*" * 1...... >l- I.: "b bii U m c>- . 12-22 *9'- l- J-- So. «« Donnerstag den 14. März 1878. KWW FWWr Aüffigt- unh Misblatt für Le« Kreis Gießen. RedattionSbnreaur Gartenstraße B. 165. SxpeditionSbureau r Schul st raße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. : Ntenriber $iti, !ich. js=Malt. schlißsitzullg mittags 1 Uhr, iu Hungen. ^ndstvahl, Berathun^ eiten. »arten tn der Nähe der e oder der Schönen-Aussicht fat. Nabnes bei der Exped. ohhüte en ii.id Fafoniren mmen bei / zf* Wenzel verloren neruhr aus dem Wege vvm >n Lswaidshmien nad) der wichen Finder eine gute der Ey?ed- d. BAs. ■ohhüte iüt Damen it. aufs \<^öntte gewaschen rt bei l. Fangmann^ wwf* , . .u tchuhwaaren-Fabnk 6fn unb llms-»-nd einen ' jMclt... M. SÄl-" «°" pr0D)pt -Mt °° ßniif« Tebr ,.in W” . 1- '™efes- lÄt politischer Höeil. Parlamentarische Wochenschau. Berlin, 12. März. Bevor wir zur Besprechung des wichtigsten Gegenstandes unserer diesmaligen parlamentarischen Wochenschau übergehen, wollen wir kurz noch einige minder bedeutende Fragen berühren. Zunächst die persönliche Debatte, welche sich gelegentlich der Berathung des Etats zwischen dem Fürsten Bismarck und den Abgg. v. Schorlemer und Windthorst entspann. Letztere hatten den Fürsten in ihrer bekannten, gehässig persönlichen Weise so über alles Maß angegriffen, daß selbst ein Socialdemokrat sich dessen geschämt haben würde. Dafür bekamen sie denn aber auch eine so energische Züchtigung, daß ein Berliner Witzblatt die Sache sinnbildlich nicht übel in der Weise darstellt, daß beide Herren vom Reichskanzler mit der boshaften Zunge festgenagelt werden. Bei solchen Angriffen, wie die von Schorlemer und Windt- horst gegen Bismarck gerichteten, handelt es sich ja nicht mehr um den Kampf gegen politische Grundsätze, sondern um die Befriedigung des rohesten persönlichen Haffes, wozu die Betreffenden den durch langes Leiden nervös gereizten Zustand des Reichskanzlers wissentlich und absichtlich sich zu Nutze machen. Bismarck hatte wohl Recht, wenn er in seiner Erwiderung darauf hinwies, wie schimpflich diese Art des Angriffs gerade für Leute sei, die zu den gebildeten Kreisen gerechnet sein wollten. Ob die Lection, die die genannten Herren unter Zustimmung aller anderen Parteien erhielten, für die Zukunft fruchten wird, möchten wir trotzdem bezweifeln — dazu ist die ohnmächtige Verbitterung bet denselben schon zu stark geworden. Erfreulicher war die Verhandlung über die Abänderung refp. Ergänzung der Gewerbeordnung. Die Vorlage der Retchsregierung über die Lehr- lingssrage, die Arbeitsbücher für Arbeiter unter 18 Jahren, die Kinderarbeit und die Gewerbegerichte fand zwar nicht auf allen Seiten des Hauses und in allen Punkten gleichen Beifall, wurde aber im Ganzen recht anerkennend und sachlich besprochen, so daß auch für die Commissions Beratungen, denen diese Materie zunächst unterzogen wird, ein günstiger Erfolg zu erhoffen steht. Plötze liche Erfolge werden freilich auf diesem Gebiet so leicht nicht zu erringen sein, es ist aber schon etwas, wenn die nothwendigen Verbefferungen der tn mancher Beziehung zu theoretischen Gewerbeordnung in Angriff genommen und dadurch Angriffspunkte für neue Fortschritte geschaffen werden. Am meisten schienen die Stimmen auseinanderzugehen in Betreff der Kinderarbeit. Aus diesem Gebiet sind in der That die Interessen des Gewerbes und die Sorge für die Heranwachsende Nation schwer zu vereinigen, besonders wo es sich um die Con- currenz gleicher ausländischer Industrien handelt, welche durch ähnliche Beschränkungen der Benutzung der Kinder nicht gehindert sind und dadurch bei billigeren Arbeitslöhnen auch billiger produciren können. Wenn irgendwo, dann dürfte in solchen Fällen, wo eine Convention über gleiche Behandlung der Arbeiter nicht zu erzielen ist, die Herstellung gleicher Concnrrenzbedingungen durch Auflegung eines entsprechend bemessenen Schutzzolles gerechtfertigt sein. In der Debatte über die elsässische Optantenfrage eignete sich die Mehrheit des Hauses, entgegen dem Anträge der elsässischen Intransigenten und Ultramontanen, den Antrag der Autonomisten an, in welchem der Regierung möglichste Berücksichtigung der wieder aus Frankreich nach Elsaß zurückkehrenden Optanten anempfohlen wurde. Diesen Erfolg haben die Autonomisten durch ihr verständiges Auftreten und ihre Trennung von den ultramontanen sranzosenfreundlichen Elsässern wohl verdient, und da die Reichsregierung that- sächlich dieselbe Praxis schon seit einiger Zeit befolgt, wie ihr jetzt anempfohlen wurde, so wird sich die ganze Angelegenheit wohl glatt erledigen. Die großen Debatten über die Stellvertretungs-Vorlage brachten nicht das dramatische Interesse, welches man davon erwartet hatte. Hierzu war auch der Stoff kaum angethan, zumal nicht in den Händen der ernsthaften Redner, die ihn rein sachlich behandelten, mit Ausnahme natürlich von Windt- horst, der es nicht lassen kann, seine Malicen überall anzubringen. Als das Resultat der Debatte läßt sich im Allgemeinen feststeüen: Man sieht allseitig die Nothwendigkeit ein, dem Reichskanzler di^ Möglichkeit zu gewähren, einen Thetl semer Geschäfte auf andere Schultern abzuwälzen. Hierzu soll einestheils ein Vteekanzler in der Person des jeweiligen preußischen Finanzministers geschaffen werden, dann aber auch. specielle Stellvertretung für einzelne Dienstzweige den specicllen Chefs derselben oder anderen Personen übertragen werden können. Selbständige Reichsmmister, einerlei ob Bismarck sie für wünschens- werth hält oder nicht, sind schon wegen des Widerstandes der deutschen Mittelstaaten , speciell Bayerns und Württembergs, nicht zu erlangen; man kann daher um so eher auf ihre Creirung im jetzigen Moment verzichten, als die gegenwärtige Vorlage mit ihren Einrichtungen der späteren Organisation von Reichsministerien nicht nur nicht präjudicirt, sondern gleichsam schon die Keime dieser Entwickelung enthält. Gleichzeitig gab die Debatte Gelegenheit, auf die Verhandlungen über die Steuerreform und die vielbestrittene Frage der constitutionellen Garan tien zurückzukommen. Wurden auch nicht alle Differenzen hier beseitigt, so wurde doch die Sache klargestellt und sehr versöhnlich verhandelt. Bennigsen bob nochmals hervor, was schon Stauffenberg Namens der nationalliberalen Partei ausgesprochen hatte: keine neue erhebliche Steuerbewilligung ohne Steuerreform und Sicherheit dafür, daß die Ueberschüsse, welche aus den indirecten Steuern eventuell den Einzelstaaten zufließen sollen, nur mit Zustimmung der Volksvertretungen dieser Staaten zur Erleichterung der Steuerlast der Staaten und Communen oder zu sonstigen Zwecken verwandt werden können. Fürst Bismarck gab die Nothwendigkeit der Vereinbarung zwischen Regierung und Volksvertretung über diesen Gegenstand in jedem einzelnen Falle zu, glaubte aber, der Zwang hierzu sei so natürlich durch die Verhältnisse gegeben und die Lust an etwaigen Conflicten so wenig vorhanden, daß ausdrückliche Garantien für solche Vereinbarungen in den Einzelstaaten nicht nothwendig wären, auch nicht im Reichstage, den die Angelegenheiten der Einzelstaaten nichts angingen, gegeben werden könnten. Es steht daher zu hoffen, daß, da diese factische Uebereinstimmung besteht, sich auch irgend ein Weg finden lassen wird, um an der Formfrage nicht den Ausgleich scheitern zu lassen. Die nächsten Wochen werden hierüber definitiven Aufschluß geben. Deutschland. Darmstadt, 10. März. Trotz wiederholter Warnungen hat nach den neuesten Nachrichten die Einwanderung mittelloser deutscher Arbeiterfamilien nach Frankreich und insbesondere nach Paris in den letzten Monaten wieder zugenommen. Das Großh. Ministertum des Innern sieht sich daher veranlaßt, die Kreisämter anzuweisen, den Inhalt früherer Ausschreiben abermals in geeigneter Weise zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Das Großh. Ministerium bemerkt zugleich, daß die nach Paris Auswandernden auf keinerlei Unterstützung von Seiten des in Paris bestehenden deutschen Hülfsvereins zu hoffen haben, da die Mittel dieses Vereins durch die Unterstützung zahlreicher, bereits in Parts ansässiger hülssbedürftiger Deutschen schon vollständig in Anspruch genommen sind. Darmstadt, 11. März. Der zweiten Kammer der Stände wurde durch Erlaß des Ministeriums der Justiz vom 8. I. Mts. mit Genehmigung Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs ein vorläufig entworfener Plan zur Bildung der Bezirke und Bestimmung der Sitze für die demnächstigen Amtsgerichte zur Kenntnißnahme und Aeußerung etwaiger Wünsche und Bedenken mitgetheilt. Nach demselben besteht die Absicht, die Sitze der Stadt-, Land- und Friedensgerichte überall auch als Sitze der künftigen Amtsgerichte beizubehalten und sind nur Aenderungen in der Bezirkseintheilung behufs besserer Arrondirung und zweckmäßigerer Geschäftsvertheilung beabsichtigt. Berlin. Seitens der Regierung sollen zwei bis drei Sachverständige nach den Vereinigten Staaten geschickt werden, um das System der Tabaksfabrikat-Steuer eingehend zu untersuchen. Hesterreich. Wien, 11. März, Abends. Die „Presse" meldet: Der Präsident des montenegrinischen Senates, Petrovics, welcher sich hier in Spectalmission befindet, erhielt von maßgebender Stelle unter Anerkennung der bisherigen Haltung Montenegros die Zusage, daß Oesterreich-Ungarn die legitimen Ansprüche des Fürstenthums unterstützen werde. Wien, 11. März. Im Budgetausschuß der österreichischen Delegation beantwortete Graf Andrassy die von einzelnen Delegirten an ihn gerichteten Anfragen; es wurde beschlossen, die vom Minister gegebenen Aufklärungen als confidentielle nicht in das Sitzungsprotokoll aufzunehmen. Besonders eingehend soll sich Andrassy der „Reichsraths-Correspondenz" zufolge über die Frage der Occupation Bosniens ausgesprochen haben. Er habe diese als nicht in den Zielen der Regierung gelegen bezeichnet und ferner erklärt: die Sicherstellung gegen Ueberraschung sei nicht das Motiv, sondern mit eines der Motive der Creditvorlage gewesen. Die Interessen der Monarchie seien Rußland gegenüber noch vor Beginn des Krieges zum Ausdruck gebracht worden und habe die russische Regierung deren Berechtigung anerkannt. Ausführlich beschäftigte sich Andrassy mit der an ihn gerichteten Frage nach den Motiven der im Juni 1877 geplanten theilweisen Mobilisirung und betreffs der Unterstützung, welche die Regierung auf dem Congreß von Seiten anderer Mächte zu finden hoffe. Er verneinte entschieden, daß eine Anschaffung für den Mobilisirungsfall ohne gleichzeitige Mobilisirung beabsichtigt fei, und erklärte, die Regierung gedenke keinenfalls sogleich nach Bewilligung des Credits die Mobilisirung anzuordnen. Sie bedürfe allerdings der Mittel, um die Welt zu überzeugen, daß die Monarchie zum sactischen Schutze ihrer Interessen befähigt sei. Allein vor dem Congresse, von welchem eine allseitige befriedigende Verständigung zu hoffen sei, die Wehrkraft aufzustellen, um sie dann unter großen Kosten in Bereitschaft stehen und danach eventuell wieder abrüsten zu lassen, wäre ein Vergehen, welches die Regierung nicht verantworten könnte. Wenn man behauptet habe, es sei für die Mobilisirung zu spät, so finde er vielmehr, daß es hierzu viel zu früh sei. Der Reichskanzler widersprach hierbei allen Nachrichten über that- sächliche Mobilisirungsmaßnahmen, Ordre de Bataille rc., die absolut grundlos seien. Präsident Graf Trautmannsdorf schloß hierauf die Sitzung mit dem Ausdruck des Dankes für die Bereitwilligkeit, mit welcher der Minister dem Wunsche der Delegirten entsprochen habe. Irankrcich. Versailles, 11. März. Die Deputirtenkammer genehmigte den Gesetzentwurf wegen Ermäßigung der Gebühren für den internen Postoerkehr. — Der Senat stimmte der Vorlage wegen Herabsetzung der Telegraphen-Taxen für den inländischen Verkehr zu. England. London, H. März, Abends. Im Unterhause zeigte Peel an, er werde heute Abend die Frage zur Erörterung stellen, ob es nicht wünschenswerth fei, daß England auf der Conferenz durch den Minister des Auswärtigen vertreten werde, da dieser bester dazu qualificirt erscheine und den Ansichten der Regierung bester Ausdruck geben könne. Schatzkanzler Northcote erwiderte auf Befragen Montague's: er habe noch keine Kenntniß von den Friedensbedingungen. Auf Anfrage Wolffs bestätigte derselbe, daß England die Zulaffung Griechenlands zum Congreste vorschlage. Onsloff wird morgen die Frage stellen, ob die Regierung die Anzahl der vor Gallipoli und den Befestigungslinien von Konstantinopel aufgestellten russischen Truppen und überhaupt deren Gesammtstärke südlich des "Balkans kenne, und ob sie die Conferenz beschicken werde, so lange sie nicht osficielle Kenntniß von den FctedenSbebingungen habe und so lange die Rasten die überwältigende Stellung vor den Linien von Konstantinopel und Gallipoli innehätten. Lenisan (?) meldete für Donnerstag folgende Anfragen an: ob für den Congreß jedem Theilnehmer die Freiheit vorbehalten sei, zurückzutreten, wenn die nationale Ehre und Würde dies erheische; ob die Entschei düng der Majorität die Minorität binde; ob sich die Regierung das Recht des Protestes gegen jedwede den Verträgen von 1856 und 1871 widersprechende Spoliatton der Türkei vorbehalte. Belgien. Brüssel, 11. März, Abends. Das Appellatonsgericht verurtheilte Erlecke, unter Abänderung des freisprechenden Erkenntnistes der ersten Instanz, wegen des Versuches der Erpreffung gegen die deutsche Regierung zu 18 Monat Gefängniß und Erstattung der Prozeßkosten.___________________________________ Telegraphische Depeschen. Wagner'S telegr« Eorrespondenz-Bureau. Berlin, 12. März. Reichstag. Zweite Lesung des von der Budget-Commission vorberathenen Theiles des Etats. Zu dem Elnnahme-Capttel 1 (Zölle, Verbrauchs steuern, Aversen) wurde der CommUsionHantrag, mit Rücksicht auf ote Zunahme der Bevölkerung die Anschläge um 4,868,540 x zu erhöhen, angenommen. Der weitere Antrag, den Reichskanzler zu ersuchen, bet dem nächsten Etat in Erwägung zu ziehen, ob nicht bet Berechnung der Aoersa für die Zollausschlüsse statt der Netto-Einnahmen d e Brutto-Einnahmen von den betreffenden Abgaben zu Grunde zu legen und ob nicht eine erh.bliche Erhöhung des sogen. Zuschlags pro Kopf der städtischen Bevölkerung Hamburgs, Bremens und Altonas zu fordern sei, wurde ungeachtet des Wtde spruchs der Abgeordneten für Hamburg und Bremen gleichfalls genehmigt. Der Präsident des Reichskanzleramts hatte sich mit dem Anträge einverstanden erklärt und bemerkt, daß der Bundesraty ein gleiches Ersuchen an den Reichskanzler gerichtet habe. Das Eap. 11 der einmaligen Ausgaben, die Etats der Etsenbahnoerwaltung, der Etat dcs allgemeinen Pensionsfonds weroen unverändert genehmigt. Zu den der Budgetcommission überwiesenen Thetlen des Marine.Etats ist eine Reihe Streichungen bei den Ausgaben und eine Verkürzung der aus der Anleihe angesetzten Einnahme von de Commission beantragt. Im Laufe der Debatte bemerkte der Chef der Admiralität, General v. Stosch, gegenüber Richter, es sei richtig, daß die Marine uno das dazu gehörige Personal stärker in Thätigkett erhalten werde als wünschenswerth sei; das habe aber auch die gute Sette, daß durch unausgesetzte Hebung eine tüchtige Ausbil düng erzielt werde, die gerade jetzt in den ersten Zähren des Bestehens der Marine erforderlich sei. Das bemängelte Flottenmaterial, welches durch starke Indienststellung an ikbltch noch mehr angegriffen werde, vertrage mehr als bet der Aufstellung des Flotlenplanes zu berechnen gewesen. Die Ausgaben für die Flotte würden deßhalb auch in den nächsten Jahren gegenüber den ersten Jahren sich niedriger stellen als varauszufehen gewesen. Im weiteren Verlaufe der Debatte ergriff der Chef der Admiralität wiederholt das Wort, um den verlangten Ausgabeposten für den Bau neuer Kriegsschiffe zu recht fertigen. Er wies namentlich auf die Erfahrungen des letzten Krieges hin, welche die Nvthwendigkett nahe legten, Panzerschiffe herzustellen, die den Torpedos gegenüber widerstandsfähiger feien. — Es wurden schließlich fämmtltche Positionen nach den Anträgen der Commission bewilligt und eine Resolution angenommen, worin der Reicbs- kanzler aufgeforden wird, zum nächsten Etat eine Ueberstcht über die seit 1873 im Ex- Iraordtnartum verw-ndeten und zur Durchführung des Flotten-Gründungs Planes noch erforderlichen Summen unter Vergleichung der Gesammtkosten mit dem Anschläge nach bim Flotten-Gründungsplane von 1873 vorzulegen. — Das Haus erledigte hierauf Wahlprüfungen. Nächste Sitzung morgen. Berlin, 12. März. Die „Nordd. Allg. Ztg." dementirt alle über Veränderungen im Personalbestände des Staatsmintsteriums verbreiteten Mit- tbeUungen und bemerkt, es sei in diesem Augenblicke von Personalveränderungen überhaupt nicht die Rede, so lange nicht die Reichstagsoorlagen über das Stellvertretungsgesetz, die Errichtung eines Reichs-Finanzamtes und die Tabakssteuer zum Abschlüsse gelangt seien. — Auch die „Nat.-Ztg." erfährt, daß den verbreiteten bezüglichen Gerüchten positive Thatsachen nicht zu Grunde lägen und eine Entscheidung in der Personenfrage in den nächsten Wochen überhaupt nicht zu erwarten sei. — Der „Reichs-Anz." veröffentlicht die Verleihung des Kronenordens I. Clasie an den Freiherrn v. Rothschild in Frankfurt a. M. TVien, H. März, Abends. Die vereinigten Subcommissionen der un garischen Delegationen haben sich mit dem neuerlichen dreimonatlichen Provisorium einverstanden erklärt; darauf traten die einzelnen Subcommisstonen für sich zusammen und bewilligten die Subcommissionen für die Marine und die auswärtigen Angelegenheiten je die für die bez. Refforts verlangten Nachtrags- Credite. Wien, 12. März. Die vereinigten Subcommissionen der ungarischen Delegationen nahmen in ihrer heutigen Berathung einstimmig den Antrag Falk's, betr. tie Bewilligung des 60-Millionen-Credits, an. London, 12. März. Wie „Standard" wiffen will, hätten die Behör- den von Malta die Weisung erhalten, alle hetmkehrenden Kriegsschiffe behufs Verstärkung der britischen Flotte in den Orientgewäffern dort zurückzuhalten. «onfiantinopel, 12. März. General Dondukoff-Korsakoff wird das ^ccupattonecorps in Bulgarien commandiren. — Die Dacht „Ltvadia" wird «JTr ^^wsttwn des Großfürsten Nikolaus morgen hier erwartet. Ueber den Besuch des Großfürsten beim Sultan ist noch Nichts festgesetzt. 12 März. Die „Agenzia Stefani" hält gegenüber dem De- mentt des „Observatore romano" die Meldungen vom 8. März bezüglich des Rundschreibens Franchi's an die päpstlichen Nuntien und daß der König dem Papst feine Glückwünsche dargebracht habe, für welche der Letztere dankte, auf recht. Die „Agenzia Stefani" fügt hinzu: Der mit der Beglückwünschung betraute Prälat war der Erzbischof von Turin. Die Dementis erfloffen nicht vom Vatikan, sondern Seitens der unversöhnlichen Partei, welche sich von jeder dem Papste zug^schriebenen Mäßigungsidee beunruhigt zeigt. — Zur Mi.uster- krisis verlautet, daß die Wahl des Ministers des Auswärtigen und des Kriegs- Ministers die meisten Schwierigkeiten verursache. Voraussichtlich aber werde das neue Ctöinet in kurzer Zeit gebildet sein. Paris, 12. März. Die „Agence Havas" meldet aus Athen: Die russische Regierung ließ durch ihren Gesandten, Staatsrath Saburow, der griechischen Regierung mittheilen, daß sie den Antrag Griechenlands, auf dem Congreffe vertreten zu jein, annehme. Wien, 12. März. Der „Polit. Corresp." wird aus Konstantinopel vom 11. d. gemeldet: Großfürst Nikolaus erhielt keine Einladung des Sultans, sondern gab spontan das Verlangen kund, den Sultan zu besuchen. Der Sultan scheint diesem Wunsche gegenüber es ziemlich lange an Entgegenkommen haben fehlen zu lassen. Erst in den letzten Tagen gelang eine Vereinbarung über das Begegnunzs-Ceremoniel. Neuestens wurde der Besuch des Großfürsten durch Unwohlsein des Sultans wieder verzögert. * Rom, 12. März Die Encyklica, welche die Thronbesteigung Leo's XIII. dem Epiöcopat und der katholischen Welt anzeigen soll, ist in Arbeit. Wie ich höre, würde der Inhalt maßvoll und frei von politischen Klagen und Aufreizungen sein. Das erste Consistorium wird gegen den 20. d. stattfinden. Die Jesuiten und Jesuitengenoffen äußern bereits unverhohlen ihre Unzufriedenheit mit dem neuen Papst. Wien, 13. März. Die „Presse" meldet aus Obbrowizza in Dalmatien : In Süd-Bosnien beginnen Baschi-Bozuks neue Maffacres gegen Christen. Die Insurgenten beschloffen den Kampf fortzusetzen und wählten den herzego- winischen Woiwoden Bozidarooic Wesclika zu ihrem Agenten beim Congreffe. Heute findet bei dem Gcenzort Trubar ein Kamps zwischen Türken und Insurgenten statt; der Ausganz ist noch nicht bekannt. Rom, 12. März. Erst nach der gestrigen Sitzung der Kammer begann Cairoli mit seinen Freunden in Betreff der Cabinetsbildung zu berathen. Bisher werden außer Cairoli Zanardelli und Farini als solche genannt, deren Eintritt in das Ciblnet als positiv gelte, Brin dürfte Marineminister bleiben. — Die „Opinione" dementirt die Meldung, daß Sella eine Unterredung mit Cairoli gehabt und daß das Finanzportefeuille Luzzati angetragen worden wäre. — Gestern hatte Cairoli wieder zwei Unterredungen mit dem Könige. Petersburg, 12. März. Das „Journal de St. Petersbourg" bespricht die Forderung dec englischen Zeitungen, wonach im Voraus festzustellen wäre, daß alle Punkte des Konstantinopler Friedensvertrages der Würdigung des Congresses unterbreitet werden und alle Machte dessen Entscheidung accep- tiren sollen, und läßt sich hierüber folgendermaßen aus: der Congreß sei kein schiedsrichterliches oder anderes Tribunal, sondern eine gemeinschaftliche Berathung über gemeinsame oder divergirende Interessen. Seine Entscheidungen würden um so mehr der allgemeinen Zustimmung sicher sein, als sie weniger von Eifersucht und Mißtrauen und mehr von den allgemeinen Interessen eingegeben würden. Die Entscheidungen des Congresses würden nicht mitStimnen Mehrheit gefaßt, also wäre die Forderung unlogisch, daß Jedermann seine Unterwerfung im Vocaus erkläre. Ebenso unhaltbar sei die Forderung, daß dem Congreß alle Punkte des Konstantinopler Friedens unterbreitet würden; wenn die Aufgabe des Congresses ein Friedenswerk sei, so müsse man von den Debatten jeden Gegenstand fernhalten, welcher keinen europäischen Charakter habe, also der Congreßentscheidunz nicht unterliege, und erregte academische Discussionen herbeiführen könnte. — Eine Depesche des „Golos" aus Odessa vom heutigen meldet: Gestern Abend sind Jgnatieff und Reuf Pascha hier eingetroffen und heute Nachmittag 2 Uhr nach Petersburg weitergereist. Wien, 12. März. Die „Polit. Corr." meldet aus Bukarest: Die rumänische Regierung wurde davon tnformirt, daß in Kischeneff die für Rumänisch-Bessarabien bestimmte russische Civilverwaltung vollständig organisirt nur die Ordre erwartet, um die Administration dieses Landestheiles in die Hand zu nehmen.__________________________________________________________ Eingesandt. Schon feit längerer Zeit ist eine Frage aufgetaucht, welche die dabei Jnteressirten in lebhafteste Bewegung versetzen muß, bei welcher aber wohl keine Stadt in Deutschland mehr beteiligt ist, als Gießen. Es ist dies die von Seiten deS Reichskanzler- zur Sprache gebrachte Einführung des Tabaks Monopols. Obgleich es nach Lage der Sache nicht sehr wahrscheinlich ist, daß Der Reichstag eine Maßregel gutheißen würde, welche dem Wohle einer sehr bedeutenden Zahl von Fabrikanten, Händlern und Arbeitern die härtesten und oft wohl kaum heilbaren Wunden schlagen müßte, so ist es doch Pflicht der Betheiligten, dem Reichstage durch Petitionen rc. den Sachbestand klar darzuiegen und entschiedenen Protest gegen Einführung des Tabaks Monopols zu erheben. Wo ist aber hier seither etwas Derartiges geschehen? Hohe Zett dazu ist eS! Wäre es nicht Dache hiesiger hervorragender Tabaks- und Cigarrenfabrikanten, sämmtliche Interessenten — also Fabrikanten, Händler, Comptoiristen, Arbeiter rc. — zu einer Versammlung und zur Besprechung eine Petition zu berufen? Wäre es nicht vielleicht vorzugsweise Berus des Herrn Commerzienraths Gail, welcher in TabakSfragen bereits in Frankfurt und Berlin alS Bevollmächtigter fungtrte, sich an die Spitze der Sache zu stellen? Man warte nicht, bis es zu spät ist! Es handelt sich darum, von zahlreichen Bewohnern Gießens und feiner Umgegenb Rückgang und Verarmung abzuwenden. W. Theater. Die mit allgemeiner Spannung erwartete. Fattnitza hielt am Montag ihren Einzug und verfammelte ihre Verehrer in außerordentlich zahlreicher Weife um sich. Fatinitza ist wirklich eine Prachtover, hinter der alle Erzeugnisse der modernen Operettencultur weitaus zurückstehen. Textlich äußerst amüsant, überreich an komischen Situationen verläßt sie die breitgetretenen Bahnen des bisher in den Operetten gebotenen trivialen Elements. Die mustcalische Illustration ist eine wahrhaft vorzügliche und einzelne Nummern, wie das Traumlied, das Duett sowie das Quartett im 1. Acte, das prächtige Duett im 2. Acte sind Erzeugnisse einer echten musik: lischen Seele und von bedeutendem Werth. Herr Kurde hat mit der Vorführung dieser neuesten Oper abermals gezeigt, daß er in feiner Directionsführung nach dem Besten strebt, daß er in schön genteßbarer Form uns auftischt was nur möglich ist. Herr Kurde ist nach allem, was er uns in den letzten beiden Saisons geboten hat. wohl berechtigt und befähigt, einen großen Wirkungsk eis zu finden, welchen wir ihm in Folge seiner Leistungen von Herzen gönnen. Die Aufführung der Fatinitza war im Allgemeinen und unter den obwaltenden Verhältnissen eine sehr schöne. Die Capelle unter Krause's Leitung sehr gut und discret in der Begleitung. Frau Kurde erhielt den Löwenantheil am Erfolge. Wir haben die geschätzte Sängerin noch nie so in ihrem eigenen Elemente wie am Montag gehört, denn gerade die ernsthaft fertöten Gesänge sagen ihrer schönen Stimme und ihrem seelenoollen Bortrage am meisten zu. Fräulein Weber war eine sehr liebe Vertreterin der Lydia, ebenso Herr Teile ein tüchtiger Reporter und Herr Kurde ein komischer Eisenfreffer. Mit besonderer Anerkennung müsien wir noch Herrn Bömly's gedenken. Da die Ausstattung ebenfalls eine sehr anständige und gelungene war, so war der Erfolg der Fatinitza ein allgemeiner, wozu wir Herrn Kurde nur gratuliren. —?— GIESSEN. feinst get candirier Wiener A antrtannt vorzüMe Q Urt geMet. Mikiiae Julius Waj Ta «Mch uflb vauhtni, Fi rung vollständiger Detter «Ehrung, bd 168) Th. «rück, K Feinster Le fMt geruch- und gesokma mit Metall-Verschluss a end M. t<0. LPr.n Di' P ilnen>Man, Gelatine ieciN ostii ^caroni. Eier, r Kf'i $uPpenf * galten. v°nserven) Q 9M's®rirte y/angen u. < fi.ib (Kittel jM’ttlilä i’t I“”' 'feilt Cak.^n abM > ^n- und ausl Mousseux u. ( Rechten Arac, Jamaica-Rui Punsch-Essenz Liqueure. Chocoladen. Cacao-£,11.^ r Masse. Vanäle. s&rs» D Die Chocoladen sind Conditoreien und gross vorräthig- eo Giessen, Gartenstraste, hiers. bei Herrn Schmidt. 1425) St. 18 cX J. Blitz. Markt No. 8. GIESSEN. Der Vorstand. 1451) Kaplansgaffe Nr. 233 1213) In- und ausländ. Weine. 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