Ko. 901. Freitag, den 31. August 183». Kietzener Wyeiger Anffize- nnb Amlsblait für bk« Kreis Gießen. Erscheint täglich mit Ausnahme deS MontagS» Expedition r Schulstraße, Lit. B. Nr. 18. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 3 Mark 50 Pf. Amtlicher HHeil. Gießen, am 28. August 1877. Betreffend: Den Coloradokäfer. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Büraermeistereien des Kreises. Cs werden Ihnen, soweit dies noch nicht geschehen ist, Exemplare von Beschreibungen des Coloradokäfers zugehen, welche Großherzogliches Ministerium des Innern in Placatform hat anfertigen lassen. Ein solches Placat ist an das Gemeinde- oder an ein Schulhaus anheften zu lassen. Es ist ferner dafür Sorge zu tragen, daß die Kartoffelfelder häufig nach dem etwaigen Auftreten des Käfers untersucht werden und Ihnen ungesäumt Anzeige von dem Auffinden des Käfers gemacht wird. In einem solchen Falle haben Sie sich sofort an Ort und Stelle zu begeben und uns selbst dann auf kürzestem Weg Anzeige zu erstatten, wenn Sie den Käfer nicht genau zu erkennen vermögen, vielmehr nur Verdacht haben, daß das aufgefundene Jnscct der Coloradokäfer sei. Das von dem Käfer befallene Kartoffelfeld ist sogleich absperren zu lassen, damit derselbe nicht durch Menschen weiter getragen wird. Dr. Boekmann. Wir sehen der Erledigung unsrer Auflage in rubr. Betreff, Amtsblatt vom 27. Juli d. I., seitens der noch rückständigen Schulvorstände unfehlbar innerhalb 8 Tagen entgegen. Dr. Boekmann. Gießen, am 29. August 1877. Gießen Betreffend: Das Auftreten des Colorado-Käfers. Die Großherzogliche Kreis-Schul an die Schulvorstände deö Das Büreau der Districts-Etnnehmerei Gießen I. befindet sich vom nächsten Monat an im Hause des Herrn C. Leib kirche Lit. A Nr. 17. Gießen, den 30. August 1877. (Lackirer) hinter der ^radt- Folitisch Deutschland. ^armftabt, 29. August. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst zu verleihen geruht: Am 25. August: den Charakter als Geheimer Oberbaurath dem Vortragenden Rath in der bautechnischen Abtheilung des Ministeriums der Finanzen, Oberbaurath Renner, das Comthurkreuz II. Klaffe des Philipps-Ordens dem Obersteuerdirector, Geheimerath Ewald, das silberne Kreuz des Philipps-Ordens dem Pfandmeister Basiert in Gießen, das allgemeine Ehrenzeichen dem Haupt- fteueramtsdiener Weidig in Gießen, dem Steueraufseher Limberger in Mainz und dem Förster Unkelbach auf dem Forsthaus Vorholz; Am 28. August: den Charakter als Oberforstdirector dem Geheimen Obersorstrath Bose, das Ritterkreuz I. Klaffe des Philipps-Ordens dem Forst- nleister Herpel in Friedberg und dem Oberförster Schmitt in Butzbach. Berlin, 27. August. Die Annahme, daß sämmtliche Großmächte, selbst England nicht ausgenommen, nicht zögern würden, sich den deutschen Vorstellungen wegen türkischer Grausamkeiten gegen russische Soldaten anzuschließen, wird bereits von dem „Reichs-Anz." bestätigt. In der That wäre die Genfer Convention das Papier nicht werth, auf welches sie geschrieben ist, wenn die Theil- nehmer an derselben die Mißachtung der selbstverständlichen Voraussetzung der Convention unbeachtet lasten wollten. Auffallender Weise wird in der Presse als Gegenstand dieser diplomatischen Vorstellungen auch die von dem preußischen Major v. Liegnitz berichtete Verletzung der Parlamentäiflagge bei Kesanlyk bezeichnet (so auch in dem Bericht der „Daily News"), obgleich dieser Vorfall nicht eine Verletzung der Genfer Convention, sondern eine solche des Völkerrechts beweist. Hier kommt die Stelle des Berichtes des Majors v. Liegnitz in Betracht, wo es heißt: „Die Krankenträger fanden (am 19. Juli bei Besetzung des von den Türken aufgegebenen Schipka- Paffes) fast keine Verwundeten mehr vor; den liegengebliebenen Todten waren zum Theil, den Verwundeten scheinbar sämmtlich, der Kops abgeschnitten. Die Köpfe lagtu in den Zelten zerstreut. Unter Jenen befand sich ein Krankenträger mit der Binde des Genfer Kreuzes (also ein Nicht-Türke) um den Arm und ein Mann auf einer Krankentrage. Einige Verwundete waren scheinbar gräßlich gemartert worden." Ferner die Stelle aus dem Berichte eines anderen preußischen Offi- ciers: „Die Türken vrllführen übrigens Schändlichkeiten, die Alles übersteigen. Nicht genug, daß sie alle Verwundeten, die in ihre Hände fallen, ihrer männlichen Attribute berauben, so bringen sie dieselben nachher noch auf die grausamste Weise um, indem Fälle constatirt sind, daß Leichen mit Beilen in Stücke geschlagen sind." Man mag die Grausamkeiten, welche die Baschi-Boznks, Saibaks u. s. w. gegen die bulgarische Bevölkerung verüben, durch das Beispiel motiviren, welches die Bulgaren vielfach der mohamedanischen Bevölkerung gegenüber gegeben haben; — obgleich die Baschi-Bozuks im vorigen Sommer solcher „Motive" nicht bedurften — die Grausamkeiten türkischer Soldaten gegen russische Soldaten gehören in ein ganz anderes Capitel; und auf dieses beziehen sich die Vorstellungen der sämmtlichen europäischen Großmächte. Würzburg, 29. August. Der Kronprinz des deutschen Reiches ist heute früh 7 Uhr nach Bamberg abgereist. Gestern Abend sand eine große Serenade zu Ehren desselben statt. er Hh ei I'. Hesterreich. Wien, 29. August. Die türkische Botschaft erhielt osficielle Nachricht von großen errungenen Vortheilen Suleiman Pascha's im Schipka-Paffe. — In diplomatischen Kreisen wird versichert, Midhat's Rückkehr nach Konstantinopel stehe bevor. Die Wahlen in's türkische Parlament fänden bestimmt Mitte September statt. Die Zahl der Abgeordneten soll vermehrt werden. — Aus Krakau wird gemeldet, daß Oesterreich und Deutschland die Grenzen gegen Rußland besetzen, nm den Uebertritt der zahlreichen russischen Deserteure zu verhindern. — Die Congregation des Pesther Comitats richtet an die Regierung eine Adreffe, worin eventuell die Inanspruchnahme der Wehrkraft zum Zwecke der Erhaltung der türkischen Integrität verlangt wird. Wien, 29. August. Das „Tageblatt" meldet aus Belgrad : Der Ministerrath hat Aenderungen in der Ordre de Bataille beschlossen. Leschjanin wird das Timok Corps, Horvatovic ein aus der stehenden Armee combinirtes Corps commandiren. England London, 28. August. Der britische Botschafter in Konstantinopel, Layard, wurde vom Großvezir benachrichtigt, es sei, um etwaige Wiederholungen der Verletzung von Bestimmungen der Genfer Convention durch türkische Truppen vorzubeugen, befohlen worden, daß die bezüglichen Bestimmungen der Convention in's Türkische übersetzt und unter die ottomanischen Truppen ver- rheilt würden. Ebenso seien alle erforderlichen Anordnungen getroffen, um fernere Ausschreitungen der Tscherkeffen und anderer irregulärer Truppen zu verhüten. — „Reuters Bureau" meldet aus Erzerum vom 26. d.: Die Türken griffen die gegenüberstehenden Ruffen bei Auhe und Kisiltepe an und bemächtigten sich nach hartnäckigem Kampfe der feindlichen Stellungen. Demnächst rückte jedoch ein russisches Corps von Baldirman in die Ebene bei Soubatan, wo sich eine große Schlacht bis 4 Uhr Nachmittags auf 12 Meilen Umkreis entwickelte. Die Ruffen zogen sich in guter Ordnung zurück, die Türken blieben Herren des Schlachtfeldes; auf beiden Seiten wurden starke Verluste erlitten. — Immer neue Verstärkungen für die Russen kommen in Alexandropol an. Auch in Eriwan sind 12,000 Mann mit 48 Geschützen zur Verstärkung des Generals Tergukasoff eingetroffen. Dasselbe Bureau meldet aus Korfu vom 27. d.: Der Kronprinz Rudolf von Oesterreich ist hier eingetroffen. Das griechische Königspaar hat sich nach Tenos begeben. Der König wird demnächst zur Besichtigung der Truppen an die Grenze reisen. London, 28. August. In einer zu Plymouth gehaltenen Rede versicherte der Schatzkanzler Northcote wiederholt, daß England eine Politik des Friedens verfolge; sollten es jedoch seine Jntereffen erheischen, so werde seine Macht auf der Höhe ihrer Aufgabe stehen. England werde seine Neutralität bewahren bis zu ""dem Augenblicke, wo es mit der Hoffnung, dem verderblichen, grausamen unb barbarischen Kriege ein Ziel zu setzen, werde interveniren können. England dürfe in der Ausübnng seines Einflusses, ein zeitiges Ende des Krieges berbeizuführen, nicht Ursache zur Verdächtigung seiner Motive und seiner Aufrichtigkeit geben. Englands Entschluß, seine Jntereffen zu vertheidigen, muffe nicht in engherzigem und selbstsüchtigem Sinne interpretirt werden. England wünsche im Interesse der Humanität Europas und der Welt seinen Bei- stand zu leihen, um, wenn irgend nur möglich, den unglücklichen Krieg zu beenden. London, 29. August. „Reuters Bureau" meldet aus Konstantinopel : Gestern richtete die Pforte neuerdings eine Note au Musurus Pascha, in welcher sie ihn auffordert, Englands Aufmerksamkeit auf die Rüstungen Griechenlands zu lenken und zu erklären, die Türkei werde im Falle einer Jnsurrection ihre Truppen nach Athen marschiren lassen, um das Uebel an der Wurzel auszurotten. England machte der griechischen Regierung Vorstellungen. Letztere hat der türkischen Regierung eine Note zugestellt, worin sie derselben ihre friedlichen Gesinnungen versichert und das Versprechen gibt, wenn nothwendig, gemeinsam mit türkischen Truppen das Räuber-Unwesen zu unterdrücken. — Eine fernere Meldung von „Reuter's Bureau" lautet: Der Abschluß einer neuen türkischen Anleihe sei noch imperfect. Die Banque Ottomane habe ein Syndicat gebildet in Betreff eines Vorschusses von einer Million Pfund auf das Erträg- niß der neuen Anleihe. Türkei. Konstantinopel, 27. August, Abends. Der General-Gouverneur von Tripoli, Mustapha Pascha, Mitglied des hiesigen Kriegsraths, ist an die Stelle Mahmud Damat Pascha's, welcher Großmeister der Artillerie bleibt, zum Kriegs-Minister ernannt worden. Der Kammer-Präsident Ahmed Vefik Pascha ist zum Gouverneur von Adrianopel ernannt worden. — Der Sultan beglückwünschte Mukhtar Pascha zum Siege von Gedikler. Der orientalische Krieg. Wien, 27. August. Der „Polit. Corresp." wird aus Bukarest unterm Heutigen telegraphirt: ' Aus dem russischen Hauptquartier wird von gestern Abend gemeldet, daß der Schipka-Paß noch vollkommen im Besitze der Ruffen und die Verbindung derselben mit Gabrowa intact sei. — General Loris-Me- likoff meldet, er habe, von Mukhtar Pascha angegriffen, denselben mit unge- beuren Verlusten zurückgeworfen. — Ein großes türkisches Panzerschiff wurde von dem russischen Kriegsdampfer „Constantin" vor Sukum-Kale durch Torpedos in die Lust gesprengt. Wien, 28. August. Meldungen der „Presse": Bukarest, 28. Aug. Gerüchtweise wird aus dem russischen Hauptquartier gemeldet, daß Suleiman Pascha die Angriffe gegen den Schipka-Paß eingestellt habe. — Tiflis, 27. Aug. Vorgestern griff Mukhtar Pascha die russischen Positionen bei Kürükdara an, wurde aber zurückgeschlagen. Konstantinopel, 28. August. Die „Agence Havas" meldet: Suleiman Pascha bemächtigte sich der Verschanzungen am Eingänge zum Schipka- Paffe, ist aber noch nicht Herr des Paffes. Die gestrige Schlacht war sehr blutig, besonders auf russischer Seite. Petersburg, 28. August. Officiell. Gorni-Studen, 27. Aug. Seit gestern Mittag und heute unterhielten die Türken nur ein schwaches Feuer gegen den Schipka-Paß. Unsere Braven behaupten alle Positionen. Die Tür- ken setzten sich auf den benachbarten Bergen fest und lösen einander fortwährend im Kampfe ab. Sie bringen Wasser, Proviant, Patronen und Gebirgs-Geschütze auf Lastthieren heran, und zwingen, wo letztere nicht passiren können, Bulgaren zum Schleppen. Wien, 28. August. Ein Telegramm der „Polit. Corresp." aus Bukarest vom 27. d. meldet: Nach speciellem Uebereiukommen Rumäniens mit dem russischen Hauptquartier nimmt die rumänische Armee unter dem Befehl des Fürsten von Rumänien an dem Kriege Theil. — Die rumänischen Truppen errichteten eine feste Brücke bei Karabia, deren befestigter Brückenkopf auf dem türkischen User von denselben besetzt wurde. In der Nacht vom 24. auf dem 25. d. passirte eine rumänische Infanterie-Brigade die Brücke, während bei Turn-Magurelli gleichzeitig drei rumänische Kavallerie-Regimenter über die Donau gingen. Ein von Widdin kommendes 6000 Mann starkes türkisches Corpv traf zu spät ein, um den Uebergang zu verhindern, und trat wieder den Rückmarsch an. — Ein Manifest des Fürsten von Rumänien ist zu gewärtigen. — Oberst Catargiu, welcher mit der serbischen Regierung militärische Vereinbarungen treffen soll, ist in Belgrad eingetroffen. — Der „Presse" wird aus Konstantinopel unterm Heutigen telegraphirt: Nach hier vorliegenden Berichten aus dem Schipka-Paß sind dte Verluste Suleiman Pascha's, dem es gelungen sein soll, zwei Forts zu cerniren, außerordentlich groß. Die Zahl der Kampfunfähigen wird auf 10,000 Mann geschätzt. — Die Entfernung Mahmud Damat Pascha's vom Kriegs-Ministerium wird allgemein dabin interpretirt, daß derselbe in Ungnade gefallen sei. Konstantinopel, 28. August. Mehrere gefangene russische Ofsiciere sind hier eingetroffen. — Ein Telegramm Suleiman Pascha's meldet, daß mehrere russische Angriffe, welche bezweckten, die von den Türken besetzte Höhe Alikeri Zebel zur Linken des Schipka-Paffes wieder zu nehmen, von dm türkischen Truppen unter großen Verlusten auf russischer Seite zurückgewiesen wurden. Die Angriffe gegen die russischen Befestigungen am Schipka-Paffe werden fortgesetzt. Die Türken erbeuteten 2000 Gewehre. Die Russen verloren bereits 3000 Todte, der Verlust der Türken ist noch unbekannt. — Der ehemalige Minister des Aeußern, Savfet Pascha, wurde an die Stelle Hassim Pascha's zum Justiz-Minister ernannt. Letzterer wurde Präsident des Senats. London, 29. August. Der „Times" wird aus Schumla, 28. Aug., telegraphirt: Suleiman Pascha hat am Montag nach neunstündigem Kampfe fast sämmtliche russische Positionen am Schipka-Paß erstürmt. Der russische Verlust beläuft sich auf 3000 Todte und Verwundete. — Nach Telegrammen von „Daily News" und „Daily Telegraph" besinden sich die russischen Erdwerke an der Mündung des Schipka-Paffes sämmtlich in türkischem Besitze. Dte Russen wurden an beiden Flanken angegriffen. Petersburg, 29. August. Nach den letzten an amtlicher Stelle vom Schipka-Paß hier eingetroffeneu Nachrichten, welche bis gestern reichen, mackt sich in den türkischen Angriffs-Bewegungen allrnählig eine unverkennbare Erschlaffung geltend. Die bisherigen Sturm-Versuche der Türken waren oergeb- Iid) und ohne nachhaltigen Erfolg. — Meldungen des Ober-Commandirenden auf dem asiatischen Kriegsschauplatz laffen die Situation als unverändert erscheinen ; bei den Kämpfen am letzten Samstag sei auf keiner Seite ein positiver Erfolg zu verzeichnen. Lokal-Notiz. Gießen, 31. Aua- Bei dem am 28. u. 29. d. M. dahier stattgehabten Vieh- mmfte waren aufgetrieben: 4 Pferde, 2411 Stück Rindvieh und 740 Schweine. Gießen, 30. Aug. Dte an vier Stellen ausgelegene Petition an den Reichskanzler Fürsten o. Bismarck betr. „Heilighaltung des Sonntags" wurde gutem Vernehmen nach von 14—15 Personen unterzeichnet. Vermischtes. — Wie wir vernehmen har der Vorstand der Bau- und Industrie-Ausstellung zu Frankfurt a. M. im ehemaligen BundeS-Palais, große Eschenheimerstr. Nr. 26 beschlossen, am 2. September einen sogenannten Handwerkertag zu eröffnen, welcher als- vann monatlich je am ersten Sonntag stattfinden soll. — Abgesehen davon, daß der Besuch dieser Ausstellung an und für sich ein sehr lohnender und interessanter für jeden Handwerker rc. ist, finden wir in der Einführung des Handwerkertages einen weiteren Beweis von der Gemeinnützigkeit dieses Unternehmens und begrüßen es mit Freuden, daß an die Besucher eine von den Ausstellern erworbene große Collection amerikanischer und deutscher Werkzeuge, Drumsägen, Panellsägen, Hämmer, Hobel, Messer, Schlosser, Winkel, Wasserwaagen, ferner Haushaltungs-Gegenstände aller Art, sogar die wirklich äußerst praktischen amerikanischen Kinderstühle zum Preise von nur 1 JL per Person ohne Nachzahlung vertheilt werden soll. Wir constatiren gerne, daß die Bau- und Industrie-Ausstellung sich seit ihres kurzen Bestehens den Ruf eines gemeinnützigen Instituts erworben hat, welches prac- tisch dem lange gefühlten Bedürfnisse nach einem Centralpunkte technischer und industrieller Erzeugnisse entspricht. Die Ausstellung wird Morgens um 7 Uhr geöffnet und bet 3000 Besuchern geschlossen werden. Königshütte. Einem Elternpaar, welches zur Wartung des Jüngstgeborenen ein Dienstmädchen engagirte, fiel es auf, daß der Körper des Kindes sehr häufig mit rothen, anscheinend von Stichen herrührenden Fleckchen bedeckt war. So merkwürdig ihnen dieses aucv vorkam, so vermochten sie doch nichts anderes zu glauben, als anzunehmen, daß jene Fleckchen von Flohstichen herrührten. Jetzt, nachdem genanntes Mädchen schon längst sich anderswärts befindet, erfahren sie, daß dte Stiche dem Kinde von dem Dienstboten mittelst Nadeln beigebracht wurden und zwar zu dem Zwecke, das weinende Kind durch Zufügung von Schmerzen einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen. Das Scheusal empfahl gleiche Operationen auch anderen Dienstmädchen an, und durch letztere ist die verwerfliche Thal bekannt geworden. Der Vater des auf diese Weise so vielfach geplagt gewesenen Kindes beabsichtigt, die Bestrafung des erwähnten Mädchens herbeizuführen. Jedenfalls liegt in diesem Vorkommniß abermals eine Mahnung. Dienstboten gegenüber, welchen man Kinder anoertraut, nicht gar zu vertrauensselig sich zu verhalten; im Gegentheil wird strenge Bewachung und Controle stets nützlich sein. Berlin. Ein Invalide, der 63 Jahre hindurch ein feindliches Geschoß im Kopfe herumgetragen, wurde am vorigen Sonnabend auf dem hiesigen Jnvalidenktrchhofe begraben. Es war dies der Invalide Raabe der Leibcompagnie des hiesigen Jnvaliden- bataillons. Raabe wurde tm Jahre 1813 als junger Soldat beim Vorgehen in der Schlacht bet Lützen durch eine Kugel verwundet. Dieselbe drang ihm in den Kopf. Alle ärztlichen Bemühungen und Operationen, die mit dem Verwundeten damals vorgenommen wurden, um die Kugel zu entfernen, blieben erfolglos. Im Laufe der Jahre senkte sich das Geschoß, welches mittlerweile sich mit einer Fettmasse umhüllte, unter der Haut, bis ungefähr 2 Finger breit vom rechten Ohre entfernt. Bisher empfand der Invalide durch die Kugel nicht die geringsten Schmerzen, nur war er durch dieselbe verhindert, den Kopf frei zu bewegen. Im August vorigen Jahres fing die Kugel wieder an, ihm Schmerzen zu bereiten. Raabe ging also zum Oberstabsarzt des Berliner Jnvalidenhauses, ließ den Sitz der Kugel untersuchen und willigte ein, daß sie ihm herausgeschnitten werde. Wie der nun Verstorbene selbst sagte, verursachte die Operation nur dann Schmerzen, als die Kugel, welche im Laufe von 63 Jahren mit dem Fleische ganz und gar verwachsen war, vom Letzteren getrennt werden mußte. Die Operationswunde heilte bald. Der Invalide wurde wieder völlig gesund und hatte noch die Freude, am Abende seines Lebens, seinen Kopf wieder frei bewegen zu können. Die Kugel trug Raabe seither stets bei sich. Dieselbe war aus gehacktem Blei und von ziemlicher Dicke. Die Leiche wurde als interessanter Fall feccirt. Wie der „Post" mitgetheilt wird, konnte man den Kugelgang noch genau unterscheiden. Es fehlte nicht Diel, so hätte das Geschoß edlere Theile verletzt und den sofortigen Tod des Getroffenen herdeigeführt. Raabe starb in Folge von Altersschwäche. — (Ein gestörtes Verlobungsfest.) (Pesther Blätter erzählen: Die Haus- und Gutsbesitzerin Frau von F. begab sich vor zwei Wochen von hier in Begleitung ihrer zwei noch minderjährigen Töchter nach einem auswärtigen Badeorte, wo sie bis Ende August zu verweilen gedachte. Da eines ihrer Kinder erkrankte, änderte sie ihren Entschluß und kehrte bereits Freitags Abends nach Pesth zurück. Mit Sack und Pack vor ihrer Wohnung in der Leopoldstadt angelangt, traute sie kaum ihren Augen, als sie von der Straße aus die Fenster ihrer Wohnung hell erleuchtet und zahlreiche Gestalten in ihrem Salon sich bewegen sah. Sie flog nun mehr als sie ging Über die Treppe zur Wohnung hinauf, wo sie in der Küche einen Koch und eine Köchin sand, die ihr ganz fremd nno mit der Zubereitung eines lucullischen Mahles auf das Emsigste beschäftigt waren. Erstaunt fragte Frau v. F., was denn eigentlich hier geschehe, worauf sie die Auskunft erhielt, daß „Fräulein Terka- ihre Verlobung feiere. Nun wurde der aufs Höchste Ueberraschten auch Alles klar, denn Fräulein Terka war — ihr Stubenmädchen, das sie allein in ihrer Wohnung zurückgelassen hatte. Sie eilte nun in ihre Wohnung und fand eine hübsche, mit ihrem Silberzeug gedeckte Tafel mit achtzehn Gedecken. Sie drang weiter in den Salon, wo eben beim Klavier eine Schaar junger Mädchen und Herren einen Walzer berabroirbelte. Fräulein Terka und deren Schwester hatten sich zu dieser VerlobungS-Soiröe aus der Garderobe der „Gnädigen" die hübschesten Seidenroben entlehnt und zurecht gemacht. Am Halse Terka's erglänzte eine echte Perlenschnur, Haar und Ohren waren mit dem Diamantschmuck der „Gnädigen" geziert. Erst nach einigen Minuten stummer Bewunderung gelangte Frau v. F. zur nöthigen Kraft, um den Tanzenden ihre Anwesenheit zu signalisiren. Fräulein Terka sank bet dem unerroG’teten Anblick ihrer „Gnädigen" wie vom Blitze getroffen nieder und die ganze Gesellschaft, welche zu ahnen begann, was hier oorging, lief nun verdutzt durcheinander, wie Schafe bei Donnerwetter. In wenigen Minuten hatten sich die Gäste der Terka einzeln — an der ihrer harrenden Tafel vorüber — davon geschlichen und Frau von F. konnte sich nun ihrem sonst treuen und braven Stubenmädchen gegenüber ungenirt aussprechen. Bald daraus war Terka wieder in ihrem einfachen Hauskleide und auch so glücklich, daß ihr die Gnädige diesen allerdings sehr com- munistischen Geniestreich verzieh. Der engagirt gewesene Koch übernahm die in Bereitschaften gesetzten Delicatesscn um den halben Anschaffungspreis. Moderne Balladen. I. An der Selterbude. Die Spree erglänzte weit hinaus Im letzten Abendscheine. Da trat ich an's einsame Selterhaus Und trank ein Glas „mit" ganz alleine. Das Wasser brauste, das Waffer schwoll, Der Himbeer stieg auf und nieder. Die Jungfrau träufelte liebevoll Den rothen Saft hernieder. Seit jenem Tag verzehrt sich mein Leib Mein Zustand wird täglich schlimmber: Mich hat das unglückselige Weib Vergiftet mit ihrem Himbeer! II. Fälschers Tagewerk. Wenn früh die blauen Wölkchen ziehn, Färb' ich die Weine mit Fuchsin. Lacht Mittags hell der Sonnenschein, Thu' Schwerspath ich in's Mehl hinein. Wenn dann das Abendroth erglimmt, Schütt' Ziegelstaub ich in den Zirnrnt. So leb’ ich, jeder Sorge fern, Und preise brünstig Gott den Herrn 1 - Lorups?. STlf S Md M 64 ’N MN W betTjeben, -cn EnZlan^. (jfi 0 dU*' Haltte au 1 1 k-res 9 * 1(l CIn ancn gLj hinzu, Sch 1 - Bursitis .A polvttchnischen Eem ta» dem vorliegenden Len. - N « pfition Bursiti s weder et-, leim-, gerbstoff- u L teS Anhaftens bei par bekannt als nicht Ben # Mwände bedenklich a tri Anwendung dieses tat und daß der gebild io daß er nur n tai tzurntt'jche Mittel : 1( Mungslosigkeitv! Sehlfhbei iS. W. Dietz in G Southompl i om Norddeutschen! Dar, ist gestern 9 Ul t er für SoutlMpb Heile nach Bremen KesondmD OictalM Nachdem Konrat lduich Strfügunfl (3 b-r Provinz Oberhi rorren verschwend« umer tettl yM tunH drM karyar Knorr vo üba denselben b> 1 tne4 mit dem B daß Rechttzgescha Kuratoren abgesc Lich, den 15. A Großherzogli i ;Mner (?S < sa&’i lUt V O't-t'enniniL ■ den I i'WiÄ™1 «Uw b?' ain n L A) Heu cffentlirfje Andreas Sl gib. Keck ptMschwache un l'^kiZoseph Orator verpflich 1 MmAn^ L bringt, baH diejenigen, h2rf°.5 Clöfn- Wforbn S(i 5eraieibungne' n Orbnung 9J S “"Selben 1 Ti 24. R„, 8t hnftotft Arnklrchhose be- rsigm Jnvalidm- dorgehen in der in den Kops, tten damals vor- Laase der Jahre umhüllte, unter Bisher empsand ar er durch dieses fing die Kagel labsarzt des Ber- willigte ein, dah te, verursachte die n 63 Jahren mit »erden mu§te. Die 'tianb unb fyattt vegen zu können, acktem Blei und Wie der „W tzs lrhlte nW d drs TelrchM L.7L-L Saß [0QJ bie wirklich 4 ptr P-rson 1 6ch seit ihres .welches und inbu; 10 dtsuchern ge- Nngstgeborrnm K mit merkwürdig aubcn/ als anzu- genanntcs Mad- e dem Kinde von >tm Zwecke, das !? Schweigen zu )>enitmädchen an, >ler des aus diese ig des erwähnten abermals eine 'cht gar zu oer- >g und Controle 7- 8ut«m Die Haus- und n Begleitung ihrer wo sie bis Ende >erte sie ihren Ent- Zack und Pack oor in Äugen, als sie ahlreiche Aeüalten üder die Treppe in fand, die ihr vas Emfissie be- geichrhr, woraus Nun wurde der r _ ihr Studen- Sie eilte nun in t Tafel mit acht- lavier eine Schaar Terka und deren ibt der.Gnädigen SSS S'Z SffS der - davon ge- 6 r«»tnSt£ gs — Lampencylinder. E. Tollman in Taunton, Masiachussets, hat sich eine Einrich- tunq von Lampencylindern patentiren lasten, durch welche es ermöglicht wird, eine Lampe anzuzünden ohne den Cylinder abzunehmen. Es erhält dazu der Cvlinder in der dem oberen Docht- endc entsprechenden Höhe eine Oeffnung, welche für gewöhnlich durch einen kleinen Deckel verschlossen wird; der Deckel sitzt an einem Arm, der um einen am Cylmder befestigten Stift drehbar ist und schwach federt, so daß er den Deckel dicht in die Cyltnderoffnung eindrückt. — Düngerschwindel. Neuerdings wird von England aus ein ganz großartiger Schwindel mit künstlichen Düngemitteln getrieben, welche letztere sehr oft sogar den Pflanzen schädliche Stoffe enthalten. Würden diese Düngemittel etwas taugen, so behielte England, das doch auf einer hohen Stufe rationeller Landwirthschaft steht und künstliche Düngemittel in erstaunlichen Mengen verwendet, dieselben gewiß für sich. Schon die Ausfuhr künstlicher Düngemittel, von England betrieben, legt Zeugniß ab von der Werthlosigkeit derselben. Unter anderem wird Rohammoniak, ein Nebenproduet der Leuchtgasfabrikation, in den Handel gebracht, das etwa zur Hälfte aus schwefelsaurem Ammoniak, schwefelsaurem Eisenoxydul Schwefeleisen und Eisenoxydu! besteht; dazu kommen noch 3 bis 4, ja bis 6 Procent Nhodan-Ammonium, ein direktes furchtbares Gift für die Pflanzen, die auf der Stelle zerfressen, zerstört und vernichtet werden. Dieses grünliche, pulverförmige Rohammoniak kann man leicht einer Prüfung unterziehen, man rührt einen Theil des Düngemittels mit Wasser an und läßt dieses sich setzen; hierauf fügt man etwas Eisenchlorid hinzu, worauf das Wasser eine tiefblutrothe Färbung annimmt, ein Zeichen, daß schädliche Stoffe enthalten sind. An den Prüfungsstationen wird daher gewöhnlich bei jedem untersuchten Düngemittel ausdrücklich beigefügt, wie viele Proeente Rhodangehalt in demselben aufgefunden worden sind. — So der Phönix. — Wir erinnern darandaß hier das Vereinswesen Jedem, der sich darum kümmern will, bestens entgegenkommt; in allen Gegenden Deutschlands gibt cs landwirthschaftliche Vereine, welche sich mit Prüfung von Samen und Düngemitteln abgeben und damit den Landwirth genügend schützen. — Burfitts patentirte Composition gegen Kesselstein. Die Direetion des polytechnischen Centralvereins in Würzburg hat dieses Mittel in dem Betriebsdampfkessel per mechanischen Werkstätte der k. Kreis Gcwerbschule in Würzburg versuchsweise anwenden lasten. Nach dem vorliegenden Berichte hat sich ebenso wie früher sowohl fester Kesselstein als Schlamm gefunden. — Nach einem Gutachten von Prof. Hilger in Erlangen steht fest, daß in der Composition Burfitt's weder eine neue Substanz, noch ein neueS Princip vorliegt. Die Anwendung fett-, leim-, gerbstoff- und schleimhaltiger vegetabilischer und thierischer Substanzen zur Verhütung des Anhaftens der Kestelsteinmassen an den Kesselwandungen ist schon längst bekannt, und zwar bekannt'als nicht geeignet, auf die Dauer einen Kesselsteineinsatz zu verhindern. Ja, wir wissen sogar, daß fetthaltige Substanzen Nachtheile insofern bringen können, als dieselben die Kesselwände bedenklich angreifen. Hilger hat ferner in der Nähe von Erlangen beobachtet, daß nach Anwendung dieses Mittels das Innere des Kessels überall in bedenklichem Maße verschmiert war und daß der gebildete Kesselstein mit der größten Hartnäckigkeit an den Kesselwandungen festsaß, so daß er nur mit Mühe entfernt werden konnte. Sehr richtig bemerkt Prof. Nies, daß das Burfitt'sche Mittel nicht neu ist, keine Wirkung hat und aus Substanzen besteht, welche die Wirkungslosigkeit vollkommen erklären. Sehirfeberlcht. Mitgetheilt von dem Agenten deS Norddeutschen Lloyd <5. W. Dietz in Gießen. Southampton, 29. Aug. Das Pastdampfschiff Neckar, Capt. W. Willigerod, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welches am 18. August von Newyork abgegangen war, ist gestern 9 Uhr Abends wohlbehalten hier angekommen und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Poft und Ladung 11 Uhr Abends die Reise nach Bremen fortgesetzt. Der Neckar überbringt 218 Passagiere und volle Ladung. Literarisches. Jllustrirte Frauen-Zeitung. Die jüngst erschienene Moden-Nummer (31) dieses Blattes (Preis vierteljährlich 2 Hierdurch empfehle den mir am 22./1. 1877 patentirten Copirbuch- Anreuchter, als unentbehrlich für jedes Comptoir. Derselbe vereinfacht das bisher so umständliche Anfeuchten feer Copir-Papiere dadurch, daß er Pinsel, Schwamm und Wasserbehälter in sich vereinigt und ist einmaliges Anfeuchten desselben für monatelangen Gebrauch hinreichend. Köln, Faul Leveson. Detail-Verkauf: bei der Expedition des Gießener Anzeigers a 2 JL. Mr Taubenliebhaber! 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