Nr. 281. Zweites Blatt Sonntag, den 1. December 1878. Weßener "2( it seiger AMP- und Amtsblatt für den Kreis Gießen. Erschein täglich mit Ausnahme des MontagS PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh«. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. RedactionSburea«r 1 Ä «xpeditionSbureanr f Schulstraße 8. 18. Wolitischer Hheik. Wochenübersicht. Unser Kaiser hat am heutigen Tage Wiesbaden, gestärkt und ge> kräftigt, verlassen und wird am 5. Decbr. in der Reichs-Hauptstadt eintreffen. Zu seinem festlichen Empfange werden die großartigsten Vorbereitungen getroffen. Unsere Großherzogltche Familie, resp. die erkrankten Glieder derselben, haben sich so weit wieder erholt, daß Bulletins nicht mehr ausgegeben werden. Gebe Gott, daß sie bald wieder in gewohnter Frische und Gesundheit unter dem Volke sich zeigen können. Die Untersuchung in Sachen des „Großen Kurfürsten" kann, nachdem zuletzt noch die Admirale Jachmann und Klatt als Sachverständige ihr Gutachten über die Katastrophe abgegeben haben, als abgeschlossen betrachtet und nunmehr dem Zusammentritt des Kriegsgerichtes entgegengesehen werden. Inzwischen ist Contre-Admiral Ktnderltng an Stelle des pensiontrten Admirals Werner zum Chef der Marinestation der Ostsee ernannt worden. Die Bundesraths-Ausscküffe haben den Antrag des Reichskanzlers auf Einsetzung einer Reichscommission zur Revision des Zolltarifs angenommen. Der Handels- und Schifffahrts-Vertrag mit Italien ist bis zum Schluß des Jahres 1879 verlängert worden. Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht in Ausführung des Soctalisten- gesetzes noch immer Verbote von soctaldemokratischen Vereinen und Zeitschriften. Die Reichs-Beschwerde-Commission, welche am 25. d. ihre erste Sitzung hielt, hat die erhobenen Beschwerden bisher alle zurückgewiesen. Weiter publicirt der „Reichs Anzeiger" die Verhängung des sog. kleinen Belagerungszustandes über die Kreise Berlin, Charlottenburg und Potsdam, sowie die damit zusammenhängenden Maßregeln. Der preußische Landtag trat schon am ersten Tage nach seiner Eröffnung in die Arbeit ein. Während das Abgeordnetenhaus seinen ganzen früheren Vorstand durch Acclamation wiederwählte, ersetzte das Herrenhaus den bisher als 1. Vicepräsident fungirenden national-liberalen Herrn v. Bernuth, der durch sein Votum gegen den ersten Entwurf des Socialistengesetzes die Gunst eines Thetls seiner College« verscherzt zu haben scheint, durch den con- servativen Grafen v. Arnim-Boytzenburg. Auf dem von circa 300 Delegtrten aus allen Thetlen Deutschlands besuchten Parteitag der deutschen Fortschrittspartei wurde die Einigkeit zwar durch Annahme des vorher festgesetzten Parteiprogramms mühsam aufrechterhalten, aber es machte sich doch das Gefühl geltend, daß die Partei einer schweren Krisis entgegengehe. Die Verhandlungen zwischen Rom und Berlin sollen in vollem Gange sein, aber unmittelbar zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Cardtnal- Staatssecretär Nina geführt werden, so daß über deren Verlauf nichts Sicheres bekannt geworden ist. Uebrtgens warnt man von eingeweihter Sette vor Erwartungen einer baldigen Wiederherstellung des kirchlichen Friedens. Die Centrumspartet thut nämlich nach wie vor Alles, was in ihren Kräften steht, um in den entscheidenden Kreisen das Mißtrauen gegen die geschworenen Feinde des preußischen Staates und des Deutschen Reiches wach zu erhalten: läßt sie doch durch ihre Preßorgane fortwährend erklären, daß sie die Opposition gegen die Regierung aufs Eifrigste fortsetzen werde; sie droht sogar neuestens unter Hinweisung auf die Fortschritte, welche die Docialdemokratte in den Kasernen mache, daß man, falls die Unterhandlungen sich zerschlügen, 1879 und 1880 höhere Forderungen stellen werde als 1878! Unter diesen Umständen können wohl alle Vaterlandsfreunde dem weiteren Verlauf der in den Händen eines Mannes wie Fürst Bismarck liegenden Verhandlungen ohne Besorgniß vor «inem Canoffa entgegensehen. Der König von Dänemark hat die Verlobung seiner Tochter mit dem Herzog von Cumberland nunmehr auch osficiell declartrt. Die Stellung der deutschen Regierung zu dieser Familienverbindung wird am deutlichsten durch die Thatsache gekennzeichnet, daß während der Anwesenheit des hannoverschen Thron-Prätendenten die deutsche Gesandtschaft in Kopenhagen — geschloffen war. In Oesterreich-Ungarn find die Zweifel, ob es dem Grafen Andraffy gelingen werde, für die von ihm beobachtete Politik die Unterstützung der Delegationen zu finden, durch den Beschluß des Budgetausschuffes der österreichischen Delegation, über die außerordentliche Creditforderung für die Occupatio« zur Tagesordnung überzugehen, von Neuem rege geworden. Die Regierung giebt indeß die Hoffnung, daß das Plenum ihre Forderung bewilligen und damit ihre gesammte Politik, welche immer deutlicher auf Einverleibung der occuptr- ten Länder hinausläuft, gntheißen werde, um so weniger auf, da die österreichische Bevölkerung durch den enthustasttschen Empfang, den sie den vom Kriegsschauplatz zurückkehrenden Regimentern bereitet, ihre Sympathien für die Annexionspolitik offen kundgegeben hat. Wie vorauözusehen, bat England den Krieg mit Afghanistan, nachdem Schir Ali das britische Ultimatum unbeantwortet gelaffen, sofort begonnen, durch das energische Vorgehen seiner Truppen auch schon einige Erfolge erzielt. Die Regierung fühlt indrß begreiflicher Weise das Bedürfniß, ihren folgenschweren Entschluß sobald als möglich vor dem Lande zu rechtfertigen, und hat daher das Parlament auf den 5. December einberusen. Ganz leicht um's Herz mag es ihr freilich bet ihrem Schritt, der zudem nicht mit Einstimmigkeit beschloffen worden sein soll, nicht sein : sie sieht sich nämlich durch die üble Lage der Dinge im Transvaalslande gezwungen, auch bedeutende Verstärkungen nach dem Cap zu senden. Im Canal von England ist das deutsche Schiff „Pommerania" mit einem eisernen englischen Schiffe, dem „Moel Eiltan", zusammengerannt, und »st in Folge deffen die „Pommerania" untergegangen, wobei circa 50 Personen ertrunken sind. Das italienische Königspaar hielt am 24. d. unter endlosem Jubel der Bevölkerung seinen festlichen Einzug in Rom; am folgenden Tage empfing es Deputationen des Senats und der Kammer zur Entgegennahme von Glückwunsch-Adreffen. Auch sonst fehlte es in Italien nicht an Kundgebungen der Freude über die Rettung des Königs aus Todesgefahr. Leider wurde indeß der Festsubel an einigen Orten, wie in Florenz und Pisa, durchs Orsini- Bomben gestört. Papst Leo soll den König in seinem Glückwunsch-Schreiben gemahnt yaben, in dem Attentat einen Warnungsruf Gottes zu erkennen, und sich nicht länger der Einsicht zu verschließen, daß der Krieg gegen die Kirche nicht anders enden könne, als zum Schaden von Thron und Gesellschaft 1 Für Frankreich war das Duell zwischen Gambetta und dem früheren Minister Fourtou, die sich in öffentlicher Kammersitzung gegenseitig Schimpfworte an den Kops geworfen hatten und nun ihre angegriffene „Ehre" durch eine alberne Komödie herzustellen wünschten, das wichtigste Ereigniß der Woche. Die Deputirtenkammer begann am 21. November die Berathung des Budgets, welches außer den ordentlichen Ausgaben von 2700 Mill. Franken noch ein Extra-Ordinarium von 460 Mill. — darunter 187 für den Krieg —- aufweip. Das Cultusbudget wurde dabei mit einigen Abstrichen angenommen, welche die klerikale Partei zu der Drohung veranlaßten, sie würde den Kampf mit erneutem Eifer wieder aufnehmen, falls die Republikaner ihre Pläne, wie Gambetta sie enthüllt, verwirklichen wollten. ■i—-i .U ■ — ...........— ...... ' ''■■■■■ I "1 i„ -!- JW. - Der englisch-afghanische Krieg. Wie bereits unseren Lesern bekannt, ist den Engländern die Einnahme der kleinen afghanischen Festung Alimusjid im Khyberpasse gelungen. Der Berichterstatter der „Daily News", Archibald Forbes, berichtet in einem Telegramm aus Alimusjid vom 22. November folgende weiteren Einzelheiten: Da gestern keine Hoffnung auf das Eingreifen Macphersons mehr da war, blieb nichts übrig, als das Unternehmen für die Nacht aufzugeben. Dem entsprechende Anordnungen wurden getroffen. Appleyards Vorhut der 3. Brigade, bestehend aus einer Abtheilung der 27. Infanterie-Brigade, war den steilen Abhang, der zu dem Gipfel auf der rechten Flanke des Feindes führte, so eifrig hinaufgestürmt, daß Aussicht auf Erfolg entstand; aber Major Birch, der den tapferen Trupp befehligte, stieß auf mehrere Hintere inanderlausende Verschanzungslinien, die von den Afghanen besetzt waren, und bei Einbruch der Nacht erreichte ihn der Befehl, das unmögliche Bemühen aufzugeben und auf seine Reserven zurückzufallen. Auf diesem Rückzüge ward die Abtheilung arg mitgenommen. Major Birch selbst sowie ein Lieutenant wurden getödtet, ein anderer Lieutenant verwundet; ein gleiches Schicksal erfuhren einige Dutzend Sepoys, sowie vier Mann von Mandersons Batterie. Nachts wurde,: Anstalten zur Verstärkung unseres linken Flügels getroffen, der gestern am besten gefahren war. Major Cavagnari erhielt Nachricht, daß die Besatzung von Alimusjid von Tytlers Eintreffen in ihrem Rücken gehört habe und im Räumen begriffen sei. In der Morgendämmerung waren noch einige Flaggen und wenig Leute bei den Werken sichtbar. Eine Pause verstrich, während der ein Zusammenwirken der rechten und linken Flanke zu einem allgemeinen Vorrücken auf den Punkt, der die verlassenen afghanischen Zelte und Geschütze im Flußthal unterhalb des Forts überschaut, zu ermöglichen war. Plötzlich sahen wir einen Reiter vom Forts aus sich nähern. Es war ein Dfficter der 9. Lanciers, der zum Reeegnosciren au'sgeritten, bereits einige Sepoys und zwei Ofsiciere im Besitz von Alimusjid angetroffen hatte und zurückkam um Meldung abzustatten. Wir eilten augenblicklich den steilen Abhang hinab über den Strom hinüber und befanden uns in Alimusjid. Im Ganzen wurden 21 Geschütze und einige wenige Gefangene genommen. Die Truppen halten um Rationen zu empfangen, doch soll Verbindung mit Tytler in Kheti Khesta weiter oben hergestellt werden, während wir dieses Ende des Engpasses besetzt halten. In den Häusern bei Alimusjid wurden einige Stunden nach Abgang des obigen Telegramms weiter aus Jumrood, einige 40 bis 50 Verwundete angetroffen. Die Besatzung war in aller Eile davongelaufen, Waffen und Proviant zurücklaffend. Eine beträchtliche Anzahl Gefangener wurde gemacht. Der General befindet sich jetzt im Zelte des afghanischen Befehlshabers. Es heißt, die Guiden hätten den letzteren gefangen, als er bei Kethi Khesta zu entwischen versuchte. Viel Feuern ward während des Morgens den Paß auswärts in der Richtung nach Tytlers Brigade hin vernommen. Die 3. und 4. Brigade halten bei Alimusjid heute, um Vorräthe in Empfang zu nehmen. Man glaubt der Widerstand der Afghanen fei gebrochen. Der Daily Telegraph hat über Alimusjid noch Folgendes: Das Lager enthält Zelte für 2000 Mann. Fünf Geschütze wurden daselbst genommen. Der Feind hatte, wie sich herausstellte, Enfieldbüchfen und Patronen von 1871 gebraucht. Beim Erklimmen des Hügels auf das Fort zu erblickte man noch den Feind, wie er über den Hügelrücken nach Jellalabad zurückzog. Im Fort selbst wurden weitere 7 Geschütze aufgefunden, so wie große Proviant- und Munitionsvorräthe. Wenn man das gestrige Gefecht genauer erwägt, so wird man betroffen durch die genaue Kenntniß von der Stärke des Feindes und die unrichtige Schätzung seiner militärischen Tüchtigkeit. Seine Stellungen waren bewunderungswürdig ausgewählt und geschickt verschanzt. Unsere Ueberlegenheit in der Artillerit trug wesentlich zum Zusammenbrechen der Vertheidigung bei. Die afghanischen Schützen bei den Vorposten und die Besatzung fochten gut. Ueber das Vorrücken der Kurumthal-Colonne und die Besetzung des unvertheidigten Forts Kapiyanga wird dem „Standard" aus Thull vom Freitag berichtet: Gefangen genommen wurden nur „drei große Kerle in Lumpen," die sich ohne Weiteres entwaffnen ließen und drei Kinder, die als LösegÄd für das Leben ein paar Rebhühner darboten. Freitag Morgen rückte ein Theil der Truppen gegen Ahmadshana vor. Die Eingeborenen flohen anfangs, kehrten aber bald, als sie sich unbelästigt sahen, zurück. Schir Ali hat daselbst leine Anhänger, da das Volk durch die Kabulesen bedrückt wird. Die Einwohner bringen bereits freiwillig Lebensmittel herbei, was von großer Bedeutung ist. Die Straßen sind in einem elenden Zustande und verhindern das Vorrücken. Wie sich aus Telegrammen vom Kriegsschauplatz erweist, soll die afghanische Besatzung von Alimusjid aus sechs Regimentern von 200 bis 250 Mann bestanden haben. In der kleinen Festung selbst waren 21 Geschütze aufgestellt. Außerdem war indessen eine Deckungsbatterie auf dem Berge Kothes Kos errichtet worden, welche das Fort beherrscht. Die freiwillige Räumung soll in großem Maße dem Manöver der Umzingelung oder richtiger des Anmarsches zweier Truppenzüge im Rücken der Festung zu verdanken sein. Weiter wwd gemeldet, daß die englischen Truppen nach Einnahme des Forts alsbald ans Lundi Kana marschiren sollten, welches gewissermaßen schon außerhalb der jenseittgen Augmündung des Passes liegt. Vermögen die Truppen sofort daselbst feste Stellung einzunehmen, so ist also für das Erste bereits viel gewonnen. Reben dem Fort Kapion oder Kapiyanga soll die Ab theilung des Generals Roberts am ersten Tage auch noch das unbedeutende Fort — wohl kaum Fort zu nennen — Ahmadschana im Kurumthal eingenommen haben. Die Colonne von Quettah ist vorerst auf Pisheen zu marschirt, wo sie die Verstärkung unter General Stewart abwartct. Der Emir wollte vor einiger Zeit Phiseen befestigen, um der englischen Stellung in Quettah ein Gegengewicht zu bieten. Er wurde indeß durch den Widerstand der Ortseinwohner daran verhindert. Bis jetzt ist der Feldzug ganz und gar nach Wunsch gegangen. Eine große Wasfenthat ist die Einnahme von Alimusjid am Ende nicht, obwohl das schnelle und sichere Vorgehen der englisch-indischen Truppen immerhin Anerkennung verdient. Gerade in Afghanistan ist sie, zumal am zweiten Tage des Krieges, von Bedeutung, weil sie die Eingeborenenstämme England günstig zu stimmen verspricht. In Asien ist häu- sig der erste Erfolg entscheidend. Der afghanische General Ghvlam Hyder Khan befindet sich, dem „Daily Telegraph" zufolge, unter den durch die Umgehungsbrigade Gefangenen. Die ursprüngliche Absicht, die Khybercolonne vor Beziehung der Winterquartiere nicht weiter als bis Dakka vorzuschieben ist jetzt aufgegebcn und Jellalabad nunmehr als Grenze für das Vordringen bezeichnet. Dem „Standard" ist aus Hazir Pirs vom 24. d. die Nachricht zugegangen, die Afghanen gedächten das 30 Kilometer entfernte Fort Mahomcd Azim bei Annäherung der Engländer zu verlassen und zu zerstören. Um letzteres zu verhindern, beschloß General Roberts, die Besatzung durch Eilmärsche zu überraschen. Loka o t t z. Gießen, 30. November. (Sitzung der Stadtverordneten am 28. Novbr.) Bei Beginn der Sitzung gab der Herr Bürgermeister in einer Ansprache den Gefühlen des Schmerzes und Beileides Ausdruck, welches die Bewohner der Stadt Gießen bet den schweren Erkrankungen und dem Todesfälle in unserer Großherzogltchen Familie bewegten. Er bat die Versammlung zum Zeichen des Einverständnisses sich von ihren Sitzen zu erheben, welches geschieht. — Zwecks Abhaltung einer Prüfung von Fortbtldungs- fchülern im Französischen und Englischen Seiten? des Herrn Saßmannshausen, welcher 12 Schüler im Französischen und 6 tm Englischen unentgeldltch unterlichte'e, wird demselben der Sitzungssaal der Stadtverordneten oerwilltgt. — Der Versammlung wird bekannt gegeben, daß in Folge eines Berichtes der Dtrcctton der Ob-rhesstschen Eisenbahnen, wonach dieselbe erklärte: tm Falle die neue Schützengrsellschaft den Schießplatz am Trieb benutzte, sie für da« Leben des Bahnpersonals und der Reisenden nicht etvstehen könne, Großh. Kreisamt Gießen aus diesen Gründen die Erlaubniß verweigere. Die Polizeiverwaltung, sowie daS KretSbauamt hatten ihre Zustimmung gegeben. Die frühere Eingabe der Schützengescllschaft an die Stadtverordneten behufs Ueberlassung deS Schießstandes wird somit hinfällig. — Der Versammlung wird etu Bericht Großh. KreiSoeterinäramtS Gießen, sowie der Poltzeiverwaltung zur gutachtlichen Aeußerung rnitgetheilt, wonach die Einführung von Gesundhettszeugntsien bei Rindvieh, ehe eS auf den Markt gebracht würde, anzustreben sei. Durch Erthetlung dieser Scheine solle eine möglichste Verhinderung der Einschleppung von Seuchen und Krankheiten erzielt werden. Die Versammlung sprach sich jedoch einstimmig gegen diese Einführung als eine Belästigung der Marktbesucher auS und nahm nachstehenden Antrag deS Herrn Bürgermeisters einstimmig an: In Erwägung: 1. daß durch die reich ^gesetzlichen Bestimmungen in Betreff der Maßregeln gegen die Rinderpest vom 7. April 1869 hinreichende Vorkehrung gegen die Verbreitung von Viehseuchen getroffen ist, 2. daß auch die Einführung der von dem KreiSoeterinäramt Gießen beantragten Gesundheitszeugnisse keine genügende Garantie gegen das Auffahren kranken Viehes auf den Vtehmärkten zu bieten vermag, 3. daß diese Maßregel für die Vtehkäufer mindestens etne sehr lästige sein würde, welche einen Rückgang der Frequenz der Gießener Vtehmärkte befürchten läßt, namentlich wenn für andere bedeutende Vtehmärkte tn Cöln, Frankfurt a. M., Mannheim rc. Vorschriften wie die beantragte nicht bestehen sollten, 4 daß außerdem die Elfahrung gegen dte Nothwendigkett der Einführung von Gesundhettszeugntsien spricht, indem wenigstens nicht bekannt geworden ist, daß ein mit einer ansteckenden Krankheit behaftetes Stück Vieh in den letzten Jabren auf einen Gießener Vtehmarkt aufgetrteben resp. eine Seuche herbet- geführt worden sei spricht sich dte Stadtverordneten-V-rsammlung gegen die Einführung von Gesundhetts- Zeugnisien für da« auf den Gießener Vtehmärkten aufzutretbende Vteh au8. — Der zweite Punkt der TaaeS Ordnung behandelte etne Eingabe von 10 Viehhändlern und 6 hiesigen Metzgern an Großh. Ministerium. Dieselben führen Beschwerde gegen das Einschreiten der Polizeibehörde, welche ihnen das Vtehtretben nach und von den Bahnhöfen an Sonntagen unmöglich mache. Sie erklären in dieser Eingabe, daß sie gezwungen seien ihr Vieh am Sonntag ver- oder entladen zu müssen und belegen diese Behauptung mit Thatsachen. Dte hiesige Handelskammer erklärte sich mit den Ausführungen einverstanden und beantragte ihrerseits bet Grobherzoglichem Ministerium: daß den Händlern und Metzgern das Viehtrctben an Sonn- und Feiertagen, jedoch mit Ausnahme der Stunden des Gottesdienstes am Vor- und Nachmittag, zu gestatten fei. Großh. Poltzeiverwaltung bemerkte hierauf, daß sie weil entfernt sei dem Handel hemmend entgegenzutreten und will nur dte Zett von Vz9 Ufrr Vormittag« bis icU»' Geschnitzte Holzgegenstände, Garderobe - Halter, Zettungs - Mappen, Schreibzeuge rc. billig in großer Auswahl. Stickereien werden gratis in solche eingezogen bet Ernst Balser. Holzgegenstände, Farben rc. zur Spritz- per Mtr. Spritzinsilerei Apparate, flüss. und trockene Farben. Alleinige Niederlage der Holzwaaren- fabrik von R. Friedel & Co. in Stuttgart. Verzeichnisse gratis. Damenkleiderstoffe, ä 45, 60, 75, 90 und 100 Pf. 10/4 Zwirn Gardinen, ä 60, 70, 80 und 100 „ W'6.®* itniiftn4 ne. 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