f¥o. 194. Dienstag, den 31. Juli 1899 Kichmer Myeiger ASM- unii Amtsiilstt für i>en Kreis Gießen. Ers Leint täglich mit Ausnahme deS Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlolm. Expeditionr Schulstrahe, Lit. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Hheil. Bekannt in a ch n n g. Großherzogliches Ministerium des Innern bat dem Stadtvorstand zu Friedberg gestattet, bei Anlaß des im October L I. daselbst stattfindenden Fohlen- und Pferdemarkts eine Verloosung von Fohlen und anderen landwirthschaftlichen Gegenständen mittelst 10000 Loosen ä 1 Vz Ju veranstalten und die Loose im Großherzogthum abzusetzen. Gießen, 27. Juli 1877. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V. d. K.: Dr. Hoffmann, Regierungs-Rath. Localreglemeut. Nach Anhörung der Localpolizeibehörde und des Ortsvorstandes zu Ruppertsburg wird mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern vom 5. l. M. zu Nr. M. d. I. 9922 hiermit angeordnet: 1) Die Räder der Lastfuhrwerke, welche die Straße von Hungen nach Laubach in der Gemarkung Ruppertsburg gewerbsmäßig oder regelmäßig, wenn auch nur zeitweise mit Eisen, Steinen, Steinkohlen, Holzessig, Natron, Schwerspath befahren, müssen eine Felgenbreite von wenigstens 12 Zentimeter haben. 2) Die Eigenthümer der unter 1 bezeichneten Fuhrwerke, deren Näder die erwähnte Felgenbreite nicht haben, werden nach § 366 pos. 10 des Strafgesetzbuchs für das Deutsche Reich mit Geldstrafe bis zu 60 JL oder mit Haft bis zu vierzehn Tagen bestraft. 3) Gegenwärtige Vorschriften treten mit dem 1. November 1877 in Kraft. Schotten, den 17. Juli 1877. Großherzogliches Kreisamt schotten. Dr. D i e tz s ch. _______________ politisch Zur allgemeinen politischen Lage. Wenn auch schou beim Beginn des orientalischen Krieges für unbefangene Urtheiler kein Zweifel darüber bestand, daß von den beiden Gegnern der eine, immlid) die Russen, dem andern überlegen sei und der große Streit in einer Niederlage der Türkei endigen werde, so hatte man sich doch wohl kaum vor gestellt, daß das Osmanenreich, trotz seiner zerrütteten Verhältnisse, sich als so wenig widerstandsfähig zeigen würde, wie es sich — bis zu diesem Augenblicke wenigstens — gezeigt hat. Selbst diejenigen nun, welche die Unhaltbarkeit der türkischen Herrschaft über deren christliche Unterthanen in Europa längst erkannt und die Befreiung dieser gewünscht hatten, fangen vielfach schon zu fürchten an, daß die Rusten durch einen vielleicht 311 schnellen Sieg berauscht, von der versprochenen Mäßigung abweichen und den Donauländern statt der Freiheit nur eine neue Knechtschaft auferlegen möchten. Wenn für uns Deutsche nach dcm Aussprüche des Reichskanzlers der orientalische Krieg kein unmittelbares Interesse hat, so liegt doch für Oesterreich die Sache anders, wo die schnellen Fortschritte der Russen und mehr noch deren Maßregeln in der Bulgarci, die auf den Plan einer Russificirung des Landes hindeuten, eine gewisse Besorgniß hervorgerufen haben, indem es sich eben für diesen Staat in der orientalischen Krisis doch um mehr handelt, als blos um die Neutralität Serbiens und Rumäniens. Man soll daher von Wien aus seinen Blick auf England zu richten an- gefangen haben, ob dies vielleicht geneigt sei, etwaigen moskovitischen Erobe- runzeplänen Einhalt zu gebieten. Möglicher Weise kommen dergleichen Befürchtungen noch zu früh und ist Rußland entschlosten, an seinem bekannten Programme festzuhalten; wo nicht, so steht freilich zu erwarten, daß das Drei-Kaiser-Bündniß Schaden leide und Oesterreich mit England verbündet Rußland entgegentreten werde. Die Greuel, welche auf dem Schauplatze des Krieges, besonders an der mohamedanischen Bevölkerung Bulgariens, verübt werden, fangen an, allerorten viel böses Blut zu machen. Allerdings mögen die Klagen der türkischen Regierung in dieser Hinsicht übertrieben sein und die wirklichen Blutthaten in den wenigsten Fällen von russischen Soldaten ausgehen, aber es bleibt sicherlich immer genug davon übrig, daß man vom Standpunkte der Menschlichkeit aus dadurch auf's Peinlichste berührt werden muß. Die bulgarische Bevölkerung übt damit Represtalien für den langen Druck, den sie Seitens der Osmanen erfahren hat, aber es scheint nicht, daß die Rusten Alles thun, was sie thun können, diese Ausbrüche eines lang verhaltenen Rachegesühls zu hindern. Wo sie in der Bulgarei festen Fuß fasten, organisiren sie die Verwaltung auf russischem Fuße mittelst russischer Beamten, die waffenfähigen Mannschaften aber vereinigen sie zu einer Art Landsturm, welche zumal auf einem Schauplatze, wie der des orientallschen Krieges ist, ein wichtiges Element des Kampfes bildet- insofern dadurch ihrem Angriff allerwege Vorschub geleistet, den Türken dagegen die Kriegsführung bedeutend erschwert wird. Bulgarien soll eben definitiv von der Türkei losgerissen, die Wiederkunft der Osmanen unmöglich gemacht werden: das ist das Ziel alles Thuns und Lastens der Rusten in dem schon halb eroberten Lande; welche Rechnung dann später von Rußland dem vielleicht ichmerzlich überraschten Europa präsentirt werden wird für die der christlichen Bevölkerung der Donanländer geleisteten Hülfe — das muß eben abgewartet werden. er H ß e i l. Sind bisher die süvslavischen Völker an der untern Donau, die Serben und Bosnier, die Herzegowiner und Bulgaren, auf dem von Rußland ausge- gangeuen Anstoß hin in den Vordergrund der Bewegung getreten, so darf doch nie vergessen werden, daß das Hauptvolk der Balkanhalbinsel, das numerisch stärkste und geistig regsamste Volk der europäischen Türkei, die Griechen sind. Diese haben zwar bis jetzt den russischen Aufreizungen widerstanden, wie sie denn gewitzigt genug sind, um statt der indolenten Türkenherrschast sich die moskowitische zu ersehnen, aber es liegen doch Anzeichen vor, daß nunmehr auch sie vom Königreich aus unterstützt, in die Jnsurrection gegen ihre bisherigen Herren übergehen werden. Schon beginnt in Thestalien die Bildung von Guerilla's, die bald zu Heereshaufen anschwellen sich der Städte und festen Plätze zu bemächtigen suchen werden, und daß die Türken andererseits für die Ruhe auf der immer zur Empörung geneigten Insel Creta fürchten, beweist die Anwesenheit ihres Floltengeschwaders in den dortigen Gewässern. Wenn zugleich berichtet wird, daß es dem Königreich Griechenland endlich gelungen sei, eine Anleihe von 30 Millionen Drachmen (= 22 Millionen Mark) ab- zuschließen, um seine begonnenen Kriegsrüstungen bester zu betreiben, so sieht man, daß dem Osmanenreiche in diesem Momente, wo die nordischen Feinde bereits siegreich den Balkan übersatten und sämmtliche Donaufestungen cernirt haben oder bedrohen, die türkischen' Heere aber örtlich zertheilt und ohne einheitliche Leitung sind, ein neuer Gegner droht. Abgesehen von dem allgemeinen Impulse, der es den unterdrückten Landsleuten zu Hülfe zu kommen drängt, befindet sich das Königreich Griechenland in eine gewisse Nothwendigkeit versetzt, jetzt in die Action einzutreten, um bei der Zerstückelung der Türkei nicht etwa zu kurz zu kommen. Sein bisheriger Bestand verurtheilte dasselbe zu einer so kümmerlichen Existenz, daß es niemals zur gedeihlichen Entwicklung gelangen konnte: jetzt scheint aber der Augenblick gekommen, das wohl berech« tigte Verlangen dieser intelligentesten, strebsamsten und hoffnungsreichsten Nation Südosteuropas nach Einheit und Freiheit zu erfüllen. Was Italien und Deutschland erreicht haben, wie sollten wir das den Griechen mißgönnen, deren Vorfahren, die Schöpfer unsterblicher Werke in Kunst und Wissenschaft, in mehr als einer Hinsicht unserer modernen Cultur den Weg gebrochen haben? Faßt" man Beides in's Auge: die Unhaltbarkeit des türkischen Regiments in den slawischen Danauländern, dem gegenwärtig gründlich ein Ende gemacht wird, und die Unmöglichkeit, daß auf die Dauer das griechische Volk in seiner jetzigen zerrissenen Existenz verbliebe, so ergibt sich für die allgemeine politische Constellation sofort die Unzulässigkeit einer Einmischung irgend eines europäischen Staates zu Gunsten der Türkei. Das ist der Sinn des Derby'schen Satzes, England dürfte sich in keine Unternehmung einlaffen, die es nicht durchführen könne; und ebenso des Bismarck'schen Satzes, daß die Zett zu Vermittlungen noch nicht gekommen sei. Andererseits aber wird Europa darüber zu wachen haben, daß Rußland nicht ohne Weiteres in die Erbschaft des todtkranken Mannes trete, dem es den Garaus zu machen beschäftigt ist. Darum hält Oesterreich (übrigens in aller Freundschaft gegen Rußland, so lange dieses sein Programm nicht verläßt) Truppen bereit, darum wollen die Engländer die Dardanellenstraße (Gallipoli) besetzen. Ein so gewaltiger Krieg wird die Kräfte Rußlands immerhin stark in Anspruch nehmen, da es sich um große Lander- maffen handelt, deren Wegnahme nicht geringe Anstrengung erfordert; es wird also allerdings auch bei vollständigem Siege geschwächt aus dem Kampfe hervorgehen, der schon jetzt weniger durch das Schwert als durch Hunger und Krankheit genug Menschenleben kostet. So ist denn die Politik des Zuwartens, welche England eingeschlagen hat, unter den gegebenen Verhältnissen allerdings tie richtige, da die einer Unterstützung der Türkei ausgeschlossen ist, nachdem Letztere sich unfähig gezeigt hat, selbst diejenigen Reformen, welche sie selbst als rrothwendlg anerkannt hat, in Ausführung zu bringen. Ebenso weise ist die Enthaltsamkeit Oesterreichs, dessen Reichskanzler in diesem Augenblicke schon den Triumph feiert, daß seine eigenen Landsleute, die Ungarn, welche bisher seiner Politik Opposition machten, sich zu der Unmöglichkeit bekennen, daß der Türkei Hülfe geleistet werde. Vor allen Dingen aber dürfen wir darauf vertrauen, daß auch Deutschland bei aller Freundschaft zu Rußland im rechten Augenblicke lein gewichtiges Wort in die Wagschale werfen werde, um etwaige „Jrrthümer" in jener oben erwähnten Rechnung Rußlands beseitigen zu Helsen. Täuscht die Hoffnung nicht, so kann erwartet werden, daß dieser Krieg im Ganzen und «Großen den Nationen, für welche er geführt wird, und damit der gesammten europäischen Völkersamilie -um Guten ausschlage. Deutschland. Berlin, 27. Juli. Consistorial-Präsident Hegel hat dem Prediger Rhode wegen seiner Rede über das Apostolicum auf der Synode Berlin -Cöln einen ernsten und nachdrücklichen Verweis auferlegt. Hesterreich. Wien, 28. Juli. Midhat ist in Wien eingetroffen; er wird Groß -vezir. Der Aacht „Jz-edin" wird nach Triest kommen, um ihn abzuholen. Suleiman Pascha hat keine Niederlage erlitten, nur seine Vorhut wurde geschlagen. Osman Pascha zog die Nischer Garnison zur Verstärkung herbei, Mehemed Ali operirt gegen Osman-Bazar. Die Russen zwingen die türkische Bevölkerung aus Bulgarien auszuwandern. Die bulgarische Legion zieht sich Sei jedem Zusammenstoß mit den Türken zurück. Die Russen beschuldigen die Vulgaren der Feigheit. Die Türken - Meetings in Ungarn werden fortgesetzt. Es geht das Gerücht, Feldmarschall-Lieutenant Mollinary habe abgedankt. — Midhat Pascha hatte heute Vormittag eine zweistündige Besprechung mitt dem hiesigen türkischen Botschafter Aleko Pascha. Ararrkreich. Paris, 27. Juli. Marschall Mac Mahon ist heute nach Orleans und Vourges abgereist; derselbe wird morgen in Bourges eine Rede halten. Paris, 27. Juni. Die „Agence Havas" meldet aus Konstantinopel Dom 27. d.: Der Sturz des seitherigen Großvezirs Edhem Pascha scheint unmittelbar bevorzustehen. Es gilt für sicher, daß Abdul Kerim und Redif Pascha sich vor einem Kriegsrath zu verantworten haben werden. England London, 27. Juli. Das Kriegsamt hat die Equipirung der Reserve- Heldgeschütze angeordnet. In Folge dessen ist im Arsenal von Woolwich eine größere Thätigkeit eingetreten. — „Daily News" erfährt, daß der nationale Hilfsverein angegangen werden soll, eine gleiche Anzahl Ambulanzen der russischen mib der türkischen Armee zu senden. London, 27. Juli. Das „Neuter'fche Bureau" meldet aus Konstantinopel, 36. Juli: Der Scheikh-ül-Jslam ist abgesetzt und Kara Effendt zu seinem Nachfolger ernannt worden. — Dasselbe Bureau meldet aus Adrianopel 26. d.: Die hiesigen Consuln richteten eine Note an den Gouverneur, in welcher Garantien für die öffentliche Sicherheit verlangt werden. Der italienische Consul rieth seinen Landsleuten an, von hier abzureisen. Die Russen haben 5 Eisenbahnbrücken zwischen Jamboli und Philippopel zerstört. Das bewegliche Eisenbahn- Material ward nach Konstantinopel geschafft. Ataüa» Rom, 28. Juli. Die „Liberta" und die „Fanfulla" dementiren die Nachricht, daß der Minister des Aeußern, Melegabi, erklärt habe, eine britische Occupation von Gallipoli beeinträchtige die italienischen Interessen. Die „Fanfulla" fügt hinzu, die Beziehungen zwischen England und Italien seien die freundschaftlichsten. Amerika. Rew-Nork, 27. Juli. Die Situation hat sich gebessert, es herrscht allenthalben Ruhe, außer in Chicago, e>t. Louis, Louisville und San Francisco. An letzterem Orte kam es zu ernsteren Zusammenstößen, wobei die Truppen auf die Aufständischen schossen; welche Verluste dies zur Folge hatte, ist nicht bekannt. Die Behörden entfalten an allen Orten große Wachsamkeit. New-Bork, 27. Juli. Die bisher strikenden Arbeiter der Erie- und der Newyorker Central-Bahn haben die Arbeit wieder ausgenommen und sich der Lohn-Herabsetzung gefügt. In einem seitens eines Arbeiter-Comites dem SkaatS-Secretär Ewarts überreichten Memorandum wird die Regierung aufgefordert, Behufs Beendigung des Strikes einen Schiedsspruch in Vorschlag zu bringen. Die Gruben-Arbeiter im Thale Lackawanna haben gestern ebenfalls die Arbeit eingestellt, die Maschinisten verließen die Gruben und ließen Wasser einströmen. In Chicago haben gestern Abend neue Unruhen stattgefunden. Die Miliz gab Feuer, wodurch fünfzehn Aufrüher qetödtet wurden. Der orientalische Krieg. Pera, 27. Juli. Bei Karabunar fand ein Gefecht zwischen den Russen und den Türken unter Suleiman Pascha statt. Letzterer wurde geschlagen, verlor 10 Geschütze und zvg sich auf Adrianopel zurück. Die Straße zwischen Philippopel und Adrianopel wurde bei Chaskoi von den Russen durchbrochen, die auch bei Jamboli und zwischen Eskisagra und Tartarbuna stehen. Wien, 27. Juli. Die „Presse" meldet aus Bukarest: Der russische Dan pfer „Vesta" hatte am Dienstag einen Geschütz-Kampf mit zwei türkischen Panzer-Schiffen, welcher dahin ausging, daß „Vesta", stark beschädigt, sich mit Verlust von 5 Osficieren und 30 Matrosen nach Sebastopol zurückzog. Dasselbe Blatt berichtet aus Konstantinopel: Die von den Russen (wie schon gemeldet) mit Verlust von 10 Geschützen geschlagenen Truppen Suleiman Pascha's bildeten dessen Avantgarde und zählten 15 Bataillone nebst 2 Batterieen. Bei der Balkan-Armee sind über Varna weitere 20,000 Mann Verstärkung eingetroffen. — Der „Polit. Corresp." wird aus Cettinje vom 27. Juli telegraphirt: Heute früh wurde die Beschießung der Festung Niksic von allen Seiten eröffnet. Die in den letzten Tagen eroberten Vorwerke von Niksic wurden von den Mon» tenegrinern in die Luft gesprengt. Bukarest, 27. Juli. Silistria ist von dem zweiten russischen Armee- Corps eingeschlossen. Konstantinopel, 27. Juli. Der französische Consul in Cavale, der griechische Consul in Burgas und der französische und italienische Consul ui Gallipoli ersuchten ihre hiesigen Gesandten um die Absendung von Kriegsschiffen, weil die Muselmänner die höchste Aufregung an den Tag legten. — Die „Agence Havas" meldet: Aus Rumelien kommt die Kunde von Gefechten zwischen Eskisagra, Jenitzagra und Karabunar-Hermanly. Die Türken haben Bajazid und Penek wieder besetzt. Petersburg , 27. Juli. Aus Bjela vom 25. wird officiell gemeldet: General Semeka berichtet Folgendes: Am 2t. erschienen türkische Fahrzeuge an der Küste der Krim gegenüber Aluschta Karajusen. Um Mitternacht unternahmen russische Freiwillige auf Booten eine Recognoscirung gegen das auf dem Meer sichtbare Feuer hin. Seitens der Türken wurde nun gegen dieselben ein unwirksames Feuer eröffnet und ein Dampfkutter an die Küste entsendet, welcher sich aber vor dem Gewehrfeuer der russischen Infanterie zurückziehen mußte. Die türkischen Fahrzeuge entfernten sich daraus nach dem offenen Meer hin, ein Dampfer zeigte sich gegenüber Parmenite. Wien, 28. Juli. Einem Telegramm der „Neuen Fr. Pr." aus Bukarest vom 26. d. zufolge würde der Kaiser von Rußland heute in Frateschti eintreffen. Morgen erwarte man den Sturm-Angriff auf Rustschuk. Die „Deutsche Ztg." meldet aus Bukarest vom 27. d.: Beträchtliche Massen rufst« scher Truppen marschiren über den Landweg von Krasna, südöstlich von Rust- schuk, wohin von Sistowa eiligst Belagerungs-Geschütze abgehen. An den Geschützsiäuden einer großen Batterie und Magazinen wird ununterbrochen gebaut. Seit gestern langen täglich 10—12 Züge Verwundete an. Baket wurde gestern von Rahowa aus stark beschossen. Die rumänischen Truppen hatten einige Verluste. Die gesammte Garnison von Nisch rückt in Eilmärschen nach dem Kriegsschauplatz. — Das „Tageblatt" meldet aus Turn-Magurelli, dem letzten Gefechte am Lomflusse hätten der Großfürst Thronfolger und Don Carlos beigewohnt. Beide wären einen Moment in großer Gefahr gewesen. Konstantinopel, 28 Juli. Die britische Flotte verließ die Bestka- Bay, die Bestimmung derselben ist jedoch unbekannt. Man glaubt, sie werde zum Kreuzen verwendet werden. — Aus Schumla wird gemeldet, daß Aziz Pascha in einem Vorposten-Gefechte gefallen sei. Lokal-Notiz. Gießen, 30. Juli. Wir lassen nachstehend das Protocoll der Stadtverordneten- Sitzuna vom 19. Juli 1877 folgen: 1. Die diesjährigen Zinsen von dem für die Stadtarmen gestifteten Kapital des Herrn Christian Gerhard Hast wurden in der heutigen Sitzung en 10würdige Personen vergeben. 2 Die früher ln's Auge gefaßte Erbauung eines Leiterschuppens für die freiwillige städtische Feuerwehr in den Schulhof an der Schulstraße soll unterbleiben. 3. Eine Gebühren-Rechnung der Feldgeschwornen für dem Großh. Geometer Buttron bei den Parzellenvermessungsarbeiten ertheilte Auskunft mit 165 JC. wurde zur Auszahlung genehmigt. 4. Dem Herrn Friedhossaufseher Noll wurde die Ausführung der auf dem Friedhof erforderlichen Planirarbeit für die veranschlagten 120 JL übertragen. 5. Das Baugesuch der Ludwig Neidel's Wittwe erhielt nicht die Zustimmung der Stadtverordneten-Versammlung, weil der Bauplatz nicht innerhalb des genehmigten Stadtbauplans liegt. 6. Wegen der zur Vorlage gekommenen Bauaesuche der Herren Philipp Valentin, Philipp Jünger, Gg. Stiehler, S. Katzenstein u. Herm. Werner, sowie der Frau Anna Marie Stollmer soll sich befürwortend ausgesprochen werden, ebenso bezüglich des Gesuchs von Herrn Ludwig Schmidt, welcher auf seinen Platz vor dem Schützenhof bauen will, jedoch mit dem Zusatz, daß demselben die Herstellung einer schöneren Fa?ade nach der Stadt zu aufgegeben werden möge. 7. Weil die Stattgebung der von Herrn Theodor Haubach nachgesuchten Erlaubniß zur Anlegung von Kohlenschilsen vor seinem Hause in der Retchensand- Bahnhofsstraße mancherlei Unzuträglichkeiten im Gefolge hat, wurde sich gegen Gewährung des Gesuchs ausgesprochen. r m 8. Die Gesuche der Herren vr. v. Lohr und Jacob Balser, welche ihr Eigen- thum mit einer Einfriedigung versehen lassen wollen, sollen zur Genehmigung empfohlen werden. Vermischtes. Mainz, 26. Juli. Ein hübsches Namenstagsgeschenk wurde der Anna Maria Wollstadt in Kostheim heute zu Thnl Bekanntlich war dieselbe das Opfer jener Beschießung von Kostheim am 15. November 1875. Heute, am Namenstag der Verletzten, verurtheilte das hiesige Obergericht endgiltig den MilitärsiskuS zu einem Schadenersatz von zehntausend Mark und zu den Zinsen vom 15. November 1875 ab. Wir gratu- liren der Betreffenden und Jedermann wird sich mit uns nicht nur über die der Verletzten zuerkannte Entschädigung freuen, sondern auch darüber, daß militärische Unvorsichtigkeiten, wie sie noch jüngst vom Griesheimer Schießplatz gemeldet werden mußten, nun auch möglichst beseitigt werden. Darmstadt, 27. Juli. Um auch die Schuljugend mit der Gestalt und den Lebensbedtngungen des Kartoffel-Käfers bekannt zu machen und deren Aufmerksamkeit auf das Vorkommen derselben anzuregen, hat die Abtbeilung für Schulangelegenheiten bei Großh. Ministerium des Innern die Großh. Kreis-Schulcommissionen angewiesen, den Orts-Schulvorständen die Nachbildungen deS Käser« in seinen verschiedenen Entwicklungsstufen, welche von Gebrüder Stollwerck in Köln angefertigt werden, zur Anschaffung als Lehrmittel zu empfehlen und die Beschaffung dadurch zu erleichtere daß die Bestellungen durch die Kreis-Schulcommissionen gesammelt und nn die Großh. Centralstelle für die Landwirlhschaft zur gemeinsamen Ausführung des Bezuges eingesendet werden. Die spätere Vertheilung an die einzelnen Gemeinden geschieht dann wieder durch die Kreis-Schulcommissionen. Offenbach, 27. Juli. Nicht nur den Metzgern und Bäckern, sondern auch den Mehlhändlern rückt unsere Polizei, und das mit vollem Recht, zu Leibe, wenn sie schlechte Maare für gute anzubringen suchen, wie ein gestern hier vorgekommener Fall bestätigt. Neun Centner Mehl, welche ein auswärtiger Müller einem hiesigen Bäckermeister geliefert hatte, die sticksig und moderig rocken, vollständig verdorben waren und für ungenießbar befunden wurden, wurden confiscirt. Ebenso auch eine Quantität Milch, die mit Vs Wasser vermischt war. Barmen, 21. Juli. Man liest in der „Barmer Ztg.": .Vor einiger Zeit bestellte ein hiesiger Restaurateur bet einem am Rhein wohnenden WeingutSbesitzer eine Sendung „Rüdesheimer" zu verhältnißmäßig hohem Preise, unter der Bedingung einen reinen guten Naturwein geliefert zu erhalten. Die Lieferung erfolgte, der ..natürliche Rüdesheimer" erwies sich aber alsbald so verdächtig, daß der Empfänger sich veranlaßt fand, einige Flascken davon einem renommirten Chemiker zur Prüfung einzusenden. Der Restaurateur erhielt darauf folgende charakteristische Antwort: "^"hrt^ Herr! Den von Ihnen zur Untersuckung eingeschsckten Wein „Rüdesheimer" habe ich einer sorgsamen chemischen wie optischen Analyse unterworfen. Es ergab sich b ter bet mit absoluter Sicherheit, daß dieser sog. Rüdesheimer ein mit ordinatrem käuflichem Handel und Verkehr. zu Aug. Montanus 4153) Hett-lalou»'«" Spannbretter, (3828 billigst bei Wilh. Balser pfehle bestens. 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Seminler in Giessen. Zwei polirte Spinnräder und ein Haspel sehr billig zu verkaufen. __________________Lit. C. 77 Nebenhaus. M. geröstet, rsndirter Kaffee, Wiener Mischung, anerkanntvorzüalichste Qualität nach Wiener Art geröstet. Alleinige Niederlage bei Herrn 3845) Julius Wallach. «•* 4136) Mein Gefcbäft und IVvtznung befinden fich nunmehr Seltersweg; Nr. 193, in dem früher Herrn Metzger Luft gehörenden Hause. 11 itft. IfÖyet', Uhrmacher, Gold- und Silberwaarcn - Händler. E>ber hessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. 4196) Sitzung nicht Mittwoch den 1. August, sondern Donnerstag den 2. August, Abends 1» Uhr, in der kleinen Aula. Vortrag des Herrn Prof. Zöppritz: Keofiraphische und .kartographische Mittheilungen über den russisch-türkischen miegöschauplah, verbunden mit einer Ausstellung der vorzüglichsten Kartenwerke über den europäischen und astatischen Kriegsschauplatz, sowie von photographischen Völkertppen aus diesen Gegenden. Japanische Schreib- it Copir-Tinte (Euere violette ä copier). Dieselbe ist von violetter, dem Auge angenehmer Farbe, wird indeß beim Gebrauch nach kurzer Zeit schwarz, trocknet augenblicklich, greift weder Papier noch Feder an, ist leicht fließend, schimmelt selbst bet längerer Aufbewahrung nicht und ist unauslöschbar. Auch dann, wenn die Schrift bereits mehrere Tage alt ist, liefert dieselbe noch makellose Coplen und empfiehlt sich des schnellen Trocknens und der vorzüglichen Schwärze wegen ganz besonders zum Einträgen in Handels- und Geschäftsbücher. Niederlage davon in 4 Flaschenfüllungen ä Liter Jl. 2, i/ Liter «/#. 1.25, 1/4 Liter 75 H. % Liter 50 in Giessen bei der Expedition des Gießener Anzeigers. Versammlung Deutscher Ingenieure zu Frankfurt a. Jtl. am 27., 28., 29. und 3 0. August 1877. Für die Theilnehmer der vom 27 —30. August c. hier tagenden Versammlung Deutscher Ingenieure veranstaltet das hiesige Festcomitö eine Festschrift mit Führer imö Plänen von Frankfurt, Main?, Wiesbaden, Homburg v.d.H.,Parmstadtetc., welches Büchlein (in handlichem Bädcker- Format) allen Theilnehmcrn der Versammlung Alle Sorten Oelfarben, dick, sowie zum Anstrich fertig, schnell und harr trocknend, Fnfiboden-Anstrich, Fußboden-Lack, Damarlack, Eopallack, empfiehlt in besten Qualitäten die Material = Petersburger Möbetlack, Vifenlack, Seccatif, Leinvlfirnifi, (1974 und Farbwaaren - Handlung von Markt 8. Gg. Wilh. Weidig, BarmsWr Pl'enlc - Lihisc ä 2 Mk. sind in der Spedition d. Bl. zu haben. Königs-Reisstärke, (1969 Mais- und Waizenftärke, Patent-Stärke-Glanz, verleiht als Zusatz zur Stärke der Wäsche elastische Steife und blendende Weiße, Waschpulver und Fettlaugennrehl, Kernseise in diversen Sorten, cnlpstehlt <üy. UiUt, Ueiiiiy. Kermietyungen. 4206) Ein Logis zu vermirthen. _____________________Jieuenbäuen B- 00. 4204) In meinem neu erbauten Hause ist ein Laden, der mittlere Stock und Mansarde mit allem Zubehör zu vermiethen und biS September beziehbar- Wirr bi miet W eil er, Wolkennasse E 94,6. 4184) Eine Familienwohnung zu oer miethen. H. Schassftädt, Rechensanb. 4089) Ein freundlich möblirted Zimme» zu Dcrmietben bei (Hallwirth fflrfln. 4095) Eme f»enndliche Mansardenmoh nuiig ist ganz ober getrennt zu vermirthen. _________Karl Kasper, Ludwtgtzstrahr. 3930) Ein Familienlogis ist zu vermte- ihen und am 15. October bez ehbar. __H ch. Schmidt, Braugasse. 3526) Eine Wohnung an eine ruhige Familie zu vermieihen bei A l e x a n d e r Meye r. 3280) Eine Wohnung mit 6 Zimmern rc., per 1. October beziehbar, oeimiethet ______________________________H. A d a m i. 3279) Die Parterrewohnung mcincs HauseS nächst der Bahnhossstrasje ist zu vermiethen und vom 9. September zu beziehen K r a u S g r t l l. Vermischte Anzeigen. Mädchen k-7'" ®,,d,äfli(S •J. llariiasS) am Wallthor, ______________tm Pittha i.'schen Hause. 4144) Ein Mann, heran der Kreissäge zu arbeiten versteht, findet Beschäftigung bei H Keck. 4161) Für einen Rentner oder pcns. Beamten wird lohnender Nebenerwerb nachgrwiesen. Ges. Off. sub A. bei o Exp. b Bltts.________________________ Oclgemälde werden retoncbirt und gefirnißt. Wo? sagt die Exp. d. Bltts._____ Nähmaschinen aller < vft'Uie werden rrparirt bei 1215) LV» Graf, Grünberger Slraßr. Das Klnfleehten unb Heparlren voll Sitzen an Rohrstühlen wird prompt u. billigst ausgesührt Mühlgasse D. 81. (3982 4191) (Gymnasiasten und Realschüler finden freundliche Ausnahme. Wo? sagt die Exped. h. Bltts. schon 10 Tage vor Beginn der Versammlung vom Comitö zugeschickt wird. Wir sind beauftragt, für diese Festschrift Annoncen aller Art, besonders von Hotels, Restaurants, technischen und gewerblichen Etablissements etc., welche Inserate in augenfälliger Weise der Schrift beigegeben werden sollen, anzunehmen. Die Preise sind normirt auf M. 40 — für eine ganze Seite! " 25 „ „ halbe „ Bädeker-Format > „ 15 — „ „ viertel „ | und werden geschätzte Inscrtions-Aufträge, welche ausschliesslich durch unsere Firma aufgegeben werden können, I>1n Jüngstens ,067,000. Durchschnitt der seit 17 Jahren vertheilten Dividenden 37Vr'7v der Prämie. Jede volle Prämie Hai auch Anspruch auf Dividende. Zu rudteum Benritt labet ein ________K. ____ 10,000 s))lnrf werden gegen gcnfu gcubc Sicherheit zu leihen gejucht. Adressen bittet man in der (Zrped. d. Bltts. tibzngeben. 4146) Jungenfchwiitdfttcht heilbar. 4197) Viiitflrniduriribfudit. selbst in; ooi- geschrlttenen Stadium, wirb sicher buid) ein Hausmittel geheilt. Man ivcnbc sich vertrauensvoll an Ileiiiricii Bönc, Cöpenik bei Berlin. Vorstehender hat sich, nachbem