ien Hoheit 611 10' »■ «tt. E ?M“f Mgentti Mden. Ai. d ®auföiöimg QUMeert. (tat". W diesen Bvr, jbl" «enb id fti’Sereiii, 271. Mittwoch, den 20. November 1878 Meßmer WnMger A»Mk- uni AmtsM für den Kreis Gießen. RedaeliorrSbureau r ExpediUonSbureau r Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh» Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. W veranstchti ;s 2 Uhr, , und Nachmittag- Entgegennahme der ns freundW ge- iu den angegebenen 16r an werden die An beiden Tegw ''orstsLä. afe Seib. Sieben. . November, rt.eti.xtng j aus 2)reM TM e» is 3rts6m. ^lmg, daß UJittwe i/2 Uhr saast jliebenen. ,ei(e i-h h-»- r, n sanft gei«1- . MkNßkl, Die Freihändler und die Liberalen. fühlen." Kesterreich. Diese Politik, weder türkisch noch antitürkisch, fußt auf dem ben haben. Wien, 16. November. Heute Nachmittag von 3 bis 6 Uhr sand unter dem Vorsitze des Kaisers ein gemeinsamer Ministerrath start, an welchem Graf Andraffy, Gras Bylandt, Frhr. v. Hofmann, Fürst Auersperg, v. Pretis und v. Tisza theilnahmen. , _ , , , Wien, 17. November. Die „Montags-Revue" schreibt: So befriedigend die Erklärungen Schuwaloff's im Großen und Ganzen gelautet zu habe« scheinen, ganz werden sie das Gebiet der Retorsionspolitik, welche den Staatsmännern von Ltvadia insbesondere in der Evacuationssrage zum Leitstern diente, Darmstadt, 16. November. Am 13. d. M. wurde von dem Appell- Hof dahier ein Urtheil gefällt, welches für die Frage der Strafbarkeit von Lebensmittel-Fälschung von großer Bedeutung ist. Bei dem Besitzer einer Gewürzmühle waren erhebliche Quantitäten von Gewürzen vorgefunden wordem die sehr stark mit verschiedenen Zusätzen versehen waren, und von denen er selbst etnräumre, daß er solche an Detailisten verkauft habe und zu tetfaufenpflege. Seine Entschuldigung bestand nur darin, daß die Detailisten die Gewürze in jenem Zustande verlangten, bezw. in voller Kenntniß der Sachlage kauften. Wie in erster Instanz, so wurde auch von dem Appellhof dieser Einwand verworfen, indem das Strafgesetz den „Verkehr", bezw. die „Consumenten" zu schützen beabsichtige und dem Appellanten keine Garantie dafür gegeben sei, daß die Detailisten nunmehr auch ihrerseits dem Publikum die Gewürze als gemischt vec- kaufen würden, es ihm vielmehr habe bewußt sein müsien, daß nach der Art, wie solche Gewürze regelmäßig veikaust zu werden pstegten, eine solche Mil- theilung höchster Wahrscheinlichkeit nach nicht erfolgen werde. (Fr. Journ.) Aus der Provinz Hannover, 15. November, wird geschrieben: „Aus Anlaß der Reichstagswahl in Harburg wurde bekannt und ist seitdem abgesehen von einzelnen Einschränkungen, unwiderlegt geblieben, daß der weitaus größte Theil der dortigen Beamten stramme Welfen sind. Daß es auch anderwärts sich ähnlich verhält, dafür das folgende Beispiel aus Hildesheim. Hier pflegten sämmtliche jüngere Juristen mit ihren Bekannten gemeinsam zu Mittag zu esien. Während der diesjährigen Manöver wünschte nun ein Mitglied dieser Tischgesellschaft, einen sich zeitweise in Hildesheim aufhaltenden Officier für die Dauer seines dortigen Aufenthalts in dieselbe einzuführen. Dem widersprachen jedoch die meisten anderen Tlschgcnossen, woraus sich die Mili- . tärbehörde einmischte und allen zu ihr in einem Abhängigkeitsverhältntß stehen- , den Mitgliedern der Gesellschaft (Reseroe-Osficiere rc.) aufgab, nicht mehr in ! derselben zu speisen. Es bildete sich infolge desien ein „welfischer" und em preußischer" Mittagstisch. Aber — und das ist das Charakteristische — schon setzt sind alle dem letzteren angehörigen Beamten versetzt, während die Welsen unbehelligt geblieben sind. Wenn diese somit als die berechtigten Eingeborenen behandelt werden, dann müssen sich allerdings die Preußen als „Colonie" hier rühren düs nieder etwas Aehnliches. Die Erklärung der 204 Reichs- laasmitalieder und der Brteswechsel zwischen den Herren v. Varnbüler und dem Fürsten^ Bismarck kann und muß die liberale Partei als solche unbnuhrt lasten- sie dars weder Freude, noch „gerechtes Aufsehen darüber zur Schau tragen. Deshalb aber war es kaum richtig, wenn Blätter und welche mehr oder weniger als die osficiellen Interpreten des Nattonal-Libe a- l.smus gelten ziemlich deutlich ihren Aerger über den Umschwung in den han- dt Apolitischen Fragen zu erkennen gaben. Es gibt welche mindestens so liberal sind, wie der Abgeordnete für Danzig, und' deshalb hat !dieser vielleicht alle Veranlassung, in Partet-Publtcationen nicht seine persönliche Ansicht ein- Es ist ein ebenso häufiger, wie leicht durchschaubarer Kunstgriff, wenn sich die Freihändler das Monopol des Liberalismus beilegen und ihre Gegner als Miliberale oder Reactionäre zu verdächtigen suchen. Man kann ein Liberaler fem, ohne dem Freihandels-Principe unbedingt zu huldigen, und ein Freihänd- , ler, ohne em Liberaler zu sein. Die Herren in den See- und Handelsstädten , hoben keineswegs die liberalen Principien in Erbpacht genommen und es gibt -chlretche jchutzzöllnerische Districte m Deutschland, welche an wahrhaft liberaler Gesinnung sicherlich nicht hinter Hamburg, Stettin und Königsberg zuruckstehen. C>rt Frankreich sind die Napoleontsten die Freihändler, während die Republikaner urd Radikalen auf Seiten des Schutzzoll-Princips stehen. Der große Reprä- jentant des Freihandels-Princips in England, Sir Robert Peel, war bekanntlich ein Tory, ein Conservaliver, und an seinen Namen knüpft die berühmte P^el's Acte an, welche die Aufhebung der Getreidezöüe bestimmte. In den Bereinigten Staaten sind die Republikaner die Schutzzöllner gewesen, während die Sclavenhalterstaaten und die Seeküstenländer, z. B. das unter der Herrschaft des irischen Pöbels und der Elsenbahnbarone stehende New-Aork, der Fähne des Freihandels folgten. _z ~ Auch bei uns in Deutschland ist es durchaus verkehrt, die Freihändler mit den Liberalen zu identificiren. Nicht blos unter den Gründern der Freihandelspartei im norddeutschen Bundestage, sondern auch unter dem freihandler - scheu Counts, das sich in diesen Tagen gebildet hat, gibt es Leute, deren entschieden co-^ecvatioe Gesinnung über jeden Zweifel erhaben ist. Der verstorbene Herr v. D-nziu und der noch jetzt lebende Reichstags-Abgeordnete v. Behr sind niemals der geringsten Hinneigung zum Liberalismus verdächtig gewesen und waren gleichwohl Freihändler, welche sich in den Fragen der Handelspolitik mit den Herren Braun und Bamberger stets in Uebereinstimmung befunden haben. Ter Name des Abg. v. Behr ist in der Geschichte der Eisenzölle unvergeßlich, da er an der Spitze der Reichstagsmitglieder stand, welche den Wegfall jener Zölle in Antrag brachten. Zollsragen sind Jntereffensragen, bei denen die polt- üsche Gesinnung aus dem Spiele bleiben muß. Der conservatwe Abgeordnete sür Königsberg ist ebenso fre^änbler^fc^, wie ber liberale Slb0eorbnete für Danzig, weil Königsbergs und Danzigs Interessen in der Meinung ihrer Bewohner mit denjenigen des Freihandels zusammensallen. Um jo unbegreiflicher ericheint es wenn die Freihändler sich von Zeit zu Zeit als die alleinigen und wahren Vertreter des Liberalismus hinstellen. Vor einigen Monaten veröffentlichte die „National-Zeitung" an hervorragender Stelle eme Erklärung, in welcher gesagt war, daß der Weg der Rückkehr von der Frechande spolitik - nur über die Leiche der liberalen Partei gehe. Tages darauf erschien dann eme Bemerkung, daß jene Erklärung nicht von der^ national-liberalen Parte: ausaeaanaen sei. Auch bei dem Wahlkampfe erklärte das national-liberale Wahl Comit6 sehr richtig rmd correct, daß ihr Programm kein wirthschastliches, sondern em rein politisches sei und daß es Jedem in der Parte gestatt^et fei auch andere wie sreihändlerische Ansichten zu hegen. Gleichwohl leuch etebei vielen Gelegenheiten das Bestreben der Freihändler Hindurch, sich mit^der libe- ralen Partei zu identificiren und Leute von gut freihändlenschen Ansichten auf Rechnung des liberalen Theils der Wähler durchzubringen. So versuchte man von Berlin aus im Anhaltischen den national-liberalen Abg. v. Cuny durch den freidändlerischen und eü.e Schatttrung liberaleren Herrn Weigert aus Berlin iu verdrängen. In Jena und Stettin wählte man von national-liberaler S-tt- den früheren Minister Delbrück, der nicht national-libern ist - nur weil man ihn sür einen Freihändler hielt, der den Plänen des Fürsten Bismarck nl.c Onllrefotm ein quos ego entgegenrufen könne. Mit demselben Rechte hätten die National-Liberalen Berlins auch den Herrn v. Kardorff in Schlesien zur^Wiederwahl empfehlen müffen, da derselbe an Liberalismus nicht hinter Delbrück rurücksteht. Sie ihaten dies nicht; sie bekämpften v elmehr desien Wahl was »nrecht war, wenn sie in Wahrheit handelspolittsche 3ro(len ^Magen ansehen, welche dt- national-liberale Parte, als solch- nicht be- b In der national-liberalen Partei gibt es nicht wenige Leute, welche sich entschieden in Opposition mit der entscheiden schUlichUff-n h-ien'A«s"alled«m'kann nur di-offene" entschiedene Politik zweifellos gegen die Intentionen der hervorragendsten Parteiführer, wenn in Publtcationen, welche in die gesammte national-liberale Preffe übergehen, der Standpunkt des Freihandels betont wird. l ri Die national-liberale Partei halte, was sie vor den Wahlen versprach: sie betrachte die Frage nach den Schutzzöllen sür eine freie und offene 1 Sollte es wider alles Erwarten den Führern der Frethandelspartet gelingen, die liberale Partei als solche auf ihre Seite zu bringen, so liefe die liberale Sache in der That die Gefahr, daß der Weg zu einer gesunden und nationalen Handelspolitik über ihre Leiche führt. Denn darüber tausche man sich nickt, daß Niemand im Stande ist, den Triumph einer Idee auszuhalten, welche in schnellem Sturmfluge die Gemüther des deutschen Volkes zu erobern gewußt har. Vielleicht Nickis hat der liberalen Partei bei den letzten Wahlen so sehr geschadet, als daß man sie sür unsere Wirthschastspolitik verantwortlich gemacht hat, und Nichts wäre unseres Erachtens mehr im liberalen Jntereffe, als wenn von Seiten der Parteileitung erklärt und allgemein nach dem Satze verfahren würde, daß Zollsragen ganz und Steuerfragen zum größten Theil den Liberalismus gar nicht berühren und innerhalb der Partei als offene Fragen anzuseheu sind. Denn die Handels- und Wirihschaftspoüttk des letzten Jahrzehnts ist man im Lande herzlich satt und wenn bei den Wahlen die liberalen Parteien verloren und die conservativen Parteien an Stimmen gewonnen haben, so wird man hierin weniger eine Niederlage der liberalen Idee, als derjenigen Wirihschastsansichten zu erblicken haben, welche man zu Unrecht als nur den Liberalen zugehörig erachtet hat. , Hoffentlich werden die neuen und besonnenen Elemente der national-liberalen Partei, wie sie in erster Reihe auf das Zustandekommen der Versöhnung -wischen der Regierung und dem Reichstage gedrungen haben, so auch demnächst bewirken, daß die National-Liberalen als Partei weder für noch gegen die Han- delspolitik des Fürsten Bismarck Stellung nehmen.__ DeAtMtmd. Standpunkte der europäischen Interessen und europäischen Beschlüsse. Sie muß Alles wollen, was der Berliner Vertrag vorschrieb, aber darf zu nichts bte Hand bieten, was dieser Vertrag ausschloß oder unberührt ließ. — Das „Telegr.-Corresp.-Bureau" läßt sich aus Rom melden: Sobald der deutsche Kaiser die Staatsgeschäfte wieder übernimmt, wird die Curie einen neuen Schritt in den Verhandlungen mit Deutschland thun. Der Papst würde sodann die Initiative ergreifen und die diesbezüglichen Verhandlungen mit dem Kaiser etnletten. AranLreich. Paris, 16. November. Die Kammer der Deputirten hat die Wahl des klerikalen Abgeordneten Grafen Mun cassirt. — Der „Temps" glaubt zu wissen, daß die Pforte gestern Delegirte ernannt habe, welche mit den griechischen Delegirten die Frage der Grenzberichttgung prüfen sollen. — Nachrichten aus Petersburg zufolge ist die Meldung, daß der^Katser von Rußland den Winter in Nizza zubringen wolle, unbegründet. tzngland. London, 16. November, Abends. Der Herzog von Westminster und Gras Grey richteten an Beaconsfield eine Petition um Einberufung des $ar= laments. Lord Rosebery wurde zum Rector der Universität gewählt._________ Telegraphische Depeschen. Wckgver'» telegr. Gorresp»uveirz« Darmstadt, 18. November. Bulletin von Vormittags 9 Uhr. Der Großherzog ist andauernd fieberfrei; die örtlichen Anschwellungen sind zurückge gangen, die diphterittschen Auflagerungen etwas verkleinert. Professor Oerrel aus München ist zur Consultatton zugezogen. — Die „Darmst. Ztg." veröffentlicht das Programm für das stille Leichenbegängniß der Prinzessin Marie, welches heute um 5 Uhr im Mausoleum auf der Rosenhöhe stattfindet. — Der Erbgroßherzog ist fieberfrei; die Membranen auf der rechten Seite sind großentheils abgestoßen, dagegen bedecken solche das Zäpfchen und die linke Mandel in größerer Ausdehnung; die Drüsen-Anschwellungen sind seit vorgestern ständig zurückgegangen. Prinzeß Irene ist fieberfrei; nur wenige Anschwellungen sind noch vorhanden. Die Prinzessinnen Victoria und Alix sind als genesen zu betrachten. Darmstadt, 19. November. Bulletin von 9 Uhr Vorm. Die Besserung im Befinden des Großherzogs ist andauernd. Neapel, 17. November. Das Königspaar traf heute Nachmittag 2Vr Uhr, von den Behörden, zahlreichen Vereinen und einer großen Volksmenge enthusiastisch empfangen, hier ein. Als der königliche Zug die Straße Carbonara passirte und mehrere Personen Bittschriften überreichten, stürzte sich ein Individuum mit einem Dolchmesser aus den König und brachte demselben eine Hautwunde am linken Arme, dem Ministerpräsidenten Cairoli eine leichte Wunde am linken Oberschenkel bei. Der König führte Säbelhiebe gegen den Kopf des Mörders; Cairoli ergriff den Mörder an den Haaren; ein Cürassier-Capitän verwundete den Mörder ebenfalls und übergab ihn alsbald den Wachen. Alles geschah so schnell, daß die in den nächstfolgenden Wagen Sitzenden Nichts davon gewahrten. Die Königin und der Prinz von Neapel saßen mit dem Könige in demselben Wagen; sie zeigten beide große Faffung und Ruhe. König und Königin wurden auf der Weiterfahrt nach dem Palast von unaufhörlichen Jubelrufen der Bevölkerung begleitet und mußten sich von dem Balkon des Palastes den nach ihnen rufenden Volksmaffen zeigen. Der Mörder heißt Johann Paffamante, ist Koch, 29 Jahre alt, aus der Provinz Potenza. Derselbe erklärte, er gehöre keiner Verbindung an, wolle aber keine Könige, weil er arm und stets von seinen Herren mißhandelt worden sei. Neapel, 18. November. Der Ministerpräsident Cairoli richtete gestern Abend folgendes Telegramm an die Vertreter Italiens im Auslande: In dem Augenblicke, wo heute Nachmittag der König mit der Königin und dem Kronprinzen zu Wagen seinen Einzug in die Stadt Neapel hielt, und inmitten der enthusiastischen Kundgebungen der Bevölkerung, welche sich ehrerbietigst um das einziehende Herrscherpaar drängte, stürzte sich ein Individuum mit einem Messer in der Hand aus Se. Majestät. Der König, welcher sich sofort von dem Sitze erhoben hatte, erhielt eine sehr leichte Hautwunde an der linken Schulter. Da ich die Ehre hatte, dem Könige gegenüber zu sitzen, konnte ich glücklicherweise selbst den Mörder erfassen und an der Ausführung des Verbrechens verhindern. Ich erhielt in dem Kampfe eine leichte Wunde am Bein. Der Mörder, von dem Säbelhiebe eines Cürassir-Capitäns am Kopfe getroffen, wurde sofort verhaftet. Ihre Majestäten gaben nicht das geringste Zeichen von Erregung kund. Die B völkerung begleitete dieselben bis in's Palais mit den wärmsten Ovationen. Cairoli. Rom, 18. November. Die Nachricht von dem Attentat auf den König und von dessen glücklicher Errettung, welche durch Plakat der Stadtbehörde bekannt gegeben wurde, hat hier ungeheure Aufregung und die lebhaftesten Demonstrationen hervorgerufen. Zahllose Menschenmafsen erfüllten alsbald die Straßen und sammelten sich vor dem Parlamente und anderen öffentlichen Gebäuden, die, wie zahlreiche Prtvathäuser, alsbald sich mit Flaggen bedeckten und vielfach illuminirt wurden. Große Volkshaufen durchzogen unter Vorantritt von Fackelrrägern mit Musik und unter begeisterten Ovationen auf den König die Stadt. Verschiedene Corporationen traten sofort zusammen, um Glückwunsch-Telegramme an den König und Cairoli zu erlassen. Man hört überall die kaltblütige Haltung bewundern, die der König bewahrt hat. Gegen den Meuchelmörder hat die Untersuchung sofort begonnen. Rom, 18. November. (Osfictell.) Die Wunde des Königs ist eine sehr oberflächliche Schramme. Auch Catrolcks Verletzung ist eine leichte, die in wenigen Tagen heilbar. — Als sich die Attentatsnachricht gestern Abend 9 Uhr in der Stadt verbreitete, stellten alle Theater ihre Vorstellungen ein. Auf den Straßen erfolgten imponirende Kundgebungen; eine große Menschenmenge zog nach dem Ministerium des Innern, um Nachrichten über den König zu erbitten; das Volk nahm die sofort ertheilten Nachrichten mit Hochrufen auf den König und den Ministerpräsidenten aus. Die fremden Botschafter und Gesandten begaben sich nach den Ministerien des Innern und Auswärtigen, um daselbst ihre Glückwünsche abzustatten. Besonders lebhaft gestalteten sich die Kundgebungen der Bevölkerung auf der Piazza Colonna, dem Corso und dem Capitol, wo die Menge mit Fackeln, Musik und der Nationalflagge aufzog. In allen Straßen, hauptsächlich aber auf dem Corso waren die Häuser illuminirt. Später zog die Volksmenge nach Montocitorio. Die hier anwesenden Deputirten übersenden dem König telegraphisch eine Glückwunsckadreffe. Der Senat und die Deputirten- kammer werden Deputationen an den König abordnen. — Mehreren Blättern zufolge soll Paffamante ein fanatisches Mitglied der Internationale und 1870 wegen revolutionärer Affichen verhaftet wor den sein. London, 18. November. „Standard" will wissen, das Kanonenboot „Condor" würde nach Burgas gesendet, um zu ermitteln, ob von den Russen daselbst Befestigungen errichtet seien; England stehe vertragsmäßig das Recht zu, zwei Kanonenboote im Schwarzen Meep zu haben. Konstantinopel, 17. November. Dem Vernehmen nach hat Bra- tiano der Pforte mckzetheilt, die Russen hätten die Besetzung und Befestigung von Kustendsche und anderen strategischen Punkten der Dobrudscha, sowie die Einräumung einer Militärstraße zur Bedingung der Räumung Rumäniens gemacht. Rom, 18. Novbr. Auch aus vielen anderen Städten werden patriotische Kundgebungen anläßlich des Attentats gemeldet. Allgemeine Erbitterung herrscht über die Frevelthat. Auf dem Capitol hielt der Syndikus eine mir Begeisterung aufgenommene Ansprache. Die hier anwesenden Deputirten drück- ten in einer Depesche an Cairoli ihren Abscheu über das Attentat und Dank an die Vorsehung für die Errettung des Königs aus. Neapel, 18. November, Abends. Der König empfing mehrere namhafte Persönlichkeiten, darunter einige Deputirte, und bemerkte hierbei, daß er vor Kurzem zwei Briefe erhalten habe, in denen mitgetheilt sei, daß ein Attentat ausgeführt werden würde. Die Einwohner von Potenza richteten an den König eine Beileidsadresse. Rom, 18. November. Die Präsidien des Senates und der Kammer haben sich nach Neapel begeben. In der könizl. Kapelle daselbst hat heute früh Dankgottesdienst stattgesunden, welchem der Hof beiwohnte. Fortwährend langen Depeschen au, welche von begeisterten Demonstrationen für den König und die königl. Familie, sowie von dem tiefen Abscheu melden, welche das Attentat er- regte. Die Wunde Cairolis ist bereits in der Besserung begriffen. Rom, 19. November. Bei dem Attentäter Paffamante wurden mehrere Schreiben von Mitgliedern der Internationale gefunden. Mehrere 3nttT» Nationalisten sind verhaftet worden und sind weitere Verhaftungen verfügt. Lokal-Nottz. Gießen, 19. November. Die Zahl der für das Winter-Semester 1878/79 eingeschriebenen Studirenden an hiesiger Hochschule beträgt btS heute 330. Davon studiren Theologie 15, Jurisprudenz 93, Medictn 55, Veterinärkunde 9, Kameralwtssenschaft 5, Forstwissenschaft 16, Mathematik 29, classische Philologie 29, neuere Philologie 6, Chemie 13, Pharmacte 23, Philosophie, Naturwissenschaften, Landwtrthschaft, Ge- ichichte rc. 37. --Herr Dr. Krönletn, seither erster Assistent deS Herrn Prof. Langen b eck in Berlin, hat in Stellvertretung deS Herrn Prof. Bose gestern die Funktionen des Directors der chirurgischen Klinik übernommen und wird morgen, den 20. dsS., seine Vorlesungen eröffnen. --Heute Nacht wurde in einem Laden in der Löwengasse eingebrochen. Außer einigen Cigarren und einem Regenschirm wurde nichts annektirt, da auch hier der Ladeninhaber seine Kasse in Sicherheit gebracht hatte. --Wegen fortgesetzter Ruhestörung fand gestern Abend ein Cigarrenmacher liebevolle Aufnahme im StockhauS. — — In einem Hofe in den Neuenbäuen wurde heute Nacht eine Kalkbütte mit Inhalt umgestürzt, sowie einer Stellleiter ein Platz auf dem Hofthor angewiesen. Zu gleicher Zeit wurde eine Attaque mit Backscheiten auf die Noll'sche Veranda an der Schoor eröffnet, wobei mehrere Vasen die Unvorsichtigkeit begingen heruntc'zufallen und zu zertrümmern. Ferner fand das Schild an der Brücke zur Frauenklinik ein anderweitiges Placement. --Gutem Vernehmen nach sollen die Mörder be8 vor ca. 14 Tagen in Frankfurt ermordeten alten Gärtners Glitzenhirn gestern in Friedberg verhaftet worden sein. — Uebcr die Verhaftung derselben berichtet der heutige „Oberbess. Anzeiger": Friedberg, 18. Nov. Vor etwa 14 Tagen wurde bei Frankfurt ein Gärtner ermordet und beraubt, ohne daß es der Polizei seither gelang, den Thätrr zu ermitteln. Gestern Abend nun wurde derselbe in der Person eines einem baterischen Zuchthaus entsprunge. nen Raubmörders, Mchger Haffner auSSteyern, an hiesiger Post durch die Gensd'armm Lind und Rieck verhaftet. Ferner wurden verhaftet als wahrscheinlicher Mttthäter der Schneider Rtnow aus Naumburg, sowie als Mitwisser Buchbinder Ferber au8 Dresden und Maurer Winkler aus Königstein. Die vier Gesellen reisten zusammen und führten gemeinschaftliche Kasse. Rtnow befindet sich in hiesigem Lazareth, da er fußleidend ist. --Gestern Abend stürzte beim Pasfiren der Schoor nach dem Lahnstein in der Dunkelheit ein Mann in den Schoorgraben. Vergangenen Simstaz Abend erging es einem anderen Passanten an derselben Stelle nicht bester. V ell:tcht ließe sich hier eine Laterne anbringen ober die nm Lahnstein befindliche versetzen, wenn nicht vorzu- ziehen wäre, daß der Schoorgraben auch hier überwölbt oder etngezäunt würde. Gießen, 19. November. Auf Einladung bc8 Kaufmännischen Vereins wirb Herr Wtlh. Ltesenberg au8 Düsseldorf hier am nächften Freitag, den 32. d. Mts., Abends 8 Uhr, im Saale deS Gasthofs zum „Prinz Carl" einen öffentlichen Vortrag halten über Handel und Wandel in Südamerika, mit fpecieller Berücksichtigung des Kaiserreichs Brasilien und der La Plata-Starten: Argentina, Uruguay und Paraguay. Der Herr Redner wird sich hierbei insbesondere auch über die Wichtigkeit dieser fernen Länder für bte deutsche Industrie und die gegenwärtigen Handelsbeziehungen des deutschen Reiches zu denselben, unter Erthetlung geeigneter Rathfchlägc zur Hebung des deutschen Handels nach jenen Ländern, eingehend verbreiten, wie auch deren staatliche und wtrthschaftliche Verhältnisse, das dortige Familien- und Gesellschaftsleben rc. in den KreiS seiner Darstellung auf nehmen, — alles DteS auf Grund großer, während eines zehnjährigen Aufenthalts in Südamerika unternommenen Reisen und fleißiger Studien, eigener scharfer Beobachtungen und von Selbfterlebtem. Herr Li es en berg, der bereits in vielen Städten Norddeutschlands über Brasilien und die La-Plata-@tart*n öffentlich: Vorträge gehalten, wird in allen darüber vorliegenden Berichten übereinstimmend als ein sehr gewandter Redner und seine diesbezüglichen Mittheilungen als äußerst interessant und lehrreich, wie auch angenehm unterhaltend gerühmt. Außer dem großen Interesse, welches demnach der bevorstehende Vortrag, bei dem Bestreben unserer Zett, ferne Länder und Völkerschaften mehr als früher in daS Bereich unfereS Wissens zu ziehen, für das größere Publikum in verschiedener Hinsicht haben möchte, kann derselbe insbesondere auch für Industrielle, Kaufleute und Gewerbetreibende von praktischem Werthe sein. Man darf daher wohl einer zahlreichen Be- theilioung deS hiesigen Publikums ettaeoenfeben. W. Handel und Vermehr. Gießen, 19. Novbr. Auf dem heuttgen Wochenmartt kostete: Butter, perPfd. JL 1.5—1.10, Hühnereier, per Stück 7 Käse, per Stück 5—8 4, Käsematte, per 5rücf 3 H, Erbsen, 1 Liter 22 Linsen, 1 Liter 24 H, Tauben, das Paar 60 H, Hühner, per Stück JL —80, Hahnen, per St. JL — 75 Enten, per Stück X 2.10, Kartoffeln, 100 Kilo «4L 5.50—7.—. Weißkraut per Hundert JL 5—7. Ochsen fleisch 70—72 H per Pfd.. Kuh - und Rindfleisch 56—62 4, Schweinefleisch 58—60 H, Kalbfleisch 56—60 H, Hamm-lfleisch 50—60 Gänse, per Pfd. 46—52 Herborn, (an der Köln-Gießener Eisenbahn), 18. Novbr. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 524 Ochsen, 682 Kühe und Rinder, 994 Schweine. Der nächste Markt ist am Montag den 2. December l. I. Der diesjährige Weih- nachtsmarkt wird am 23. December und der Neujahrs markt am 30. December abgehalten. LocälH^istorischeS Museums Für die Münzsammlung liefen diverse Geschenke ein von den Herren Becker, Boger, Buchner, Glaser, Hoffmann, Jrle, Klewitz, Landmann, Leo, Rothenberger, Schellenberg, Soldan. Nr. 1—105. Sckaii Di» 8ur a ;** * SS* 5S Maite rwßksi Mittags 8 Uhr, ^lUttilhen- gjrßeii. den Kaiser! Lo ""'M |U Allendi Mag den ifiormü itfltn die z"in § ; »irthl Heinn Urigen ZMM0 i 1$ versteigert 1 Diesen best 1 276 (Mr. Schmer und in der Mack - 656 llMtr. Thurm. Die Hosrait' in Hauptstraß' Md eignet sich Itifle Mendorf a., Grvßh. Orts 7114) Ihm von porcellai 7117) A Wilhelm 5 ton heute an in fiatz zu bedeute tnlauft. M. Pil Apsing M 7H6) ffi, if »In nut bref Hühi Nun, lurzhai «rkausen. Wo nerfa ^ULittenber Eine n lliillll Endeln, tz ^vfiebit l°bert Stu, w ?,1" «->» 6ä Mailst N * 4; *,ife " ?"bw »itti. 3wS5 ®WTten J ®l,t m söm b»j(| H ein steten ln „unb der Seim bat tote jijz 'rttoabrenb K-niz «d k ba8 Attentat tt. tiffen. inl! ®utbe» mef, Mehrere 3* n^eti VerfÜQt. mefter 1878/79 G $0- Davon Wm meratotffenliflfti Me Philologie 6, lodwirthschast, Se- m Prof. Sangen kni dir FuEm ngm, bca 29. bfj, ingebrochrr. gufa i da auch hin du ein TtgarraiMchn tint ffaltbütte mit 1 angewteseu. Zu i Vrranba an bet a WttavMta 4 Tagen in §ras/- rg vrrhM * Dbetbefi. IW' tn Gärtm etmoxbd , ermitteln- Um ichthauS *W irch oieSiB'mm cheinlicher WN chbinder Fnder eti n reisten zchmro gern Lazareth, baa ch bem Lahnstein mstazSbenbW Ilicht ließe stch h« , wenn nicht W ezäunt wstcbe. ««*" ?.!Ä ÄÄ tka, mit sptkick» Staaten: Arg* ä5e|M»«i ««» * tb bi- M'"® 2 SttbeiluW 1“M” .»«eiend e** LSSx “JffiW ??Sl Tx fgfit da? V.U 2,10, ttyA ffittSe« ttt«® Bekanntmachung. Die zur Erbauung eines Bretter- häuschens zur Aufbewahrung von Post, packeten aus dem Cöln-Mindener Bahnhofe dahier erforderlichen Arbeiten und Lieferungen, veranschlagt zu 870 JL, sollen tn allgemeiner schriftlicher Anbietung vergeben werden. Die Bedingungen, unter welchen die Erbauung des Haus» chens stattzusinden hat, können während der Dienststunden bet dem Kaiserlichen Postamte etngesehen werden und sind die Angebote bis zum 25. d. Mts., Vormittags 8 Uhr, bei demselben schriftlich einzureichen. (7125 Gießen, den 18. November 1878. Kaiserliches Postamt. ______ Lo ch m ann. Versteigerung $u Allendorf a. d. Lda., Freitag den 29. Novbr. l. I, Vormittags 11 Uhr, sollen die z"m Schuldenwesen des Gast- wirths Heinrich Braun dahier gehörigen Immobilien nochmals öffentlich versteigert werden. Dieselben bestehen in: a. 276 lHMtr. Hofraithe (Wohnhaus Scheuer und Stall nebst Nebenbau) in der Marktgaffe. b. 656 tHMtr. Grabgarten htnterm Thurm. Die Hofraithe liegt unmittelbar an der Hauptstraße, ist in gutem Zustande und eignet sich zu jedem offenen Geschäfte Allendorf a./Lda., am 18. Noo. 1878. Großh. Ortsgericht Allendorf a./Lda. 7114)__Bieber.___________ Ausverkauf van Vorcellan und Glaswaaren. 7117) Sämmtliche Waaren des Wilhelm Balser dahier werden von heute an in dessen Laden am Kirchenplatz zu bedeutend herabgesetzten Preisen verkauft. M. Pilger, Masseverwalter. Jeilgevotenes. 7116) Wegen Aufgabe der Jagd ist ein gut dressirtcr Hühnerhund (braun, kurzhaarig, 2jährig) billig zu verkaufen. Wo? sagt die Erp, d. 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Heinrich Rain und Familie. wiwtbtr sein ßrünbt gegen Ganbibaten ist rur in einer Q M nur ein ^hlnen. 5) 3 tie Handhab^ — Ten; Erfahrungen, n Harten über t ‘Hn darüber 1 'r einen ober , t Berlin, tk feierliche ( «kmal-Postmt ^'letzte otbneti 8k, Geb. Ratb L "As-he Leite, 7°'^i"g, Herr ( , .^eral Posimri ,-':ru,itn unb t 4:2T1*< das 6ifln ($S in ■.4 • . ’n mir e & S8aui»"i , ?4telt ein Halltz Kl*« I, seiner V Drsrntl,^ IC’1’ du h«ch I Ä“«8 tes ■2tn, i6 iZ010 I iW bnthl ? I '-'de btf Wittig \ empfiehlt in großer Auswahl und zu äußerst billigen Preisen: Eine Partie angefangener Schuhe; ferner: Baschliks und Kaputzen, Westen und Shawls (Handarbeit und gewebte), Kinderkleidchen und Zäckchen, Beinlängen und Strümpfe, Unterhosen und Zacken, 6980) Winterhandschuhe rc. 2 wj # Heute, Mittwoch Abend: Generalversammlung bei Engbrocks im Saal._ s Ein BureaWnhäber^ in Gießen, findet mit ki. Betriebskapital in Verbindung mit d..Allg. int. VerkehrS- Anftalten" sicheres Einkommen. *JtT- beantw. H. 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C .ß ii |til b unö Lergbau-Mieiistesellschaff Griessen. Generalversammlung der Aktionäre den 29. Novbr., Nachmittags 3Vr Uhr, im Geschästslocal zu Gietzen. tCaruevalvereiü Türkei. Mittwoch den 20 November er., Abends 8 Uhr, Restauration Schnell: Generalversammlung. 1 Tagesordmmg: Beschluß über Abbaltcn carnevallsttscher Sitzungen im Wmter 1878/7«. -- -itii'H-wh — Vorstandswabl.