Mo. 14« Samstag, den 22 Juni 1878. Kichener "Anzeiger Anzcize- und Amtsblatt für int Kreis Gießen. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags Redaetionsbnrean: Gartsnstraße 8. 165. ExpeditionSburean r Schul st raße 8. 18. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf. Amtlicher Hheil. Bekanntmachung. Dieser Tage ist der Hund eines hiesigen Einwohners in der Veterinäranstalt an der Tollwuth verendet. Der Hund hatte kurz vorher sich auf der Straße mit mehreren Hunden herumgebifsen. Es wird deßhalb zur Verhütung von Unglucksfällen hiermit für die Stadt Gießen auf Grund des Artikel 261 des Polizei-Straf-Gesetzes verordnet: Alle Hunde in der Stadt Gießen sind bis auf Weiteres in den Hofraithen in sicherer Verwahrung zu halten. Ausnahmen sind nur gestattet für diejenigen Hunde, welche mit einem das Beißen vollständig verhindernden Maulkorb von Draht versehen sind. Zugleich wird auf die Artikel 259 und 260 des Polizei-Stras-Gefetzes hingewiesen, wonach der Polizei alsbald Anzeige zu machenlst, wenn bei einem Hunde Anzeigen der Tollwuth beobachtet werden, oder ein Hund von einem der Tollwuth verdächtigen Hunde gebissen worden ist. Gießen, den 20. Juni 1878. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann. tueller und sittlicher Beziehung bezwecken. Was wir bekämpfen, ist die Geltendmachung von Sonder-Jnteresien, durch welche Staat und Gesellschaft zersetzt werden. Darum treten wir allen Versuchen, welche das derzeitige Darniederliegen unserer wirthschaftlichen Verhalt- nisie zur Bildung einseitiger Jnteresien-Parteien benutzen möchten, um gleich der Socialdemokratie für ihre nicht selten durch eigene Schuld geschädigten Interessen Staatshülfe auf Kosten aller Uebrigen zu fordern. Nur allzusehr wird das nothwendige Ansehen der Gesetze und der Staatsgewalt auch durch solche Parteiungen untergraben, welche unter conservativer Firma die heute unter der Sanction des Kaisers und der Verantwortlichkeit des Reichskanzlers erlassenen Gesetze morgen im angeblichen Jnteresie derselben Staatsautorität als die Quelle alles Nebels verdächtigen. Die volle Autorität des Gesetzes und der Staatsgewalt wird nur dann gesichert werden, wenn nicht nur die Parteien, sondern auch die Regierungen von der Ueberzeugung sich durchdringen lasten, daß die Kraft des politischen Handelns nicht im beständigen Kampfe, sondern im engsten Zusammenwirken mit der Mehrheit Ver Volksvertretung beruht. Nach wie vor hält unsere Parte, an der Ueberzeugung fest, daß der Ausbau des jungen Deutschen Reiches nur auf den Grundlagen staatsbürgerlicher und wirthschaftlicher Freiheit, gleichen Rechtes und parlamentarischer Verfaffung erfolgen kann. Hier liegt die Macht, welche die Erschütterungen des Augenblicks überwinden und den zugleich starken und freien Staat über alle Umsturzgelüste wird triumphiren lassen. Wähler 1 Die Wahlen fallen in eine Zeit, wo die Nation ihre Ehre angetastet sieht durch Zur Wahlbewegung. Auch der Wahlaufruf der Fortschrittspartei ist jetzt erschienen. Derselbe ' lautet: Wähler I Der Reichstag ist aufgelöst. Die Neuwahlen stehen in weni- , gen Wochen bevor. Nach den Erklärungen der Relchsregierung kommt es , darauf an, Abgeordnete zum Reichstage zu wählen, welche der Socialdemokratie kräftig entgegentreten. Für die deutsche Fortschrittspartei ist dies keine neue Ausgabe. Sie hat von jeher in der vordersten Lime des Kampfes gegen die Socialisten gestanden. Von dem ersten Auftreten Lasalle's gegen Schulze- Delitzsch an bis in die letzten Tage des aufgelösten Reichstages ist sie stets einer Partei entgegengetreten, von der sie sofort erkannte, daß deren Bestrebungen unvereinbar seien mit der politischen und gesellschaftlichen Ordnung der Nation, verderblich für die wirthschastliche Entwickelung und die Freiheit des Ganzen, wie jedes Einzelnen. Die Fortschrittspartei hat den Kampf gegen die Socialdemokratie ausgenommen zu einer Zeit, wo es noch zweifelhaft erschien, ob nicht die Regierung sich des Beistandes derselben gegen die Liberalen versichern wollte. Sie hat den Kampf geführt vor den Wählern, in der Presse, in den Parlamenten. Sie wird auch nicht müde werden, den Kampf mit Nach druck und Entschiedenheit fortzusetzen, und den Ehrenposten, auf welchen sie in demselben getreten ist, zu behaupten. Die deutsche Fortschrittspartei erwartet einen bleibenden Sieg der staatserhaltenden Kräfte nur auf dem Boden des gemeinen Rechtes. Sie verlangt von der Regierung rasche und starke Niederwerfung jedes Versuches einer gewaltsamen Bedrohung der Rechtsordnung, strenge und unparteiische Handhabung der Gesetze gegenüber jeder Ausschreitung. Sie ist bereit, jede Vorlage der Regierung vorurtheilsfrei zu prüfen, welche Verbesserungen der bestehenden Gesetzgebung in dieser Richtung erstrebt. Aber die Fortschrittspartei muß es ablehnen, den Gegensatz der Klassen, wie ihn die Socialdemokratie thatsächlich aufreißt, gesetzlich anzuerkennen. Nach ihrer Ueberzeugung würde die Geschichte auch diesmal keine Ausnahme machen von der Lehre, die ste predigt, daß eine Bewegung der Geister mit geistigen Mitteln zum Stillstand gebracht werden muß, und eine Rückkehr der Gesetzgebung zur Rechtsungleichheil und damit zur Ungerechtigkeit und Willkür eine solche Bewegung eher schüren und aus der Oeffentlichkett in das Geheimniß gefährlicher Verschwörung zwingen würde. Auch über diesem Kampfe wird die deutsche Fortschrittspartei wie bisher niemals vergessen, alle diejenigen Einrichtungen kräftigst zu fördern, welche die Hebung der Arbeiter in wirthschaftlicher, intellec- zwei kurz auf einander folgende Mordversuche gegen das geheiligte Haupt ihres Kaisers. Aber die Treue, Hingebung und Verehrung, welche daS deutsche Volk dem Kaiser weiht, bekunden zugleich, wie fest das Deutsche Reichen den Herzen seiner Bürger verankert ist. Im vollen Einklang dieser Gefühle weist die deutsche Fortschrittspartei mit Entrüstung jeden Versuch zurück, die tiefgehende Bewegung dieser Tage zu Gunsten einseitiger Parteiungen und reactionärer Bestrebungen auszubeuten. Wähler, vergesset nicht über die Erregung des Augenblicks, daß der neue Reichstag nicht blos berufen sein wird, Maßnahmen gegen die Socialdemokratie zu berathen, sondern daß er für drei lange Jahre gewählt, in diesem Zeiträume die schwerwiegendsten Fragen der wirthschaftlichen Ordnung, der Organisation i r Reichsvcrwaltung und der künftigen Gestaltung des Mtlitärdienstes zu entscheiden haben wird. Es gilt den Volkshaushalt gegen neue Steuerbelastung, große Erwerbszweige gegen Beunruhigung durch bedenkliche Projecte, wie Tabaksmonopol, Reichseisenbahnen rc., sicher zu stellen. Unsere Partei hat in allen diesen Fragen eine klare und offene Stellung eingenommen, und bedarf dafür keines neuen Programms. Am Volke ist es jetzt, der deutschen Fortschrittspartei im Parlamente neue Kraft zu verleihen, um ihre alte feste Stellung gegen jeden Ansturm wirksam zu behaupten. Berlin, 17. Juni 1878. Namens der deutschen Fortschrittspartei: Bernhardt. Büchner. Bürgers. Büxten. Eberty. Eysoldt. Grünhagen. Haenel. Max Hirsch. Hoffmann. Hermes. Hausmann. Klotz. Knoercke. Karsten. Langerhaus. Ludwig Löwe. Mendel. Parisius. Eugen Richter. Runge, v. Saucken-Julienselde. L. Schwarz. Straßmann. Schulze-Delitzsch. Träger. Virchow. Wulfshein. Zelle. Zimmermann. Deutschland. Berlin, 18. Juni. Es sind in neuerer Zett runde Filzhüte in den Handel gekommen, deren Schweißleder weißes Blei-Oxyd enthält. Da Blei- Oxyd ein Gift und geeignet ist, die menschliche Gesundheit zu gefährden, so soll vor dem Ankäufe derartiger Hüte gewarnt werden. — Das Reichs-Oberhandelsgericht hat kürzlich durch Erkenntniß den wichtigen Grundsatz aufgestellt, daß den Töchtern eines bei dem Eisenbahnbetriebe getödteten Mannes gegen den Betriebsunternehmer ein Anspruch auf Ausstattung aus dem Reichs-Haftpflichtgesetze vom 7. Juni 1871 nicht zusteht. — Das „Wolff'sche Telegr.-Bureau" hat vor einigen Tagen eine Meldung der „Agenzia Stesani" reproducirt, nach welcher der Cardinal Franchi im Auftrage des Papstes an die Organe des Kirchenregiments in Deutschland die Weisung gerichtet hätte, den Socialismus zu bekämpfen. Diese Nachricht ist jedoch unbegründet und eine solche Weisung von Rom aus nicht ergangen. Der Socialismus ist vom vorigen Papste als Irrlehre verflucht worden;, aber denselben zu bekämpfen, ist den bischöstichen Behörden Deutschlands nicht besohlen worden. r . f . — Die Entscheidung über das Gesuch derjenigen Tabakshändler und Tabakssabrikanten, welche im Anfänge dieses Jahres massenhaft Tabak impor- tirt haben, ihnen den jetzt fälligen Einfuhrzoll noch weiter zu stunden, wird, wie es heißt, ablehnend ausfallen. r-r z , Berlin, 19. Juni. Ein Artikel der „Provinz. Corresp.", überschrieben die „Verantwortung für die Auflösung des Reichstages", kommt zu dem Schluß, daß die Regierung so wenig aus der nationalliberalen Presse wie aus dem eigenen Verhalten des früheren Reichstages irgend einen Anhalt für die Annahme gewinnen konnte, daß sie auch bet jenem bereitwillige und entschlossene Unt^- stützung gegen die Socialdemokratie hätte finden kö-meu. „Die tiefere ursächliche , Verantwortung für die Auflösung fällt der Mehrheit des Reichstages zu, vor i allem der nationalliberalen Partei in ihrer bisherigen Zusammensetzung und ! Leitung. Die unmittelbare politische Verantwortlichkeit wird die Regierung > willig vor der Nation und vor der Geschichte tragen. Sie hat zunächst die Genugthuung, daß fofort nach der Auflösung die bisherigen Gegner sich für entschlosiene Mitwirkung im Kampfe gegen die Ausschreitungen der Social demokratie erklärten. Die Regierung darf darin die Bestätigung ihrer Urberzeugung finden, daß das Volk selbst in seiner großer Mehrheit ihre Ziele und Wege billigt und dieser Billigung voraussichtlich bei den Wahlen Ausdruck geben wird. Die Aufgabe aller ernsten Freunde der Regierung des Kaisers wird es sein, die patriotisch-gesinnten Wähler vollzählig um das kaiserliche Banner zu sammeln und möglichst darüber aufzuklären, inwieweit die verschiedenen Parteien und Wahlcandidaten genügende Bürgschaft für die Unterstützung der Regierung in Lösung ihrer großen Aufgaben gewähren. Sie bedarf dazu, um es zu wiederholen, im künftigen Reichstage einer Mehrheit klar bewußter, festentschlossener Männer, welche ernst und aufrichtig helfen wollen, die drohenden Gefahren für Staat und Gesellschaft wirksam zu beschwören und sichere Grundlagen für einen neuen Aufschwung politischen und wirthschaftlichen Gedeihens des deutschen Volkes zu schaffen." Leipzig, 19. Juni. Eine Anzahl hervorragender Bürger, Professoren, Reichsgerichtsräthe und die bisherigen Reichstagsmitglteder Brockhaus, Geuse! und Stephani veröffentlichen eine Erklärung, worin auf die Nothwendigkeit der Vereinigung aller Freunde der Ordnung ohne Unterschied der Parteien hingewiesen und das Vertrauen ausgesprochen wird, daß die Reichsregierung alle Maßnahmen treffe zur Beseitigung der von den Socialisten geschaffenen Gefahr und worin endlich der Erwartung Ausdruck gegeben wird, daß der Reichstag der Reichsregierung die durch die außerordentliche Sachlage gebotenen Machtvollkommenheiten vertrauensvoll ertheile. Die Pflicht jedes Bürgers sei, die Regierung selbstthätig zu unterstützen. Türkei. Konstantinopel, 19. Juni. Der Zwischenfall in Betreff der von den Ruffen errichteten Observatorien wurde betgelegt. Demungeachtet betreiben die Russen aus's Thätigste ihre Vorbereitungen. Die Positionen derselben in der Richtung gegen Bujukdere wurden verstärkt. Gestern trafen in San Stefano zwei russische Truppentransporte ein. Die Ruffen erneuern die Forderung der Räumung Varnas. Telegraphische Depesche». Wagner'S telegr. Eorrespondenz - Bureau. Weimar, 20. Juni. Für den dritten Wahlkreis des Großherzogthums Sachsen-Weimar (Neustadt-Jena) haben National-Liberale und Gemäßigt-Con- servattve den früheren Minister Delbrück als Reichstags-Candidaten aufgestellt. Paris, 20. Juni. Die alljährlich übliche Truppen-Revue im Bois de Boulogne fand heute statt; an derselben nahmen ungefähr 35,000 Mann Theil. Eine große Menschenmenge wohnte dem vom Wetter begünstigten Schauspiele bei. In der Begleitung des Präsidenten der Republik befanden sich viele fremde Officiere. Unter den Zuschauern auf der Tribüne war auch der Schah von Persien. Berlin, 20. Juni. Bet dem kronprtnzlichen Paare (im neuen Palais zu Potsdam) findet heute zu Ehren der österreichischen und russischen Congreß- Delegirten Diner statt, zu welchem etwa 50 Einladungen ergangen sind; darunter auch an einige Minister und Botschafter; Hohenlohe und Gortschakoff ließen sich entschuldigen. Der Kronprinz empfing gestern die rumänischen Minister Bratiano und Cogalniceanu. Berlin, 20. Juni. Bulletin. Se. Maj. der Kaiser hat vergangene Nacht sehr gut geschlafen. — Heute Abeild um 6 Uhr findet im Hotel Royal bei dem Grafen Corti ein diplomatisches Diner statt, wozu sämmtliche Congreßbevollmächtigten, Botschafter rc. eingeladen sind. Außer dem Fürsten Gortschakoff werden sämmt- ltche Delegirte an dem Diner theilnehmen. Um 9 Uhr ist Soiröe im Kaiserhose bei Lord Beaconsfield. ,, Berlin, 20. Juni. Bulletin von Vorm. 10 Uhr. Der gestrige Tag ist für Se. Maj. den Kaiser in günstiger Weise verlaufen. In Folge einer sehr ruhigen Nacht ist der Krästezustand ein erwünschter. Seit gestern sind die ersten Gehversuche mit Erfolg angestellt worden. (Unterz.) v. Lauer, v. Langenbeck. Wilms. Dublin, 20. Juni. Cardinal Cullen ist aus Rom zurückgekehrt; es heißt, derselbe hätte wichtige vom Papst ausgegangene Schriftstücke, betr. die geheimen Gesellschaften, mitgebracht. Berlin, 20. Juni. Die aus dem bekannten Artikel der „Karlsr. Ztg." deducirte Conjectur, daß Fürst Bismarck im Bundesrathe zu Anfarrq voriger Woche in Betreff der einstimmigen Annahme des Antrages aus Auflösung des Reichstages die Cabinetsfrage gestellt habe, erledigt sich durch die notorische Thatsache, daß der Fürst den betr. Sitzungen des Bundesrathes gar nicht beigewohnt hat. — Heute Mittag findet eine Sitzung des Staatsministeriums statt, in welcher dem Vernehmen nach über die beim Bundesrathe einzubringenden Vorlagen, betr. die Bekämpfung der Socialdemokratie, berathen werden soll. Darmstadt, 21. Juni. Die zweite Kammer ist auf den 28. Juni einberufen. Berlin, 21. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die aussühr- ltche Erklärung der Leibärzte über das Befinden des Kaisers war, wie aus ihren Worten hervorgeht, bestimmt, allzu hoffnungsvollen Auffaffungen über die baldige Wiederherstellung des Kaisers entgegenzutreten, besonders wohl den Notizen von einem schon nahe bevorstehenden Wechsel der Residenz und von einer Badereise. Diese Veröffentlichung hat nun, wie es in solchen Fällen zu geschehen pflegt, die Stimmung nach der entgegengesetzten Seite geworfen und an vielen Stellen einen Pessimismus verbreitet, der in den wirklichen Umstän- den keinen Anhalt findet. Auf Grund zuverlässiger Mittbetlungen kann versichert werden, daß der Kronprinz sich gestern gegenüber Officieren, die sich bei ihm meldeten, dahin aussprach, daß die Hoffnung auf Wiederherstellung des Kaisers nur nicht in so kurzer Zett, wie angenommen worden sei, zuversichtlich gehegt werde. Eine von der „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlichte Erklärung Lothar Bucher's stellt die von Marx in seinem Schreiben an die „Daily News" aufgestellten Behauptungen dahin richtig, daß Bucher 1865 vom Redacteur des U ,/>L>taats-Anz." ersucht wurde, ihm Jemand in London nachzuweisen, der von Zeit zu Zeit sachverständige Besprechungen der Bewegungen des dortigen Geldmarktes liefere. Bucher erinnerte sich einer ihm vom Banquier Gerstenberg in London gemachten Mitthetlung, daß Marx für ein Wiener Blatt correspondire, und fragte daher bei Marx an, ob er solche Artikel, wie gewünscht, liefern wolle, woraus Marx antwortete, er schreibe nicht für ein reaclionäres Blatt. Bucher erklärt ferner: Er habe das Journal der Internationale, den „Vorboten", mit anderen ähnlichen Blältern Jahre lang gehalten und den Preis dafür an die in dem Journal bezeichnete Abreffe gesandt, das seien die Bei« träge von ihm, wovon Marx spreche. Endlich habe er (Bucher) bereits 1864 in einem an den damaligen Präsidenten des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins gerichteten Schreiben allen durch das Testament Laffalle's ihm überwiesenen Ansprüchen in Betreff der agitatorischen Schriften Laffalle's entsagt. Berlin, 20. Juni. Die Delegierten der französischen Alliance israälite haben Besuche bei fast allen Congreßmitgliedern gemacht und sind überall sehr günstig empfangen worden. Allseitig wurde die Nothwendigkeit der Gleichstellung aller Religionsangehörigen in den Do.iausürstenthümern und im neuen Bulgarien anerkannt. Berlin, 21. Juni. Se. Maj. der Kaiser hat die Rächt hindurch mit einer Unterbrechung ruhig geschlafen.__ Erklärung. In unserer Stadt ist in verschiedenen Formen das Gerücht verbreitet worden, der seitherige Abgeordnete für den Reichstag, Freiherr Adalbert von Rabenau, sei ein Anhänger des Tabak-Monopols und werde bet etwaiger Wiederwahl für dieses stimmen. Obwohl nun Herr v. Rabenau den drei an ihn gesandten Deputirten der hiesigen Tabaksfabrikanten entschieden das Gegentheil erklärt hatte, so wurde doch obiges Gerücht in immer weitere Kreise getragen Da es für unseren Wahlkreis von der größten Wichtigkeit ist, daß Der künftige Abgeordnete dem Projekt, die Tabaksfabrikation zu monopollsiren, entgegentritt, so sah der Unterzeichnete sich veranlaßt, Herren v. Rabenau über seine Stellung zum- Monopol und zur Fabrikatsteuer zu befragen. Er erwiderte, daß er sich überall dagegen ausgesprochen, dagegen gestimmt habe und, wenn er wieder gewählt werden sollte, unbedingt dagegen stimmen werde. Dagegen glaubt er, daß der Tabak eine höhere Steuer recht wohl vertrage. Herr v. Rabenau hat den Unterzeichneten ermächtigt, seiner mündlichen Erklärung jede geeignet scheinende Verbreitung zu geben. Angesichts der bevorstehenden Reichstagswahl und der Versuche, die seitherigen Majoritäten zu sprengen oder Spaltungen unter den Wählern hervorzurufen, ist es nicht unwichtig, das oben Eingangs erwähnte Gerücht als ein absolut falsches zu bezeichnen. Gießen, den 20. Juni 1878. Th. Batst. Vermischtes. Darmstadt, 19. Juni. Im Hinblick auf das entsetzliche Griesheimer Unglück sei bemerkt, daß die Militärbehörde für Angabe des Ortes, wo ein nicht crepirtes Geschoß liegt, 2 zahlt, wahrend die „Kugelsucher" ein solches Geschoß höchstens für 3 JL bet gewissen Firmen verwerthen können. Nidda, 16. Juni. (Hochwasser.) Der gestrige Tag war für un8 ein Tag schwerer Sorge. In der Nacht von vorgestern aus gestern hatte eS unaufhörlich und sehr stark geregnet. Dazu kam, daß östlich von unserer Stadt ein Wolkenbruch gefallen war, der besonders in dem benachbarten Fauerbach große Verwüstungen angertcht't haben soll. Dadurch schwoll die von Osten kommende „Hohensteiner Bach", gewöhnlich ein ganz kleines Wässerchen, gewaltig an und überschwemmte und verwüstete die oni ihr durchströmten Wiesen und Felder Doch war dieses Wasser, da es nur etwa eine halbe Stunde von der Stadt seinen Ursprung hatte, der Natur der Sache nach sehr bald wieder abgeflossen. Größere Gefahr drohte uns von anderer Sette. Es müssen gleichzeitig auch im oberen Vogelsberg sehr schwere Regengüsse gefallen fein; in Folge davon schwoll die Nidda mehr und mehr an, trat aus ihren Ufern, überschwemmte große Flächen Wiese und Feld, und nur wenig fehlte, so hätte sie auch die Stadt unter Wasser gesetzt, und der Schaden wäre dann noch viel größer geworden. Seit gestern Abend ist nun diese Gefahr, Gott Lob! vorüber, aber der angerichtetc Schaden ist auch so schon groß genug. In Nidda ist gestern und heute des früheren Bürgermeisters der Stadt, jctzigen Rechnungtzrathes Reuntng in Gießen, vielfach dankend Erwähnung geschehen. Derselbe hat nämlich vor Jahren schon durch umsichtige Anlegung eines Fluthgrabens die früher der Stadt bet jedem Hochwasser drohende Gefahr der Ueder- schwemmung sehr vermindert. Auch diesmal wären, wenn der erwähnte Fluthgrabcn nicht viel Wasser vorbetgelettet hätte, die Fluthen sicherlich in die Stadt gedrungen. (D- Rchsp.) Mainz, 12. Juni. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten, sollte über eine, für unsere Staat sehr wichtige Frage beschlossen werden. Es handelte sich um Aufhebung des städtischen Octrot's. Der Antrag wurde seiner Zett vom Stadtverordneten Wasserburg gestellt und gelangte hellte zur Debatte. Dte Finanz-Eommtssion war mit Ausnahme des Mitglieds Hillebrand für Ablehnung deS Antrags, da be sonders dem mittleren Stande durchaus keine Vortheile durch Aufhebung des Octro S erwüchsen, principtell roaren jedoch oie meisten Mitglieder dafür, daß das Oclroi eine ungerechte Besteuerung sei, doch sei der Zeitpunkt zur Aufhebung desselben, besonders unter den jetzigen ungünstigen Verhältnifien nicht geboten. Der Antrag wurde nach lebhafter Debatte mit 18 gegen 15 Stimmen abgelehnt. Literarische ST- Victoria, illustrirte Muster - und Modenzeitung Berlin, XXVUI. Jahrgang. Preis pro Quartal 2 M. 40 Pf. Die neueste Modennummer (21) mit Schnittblatt enthalt: Toiletten - Gegenstände für Damen. Dadeschuh aus Segeltuch mit Stickerei. Fichü- mäntclchen mit verschlungenen Aermeltheilen. Gesellschaftshäubchen. Kleiderärmcl. Kleiderbesatz. Mantille „Mercedes" aus schwarzen Spitzen. Sommcranzüae. Sommerpaletot. Strohhut „Eurvdice". Taschentuch mit Spitzenverzierung. 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Nach einer Photographie. — Wiener Bilder. XIV. Unsere Kleinen im Parke. — Der Küchengarten. Arbeiten im Juni. — Kleine Zeitung. — Moden- bericht. — Auflösung des Krvptogramms. — Eorrespondenzen. — Rebus. fandet uno Verkehrs Limburg, 17. Juni. (Fruchtbericht.) Rother Weizen JL 20.20, Weißer Weizen JL —, Korn JL 13.50, Gerste 11.40, Hafer JC 7.60. (Durchschnitts - Preis pre Malter) Franks -ch. «fei' einer7.is aUd) < ygrtunfl . • teL* $1(61 ab SihnioH,” Qualität £2 unsicher- Dringen stehen sich sämnttl Sonntag Höffer in der W 3266) Ein neu raum und einem haltenden Hausgc ist billig zu verka Näheres bei bei ooooooq- s II. Bepl 0 Ludwigs 0 empfieblt si< Q Fach schlagi Q Lieferung o Sopha’s,R o Gallerien-Hc 0 8tets auf La OOOOOOQ %"■ «tt “,lb balllnwo^, «7°uen-ull^ langen. Firner: fl, und 6i G* u' P,t? "orräihig j l3ii th Herren sä Frankfurt, 20. Juni. (Fruchtbericht.) Die Witterung war in den letzten acht Tagen sehr unbeständiger Natur. Fast ein jeder Tag brachte uns bewölkten Himmel und Gewitterregen; unsere Landwtrthe sehnen sich mehr nach trockenem heißem Wetter, und unsere Gettetdehändler würden gerne die Gelegenheit zur Jnscenirung einer Hausse-Bewegung benutzen, wenn nicht die absolute Mutlosigkeit der Müller sowohl, als auch die permanente Stockung des Mehl-Absatzes sie daran hindern würden. So sehr auch et ne Belebung des Geschäftes wünschenswerth erscheint, so können wir besonders Angesichts der überaus großen Zufuhren von Amerika und Rußland an eine Befferung der Preise nicht glauben. Die Rups-Ernte in Ungarn ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben, Deutschland hat weniger als sonst gekauft, während Italien bedeutend kaufte; die Umsätze an unserem Markte lassen noch immer an Lebhaftigkeit zu wünschen übrig. Weizen hatte gleich kleine Frage wie Angebot in feiner Waare; hochprima X 24, hiesige Landwaare X 221/2, fremder X 223/4—23 r r * ffir Gras, Klee u. 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