Bio* 141. Freitag, den 21. Juni 1878. Gießener Wütiger Anitigc- und Amtsblatt für ben Kreis Gießen. ---------------— Z—7—7—, A n 1ßr- , " " " o Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Nringcrlohn. WcMctionSburetu: Gort-nstraß- B 165. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. bic 1, «.im.,,. «... „Ich« ”S ?£.”• Ä 3JJS fi'JSÄÄiSSa S — und jede mitfühlende Seele wird von Grauen und Mitleid erfüllt sein. S Hen' und n der morgenlandlschen Kirche werden, bis auf den heutigen Tag, mit Ausnahme der in ein Kloster ctntretenden Personen, nur verheiratete Männer zu ftebmhtn E?' ’ J1?1* bet rT uuter der geistlichen Jurisdiktion des römischen Pipstes Griechen sind die Priester verheiratet, auf sie findet das (Söltbak nn^^/Lne Anwendung. Nur auf occidentalischen General-Synoden "23 unb 1139 und Trient) wurde der Beschluß gefaßt, daß Ehen der Geist- ra*afY1 arUZ?n5rt8A un-ulasstg seien, und damit das Eölibat-Zwing-Gesetz ^irA»e ^r selbstverftandlich auch nur für die Geistlichen der abendländischen k JPaS Cölibat-Zwang-Gesetz besteht daher, für die Geistlichen in der h?brrbnmHb*^ntft 5k* e' Erst seit dem ".Jahrhundert, und es kann von demselben in L n .E"^k0th°lischen Kirche nur der Papst dispensiren, was auch vielfach von den Päpsten, und zwar mitunter in einem großartigen Maßstabe, geschehen ist. Freilich Gastlichen in den Laien-Stand zurück, und müssen sich von nun an des ihnen durch die Priesterweihe verliehenen Rechtes der Verwaltung der Sakramente fallen. Das Colibat-Zwang-Gesetz für die römisch-katholischen Geistlichen ist daher, WCF a Jn bcr Eiligen Schrift noch in Tradition als eine dogmatische Lehre r?bloesDtsciplinar-Statut für die abendländische römisch-katholische Geistlichkeit. Das Colibat-Zwang-Gesetz verdankt seine wenn wir auf die Lveltgeschtchte blicken, vorzugsweise nur dem Ringen nach Priester-Herrschaft der höheren Geistlichkeit, und ist zunächst eine Folge der Streitta- r^ff^CI\&aprtcti eirnerfdtS' und der weltliche« Macht anderseits, namentlich derjenigen der deutschen Kaiser. ' ' Seit der altkatholischen Bewegung hat sich die Mehrzahl der Altkatholiken stet« §^6hrnnAaUrhn6n ,6d^llchen Behörden ausgehenden Dispensen, namentlich wegen des Mißbrauchs, daß viele derartige Dispensen nur durch Geld zu erlangen waren, aus- an ri*tCrl “u in aufreibenden Conflikt mit der Gattenliebe und dem Ehrgefühle. Schließlich erhalt aber Letzteres die Oberhand. Er entfernt sich aus der gemeinsamen Bebäusung und beantragt die Ebe,cheidung. Er will keine Diebin zur Gattin haben, rjehn Monate später erichemt der Gerichtsbote bei der Frau, sie soll die Gefängnißhaft antteten. Bereitwillig folgte lc b'm Gesetzes, aber unter Mitnahme ihrer drei Kinder. Selbstverständlich von b2 Gerichtsbehörde mst dieser Begleitung zurückgewiescn und aufgefordert, nächsten Tages allein sich zu stellen, kehrt die Unglückliche in ihr verwaistes Heim nach Dorf Körbisdorf in unserer Rahe zurück. Der Gedanke, daß ihre drei Kinder neun Monate lang ohne Mutter, in Roth und Elend leben konnten, umnachtet die >L»eele der Frau. Sie bekleidet die drei Klemen mit ihrem Sonntags- kr rln ‘)01 ^i.a^trwagen, und nach längerer Fahrt stürzt das Weib trotz des mark, erschütterndsten Jammergeschreies der Kinder diese in die Geißel, ein größeres Bachgewasier. Da fahrt die Post vorbei, der brave Postillon, an der Stelle der Unthat angekommen, verläßt seinen Sitz, um zu retten. Zwei Kinder sind bereits Leichen. Das ältere Kind, ein Mädchen von sechs m°°" e‘ntr 8ro6tn™,nae°°" G-m-indm , ^.bluf einen Beschluß ber vorigjährigen Synobe hat bie Synobal-Repralentan, eine Anfrage, bk Colibat-Frage betreffenb, an bie Ministerien von Preußen Baben unb ÄcJ^en ^richtet, unb ist dabei von der Ansicht ausgeganaen daß bte üufheh im "^'Zwang-Gesetzes eine inner-kirchliche Angelegenheit sei.' Die Großherzoglich C m Beantwortung, die etwa dahin zielen könnte, abgrkbnt. Preußische Regierung hat erklärt, daß sie der Auffassung de« G-aen- tandes als eines inner-kirchlichen nicht entgegentrete. Die Groß^erzoglich Baaiicke bes Colibat Zwang-GesetzeS für eine inner-kirchliche Angelegenheit zu erklären für aber etwa ein richterliches Urtheil in Betracht kommen nhXhr?tab'ft bCsbenJefe'^flkrungen selbstverständlich einen Aasspruch m^?CM?nLn^n m SU berücksichtigen, daß in den Ländern, wo bie AltkathoUken her hl» a? wirkliche Katholiken anerkannt gebliebe* sind, öer ben altkatholischen Gemeinben zuständige Antheil an dem bestehenden Ki-'ckienoer- und^ben Dotationen der Pfarreien in Betracht kommt. Wo ganze Gemeinden mit ihrem Seelsorger an ber Spitze, sich für altkatbolilcki erklärt baben namentlich im ®ro|berjogtbum Baden, in vielen Fällen ber Fall ist ist die Frage «ntbdirme^ b C ^euratboItfen ^abcn an diesem Pfarr- und Kirchen-Vermögen keinen Was nun bie Verhandlungen über die betreffende Fraae auf ber hkaHhriA™ Synode anbelangi, so sind die Debatten in einer sehr ernsten und d?r Sache en^pÄ dru würdigen Weise geführt worben, unb ber Beschluß gefaßt wenn icb ibn aurfi wSttlich. wie er formulkt worben ift, boch dem 'Anne nach wiebln kann? * bafe, ba der Priester-Colibat keinen dogmatischen sondern nur einen diS- beft S aKfer2bat/ UnVCfrJ\mtt Rücksicht darauf, daß durch das bestehende Colibat - Zwang - Gesetz ber der geistlichen Jurisdiktion des römischen Papstes unterworfenen Geistlichen vielfach im höchsten Grabe ärgerliche unb bie Sittlichkeit im Volke tief schädigenbe Zustände heroor- gerufen werben erklärt bie altkatholische Synode mit 75 gegen 22 Stimmen hbftVa5? ^te fQr die römisch katholische GMuch- ^o"bat-Zwang-Gesetz für Geistliche, die der altkatholischen Gemeinschaft angeboren, nicht verbindlich sei. ftimmHH^^ft^r0?6 waren 26 Geistliche und 74 Laien anwesend. Bei der Ab- a i^fnhrhApr bhRF fcb/Cn Stimmberechtigte. Die Verhandlungen werden später ausführlicher bekannt gemacht werden. Dr. Wilbrand Vermischte-. W® >‘X.» SS Ä Ä Ä“ ”•* Literarisches. ** (WerthvolleS illustrirtes Prachtwerk nationalen Charakters.) In der -weiten gänzlich umgcarbdtden, bi« zum Jahre 1878 fortgesetzten Auflage liegt jetzt tn zwei stattlichen Bänden vollendet vor: Kaiser Wilhelm, der Wtederhersteller des deutschen Reiches und seine Zett. Ein Gedenkbuck für das deutsche Volk, von Ferdinand Schmidt und Franz Otto. (Leipzig, Veelag von Otto Spamer.) Obwol der Ausstattung nach, im Anschluß an das in demselben Verlage erschienene Buch von Fedor von Koppen .Fürst Bismarck" ein Prachtwerk, kann dieses Gedenkbuch tn Bezug auf Darstellung und Behandlung des Stoffes doch ein Volksbuch im edelsten Sinne bt8 Wortes genannt werden. Den Werth des gedachten Werkes haben Se. Majestät der Kaiser Selbst anerkannt. Im Kaiser!. Kabinetsschreiben vom 31. Januar 1878, an Herrn Ferdinand Schmidt gerichtet, heißt es: „Seine Majestät erkennen e8 mit Vergnügen an, daß Ihre schöne Gabe volksthümltcher Darstellung sich in diesem Buche von Neuem bewährt hat, und daß durch Ihre und Ihres Herrn Mitarbeiters (Fran- Otto) Hingebung an die patriotische Aufgabe der deutschen Nation ein Werk geschaffen worden ist, das ihr die Entwicklung der mit der Wiedergeburt des deutschen Reichs zusammenhängenden Ereignisse in anregender, lebensvoller Weise zur Anschauung bringt. Seine Majestät halten Sich überzeugt, daß sich in diesem Sinne dem Werk die Be- urthetlung der weitesten Kreise -uwenden wird." Gleichzeitig hat das K. Preußische Kultusministerium vom 23. Februar 1878 seine Befriedigung über die Ausführung des Werkes durch Anschaffung einer größeren Anzahl von Exemplaren ausgesprochen, wie denn auch der Vorstand der Berliner Schuldeputation erklärt: „Das Buch mit seinen reizenden Illustrationen ist ein wahres Familienbuch, das in keinem patriotischen Hause fehlen sollte." Sochen gewichtigen Empfehlungen gegenüber bedarf es weiterer Worte nicht. Illustrrrte Iagdzettung. Organ für Jagd, Fischerei und Naturkunde. HerauS- Wbkn vom k. Oberförster H. Nitzsche. S Jahrgang. Nr. 18 enthalt: Von der §""otze von H. o. Clausewitz, mit Bild. - Italienische Jagdbriefe von Freiherr ä,b«-ä " «s ä'Sks» S“ ,,r u”in - '■ •• •- -»-»>« Als Anhang dazu erscheint: Bibliothek für Jäger und Iagdfreunde- Von erfahrenen Fachmännern herausgegeben. 12. Lieferung: Das Jagdschloß Letzlingen vom Jahre 1555 bis auf Don N' v- Meyerinck, Vice-Oberjägermeister Sr. Majestät des Kaisers. B^stell^ 12 3 ** pro Halbjahr. Alle Buchhandlungen und Postanstalten nehmen Kunstnotiz. Wie wir auS zuverlässiger Quelle erfahren, werden die Sänger des „R h e i n i s ch e n Quartetts" am Schluffe nächster Woche mehrere Concerte hier geben, was gewiß von Allen, welche die vorzüglichen Leistungen des genannten Sänger-Quartetts noch non früher kennen, mit Freuden begrüßt wird. — Wird uns auch auf dem Gebiete des Musikalischen so Manches geboten, so steht doch ein gutes Männer-Quartett in seiner Art vereinzelt da, und ist uns noch die Abwechslung der ausgesuchtesten Lieder, sowie die präcise Vortragsweise dieser Herren in so lebhafter Erinnerung, daß wir uns verpflichtet fühlen, unser kunstsinniges Publikum auf diese uns in Aussicht stehenden genußreich, n Vorträge aufmerksam zu machen. —b. xroh systematischer Verunglrmpfung und gehässiger Angriffe, welche interesfirte Per- sonen von Zeit zu Zelt gegen das Buch: „Dr. Airy's Naturheilmethode" erlassen, ist dies vorzügliche,, popular-medicinische Werk bereits in 105 Auflagen erschienen. Würde dieser unerhörte Erfolg möglich sein, wenn das Werk und die darin empfohlene Heilmethode sich nicht bewahrt hatte, und wie die Gegner gern glauben machen möchten, auf Schwindel beruhte? — — In Dem Buche werden die Krankheiten in leichtverständlicher Weise besprochen, und außerdem wenn von den Kranken während der Kur nähere Auskunft gewünscht wird, diese von den dafür angestellten praktischen Aerzten unentgeltlich ertheilt. Es darf sich daher jeder Leidende ver- trauungsvoll obiger Heilmethode zuwenden; wenn noch irgend Heilung möglich, wird die» glanzend bewahrte Heilverfahren ihm Hilfe - Heilung bringen. — Obiges reich illustrirte Buch kostet nur 1 Mark und ist durch jede Buchhandlung zu beziehen oder auch direct von Richter's Verlags-Anstalt tn Leipzig. ' Handel und Verkehr. ?A§Äa4nffUItr>19nS’Jnt’ Der heutige Heu- und Stroh-Markt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität per Centncr je. 2.30—3.20, Stroh per Centner JL 2—210 Butter im Großen das Pfund 1. Qual. 90—95 2. 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Scheoda. — Druck und Verlag der Brübl'schm Univ.-Truckerei (Fr. Chr. Pietsch) hr Gieren