Wo* 3 Freitag, ben 4. Januar 1878. Gießener Anzeiger Anzeige- ui ämklilntt für den Krris Girßen. MedaetionSbureau r Garten st raße B. 165. Cxpevitionsbureau r Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. A M i Cid) ex Tijei l. B k ka n n t in ii ch u n y. Betreffend: Das Ersatz-Geschäft für 1878. Mit Bezug auf die Bestimmungen der Dentschen Wehr-Ordnung, fordern wir alle im Jahr 1858 geborenen Militärpflichtigen, sowie die in fn'che- ren Jahren geborenen, welcke sich noch nicht zur Musterung gestellt haben, oder welche hinsichtlich ihrer Verpflichtung zum Eintritt oder ihrer Befreiung vom Mültardienste noch keine definittve Entscheidung erhalten, und entweder im Kreise Gießen ihren dauernden Aufenthalt hoben, oder in demselben als Studenten Gymnasiasten und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirthschastsbeamte, Handlungsdiener, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Lehrburschen' Dienstboten, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft sich aufbalten, hieimit auf, sich behufs Eintragung ihrer Namen in die Stammrolle in der Reit Vom 13. Januar bis zum 1. Februar l. I. bei der Bürgermeisterei ihres Wohnorts, beziehungsweise ihres Aufenthaltsortes, zu melden und dabei wenn sie an diesem Orte nicht geboren sind, ihren Geburtsschein und toeim sie bereits bei einer früheren Musterung coucurrirt haben, ihren Loosungs-Cä ein vorzulegen. Wir machen zugleich darauf aufmerksam, daß Diejenigen, welche die Anmeldung unterlassen, zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Strafe bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu drei Tagen belegt, von der Theilnahme an der Loosung ausgeschlossen und ihrer etwaigen Ansprüche auf Zurückstellung rc verlustig erklärt werden. ö Bezüglich derjenigen Militärpflichtigen, welche zur Zeit abwesend sind, sind deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- und Fabrikherrn zu diesen Anmeldungen verpflichtet. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises werden beauftragt, Vorstehendes in ihren Gemeinden noch besonders auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lasten. Gießen, am 2. Januar 1878. Großherzogliches Kreisamt Gießen. _________________ Dr. B o e k m a n n. Gießen am 31. December 1877. Betreffend: Die Beschaffung und Erhaltung von Fohlen-Tummel- und Weideplätzen für Fohlen. Das Großhcizogstche Kmsamt Gießen an die Großherzoylichen Büracrmeistereien des Kreises. Da der Landes-Pferdezuchtverein beabsichtigt, die Beschaffung und Erhaltung von Tummel- und Weideplätzen für Fohlen zu unterstützen, sehen wi Ihrem Berichte längstens bis zum 15. Januar 1878 darüber entgegen, wer in Ihren Gemeinden solche Tummel- oder Weideplätze für Fohlen besitzt, sei es daß Gemeinden, oder Consvrtien, oder Private die Besitzer sind. Gleichzeitig sind dabei folgende Fragen zu beantworten: 1. Besteht eine Fohleuweide oder nur ein Tummelplatz; wie groß ist jene oder dieser; und seit wann bestehen sie? 2. Ist, sofern eine Weide existirt, diese für Fohlen ausschließlich, oder auch für die Riudviehheerde bestimmt, und werden im letzteren Falle die Fohlen mit der übrigen Viehheerde ausgetrieben? 3. Von wie viel Fohlen wird die Weide oder der Tummelplatz im Durchschnitte jährlich benutzt und wie lange im Jahre? 4. Ist die Weide oder der Tummelplatz mit einem Schuppen oder Schutzdache versehen? 5. Zahlen die Besitzer der Fohlen ein Entgelt für Benutzung der Weide oder des Tummelplatzes? 6. Endlich würde noch eine Angabe darüber von Interesse sein, ob und welche Private in dem betreffenden Bezirke eigens eingerichtete Fohlen- Tummelplatze für die eigene Zucht besitzen. Von denjenigen Bürgermeistereien, von welchen bis zu dem 15. Januar k. I. keine Berichte hier angelangt sind, nehmen wir an, daß dergleichen Tummel- und Weideplätzen in deren Gemeinde nicht Vorkommen. Dr. Boekmann. „ , „ Gießen am 2. Januar 1878. Betreffend: Die Taubstummen-Statistik im Großherzogthum Hessen. Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen an die Schulvorstände des Kreises. Wir erinnern diejenigen von Ihnen, welche mit der Einsendung der in rubricirtem Betreff zu erstattenden Berichte noch im Rückstände sind, wiederholt an die Erledigung unserer Auflage vom 28. October l. I., im Anzeiger Nr. 254, binnen 8 Tagen. Dr. Boekmann. Bekanntmach u n g. Unter Bezugnahme auf die im Anzeiger No. 302 enthaltene Bekanntmachung des Herrn Präsidenten des landwirthschaftlichen Vereins von Ober- heffen vom 14. v. M. bringe ich zur öffentlichen Kenntniß, daß der landwirthschaftliche Bezirksverein des Kreises Gießen 300 zu Unterstützungen an Solche, welche den Lehrkursus für Hufschmiede an der Veterinär-Anstalt zu Gießen besuchen wollen, bewilligt hat. Bewerber um eine Unterstützung zu dem genannten Zwecke belieben sich daher alsbald an mich zu wenden. Die Großherzogltchen Bürgermeistereien werden ersucht, dieses zur Kenntniß ihrer Gemeinde-Angehörigen zu bringen. Gießen, am 2. Januar 1878. Der 1. Direktor des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. ______________ Dr. Boekmann. Beka u n t m a ch n n g. 2 5^U6i^m^tadC Landgerichts Gieße,, werden Dienstag und Mittwoch abgehalten, und zwar des Vormittags von 8—12 und des Nachmittags Gießen, den 1. Januar 1878. Großherzogliches Landgericht Gießen. I. V. d. L. Dr. Trapp, ______________________________ Landgerichtsassessor. P f a r r - C o n f e r e n z. Künftigen Mittwoch ». Januar, im gewöhnlichen Lokal. Lang-Göns, den 2. Januar 1878. Strack, Dekan. politisch Deutschland. Aus Hessen. Die in der Presse vielbehandelte Gesetzes-Vorlage, betr. bie Gehalte der Volksschullehrer, ist vor Kurzem wiederholt Gegenstand der Prüfung im Gesetzgebungs-Ausschüsse zweiter Kammer gewesen, insofern nämlich die erste Kammer bei ihrem letzten Zusammensein zwar überall sonst den von der Regierung gebilligten Beschlüssen der zweiten Kammer beigetreten ist, aber zum 5lrt 8 den Zusatz beschlossen hat: „Stiftungen für ausschließlich kirchliche Verrichtungen dürfen nicht in den Gehalt eingerechnet werden." Der fragliche Zusatz war bei der Berathung von der Regierung und einzelnen Mitgliedern erster Kammer als eigentlich selbstverständlich beanstandet worden, gleichwohl erlangte er die Majorität. Der Gesetzgebungs-Ausschuß zweiter Kammer hält ebenfalls den Zusatz für unnöthig, um indessen das Gesetz endlich zum Abschluß zu bringen stellt er, im Einperstäpdnzß mit der Regierung, Antrag auf Annahme desselben- Stimmt dem bei nächster Session das Plenum zweiter Kammer bei, so kann dann das Gesetz publicirt werden. Aus Oberheffen. In dem größten Theile der rechtsrheinischen hessischen Provinzen bestehen noch einige alte Verordnungen zu Recht, wonach Eltern vor vollendetem sechzigsten Lebensjihre ihre Güter an ihre Kinder nicht sollen abgeben dürfen, es sei denn mit obrigkeitlicher Genehmigung. Der auf Aushebung dieser längst überlebten Vorschriften gerichtete Gesetzes-Entwurf der Abgg. Hirschhorn und Genossen ist von Seiten des Justizministeriums den gerichtlichen Behörden zum Bericht verschrieben worden und haben sich diese, wie wir hören, übereinstimmend für die Beseitigung der nach und nach lediglich zu einer bloßen Formsache gewordenen, nur in alten Zeiten vielleicht einmal nützlich gewesenen Vorschrift ausgesprochen. In Preußen ist bekanntlich Seitens der Regierung die Jnitjatipss zur Aufhebung der fraglichen Verordnungen für die im Jahre 1866 erworbenen hessischen bezw. nassauischen Landestheile ergriffen wordssn. (Neue Frkftr. Pr.) Darwstftdt, 31. December. Wie bereits telegraphisch gemeldet, wird die zweite Kammer am 9. Januar zur Erledigung des ihr vorliegenden sehr umfangreichen und theilweise höchst wichtigen Materials zusammentreten. Die wichtigeren Porlagen, wie Steuergesetze, Austrittsgesetze u- s. w. werden in den ersten Tagen des Zusammenseins der Kammer zur Berathung gelangen, dagegen stehen auf der Tagesordnung der ersten Sitzung 15 Gegenstände meist untergeordneter Natur. Zu erwähnen ist allenfalls der Antrag der Abgg. Weber und Edinger auf Billigung eines Zuschusses aus Staatsmitteln zu den Kosten der Polizei-Verwaltung in den Städten Offenbach und Worms, weiter der Antrag des Freiherrn von Nordeck zur Rabenau und Schröder, die Reform der Eisenbahntarife betreffend, der Antrag des Abg. Büchner auf Erbauung einer Zweigbahn von Station Eberstadt nach Pfungstadt und eine Reche von Anträgen und Vorstellungen in Betreff der Erbauung neuer und der Uebernahme bestehender Straßen durch den Staat. Mainz, 31. December. Die Mißhandlung eines Mitgliedes der liberalen Partei von Seiten eines hervorragenden Mitgliedes der ultramontanen Partei macht hier viel von sich reden und hat sogar in klerikalen Kreisen böses Blut heroorgerusen. Dieser brutale Akt sand am Tage der Wahl vor dem Wahllocale statt und wurde nur durch das Mitglied des katholischen Casinos provoctrt. Die gerichtliche Verhandlung über diese Angelegenhei findet demnächst vor dem Bezirksgerichte statt und sind eine Reihe von Zeugen geladen worden. Berlin. Die russische Regierung wird sich gegen die englische Friedensvermittlung gewiß höflicher zeigen als die russische Presse, die sich mit der „Agence Russe" an der Spitze gegen die unerbetene englische Vermittlung sehr hochmüthig und ablehnend verhält. Im ganz anderen Sinne läßt sich die „Wiener Montags-Revue" vernehmen. In Oesterreichs kategorischem Verbot an Serbien, nach der bosnischen Seite hin anzugreifen, sieht sie den Beweis, daß Oesterreich seine Selbstständigkeit zu wahren entschlossen sei, und schließt mit dem stolzen Worte, daß Oesterreich beim Frieden ein entscheidendes Wort in die Wagschale werfen werde. Der ganze Artikel scheint Rußland zu einem baldigen billigen Frieden zu ermahnen. Es heißt darin: „Bereits beginnen sich die furchtbaren Wirkungen der vorgeschrittenen Jahreszeit einzustellen. Kälte, Hunger und Erschöpfung fordern ihre Opfer auch in den Reihen der russischen Truppen. Umfangreichere militärische Unternehmungen erscheinen füc's Erste ausgeschlossen. Das Treibeis der Donau bedroht die Brücken und damit die Möglichkeit eines genügenden Lebensmittel-Transportes für die ungeheuren Heeresmassen, die in Bulgarien angesammelt sind. Gleichzeitig aber dauern die Ansprüche an die fast erschöpften Ftnanzkräfte Rußlands, die exorbitanten Kosten des Krieges fort, und es wird immer zweifelhafter, ob das russische Reich, trotz aller Anstrengungen, noch lange den Ausgaben wird genügen können, die in biefcr Richtung an dasselbe herangetreten sind." Bemerkenswerth ist namentlich auch die Bemerkung: „An dem Wesen der Friedensbedtngungen werden im Großen betrachtet die Dauer des Krieges und die Opfer, die ihm gebracht wurden, so wenig etwas ändern können, als die militärischen Erfolge desselben, denn immer werden die europäischen Interessen, die ihrer Natur nach unveränderlich sind, die Basis dieser Bedingungen bilden müssen." Berlin, 30. December. Dem Bundesrath ist eine Denkschrift, betr. die Einführung eines neuen Eisenbahn-Frachttarif - Formulars und die damit zusammenhängende Abänderung des Betriebs-Reglements für die Eisenbahnen Deutschlands zur Beschlußnahme vorgelegt worden, Berlin, 1. Januar. Fürst Bismarck wird spätestens in der dritten Januarwoche in Berlin erwartet. Inzwischen sollen in acht bis zehn Tagen die Arbeiten des Bundesraths wieder ausgenommen werden. Hesterreich. Wien, 31. December. Die „Wiener Abendpost" schreibt: Das britische Cabinet habe dem Wunsche der Pforte entsprechend einen vermittelnden Schritt bet der russischen Regierung eingeleitet, allerdings, wie es scheine, nicht im Sinne einer formellen Friedens-Mediation, wohl aber in der Richtung, daß es die Geneigtheit der Pforte zum Friedensschluß zur Kenntniß des Petersburger Cabinets gebracht habe und der Beantwortung der betreffenden Eröffnung Seitens des letzteren entgegensetze. Es seien Anhaltspunkte dafür vorhanden, daß Rußland eine Erörterung der so allgemein gestellten FrtedenSfrag? nicht von vornherein zurückweisen und den Schritt Englands daher entsprechend erwidern werde. Daß aber damit schon jetzt eine reelle Basis für den abzu- er Hh ei f. schließenden Frieden gewonnen sei, das werde allerdings nur von sehr opti- mistiichen Organen gehofft. — Die „Polit. Correspond." schreibt: Nach einer aus Petersburg von heute uns zugehenden Mittheilung dürfte die vom Londoner Cabinet dort notificirte Geneigtheit der Pforte, in Friedensunterhandlungen einzutreten, vom Petersburger Cabinet dahin beantwortet werden, daß Rußland jederzeit bereit sei, mit der Pforte Verhandlungen einzuleiten, wem» letztere ihre Geneigtheit hierzu durch directe Schritte bei Rußland bekunde. Irankreich. Paris, 31. Decbr. Das Meisterstück von Keckheit hat der bisherige Unterpräfekt von Gaillac, Herr de la Briece, mit folgendem an den Präsidenten der Republik gerichtetem Schreiben geleistet: Herr Marschall! Conservativer und Katholik, habe ich die Ehre, E>v. Excellenz zu bitten, mich von dem Posten zu entheben, den Sie mir im M-i d. I. anzuvertrauen geruhten. Genehmigen Sie, Herr Präsident, den Ausdruck dec Gesinnungen, welche man einem Marschall von Frankreich schuldig ist, der sein geschworenes Wort nicht hält. L. de la Brier e. Das Schönste ist, daß die ultcarepablikanische „France", welche dem Marschall zehnmal seinen Wortbruch vorgehalten hat, jetzt, da ec bis aus Weiteres wieder das gefügige Werkzeug der Republikaner geworden ist, verlangt, man solle diesem Herrn de la Briere wegen „Beleidigung des Staatsoberhauptes" den Proceß machen! Sind sie nicht alle dieselben Hanswürste?! Paris, 1. I muar. Dem Vernehmen nach hat der spanische Gesandte gestern dem Auswärtigen Amte mttgetheilt, daß die spanische Regierung in Be Ziehung auf die Königin Isabella folgende Beschlüsse gefaßt habe, nämlich: 1) Jede Verbindung mit der Königin ist abgebrochen. 2) Sie wird wegen Geistesstörung für interdicirt erklärt. 3) Die Rückkehr nach Spanien, unter welchem Vorwande auch immer, ist ihr verboten. Auch der „Soir" theilt heute mit, daß die spanische Regierung alle Beziehungen mit der Königin Isabella abgebrochen habe. Spanien. Madrid, 31. December. Sofort nach Wiedereröffnung der Cortes wird von Seiten der Opposition die Aufhebung der Civilliste der Königin Isabella verlangt werden. Telegraphische Depeschen. Privat-Depesche des Gießener Anzeigers. London, 3. Januar. Die heutige „Morning Post" meldet: Der gestern abgehaltene Cabinetsrath kam überein, die Antwort Rußlands aus Englands Vermittlungs-Anerbieten nicht als Schluß der englischen Action zu betrachten. Der Cabinetsrath beschloß vor Uebermittlung der russischen Antwort an die Pforte, in Petersburg nochmüs anzufragen, welche Waffenstill- standsbedingungen zu fordern die russischen Commandeure angewiesen sind. — Heute findet wieder ein Minister-Conseil statt. Wagner'S telegr» Eorrespondenz-Bureau. Konstantinopel, 1. Januar. Nach einer Meldung aus Sofia vom 31. Decbr. wird der rechte Flügel der Armee seit zwei Tagen von 20 russischen Bataillonen und 3 Kavallecie-N.gi nentern nebst Artillerie gedrängt. — Der zum Muschtr des 4. Corps ernannte Hakki Pascha meldet aus Erzerum vom 3t. December, er habe Kavallerie und Artillerie abgesandt, um in Soghuktschesme anzekommene russische Kavallerie zu vertreiben. Letztere sei hieraus zurückgegangen. Bukarest, 1. Januar. Nachdem das Budget für 1878 bisher noch nicht erledigt worden ist, hat die Kammer für den Monat Januar Indemnität ertheilt. Rom, 2. Janurr. Bei dem gestrigen Neujahrs-Empfang äußerte der König u. '21.: Es sei noth vendig, Parteispaltungen in der Kammer zu vermeiden; eine compacte Majorität sei nothwendiz, um unter allen Eventualitäten die Interessen des Landes zu wahren. Konstantinopel, 2. Januar. Nachrichten aus Sofia zufolge war russische Kavallerie zwischen Jhtiman und Sofia etngetroffen und hatte die Telegraphenleitung, sowie die Jskor-Brücke zerstört. — Aus Raszrad wird gemeldet, daß am 30. Decbr. kleinere Scharmützel bei Mehemdlar und Mariani stattfanden. London, 2. Januar. Es heißt, daß diplomatische Aeußernngen vorliegen, wonach das Petersburger Cibinet bereit sei, directe Vorschläge der Türkei zur Herbeiführung des Friedens entgegenzunehmen. Petersburg, 2. Januar. Nach hier eingegangenen Nachrichten glaubt man sich der Hoffnung hingebna zu dürfen, daß Erzerum bald in russischen Händen sein werde. London, 2. Januar. Der „Standard" schreibt: Der Vorschlag, die Türkei möge sich direct an Rußland wenden, sei nicht unberechtigt, stehe auch mit dem Brauche unter Kriegführenden nicht im Widerspruche. England habe kein Recht, sich durch solchen Vorschlag gekränkt zu fühlen und selbst die Annahme, daß derselbe als feindseliger Akt anzusehen, erscheine durchaus nicht gerechtfertigt. Wien, 2. Januar. Der „Polit. Corresp." wird aus Bukarest vom 1. d. gemeldet: Die Russen besetzten bereits mehrere von den Türken befestigte Ortschaften in der nächsten Umgebung von Sofia. Sofia selbst ist fast ganz eingeschlossen. — DaS „Neue Wiener Tagblatt" meldet aus Serajewo: Die bosnische Jnsurrection erhebt wieder lebhafter ihr Haupt. Insurgenten griffen die türkischen Befestigungen bei Askowitza und Blateo an. Die Redifs dritter Classe sind etnberufen. Konstantinopel, 2. Januar. Ein Telegramm des Commandanteu von Scharkiot (Pirot) bestätigt, daß in Folge des Kampfes am letzten Freitag gegen 20 Bataillone Serben und 5000 Bulgaren die türkischen Truppen sich von Scharkioi nach Sofia zurückgezogen haben. Zufolge Telegranms! des Gouverneurs von Kossowo bemächtigten sich die Serben der Orte Kurschumlj*, Orkomb und Leskowatz. Die Girnison von Kurschumljr zog sich nach einem Kampfe gegen überlegene Strejjkräfte zurück. — Ismail Hrkki Pascha meldet aus Erzerum: Russische Kavallerie, welche Soukzerin, eine Meile von Erzerum, besetzte, wurde von türkischer Kavallerie vertrieben. Petersburg, 2 Januar. Osficiell wird aus Bogot vom 31. Decbr. berichtet: Meldungen vom 30. Decbr. zufolge rückten unsere Truppen des West-Detachnnents von der Front bis BabaKonak vor und richten ihren Vormarsch fortdauernd gegen die türkischen Positionen Arabkonak und Schandernik, die der Feind besetzt halt. Am 29. Decbr. räumten die Türken Latikowo, wo selbst die Rusten eingezogen. Petersburg, 2. Januar. Anläßlich der Commentare der ausländischen und der russischen Preffe über die englische Mediation führt ein Artikel der „Agence Russe" aus: Die Mediation sei nicht wünsckensrverth und unannehmbar; einmal, weil eine solche unmöglich sei, so lange einer der Kriegführenden fie überhaupt nicht verlange, und sodann, weil der Staat, der die Mediation ausüben wolle, seine Unparteilichkeit durch eine Jnterestelosigkett muffe darthnn können. Das sei nach den eigenen Erklärungen des britischen Cabinets nicht der Fall. Die Wichtigkeit dieser Interessen würde die Mediation zu einer gefährlichen Sache machen und den Uebergang von der Mediation zur Intervention erleichtern. Das besondere Recht der Kriegführenden werde nur übertroffen durch das höhere Recht Aller (?). Aber Rußland habe die Rechte Dritter sorgfältig respecttrt. Die Mediation würde, ohne Jemand zu nützen, den Krieg nur verlängern und die Sachlage verwickeln. Vom Gesichtspunkte des Rechtes, der Gerechtigkeit, des Friedens und der Localisirung des Krieges sei eine Mediation nicht wünschensweith und unannehmbar. So denke zweifelsohne ein großer Theil der englischen Politiker und des arbeitsamen englischen Volkes, die sich fragten, weßhalb England und Rußland sich gegenseitig und Anderen nichts Gutes erweisen sollten, anstatt sich zu erbittern und durch Eifersüchteleien zu schaden. Ebenso dächten die russischen Politiker und die Mehrheit des rustischen Volkes. London, 2. Januar. Die Handelskammer von Bradford nahm einstimmig eine Resolution zu Gunsten der Neutralität an. Die Handelskammer in Leeds sprach sich mit allen gegen 3 Stimmen zn Gunsten einer absoluten Neutralität aus. Der Bischof von Manchester erklärte im Arbeiterclub von Rochedale: weder Konstantinopel im Besitze Rußlands, noch die Oeffnung der Dardanellen gefährde britische Jntereffen; er hoffe, das britische Volk werde stch laut gegen einen Krieg erklären. Bordeaux, 2. Januar. Bei dem Empfange des Maires soll General Rochebouet geäußert haben: Die Affatre von Limoges sei nicht so ernst; die gegebenen Befehle seien lediglich eine Wiederholung derjenigen, die schon von seinen Vorgängern für den Fall von Unruhen gegeben worden, und rein defensiver Natur gewesen. Der General habe hinzugefügt: Ich werde mich niemals aus diesem Wege fortreißen lasten; ich habe nicht mehr als Sie an einen Staatsstreich gedacht, weder für die Bonapartisten — Sie wisten, wie ich von ihnen denke — noch für Andere — Sie wisten, wie ich, daß sie unmöglich sind. Niemals habe der Marschall oder sein Cabinet daran gedacht, einen Staatsstreich zu machen; im Gegentheil, das Cabinet rieth dem Marschall, ein Ministerium aus der Majorität des Landtags zu bilden. Petersburg, 2. Jan. Eine officielle Meldung aus Bogot vom 31. Dec. bringt folgende Details über die Einnahme von Pirot: Nach Besetzung von Babina Glava und Erkämpfung des Pastes St. Nikolaus wurde ein starkes Detachement gegen das befestigte Lager von Budinpol, welches Pirot von Norden her deckt, gerichtet. Das Lager besteht aus mehreren Rethen von Befestigungen und liegt auf beiden Ufern der Nissava zwischen den Döfern Stanetschno, Nischar und Saepot. Da das Lager stark besetzt und von der Front aus beinahe unangreifbar war, so wurde entschieden, zuerst Ak Palanka und dann Pirot auzugreifen. Am 24. December begann der Angriff. Die rechte Colonne griff Äk Palanka an und nahm es ein, die linke Colonne führte an diesem Tage «ine Kanonade und demonstrative Angriffe gegen Budinpol aus, um die Aufmerksamkeit des Feindes abzulenken. Die gesammte Reserve blieb auf der Babina Glava. Am 26. rückte die rechte Colonne von Ak Palanka aus gegen Pirot vor. Am 27. griff dieselbe die linke Flanke der türkischen Positionen an und besetzte am Nachmittage 4 Uhr Blatta und Belajewa, woselbst sie die Nach: lagerte. Bei dem ersten Schuß der rechten Colonne begann die linke den Angriff von der Front, nahm Stanetska und trat mit der rechten Colonne in Fühlung. Am 28. bei Morgendämmerung erneuerte sich der Kampf auf der ganzen Linie. Die rechte Colonne zog bereits um i 1 Uhr Morgens in Pirot ein und wurde durch die Bevölkerung, an deren Spitze sich die Geistlichkeit befand, empfangen. Die linke Colonne überwand den hartnäckigen Widerstand der Türken erst, nachdem letztere benachrichtigt wurden, daß die Stellung in ihrem Rücken genommen sei. Der Verlust der Serben übersteigt 50 Todte; gegen 150 Mann wurden verwundet. Die Türken, 6 Tabors stark, erlitten große Verluste. Die ganze Position war mit Leichen bedeckt. Die Serben erbeuteten 23 Geschütze. Lokal-dtytij. Gießen, 3. Januar. Ein gräßliches Unglück ereignete sich gestern in einem KalkstelnZruche auf der Bieber. Vvn einem Augenzeugen wird uns Folgendes berichtet: Seit einigen Tagen schon ward der Sturz einer größeren Felsmasse erwartet. Gestern Nachmittaa nun wurden nochmals 5 Minen gebohrt und abgebrannt, ohne daß das Gestein zusammenftürzte. Nach dem erfolgten Sprengen wurde ein Wagen in den Bruch geschoben und in diesem Moment löste sich der ca. 70 Fuß hoch hängende Fels los und richtete Tod und verderben an. Lin Fuhrmann wurde sofort zerquetscht, während ein anderer Arbeiter bis zur Mitte des Leibes von einem ca. 15 Cbm. haltenden Felsen festgebannt war. Drei lange qualvolle Stunden mußte der Aermste bet vollem Bewußtsein jammern, biß durch rasch herbetgesch^ffke Hebwerkzeuge der Felsen gelüstet und der unglückliche halb zerschmetterte Mann heroorgezozen werden konnte. Den Besitzer des Bruches, Herr Briel, welcher neben dem Wagen stand, traf ein Felsstück so gewaltig, daß er gegen das Wagenrad geschleudert und derart verletzt wurde, daß er nach einer halben Stunde eine Leiche war. Ein dritter Arbeiter war wie durch ein Wunder gerettet worden feine gewaltige Felsmasse stürzte auch über ihn, aber zum Glück bildete sie eine Höhlung, unter welche derselbe zu liegen kam und nur am einen ®rme etwas blesstrt hervplMen wurde. Schauerlich soll eben noch das weiterhängende Gestein zu sehen sein. Der Mannschaft deS gegenüber befindlichen Bergwerks, welche Angesichts her drohenden Todesgefahr, unerschrocken die Rettung der Verunglückten be sorgte, gebührt alles Lob und Anerkennung. — Der Besitzer des Bruches hinterläßt eine Wittwe und drei Kinder. T I III ■ . ......... ■■■' -----------1----U" . I . . II Handel und Verkehr, Mainz, 2. Jqnuar, Weizen per März 21.85, Roggen per März 15.60, Hafer per März 15, Rübok per Mai 37 70. London, 2. Januar. Getreidemarkt Schlußbericht. Englischer Weizen träge, fremder stetig, angekommene Ladungen fest. Andere (Setretbearten fest, aber ruhig. Zufuhren: Weizen 81000, Gerste 4800, Hafer 26400 Q- Gußregen. Limburg, 2. Jan. (Fruchtbericht.) Rother Weizen Jt 19.30, Weißer Weizen Korn v* 13.35, Gerste JL 11.25, Hafer JL 7.20. (Durchschnitts-Preis pro Malter.) Noch einer vom alten Schrot und Korn. „In demselben Geiste Der Unparteilichkeit und Wahrheit, wie wir dies von Wilhelm Zimmermann rühmen, hat die „Gartenlaube" seit ihrem Bestehen mit ihren Geschichtsbildern zu wirken gestrebt, und es geschieht aus diesem gesinnungsvcrwandtschaftlichen Gefühl, daß wir dem Wackern deutschen Geschichtsreiniger als ein Zeichen wohlverdienter Aner- kennung seines Wirkens auf dem Felde der Wahrheitsforschung und des FreibeitSkampfes diesen Artikel widmen." Mit diesen Worten schloffen wir im Jahrgaiig 1869 unser»- Blattes eine Mittheilung über W Zimmermann als den „Geschichtsschreiber der Wahrheit", welcher wir das Bildniß deffelben beigegeben hatten. Acht Jahre sind seitdem vergangen; der alte Herr hat am 2. Januar dieses Jahres sein siebenzigstes Jahr überschritten, ohne daß Geist, Herz und Hand ihm zu schwach geworden wären, um noch ein großes Werk zu vollenden. Als die Arbeit der letzten sechs Jahre liegt vor uns seine „Jllustrirte Geschichte des deutschen Volkes"*) (verlegt und trefflich ausgestattet von Gustav Weise in Stuttgart), von welcher 1873 der erste, zwei Jahre später der zweite und jetzt der dritte Band erschienen ist. — Die Charakteristik der Geschichtsbehandlung Zimmer- mann'S, auf die wir oben zurückgewiesen, findet in vollem Umfang auch auf diese neueste Leistung desselben Anwendung; auch in ihr herrscht von der ersten Seite des Buches bii rum Schlußworte derselbe warme nationale Zug und dieselbe Schärfe des Urtheils der historischen Gerech- tigkeit, gleich unerbittlich nach oben wie nach unten, wie in den früheren Schriften des fleißigen Mannes, und so ist auch diese-, die ganze deutsche Geschichte bis zur Gründung des neuen deutschen Reiches umfassende Werk ein echtes Volksbuch, das die Weckung, Klärung und Stärkung eines gesunden vaterländischen und Freiheitssinnes sich zum offenen Ziel aesetzt hat Einen sehr hohen Werth legen wir seiner Darstellung der letzten fünfzig Jahre unserer Geschichte bei, die für Zimmermann eine selbstdurcklebte ist. Er war bereits als Privatgelehr« ter in Stuttgart thätig, als die Julirevolution ausbrach, arbeitete schon damals als ZeitungS- chreiber mit an der öffentlichen Meinung, verlor die 1847 angetretene Professur für Geschichte, deutsche Sprache und Literatur an der Stuttgarter Polytechnischen Schule in sFolge seiner Wirksamkeit in der Paulskirche und seines Verhaltens beim Rumpf-Parlament und in der würt- tembergischen Landesversammlung 1850 und ist erst seit 1864 al- Landpfarrer wieder im Staatsdienst. Er hat demnach selbst in der Arena gestanden, auf welcher Geschichte gemacht wird. Wie klar der politische Blick dieses ehemaligen Zöglings de- Tübinger Stifts, stillen Gelehrten und Dorfpastors durch das Forschen in der Geschichte und die eigenen Erfahrungen im Volksleben geworden, dafür zeugt die folgende Stelle seiner Fortsetzung der „Deutschen Geschichte" Wirth's (Band IV, S. 97), die im Jahre 1865 geschrieben ist: „Zur Schöpfung eines lebenskräftigen deutschen Einheitsstaates, bei den ungeheuren von außen wie von innen vorliegenden Hindernissen, gehört eine eisenstarke, der Furcht wie der Verführung unnahbare Seele und eine geniale Geisteskraft von ausnahm-wciser Größe, in einem Manne vereinigt. Ob das ein regierender Fürst, oder ein Minister eines deutschgesinnten Fürsten, oder ob es ein durch die Zeitverhältniffe und in Folge davon durch eine allgemeine nationale Bewegung emporgehobener und an die Leitung der deutschen Angelegenheiten gebrachter Mann des Volkes ist, darauf kommt es nicht an, obgleich ein großbegabter Fürst, wie der zweite Friedrich von Preußen, oder wie der erste Kaiser Joseph, ja sogar noch wie der zweite Joseph, die meiste Wahrscheinlichkeit glücklichen Erfolges für sich hätte, so, wie die Sachen in Deutschland und in Europa einmal liegen. Nur das eine ist gewiß: ein einziger Mann, die harmonische Einheit des Kopfes und Willens in gleicher Großheit an der Spitze der Leitung, gehört dazu, um die Schöpfung des deutschen Einheitsstaates in's Leben einzuführen. — — Wo dieser eine Mann, der Mann im vollen Sinne des Wortes, welcher dir zerstreuten Kräfte seine- Volkes zusammen^ aßt, auf das Eine hohe Ziel richtet und verwendet, rücksichtslos gegen alle Parteien, in einer Nation fehlt, da wird auch eines Volk-parlamenteS Sitzen und Tagen, wie das der Fürsten - und Ministercongresse, sich im Sande verlaufen." Wenn wir bedenken, daß Zimmermann im Jahre 1865, wo man in ganz Deutschland mit lautem Grolle auf die oberste Leitung Preußens sah, Niemanden weniger, als den bekannten „bestgehaßten Mann" vor Augen haben konnte, so müssen wir gestehen, daß der Mann, wie ihn die Zeit brauchte und wie er sich, als seine Zeit kam, erwies, nicht treffender gekennzeichnet werden konnte, als dies hier geschehen ist. Mit demselben Scharfblicke, derselben Wahrheitstreue und Unerschrockenheit stellt er die von ihm selbst erlebte Zeit dar, und das ist ein Verdienst, das wir ihm nicht hoch genug an- chlagen können. Haben wir auch feinen Mangel an Geschichtswerken, welche „bis auf die Gegenwart" reichen, so fehlt es doch auch nicht an solchen, deren Verfasser einer jüngeren Generation angehören, denen das Herz nicht geschlagen hatte unter den Drangsalen, welche vor und nach der Julirevolution bis zu dem Sturm von Achtundvierzig zu erleben waren. Wer jetzt das Mannesalter betritt, war selbst in der traurigen Reaktionszeit der fünfziger Jahre noch ein Kind Allen diesen ist es schwer, ein wahres Bild von der Zeit zu gewinnen, wo Metternich und Rußland das politische Deutschland überwachten und der Gedanke an „ein deutsches Vaterland", ein „deutsches Reich" als Hochverrath gegen die Souverainetät jedes einzelnen Bundesstaates verfolgt wurde. Selbst uns «eiteren, die wir noch die Polen von Ostrolenka umarmt und am Hambacher Feste mitgejubelt haben, wird eS nicht leicht, aus unserer jetzigen Lebensfreiheit mit einem großen und mächtigen Deutschland heraus uns zurückzudenken unter den Druck der Polizeistaaterei mit ihrer Censur, ihren Verboten, ihren obrigkeitlichen Beschränkungen auf Schritt und Tritt und gar all' den Widerwärtigkeiten, die Jeder zu erfahren hatte, der mit Paß, Wanderbuch und Heimathschein in's „Ausland" kam, wie bekanntlich jedes jenseits der eigenen Heimathgrenzen liegende deutsche Land hieß. Und was Alle- ist unter so jämmerlichen Verhältnissen im Leben und Treiben des Staats und der Gemeinde, der Gesellschaft und des Einzelnen möglich gewesen! Das Schwerste hatten die kleinen Staaten, die zum Theil unter weisen und edlen Fürsten auf dem Wege der Bildung, deS Wohlstandes und freierer politischer Regung geräuschlos fortschritten, von den beiden Großstaaten des Bundes zu leiden, besonders seit „Junker und Jesuiten" über Die letzten Folgen der Julirevolution gesiegt hatten. „Von da an," sagt Zimmermann's AlterS- und Gesinnungsgenosse Droysen, „gab daß preußische Cabinet seine Zustimmung zu allen reactionären Maßregeln^ welche Oesterreich auf dem Bundestage beantragte, zur Unterdrückung der Preßfreiheit, zur Lähmung der Volksvertretungen, zur Verfolgung der liberalen Führer des Volks", — und wie sehr es damit auch dem russischen Interesse diente, verräth die am Petersburger Hofe damals geläufige Tagesphrase: „Wir weisen Preußen seine Rolle an." Ja, was war da Alle- möglich! Rußland winkt, und Rotteck und Welcker verlieren ihre Lehrstühle. Pietisten und Ultramontane feiern Sieg auf Sieg. Der beschränkte Unter- thaneuverstand" wird in Preußen erfunden und in Hessen Sylvester Jordan vor den Augen der ganzen Welt in einem Nacheprozeß gefangen gehalten. Währenddeß läßt der Bischof Arnoldi in Trier den heiligen Rock anbeten und erhält den Stern des rothen Adlerorden- in demselben Jahre 1847, wo eine Lola Montez als Jungfrau von Orlean- des baierischen Liberali-mus gegen den Minister Abel auftrat und Heinrich Simon von Breslau als Sturmvogel des kommenden Jahres auf die Fragen „Annehmen oder Ablehnen?" die Antwort des preußischen Volks gab. Dann kommt — als zweihundertjähriges Jubiläum des Westphälischen Friedens — das Jahr 1848. Wie lebende Bilder führt Zimmermann uns die Hauptzüge dieser ersten großen nationalen Revolution Deutschlands vor, die Stürme in Wien, Berlin und Frankfurt nnd die Unthaten des Pöbels und der Reaktion bis zur „Rettung der Gesellschaft" durch die politische Ebbe und zu deren Ausläufen, der Bundesauferstehung und Flottenauction. Mit denselben energischen Strichen, wie die Ereignisse von Achtundvierzig und deren Fo l- gen, malt er uns die aus den Schatten der Reaction, der Concordate und Conflicte in helleren Farben hervortretendLn nationalen Beweg urigen bis zu den Blut- und Eisenthaten, durch welche erst der Norddeutsche Bund gewonnen und zuletzt zum deutschen Reiche erweitert und erhoben worden ist. Wir widerholen es, daß wir gerade die beiden letzten „Hauptstücke" deS Werks der jüngeren Generation an das Herz zu legen, weil durch sie die schwere Zeit ihrer Väter ihnen so warm und klar vorgeführt wird, wie wir Alten nur in den besten Stunden der Erinnerung sie uns wieder vor Augen zu stellen vermögen. Die jüngere Generation bedarf aber einer solchen Einführung in jene schwer» Zeit, damit die Märtyrer derselben von ihr gekannt, gerecht gewürdigt und nicht durch den Glanz neuer Ereignisse in den Schatten gestellt und mit Undank belohnt werden..... Die Illustration, welche wir (in der Gartenlaube) als künstlerische Ausstattungsprobe des Werks aus dem dritten Bande desselben hier mittheilen, bezieht sich auf die R egieruugSzeit deS Kaisers Joseph des Zweiten, von dem es (S. 374) heißt: „Er lege keinen Werth auf GeburtS- rechle, aus unverdiente Bevorzugungen; er achtete nur das Verdienst und sah im Menschen nur den Menschen.--Er ahndete jede Bedrückung, welche ein Beamter ausübte, auf das Strengste, und man sah hochgeborne Verbrecher, welche sonst vor Strafe fast immer sicher geblieben waren, unter feiner Regierung in Ketten die Gaffen Wiens kthren." („Gartenlaube") *) Jllustrirte Geschichte des deutschen Volke-" von Dr. Wilhelm Zimmermann' Derf. der Geschichte des Bauernkriege-, der Hohenstaufen ro., 3 Bände in größtem 80. mit it 480 Seiten Text, 61 Titelvollbildern und 367 Textillustrationen. Preis broschirt 30 JC. 50 in 3 Prachtbänden 38 Verlag von Gustav Weise in"Niuttgart. Bekanntmachung 1878, Frankl'. Würstchen (” empfiehlt daher n werden aus- (74 zu verkaufen. L Petri II., Ludwiasstr. , 13 If NB. Musterbücher und Preiscourant stehen patiä zu Dunston. (40 Theater. ansertigen zugeschnitten. (62 Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag übernimmt gefällige Aufträge 88) Aeilgebotenes. Zimmerspüne bestimmt sind. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Werse bekannt machen zu lassen. Gießen, den 29. November 1877. Der Rechner der Spar- und Leihkasse: Kehr. von der Großherzoglichen Saline Bad Nauheim, aus gr adirter Soole dargestellt, durch seine Schärfe und Leichtlöslichkeit ausgezeichnet, ist stets sorräthig und zu billigsten Preisen zu beziehen in unserer Niederlage bei Großh. Rendanten Herrn Becker und Herrn Kaufmann J. « D. Bapst auf dem Markt m Gießen- (71 Großherzogliches Salinen- und Bergamt Bad Nauheim - 63) Gesucht eine Laufstelle. Kaplansgosse Nr. 197 III. Stock, Für die •!. C. Böliier’schc Dampf-Färberei und chemische Kunst-Wascherei in Frankfurt a. M. Mterrichts - ünzeige! 4989) Anmeldungen für meinen Unterricht im Zuschneiden und Unfertigen von Damenkledern werden jederzeit entgegen genommen. Ai. Eotticnborggl', Lindenplatz. s (Cofporleure, = zuverlässige, welche das Land bereisen, finden lohnenden Verdienst. Franco - Anmeldungen sind sub K. 0.841 an die Central-Annoncen- Expedition von C. L. Daube & Oo. n Frankfurt a. M. zu richten. J: Wern.rschte Änzrigcn. Ball- un d GkskUschafts-KvItümr werden nach der neuesten Mode schnell und zu soliden Preisen gefertigt. Wilhelmstrasse 18 I. Tr. Auch werden Kleider zum Selbst- __Gg. Wilh. Weidig. Koch- und Vieh Salz Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bet der hiesigen Spar- und Leihkas e angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt und Samstag ,, 19. Die Interessenten -----... . , gefordert, die Zahlungen an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vorzeigung der Schuldscheine sich zu legitimrren. Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Interessenten der Stadt Gießen, dagegen die übrigen Zahltage für die Auswärtigen von Saline Nauheim empfiehlt (76 J. €*• IS. Bapst» 78) Mehrere Mädchen für Haus- unj Küchenarbeit suchen Stellen zum sofortige« Eintritt. Näheres bet ______Frau Müller, Löwengasse 161. ( Junge Damen können die Schneide' rei und das Zuschneiden gründlich erlernen. (6l Wilhelmstraße 18, 1 Treppe hoch 75) Ein neusilbernes Halsband ist ab Händen gekommen. Der Wiederbring« erhält eine Belohnung bei Arnold Müller. Tannenholz per Ctr. M. 1,20, bei Abnahme von 1 Raummeter oder 8 Ctr. frei an's Haus, empfiehlt 72) Andreas Euler. fertiger Gescha fts büeh er aus der Fabrik von O. König & Ebhardt in Hannover, sowie Anfertigung von Drucksachen jeder Art, als: Necknungen mit Firma, Notas, Facturen, Avise, AdreHkarten, Wechsel- formnlare re. empfiehlt zu Fabrikpreisen l*li. Lüdeking. zwar: den 5. Januar „ 8. „ n 9. „ „ 10. „ „ 12 „ „ 15. „ „ 16. „ 17. „ Buchenscheitholz per Raummeter J/L 11. ho. kleingeschnitten, per Rmtr. JA. 12, do kleingemacht, „ „ dp. per Ctr. Jl. 1,50, Bekanntmachung. 7O'ii Kreitaa den 1. Februar f. I., des Vormittags von 10 Uhr an, soll di- zum Schult-nwesen des Georg PH'Upp »u KAs°°s-n nebst Oeconomreiebauden und circa o u M e r g e n Acke/tand und Wiesen, auf dem unterzeichneten Ortsgericht versterzert rcC,CC*^ie Mühle bat 2 oberschläch'ig- Mabl - und 1 Schlaggang mit ausaezeiämeter Wl-sierkraft, liegt nahe an der Oberhessischen Eisenbahn, 20 Minuten von der Haltestelle Nieder-Ohmen, das Land ist sehr gut und ziemlich arrondirt. , ,ß77 Nieder-Ohmen, am 4. December 1877 Großherzogliches Orlsgericht Nieder-Ohmen. Ohnocker. 81) Die erwaititeu Strasburger Gänseleberpasteten sind roieoer angekou inen. J. A. Busch Söhne, HiiMlerseife. Etg.ns für empfindliche Haut präparirt Ganze?. Paqml ä 8 Stück 1,50 halbes „ ä 4 „ , —,80 Immanuel 8» Duswald, Parsümertefabrtk, Frankfurt o. M. zu haben bet: (6608 C. F. Conrad, Co ffeu.-. I*li. Schlatter. 65) 20,000 JL. werk en auf eine seh gute erste Hypothek zu leihen gesucht und die prompteste Zinszahlung zugesichert.z Näheres bei der Exped. d. Bltts.______- 66) Von Herrn Dofflein bin ich bevollmächtigt worden, dessen in der Walllhor- straße (Eck des Asterwegs) belegenes, im feintten und elegantesten Zustand befindliches Haus zu verpachten. Dasselbe enthält einen schönen Laden mit Comptoir, Parterrezimmer. große und geräumige gewölbte Keller und Magazin, große Bodenräume, sowie eine größere und eine kleinere Familie:! wohnung mit Zuaebör und ist mit afleii1 Bequemlichkeiten versehen. Bemerkt wird, daß je nach Umständen, Laden u. Lagerraum, sowie die Wohnungen auch im Einzelnen abgegeben werden. Re- stectanten wollen sich gefälligst an m>ch wenden. Ohr. Vix am Neuenwegertbor- Japanische Schreib- it Copir-Tinte (Euere violette ä copier). Dieselbe ist von violetter, dem Auge angenehmer Farbe, wird indeß beim Gebrauch nach kurzer Zeit schwarz, trocknet augenblicklich, greift weder Papier noch Feder an, ist leicht fließend, schimmelt selbst bei längerer Aufbewahrung nicht und ist unanslöschbar. Auch dann, wenn die Schrift bereits mehrere rage alt ist, liefert dieselbe noch makellose Copien und empfiehlt sich des schnellen Trocknens und der vorzüglichen Schwärze wegen ganz besonders zum. Einträgen in Handels- und Geschäftsbücher. Niederlage davon in 4 Flaschenfüllunaen 1 Vi Liter jt 2, i/2 L'ter- ■ 1.25, V4 L'ter 75 1/g Liter 50 in Giessen bei der ^xpeditio^ des Giefituet Anzeigers.____ 7) Zu prompten Lieferungen großer Posten Ringofen-Ziegelsteine, Fn^on- und Verblendsteine re. für Frühjahr und später, empfiehlt sich L. Weygand in Wetzlar. Wermietstungen. 60) Ein großes und ein kleines Fami- 1 lienloqis zu vermiethen bei Carl Kaust, Schreiner, Kaplansgosse. 64) Der Mittlere Stock meines Hauses • aus drei bis vier Zimmern, Küche, Keller, Balkon und abgeschlossenem Corridor per 1. April zu vermiethen. _________ Ernst Döring, Riegelpfad. 67; In dem ganz neu durchbauten, frü- Heren Ronstadt'schen Hause in der Neu stadt sind zwei sehr schöne freundliche Wohnungen von je 4 Zimmern, Küche und sonstigem Zubehör zum Preis von 350 und 400 JL zu vermiethen. Näheres bei Henn Clir. Vix am Neuenweg rthor. 80) Möblirles Zimmer, sofort beziehbar zu vermietben.__________Lit D. 85. 79) Freunol-che Famtlicnlogts zu ver- miethen._____________Sandgasse D. 156. 82) Möblirtes Z'mmer zu vermiethen. _________________________Lindenplatz 244. 83") Eine fieuni ltche Familienwohnung von 4 Zimmern, Küche, abgeschlossenem Corridor und sonstigem Zubchör, zum 2. April beziehbar, zu vermiethen. _____________Jul. Bach, Seltersweg. 5t) Ci ne Wirthsckaft verpacktet_________£• Büty* 28) In dem früher Werner'scken Hause Kaplansgosse ist ein kleines Familien logis an eine ruhige Familie zu vermie- then.___________ 33) 2 Familienwohnungen zu vermiethen _________bei Georg Noll, Gärtner. 52) Ein Laden worin seither ein Spece- reigeschäft mit bestem Erfol? betrieben wurde, - m vermiethen. Näheres bei I. Blitz. «rdaetio, W-editio 91ai Dir Gesetzes vom gelber an die stellen zu lass' für die Inter in den Provi den 1. FebrUl den Monaten Jnd< gleich, die \t\ des Monats \ Monat Jam \ von 52 ji. _ W w daß in d Note des R 1 . De, königlich E, Bntrü unb '"lcher Tran Spant- bic Gewißh, Dal Die billigste Betriebskroft liefern die als vollkommen gefahrlos und unbedingt verläßlich bewährten patentirten II o e k’sclieu Motoren System Martin-Hock. Brennstoffverbrauch ca. 3 Ko. Cokesab'älle im Werthe von 3 bis 8 per Stunde und Pferdekraft, geringes Raumerforderniß, spielend leichte Instandhaltung, Größe und Bedienung, wie Heizöfen, kein Gas, kein Wasser, kein Dampf, kein Kessel, feine Mauerung, keine Fundamen- tirung, keine behördliche Genehmigung. — Prospekte und Referenzen ans Verlangen. Maschinenfabrik Julius Hock «fe Oo* WIEN, Landstrasse-Hauptstrasse 109. Generalvertreter: Herr Carl Belebe, Frankfurt a. M., eiserne Hand 15, wo stets eine Maschine im Betriebe zu sehen ist. (68 (Cafe Leib.) I. Vorstellung: Pech-Schulze Große Posse mit Gesang in 3 Acten iui 7 Bildern oonSalingre. Musik von Lan, 69) Hochachtungsvoll Hugo Kurde. Der heutigen Nummer lieg für die Stadt - Abonnente! ein Prospect der „Gartet taube" bei. (8 A Bly für r>en „GieHener Anzeiger" werden nur von der Expedition, Schulstrasse B. 18, B ■■ entgegengenommen. Verantwortliche Redactton: A- Scheyda. — Druck und Verlag der Brühlschen Unto.-Druckeret (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. 1 JjipLl, “tti ®Le war, Cor»iTi6bJn "lan 2 Wett, Htt ja ®«nni le 31 te1"" bi? en