nroe 9. Mittwoch, dell 9. Januar 1878. Gießener "Anzeiger AMize- uni AmisdlM für i>cn Kreis Gießen. NedaetiorrSbirrearr r Gartenstraße B. 165. Gxpeditionsdureaur Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Theil. B e k a n n l m a ch u ii g. Kürzlich sind mehrere wuthverdächtige Hunde hiesiger Einwohner in die Veterinäranstalt eingebracht worden und es steht zu befürchten, daß andere Hunde von diesen gebiffen worden sind. Es wird deßhalb zur Verhütung von Unglückssällen hiermit für die Stadt Gießen auf Grund des Art. 261 des Polizei - Straf-Gesetzes verordnet: Alle Hunde in der Stadt Gießen sind bis aus Weiteres in den Hosraithen in sicherer Verwahrung zu halten. Ausnahmen sind nur gestattet, wenn Hunde mit einem das Beißen vollständig verhindernden Maulkorb versehen sind. Zugleich wird auf die Art. 259 und 260 des Polizei-Straf-Gesetzes htngewiesen, wonach der Polizeiverwaltungsbehörde alsbald Anzeige zu machen ist, wenn bei einem Hunde Anzeichen der Tollwuth beobachtet werden, oder ein Hund von einem der Tollwuth verdächtigen Hunde gebissen wocden ist. Gießen, 7. Januar 1878. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann. “ Gießen, den 8. Januar 1878. Das Großhcrzogliche Rentamt Gieße» an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Bezirks. Die Berichtigung der am 31. December 1877 fällig gewesenen Grummetgras - und Obstgelder aus den Oberförstereien Gießen, Schiffenberg und Treis a. Lda. hat bis zum 25. l. M. — bei Meldung der Mahnung — anher zu geschehen, wovon Sie Ihren Gemeindeangehörtgen in geeigneter Weise Kenntniß geben wollen. S ch l t e p h a k e. Wolitifch Deutschland. Darmstadt, 5. Januar. Die hiesige Münz-Stätte hat gestern ihre Lhätigkcit eingestellt und dürfte dieselbe (weil sie aufgehoben werden soll) voraussichtlich auch nicht mehr wieder aufnehmen. Mainz, 5. Januar. Das Jahr hat für eine ziemliche Zahl von Mannschaften des 3. (brandenburgischen) Fuß-Artillerie-Regiments, des 4. (kur- h.jsischen) Husaren-Regiments und des 118. (hesien-darmstädtischen) Infanterie- Regiments mit einem sehr schweren Verhängniß begonnen. Die seit Jahren gkgen letztgenannte Truppe von Mannschaften des erstgenannten Regiments geübten Reibereien nahmen am jüngsten Geburtstage des Kaisers eine planmäßige Ausdehnung und einen wahrhaft destructiven Charakter an. Das von den hessischen Soldaten (118. Regiment) gewählte Tanzlocal „Heilig Geist" wurde nach vorhergegangener Herausforderung gestürmt und demolirt, von den Waffen wurde blutiger Gebrauch gemacht, herbeteilende Officiere wurden von den wuth- entbrannten Mannschaften selbst verhöhnt u. s. w. Die mit Verhaftungen ein- geleitete Untersuchung schloß, nachdem der Kaiser und König alle Bitten um Niederschlagung derselben abgewiesen hatte, in dem Schlußverfahren vor den verschiedenen Instanzen mit Ausstoßung aus dem Heere und Verurtheilung zu Zuchthausstrafen von 10, 8 und 5 Jahren — vor den Kriegsgerichten mit Verhängung von Festungshaststrafen von 9, 7 und 2 Jahren rc. bis zu schweren Arreststrasen, welch letztere die bet den Ausschreitungen selbst als passive Zuschauer auf dem Platz gebliebenen Soldaten trafen. Die höchste Bestätigung dieser harten, aber gerechten und für die fernere Ruhe innerhalb der Besatzung ohlle Zweifel wirksamen Urtheile traf am Neujahrstage ein und sind bereits die seit Eröffnung des Verfahrens hier in Hast gewesenen Verurtheilten nach den betreffenden Strafanstalten ihrer Bezirke, Spandau, Erfurt, Ehrenbreitstein rc., abgeführt worden. Berlin, 5. Jarniar. Wie unterrichtete Personen erzählen — schreibt man der „Magd. von hier — wird der Präsident des Reichskanzler- Amtes, Staatsmintster Hofmann, seinen Abschied fordern. Man bringt diesen Entschluß des Ministers mit der Reise des Herrn v. Bennigsen nach Varzin in Verbindung und bemerkt, es habe dem Präsidenten des Reichskanzler-Amtes nicht gleichgültig sein können, daß über die anderweitige Ausgestaltung der Reichsämter Verhandlungen ohne sein Vorwiffen geführt worden seien. Herr Hofmann sieht sich durch die Varziner Besprechungen als deplacirt an und Will, wie es scheint, nicht länger auf einem Posten bleiben, der wahrscheinlich ihm früher oder später doch entzogen werde. Es wird von unseren Gewährsmännern angenommen, der Staatsminister Hofmann trage sich mit der Absicht, nach Darmstadt zurückzukehren. Hesterreich. Wien, 5. Januar. Der Berichterstatter des „Daily Telegraph" in Konstantinopel meldet über eine Unterredung mit dem Großvezir: Edhem versicherte mir, die Pforte habe bereits seit zwei Jahren beabsichtigt, Datum zum Freihafen zu erklären. Auf diese Weise erhalte Rußlands Handel Gelegenheit zur vollen Entfaltung und eine Annexion werde gegenstandslos. Die Eröffnung der Dardanellen für Kriegsschiffe gehe England mehr an als die Türkei. Wenn England in dieser Beziehung den bisherigen Stand erhalten zu sehen wünsche, so müsse es sich auch bereit machen, ihn zu vertheidigen. „ Was Montenegro angehe, so sei die Pforte immer bereit gewesen, Zugeständniffe zu machen; auch sei sie davon bislang nur durch andere Mächte abgehalten worden, die Montenegro nicht im Besitze eines Stückes der Küste zu sehen wünschten. Ser- er HheiL. bien dagegen dürfe wegen seiner schändlichen Verrätherei nichts zugestanden werden. Die Forderung, Rumänien unabhängig zu erklären, gehöre vor ein europäisches Schiedsgericht. Hinsichtlich der Bulgarei bemerkte der Großvezir, daß unter gewissen Umständen und unter geeigneten Bürgschaften der Conserenz- Entwurf vielleicht annehmbar sein könnte." Weiter berichtet derselbe Corre- spondent, aus allen Unterredungen mit türkischen Staatsmännern gewinne er die Ueberzeugung, daß, wenn England vermitteln wolle, die Türkei ihm völlig freie Hand lassen würde, die Bedingungen festzustellen. AranLreich. Paris, 5. Januar. „Bien Public" behauptet, der Bischof von Orleans, Dupanloup, habe die religiösen Körperschaften aufgefordert, ihre Staats- und sonstigen Papiere so schnell als möglich zu verkaufen, weil die neue Lage der Dinge nicht das geringste Vertrauen einflößen könne. Ist die Angabe richtig, so würde der wahre Grund und Zweck wohl der sein, der neuen Regierung dadurch, daß die neuen Körperschaften von ganz Frankreich ihre nach Milliarden zu schätzenden Papiere plötzlich auf den Markt werfen, Verlegenheiten zu bereiten und ihre Aufgabe, den Wohlstand in Frankreich wieder herzustellen, Hemmniffe in den Weg zu legen. Wußland. Petersburg, 5. Januar, Abends. Amtlich wird aus Bogot vom 3. d. gemeldet: General Gurko sendet folgenden telegraphischen Bericht aus Taschkisen vom 2. d. früh: Nachdem die von den Türken verlassenen Positionen russtscherseits besetzt worden waren, begann ein Theil der russischen Truppen die Verfolgung. Gleichzeitig kam es bei Bugarow zu einem hitzigen Gefecht; daselbst war das Detachement des Generals Weliaminoff, bestehend aus 5 Bataillonen, einer Brigade, 6 Geschützen und einer kaukasischen Kosaken- Brigade. in der Richtung gegen Sofia aufgestellt. 12 Tabors Türken mit Kavallerie und 8 Geschützen, die aus Sofia ausgerückt waren, schloffen das russische Detachement von drei Seiten ein und machten einen stürmischen Angriff. Die erste Brigade der 31. Division ließ dieselben sich auf 50 Schritt nähern und griff darauf nach Abgabe einer Salve mit dem Bajonett an. Nach blutigem Handgemenge, bei welchem die Russen eine Fahne eroberten, wurden die Türken zurückgeworsen und ergriffen mit Zurücklassung von mehr als 1000 Todten die Flucht, von den Russen verfolgt. Letztere verloren ungefähr 200 Mann an Todten und Verwundeten. Dieser glänzende Kampf verdient besondere Aufmerksamkeit, weil General Weliaminoff, obwohl in eine kritische Lage versetzt, die Türken schlug, ohne Verstärkungen zu verlangen, so daß die übrigen Truppen ungestört ihre Obligationen zu erfüllen vermochten. In Schandornik fielen den Russen 10 von den Türken zurückgelassene Stahlgeschütze in die Hände. — Am 2. d. beabsichtigte General Gurko gegen Sofia vorzurücken. — Ueber das Detachement des Generals Daudeville, welches Schandornik über Babagora umgehen mußte, sind folgende Nachrichten eingelaufen: In der Nacht vom 28. auf den 29. Decbr. hatte das Detachement stark zu leiden, da auf Babagora in einer Höhe von 5600 Fuß bei 15 Grad Kälte furchtbares Schneegestöber eintrat; 4 Geschütze wurden gänzlich vom Schnee überschüttet und erst am dritten Tage durch Bulgaren wieder herausgegraben. 10 Officiere und 810 Mannschaften erkrankten in Folge Erfrierens, 53 Mann waren gänzlich erfroren. Ungeachtet solcher schrecklichen Lage bewahrten die Truppen Dau- deville's ihre Haltung. — Bei dem Detachement des Großfürsten-Thronfolgers fand am 1. d. ein Scharmützel statt; die Türken hatten in Gagowa einen Hinterhalt errichtet, wurden aber von Volontären des Rylskischen Regiments verdrängt; erstere hinterließen 10 Todte, russischerseits waren 2 Osficiere verwundet. An demselben Tage griffen 2 Compagnien des Jakutsklschen Reqi- mentS das Dorf Tschatalodern oder Totschpotluk an; dasselbe war indeß von Tscherkeffen und Baschi-Bozuks so stark besetzt, daß erst noch die Ankunft von weiteren 5 Compagnien abgewartet werden mußte, um den Feind zu vertreiben. Das Dors wurde niedergebrannt, da es den Baschi-Bozuks beständig als Sammlungsplatz gedient hatte. Die Türken ließen auf dem Kampf felde 42 Todte, der russische" Verlust betrug 2 Todte und 3 Verwundete. — Am 29. Decbr. eröffneten die Batterien von Giurgewo ihr Feuer gegen ein von Südosten her auf Rustschuk marschirendes Detaschement von 2000 Mann und 4 Geschützen; eine Bombe schlug auf Pferde und Geschütze ein, worauf das ganze Detachement sogleich hinter dem Chauffee-Damm Deckung nahm. Bei seinem Wiedererscheinen auf der Chauffee nahmen die russischen Batterien ihr Feuer wieder auf. Als ein Geschoß zufällig ein Haus, auf welchem die Flagge mit dem rothen Halbmond wehte, getroffen hatte, eilten 300 bewaffnete Soldaten aus demselben heraus und erwies sich dergestalt, daß die Türken ihre Flagge mit dem rothen Halbmond aus Kasernen auspflanzen. Demnach feuerten die russischen Batterien aus Giurgewo am 30. Decbr. wieder auf das genannte Haus, sowie auf das Quarantatne-Gebäude; die Türken erwiederten das Feuer aus 2 Batterien und dem Fort Suebtabla. Telegraphische Depeschen. Wagner'S telegr» Eorrespondenz-Bureau. Rom, 6. Januar. Der König ist gestern von einem heftigen Fieber befallen worden, worauf eine Entzündung des rechten Lungenflügels eintrat. Der Verlauf des Fiebers läßt eine Compltkation mit Sumpffieber befürchten. Nachts schlief der König einige Stunden unter großer Transpiration, worauf sich Symptome von leichter Befferung zeigten. Heute gegen 2 Uhr Nachmittags trat eine Zunahme des Fiebers ein. Auf dem heutigen diplomatischen Diner im Quirinal«Palast machten der Prinz und die Prinzessin von Piemont im Namen des Königs die Honneurs. — „Diritto" meldet: Ueber den Verlauf der Krankheit des Königs würden Bulletins veröffentlicht; dieselbe sei übrigens nicht gefährlich. — General Mezzacapo begibt sich nach Florenz zum Leichenbegängniß Lamarmoras. London, 7. Januar. Die Regierung ließ an Bord eines britischen Dampfers in Cardiff 2000 Kisten Patronen, welche für die Türket bestimmt waren, mit Beschlag belegen. — Heute findet abermals Ministerrath statt. — Der frühere Oberstallmeister Allesbury ist gestorben. — Gladstone hat ein Schreiben an den liberalen Verein in Sheffield gerichtet, in welchem er die Ueberzeugung aussprtcht, daß durch die Ereignisse im östlichen Europa der gegenwärtige Stand der militärischen Maßregeln Englands nicht gerechtfertigt erscheine und daß durch letztere England nur dem Blutvergießen näher gebracht werden dürfte. Stuttgart, 7. Januar, Heute Nachmittag fand unter militärischem Gepränge die Ueberführung der Leiche des Generals v. Schwarzkoppen nach dem Bahnhose statt behufs Verbringung nach Merseburg, wo morgen Nachmittag die Beisetzung erfolgt. Petersburg, 7. Januar. (Telegramm der „Agence Russe"). Prtvat- Telegramme hiesiger Blätter melden: In Folge der von England der Pforte ettheilten Rathschläge, direct mit Rußland zu verhandeln, werden demnächst türkische und russische Delegirte Zusammentreffen. Die Aenderung der englischen Politik soll hervorgerusen sein durch eine Unterredung des Fürsten Gortschakoff nut dem englischen Botschafter Lord Loftus. Konstantinopel, 7. Januar. Die „Agence Havas" meldet: Die Demission Mahmud Damat Pascha's ist nicht angenommen; derselbe wohnte dem gestrigen Mtnisterrath bet. Rom, 7. Januar. Der König hat die Nacht verhültnißmäßig ruhig zugebracht und etwas geschlafen. Das Fieber hält an, und wird zunehmende Aufregung wie Entwickelung der Lungenentzündung beobachtet. Wien, 7. Januar. Das hiesige „Telegr.-Corresp.-Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 6. Jan.: Die Disposition der Pforte ist fortdauernd dem Waffenstillstände und Frieden günstig. Bevor jedoch eine Entscheidung getroffen sein wird, wartet man das definitive Resultat der englischerseits bei Rußland eingeletteten Schritte ab. Konstantinopel, 6. Januar. Wegen der mit Beschlag belegten italienischen Schiffe ist zwischen dem Botschafter Layard, dem italienischen Gesandten Corti und der Pforte ein Compromiß vereinbart worden, wonach das Prisengericht dieselben verurtheilt und der Sultan sie begnadigt. — Es heißt, die Kammer werde aufgelöst werden, im Falle sie auf den angekündigten Interpellationen bestehen sollte. — Von den Truppen aus dem Festungsviereck haben 38 Bataillone den Balkan überschritten und marschiren auf Adrianopel, wo Suleiman Pascha die Concentrirung fortsetzt. — Seitens des Kriegsministers wurden Depeschen veröffentlicht über Scharmützel mit den Serben, welche zwischen Kurschumlje und Pristina stattfanden. Von den Operationen der Donau-Armee verlautet nichts. — Suleiman Pascha übernimmt das Commando über das bisher von Schakir Pascha geführte Corps, welches sich nach Slatitza zurückgezogen hat; dem Kriegsmini- ster Reuf Pascha wird das Ober-Commando der türkischen Streitkräfte in Europa übertragen. London, 7. Januar. „Daily News" meldet aus Bukarest vom 6. d.: Ein Officier der Lom-Armee berichtet, daß General Radetzky den Balkan durch den Schipka-Paß überschritten habe, nachdem die Türken in Folge der strengen Kälte abgezogen seien. Wien, 7. Januar. Die „Polit. Corresp." meldet aus Ragusa vom 7. d.: Nach Ablauf der zur Erleichterung des Abzuges von 250 österreichischen Schutzbefohlenen mit dem Commandanten von Antivari vereinbarten Waffenruhe haben die Montenegriner neuerdings die Beschießung der Festung begonnen. Gleichwohl verweigert der Commandant die Uebergabe. Die türkischen Panzerschiffe eröffneten ein heftiges Feuer gegen die montenegrinischen Batterien. Konstantinopel, 7. Januar. Die Mintsterkrisis hat damit geendigt, daß die bisherigen Minister im Amte verbleiben. — Der Bey von Tunis, welcher der Fortsetzuug des Krieges geneigt ist, hat ungeachtet des Protestes des französischen Consuls erklärt, er werde die Zahlung eines Theiles der Coupons der nicht hypothekarischen Schuld suspendiren. — Regierungs-Telegramme melden: Aus Schtpka. Das Wetter ist milder geworden. Es fand ein 2 Stunden dauernder Geschützkampf statt. — Aus Silistria vom 5. d.: Bet einer unbedeutenden Kanonade zwischen Kalarasch und Tutrakan geriethen die Kasematten auf feindlicher Seite in Brand und explodirte ein Pulvermagazin. — Aus Rustschuk vom 5. d.: Die feindliche Kavallerie bei Pyrgos ist verstärkt worden. Die Pontons der Donau-Brücke sind festgenommen. — AuS Adrianopel vom 5. d.: Durch eine Recognoscirung wurde constatirt, daß die Bulgaren von Vakarili Samakova evacuict hatten. Der russische Posten bei Tscherkeskot wurde zurückgedrängt. Die bei Jzlator stehenden Russen, welche anfänglich ebenfalls weichen mußten, erhielten Verstärkunaen und besetzten Tschatalkoi. — Aus Prischtina vom 4. d.: Tausende von Bulgaren sind vom Balkan nach Leskowatz hinabgestiegen. London, 7. Januar. „Times" meldet aas Konstantinopel vom 6. d. (via Syra). Die türkische Regierung ist entschlossen, ihre Politik durch die Politik Englands bestimmen zu lassen. Unter den türkischen Deputirten ist im Allgemeinen die dem Frieden geneigte Stimmung vorherrschend, wofern Rußland zu annehmbaren Bedingungen die Hand bieten würde. Osficiell sind noch keine Friedensbedingungen discutirt; doch wird allgemein angenommen, die Türket werde folgende Forderungen nicht zurückweisen: Abtretung von Batnm, freie Schifffahrt durch die Dardanellen, Durchführung der Conferenzbeschlüffe bezüglich der slavischen Provinzen, Unabhängigkeit Serbiens und Rumäniens, Berichtigung der Grenze von Montenegro. — Ferner meldet die „Times": Der Versuch, die Christen zum Militärdienst heranzuziehen, sei als gänzlich gescheitert anzusehen. Loikal-Motiz. Gießen, 8. Jan. Wir lassen nachstehend die Tagesordnung für die Stadt- verordneten-Sttzung am Donnerstag den lv. Januar 1878, Nachmittags 4 Uhr, tm alten Realschulgebäude folgen: 1. Die Einführung der neu erwählten Stadtverordneten. 2. Die Wahl der Mitglieder für die Deputationen und Commissionen in Gemäßheit des Art. 52 der Städteordnung. 3. Wahl der Mitglieder für die Unterzeichnung von Urkunden. 4. Wahl der Verschluß-Commission. 5. Wahl des städtischen Controleurs. 6. Bildung der Wahl Commission für die Wahl eines Vertreters der Forensen. 7. Kostenvoranschlag für die Bedürfnisse der Poltzetverwaltung pro 1878. 8. Die Organisation der Executtv-Poltzet. 9. Die Reinigung der Straßen und Plätze u. s. w. 10. Die Quellwasserleitung betreffend. 11. Die Besetzung von Sprttzenmetsterstellen. 12. Gesuch des Localgewerbevereins um Herstellung einer Gasleitung in die demselben überlassenden Localttäten in der Wetdgasse. 13. Die Beschaffung von Schulräumen für die Stadt-Mädchen-Schule. 14. Bestellgebühren rc. für das Regierungsblatt und für die Darmstädter Zeitung. 15. Die im Jahr 1878 dahier stattfindende Feier des zwölften Bundesfestes des Lahnthal-Sängerbundes. 16. Die Erbauung von Quai-Straßen längs der Wieseck. 17. Gesuch des Justus Bärrn um Vc. Pachtung städtischer Wiesen an der Lahn. 18. Versteigerung der laufenden Unterhaltungsarbeiten u. s. w. für das Jahr 1878 19. Die Anlegung des Gartens in der neuen Realschule. 20. Den Feldweg in der Ltchtenau am Felsen betreffend. 21. Gesuch des Friedrich Kern von Wieseck um Erlaubntß zur Anlegung einer Abfahrt nach seinem Acker am Wtesecker Weg. 22 Kostendecreturen. Vermischtes. ** Beuern, 6. Januar. Der am Sonntag den 30. Decbr. tm Saale der Germania abgehaltene Vortrag des Herrn Lehrer Funk aus Rockenberg hatte eine zahlreiche Versammlung veranlaßt, worunter sich trotz der ungünstigen Witterung auch viele fremde Zuhörer etngefunden hatten. Der Vortrag über das gewählte Thema, welcher circa l1/* Stunde in Anspruch nahm und ohne die geringste Störung vor sih ging, hatte die Erwartung der Anwesenden wett übertoffen, und mit sichtlicher Befrte- ntgung, welche in enthusiastischem Beifall ihren Ausdruck fand, schloß derselbe. Nach demselben bewegte sich Alles in einem heiteren vergnügten Cirkel, und mögen die zahlreichen Toaste, welche aufs Herzlichste dem Herrn Redner dargebracht und von dern- felben in freundlichster Wttse erwredert worden, Zmgntß ablegen, welche segensreiche Erinnerung der Herr Lehrer Funk bei seiner vor acht Jahren hier nur 1* ijahrtgen Amtsthätigkett in den Herzen seiner damaligen Schüler sowohl als der ganzen Ons- bürger zurückgelassen hat! Ein Jeder suchte den Abend nach Kräften zu verherrlichen, und war es besonders der hiesige Gesangverein, welcher durch Vortragen schöner pacrw tischer Lieder ihren Dank und ihre Liebe dem Gründer des Vereins Herrn Lehrer Funk darbrachten. Mit der schönen Erinnerung einen wie nur selten vergnügten Abe W verlebt zu haben, trennte sich die Versammlung, als die Glockenschläge der Mstter- nachtsstunde längst verklungen waren, und ging der Wunsch von Mund zu Mun^e, daß die Zett nicht allzufern sein möge, wo ein öfteres Zusammentreffen dieser Art mit Herrn Lehrer Funk ihnen vergönnt seil Es ist gewiß als ein erfreuliches Zeichen der Zett anzusehen, daß das Streben nach allgemeiner Volksbildung auch bet dem Bauernstände immer mehr und mehr in den Voidergrund tritt, sich der Fesseln in dem unbehaglichen Zustande des Unwissens zu entledigen sucht und mit Herzensdrang nach höherem Wissen und Bildung strebt. Mögen andere Gemeinden diesem Beispiele folgen ! Rotterdam, 24. Dec. Ein entsetzliches Unglück, das in viele Familien de» Landes unsäglichen Jammer bringt, nimmt tm Augenblick die öffentliche Aufmerksamkeit vollständig in Anspruch. Das Dampfschiff .Friesland", von Batavia kommen), mit einer kostbaren, für 3 Millionen Gulden versicherten Ladung, mit 50 Mann indischer Truppen, die nach vollbrachter Dienstzeit nach Europa zurückkehcten und etwa 200 Passagieren, lauter Familien indischer Offiziere und Beamten, worunter etwa 70 Frauen und 35 Kinder, ist spurlos verschwunden! Am 4. Dec. segelte das Schiff von Gibraltar ab und mußte spätestens am 10. oder 11. Dec. in Helaer ankommen. In der Nacht vom 8. auf den 9. wüthete im Meerbusen von Biscaya, diesem Grabe so unzählig vieler Schiffe, ein fürchterlicher Orkan, dem die »Friesland- wohl zum Opfer gefallen sein wird. Gestern gelangte aus London ein Telegramm hierher, nach welchem das englische Schiff „Thessalia" im Sturme ein Wrack und eine Masse Kaffee Ballen treiben sah. Da die Beschreibung der Verpackung der letzteren vollkommen zutrifft, so »st an dem vollständigen Untergange deS Schiffes mit Mann und MauS n cht mehr zu zweifeln. Wiesbaden, 28. Dec. Heute Morgen um 5 Uhr brach in dem westlichen Pavillon der neuen nach Süden gelegenen Colonnade des Kurhauses im Dachstuhl Feuer aus und verbreitete sich mit solch reißender Geschwindigkeit, daß der ganze lange Dachstuhl binnen einer halben Stunde abgebrannt war; ein Löschen war ohne Zweck und es beschränkte sich deshalb die Hauptthätigkeit der Feuerwehr auf Rettung der Waaren und sonstigen Gegenstände in den Läden der Colonnaoenpächter, worunter auch die sehr wertvollen Gemälde der Merkel'schen permanenten Kunstausstellung, die glücklicherweise gesichelt wurden. Ebenso wurden die meisten anderen Waaren gerettet. — (6000 e> rf verfälschtes und verdorbenes Retsmehl), welche von England au8 (n den Handel gebracht waren, wurden kürzlich in Antwerpen mit Beschlag belegt, nachdem ein Thetl bereits in den Handel gelangt war. Ein Käufer dieser schönen Waare, dem em Schwein nach dem Genüsse derselben crepirte, machte von dem Vorfälle Anzeige beim Minister um, welches eine chemische Untersuchung und später die Beschlagnahme des verdorbenen Mehles verfügte. — In Baltimore starb vor wenigen Tagen eines der Opfer, vielleicht das letzte des ersten Napoleon — Elisabeth Patterson. Gegen das Ende des JahreS 1803 landete Hieronymus Bonaparte — damals noch Marine-Lieutenant — in New Aork und hei- rathete da am 24. December Miß Elisabeth Patterson, die Tochter eines reichen Pflanzers von Baltimore. Die Heirath geschah in aller Form Rechtens. Der französische Cansu*, hatte den Contrakt mit unterzeichnet und der katholische Bischof Caralt! den Ehebund emgesegnet- Ader der Kaiser wollte später nichts von der Ehe wissen und Dt. bot sogar der Patterson, nach Europa zu kommen. Als sie aber trotzdem am Bord des Dampfers „Elin" in A msterdam anlangte, wurde sie mit den strengsten Maßregeln bedroht und mußte nach England flüchten, wo sie am 7. Juli 1805 mit einem Sohne utederkam, der in der Taufe den Namen Hieronymus Napoleon erhielt- Zwei Jahre später heirathete Hieronymus Bonaparte, der Vater, die Prinzessin Friederike von Württemberg und wurde König von Westfalen, die Patterson aber kehrte mit ihrem Sohne nach Baltimore zurück. Nach dem Tode des Königs „Morgen wieder lustik" versuchte es sein Erstgeborner, gegen den Prinzen Louis Napoleon, den Mann vom 2. December einen Proceß anzustrengen und die Gültigkeit der ersten Ehe festzustellen- Aber die Frage wurde nie entschieden und so ist Madame Bonaparte im Alter von 90 Jahren als Miß Patterson gestorben- — In Rüsselsheim verlor die Frau eines jungen Geschäftsmannes, Namens Levi, vor einiger Zeit ihren Ehering und wurde durch öffentliche Bekanntmachung dem Wiederbrtnger eine namhafte Belohnung zugestchert- Die Betreffenden hielten den Ring für verloren, jedoch am 27. Dec- v- I erhielt ein Einwohner von Rüsselsheim einen Brief von Bingen, in welchem ihm von einem Geschäftsfreund mitgetheilt wurde, dieser habe den, mit der Inschrift I. Levy versehenen Ring, dort gefunden. Und wie kam der Ring nach Bingen? Eine einfältige Gans, welche von der Frau Levi gestopft und nach Bingen verkauft wurde, trug den Ring im Magen nach Bingen. Gegenwärtig ist Frau Levy wieder im Besitz ihres Ringes. — Die städtische Verwaltung in Antwerpen hat für die oberen Classen der Mädchenschulen den Unterricht auf der Nähmaschine eingeführt und zu dem Zweck diese Schulen mit einigen Nähmaschinen versehen- Stuttgart, 3. Jan- Die Untersuchung gegen die Erben des Schriftfteller's Hackländer wegen Einkommenssteuer-Defraudation hat mit der Verurteilung bet ersteren zur Bezahlung von 106,000 JL Strafe und Ersatz der defraudirten Steuer ihr Ende erreicht. Von anderer Seite wird behauptet, die Strafsumme belaufe sich auf mehr als 140,000 Jt. Die Erben beabsichtigen, den Gnadenweg zu betreten und es ist, Handel und Verkehr. Gießen, 8. Jan. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, per Pfd Hühnereier, per Stück 8 H, Käse, p. Stück 4-8 Käsematte, per Stück 3 Erbsen, 1 Liter 18 Linsen, 1 Liter 20 H, Tauben, das Paar 60 Hühre per Stück JL 1, Hahnen, per Stück 1,25, Enten, per Stück 2,20, Gänse, per Md 60-64 Kartoffeln, 100 Kilo 7 jl ' ' p «n^al?'8,ron\9ranuar^ per Er 22.35, Roggen per März 15.60, Hafer per Marz 15, Rübol per Mai 37.70. nach Vorgängen zu urtheilen, nicht unwahrscheinlich, daß wenigstens ein Theil der Strafsumme nachgelassen robb. y Aus Thüringen, 29. Dec. Ein überaus erschütternbes Ereignitz Hot sich iU Woltershausen am 28. d- zugetrogen. Ein dort wohnender armer Handarbeiter Familienvater von 7 unerzogenen Kindern (die Frau wurde erst vor sechs Wochen er-t- bunden und starb im Krankenhause), ertränkte sich in der genannten Nacht mit seinen drei jüngsten Kindern- Er hat die Kinder (vier und zwei Jahre und sechs Wochen all) an sich feftgebunden und ist mit ihnen in den bei der Stadt belegenen Teich gesprunacn. . , ^z, 31. Dec- Der "dNzr. Azgr." schreibt: Ein doppelt trauriger Fall ci- eignete sich heute in der Langgasse. Ein Mädchen spielte mit einem kleinen Kinde um warf dasselbe wiederholt in die Luft, um es dann aufzufangen. Einmal ging das Fangen fehl; das arme Würmchen fiel auf den Boden und brach beide Arme. Vor einiger Zeit lasen wir in der Zeitung, daß das populär-medicinische Weck: „vr A i ry's Naturheilmethode" bereits 100 Auflagen erlebt habe, und eine gew tz entschuldbare Neugier veranlaßte uns, dasselbe kommen zu lassen. In der That waren wir erstaunt, zu sehen, «ie viele glückliche Erfolge dieses Buch aufzuweisen hat W>r können deshalb nur jedem Kranken rathen, das 544 Seiten starke Werk, welches trotz der reichen Ausstattung durch Illustrationen nur 1 kostet, anzuschaffen. Dasselbe ist zu haben in Richters Verlags-Anstalt zu Leipzig und kann der Betrag dafür in Briefmarken eingesendet werden. Allgemeiner X nuiaer. Besondere Bekanntmachungen Oberhessische Eisenbahnen. Zn dem Ausnahmetarif vom 25. Juni 1877 für die Beförderung von Steinkohlen, Kokes rc. von den Zechen und Kokereien des Ruhr- und Wurmgebietes nach Stationen der Oberhessischen Bahn rc. ist am 1. d. M- der Nachtrag II, welcher unter Anderem neue bejro. anderweite ermäßigte Frachtsätze für Kokestransporte von Barmen, Barmen-Rittershausen, Düsseldorf und Elberfeld enthält, zur Einführung gelangt. Näheres hierüber kann bei unseren sämmt- lichen Stationen erfahren werden. Gießen, den 3. Januar 1878. Großherzogliche Direction. 195) Mohn. Aeilgebotenes. 187) Ein vollständiges Schmiedewerkzeug zu verkaufen bei __________Wwe. Schwalb in Wieseck. Giinsc-Kberwurst empfiehlt (173 Gg. Willi, Wohlig. Zwei Wiesen in der Gemarkung Wieseck, a 160 und 282 Klftr. groß, sind aus freier Hand zu verkaufen bei (181 ______________Frd. Stooß. Frische Schellfische Bekanntmachung. Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt und zwar: Mittwoch den 9. Januar 1878, Donnerstag „ 10. Samstag „ 12. „ „ Dienstag „ 15. ,, , Mittwoch „ 16. Donnerstag „ 17. „ Samstag „ 19. „ „ Die Interessenten werden daher aufgefordert, die Zahlungen an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vorzeigung der Schuldscheine sich zu legitimiren. Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Interessenten der Stadt Gießen, dagegen bk übrigen Zahltage für die Auswärtigen bestimmt sind. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen. Gießen, den 29. November 1877. Der Rechner der Spar- und Leihkasse: Kehr. 117) Zu verpachten sind im Ganzen oder getheilt: 21/* Morgen Ackerland im Wallpförterfeld, 2 „ „ „ Selterspförterfeld 7/s „ Neustädter Feld mit Schäfereiberechtigung durch L Labroisse, Hofg.-Advokat. treffen beute ein. (188 J. A. Busch Söhne. Die Erzeugnisse der Kaiserlichen Hof - Chocoladen - Fabrik Gehr Stoilwerck in C6I11 empfingen mit dem Jury-Urtheil „für höchste Vollkommenheitder Fabrikation, vorzügliche Qualität und Wohlgeschmack“ in Philadelphia die auf Deutschland entfallene einzige Medaille. Die Chocoladen sind in den meisten Conditoreien und grösseren Geschäften vorräthig. (184 Unentbehrlich für feine Wäsche Patent-Stärkeglanz von Iran? CoblenM m CöIu. Dieses ausgezeichnete r.eue Präp.uat nur leiht als Zusatz zur Stärke der Wäsche einen prächtigen Glanz, elastische Steife unb blendende Weiße In Päckchen mit Gebrauchsanweisung ä 25 u. 50 (186 Niederlagen in Gießen: C. Fr. Seinniler, Gg. 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