JWo 309. Zweites Blatt. Sonntag, den 30. December 1877. chichener Htmeiaer Aüffize- unb JLmtablatt für den Kreis Gieße«. -*■— --- - ---------- — - --- mit Ausnahme befl Morrk«»gs< Schulstraße, LU. B. Nr. 18. ■WH MWMMWM?1H1 * JIPMgir» .......MI»«»-«» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinqerlohn. Dttrch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Höeit. Bekanntmachun g. Betreffend: Den einjährig Freiwilligen Miiitärdienst. Diejenigen Wehrpflichtigen, welche als einjährig Freiwillige dienen wollen und im Großherzogthum Hessen nach §. 23 und 24 der Ersatz-Ordnung vom 28. Septbr. 1875 (Reg.-Bl. Rr. 55 von 1875) gestellungspflichtig find, werden aus die in den §§ 89 und 91 der Ersatz- Ordnung enthaltenen, nachstehend im Auszuge mitgetheilten Bestimmungen aufmerksam gemacht, mit dem Anfügen, daß die Bestimmungen über die Pflichten der zum einjährig freiwilligen Dienst Berechtigten und die Meldung zum Dienstantritt in den §§ 93 und 94 1. c. enthalten sind., Bei Nichtbeobachtung der bestehenden Vorschriften oder verspäteter Einreichung der Gesuche, kann die Zulassung zu der nächsten Prüfung nicht stattfindon, bezw. der Berechtigungsschein nicht verliehen werden. Die vorstehenden, sowie die Bestimmungen des unten abgedruckten § 89 gelten sowohl für diejenigen Wehrpflichtigen, welche sich der Prüfung unterziehen wollen, als auch für die, welche auf Grund eines Schulzeugnisses den Berechtigungsschein nach such en. Für die im nächsten Frühjahr stattfindende Prüfung sind die Gesuche um Zulassung spätestens bis zum !♦ Februar 1878 bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission einzureichen. , Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden ic. gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Ers.-Ord.) Ausschluß. , t ± x Bezüglich des Prüfungs-Termins, sowie des Locals, worin die Prüfung stattfindet, erfolgt wettere Bekanntmachung. Eine specielle Ladung erfolgt nicht. Darmstadt, den 11. December 1877. Großherzogliche Prüfungs - Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Spam er, Regierungsrath. §. 89. Nachsuchung der Berechtigung. 1. Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr nachgesucht werden. Der Nachweis derselben istbeiVerlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April des ersten Militärpflichtjahres (8- 20'2) zu erbringen. 2. Die Berechtigung wird bei derjenigen Prüfungs-Commission nachgesucht, in deren Bezirk der Wehrpflichtige gestellungspflichtig lst. u. Z4.) 3 Wer die Berechtigung nach such en will, hat sich bei der unter Nr- 2 bezeichneten Prüfungs-Commission spätestens bis zum 1. Februar des 1. 2. Kaiser seine Zustimmung zu dem vom Reichskanzler für seine fernere Wirksamkeit ausgestellten Programm ertheilt, die Leitung der Geschäfte in vollem Umfange wieder «ufnehmen werde. Von guter Vorbedeutung für die bevorstehende Wendung der inneren Lage ist offenbar die Thatsache, daß der Präsident des Abgeordnetenhauses, v. Bennigsen, sich, einer Einladung des Fürsten folgend, am Weihnachtssest nach Varzin begeben hat. Vor Kurzem empfing der Reichskanzler dort auch den Präsidenten des Reichsjustizamtes, Dr. Friedberg, um sich von demselben über die Rechtsverhältnisse in Elsaß-Lothringen, sowie über die Einleitungen zur Durchführung der deutschen Justizreform Vortrag ^"^r^Bu"ndesrath hat, uachdem er u. A. den Entwurf einer Rechtsanwaltsordnung zur Vorlegung an den Reichstag genehmigt, seine Sitzungen bis nach Neujahr vertagt. In der Armee ist durch kaiserl. Cabmetsordre eine neue Osficterscharge unter dem Titel „Feldwebel-Lieutenants" geschaffen worden, welche im Fall einer Mobilmachung aus den inactiven Unterosficieren genommen werden sollen. Der elsaß-lothringische Landesausschuß wurde am 24 Decbr. geschloffen, nicht ohne daß derselbe auf den Antrag des Abg. Schneegans den Wunsch ausgesprochen, das Land möge eine eigene Ver- sasiung als Bundesstaat mit dem Regierungssitze in Straßburg und mit Vertretung im Bundesrathe erhalten. Unser Kaiser hat in der vergangenen Woche außer den regelmäßigen Vorträgen wiederholt den Staatssecretär tm auswärtigen Amt, Minister v. Bülow, zum Vortrag empfangen. Die auswärtigen Angelegenheiten, sowohl die den Krieg im Orient betreffenden, wie die Vorgänge in Frankreich und Rom, scheinen daher den Hauptgegenstand der kaiserlichen Berathungen gebildet zu haben. Die Ernennung des Grafen von St. Vallier zum sranzöstschen Botschafter an Stelle des bekanntlich stark legitimtstisch und ultramontan gesinnten Herzogs v. Gontaut - Biron soll an entscheidender Stelle mit großer Besriedi- auna ausgenommen worden sein; dem genannten Staatsmann geht wenigstens von seinen amtlichen Beziehungen zu dem Befehlshaber der deutschen Occupa- tions-Armee eine sehr günstige Meinung voraus. Am 24. Decbr. wohnte der Kaiser aus Anlaß des hundertjährigen Geburtstages des Kaisers Alexander 1. von Rußland einem Tedeum in der russischen Botschaft bei. Der Kronprinz hat aus der Rückreise nach Berlin das Krupp'sche Etablissement in Esten ^^rtoQTtun Fürst Bismarck noch vor Neujahr nach Berlin zurückkehren werde, hat sich nicht erfüllt, man hält indeß nach wie vor an der Ueberzeugung fest, daß derselbe jedenfalls noch vor dem Zusammentritt des Reichstages wieder in der Hauptstadt etntreffen und dann auch, nachdem der ersten Militärpflichtjahres schriftlich zn melden. Dieser Meldung sind beizusügen: d) ein E i n w t l l i n g^s - A Nest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über die Bereitwilligkeit und Fähigkeit den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen, c) ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realschulen, Progymnasien und höheren Bürgerschulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkett oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist. 4 ^Außrrdmi die"wi?sfnsdfaft“liche^B^ähigung für den einjährig freiwilligen Dienst noch nachzuweisen. Dies kann entweder durch Beibrtnauna von Schulzeugntsten oder durch Ablegung einer Prüfung vor der Prüfungs-Commission geschehen. 5 Der Meldung bei der Prüfungs-Commission sind daher entweder die Schulzeugnisse, durch welche die wissenschaftliche Befähigung nachgewiesen werden kann (§. 90) beizusügen, oder es ist in der Meldung das Gesuch um Zulassung zur Prüfung auszusprechen. Die Einreichung der Zeugniste darf bis zu dem unter Nr. 1 genannten äußersten Termin ausgesetzt werden. In dem Gesuche um Zulassung zur Prüfung ist anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen der sich Meldende geprüft sem will (Anl. 2. §. 1). Auch hat der sich Meldende einen selbst geschriebenen Lebenslauf beizufügen. rc. ic. ic* S. 91. Nachweis der wissenschaftlichen Befähigung durch Prüfung. Wer die wissenschaftliche Befähigung für den einjährig freiwilligen Dienst durch eine Prüfung nachweisen will, hat sich auf Vorladung der Prüfung«. All^rlich"sind^en"2^PrWdgkn^ stall, die eine im Frühjahr, die andere im Herbst. Das Gesuch um Zulassung zur Prüfung muß für die Früh- jahrsprüfung spätestens bis zum 1. Februar, für die Herbstprüsung spätestens bis zum L August angebracht werden. ic. rc.______________________________ -- Vom handelspolitischen Gebiet sind zwei bemerkenswerthe Kundgebungen zu verzeichnen: der Ausschuß des deutschen Handelstages hat auf Grund zahlreicher Gutachten von Handelskammern bei dem Reichskanzleramt die Veranstaltung einer Enquete über die wichtigeren Productionszweige Deutschlands und die Mittel zu deren Ausbesierung beantragt, und die (fchutzzöllnerische) freie volkswirthschaftliche Vereinigung des Reichstags dem genannten Amt einen autonomen Zolltarif als Material für seine Berathungen zu übermitteln beschlossen. Auch auf socialpolitischem Gebiete regt es sich von Neuem: der Pastor Todt, Verfasser eines Buches über die Socialdemokratie, hat nämlich mit einigen Gesinnungsgenoffen einen Aufruf zur Gründung eines Centralvereins für Socialresorm auf religiöser und constitutionell-monarchischer Grundlage erlassen, welcher aus evangelischem Boden eine ähnliche Partei bilden soll, wie sie auf katholischem Boden unter dem Namen der christlich-socialen Vereine besteht. Der preußische Landtag hat seine Weihnachtsferien angetreten. Das Abgeordnetenhaus brachte vorher den Staatshaushalts-Etat, den Gesetzentwurf über den Sitz der Landgerichte und den Accessionsvertrag mit Waldeck in dritter Berathung zu Ende. Die Annahme des „Sitzgesetzes" erfolgte unter Zustimmung der Regierung en bloc nach den Anträgen der Commission, nur unter Hinzufügung einer Resolution, durch welche die Regierung ersucht wurde, überall wo die Ortsverhältnisse es rathsam erscheinen ließen, mit benachbarte» Bundesstaaten eine Vereinigung nachbarlicher Gebietstheile zu einheitlichen G^- richtsbezirken herbeizuführen. Bet der Berathung des Etats brachte das Centrum natürlich seine gewohnten Klagen von Neuem vor. Der Abg. v. Schor- lemer gab zum tausendsten Male die Erklärung ab, die ultramontane Partei werde den Kampf auf's Aeußerste fortsetzen, und stellte dabei das Ende des (bekanntlich durch Meuchelmord gefallenen) Fürsten Wallenstein als Vorbild des Schicksals des Fürsten Bismarck bin. Allseitige Beachtung fand eine Rede des Abg. Aegidi, welcher an die Klugheit der gemäßigten Richtung innerhalb der katholischen Kirche appellirte. Der Ciltusminister nahm die Beamten gegen den Vorwurf einer tendenziösen oder ungeschickten Handhabung der Maigesetze in Schutz. Schließlich war das Haus der ewigen Phrasen der Centrumsmitglieder so müde, daß es selbst den Abg. Windthorst nur mit den deutlichsten Zeichen der Langeweile anhörte. Graf Andrassy hat, wie früher die ungarische, so nachher auch die österreichische Delegation durch eingehende Mittheilungen über den Gang der von ihr befolgten Politik zu einer vollständigen Billigung seiner Haltung in der orientalischen Frage bewogen und damit freie Bahn für Fortführung der bisherigen Politik innerhalb des Rahmens des Drei-Katser-Bünd- nlsses gewonnen. Der ungarische Minister-Präsident Tisza sieht die Mehrheit des Reichstags in Folge des Pesther Straßenscandals nur um so fester um sich geschaart. Kaiser Alexander ist bet seiner Rückkehr nach Petersburg mit unbeschreiblichem Enthusiasmus empfangen worden. Leider stellen sich Aeußerungen, welche er bet dieser Gelegenheit, sowie bei der einige Tage nachher stattgefundenen Feier des 100jährigen Geburtstages des Kaisers Alexander I. that, an welcher auch eine preußische Officiers-Deputation Theil nahm, keine baldige Beendigung des Krieges In Aussicht. Für England war die Einberufung des Parlamentes das Ereigniß der Woche. Der Umstand, daß dieselbe auf einen mehrere Wochen früheren Termin als gewöhnlich (17. Januar) und „wegen dringender und wichtiger Angelegenheiten" erfolgt ist, hat die Bevölkerung in nicht geringe Aufregung versetzt. funben und damit das Feuer entzündet. Die beiden Elenden waren stets die Ersten beim Feuer und scheinbar die Thäkigsten beim Löschen und die Erbosteten gegen die Brandstifter; sie wollten die Belohnung etnstecken, die für die Ersten auf dem Brand- vlatze ausgesetzt ist. In der Hauptsache aber trieb sie die teufliche Lust an Schreck und Verwirrung; sogar in der ersten Nacht im Gefängnitz schrieen sie aus voller Kehle: Feuer! Feuer. Worms, 20. Dec. In einer Elaste der hiesigen Fortbildungsschule fand vorige Woche ein empörender Auftritt statt. Einer der Schüler, seines Zeichens ein Maurer, kam gestern wie schon oft mit der langen Pfeife in die Schule. In Folge einiger Bemerkungen von Setten des betr. Lehrers muckte der Schüler auf, ein Wort gab das andere, und als der Lehrer seinen Schüler endlich gebührend „zurechtschüttelte", erhielt er von bc.iifelben einen kräftigen Stoß versetzt, welcher ibn fast zum Fallen brachte und worüber ein Tbeil der vielversprechenden Jugend in ein schallendes Gelächter ausbrach. Nach Schluß der Schule stellte sich der renitente Schüler an die Thüre und rief seinem Lehrer zu: „Meinen Wams muß't mir doch bezahlen, Du Lump! Ich hab' Brod und Kleider, wer weiß, ob's Du hast!* — Eine Bemerkung hierzu zu machen, erscheint überflüssig. — (Vogelbälge als Hutschmuck.) »Es liegt in dem Menschen ein natürlicher Trieb, sich zu entstellen, und diesen Trieb beliebt man die Mode zu nennen. Hat man ein gutes Auge, so klemmt man sich ein Stück Glas in dasselbe, um es, der Mode- narrheit wegen, zu verderben; hat man einen guten Wuchs, so trägt man entstellende Ueberröcke, deren Schooß auf dem Rücken sitzt. Namentlich aber das Weib hat, indem es in seiner Eitelkeit stets über die Grenzen und das Ziel hinausschteßt, eine Manie, sich zu verunstalten und diese Mißgestalt für guten Geschmack auszugeben, die eS in der Stufe der Civtltsation keineswegs erhebt, sondern eher zurückversetzt. Die Narrheit des männlichen Geschlechts geht allerdings mit jener gleichen Schritt, aber als die natürlichen Regulatoren des guten Geschmacks und der Sitte gebührte es den Frauen, jeder Mtßgestaltung Einhalt zu gebieten.* Mit diesen, wenn auch nicht gerade sehr galanten Worten charakteristrt ein Schriftsteller die Mode und wie man zugeben muß, leider nur zu wahr. Die Aus- arlunzen der Mode gehen heut zu Tage sehr wett und streift dieselbe sehr häufig an's Geschmacklose. Hier haben wir es jedoch nicht mit der Mode im Allgemeinen zu thun, sondern mit jener schon oft von unS bekämpften und gerügten Modethorheit, Vogelbälge und Vogelflügel als Hutschmuck (?) zu verwenden. Gleich der Hydra, deren Köpfe immer wieder wuchsen so oft sie auch abgehauen wurden, erscheinen alljährlich im Herbste wieder die Vogelbälge und Vogelflügel als Hutschmuck und allenthalben steht man solche nicht nur in den Putzläden ausgestellt, sondern auch auf den Hüten angeblich zartfühlen oer Damen. Winterfeld sagt über diese Mode: »Fast alle Moden der Menschenwelt lassen sich aus die Vorbilder der Thierwelt zurückiühren: die seltsamen Kopfputze der Vögel verleiteten die Frauen zur vielseitigen Nachahmung, von dem einfachen Morgenhäub- chen bis zu der albernen Idee, den Vogel selber auf den winzigen Hut oder den Wust falschen Haares zu befestigen * Gtebt es denn für den Winter keine andere Verzierung als den Flügel der „Merle" oder den Balg eines tooten Singvogels? Will man den Hut absolut mit Federn verzieren, so nehme man doch solche von jagdbarem oder Hausgeflügel, von Rebhühnern, Gänsen, Enten und Haushühnern. Sind die bunten Flügelfedern eines Enterich's nicht ebenso prächtig, als diejenigen eines Diestelfinken? und der dichte Pelz einer GanS nicht ebenso schön, als der eines sog. „Eisvogels"?*) Läßt sich nicht mit Bändern, Spitzen u. dgl. Geweben, falls man keine nachgeahmten Blumen tm Winter verwenden will, ein Damenhut ebenso schon verzieren, als mit dem Balge eines tobten Vögelchens? Möchte man doch endlich das Geschmacklose und Schädliche dieser Mode ein. sehen; möchte man sich doch durch den oft wiederholten Apell an die Weiblichkeit, durch den über diese Modethorheit ergossenen Hohn und Spott endlich veranlaßt sehen, davon abzustehen. Hoffentlich genügen diese Worte, um alle einsichtsvollen Frauen zu veranlaffm, keine derartigen Verzierungen auf ihren Hüten anbringen zu lassen. Der Dank der Vögel für die ihnen dadurch gewährte Schonung wird gewiß nicht ausbleiben. Dr. Schaefer. *) Die zum Hutputz so sehr beliebten sog. „Merlenflügel* sind von afrikanischen Glanzftaaren, während der sog. „Eisvogelpelz" von Seemöven stammt. Auch daß ein Ministerrath auf den anderen gefolgt und die Königin nicht wie sonst zur Feier des Wethnachtssestes nach der Insel Wight gereist, sondern in Windsor geblieben ist, um mit den Ministern leicht persönlichen Verkehr pflegen zu können, deutet darauf hin, daß jenseits des Canals etwas Besonderes im Werke ist. Trotz der Kriegslust Lord Beaconssield's kann man dort jedoch nicht recht daran glauben, daß England sich an dem Kriege betheiligen werde; man ist vielmehr der Meinung, daß sich die Regierung vom Parlament nur die erforderlichen Geldmittel bewilligen lassen wolle, um sich in den Besitz eines Faustpfandes zur Wahrung der britischen Interessen zu setzen, falls Rußland letztere durch weiteres Vordringen gefährden sollte. Man denkt dabei hauptsächlich an eine Annexion Aegyptens. Die Handelskammern der großen Städte des Landes thun mittlerweile das Ihrige, um die Regierung durch Adressen zur Beibehaltung der bisherigen Neutralitätspolitik zu bewegen. In Frankreich haben die Kammern ihre Session für 1877 geschlossen und den Generalräthen Platz gemacht. Das neue Ministerium hat sich inzwischen beeilt, der öffentlichen Meinung durch verschiedene Maßregeln die verlangte Genugthuung zu geben und zugleich Licht über seine eigenen Intentionen zu verbreiten. Besonders einschneidend war der von ihm vorgenommene Wechsel in dem Personal der Präfekten, von denen nicht mehr als 4 ihre Stelle behalten haben. In Folge dessen ist, wenn auch die Linke der Deputtrtenkammer den von ihr gebildeten Achtzehner-Ausschuß zur Ueberwachung der Regierung noch immer fortbestehen läßt, eine merkbare Beruhigung unter der Bevölkerung eingetreten. Die Legitimisten, Bonapartisten und Clertkalen haben den von ihnen beabsichtigten neuen Ansturm gegen die bestehende Ordnung der Dinge bis nach der Ausstellung verschoben. Daß letztere unter allen Umständen an dem früher festgesetzten Termin eröffnet werden soll, hat der Marschall-Präsident durch die jüngsthin vorgenommene Besichtigung der Ausstellungs-Arbeiten deut- lich genug kundgegkben.____________________________________________________________ B e r rn i s ch t e s. Mainz. Eine Gaunerei wird jetzt zum Nachtheil armer Dienstboten sehr schwungvoll wie folgt betrieben: Jn's HauS schleicht sich gewöhnlich eine ältere Frau ein, zieht das Dienstmädchen auf die Seite und erzählt unter Thiänen, daß sie durch bittere Noth gezwungen sei, Goldsachen, auf die sie sonst viel halte, um jeden Preis loSzuschlagen. Sie zieht bann gewöhnlich Broche und Ring hervor und bietet Alles um etliche Mark zum Kauf an. Geht das dumme Ding auf den Leim und Hilst der Frau durch Ankauf der „Goldsachen* aus der Noth (sie könnte durch Versetzen sich, wenn sie Werthsachen hätte, viel besser helfen), so ist es gemacht. So sahen wir gestern wieder eine Broche und einen Ring, beide um sechs Mark auf die bezeichnete Weise gekauft, aber jeden Augenblick für 1 J4, höchstens 1 JL 20 $ aus dem Bazar zu beziehen. Ein Goldarbeiter sagt, baß schon feit einiger Zeit öfters Dienstmädchen zu ihm kommen, um ihn über den Goldwerth von derartigen Sachen zu befragen, die gar keinen besitzen. Man sehe sich also vor. — In Naumburg sind endlich die Brandstifter entdeckt, die seit Jahr und Tag die Stadt vielmals durch Feuersbrünste in Schrecken gesetzt haben. Es sind zwei Mit fllieber der Feuerwehr, der Kammmachergehülfe Klehm und der Zimmergeselle Rödiger, 27 und 21 Jahre alt. Sie sind beide geständig und fügten hinzu, oftmals fei das Feuer, das sie angelegt, nicht zum Ausbruch gekommen. Bei dem letzten Brandfall hätten sie bereits das betr. Gebäude verlassen gehabt, nachdem Hunderte von Streichhölzern den Dienst versagt, da habe Rödiger in seiner Westentasche ein Zündholz ge- Alle« Kranken Kraft und Gesundheit ohne Medici« und ohne Kosten durck die Heilnahrung: Revalesciere “XL. Seit 80 Jahren hat keine Krankheit dieser angenehmen Gesnudheits« speise widerstanden und bewährt sich dieselbe hei Erwachsenen und Kindern ohne Rebtctn und ohne Kosten bei allen Magen-, Nerven. Brust-, Lungen-, Leber-, Drüsen-, chletmbaut-, Athem-. Blasen- unb Nierenleiden, Tuberkulose, Schwindsucht, Asthma, Husten, Unverdaulichkett, Verstopfung, Diarrhöen, Schlaflosigkeit, Schwäche, Hämor- hoiden, Wassersucht, Fieber, Schwindel, Blutaufsteigen, Ohrenbrousen, Uebelkeit und Erbrechen fe bst während der Schwange, schalt, Diabetes, Melancholie, Abmagerung, Rheumatismus, Gicht, Bleichsucht; auch ist sic als Nahrung für Säuglinge schon von er Geburt an selbst der Ammenmilch oorzuziehen. — Ein Auszug aus 80,000 Certi. fcaten über Genesungen, die aller Medicin widerstanden, worunter Certificate vom Professor Dr. Wurzer, Medicinalrath Dr. Angelstein, Dr Shoreland, Dr. Campbell, Professor Dr. Död«, Dr. Ure, Gräfin Caftlestuart, Marquise de Bröhan, und viele« mberen hochgeuellten Personen, wird franco auf Verlangen eingesandt. Abgekürzter Auszug aus 80,000 Eertaficateu. Nr. 62476. Dem heben Gott und Ihnen sei Dank. Die Revedeeelbre bat meine 18jährigen Leiden im Magen und in den Nerven, verbunden mit allgemeiner Schwäche und nächtlichem Schweiß gänzlich beseitigt. I. Comparet, Pfarrer, Saiete Romaine des Dee. Nr. 89211. Orvaux, 15. April 1875. Seit vier Jahren genieße ich die köstlich« Revalesciere und leide seitdem nicht mehr an den Schmerzen in den Lenden, die mich während langer Jahre fürchterlich gefoltert hatten. In meinem 93. Jahre stehend, er» freue ich mich jetzt der vollkommensten Gesundheit- Leroy, Pfarrer. Nr- 45270. I. Robert. Von seinem 25 jährigen Leiden an Schwindsucht, Husten, Erbrechungen, Verstopfungen und Taubheit gänzlich bergestellt- 62845. Pfarrer Boilet von Ecrainville. Bo« Asthma mit häufigen Erstickungen völlig hrrgesteUl. 80416. Frau Major Deutsch, geb. von Horn in Posen; deren Kinder noe Drüsen leiden hergestellt. _ Nr. 64210. Marquise von BrLhcm von 7jähriger Leberkrankheit, Schlaflosigkeit Zittern an allen Glieder«, Abmagerung und Hypochondrie. Nr. 75877. Florian Köllcr, K. 't. Militär Verwalter, Großwardein, von Lungen- mb Lufttöbren-Katarrh., Kopsschwinbel unb Brustbeklemmung. Nr. 75970. Herr Gabriel Teschner, Hörer der öffentlichen höheren Hai del? Lehranstalt in Wien, in einem verzweifelten Grade von Brustübel und Nervenzerrüttuna- Nr. 65715. Fräulein de Montlouis, von Unverdaulichkett, Schlaflosigkeit und ?ibmagerung. Nr. 75928. Baron Sigmo von 10 jähriger Lähmung an Hände« und Füßen ic Die Revalesciere ist viermal so nahryaft als Fleisch und erspart bet Erwachsenen und Kindern 50 Mal ihren Preis in anderen Mitteln und Speisen- Preise der Revaleseibre 12 Mark per Stück. 4457) Prima eleg. Herren- Regenröcke in großer Aus- Wahl bei H. G-rünebaum. Fränks. Würstchen 7217) empfiehlt Gg Wilh. Weidig. 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