Jüo, «SO. Samstag, den 1. December 1877. Kicßener HlMger Aiffizk- uni Amtsdiuit für Ku Kreis Gießen. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. (Expedition: Schul st raße, Lit. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. K o l i t i s ch' e r H h e i L Deutschland. Darmstadt, 29. November. Louise Büchner, Vice-Präsidentin des „Vereins für Frauen-Bildung und Erwerb", ist gestern Abend gestorben. Berlin. Die Gerichtsbarkeit der Universitätsgerichte in Berlin, Bonn, Breslau, Greifswald, Halle, Königsberg, Münster und Göttingen ist, soweit sie sich aus bürgerliche Rechtsstreitigkeiten und Strafsachen bezieht, durch das deutsche Gerichtsverfassungs-Gesetz beseitigt, im Uebrigen aber hinsichtlich der den Universitätsgerichten noch Anstehenden Gerichtsbarkeit in nicht streitigen Angelegenheiten und in Disciplinarsachen von der Reichsgesetzgebung unberührt geblieben. Die akademischen Behörden zu Kiel und Marburg üben nur eine Gerichtsbarkeit in Disciplinarsachen über Studirende aus. Auf diese Gerichtsbarkeit findet das deutsche Gerichtsverfasiungs-Gesetz überhaupt keine Anwendung. Die Organisation und Zuständigkeit der Universitätsgerichte, insoweit dieselben nach dem deutschen Gerichtsverfassungs-Gesetze noch in Frage kommen können, wird in dem zu ertastenden Unterrichtsgesetz voraussichtlich neu geregelt werden. Berlin, 28. November. Das Abgeordnetenhaus genehmigte heute bei Fortsetzung der Berathung des Etats des Cultus-Ministeriums nach unerheblicher Debatte das Capitel hinsichtlich der Prüfungs-Commissionen. Bei dem auf die Universitäten bezüglichen Capitel sprachen Gerber und Mommsen den Wunsch nach größerer Berücksichtigung der neueren Sprachen an den Universitäten aus; der Regierungs - Commistar sagte Erfüllung zu. Eberly nahm das Mitwirkungs-Recht des Landtages bei Verwendung des hannoverischen Kloster- Fonds in Anspruch. Seitens des Regierungs - Commistars wurde ein solches Recht des Landtages bestritten. Windthorst (Meppen) wies auf den „cultur- kämpserischen" Geist hin, der die meisten Universitäten, namentlich Bonn, beherrsche, und forderte die Erlaubniß zur Gründung katholischer Universitäten, worauf der Regierungs-Commistar erklärte, diese Forderung könne niemals erfüllt werden, ohne den Staat in den Grundlagen seiner Existenz zu gefährden. Virchow und Mommsen wendeten sich gleichfalls gegen die Ausführungen Windthorst's. v. Sybel wies die gegen den deutschen Verein und seine Person ausgesprochenen Verdächtigungen zurück. Ter Cultusminister wies die Behauptungen Windthorst's über die angebliche Nichtanstellung katholischer Gelehrter zurück und widerlegte desten Darstellung der Verhältniste an der Universität Bonn, indem er darauf hinwies, daß an der dortigen katholischen Fakultät seit Jahren nur Ein Altkatholik angestellt sei; der Besuch der Fakultät zeige sich im Zunehmen begriffen, v. Heeremann brachte die Klage vor, daß die Akademie zu Münster schlecht bedacht werde und zur Culturkampf-Station geworden sei. Nachdem der Regterungs-Commiffar hieraus replicirt, wurde das erörterte Budget Capitel unverändert genehmigt. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung brachte Kantak bei dem Capitel der Gymnasien und Realschulen mehrere Beschwerden über Mißstände im Unterrichtswesen der Provinz Posen vor, namentlich darüber, daß polnische Lehrer abgesetzt und durch deutsche protestantische Lehrer ersetzt würden. Vom Regierungs - Commistar wurde diese Maßregel unter Berufung auf eine bezügliche Cabinets-Ordre gerechtfertigt. Miquel machte auf die übermäßigen Anforderungen an die Lernfähigkeit der Gymnastal- schüler aufmerksam und deren Ueberlastung mit häuslichen Arbeiten; Abhülfe sei wünschenswerth. Der Regierungs - Commistar erklärte: Abhülse sei nur möglich, wenn specielle Fälle durch die Eltern namhaft gemacht würden. Bei manchen Fächern sei Angesichts der gesteigerten Anforderungen an die gelehrten Berufszweige eine Herabsetzung der Anforderungen in der Schule unthunlich. — Im Unterrichtsgesetze würden die Anforderungen nach Möglichkeit herabgesetzt werden. — Nach 4J/4 Uhr wurde die Fortsetzung der Berathung auf morgen vertagt. München, 28. November. In der heutigen Sitzung der Abzeordneten- Kammer wurde der Gesetz-Entwurf, betr. den außerordentlichen Militär-Credit. auf Antrag des Kriegsministers dem Finanz-Ausschuß überwiesen. Bezüglich der Petitionen gegen Wanderlager und Hausir-Handel wurden die vom Ausschuß vorgeschlagenen Resolutionen nach lebhafter Debatte angenommen, wonach durch entsprechende Besteuerung auf möglichste Erschwerung dieser Geschäftszweige hingewirkt und der Bundesrath ersucht werden soll, speciell den Wan- derlagern nack Thunlichkeit entgegenzuwirken. AuS Elsaß-Lothringen. In Bezug auf die in Aussicht genommene Elrichtung befestigter Lager in Elsaß-Lothringen wäre nach der „Metzer Ztg." noch Folgendes zu bemerken: Wenn für eine Vertheidigung der Westgrenze die beiden Lager bet Saarburg und Mülhausen durch geeignete Feldwerke befestigt werden, so deckt das erstere den Raum zwischen Metz und Straßburg und die Linie von Nancy nach Mainz, während das letztere die wichtige und immer drohende Ausfallpforte Belfort zu sperren im Stande ist und damit die Deckung von Ober-Elsaß und von Südwest-Deutschland zu übernehmen hätte; eine Verbindung der beiden neuen Eisenbahn - Brücken zu Hüningen und zu Neuenburg mit diesem Lager kann den Werth deffelben nur erhöhen. Hesterreich. Wiei7, 28. November. Die „Polit. Correlp." erfährt aus bester Quelle, daß der Zustand des Papstes in Folge der zunehmenden Eiterung sich sehr bedenklich gestaltet habe. — Eine der nämlichen Correspondenz zugehende Depesche aus Konstantinopel interpretirt die Auflösung des großen Kriegsraths als eine Niederlage Mahmud Damat Pascha's, dessen baldiger Rücktritt sehr wahrscheinlich sei. — Aus Cettinje wird der „Polit. Corresp." gemeldet, daß sich die Orte Veltjic und Duleigno in Albanien den Montenegrinern ohne Widerstand ergeben haben. — Die Wiener „Abenpost" schreibt: In allen Kreisen gelangt allmählig die Ansicht zur Geltung, daß der eventuelle Fall Plewnas, welcher von russischer Seite nächstens als unvermeidlich erwartet wird, Friedens-Verhandlungen zwischen den kriegführenden Mächten im Gefolge haben wird. Arankreich. Paris, 28. November. Der Minister des Aeußern, Marquis de Ban- nevtlle, richtete an die Vertreter Frankreichs im Auslande ein Rundschreiben, worin er dieselben benachrichtigt, daß er die Politik seines Vorgängers fortführen werde. — Marquis de Banneville conferirte gestern längere Zett mit dem Herzog Decazes. Paris, 28. November. Der „Temps" veröffentlicht eine von Delegirten der Syndicats - Kammer von Paris an den Marschall-Präsidenten gerichtete Adresse. Dieselbe behauptet, daß das Darniederliegen der Industrie und des Handels vor Allem dem Zustande der Ungewißheit, Furcht und Unsicherheit, in welchem sich das Land seit mehreren Monaten befinde, zuzuschreiben sei. Die Adresse sagt: An Ihnen ist es, dieser grausamen Lage ein Ende zu machen und die furchtbare Drohung eines Conflictes zwischen den Staatsgewalten verschwinden zu machen, indem Sie dem aufrichtigen, durch die letzten Wahlen so vernehmlich ausgesprochenen Wunsche vollständige Befriedigung gewähren. Sie können am Vorabende der großen Preisbewerbung von 1878 Frankreich in den Stand setzen, seinen Gästen eine würdige Gastfreundschaft zu bieten. Sie können es und werden es auch, von Ihrem Patriotismus inspirirt, wollen, wie wir zu hoffen nicht aushören. Die Delegirten, welche die Adreffe in's Elyfee brachten, wurden von dem Präsidial-Secretär empfangen, der das Bedauern des Marschalls ausdrückte, sie nicht empfangen zu können. Die Budget-Commission der Kammer hat wegen Vottrung der dtrecten Steuern noch keinen Beschluß gefaßt. Paris, 29. November. Der „Figaro" meldet: Auf Ansuchen der französischen Regierung erklärte sich der Papst bereit, den Bischof von Orleans, Dupauloup, zum Cardinal zu ernennen. England. London, 28. November. Bei dem Empfange einer Deputation, welche eine Denkschrift zu Gunsten einer Intervention Englands überreichte, erklärte Lord Derby, die Regierung sehe keinen Grund, von ihrer Anfangs der letzten Session erklärten Neutralität abzuweichen. Sie glaube nicht, daß für Konstantinopel eine eminente Gefahr bestehe, noch daß der Suez-Canal bedroht sei. Die britische Flotte könne nicht ohne Zustimmung der Pforte nach Konstantinopel gehen. Die Pforte würde Bedingungen stellen, denen England nicht entsprechen könne. Falls eine günstige Gelegenheit eintrete, werde die Regierung ihr Möglichstes thun, den Frieden herbeizuführen. Schließlich versprach Derby, die Denkschrift dem Cabinet vorzulegen. Rumänien Bukarest, 27. November. Der Minister-Präsident Bratiano eröffnete im Namen des Fürsten die Session der Kammern mit einer Thronrede, welche auf die von den Kammern im April 1877 proclamirte Unabhängigkeit hinwies, deren Vertheidigung den Uebergang der rumänischen Armee über die Donau nothwendig machte. Letztere erhielt seitdem die Ruhmes-Taufe durch glänzende Waffen-Thaten. Der Fürst und die Kammern hegen den festen Glauben, daß die Garantie-Mächte Rumänien als Land von wirklicher Lebenskraft erkannten, weshalb die Zeit fremder Bevormundung und Vasallenschaft für Rumänien vorüber sei. __________________________________________________ Der orientalische Krieg. Konstantinopel, 27. November. Reuf Pascha wurde zum Comman- danten der zu bildenden Reserve-Armee von 150,000 Mann ernannt. Im Commando der Balkan-Armee wird derselbe durch Achmet Ejub Pascha ersetzt. — Der bestandene militärische große Rath wird durch ein consultatives Militär- Conseil ersetzt, welchem der Kriegsminister präsidirt. — Ein Telegramm Mukhlar Pascha's vom Sonntag signalisirt kein Gefecht, sondern meldet, daß die Ruffen noch immer die Position von Dewe-Boyun besetzt halten und eine dichte Schneedecke die Erde bedeckt. Belgrad, 27. November. Ein serbisches Bataillon hat die Grenze bei Vratarmtza überschritten, um eine Anzahl bulgarischer Frauen und Kinder gegen Mißhandlungen Seitens der Türken zu schützen. Letztere trieben die Serben zurück. Auf beiden Seiten wurden Viele getödtet oder verwundet. Eine Commission zur Untersuchung dieses Vorfalls hat Belgrad verlaffen. „Billig und flut* ist das Prädikat, rod« dem D -hetmkalender zukommt, der seiner hohen Auflage wegen das Beste in guter Ausstaitunq für geringen Preis geben kann. An ihm wird das entgegengesetzte Schlagwort zu Schanden- (6-^6 Konstantinopel, 28. November. Ein Telegramm Suleiman Pascha's aus Rasgrad meldet: Eme von Karahassaenlar aufgebrochene türkische Recognos- cirungS-Ab,Heilung stieß in der Nähe von Blomarze aus die Russen und zwang die letzteren zum Rückzüge. Andere von Opaka und Kaceljewo vorgejendete RecognoScirungs-Abtheilungen hatten ebenfalls unbedeutende Scharmützel. Das Bombardement von Rustschuk dauert fort. Petersburg, 28. November. Amtlich wird aus Bogst, 27. Novbr., gemeldet: General Zimmermann hat behufs Erkundung der Starke der Türken einige fliegende Colonnen ausgesendet, welche am 23. Novbr. günstige kleinere Gefechte bestanden. Nack Ijmussaki ausgesendete Kosaken zerstreuten bei tfa lassulara kleine türkische Abtheilungen und erbeuteten Waffen und Pferde.. Nach Baldschik gesendete Husaren stießen bei Jrydshi auf 500 reguläre türkische Soldaten und warfen im Verein mit den Kinburn'schen Dragonern dieselben unter großem Verlust zurück; die Verfolgung wurde bis Baldschik fortgesetzt und Beute an Pferden, sowie Vieh gemacht. Baldschik erwies sich bei der Besichtigung als befestigt und von mehreren Tabors regulärer Kavallerie besetzt; im Hafen lagen zwei Monitors. Eine Abtheilung, bestehend aus 400 Kosaken des 18. Regiments, war nach Chadschi-Oglu und Bazardschtk gesendet worden; die Avant-Sotnte wurde bei Gusany von 500 Mann regulärer türkischer Kavallerie und zwei Rotten Infanterie angegriffen, jedoch die mit zwei reitenden Geschützen herbeieilenden übrigen 300 Kosaken schlugen die Türken in die Flucht, denselben große Verluste beibringend und Waffen und Pferde erbeutend. Die Ruffen hatten hierbei einen Verlust von 5 Kosaken tobt, 16 verwundet und 1 vermißt. Die anderen Eolonnen verloren keine Leute. — Die ganze Gegend auf 70 Werst vor der Linie Tschernawoda r Küstendschc ist gänzlich vom Feinde gesäubert. Petersburg, 28. November. Ein Telegramm der „Neuen Zeit" aus Bukarest meldet: Im Schipka-Paß haben sich 400 Türken ais Kriegsgefangene ergeben. General Skobeleff ist wieder hergestellt. Jgnatieff kehrt nach Ablauf fetneS Urlaubs in das Hauptquartier zurück. Bukarest, 28. November. Die Thronrede des Fürsten hebt ferner hervor, daß der Kamps noch unbeendet sei und noch neue Erfolge sich als nothwendig erwiesen, Er hofft, der Friede auf den Trümmern Plewnas werde die Anerkennung der Unabhängigkeit Rumäniens durch das gesammte Europa zur Folge haben. Die Thronrede schließt: Dank Ihres patriotischen Entschlusies und der Tapferkeit unserer Soldaten, habe ich das Vertrauen, daß die Garantie-Mächte Rumäniens nunmehr alS ein Land von wirklicher Lebensfähigkeit anerkennen werden, welches von einer Nation bewohnt werde, die die nothwen- dige Ausdauer und Energie besitzt, um erforderlichen Falls mit den Waffen in ter Hand die ihr an der unteren Donau gewordene Mission zu erfüllen. Die - Zeit fremder Vormund- und Vasallenschaft ist vorüber. Rumänien ist und Wird bleiben ein freies und unabhängiges Land. Vermischtes. Frankfurt, 25. Nov. Der beste Beroets für die jetzigen Zeitverhältnisse ftno Zahlen. Jeder wild sich seinen Schluß selbst zieh-:n können, wenn wir melden, daß auf dem Fiscalat in diesem Jahre bis heute 7000 Executione.. stattfanden. — Der „Mzr. Anz." schreibt: Die Abschaffung der Hundefuhrroerke, wie sie der Thierschutzvcrein in Darmstadt angebahnt hat, roeie in der That sehr wünschenSwerth Heute früh fuhr wieder ein schwer mit Säcken beladener Wagen zum Neuthor herein und als Krone deS Ganzen saß auf den Säcken ein großer Bengel, welcher die lechgewordenen Hunde fortwährend durch Schläge antrieb. Gotha, 27. Nov. Des neunfachen Mordversuchs angeklagt, erschien am 8. d vor den Gefchwoienen Ehr. Karl Eduard Sträube aus Kalbsrieth, Besitzer der dortigen Mühle, welche in oer Nacht zum 10. Januar d. I der Schauplatz eines damals wett und breit Aufsehen erregenden Verbrechens wurde. Die Ehefrau Straubc'S, die mit ihren acht Kindern in zwei Zimmern des oberen Stocks schlief, wurde mit diesen im Schlaf übtrfallen und selbst am Kopfe mehrfach lebensgefährlich verwundet, wahreob die drei ältesten Kinder gleichfalls schwere, die anderen leichte Kopfverletzungen davon 1 ugen. Der Mühlenbesitzer Straube selber, der im untern Stock in der Wobnstube ouf dcm Sopha geschlafen, hatte ebenfalls Wunden amKopfe, konnte aber ausführliche Aus kunft über den Hergand. h. des von ihm angeblich beobachteten Einbruch von Räubern rc. o ben. Ta urdeß seine Aussagen von vorn herein Zweisel erregten, so wurde er bereits om 11. Januar in Untersuchung gezogen. Straube bat anfänglich ausgesagt, daß er gegen Morgen von zwei Unbekannten im Schlaf überfallen worden fei, welche ihn mit Schlägen auf den Kopf betäubt und dann aus seinem Pult insgesammt über 900 Thlr. geraubt hätten. Verdächtigend von vorn herein war der Umstand, daß gerade am 9. Januar zwei Wechsel über 3000 Ji. fällig waren, die er nicht bezahlen konnte. Ueberhaupt war Straube ein Mann, der in üblem Ruf stand. Die Aussage der Zeugen und namentlich der ärztlichen Sachverständigen fiel sehr zu seinen Ungunsten aus, zu mal er selbst in seinen Aussagen sich in Widersprüche und erwiesene Unwahrheiten verstrickte. Wie der gerichtliche Phpsicus Dr. Kmd constatirte, müssen alle der Frau Straube und ihren acht Kindern deigebracklen Verletzungen, unter denen mehrere lebensgefährliche gewesen und deren etwaige Folgen für die Zukunft noch immer nicht abzuseheu sind, von einem stumpfen Instrument, vielleicht einem Hammer, hergerührt haben, welcher mit großer Kraft geführt worden ist, und es sei nur auf einen Thäter zu schließen. Die Kopfverletzungen hatten bei fämmtlichen Verletzten, welche zwar wieder genesen sind, eine mehr oder minder heftige Gehirnerschütterung zur Folge, und es er gibt sich aus der Art der Wunden so wie aus den sonstigen Umständen, daß die Verletzungen lediglich in mörderischer Absicht den Opfern beigebracht worden sind. Die eigenen Wunden des Angeklagten dagegen sind harmlose Schnittwunden gewesen, welche n'cht von dem vorgedachten stumpfen Instrument und nicht von dritter Hand.hergerührt haben konnten. Die Geschworenen sprachen den Angeklagten des neunfachen Morbrnr fuchs an seiner Ehefrau und feinen acht Kindern einstimmig schuldig, worauf er zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurtbeilt wurde Köln, 24. Nov Di' „Köln Ztg." enthält folgenden ©recfoiitf: „Der durch Erk.nntntß der correclionellen Kammer des hiesigen könrglichrn Landgerichtes vam 28. Juli d. I wegen unbefugter Vornahme geistlicher Amtshandlungen zu einer subsidiären Gefängntßstrase von dreißig Tagen oerurtheilte Doctor theologiae und vsrmUige Erz bffchof von Köln, Paulus Melcher, geboren zu Münster, zuletzt wohnhaft zu Köln, 64 Jahre alt, 1,70 Meter groß, mit blonden Haaren und Augenbrauen, freier Lr-rn, braunen Augen, etwas gebogener Nase, gewöhnlichem Mund, fp tzem Kinn, länglich m Gesicht, von blasser Gesichtsfarbe und schlanker Statur ist nicht zu ermitteln gew fen- Ich ersuche die Polizerbebörden, auf den rc. Melchers zu wachen, ihn im Betretu-.as- falle verhaften und mir vsrführen zu lassen. Köln, 14. Nov. 1877. Der Oberprocurator Crome — Ein für alle Dienstherrschaften zu beobachtender Fall hat sich, wie die,.Ger- Ztg." meldet, vor einigen Tagen vor einem Gericht in der Provinz abgespielt^ Bei einem Kaufmann diente ein Mädchen und l eß sich verschiedene Unredlichkeiten zu Schul- den kommen. Sie ward entlassen, ihr aber ins Zeugniß geschrieben, daß sie , nicht ehrlich" sei. Die vorige Herrschaft hatte ihr ein Zeugniß ausgestellt, daß sie „ehrlich und treu" sich gezeigt. Der Kaufmann erfahr aber, .daß die Herrschaft nur aus Mitleid und um datz Mädchen nicht am weiteren Fortkommen zu hindern, dies Zeugniß ausgestellt, in Wahrheit jedoch den Dienstboten wegen Unehrlichkeit entlass n hatt«. Auf eingereichte Klage ist die vorige Herrschaft verurtheilt worden, den dem Kauf manne -''gefügten Schaden zu ersetzen. Literarische — Vor unS liegt eine kleine Schrift, die recht geeignet erfcheint, die «ufmerk f am (eit der Leserwelt auf sich zu richten. Sicherlich sind einem Jeden die ausführlichen Festberichte der Zeitungen über die Kaisertage in Frankfurt noch in frischem Gedächt- i.i6, und ein jeder gute Deutsche hat sich ohne Zweifel damals im tiefsten Herzen gefreut, das greife, ehrwürdige Oberhaupt einer achtunggebietenden Nation, den Heldenkaiser des deutschen Reiches in die alte Krönunqsstadt am Main einziehen zu sehen, umjubelt von seinem begeisterten Volke und mit einer Fülle von Ehren überhäuft, wie sie reicher und glänzender wohl noch keinem Fürsten, soweit die deutsche Zunge reicht, ;u Thell geworden sind. Diese unvergeßlichen Kaisertage nun schildert uns das erwähnte Schrlftchen, dessen Titel wir hier folgen lassen: ,Wahrhaffllger vnd vollkommener Bericht, rote Ihrs Keyserliche Majestät Herr Wilhelm I erroeltcr Keyser der Lettischen die Stat Franckfurt an dem Mayn hetmsuchet vnd daselbst begrüßet warbt, ge- 'chehen off Donerstag, Freyiag vnd Samstag den XVIII. XIX. v. XX des MonathS OctrobriS des Jars rc-, eygentlich, grüntlich vnd vnterschidlich nach vorhyn selb eingenommenem Augenschein beschryben vnd verfasset von einem Doctorn der Phllo- s op hia." (Erschienen bei Johannes Alt in Frankfurt). Dieser „D o cto rn der Philo- so pHia" beschreibt hier in der kernfesten Sprache deS mittelalterlichen Chronik nsly'.", mit her seltsamen Orthographie jener Zelt, in einer unübertrefflichen Weise den vollständigen Verlauf deS Kaiserfestes. Uns will es scheinen, als habe der geschickte Verfasser einen recht glücklichen Griff gethan, baß er gerade diese Darstellungsweise wählte, die schon an und für sich recht lebhaft an des alten Reiches Herrlichkeit ernne t und uns beim Lesen unwillkürlich mannigfache Bilder aus längst verschwundenen Tagen vor die Seele führt. Der Verfasser hat seine gar nicht leichte Aufgabe vortrefflich gelost; er HU stets den richtigen Ausdruck getroffen und es daneben auch verstanden, das Ganze in das Gewand einer frischen heiteren Poesie zu kleiden, der die Würze eines feinen Witzes nicht fehlt, so baß de u'gewohnte Sprache und Schreibweise gar nickt ftörenb wirken. Das Eintreten be* Kaisers tn den Ballsaal schildert her Verfasser beispielsweise folgendermaßen: ,93fF ein mal geschah ein verstummen vnd warbt eine stille als in einer Kirchen vnd gyng eine gaffen vff mitten durch den sal, und fleschah ein neiflen vff beyden feitten al« der wlndt hinstreychet ober ein aherenfeld; alsbald bli.« die mufica vff, und in den sal tratt Ihro K. H." rc. Diese Probe wird genügen, um dem Leser emen Begriff von dem anziehenden Inhalt des Schrlftch-ns zu geben. Auch die äußere Ausstattung ist würdig und geschmackvoll, so daß wir schließlich wünschen dürfen, es mochte bei recht Vielen ein bleibendes Andenken werden an den glänzenden Besuch unseres siegreichen Kaiser« in »er alten Krönungsftadt am Main — Sehtrr*bericht. Mitgetheilt von dem Agenten de«^ Norddeutschen Lloyd ^©fu'bam^tVm *28- Ncwbr. Das Postdampfschiff Mosel, Capt. H. A. F. Neynaber, vom Norddeutschen Lltzvd in Bremen, welches am 17 November von New- York abgegangen war, ist beute 3 Uhr Nachmittags wohlbehalten hier angekomnvn und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Post und Ladung 5 Uhr Nachmittags die Reise nach Bremen fortgesetzt. Die Mosel überbringt 98 Pasta- c.i re und volle Vnbun- Irischbiicker in Gießen. Sonntag, ben 2. December. Ludwig Kroneberg in der Neustadt. Konrad Haas in der Wallthorstroße. Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde zu Gießen. Gottesdienst. Sonntag, ben 2. S)ecetnber. I. Advent. Morgens: Pfarrvicar Schöner. (Feier des heil. Abendmahles) Nachmittags: Pfarrer Schlosser. Am Vor- und Nachmittag wird eine Collekte für unsere Stadtkirche erhoben. Die Pfarrgeschäfte tn der Woche vom 2. bis 8. December besorgt Pfarrer Dr. Seel. Allgemeiner Knzeiger. 8 Preisen (5519 IWtein. Kleider-ttazar im Gasthaus „jur Ztadt Tassel", am Kirchenplah. 000000000005000000 ; Große Auswahl in Winterüberziehern neuester Fa^on, Laikrocke, [ complete Anzüge, Joppen, Hosen, Westen, 1 Scblafröcke, Knabenpaletots unv Knabenanzüge ’ empfiehlt in nur rein wollenen Stoffen zu sehr billigen c -2 A!t>* 1 Olli*, Vertreter der Firma G^. Koenig, vormals Audr Joe. Ilflrlnifliin, 6651) aus JTürnberg Spielwaaren-Lager für 10—50 4 Bazar und theurer. Verkaufslocal: Schäsergaste No 1, FRANKFURT a. M. Wkihnachiscommisslonen werden sogleich effeciuiri. 6674) Aechten Malaga in Originalflajchen und im Anbruch, sowie Tokayer in Vi und *,2 Flaschen empfiehlt (6674 (6g. Milh. Meidig. 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Decembcr 1877, Mittwoch ,, 5. u ff Donnerstag „ 6. u ff Samstag „ 8- ff ff Dienstag « 11 ff M Mittwoch „ 12. ff n Dorttierftag „ 13. ff ff Samstag „ 15 II ff Dienstag „ 18. 91 tf Mittwoch „ 19- ff II Donnerstag „ 20. ff II Samstag „ 22. ff ff Donnerstag „ 27. ff II Samstag „ 29. ff II sowie: Mittwoch den 2. Januar 1878, Donnerstag „ 3. ff ft Samstag „ 5. II ff Dienstag ,, 8. n ft Mittwoch „ 9. w V Donnerstag » w. ii tt Samstag „ 12. te II Dienstag „ 15 ff >/ Mittwoch ,, 16. II n Donnerstag „ 17. „ „ Samstag „ 19. „ „ Die Interessenten werden daher auf- gefordert, die Zahlungen an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vorzeigung der Schuldscheine sich zu legiti- mtren. Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Interessenten der Stadt Gießen, dagegen die übrigen Zahltage für die Auswärtigen bestimmt sind. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Welse nefannt machen zu lassen. Gießen, den 29. November 1877. Der Rechner der Spar- und Leihkasse: Kehr. Mobilien - Versteigerung. Dienstag bnt 4. und Mittwoch den 5. December und wenn nicht beendigt, die folgenden Tage, weide ich den größten Theil meiner Mobilien, bestehend aus: vollständigen Betten, Sopha's, Stühlen, Tischen, Kemoden, Kleider'chränken, Weißzeug, einer kleinen Nähmaschine, Schreibpult und sonstigen Haushaltungsgegenständen, an den Meistbietenden ve'stei'ern lassen. Eingang zum Hanse v. der Dreihausergasse aus. (6702 Aug. Balser Wttw., Mäusburg. Aeitgevotenes. HauSmacherleinen, dito für Betttücher w/4 und 12/<, Halbleinen, Tifchgebild, Handtücher, Bettzeug, Barchent, Drell, empfiehlt billigst >6711 ____L. W. Plank. Gothaer und frankfurter feine Flcischwaaren. Außer Gothaer Cerre- tatirurst. Gothaer l^e- berwurst3 Blasenschinken und Knackwürste, treffen jetzt wieder frische Frankfurter geräuch. Elratirurste jede Woche Dienstag und Freitag ein. (3789 J. A. Busch Söhne. Versteigerungen. Holz-Bersteigerung tm Gießener Stadtwalde. Montag den 3. December 1877, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde in den Districten Neuheege, Waldshute und Sau- Hütte nachverzeichnetes Holz versteigert werden: A. Brennholz: SÄeith. Prügelh. Stockh. Reish. Raummeter Wellen Nadel 201 542,7 137,1 6090 B. Bau, Werk- und Nutzholz: 385 Fichten- und Kiefern Nadelstämme mit 91,51 Festmtr. 396 F'chtenstangen mit 24,74 Festmtr. Die Zusammki kunft ist auf der Licher Straße an der ersten Schneiße. Gießen, den 27. November 1877. G oßherzogltche Bürgermeisterei Gießen. •66721 A. Bramm. Versteig eruugs-Anzeige. Montag den 3. December werden zu Gambach nachfolgende Maschinen, Werkzeuge 2C gegen gleich haare Zahlung aus der Hinterlassenschaft de« August Löffler dort versteigert: 5 Häckselmaschinen, 1 iegemühle, 3 Dickwurzmühlen, 3 Butterständer, 3 Hobelbänke, 2 Drehbänke, 1 Fliegenschrank, 1 Schleifstein, 1 S«Dnitzbank, sowie fämmtliche Werkzeuge für Schreiner, Maschinenbauer und Dreher, für Holz und Eisen, sehr,:ute Schnetdezeuge für Schmiede und Schreiner, 100 Feilen, 5 Satz Hobel, diverse Fa^onhobel, Schraubzwingen. Ob^ge Gegenstände können täglich, sowie ani Tage her Versteigerung, die präc.S lO^UHr beginnt, angesehen u.probirtrmrden. D'e Häckselmaschinen sind alle im Gange. Nähere Auskunft ertheilt Gombech bet Butzbach. Carl Löffler, 6664) Kaufmann. Als paffende Weihnachts-Geschenke ihr Kinder empfehle Wachspuppen mit und ohne Haar, in allen Größen, von 20 H an, dauerhafte Puppengestelle : Porcellan- und Wachs-Puppenköpfe, Arme, Beine, Schuhe und Strümpfe. 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