aus. Die Pforte behält sich ein Einspruchsrecht nur für den Fall vor, als solche Verträge im Widerspruche zu den existirenden Verträgen stehen oder Hoheitsrechte des Sultans antasten sollten. Der Ferman ermächtigt den Khedive behufs Tilgung der egyptischen Staatsschulden-Anleihen selbständig abzuschließen. Anderweitige Anleihen sind an die Zustimmung der Pforte gebunden. Der Ferman wird vor seiner Absendung den Berliner Signatarmächten mitgetheilt. — Die „Polit. Corresp," meldet ferner: Es heißt, mit der Ankunft Savfet Paschas werde das Großvezirat wiederhergestellt und ihm übertragen werden. — In Ortakioei sind gestern mehrere Hundert hauptsächlich von Juden bewohnte Gebäude abgebrannt. London, 30. Juli. Das „Reuter'sche Bureau" meldet aus Konstantinopel : Der türkische Mintsterrath nahm die von den Botschaftern Englands und Frankreichs bezüglich des egyptischen Jrade verlangten Modificationen an und beschloß, alle dem Khedive im Ferman von 1873 etngeräumten Privilegien wiederherzustellen. Berlin, 30. Juli. Die „Prov.-Corresp." reproductrt mehrere Stellen aus den Artikeln der „Köln. Ztg." über unsere innere Lage, worin der Ver- fasier seine Meinung ausspricht über die Haltung, welche für die national- liberale Partei in nächster Zett geboten ist. Die „Prov.-Corresp." fügt hinzu: Es wäre zu erwarten, daß diese Aeußerungen eines der angesehendsten Parteiorgane, wenn irgend einem erheblichen Thetle der Partei aus dem Sinne geschrieben, diesen Thetl veranlaßten, sich zu einem solchen Programm zu bekennen, sich auf Grund desielben im Unterschied von der Partei Lasker- Forckenbeck zu constituiren und mit demselben an die politischen Aufgaben heranzutreten. Versailles, 30. Juli. Der Senat überwies die Vorlage wegen Abtragung der Ueberreste der Tuilerien an eine besondere Commission und genehmigte den Thetl des Budgets, welcher sich auf dte Erhebung der dtrecten Steuern bezieht. — Die Deputirtenkammer bewilligte das Budget des Ministeriums des Innern und begann die Berathung des Cultusbudgets. Der Kultusminister sprach gegen die von der Commission vorgeschlagene Herabsetzung der Besoldung der Bischöfe. Die Kammer stimmte den Vorschlägen der Commission zu, wonach die Besoldung der Bischöfe auf 10,000 und der Erzbischöfe auf 15,000 Frcs. beschränkt werden soll, übereinstimmend mit dem bez. Artikel des Concordats und für dte Pfarrverweser ein Credtt von 200,000 Frcs. zu bewilligen sei. Die Abstimmung der Kammer war jedoch wegen ungenügender Zahl der an der Abstimmung theilnchmender Mitglieder nicht gültig. London, 30. Juli. Zum Botschafter der Pforte in Parts ist an Stelle Savfet Paschas Essad Bey designtrt. Bericht über den siebzehnten Berbandstag des Hessischen jlnter- verbands der deutschen Erwerbs und Wirthschafts-Genossenschasten zu Fulda am 19. uud 20. Juni 1879*). (Fortsetzung.) Anknüpfend an die in Alsfeld stattfindende Revision durch besondere geeignete Revisoren, erklärt sich der Verbandsdirector zur Vermittelung bei eintretendem Bcdürf- niß bereit und referirt als Vertreter Cassels für den dortigen Creditverein, über dessen Geschäftsergebnisse der sehr ausführliche Geschäftsbericht, auf welchen sich Redner bezieht, Auskunft giebt. Die Vereinsleitung ist zur Bildung einer Spccialreserve bereit gewesen und unterbreitete der Generalversammlung einen dahin zielenden Vorschlag, mit der Motivirung, diesen Fonds neben dem Hauptzweck der Tilgung von Verlusten auch für den Fall zur Ausgleichung von schwachen Dividenden heranzuziehen. Die Generalversammlung lehnte indessen den Vorschlag ab. Bezüglich der gestellten Anfragen wird erklärt, daß Creditgesuche von Aufsichts- räthen wie die anderer Mitglieder behandelt werden. Die Probe-Instruction der Anwaltschaft gilt schon seit Jahr und Tag und wird demnächst in die Statuten ausgenommen- Blancocredit wird nicht gewährt. Es existirt zwar eine facultatioe Beleihung der Stammantheile, es wird aber nur ein sehr geringer Gebrauch von der Beleihung Seitens der Mitglieder gemacht, da gegenwärtig noch nicht 2 pCt. des eigenen Vermögens beliehen sind. Betreffs der Gewerbesteuerfrage berührte Redner die Verhältnisse des Gießener Vereins, welcher diejenigen Bestimmungen, welche den Behörden eine Handhabe zur Heranziehung zur Gewerbesteuer bieten konnten, aus seinem Statut ausgemerzt habe, trotzdem diese Steuer aber doch zahlen muß. Cassel glaubte bei Beschränkung der Geschäfte auf die Mitglieder von der Steuer entbunden zu sein, es ist indessen jetzt der Nachweis gefordert worden, daß der Verein zu Nichtmitgliedern nur als Empfänger einzelner Darlehen in Beziehung trete und daß durch andcrweite bindende Festsetzungen der Betrieb sonstiger Bankgeschäfte bei ihm ausgeschlossen sei, daß also z. B. das Discontiren und Cinkassiren anderer, als der von den Mitgliedern statutgcmäß auszustellenden Wechsel oder Anweisungen, bcr An- und Verkauf von Werthpapiercn und die Vermittelung derselben, der Contocorrent-Verkehr rc. bei seinem Geschäftsbetriebe ausfalle. Es bliebe demnach nur die Aufnahme einzelner Darlehen, nicht einmal die An*) In Nr. 174 unseres Blattes vom 30. dss. ist in dem Anfang des Berichts über den Verbandstag von einem Deficit von 60,000 V4L die Rede, welches der Vorschuß-Verein von Allendorf zu verzcicknen hat. Wir bemerken heute ausdrücklich, daß dieses Deficit nicht den Spar- und Vorschuß-Verein zu Allendorf a. d. Lumda, sondern den Vorschuß-Verein zu Allendorf au der Werra, Reg.-Bez. Kassel trifft. Die Redaktion. nähme von Spareinlagen und die Ausgabe von Vorschüssen übrig, eine Anforderung, welche den Verein in die primitivste Stufe seiner Entwickelung zurückversetzen würde. Es hat dieserhalb der Vorstand des gedachten Vereins beim Anwalt angefragt, und es geht aus der verlesenen vom letzteren erthcillen Antwort hervor, daß der Anwalt die Aussichten für Erhaltung der Gewerbefreiheit für ungünstige hält, doch fordert er die Vereine auf, sich so lange und entschieden als möglich zu wehren. Der Casseler Verein ist nun auch gegen die Auflage vorstellig aeworden, indem er ausführte, baß der Verein kein Gewerbe betreibt, und ebensowenig von einem Erwerb die Rede sein könne. Eine Antwort hierauf ist noch nicht erfolgt, es steht aber zu befürchten daß schließlich die Steuer doch bezahlt werden niuß*). Parisius hält die Besteuerung der Vereine in Preußen für gesetzlich unzulässig. Er confiatirt eine vorhandene ungünstiae Strömung gegen die Vorschußvereine bei der Negierung und einzelnen Parteien und räth, die Vertreter der einzelnen Städte im Abgeordnetenhause über ihre bezüglichen Ansichten zu interpelliren, damit diese event. veranlaßt werden, sich über die streitigen Fragen zu informiren. Von Dodenau war kein Vertreter zur Berichterstattung erschienen. Ueber Friedberg referirte Scriba, daß der Umsatz bis zum Jahre 1874 stetig gestiegen, von da aber abgenommen habe, so daß jetzt in 1878 ca. 2 Mill. JL weniger umgesetzt seien. Im abgelaufenen Jahre ist der erste Verlust von Jt 6000 durch Wechseldiscontirung eingetreten, welcher indcß dem Vorstand, dem Decharge ertheilt wurde, nicht zur Last fällt. Der Verein hat neue Statuten entworfen, kraft welcher der Geschäftsantheil obligatorisch auf 500 erhöht werden soll, auch werde der Procentsatz, bis zu welchem der Reservefonds gesteigert werden soll, erheblich erhöht werden. In Bezug auf Behandlung von Creditgesuchen der Aufsichtsrathsmitglieder existirt kein Unterschied mit den Gesuchen anderer Mitglieder, in Bezug auf Creditbestimmung ist im Statut nichts vorgesehen, doch existirt ein gemeinschaftlicher Beschluß des Vorstandes und Aufsichtsraths, daß nicht über den Betrag von JL 15,000 bewilligt wird. Wegen der Probe-Instruction für den Aufsichtsrath ist noch nichts geschehen, doch soll bei dem neuen Statut darauf Rücksicht genommen werden. Der Verein zahlt seit einigen Jahren ruhig Gewerbesteuer, sogar mußte, da mit Nichtmitgliedern Geschäfte gemacht wurden, eine Dcfraudationsstrafe entrichtet werden. Ein Delcredere-Rescrvefonds neben einem Haupt-Reservefonds ist vorhanden; Redner fragt bezüglich desselben, ob die Bildung desselben nach den Statuten gerechtfertigt sei, was der Verbandsdirector bejaht; nur hält es der Letztere für richtiger, den betr. Betrag nicht fortlaufend als Uebertrag auf das Gewinn- und Verlust-Conto, sondern auf ein bestimmtes Superreseroefondsconto zu buchen. Meißner-Frankfurt theilt, um etwaigen juristischen Bedenken entgegenzutreten, mit Bezug auf ein Erkenntniß des Reichsoberhandclsgerichts mit, daß der Fall bei den Vorschußoereinen anders als bei den Actiengesellschaften liegt; letztere sind durch das Gesetz zur vollständigen Vertheilung des gesammten Gewinns nach Abschreibung des nach den Statuten dem Reservefonds zuzuweisenden Antheils verpflichtet, während bezüglich dieses Punktes bei den Genossenschaften die Generalversammlung vollständig souverän ist. Hiergegen bemerkt Scriba, daß bei dem Friedberger Verein der Wortlaut der Statuten mit der Bildung eines Superreseroefondsconto in Widersprnch zu stehen scheine. Parisius tritt der Ansicht von Meißner bei, räth aber, in die Statuten bezügliche Bestimmungen aufzunehmen, da bei den verschiedenen Vereinen die Statuten sich über diesen Punkt nicht klar äußern; ebenso empfiehlt derselbe warm die Bestimmungen des Musterstatuts, welche von der Festsetzung eines Maximalcredits und der Stellung des Aufsichtsraths handeln. (Fortsetzung folgt.) *) Inzwischen ist die Heranziehung des Vereins zur Gewerbesteuer erfolgt. Lokales. Gießen, 31. Juli. Von zwei Schulknabcn wurde gestern im Schiffenberger Walde das Skelett eines Kindes gefunden. Eine Hand von demselben, an welcher noch die Sehnen erhalten sind, brachten die Knaben mit. Heute Morgen begab sich eine Commission nach der Fundstätte, um die Ueberreste vollständig zu sammeln und allenfallstge Merkmale, ob hier ein Mord 2c. vorgelegen, vielleicht zu constatircn. — Bis heute konnte die Persönlichkeit des Selbstmörders, welcher gestern im Walde erhängt gefunden worden, noch nicht festgestellt werden. — Das „Darmstädter Haus", welches einen neuen Anstrich erhalten, wurde heute Nacht in der rohesten Art beschmiert und mit Koth beworfen. Ein Flegelei, welche eine exemplarische Strafe verdiente. — In Kaffel wurde einem Reisenden ein Portemonnaie mit goldenem Ringe, Medaillon und Schaustück aus dem Beinkleid entwendet. Nach hierher gelangter Mittheilung wurde der Dieb in der Person eines jungen Bürschchens von hier, Sohn braver Eltern, ermittelt. Vermischtes. Frankfurt, 29. Juli Die „Franks. Nachrichten" melden: In dem Hause Bergweg Nr. 10 erhielt ein 17 Jahre altes Dienstmädchen (Sophie Baisch aus Böcklingen bei Stuttgart) am vergangenen Freitag Nachmittag Auftrag, nach dem Bügelfeuer zu sehen, damit dasselbe nicht ausgehe. Die Hausfrau hörte kurz danach einen fürchterlichen Knall, und als sie nach der Küche eilte, sah sie das Mädchen am ganzen Leibe lichterloh brennen. Dasselbe hatte, um das Feuer zu hellerer Gluth anzufachen, eine Blechkannc mit Petroleum ergriffen, und das Petroleum über das Feuer ergoffen, in Folge dessen die Kanne explodirte und deren brennender Inhalt sich über das Mädchen ergoß. Auf das Hilfegeschrci eilten mehrere Hausbewohner herbei, welche das brennende und schreiend aus einem Zimmer in das andere rennende Mädchen erfaßten, zu Boden warfen und mit einem über dasselbe geworfenen Teppich die Flammen erstickten. Nachdem die Flammen gelöscht und die Kleider entfernt waren, zeigte es sich, daß Hals, Brust und Arme vollständig verbrannt und von der Haut entblößt waren. Der herbeigerufene Arzt bezetchnete die Brandwunden als lebensgefährlich; die Unglückliche wurde sofort ins Heiliggeist Hospitat verbracht, wo sie am Sonntag früh verstorben ist. (Diese Fälle wiederholen sich in neuerer Zeit derart, daß in jeder Haushaltung, wo Petroleum verwendet wird, die allerdringendste Verpflichtung vorliegt, dem Dienstpersonal die Gefahr einer mißbräuchlichen Anwendung klar zu machen, da dieselbe fast jedesmal eine Lebensgefahr involvirt.j Frankfurt, 29. Juli. Am 25. d. M. hielt die Gartenbau-Gesellschaft eine Sitzung für Landschaftsgärtnerei ab, in welcher u. A. die Frage lebhaft erörtert wurde, ob die jetzige abnorme Witterung einen günstigen oder ungünstigen Einfluß auf die Entwickelung der landschaftlichen Erzeugniffe der Natur ausgeübt habe. Wie es dieses Jahr mit den Feldfrüchten beschaffen ist und was ix Folge des vielen Regens für eine Ernte zu erwarten steht, dürfte allgemein als bekannt gelten, weniger aber, wie Den Bäumen, Sträuchern re. die Feuchtigkeit zusagt. Seltsam mag cs wohl klingen, wenn wir die Thatsache erwähnen, daß wir in diesem Sommer bei Weitem weniger Näffe haben, als in früheren, zumal im letztvergangenen, wo, um nur ein Beispiel anzuführen in der Baumschule des Herrn Ibach hier Gräben gezogen werben mußten, um die Feuchtigkeit abzulenken, während im jetzigen Jahre dieses durchaus noch nicht nothwcndig wurde und man noch ungehindert dieselbe betreten kann. Im Allgemeinen steht es fest, daß die Feuchtigkeit der Landschaftsgärtnerei bis jetzt einen Schaden nickt gebracht hat. Zwar sind die buntblätterigen Pflanzen nicht so schön, wie früher; bei der Teppichgärtnerei treten dte Farben und Nuancen nicht so effektvoll hervor, als sonst, wenn die Sonne Tage und Wochen lang darauf gebrannt hat, und »affen auch die blühenden Sachen noch Manches zu wünschen übrig, weil der Boden ^noch nicht richtig von den Sonnenstrahlen durchwärmt wurde, so ist doch bei Bäumen und Sträuchern der Einfluß der fortwährenden und theilweise warmen Regen cm unverkennbar guter. Noch keinmal war die Baumvegetation so üppig entwickelt, noch nie war das Laubwerk so dicht und frisch als jetzt. Das Lcrsbacher- und Lahn- thal, die Bergstraße, der Goldne Grund u. s. w. prangen in einer Schönheit der Vegetation, wie noch selten. Ob aber eine solche Entwickelung bis zu ihrer äußersten Grenze als eine normale angesehen werden kann und für die Zukunft nicht von etwaigem Nachtheil ist, muß dahingestellt bleiben. Erwünscht wäre jetzt ein mindestens vierwöchiger ununterbrochener Sonnenschein, damit die Erde sich noch gleichmäßig erwärmen kann und Den Pflanzen ein normales Negetiren und Reifen der Triebe ermöglicht. — Sodann wurde noch der giftigen Eigenschaft des in letzter Zeit vielgenannten Cytisus Laburnum (Goldregen) Erwähnung getban, welche nicht sowohl in Dem Holz oder Den Blättern zu suchen ist, als vielmehr in Den gelben Blüthcn und Samen. Bekanntlich ist diese Pflanze sehr dem Hasenfraß ausgesetzt; hauptsächlich Die RiuDe wird von diesen Thieren im Winter mit Vorliebe abgenagt. Schließlich wurDe über einige einheimische schöne Farrenkräuter, die sich zur Bekleidung von Mauerwerken, Felsen rc., andere wieder im Schatten hoher Bäume, wo kein Gras mehr wächst, bestens verwenDen laffen. gesprochen und dieselben zur Anpflanzung warm empfohlen. Auch wurde noch aus den eingelaufenen Gartenzeitschriften eine Abbildung von Achyranthes acuminala quadricolor als neue Pflanze zur Verwendung von Teppichbecten zur Ansicht herumgezeigt. _ (2a*5 eß' \ J Mil un billig ^Ü'submil Sfa (innen N'ch Msind »tten J auf tiefem einen ß (CB renn heute no urvLeistungLsaW Franks' gclf au- Nord« fntrotnbet. Mbtty- 5037) Subn der Bau-Arbeil a) eines W baudes si eines Me schuppens e wie einest gekÄ!M beiMÄnb b) linlMa» Wen unb fw:t eines /Mtdäud fern. ÄeWhrung getrenn prr0en werden. Münzen, Be Mttzeichmfse L-i unfeim Beiri Mrenit Hierselbst .'«Her Frm t-lchcm Ätziem greife von 75 H j bin jungen ic M iDflen werben kömi Offerten sind an Freitag den ]