1878 Freitag, den 19. Juli Mchener Wl^eiger Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Oeffentlichkeit etngeben könnte. nehmen (entente) Euröpas mit Gottes Hülse tem eine 16 16 20 16 16 9 2- =5 ’eii» ili: Ansprache: „Ich constatire, daß die Arbeiten des Kongresses beendet sind. Ich betrachte es als die letzte Pflicht des Präsidenten, den Dank des Congresies aus- zusprechen für diejenigen der Bevollmächtigten, welche an den Commissionen Thetl nahmen, besonders Hetrn Desprez uNd Herrn Fürst Hohenlohe. Ich danke fernerhin im Namen der hohen Versammlung dem SecretarW sur'dest Eifer, von dem es Beweis lieferte und der die Arbeiten des Congresies zu erleichtern beitrug. Ich schließe in den Ausdruck dieser Erkenntlichkeit die Be- «inten und Osficierc ein, die an den Specialstudien der hohen Versammlung Thetl nahmen. Meine Herren! . Im Augenblicke unserer Trennung fürchte ich tie Behauptung nicht (je ne erains pas d’affirmer), daß der Kongreß sich um Europa wohl verdient gemacht hat. Wenn es unmöglich war, alle Aspirationen der öffentlichen Meinung zu verwirklichen, so wird doch die Geschichte in allen Fällen unseren guten Absichten (intentions), unserem Werke Gerechtigkeit zu Thetl werden lasten und bk Bevollmächtigten werden das Bewußtsein haben, in den Grenzen des Möglichen Europa die große Wohlthat des Friedens, der |o schwer bedroht war, »erschafft «nd gesichert zu haben. Dieses Ergebniß lann nicht verringert werden durch irgend welche Kritik, die der Partetgeist der Arbeiten unter uns bildeten, die guten Beztebungen unter unseren Regierungen tärken und consoltdiren werden. Ich danke nochmals meinen Kollegen für hre Geneigtheit hinsichtlich meiner und indem ich diesen Eindruck der hohen Dankbarkeit bewahre, hebe ich die letzte Sitzung des Congreffes auf." Berlin, 16. Juli. Dee Meldung verschiedener Journale, der Kronprinz beabsichtige sich demnächst nach Homburg zu begeben, ist authentischer Jn- ormation zufolge unrichtig. Der Kronprinz wird Berlin, resp. Potsdam in keinem Fall verlaflen, so lange der Kaiser hier verweilen wird. Berlin, 16. Juli. Für die Hinterbliebenen der mit dem „Großen Kurfürst" Verunglückten sind bei der hiesigen Ceniralstelle bis zum 12. d. Mts. 69,652 Mk. eingegangen. Das Wilhelmshavener Hülfscomitä hat nach dem ersten, am 24. Juni d. I. abgeschlossenen Verzeichniß zu gleichem Zweck Rtvac1io«Sbureai»r Gartenstraße B. 165. GxpeditionSbnreaur Schulstraße 8. 18. Spanien. Madrid, 17. Juli. Das Begräbniß der Königin hat heute mit großer Feicrlichkett stattgefunden. Alle Stüatsköiper, auswärtigen Gesandten, Groß- Würdenträger und mehr als 4000 Personen wohnten demselben bet. Der Erzbischof von Toledo mit neun Bischöfen las die Mesie. Der Bischof von Salamanca hielt die Grabrede. 7 6 «=, Aentschland. Berlin, 14. Juli. Nach Unterzeichnung des Friedens-Vertrages schloß Fürst Bismarck gestern die Verhandlungen mit folgender französischer Die Handelspolitik. Wir werden die Krisis, unter der wir leiden, überwinden, und zu erhöh- Wohlstande, zu erhöhter Arbeitssreudigkeit von Neuem gelangen, wenn wir unseren Verhällniffen entsprechende Handelspolitik einschlagen, und durch diese begünstigt in Qualität und Preis unserer Fabrikate mit den ausländischen Erzeugnissen concuirtren können. Einem radtcalen und doctrinären Standpunkt wüsten sich praktische, mit der Industrie vertraute Männer gegenüberstellen. Wir wollen weder einseitigen Schutzzoll, noch einseitiges Freihandels-Princtp, es muß die gegebene Lage der Verhältniste einer wahrhaft nationalen Zollgesetz- -ebung und den Handelsverträgen zu Grunde gelegt werden. Unsere erste ■ Aufgabe muß sein, das, was wir besitzen, uns zu erhalten und uns einer ein- fettigen Principienreiterei zu begeben. Im Handel und in der Industrie ist solche am allerwenigsten am Platze. Die Politik der freien Hand und des größtmöglichsten Wort Heils für uns und unser Volk hat die alleinige Richtschnur zu bilden, unseren vorhandenen Bedürfntffen ist Rechnung zu nagen. Fortdauernden Veränderungen auf dem industriellen Gebiete der Welt muß von einer rationellen Handelspolitik Rechnung getragen werden. Einer Katastrophe, wie der Einführung des amerikanischen Prohibitiv-Systemes oder dir französischen Zuckergesetzgebung, mußten wir längst mit entsprechenden Mitteln begegnen. Die Handelspolitik ist zu behandeln wie die Politik des Auswärtigen. Wie im auswärtigen Amte, so bringt auch die Leitung des Handels und der Industrie für jeden Tag ihre Sorgen, die zu tragen und zu bewältigen sind. Aber es gehören hierzu Männer, die Kops und Herz und specielle K-nntniß für die Sache und für die Nation haben. Weder die Handelskammern noch die technische Deputation zu Beilin sind die einzigen und wahren Vertreter der Industrie. Der Weg zwischen den Bedürfnissen des Lebens und den Bureaus der Ministerien ist zur Zeit ein zu weiter. Das deutsche Volk hat die Berechtigung, zum Schutze seiner Arbeit kompetentere Stimmen, kompetentere Leiter zu fordern. Es hat das Recht, eine seinen logischen Verhält- msfen und Bedürfnissen entsprechende Zollgesetzgebung zu beanspruchen, und die Pflicht, Handelsverträge mit den concurrirenden Völkern sich zu beschaffen, die auf Gleichberechtigung beruhen. Es hat das Recht, zu fordern, daß kompetente Männer der Industrie gehört und ihr Urtheil berücksichtigt wird. Diese Grundsätze haben bereits die Nachbarn jenseits des Rheines zur Ausführung gebracht. Der jetzige französifche Minister für Ackerbau, Industrie und Handel verordnete bei Einberufung eines Oberrathes für Handel, Ackerbau und Industrie^ daß das Departement des Ackerbau- und Handels-Ministeriums nicht den Anspruch erhebt, über die größten Interessen des Landes zu verfügen, ohne in allen Abstufungen die Jnteressirten zu befragen. Wir haben unsere Arbeiten , iährt er fort, „damit begonnen, daß wir die Handelskammern befragten, und mir müssen sie fortsetzen, indem wir den obersten Rath befragen. Dieser Rath wird das bestehende System in gewisser Beziehung verbessern können, aber er wird es gewiß nicht umzustürzen suchen. Er wird das Maximum und das Minimum andeuten, zwischen welchen stch die Zollsätze zu bewegen haben. Fast wie Ironie erscheint es, daß gleiche, leider in Vergestenheit gerathene Grundsätze schon 1808 in Deutschland proclamirt wurden. Der große Staatsmann, der das Reis zum Baume der Freiheit und der Größe Deutschlands pflanzte, Freiherr von Stein, verordnete unter dem 15. Januar des genannten Jahres, wie folgt: „Keine Aenderung darf in Preußen im Accisensystem, ohne sachkundige Männer zuzuziehen, geschehen." Diesen Grundsatz müssen wir in unserer Handelspolitik berücksichtigen! Anleige- «ni> Amtsblatt fit htu Kreis Gießen. Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf. Eelsgrsphische Depeschen. Wagnis telegr. «orrespondenr-Vurea«. Berlin, 17. Juli. Fürst Bismarck ist heute früh nach Kisstngen ^chgeliefert Kirn 15,513 Mk. erhallen. n Berlin, 16. Juli. Die „Prov.-Corresp." bringt einen Artikel, welcher zwischen dem Central-Wahl-Comits der national-liberalen Partei und den Mitgliedern dieser Partei zu unterscheiden sucht. Die ,,Magd. Ztg." wird darin heftig angegriffen, aber doch die Nothwendigkeit betont, daß die Regierung und die liberalen Parteien gegen die socialistische Gefahr zusammenstehen müßten. Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt: Frankreich stehe trotz der Cypern-Affaire nicht gegensätzlich zu England. Man besorge keine Störung des durch den Congreß besiegelten guten Einvernehmens. — Der Kaiser wünscht den Reichstag selbst zu eröffnen. — Die „Post" sagt: Das Socialisten-Gesetz wurde dem Kronprinzen unterbreitet. — Gestern wurde zum ersten Mal eine christlich-sociale Versammlung polizeilich aufgelöst. „ Berlin, 17. Juli. Die Berufung des Reichstags soll zum möglichst spätesten Termine, also zum 9. September, erfolgen. — v. Bennigsen ist zu Besprechungen hier eingetroffen. — Frankreich beantragt ein gemeinsames Vorgehen der Großmächte in Konstantinopel wegen der türkischen Gräuel in Thessaüen.^^^ Der Kaiser kann bereits seine linke Hand zum Esten gebrauchen. Das Gehen wird ihm immer leichter. Hesterreich. Wien, 11. Juli. Der Termin für das Einrücken in Bosnien ist noch immer erst annäherungsweise festgesetzt; er dürste in der auf den Schluß des Congreffes folgenden Woche beginnen. Wenigstens ziehen stch die bisher in Bosnien stationirten Truppen schon jetzt allmälig zurück, um der Occupations- Armee Platz zu machen. Inzwischen aber vollziehen sich die letzten Reste der Mobilisirung. Aus Pesth sind gestern zwei Gebtrgsbatterien donauabwärts zunächst nach Eflegg abgegangen und morgen folgen ihnen drei wettere Batterien, die aus den Wiener Arttllerie-Regimentern zusammengepellt wurden. Eine noch länger andauernde Verzögerung des Einmarsches könnte indeß durch die kolossalen Lebensmittel-Anhäufungen geboten werden, welche die einmarschirenden Truppen in das vollständig ausg^sogene Land bcgleitcn wüsten, insofern nicht blos der Unterhalt dieser Truppen, sondern auch der mit ihnen zurückkehrenden 150,000 Flüchtlingen sicherzustellen ist. Außerdem aber wird die Möglichkeit nicht außer Rechnung bleiben dürfen, daß den Bewegungen der Occupations-Armee in Bosnien selbst Hindernisse bereitet werden; der Oberbefehlshaber, Feldzeugmeister Filippovic, wenigstens hat in einer Ansprache bei dem ihm in Prag dargebole- : nen Abschiedsbanket betont, wie nöthig Energie und Beharrlichkeit werden könnten, um einem etwaigen „passiven oder activen Widerstand" mit Erfolg zu begegnen." (Karlsr. Ztg.) !^beki. r n Ellern gesucht Kegen 6L r u - ' . iereigns , Nr. I an Hans m D W , Kapellmeister. hnenweihe der Krüger- fiaufmann (nicht Mm chten t, sowie Transparente, • nothwendigen Referenz« rH^taBonn»^ Buseck i M ’lnbenlen fl ' DerDorstand^ iehlerde u Separat»«"- OjSSÖS eiitifl« 'Ach- W«*' ^ Konstantinopel, 16. Jutt. Die Commission, welche sich nach dem Rhodopegebirge begeber? hat, besteht aus 16 Mitgliedern, Darunter der deutsche Consul Müller, der französische Consul Chalet, der italienische Consul Graziani und dir russische Botschcifts-Secretär Dasily. Ans Bairut wird genieldet, daß eine große englische Gesellschaft Schritte gethan hat, um die Concession zum Baue von Eisenbahnen von Skutart nach dem persischen Golf Und nach dem mittelländischen Meere w erlangen. Berlin, 17. Juli. Die „Post" schreibt: Von maßgebender Seue verlaufet, die Reichsregierung beabsichtige, den Reichstag so spat als,mog ich . . Ar... «TH- -K— Ft wirb . Beat Se. Mal. l er O. 19' ei- Di 52'’’ fr! '«ttmitJUulltationej, ne Hauptnuwmer Ä?V^teHaupv «r wöt SröfliiRß in glichen Magen, weicht i auf dem Fuhr folgen igirbigste Weise in tzüd "'Die jüngste be- rvheithatbewiesen, m und schlagferli« rud und Leid derNa- Nummern wieder« Extrabeigaben, Gelegen imerner höhen dieAnzlp ittes, das sich stetig D >u erfreum hat. v,™, ..... Gottes Hülfe dauernd bleiben wird und daß Kaiser d/n dringenden Wunsch, wenn irgend möglich, den Reichstag Person die persönlichen und freundschaftlichen Beziehungen, welche sich während unserer zu eröffnen. /■—■ w — Die „Prov.-Corresp." bringt einen Artikel: „Das Friedenswerk des Congresses", in welchem es heißt: Die Zuversicht des deutschen Kronprinzen, daß die auf dem Congresse, erreichte Verständigung der Großmächte eine neue Bürgschaft des Friedens und der Wohlfahrt der Völker sein werde, und die Ueberzeugung des deutschen Reichskanzlers, daß der Congreß sich um Europa wohl verdient gemacht habe, dürften je länger je mehr überall zur Geltung gelangen. Mit gutem Grunde dürfte Fürst Bismarck darauf Hinweisen, daß der Congreß Europa die große Wohlthat des Friedens, welcher so schwer bedroht war, wiedergeschenkt und innerhalb der Grenzen des Möglichen gesichert habe. Wenn (so fährt die „Prov.-Corresp." fort) nach den Worten des Kanzlers es unmöglich gewesen ist, alle Wünsche der öffentlichen Meinung zu verwirklichen, so ist darauf hinzuweisen^ daß dem Congreffr überhaupt nicht die Aufgabe zu- pel und nicht zufallen konnte, eine volle absolute Lösung der orientalischen Frage zu finden, daß er vielmehr die ganz bestimmte begrenzte Aufgabe hatte, den vor» läufig zwischen Rußland und der Türket geschloffenen Frieden von San Stefano mit den Jntereffen und Ansprüchen der übrigen europäischen Mächte und mit den früheren europäischen Verträgen in Einklang zu bringen. Diese Aufgabe ist unter allseitigem Einverständniß gelöst und dadurch dem Frieden Europas eine neue Bürgschaft gegeben. Das Wesentlichste bei dem Erfolge des Coi- greffes ist die wirklich vertrauensvolle Gemeinschaft und dec allseitig ernste Wunsch und Wille für eine wahrhaftige Friedenspolitik, welcher die Bevollmächtigten aller Großstaaten erfüllte. Bezüglich des englisch-tückischen Vertrages bemerkt die Correspondenz: Im Zusammenhang dec Ereignisse, wie er sich durch das Ergebniß des Krieges, wie des Friedensschlusses gestaltet, unter dem Wirken des Geistes, welcher die Mächte bei den Verhandlungen geleitete, wird auch jene Thatsache eher eine Bürgschaft weiterer friedlicher Entwickelung im Orient als der Anlaß erneuter Conflicte sein. Fürst Bismarck konnte mit voller Ueberzeugung der gemeinsamen Stimmung des Congresses Ausdruck geben, indem er die Hoffnung ausspcach, daß das Einverständniß mit Gottes Hülfe dauerhaft bleiben werde. — Die „Nordd. Allg. Zig." schreibt: Se. Maj. der Kaiser ist in langsamer, doch sichtbar fortschreitender Genesung begriffen. Falls wärmere Witterung eintritt, wird schon in den nächsten Tagen Entscheidung über eine Veränderung des Aufenthaltes getroffen werden. Dasselbe Blatt höct, Fürst Bismarck habe vor seiner Abreise nach Kssstngen eine lange Unterredung mit dem Kaiser gehabt. — Bei der heutigen Ziehung der preußischen Lotterte fiel der Hauptgewinn von 450,000 Mk. auf Nr. 68,125. Wien, 17. Juli. Die „Presse" enthält folgendes Telegramm aus Rom: Das Ministerium hat den König ersucht, wenn möglich, seinen Aufenthalt in Turin abzukürzen und schleunigst nach Rom zurückzukehren, da die Aufregung wegen der Cypri'schen Frage in Rom und dem übrigen Italien große Dimensionen anzunehmen beginne. Wie es heißt, erfuhr die Regierung von einer beabsichtigten Demonstration vor dem englischen Botschaftspalüs und trifft demzufolge Gegenmaßregeln. Der Mintsterrath soll morgen über Absendung einer Flotte nach der Levante berathen. London, 17. Juli. Lord Salisbury begleitete den dem Parlamente vorgelegten Text des Berliner Vertrages mit einer Depesche aus Berlin vom 13. Juli, worin er hervorhebt, daß die Modificationen, welche der Präliminär- vertrag erfuhr, die weitgehendsten seien und beinahe sämmtliche Artikel umfaßten. Dem Sultan sei ein großer Thetl seines Terrtitortums wiedergegeben worden. Es sei bezweckt worden, die Stabilität und Unabhängigkeit der Türkei zu sichern. Die auf dem Congresse beobachtete Politik entspreche seinem Circular vom 1. April. Um dem Einwande, die britische Regierung habe die Gesichtspunkte des Circulars vom 1. April verlassen, entgegenzutreten, bemerkte Salisbury, indem er auf das Circular hinwtes, wie jede Unzuträgltchkeit des Vertrages von San Stefano beseitigt sei, fast zwei Drtttthetle Bulgariens wieder unter die Herrschaft des Sultan gebracht worden seien und Bulgarien nur die Hälfte der propontrten Küste und keinen andern Hafen als Varna erhalten habe. Der neue Slaven- staat sei nicht mächtiger geworden, da er eine zahlreiche griechische Bevölkerung umfasse und werde Rußland sicherlich keinen vorwiegenden Einfiuß an den Küsten gewähren. Auch die innere Organisation Bulgariens werde, obwohl Rußland dort nicht geringe Autorität besitzen dürfte, keine speciell russische sein. Die Geldentschädigungsfrage sei in dem Berliner Vertrage gänzlich bet Seite gelassen, da der Congreß es ablehnte, eine Bestimmung des Vertrages zu revidiren, welche dem Pariser Vertrage nicht zuwiderlaufe; auch gaben die russischen Bevollmächtigten Erklärungen ab, welche die Wirksamkeit jener Bestimmungen wesentlich modificiren. Rußland annectirte keinerlei Territorium als Compen- satton der Kriegsentschädigung; es bestehe nicht auf der Priorität dieser Zahlungen vor den Rückzahlungen auf die von andern Mächten garantirten Schulden, für welche die Einkünfte der Türket bereits verpfändet seien. Hieraus gehe hervor, daß die Türkei nicht gezwungen werden könne, die Kriegsentschädigung zu zahlen, ehe sie den Forderungen der andern Gläubigern genügt habe; die Zahlung der Kriegsentschädigung sei also auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Stipulation betreffs des Schwarzen Meeres und die ausschließlich commercielle Bedeutung Datums verminderten die Gefährdung der Freiheit auf dem Schwarzen Meere. Die Retrocesston Bajaztds beseitige alle Befürchtungen hinsichtlich des persischen Handels. Gegenüber anderen etwaigen Gefahren habe die mit der Türket außerhalb des Congresses abgeschlossene Spectalconventton Vorsichtsmaßregeln getroffen. — Die Note schließt mit Anfzählung der Vor- thetle, welche zu Gunsten des Sultans erreicht worden seien. Ob man von dieser wahrscheinlich letzten Gelegenheit noch Vortheil ziehe oder ob auch diese verloren sein werde, hänge von der Aufrichtigkeit ab, mit welcher die türkischen Staatsmänner ihre Pflichten zu erfüllen bereit sein würden. Berlin, 17. Juli. Die „Provinz.-Corresp." enthält einen Artikel unter der Ueberschrift: „Die Regierung und die Wahlbewegung", welcher mit folgenden Worten schließt: Aus dem Allem geht wohl zur Genüge hervor, daß es nicht Schuld der Regierung, sondern schwere eigene Verschuldung ist, wenn die nationalliberale Partei den wahrhaft staatserhaltenden Elementen der Nation gegenüber in eine schwierige Lage gekommen ist. Sie hat das ihren Führern, besonders ihren leitenden Preßorganen zu danken. Die staatserhaltenden, regierungsfreundlichen Elemente des liberalen deutschen Bürgerthums, welche seither einen wesentlichen Bestandtheil der nattonalliberalen Partei und der Reichstagsmehrheit bildeten, werden unzweifelhaft auch künftighin eine Stütze der Bismarck'schen Gesammtpolitik in der Reichsvertretung bleiben: die Wahlen werden hoffentlich von Neuem bestätigen, daß das freisinnige Bürgerthum von seinen Vertreter« ein vertrauensvolles und zuverlässiges Zusammenwirken mit der Regierung verlangt zur Erlangung von practischen das Volkswohl fördernden Zielen, wie sie jüngst als Absichten und Wünsche der Regierung bei den Wahlen verkündet worden sind. — Die „Nordd. Allgem. Ztg." meldet: In dem vorgestern abgchaltenen Ministerrathe wurde der Entwurf des gegen die Socialdemokcatie zu erlistenden Gesetzes durchberathen; derselbe wird nunm.hr dem Kronprinzen behufs Ec- theilung der Genehmigung zur Einbringung in den Bnndesrath vorgelegt werden. Dortmund, 17. Ju't. Die „Westfälische Zeitung" meldet: Auf der benachbarten Zeche Neu-Iserlohn fand gestern eine Exvloston durch schlagende Wetter statt. Von 5 Arbeitern, die unten beschäftigt waren, wurden 2 gestern Abend tobt zu Tage gefördert; die drei anderen sind noch nicht ausgefnnden. Der Querschlag, wo der Unfall sich zutrug, ist zertrümmert._________________ Dor der entscheidenden Stunde. Ein Mort an die deutschen Wähler. (Schluß.) Was also soll es heißen, wenn die Conseroatioen und wenn sogar die Zeitungen, welche sagen, daß sie die Politik des Fürsten Bismarck ganz besonders unterstützen, jetzt ^te Gesetze, die von ihm etngebracht und gefördert sind, schlecht machen und sie als die Quelle alles UebeI-3 darstellm? Soll man das noch Unterstützung der Regterungs- polttik nennen? Glaubt man damit die Autorität der Staatsgewalt aufrecht zu erhalten? Nichts als Erstaunen und Verwirrung muß ein solches Gebühren in die Rethen ier Wähler bringen, und es kann nur dazu dienen, die Autorität der gesetzgebenden Gewalten zu untergraben und das Vertrauen zu unserem Reiche zu erschüttern. Daß unsere Gesetze, die schnell geschaff-n werden mutzten, um die Grundlagen unseres wiedererrunzenen nationalen Staates zu schaffen und zu sichern, nicht mit Einemmale allen Bedürfnissen des Volkes gerecht werden konnten, das wissen auch die Liberalen und sie haben sich nicht geweigert, da wo die Verhältnisse eine Aenderung lleser Gesetze nothwendig machten, darauf einzuzehen. Die halbamtliche „Berliner Pcovinzial-Cocrespondenz" sagt bezüglich der Gewerbeordnung: „Die Bestrebungen die Gewerbeordnung unter Berücksthttgung der heroor- -.etretenen praktischen Bedürfntffe zu verbessern, sollen in dem bisherigen Geiste fortgeführt werden, die Grundlagen aber der Gewerbeordnung sollen festgehalten werden." Nun gut! Damit sind auch die Liberalen einverstanden. Das ist keine leere Redensart, denn sie haben noch vor wenigen Wochen in dem aufgelösten Reichstag eine ganze Anzahl von wichtigen Aenderungen und Ergänzungen zur Gewerbeordnung be- ichlossen, welche die praktischen Bedürfnisse und die Wünsche unserer Handwerker und Fabrikanten berücksichtigen. So werden die Liberalen auch in Zukunft handeln. „Aber die Grundlagen der Gewerbeordnung sollen festgehalten werden" — das wollen nach der halbamtlichen „Prooinztal-Correspondenz" auch die deutschen Regierungen. Wenn dteKreuzzeitung und ihre conseroatioen Gesinnungsgenossen das ebenfalls wollten, — wozu dann der ganze Lärm über dieses und die anderen neuen Gesetze? Wozu dann der wüthende Kampf gegen alle Liberalen? 3. Das Wichtigste, was den Reichstag in seiner nächsten Session beschäftigen wird, betrifft die Finanzen und die Steuern. Um diese dreht sich der Hauptstrett. Es ist daher für jeden Wähler von sehr dringendem Interesse, ganz klar zu sehen: was wollen die Regierungen, was wollen die Conseroatioen und was wollen ote Liberalen? Die Berliner halbamtliche „Prooinztal-Correspondenz" sagt: Die Regierung will eine „wirtschaftliche Reform." Von ihr erwartet sie eine „allseitige Erfrischung der finanziellen Verhältnisse des Reiches." Für die Regierung sei eigentlicher Grund und Zweck der Reform „nicht die Vermehrung der Steuerlast des Volkes," sondern 1) Selbstständigkeit der Finanzen des Reiches, Vermehrung der Einnahmen desselben durch Erhöhung der vorzugsweise geeigneten tnöirecten Steuern, 2) Verminderung der birecten Steuern in den einzelnen Staaten und in den Kreis- und Communalverbänden. Neber diese Verminderung dec btrecten Steuern und über neue nützliche Ausgaben weiß bte „Provinzial Correspondenz" sehr schön zu reden. Freilich bezieht sich alles das, was sie sagt, zunächst nur auf Preußen und auf Verhältnisse, die im preußischen Landtage entschieden werden. Sie hat dabei also vorzugsweise die preußischen Wähler im Auge. Da sollen nach der „Pcovinzial-Correspondenz" in Preußen die unteren Stufen der Klassensteuer ganz von der Steuer befreit oder erleichert werden; da soll ein namhafter Thstl (womöglich die Hälfte) derGrund- und Gebäudesteuer an die kommunalen Verbände überwiesen werden, da sollen die Handwerker und die kleineren Handeltreibenden in der Gewerbesteuer erleichtert werden. Da sollen ferner neue nützliche Anlagen gemacht und große Summen für das Unterrichtswesen verwendet werden. Welche vortreffliche Aussichten für Preußen! Glauben denn die Wähler, die liberalen preußischen Landtagsabgeordneten werden alle diese schönen Dinge nicht gern annehmen und wenn es geht, noch viel mehr? Haben doch die Liberalen das Meiste davon seit Jahren gefordert. Ja, sie könnten noch manche andere Dinge, die wünschenswerth sind für Preußen bei den Reichstagswahlen hinzufügen. Wenn man einmal z. B. von der Reform der Klasiensteuer spricht, dann möge man auch an die sehr hoch belasteten Mittelstufen denken! Auch die kleineren Landwirthe, die Handwerker, die Beamten und ebenso die besser gestellten Arbeiter sind besonders hoch belastet, namentlich wegen der hohen Zu ichläge für die Kommunen. Dies ist oft genug von liberalen Abgeordneten im Preußischen Abgeordnetenhause nachzewiesen. Gegen diese Versprechungen der „Pcovinzial-Correspondenz" also wird fein Mensch im Lande seine Stimme erheben. Hätten wir sie nur erst in Gesetzesparagraphen leibhaftig vor uns! Wir können die Zstt kaum erwarten! Aber um Alles dies in Preußen zu machen, wird das Reich viel, sehr viel Geld durch neue Steuern schaffen müssen. Rechnen wir es einmal ein wenig nach. Zur Reform der Klassensteuer, wie sie die „Provinzial Correspondenz" verspricht, sind 15 bis 23 Millionen Mark nöthig, zur Ueberwetsung der Hälfte der Grund- und Gebäudesteuer an die Kommunaloerbände 29 Millionen Nark, zur Reform dec Gewerbesteuer wenigstens 5 Millionen, zur Verbesserung des Uiterrtchtswesens nach den bis jetzt bekannt gewordenen Absichten etwa 20 Millionen. Nehmen wir auch nur 15 Millionen für neue productive Anlagen hinzu, so kommen wir auf einen Bedarf von 90—100 Millionen Mark jährlich für Preußen. Davon würden etwa 55 Millionen Mark zur Erleichterung der Steuerzahler an direkten Steuern, der Rest von 35 Millionen aber zur Vermehrung der Ausgaben verwendet werden. Sollen aber in Preußen diese Reformen durchgesührt werden, so muß eS vom Reich dazu den erforderlichen Betrag in indirekten Steuern jährlich erhalten. Um dies zu können, muß das Reich jährlich 150 bis 200 Millionen Mark an indirekten Stenern mehr als bis jetzt erheben. Damit wird es aber noch nicht gethan fein. Denn man wird auch für den Militär- und Martneetat mehr als bisher Huben wollen. Die „Prootnztal-Corresponden»" spricht davon zwar speciell nicht; aber sie hebt doch hervor, daß die Steuerreform nicht blos das Geld für Erleichterungen in den Einzelstaaten, sondern auch für die höheren Ausgaben schaffen soll. Man sei doch offen und nenne das Ding, wie es ist: es handelt sich in der That auch um Ausbringung von mehr Steuern und Lasten als bisher. Also etwa ein Paar Hundert Millionen Mark an neuen oder höheren, indirecten Steuern*) sollen im Reich aufgebracht werden: das ist die Frage, die den Reichstag und vorher auch die Wähler ernstlich beschäftigen soll. Wie aber diese vielen Millionen aufgebracht werden sollen, darüber sagt die Berliner „Pcovinzial-Correspondenz" nur sehr wenig und gerade das ist es, was die Wähler am meisten interessirt; denn sie sind es, die, man mag es machen, wie man will, doch immer bezahlen müssen. Die „Prooinzial-Correspondenz" sagt, in erster Linie müsse der Tabak höher besteuert werden. Von ihm wird man „mit Leichtigkeit den größten Theil der wünchenS- *) Gegenwärtig erhebt das Reich aus allen inbirecten Steuern (Zöllen, Verbrauchssteuern rc.) unb ber Wechselstempelsteuer im Ganzen etwa 300 Millionen Mark; also ebensoviel beinahe würbe nöthig sein. Vermischte- -eich M sehr vidW 4247) Salz Kaufmann Markt in (1961 Bergamt Großherzogliches Salinen- und Bad Nauheim. 4169) Gute Frühkartoffel verkauft Karl Euler, Neustadt. Herren-Sonnenschirme empfiehlt in reicher Auswahl zu billigen Preisen. (3091) H. Rübsamen. 3765) Zu allen in meiner Praxis vorkommenden Leistungen empfehle ick mich bestens. Wittwe Schneider, Hebamme, wohnhaft bei Herrn Nagel in der Brandgaffe. NB. Schellenzug befindet fick am Laden. Ctff» Hilft. llritfig Steinkohlen Handel und Verkehr, Frankfurt, 17. Juli. Der heutige Heu- und Stroh-Markt war aut be- fahren. Heu kostete je nach Qualität 2-2.60, Stroh per Gentner JL 1.80-2.20, Butter im Großen das Pfund 1. Qual. JC. 1.10,-15 2. Qual. J4 1, im Detail 1 40' 2- Oual. JL 1.20. Eier das Hundert JL 4.50-5.60. Fleischpreise: Ochsenfleisch per Pfd. 70-75 Kuh- u. Rindfleisch 55-64 Kalbfleisch 60-70 Hammelfleisch 55-68 Schweinefleisch 70-75 Speck JL —, Erbsen, geschälte (per 100 gilogr.) 28-33 x, ganze Erbsen 24—28 Bohnen 25-28 Linsen 28—56—22 Ortöffeln, neue 6.—. Buchenscheitholz per Quadrat-Meter erste Sorte JL 11.05, Zweite Sorte JL 9.80, Tannenscheitholz erste Sorte JL 7.90, zweite Sorte JL 6.80. „ .^^imburg, 17. Juli. (Fruchtbericht.) Rother Weizen 19.80, Weißer Weizen Malters ÄOrn 12'75' Gerste " 60, Hafer JL. 7.95. (Durchschnitts - Preis pro in bester Qualität zu den billigsten Preisen bei Carl Demuth, Neuenweg B. 183 von der Großherzogl. 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Es ist bekannt geworden, daß die russischen Behörden die Eisenbahnwagen, in denen sie die Kranken vom Kriegsschauplatz nach Petersburg und weiter befördern, in denen noch die unterwegs Gestorbenen tagelang neben den Kranken liegen, ohne jede ^esinficirung dem Verkehr übergeben. Es ist also jedenfalls die größte Vorsicht geboten. — Berlin. Die ersten Wörter, welche das lallende Kind stammelt, sind für die Eltern immer ein Anlaß größter Freude, alle Schmerzen und Sorgen werden durch die süßen Namen Mama! Papa! reichlich belohnt. Um so erstaunter war das K.'sche Ehepaar, als ihr Sprößltng Laute hervorbrachte, welche wie Umma und Ahü klangen; Gott wie deutlich sagte zwar der Vater aber im Innern konnte er sich doch nicht überreden, daß dies der Anfang zu Papa und Mama sein sollte. Nach und nach wurde dann Umpa und Allehü daraus, bis der liebe Alfred zuletzt mit erschreckender Deutlichkeit „Lumpen und alte Hüte" rief! Die Erklärung war nicht schwer: Die Kinderstube lag nach dem Hofe heraus, wo die bekannten Hausirhandler mehr als einmal täglich Lumpen Knochen und alte Hüte" zum Einkauf rufen. Jetzt wo die Fährte gefunden ist, gibt sich der Papa die größte Muhe, dem talentvollen Weltbürger auch das Wörtchen Knochen beizubrinqen damit er wenigstens die Formel vollständig und richtig ausrufen könne. Die Mutter freilich ist aam unttostlich. ' 0 0 Regierungen auch die Liberalen. Die nationalliberalen Abgeordneten haben das schon im Jahre 1868 verlangt, aber sie verlangten zugleich auch die volle Sicherheit dafür, daß nicht blos neue Lasten und mehr Steuern im Reiche geschaffen würden, sondern auch gleichzeitig Erleichterungen in den Einzelstaaten. Bis jetzt sind aber noch keine Gesetze von den Regierungen im Reichstage vorgelegt worden, welche neben den höheren Steuern auch die gewünschten Steuererleichterungen sicher stellten. Im Jahre 1869 brachten die Bundesregierungen ein ganzes Bouquet von acht neuen Steuern, nur um das angebliche Deficit in Preußen zu decken. Die liberale Majorität lehnte die Steuern ab und es zeigte sich nachher, daß das Deficit auch ohne die neuen Steuern zu decken war. Im Jahre 1875 brachten die Bundesregierungen wieder zwei Steuerprojekte: die Erhöhung der Biersteuer und die Steuer auf Schlußscheinr rc. Von Steuererleichterungen war auch dabei keine Rede; die neuen Steuern sollen nur dazu bienen, daß die Matrikular- bettrage, welche die Einzelstaaten an das Reich zahlen, nicht erhöbt würden. Die Liberalen im Reichstage wiesen nach, daß die neuen Steuern nicht nöthtg wären und daß man die Matrlkularbeiträge auch nicht zu erhöhen nöthig hätte. Die neuen Steuerprojekte wurden nicht anaenommen. In der letzten Session des Reichstags kamen wiederum zwei große Steuerprojecte: die Erhöhung der Tabaksteuer unb eine neue Stempelsteuer auf Schlußscheine. Aber auch sie brachten nur eine Steuererhöhung und eine neue Steuer, ofyi; die in Aussicht gestellte Reform mit den dazu gehörigen Steuererleichterungen. Selbst die Conser- vativen sahen ein, daß man für diese Steuerprojecte nicht stimmen könne. Die Liberalen wollen eine Steuerreform, sie sind auch nicht gegen die Erhöhung ßeeigneter inbirecter Steuern, aber sie verlangen, daß gleichzeitig der Erlaß an btrecten Steuern in ben Einzelstaaten gesetzlich sichergestellt werbe. Die Liberalen hängen auch nicht an den Matrikularbeiträgen; aber sie wollen in die Beseitigung derselben nur bann einwilligen, wenn bem Reichstage bas jährliche Einnahmebewilltgungsrecht, welches berfelbe jetzt verfassungsmäßig hat, verbleibt. Die Conseroativen sagen, das Einnahmebewillungsrecht des Reichstags sei überflüssig. Auch der Fürst Bismarck hat einmal erklärt, der Reichstag könne sich ja schlimmsten Falls mit dem Ausgabebewilligungsrecht begnügen. Die Liberalen find *) In Oesterreich waren 1872 beim Tabaksmonopol 26,000, in Frankreich 16,000 Arbeiter besckasttgt. nicht dieser Ansicht. Sie halten sich in ihrem Gewissen für verpflichtet, ein so wichtiges Recht, welches die deutsche Verfaffung der Volksvertretung gewährt hat, nicht preiszugeben. Einnahmebewilligungsrecht ein sehr wirksames Mittel in der Hand be§ Reichstages ist, beweisen die letzten 4 Jahre. Rur dadurch ist es dem Reichstag möglich gewesen, es zu bewirken, daß in den letzten vier Jahren 79 Millionen Mark weniger an Matrikularbeiträgen von den Einzelstaaten erhoben wurden, als die deutschen Regierungen es wollten. Gleichwohl wird man bem Reichstage nicht den Vorwurf machen können, daß ™ ^^gierungen nicht Alles bewilligt habe, was zur Sicherheit und Erhaltung der Machtstellung Deutschlands nothwendig war. Sind doch die Ausgaben für das Militär 13*Millionen^Mar?erhöht? ^^en Mark und die Ausgaben für die Marine um k^D^Meralen im Deutschen Reichstag haben freudig die großen, immer unvergeßlichen Veroienste des Fürsten Bismarck anerkannt, sie haben ihn gern und willig in seiner nationalen Politik unterstützt, sie haben bewilligt, was zur Erhaltung und Entwickelung der deutschen Institutionen nothwendig war. Als die Vertreter des freisinnigen Deutschen Bürgerthums sind sie aber auch eingetreten für die Rechte des Deutschen m “”bsfetn/.r2lbfleorbneten, sie sind eingetreten für eine sparsame, den Verhältnissen des Reiches entsprechende Finanzverwaltung. Der Reichskanzler und die Bundesregierungen werden bei der Durchführung der großen Reformen, welche wir Alle erstreben, der Mitwirkung des freisinnigen Deutschen Bürgerthums und seiner Vertreter nicht entbehren können; sie werden dieselbe erhalten, wenn sie die berechtigten und verfassungsmäßigen Forderungen derselben berücksichtigen. Die Deutschen Wähler aber mögen am 30. Juli durch ihre Stimmen bekunden, dast sie vertreten sein wollen nach wie vor durch Männer, welche !^^ehEN zu Kaiser und Reech, welche gern und willig die nationale Politik des Fürsten Bismarck unterstützen, welche gleichzeitig aber auch besonnen und sest eintreten für die Rechte und Freiheiten des Deutschen Volkes! \ QOöOOÖöOÖOO.OQDaDQOaaD Frische gAnanas | □ sind eingetroffen bei (4400 5 3 Carl Sciiwaab; g Ö Delicatessenhandlung. O oaoaöocaoQDODDoaöoööS ZS- ® form tiW r.1 ««*'(»; ■a^f . ki# AeNgeöotenes. Zum Einmachen u. Ansetzen empfiehlt in vorzüglicher Qualität die Delicatessenhandlung Carl Schtvaab, 440D Giessen.: Essig-Essenz per Flasche für 7—14 Flaschen feinsten Essig «M. 1, Essig-Essenz mit Estragon Jl. 1,20, la- la. Weinessig per Ltr. 24 Burgunder-Essig, roth und weiss, Sämmtliche Gewürze, ganz (gemahlen unter absoluter Garantie der Reinheit). 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Kein Land der Welt hat eine so blühende Tabaksindustrie wie Deutschland. Sie beschäftigt, abgesehen von den Nebengewerben, die damit im Zusammenhänge stehen, 110 bis 120,000 Arbeiter — also etwa die Hälfte der Arbeiter, die von der Großeisenindustrie leben, welche für sich jetzt so dringend verlangt, daß der Staat sie durch einen Zoll schützen soll. Bet Einführung des Tabaksmonopols würde ein blühender, weitverzweigter Handel, eine blühende Industrie vernichtet, die Hälfte oder zwei Drittel der darin beschäftigten Arbeiter brodlos werden*), der Tabaksbau, von dem viele kleine Landwirthe in Deutschland leben, auf ganz unsichere Füße gestellt und der Regierung auf Gnade und Ungnade überliefert werden. Wie ein Sachverständiger ausgerechnet hat, sind bei der Tabakstnduftrie 800,000 bis 1 Million Menschen in Deutschland dtrect oder tndirect bethetligt. Sie würden durch die Einführung des Monopols schwer betroffen werden; denn ihnen allen eine Entschädigung zu gewähren, ist ganz unmöglich. Und trotz dieses gewaltsamen Eingriffs in unsere wirthfchastltchen Verhältnisse würden die Einnahmen aus dem Monopol namentlich in den ersten 10 Jahren sehr unsichere und keineswegs so hoch sein, wie sich die Freunde des Tabaksmonopols etnbtlden. In den ersten Jahren nach Einführung des Monopols gäbe es wegen der Entschädigungen nur sehr wenige Ueberschüsse. Oesterreich hatte aus dem Monopol im Jahre 1852 eine Einnahme von 25 Millionen und erst nach 20 Jahren eine Einnahme von 74 Millionen, die seit dem nicht gesteigert ist. Und glaubt man denn: Der Steuerzahler würde die Einführung des Monopols nicht merken? In Frankreich kostet das Pfund ordinärer Rauchtabak 4 bis 5 Mark, bei uns in Deutschland 40 bis 60 Pfennige! Das ist denn doch ein Unterschied, der wahrhaftig zu merken ist. Also man sage uns doch erst klar und deutlich, durch welche neuen Steuern man die Hunderte von Millionen im Reich aufbringen will. 4. „Erhöhung der eigenen Einnahmen des Reiches". Das wollen mit den Restauration Busch (Stein). Heute, Freitag den 19. Juli (im G-arten): Gastspiel der auf der Durchreise begriffenen Sängergesellschaft Christ aus Dresden Auftreten des Charakter-Darstellers und Mimikers I. Christ der Costum-Soubrette Frau Christ aus Dresden, sowie des Organisten' und Pianisten Herrn Felder aus Karlsruhe. ________________ Anfang 8 Uhr. Entree 25 Pf. (4406 4130) Alle Sorten natürliche, sowie künstliche Mineral Wasser empfiehlt in stets frischer Füllung Zwiebelkuchen frisch, jeden Montag, Mittwoch und Freitag Morgens zwischen 9 und 10 Uhr, empfiehlt (4404 August IT Oll im Stern. 4260) Ein zweisitziger noch fast neuer Comtoirpult nebst Stuhl zu verkaufen. Näh. bei I. Rothenberger, Lindenplatz. 4331) Stets frische Butter und Gier empfiehlt zum Wochenmarktspretse, bet größeren Quantitäten billiger, W. Heuser, vorm. Ir. Bieler. Hückstädt'sches Zahnmundwasser vertreibt sofort jeden Zahnschmerz, ä Flacon 30 Pfg., 4086) bei «Julius Wallach. 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Bltts. die Wiederwahl des seitherigen Abgeordneten zum Reichstag, des Freiherrn Adalbert von Nordeck zur Rabenau in Oeffentliche Aufforderung. 4373) Forderungen jeglicher Art an den Sattler Philipp Menges I. dahier, dessen Nachlaß seine gesetzlichen Erben unter der Rechtswohlthat des Inventars angetreten haben, sind binnen 14 Tagen bei unterzeichnetem Gerichte anzumelden, wenn sie bei Regelung des Nachlasses berücksichtigt werden sollen. Lich, 5. Juli 1878. Großh. Landgericht Lich- Weyer. Versteigerung. Arbeitsversteigerung. Samstag den 20. Juli d. I., Nachmittags 3 Uhr, soll auf dem Bureau der unterzeichneten Stelle Dachdeckerarbeit an der Kirche, veranschlagt zu 170 JL, in Accord gegeben werden. (4391 Alten-Buseck, am 16. Juli 1878. Wagenbach, Bürgermeister. Vermischte Anzeigen. 4395) Ein junger Mann von 17 Jahren mit Gymnasialbildung und schöner Handschrift sucht in Gießen Stelle auf einem Comptoir oder Büreau oder auch als Lehrling. Gefl. Offerten sub F. H. 25 befördert 4397 Zwei kräftige Arbeiter finden dauernde Beschäftigung bet Andreas Euler. im „Solmser Hof" zu Hungen hiermit ergebenst eingeladen. Für das Wahlcomite: Th. Baist, Advocat. Aue Neichstagswahl. 4390) Die Wähler im ersten Oberhessischen Wahlbezirk, welche Gießen, den 16. Juli 1878. Grohherzogliche Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm. Verantwortliche Redaction: A. Scbeyda. — Dru'ck und vertag bar Brühl'schm Univ..Druckerei lFr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Holzversteigerung im Giessener Stadtwalde. Montag den 22. Juli 1878, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde, in dem District Wanne nachverzeichnetes Holz versteigert Bettsedern das betreffende Reitzeug gewaschen, in und außer dem Hause von Frau KTH*t,Fr