n, in Itl «•en, T chs« ' j (812 , , Ne. 211, Mittwoch, den 11. September 1878« Meßmer "UnMger AMige- nnb AmtsM fit Ku Kreis Gieße«. iUbodieniMremit Sartenstraße B. 165. Grpe-ittvn»d«reiMr Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mtt Ausnahme bei Vt-«tagO. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mtt Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Woci 1 ischer TheiL enbauses. »«rmlctj,, 1°' Akktknbrauna WunjFTK vmntethm. Chr. H oreysrL e9 Rimmer, paittni k- Iutzi, GarW, mit LerkW7 sbald zu beziehen h armstäbter Hanl StöFmemeg HM ' am 1. Oktober,«' zu beziehen. v«. Ploih. iienwohnung oon bn' ai Zugehör, SrsG Familie zu veriniklbe: Weidmgossk 9K Stock lFamtlimiisbr »auseS zu vermielhen. Dr. Weder. Die Eröffnung des Reichstags. (Telegramm.) Berlin, 9. Septbr. Der Reichstag ist mit folgender Thronrede eröffnet worden: Geehrte Herren! Im Allerhöchsten Auftrage haben Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen mich zu ermächtigen geruht, im Namen der verbündeten Regierungen die Sitzungen des Reichstages zu eröffnen. — Als die letzte Sesston geschloffen wurde, befand sich das deutsche Volk noch unter dem Eindrücke der tiefen Erregung, welche ein gegen die Person Sr. Maj. des Kaisers gerichteter Mordversuch hervorgerufen hatte. Schon wenige Tage daraus hat sich abermals und mit unheilvollerem Erfolge die Hand eines Verbrechers gegen das Oberhaupt des Reiches erhoben. Gottes Gnade bewahrte zwar auch diesmal das Leben des Kaisers, aber die erlittenen schweren Verwundungen haben Se. Maj. genöthigt, bis zur völligen Genesung sich der Regierungsgeschäfte zü enthalten und die Wahrnehmung derselben Sr. Kaiserlichen Hoheit dem Kronprinzen zu übertragen. — Schon nach dem ersten Mordansall waren die verbündeten Regierungen überzeugt, daß die Frevelthat unter dem Einflüsse der Gesinnungen entstanden sei, welche durch eine aüf Untergrabung der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung gerichtete Agitation in weiten Kreisen erzeugt und genährt werden. Sie haben deßhalb dem Reichstag den Entwurf eines Gesetzes vorgelegt, welches diesen gemeingefährlichen Bestrebungen ein Ziel zu setzen bestimmt war. Die Vorlage wurde abgelehnt. Jetzt, wo der Nation ein erneutes Verbrechen die dem Reich und der ganzen bürgerlichen Gesellschaft drohende Gefahr mehr und mehr zum allgemeinen Bewußtsein gebracht hat, werden Sie, geehrte Herren, durch Neuwahlen zur Mitwirkung an der Gesetzgebung berufen, aufis Neue zu prüfen haben, ob das bestehende Recht genügende Handhaben zur Unschädlichkeit jener Bestrebungen bietet. Die verbündeten Regierungen haben ihre Ueberzeugung nicht geändert. Sie find nach wie vor der Ansicht, daß es außerordentlicher Maßregeln bedarf, um der weiteren Ausbreitung des eingeriffenen Uebels Einhalt zü thun und den Boden für eine allmälige Heilung zu bereiten. Sie halten ebenso an der Auf- sastung fest, daß die zu wählenden Mittel die staatsbürgerliche Freiheit im Allgemeinen zu schonen und nur dem Mißbrauch derselben entgegenzuwirken haben, mit dem eine verderbliche Agitation die Grundlagen unseres staatlichen und Culturlebens bedroht. Ein von diesen Gesichtspunkten aus aufgestellter Gesetzentwurf wird ihnen unverzüglich vorgelegt werden. Die verbündeten Regierungen hegen die Zuversicht, daß die neugewählten Vertreter der Nation ihnen die Mittel nicht versagen werden, welche nothwendig sind, um die friedliche Entwickelung des Reiches gegen innere Angriffe ebenso sicher zu stellen, wie gegen äußere. Sie geben sich der Hoffnung hin, daß, wenn erst der öffentlichen Ausbreitung der unheilvollen Bewegung ein Ziel gesetzt ist, die Zurückführung der Jrrgeleiteten auf den richtigen Weg gelingen wird. Auf Allerhöchsten Befehl erkläre ich im Namen der verbündeten Regierungen den Reichstag für eröffnet. fittjtigtn. ht von Samstag ai n neuen Anlage c ilb, eine W mir tf Met Püulutz unb r rebÜdie Finder wol t der Exped. b. M nft abyeben. nicht lche Wohnunz flk : ib zwei Eabinetö mb irt soM W mm-__J2 iiifbuB jaflt die ExoeN^ Spengleraeselltn jnlich oder fdjrtfW l» einrichSch^ Alsfelds—- »eit 10. d> »n »iskegs Lah»s^; SSSg Ä cyte- I \ 'm r"/flnl V X- FeutsHkand. Berlin, 7. Septbr. Die Directionen der deutschen Eisenbahn-Verwaltungen haben im vorigen Jahre die Einführungen eines gemeinsamen Formulars für Reclamationen wegen verlorenen oder vermißten Handgepäcks beschlossen. Oaffekbe liegt jetzt nach Mittheilung der geschäftssührenden Direction des Vertins deutscher Eisenbahn-Verwaltungen auf sämmtlichen Stationen der Vereinsbahnen auS. Damit die Kenntniß von dem Bestehen dieser Einrichtung in den Kreisen des reisenden Publikums thunlichst verbreitet wird, haben viele Verwaltungen in den Wartesälen und Restaurationen entsprechende Bekanntmachungen ausgehängt, während andere Verwaltungen derartige Bekanntmachungen in sämMltchen Coupss ihrer Personenwagen haben anbringen lasten. Wenn in Zukunft ein Reisender Gepäck im Wartesaal oder im Eisenbahnwagen liegen Selaffen oder verloren hat, wird er sich zum Zweck der Reclamation am einfachsten an den Bahnhofsvorstand (Bahnhofstnspector) der Stativn, wo er den Verlust bemerkt, mtt dem Ersuchen wenden, ihm ein Vereinsformular für Necla- mation von Reisegepäck zur Ausfüllung auszuhändigen. Dieses Formular kann er dann ausgefüllt an denselben Beamten oder auch an den Stationsvorstand riner andern Station zur weiteren Verfolgung der Reclamation abqeben. Berlin, 7. Septbr. Die Laskerstche „Berl. Aut. Corresp." schreibt über den „neuen Reichstag" u. A.: „Am 9. September tritt der neue Reichstag zusammen; es ist die erste Session der vierten Legislaturperiode, zu welcher derselbe eröffnet wird. Ungewöhnlich wie die Zeit der Eröffnung sind die Um- sände, unter denen sie erfolgt. Nicht nach dem ruhigen Ablauf seiner dreijährigen Mandatsdauer ist der vorige Reichstag heimgegangen; eine Auflösung bat ihm ein frühes Ende bereitet, und darauf haben die allgemeinen Wahlen jam neuen Reichstag unter einer stürmischen Aufregung der Bevölkerung und unter einer Verwirrung der Anschauungen stattgefunden, die bei uns noch nicht ttlrbt worden war. Der neugewählte Reichstag zeigt in seiner Zusammen- 'ktzung die Spuren davon; es kann nicht anders sein, als daß man sich kein rechtes Bild von dem Gange seiner Verhandlungen und dem Ausfall seiner Be- schlüffe vorzustellen vermag. Als Grund der Auflösung wurde officiell angegeben, daß bei den schweren Gefahren, die dem Gemeinwesen von den Ausschreitungen der Socialdemokratie drohen, die Regierung suchen muffe, eine Reichstagsmehrheit um sich zu sammeln, die, aus den „staatöerhaltenden Elementen" bestehend, ihr die Mittel zu einer wirksamen Bekämpfung der Social- demokratie zu gewähren bereit sei. So ist denn der officiell verkündigte Zweck der Auflösung nicht erreicht worden ; die Regierung wird nach wie vor darauf angewiesen fein, mit derselben Partei sich in's Vernehmen zu setzen, welcher sie wegen des angeblichen Mangels an Entgegenkommen gegen ihre Absichten während der Wahlen den Krieg machen ließ, wenn sie im neuen Reichstage irgend ein Gesetz von Erheblichkeit, zunächst das Socialistengesetz, zu Stande bringen will. Obglcich der neue Reichstag eine Verstärkung der beiden conservativen Parteien um etwa 40 Mitglieder aufweist, wird er darum doch für die Regierung Wt „bequemer" sein als der aufgelöste. Die conservativen Parteien sind zwar äußerlich gewachsen, sie sind darum aber keine stärkere Stütze für die Regierung geworden. Sie sind mehr noch als früher mtt Elementen durchsetzt, die gerade nicht als warme Freunde des Reichs und einer auf seine Stärkung gerichteten Politik gelten können; wohl aber werden sie auf die Regierung dahin einzuwirken suchen, daß die Wege, welche bisher zu den großen nationalen Zielen hin eingeschlagen und verfolgt wordey sind, verlassen werden und eine Reaction eintrete. Die Regierung hat es an Vdrsicherungiti sticht fehlest laffm, daß Derartiges nicht in ihrer Absicht liege. Man muß dem Glauben schenken; dann afctr wird auch von einem Einvernehmen über die Ziele zwischen der Regierung und der äußersten Rechten nicht die Rede sein können. Der Regierung wird, wenn sie fortfährt, die Reichsinstitution auszubauen, von ihren deutsch-conservativen Freunden dabei mehr Hinderung als Förderung erfahren; sie wird genöthigt sein, wiederum zusammen zu gehen mit den liberalen Parteien. Dies Alles deutet daraus hin, daß der neugewählte Reichstag der Schauplatz vielfach verschlungener Bewegungen und Gruppirungen der Parteien unter sich und mit der Regierung sein wird. Wir können nur wünschen, daß auf allen Seiten die Lage mit richtigem Verständniß ersaßt und daß ohne Vorurtheil nach einer Verständigung gesucht werden möge." — Im „Liegn. Stadtblatt" veröffentlicht der national-liberale Abgeordnete, Geh. Rath Jacobi, einen Artikel über das allgemeine Wahlrecht, von dem er behauptet, es fit eine „Quelle der grenzenlosen Ueberhebung, Anmaßung und Macht- und Genußbegierlichkeit der niedrigsten Schichten" geworden, indem ei zugleich daran erinnert, daß nach Wagener's Andeutungen der eigentliche Zweck des gleichen und allgemeinen Wahlrechts sei, die Macht des libetalen Mittelstandes zu brechen. Er macht darin folgende Vorschläge zur Revision des Reichswahlgesetzes: 1) Eigener Haushalt und Zahlung wenigstens des niedrigsten Claffensteuersatzes in Preußen als Bedingung des Wahlrechts. Nach Ansicht des Verfaffers ist das wohl die mindeste Anforderung an die äußere Unabhängigkeit und wirthschaftliche Selbständigkeit der Wähler, da jeder tüchtige Arbeiter so weit gelängen könne. 2) Lesens- und Schreibenskunde, als die unentbehrkichste geistige Vorbildung für die Gewinnung eines eigenen politischen Urtheils. 3) Ein Zeitraum der Seßhaftigkeit in der Gemeinde, welcher für die Solidität der Lebenshaltung (?) spricht. Nach Ansicht des Verfaffers ist diese Forderung schon durch die folgende Bedingung geboten: 4) Wahlen durch Wahlmänner, da der Gesichtskreis des größten Theils der Wähler nur so w?it reiche um aus eigener Ueberzeugung in der nächsten Umgebung einen für das Wahlgeschäft geeigneten Mann zu finden, während darüber hinaus lediglich fremder Einfluß bestimmettd sei. Außerdem verlangt er 5) Ausdehnung der Reichstagsperiode auf eine längere Zeit, etwa auf 5 oder 6 Jahre — als nothwendiges Gegenmittel gegen die mit dem allgemeinen Wahlrechte verbundene tiefgreifende Aufregung der politischen Leidenschaften. Der Artikel schließt: „Die Reform des allgemeinen Wahlrechts darf nicht von der Tagssvrvnuag verschwinden." Ukankreich. Paris. In Frankreich ist die Ernte weniger günstig ausgefallen, als es dem Anschein nach in den übrigen größeren Länderst des Kontinents und in Amerika der Fall gewesen ist; ipenigstenK ist vorläufig der Ppeis des Brodes in Paris gestiegen. Die französische Regierung pflegt sonst sehr vorsorglich in dieser Beziehung zu sein und unter dem Titel von Militär-Magazinirungen, namentlich in Zeiten billiger Getreidepreis^ solche Quantitäten sestzulegen, welche ihr gestatten, in Zeiten der Theüerung einen einigermaßen regulirenden Einfluß auf sehr hochgehende Preise des nächsten Jahres auSzuüben. Die Beibehaltung dieser Gewohnheit mag ihr in letzterer Zeit schwer geworden seist, ba: die gerühmte Ertragsfähigkeit des sranzöstschen Bodens schon seit mehreren Jahren unter dem Durchschnitt geblixben ist, und Frankreich in dieser Zeit stets mchr Getreide und Mehl ein- als" ausgeführt hat. Während man in Deutschland eine volle Mittelernte gewonnen, und in manchen Provinzen deist Landbau ein lange nicht dagewesener Segen zu Theil geworden ist, beginnt unter den Land- wirthen die Furcht Platz zu greifen, daß der Segen die Preise so drücken werde, daß er sich in einen klingenden nicht zu verwandeln vermöge. Sollte das vorerwähnte Moment für die Getreidepreise auch für sich allein kein maßgeben des sein, so wollen wir den Hinweis darauf als einen kleinen Hoffnungsstrahl unseren Landwirthen nicht vorenthalten. Paris, 7. Septbr. „Soir" theilt über die Affaire des Socialisten- Kongresses noch Folgendes mit: „Die erste Person, welche verhaftet wurde, war Finance, der bei Oeffnung der Saalthüre den Polizeicommiffär Fouque- teau an der Gurgel faßte. Nach ihm wurden Chabry, Deoille, Coneste und Maflard verhaftet. Deville, der die Polizei auf dem Laufenden erhalten haben soll, wurde nach dem ersten Verhör allein in Freiheit gesetzt. Die in den Wohnungen der Verhafteten mit Beschlag belegten Schriften führten zur Verhaftung von Hirsch. Die bei demselben auszefundenen Papiere sind sehr wichtig. Der ebenfalls verhaftete Däne, Schumann, gestand ein, der Internationale anzuze- hören. Bei allen Verhafteten fand man Briefschaften, welche ihre Beziehung mit dem Auslande seststellen. Zwei russische Frauen wurden ebenfalls nach der Polizei-Präfektur gebracht. Dec größte Thetl der Verhafteten wird unter der Anklage der unerlaubten Versammlung und der geheimen Verbindung vor Gericht gestellt." So der „Soir." Die Russinnen wurden in Folge von Angaben der russischen Agenten, welche der Versammlung anwohnten, verhaftet. Ein Qesterreicher, der auch anwesend war, soll ebenfalls verhaftet worden sein. — Der officiöse „Soir" greift die Ruffen wegen ihres grausamen Auf- tretens in der Türkei sehr schars an. Nachdem derselbe einige Auszüge aus den Berichten über die Rhodope-Ereigntffe mitgetheilt, meint derselbe: „Man weiß, woran man sich zu halten hat. Man weiß, daß man sich angesichts der Apostel befindet, welche während beinahe eines Jahrhunderts unter Alexander L, Nicolaus und Alexander II. Polen pacifictrt haben. Angestchts seiner Eivilisa- toren, welche die Katholiken durch Bayonnetstiche, durch Knutenhiebe, dann Tod in Sibirien und durch die Beraubung zur Orthodoxie bekehrten. Es find die Nämlichen, welche drei Jahre lang Europa zur Msthülfe aufforderten, um der türkischen Barbarei ein Ziel zu setzen. Wer kann heute noch von der türkischen Barbarei sprechen? Im Orient gibt es nur noch eine Barbarei: es ist die der moskowitischen Ctvilisatton, des moskowtttschen Apostels, des moskowltischen Missionars." Türkei. Konstantinopel, 8. Septbr. Nach amtlichen Berichten wurde Mehe- med Alt Pascha in seiner Wohnung zu Ipek mit seiner Escorte, bestehend aus einem Officier und 20 Soldaten, ermordet und das betr. Haus sodann mit Petroleum in Brand gesteckt. — Ein weiteres Telegramm meldet: Auch der Muteffarif von Ipek, Abdallah Pascha, nebst 10 höheren Beamten wurden niedergemetzelt. dabei zu erklären, Griechenland werde niemals auf die ihm vom Berliner Conzreffe zugesprochenen Rechte verzichten. New-Orleans, 9. Septbr. Gestern sind hier 81 Personen gestorben und 223 als neu erkrankt gemeldet. In Memphis wurden gestern 100 Leichen beerdigt; die Zahl der Erkrankten ist auf 3000 gestiegen; unter den Gestorbenen befinden sich 8 Aerzte. Die Z istände in Memphis sind über alle Beschreibung traurig; es hat sich jetzt daselbst ein Comits gebildet, um den bisher vom Fieber Verschonten das Verlassen der Stadt möglich zu machen. Von Plaquemines (Louisiana) wird ebenfalls der Ausbruch des gelben Fiebers gemeldet. In Hickmann ließ dasselbe ein wenig nach. Der Verkehr auf den Eisenbahnen und Dampfbooten ist teilweise suspendirt. In den von der Epidemie heimgesuchten Bezirken hat der Geschäftsbetrieb vollständig aufgehücr; 90,000 Menschen sind arbeitslos. Es dürfte 1 Mill. Doll, erforderlich sein, um nur für die nähsten 50 Tage Lebensmittel für dieselben zu beschaffen. Washington, 9. Septbr. Conzreß nitglieder aus den Südstaaten und eine Rech: anderer politischer Persönlichke.te.i erließen einen Aufruf, worin dieselben im H nblick auf die Hrnzersnoth, welche voraussichtlich der Epidem e des gelben F ebers folgt, zur sofortigen Organisirung einer systematisch geregelten nationalen Hülfe auffordern. Berlin, 10. Septbr. Die National-Liberalen beschloffen in ihrer gestrigen Frakcionssitzung, auf Compromiß-Verhandlungen über die Wahl des Reichs- tagsprästdiums sich nicht einzulassen und an der Wahl v. Forckenbeck's zum Präsidenten festzuhalten; hinsichtlich der Personen der Viceprästdenten wurde der definitive Beschluß noch ausgesetzt. Darmstadt, 10. Septbr. Der Großherzoz ist heure früh aus England wieder hier eingetroffen; die Großherzogin besucht heute die Kaiserin in Coblenz. Paris, 9. Septbr., Abends. Eine Versammlung der radicalen Depu- tirten, welche heute die Vorfälle auf dem socialistischen Congreffe besprach, beantragte Louis Blanc, dem Minister des Innern, Marcöre, ihr Bedauern über die Haltung der Behörden gegenüber dem Vereins- und Versammlungsrechte auszudrücken. Gleichwohl liegt es durchaus nicht im Sinne dieser Deputation, fich den Doctrinen des Congreffes anzuschließen. Paris, 10. September. Gestern fand in Boulogne anläßlich der Feier der Einsenkung des ersten Steines zu dem neuen Hafen ein Banket statt, an dem sich gegen 400 Personen betheiligten. In Erwiderung auf einen Trinkspruch ließ sich Minister Freycinet über die Thunltchkeit der Ausführung großer öffentlicher Arbeiten aus, die zur Befestigung der Republik beitragen würden. Minister Say zollte der französischen Sparsamkeit Lobsprüche, vertrat die Ausgabe der 3proc. tilgbaren Rente und schloß mit den Worten: die öffentlichen Arbeiten werden den Staatshaushalt nicht schwer belasten, da nichts ohne Telegraphische Depeschen. Wagner'» telegr. Torrespoudearz - Birreax. Berlin, 9. Septbr. Die amtliche Feststellung des Resultates der Nachwahl im ersten Berliner Wahlbezirk fand gestern statt. Die Zahl der eingeschriebenen Wähler betrug 18429. Abgegeben 10772 Stimmen. Davon ungültig 54 St., es blieben somit 10718. Davon erhielten Fabrikbesitzer Ludwig Löwe (Fortschritt) 7465 St., Frhr. Schenk v. Stauffenberg (nat.-lib.) 1390 St., Redacteur Joh. Most (Soc.-Dem.) 1798 St.; es zersplitterten sich 65 St. Gewählt ist demnach Fabrikbesitzer Ludwig Löwe. Die amtliche Feststellung des Wahlresultates im zweiten Berliner Wahlkreise ergab: Eingeschriebene Wähler 36815, abgegebene Stimmen 24710. Davon ungültig 44, bleiben 24666 Stimmen. Davon erhielten Stadtgerichtsrath Hoffmann (Fortschritt) 14148, Ober-Verwaltungsgertchtsrath Struckmann (nat.-lib.) 3063, Schriftsetzer Aug. Baumann (Soc.-Dem.) 7474 St. Die übrigen Stimmen zersplitterten sich. Stadtgerichtsrath Hoffmann ist mithin gewählt. Berlin, 9. September. Die erste Sitzung des Reichstages wurde um 3Vi Uhr durch den Alterspräsidenten v. Bonin eröffnet; derselbe berief die Abgg. Graf Kleist, Weigel, Eysoldt und v. Sodon zu Schriftführern, gedachte darauf der Errettung Sr. Maj. des Kaisers aus Mörderhand und brachte ein dreifaches Hoch auf den Kaiser aus, in welches die Versammlung begeistert einsttmmte. Der Namensaufruf ergab 271 Anwesende, demnach die Beschlußfähigkeit des Hauses. Der Gesetzentwurf bezüglich der Bestrebungen der Social- demokratte ist eingegangen. Mit der Verloosung der Mitglieder in die Abthei- lungen wurde das Bureau beauftragt. — Nächste Sitzung Mittwoch 12 Uhr. Tagesordnung: Präsidentenwahl. — Die deutsch-conseroativen Reickstagsabgeordneten hielten gestern Abend eine von etwa 50 Mitgliedern besuchte Fraktionssitzung; wie in den früheren Sessionen wurde dem Grafen Moltke das Ehrenpräsidium übertragen; in den provisorischen Vorstand wurden gewählt; v. Seydewitz, Ackermann, v. Helldorf und Graf Gleist. — Ueber die Wahl des Reichstags-Präsidenten sind von den Fraktionen noch keine definitiven Beschlüffe gefaßt; die National-Liberalen haben, falls das Centrum einen eigenen Candidaten aufstellen und v. Forckenbeck nur bei sehr großer Majorität die Wahl annehmen sollte, event. v. Bennigsen oder Stephani als Präsidenten in's Auge gefaßt. Berlin, 9. Septbr. Die „Nationalztg." äußert in einer Besprechung der Thronrede: Der nationalliberalen Fraktion ist anscheinend in dem Gegensätze der Parteien die entscheidende Stimme Vorbehalten. Die nattonalliberale Wählerschaft hat — darüber ist kein Zweifel möglich — das Schuldig über die socialbemokratische Agitation ausgesprochen und ihren Abgeordneten die Aufgabe überlasten, das Urtheil zu sprechen, das darauf gebaut werden soll. Die in der Thronrede ausgesprochene Hoffnung, daß die Vertreter der Nation die geeignetsten Mittel zur Sicherstellung des Reiches nicht versagen würden, erscheint uns schon heute als eine wohlgegründete. Die Haltung des ganzen Actenstückes ist eine prägnante. Der Ton, in welchem die wenigen Sätze sich bewegen, nimmt nichts von der Reserve weg, welche die äußere Form der Eröffnung der ganzen Handlung schon von vornherein aufdrückt. Wien, 9. Sept. Meldungen der „Polit. Corr." Konstantinopel. Die Ermordung Mehemed Äli's wirkte hier niederschmetternd. Die Pforte beschloß energische militärische Vorkehrungen gegen die altserbischen Meuterer. Auch nach Maccedonien, wo bedenkliche Anzeichen von Ruhestörungen heroortreten, sollen Verstärkungen abgehen. — Bisher sind 35,000 Rusten abgezogen. — Athen. Der Gesandte in Konstantinopel, Konduriotis, ist angewiesen, die Pforte von der vorgestern geschehenen Absendung des griechischen Rundschreibens an die Großmächte mit dem Ansuchen um deren Vermittelung zu verständigen und Ueberlegung unternommen ist. Um den Erfolg zu sichern, bedürfen wir zweier Dinge: des äußeren Friedens und der inneren Stabilität. Lokal-Notiz. Gießen, H. September. (Vortrag.) Heute Mittwoch findet der bereits schon angekündtgte Vortrag des Herrn Prof. Engelhardt aus München über »Ton- und Stimmbildung" in der kleinen Aula der Unioerfität statt. Wir wollen nicht versäumen, nochmals auf diesen höchst interestanten Vortrag, al« ein vollständig neue« Gebiet der Wissenschaft in Betreff Kultivtrung der menschlichen Sprechstimme, wie fie ähnlich bet den alten Griechen in Anwendung kam, aufmerksam zu machen und glauben, daß sich der Besuch um so mehr lohnen wird, alS Herr Engelhardt von Seiten bekannter Capacitäten und Corporattonen auf das Glänzendste empfohlen wird. Vermischte-. Frankfurt, 1. September. Ein hiesiger Bürger, Meister auf der Jagd, ging, von seinem Watdmannsgefühl Betrieben, hinaus auf die Hühnerjagd, auf welcher ihm etwas ganz Eigenthümltch-S passtrte. Vor ihm stieg eine Kette Feldhühner in raschem Fluge auf, gleichzeitig machte ein Hase Männchen; statt die Hühner zu treffen, schoß er den Hasen und war eben tm Begriffe, dieses haarige Feldhuhn einzusacken, al« ihn der Feldschüh bei seiner Beute ertappte und festhtelt. Die« Jagdglück dürfte ihn 30 vor dem Ragegericht kosten. Die armen Hasen dürfen in Darmstadt schon geschaffen werden, in Frankfurt geht die Jagd erst am 16. September auf. — ES liegen nun ausführlichere Berichte vor über das furchtbare Unglück, von welchem die Stadt Miskolcz (Ungarn, »diesseits der Theiß") Freitag NachtS ereilt wurde. Der Wolkenbruch begann um 11 Uhr Nachts und währte drei Stunden lang, die Flüßchen Szinoo und Pecze schwollen rapid zu mächtig überfluthenden Strömen an, den Bewohnern kaum Zeit zur Rettung lastend. Bisher wurden 131 Leichen ausgefunden, darunter 14 Mtlitäcpersonen, ein Oderlieutenant und noch viele Personen werden vermißt. Sämmtltche Brücken, das Straßmpstaster, die Trottoirs sind zerstört, in der Hauptstraße gähnen klaftertiefe Abgründe, der Verkehr mittelst Wagen ist absolut unmöglich. Die Stadt erleidet einen schaden von mehr als 100,000 fl., die Privaten verloren wohl eine halbe Million. Noth und Elend sind grenzenlos. — Andere Berichte schildern das Unglück noch furchtbarer, geben die Zahl Todten mit 400 an und erklären, die halbe Stadt sei rutnirt. Die durch die Staat fließende Szina und der font trockene Peczegraben waren mit jäher Schnelligkeit mit einer stets rascher anschwellmde» Fluth gefüllt, die brausend und tobend die Ufer überstieg und sich — Entsetzen und Verderben bereitend — auf den schönsten Theil der Stadt ergoß Ehe die Bewohner noch aus dem Schlafe erwacht waren, stand Miskolca bereits Meter und zwei Meter hoch unter Wasser. Das tosende Element riß Häuser mit sich deren E nwoh.aer größten- thetlö unter den Ruinen derselben begraben wurden. Tausende vermochten nichts, oll bas nackte Leben zu retten. Die Schreckensscenen spotten jeder Beschreibung. — Der Häringsfang ist dieses Jahr allenthalben ungemein reich ausgefallen Seit einem Menschenalter ist der Fisch nicht in solchen Mengen ausgetreten, eine Thar« fache, welche der auf allen Gebieten immer mehr um sich greifenden katz en jämmerlich en Stimmung gegenüber als recht erfreulich bezeichnet werden kann. Sehlffeberlebt, Mitgetheilt von dem Agentm bei Norddeutschen Lloyß rr. W. Dietz in Gießen. Southampton, 4. September. DaS Postdampfschiff Mosel, Capt. £>.8-5* Neynaber, vom Norddeutschen Lloy) in Bremen, welches am 21. August von Newyock abgegangen war, ist gestern 11 Uhr AbendS wohlbehalten hier angenommen und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Paffagiere, Post und Ladung heu^ 1 Uhr Morgens die Reise nach Bremen fortgesetzt. Die Mosel überbringt 140 Paffagiere und volle Ladung. Newyork, 6 Septbr. (Per transatlantischen Telegraph.) Da« Postdamoffchia Rhein, Capt. H. C Franke, vom Narddeutschen Lloyd in Bremen, welches am 25. Augur von Bremen und am 27. August von Southampton abgegangen war, ist heute 8 Uhr Moraens wohlbehalten hier angekommen. Literarisches. Illustrirte Jagdzettung. Organ für Jagd, Fischerei und Naturkunde. Heran?- gegeben vom k. Oberförster H. Nttzsche. 3 Jahrgang. Nr. 23 enthält: DaS Aschenbrödel der heutigen Thierzucht, der Hund, von G- Lanze. — DeS Jäzer'S Jahreszeiten von Dr. Winckenbach mit Bild- — Falkenbeize inAmerika oonH. I:ml:r in San FranciSc). — Fuchshistorte, humoristisches Bild u. s. w. — Jagdüaladungskarten vom Thiel- maler Decker. 25 Stück l-ll^ ftj-Entsetzens Öftp wfahft w k6Wen toutbt W aus Enz. ' Kaiserin in radialen Depn. besprach, be. c Bedauern über rsminlungsrechlt iesn Deputation, Wich der gelet Banket statt, an auf einen Trink« ussührung großer »eitragen würben, vertrat die M : die öffentlichen da nichts ohne dürfen wir zweier Handel und Verkehr. (Nie üen. 10. Sept- Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, per Pst- ., 20-1 25 öütncreier, per Stück 5-6 H K-Ie. per Stück 5-10 Kas-m-tt-, per o o Erbten 1 Liter 20 A Linsen 1 Ltttr 22 A, Tauben, ba8 Paar 55 Ack 3 L _"5 ß^bnen per St. J4 -60, Enten, per Stück JL 1.40, 100 Äilo JL 5 50 ' Ochsenfleisch 70 — 72 H ver Pfd., Kuh- und Rindfleisch LÄT ^l^inefletsch 64—68 ^.Kalbfleisch 50-60 ^Hammelfleisch 60-70 Frankfurt, 8. September. Die Zufuhren zu unserer L^dermesse waren ent- Rieben kleiner als an der Osiermesse insbesondere waren effectio feine! und starke und Kubleder nur mäßig zugefahren, so daß diese Sorten mit 6—8 pCt. hoher 'iJL Frühjahr gebandelt wurden. Mittel und leichte Wildsohlleder waren zwar auch Kto viele am SWartt, als die« an der letzten Messe der Fall war holten aber nur oCt höhere Preise gegen die Frühjahrsmesse. In guter Nachfrage waren auch inke ^ahmsohlleder, welche gleichfalls zu 5—6 pCt. höher rasch verkauft wurden. Es n avzunehmen, daß bis heute Alles in erster Hand geräumt ist. Frankfurt, 9. Sept. (Fruchtbericht.) Der Schlendrian im GctreidegeschSft M an Weizen ab unserer Umgegend schwerfällig unterzubringen. Prima fremde Restauration Lahnstein. Henninger Exportbier im Zapf.______________________(5398 Hahn und 6 Hühner (Italiener), schwarz vonFarbe, billig zu verkaufen. Näheres in der Exped. d. Bl. 5373) Eine gebrauchte Schrotmühle!st billig zu verkaufen btt Fr. Führer Ww. Feinst. Schweüerkäse „ Holländer „ Edamer empfiehlt (5351 Emil Mschbach. Aeilgeöotenes. 5403) GrummetgraS von einer Wiese am Wallbom zu vergebm. ___________________G- Cb. Svruck- 5419) Grummetgras zu ver» kaufen bei Carl JLony^ ________ Neuenweg. 5412) Ein flut gehaltenes Tafelclavier billig zu verkaufen. Weidpasie 98. Eine Partie Shlipse verkauft, um damit zu räumen, unterm Selbstkosten-Pretse- (5314 H. Rubsamen. 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