18VS Dienstag, den 29. Mai Mo. ISO AnMk- uni AmtsilM für lei Kreis Gießen *>■ IM, lt führen und empfejlki i-1 Lari Jockel Carl Fendt em \i Paris, 25. Mai. Der Handels-Minister Vicomte de Meaux hat in einem gestern an den General-Commissar der Welt-Ausstellung, Senator Krantz, erlaflenen Schreiben den Besuch des Präsidenten der Republik aus dem Ausstellungs-Platze angekündigt. In dem Schreiben heißt es: es sei notwendig, die großen Interessen der Arbeit und des Friedens zu ermuthigen gegenüber den Jntriguen Derer, welche das Werk der Ausstellung zu Gunsten politischer Leidenschaften zu compromittiren suchten. Nachmittags erschien Mac Mahon in Begleitung des Ministers der öffentlichen Arbeiten in Paris auf dem Ausstellungs-Platze mit Einschluß des Tracadero und wurde daselbst vom General- Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Zweiter Abschnitt. Das Verfahren in Gesindesachen. Artikel 26. Das Verfahren in Gesindesachen, d. h. in solchen Streitigkeiten zwischen Dienstherrschaften und Dienstboten, welche Antritt, Fortsetzung und Aufhebung des Dienstverbältn'sses, sowie die gegenseitigen Leistungen und die nach Maßgabe der Artikel 19, 21 und 22 zu gewährenden, in ihrem Betrage zum Voraus festgesetzten Entschädigungen betreffen, richtet sich nach den Bestimmungen der folgenden Artikel: a. In den Provinzen Starkenburg und Oberhessen. Artikel 27. Die Klagen der Dienstherrschaften oder Dienstboten sind schriftlich oder mündlich zu Protokoll zu erheben. _ Für Klagen auf Feststellung des Bestehens oder Nichtsbestehens eines Dienstvertrages, auf Erfüllung oder Aushebung eines solchen, sowie auf Entschädigung wegen Nichterfüllung oder nicht gehöriger Erfüllung ist auch das Gericht des Orts zuständig, an welchem der Vertrag von dem Beklagten zu erfüllen ist. Das Gericht hat innerhalb vterundzwanzig Stunden nach Erhebung der Klage einen möglichst nahen Termin, spätenstens innerhalb drei Tagen, zur Verhandlung anzuberaumen. Zu diesem Termin sind die Parteien zu laden, der Beklagte unter abschriftlicher Msttheilung der Klage so zeitig, daß zwischen der Zustellung der Klage und inm Verhandlungstermine eine Frist von vier und zwanzig Stunden frei bleibt. In der Ladung ist den Parteien für den Fall des Ausbleibens im Termine der Rechtsnachtheil der Abweisung der Klage, beziehungsweise des anzunehmenden Zugeständnisses der in der Klage behaupteten Thatfachen und des Ausschlusses mit Einreden auzudrohen. Auch ist den Parteien die Auflage zu machen, alle zum Beweise ihres Vorbringens dienlichen Beweismittel in dem Termine zur Stelle zu bringen. Der Termin kann nur unter der Voraussetzung, daß ein unabwendbares Hinder- nnß bescheinigt wird, auf weitere vierundzwanzig Stunden erstreckt werden. (Fortsetzung folgt.) Darmstadt, 26. Mai. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Erscheint täglich mit Ausnahme be5 Montags Expeditionr Schulstraße, Lit. B. Nr. 18. interbliebeneii. n. m (»“00 Wannten nrgtfjlifyv Aalte, Hesterreich. Wien, 25. Mai. Dem „Tageblatt" zufolge wären die in Konstantinopel stattgehabten Demonstrationen durch die Kammer selbst veranlaßt worden, weil ihr vor Kurzem ausgedrückter Wunsch bezüglich eines Minister-Wechsels und der Verhängung der Anklage über Mehemed Damat Pascha und den Kriegs-Minister Redif Pascha, sowie hinsichtlich der Zurückberufung von Midhat Pascha unberücksichtigt geblieben sei. Der Beschluß wegen Veranstaltung der Demonstration sei in einer Moschee gefaßt. Man befürchte, die Softas würden trotz des Belagerungs-Zustandes den Sultan und die Regierung zu stürzen suchen. Wien, 25. Mai. Dem „Tageblatt" zufolge hätte der Sultan in Folge der drohenden Demonstration der Softas seine Wohnung auf der asiatischen Seite des Bosporus genommen. Viele Christen verließen eiligst die Stadt Konstantinopel. Wien, 26. Mai. Von amtlicher Seite werden die Gerüchte bezüglich einer österreichischen Secundo-Genitur in den Balkan-Ländern für erfunden erklärt. Wien, 26. Mai. Aus Belgrad wird gemeldet: Die serbischen Behörden haben ein Verbot gegen den Uebertritt serbischer Freiwilligen nach Rumänien erlaffen. Pesth, 16. Mai. Der Bank-Ausschuß des Reichstages hat gestern die Bank-Vorlage der Regierung als Basis der Special-Debatte angenommen. Die Deputation zur Berathung über die Quoten wird am 29. Mai in Wien die erste meritorische Sitzung abhalten. Arankreich. fflWI Leiden sanft ent- Deutschland. Darmstadt, 18. Mai. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 24 hat folgenden Inhalt: I. Gesetz, die Gesinde-Ordnung betreffend. (Fortsetzung). ir , .. Artikel 20. Wenn ein Dienstbote durch Vorspiegelung unwahrer Thatfachen bte Dienstherrschaft zur Genehmigung seines vorzeitigen DienstauStrules bestimmt hat, so finden die in Art. 19 über den unbefugten Dtenstaustritt enthaltenen Bestimmungen Anwendung. _ . Artikel 21. Wird ein Dtenstbote von der Dienstherrschaft vertragswidrig nicht im Dienst angenommen oder vor Ablauf der Dienstzeit entlassen, so kann er entweder gerichtliche Klage aus Erfüllung des Vertrages erheben oder das Einschreiten der Orts- potizeibehörde gegen die Dtenttyerr schaff in Anspruch nehmen. Im letzteren Falle hat die Ortspolizeibehörde die Dienstherrschaft zur Annahme, beziehuiigswelfe Wiederaufnahme m den Dienst innerhalb vterundzwanzig Stunden unter Ai'drohung einer auf Antrag des Dienstboten vom Strafrichter zu erkennenden, tui NichtzahlungSfalle in Haft zu verwandelnden Geldstrafe von zehn bis vierzig Maik aufzufordern. , r r„„ . a m Der Dtenstbote ist indessen berechtigt, wenn er weder auf Erfüllung des Vertrages gerichtliche Klage erheben, noch das Einschreiten der Ortspolizeibehörde in Anspruch nehmen will, oder wenn letzteres ohne Erfolg stattgefunden hat, daS empfangene Mrethgeld zu behalten und, statt oer Erfüllung des Vertrages, außer dem Lohne fü' nbrerbiente Zeit, von der Dienstherrschaft eine Entschädigung zu verlangen, welche sich auf die Hälfte des ausbedungenen Vterteljahreslohnes beläuft, ohne daß eS in solchem Falle einer gerichtlichen Auflösung des Vertrages, einer Verzugfetzung oder eines Be- w.ises des Eintrittes und Betrages oes Schadens bedarf. Der Anspruch auf Entschädigung ist in gleicher Weise begründet, wenn der Dtenstbote aus Verschulden der Dienstherrschaft in Gemäßheit des Art. 16 seinen Austritt nimmt- , Wenn Dienstboten für landwirthschastliche Geschäfte in der Zett vom Oktober bis einschließlich Februar vertragswidrig oder unbefugter Weise öoh der Dienstherrschaft nicht angenommen oder entlassen werden, oder aus Verschulden der Dienflherr- fchast in Gemäßheil detz Art. 16 ihren Austritt nehmen, so erhöht sich die von den Tier stherrfchaften zu leistende Entschädigung auf den vierten Theil deS Jahreslohnes. Den Dienstboten bleibt es vorbehalten, in den Fällen dieses Artikels einen bi) i)et en Schadensersatz gerichtlich geltend zu machen. Ai tikel 22. Bet dem auf eine kürzere Zeit als auf ein Vierteljahr gem etheten Gesinde beläuft sich die Entschädigung auf den Betrag des LohneS für die Halste der 1 Artikel 23. Der Dienstherrschaft steht zur Sicherung ihrer Entschädigungs- fordttungen gegen die Dienstboten an der in ihre Wohnung eingebrachten Habe der- ielben, mit Ausnahme der zum täglichen Gebrauche unentbehrlichen Kleidungsstücke, cm Zu'ückoehaltungsrecht zu. Das Zurückbehaltungsrecht erlischt, wenn die Dienstherrschaft nicht innerhalb sechs Tagen ihre EntswädigungSklage gegen den Dienstboten bei dem zuständigen Nich lcr anhängig macht ooer nicht innerhalb acht Tagen nach Einwirkung eines rechtS- krüftigen, obsiegenden UrtheilS die Exekution beantragt. Artikel 24. Wab nach Ablauf der Aufkündigungsfrist durch den Tod der Dienst- herrfchaft die Haushaltung aufgelöst, so sind bte Erben, wenn der Dtenstbote keine Gelegenheit ftnder, in einen anderen Dienst einzutreten, verpflichtet, dem Dienstboten, welcher auf ein Vierteljahr oder auf längere Zeit gemiethel war, den Lohn für daS oigende Quartal auszubezahlen. , rn Stirbt ein Dienftbste, so können die Erben den Lohn nur für die Zeit bis zum Eintritte der durch bte Erkrankung veranlaßten Dienstunfähigkeit fordern. Artikel 25. Alle Forderungen aus dem Gesindedienstoertrage, sowie alle Ansprüche auf Schadenersatz auf Grund dieses Gesetzes verjähren in Einem Jahre. Ludewigsordens zu verleihen; an dems. Tage den Kreisrath des Kreises Büdingen, Emil Kekul6, zum Kreisrath des Kreises Oppenheim, und den Kreisaffeffor bei dem Kreisamte Friedberg, Alfred Klietsch, zum Kreisrathe des Kreises Büdingen zu ernennen. Berlin, 25. Mai. Bei der heutigen Verhandlung in dem Proceffe gegen v. Diest-Daber, welcher der Beleidigung des Reichskanzlers beschuldigt ist, wurde nach lange dauernder Zeugen-Vernehmung und ausführlichen Plai- dsyers der Angeklagte der wiederholten Beleidigung schuldig erachtet und zu dreimonatlicher Gefängnißstrafe nebst den Kosten des Verfahrens verurtheilt. Berlin, 26. Mai. Bei Verhandlungen zwischen Rußland und Oesterreich in Betreff der gegenseitigen Jntereffe-Gebiete wurde schließlich die Morawa- Linie als Grenze der Kriegs-Operationen angenommen. Rußland gestand in einem Uebereinkommen über die Gebiets-Aendernngen beim Friedensschluß freie Donau Schifffahrt und Neutralisirung der Donau-Mündungen zu. Der „Daily Telegraph" meldet, daß die Cernirung Erzerums drohe. Der englische Militär- Bevollmächtigte befürchtet, daß die Festung nicht lange haltbar sei. Berlin, 26. Mai. Der Kaiser hat die auf den 9. Juni anberaumt gewesene Abreise nach Ems aufgeschoben. Er beabsichtigt noch den bevorstehenden Cavallerie-Uebungen bei Berlin und Potsdam beizuwohnen. Weitere Bestimmungen über die Emser Reise sind Vorbehalten. — Heute Nachmittag 4 Uhr ertheilte der Kaiser dem russischen Botschafter v. Oubril Privat-Audienz. — Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet, der Kaiser habe den von dem Cnltus-Minister" gebilligten Vorschlägen des Präsidenten des Ober-Kirchenralhs Herrmann entsprochen und den General - Superinter,deuten Brückner zum Vice- Präsidenten, sowie den Ober - Consistorial-Rath Schmidt in Staffel und den Ober-Gerichtsrats Braun in Celle zu Mitgliedern des Ober-Kirchenraths ernannt. Gleichzeitig seien zu Cousinortal-Prästdenten der Appellationsgerichts- Äirecror Hering in Münst-r, der Ober-Regiernngsrath v. d. Gröben in Bonn und der Consistorialrath Snethlage in Coblenz ernannt. Posen, 26. Mai. Das Kreisgericht verurtheilte den vormaligen Erzbischof Grafen Ledochowski wegen des Vergebens gegen den sogenannten Kanzel- Parsgraphen und wegen Beleidigung des Reichskanzlers zu einer Gefängnißstrafe von einem Jahre und zur Publication des Urtheils im „Reichs-Anzeiger" und im „Kurier Poznanski". Ledochowski wurde ferner wegen unbefugter Vornahme amtlicher Handlungen und Aneignung des Titels Erzbischof von Posen und Gnesen zu 3000 ' Mark Geldbuße, eventuell siebenmonatlichem Gefängniß verurtheilt. Sticken be^ lise Will, »etraKAjW »eige. ’trr hier 'getreten ist und ersch geschenkte Zutrauen ar I lieben; Br..! d(irbeitef\ K) ä'Ccn'k» ZrschästlM inUA alllergnädigsi geruht: Am 20. Mai den Kreisrath des Kreises Oppenheim, Karl Schmidt, auf , ,, - .. _ . , „ fein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen, treuen und ersprieß- Commiffar, dem Polizei-Präfecten und dem Seine-Präfecten empfangen. Der luchen Dienste bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in den Ruhestand Marschall erklärte, sein Besuch sei durch die Gerüchte von der angeblichen Ver- ga versetzen, sowie demselben bei diesem Anlaß das Ritterkreuz erster Klasse des tagung der Ausstellung veranlaßt. Er lege Gewicht darauf, zu versichern, daß >«*“' ! ■ - tf Li - io6*h 1 ’ y\ * V ■ । y £? die Ausstellung stattfinden und am 1. Mai 1878 eröffnet werden solle. — Dem „Temps" zufolge hätte der Präsident der Republik einen Brief des Königs von Italien erhalten, der ein durchaus vertrauensvolles sympathisches Gepräge trage. Paris, 26. Mai. Marschall Mac Mahon sagte in Erwiderung auf eine Ansprache des Maire von Comptözne: Ich ergreife die Gelegenheit, Allen und insbesondere Denjenigen, die arbeiten, zu sagen, daß der politische Act, der sich soeben vollzogen hat, sie sicherer machen, sie beruhigen soll. Derselbe hat keinen anderen Zweck, als meiner Regierung die Kraft wiederzugeben, deren sie bedarf um die Thätigkeit im Innern und den Frieden nach Außen zu sichern. Sie können künftig auf diese Wohlthaten zählen. Frankreich wird sich in keine auswärtige Verwicklung mischen. Niemand m Europa zweifelt an meinem Worte, davon empfange ich täglich Versicherungen. England London, 26. Mai. „Times", „Daily Telegraph" und „Daily News" finden die Besorgniffe Bismarck's, welche durch die in Frankreich sich abspinnenden klerikal-monarchischen Jntriguen hervorgerusen werden, gerechtfertigt. Der „Daily Telegraph" dementirt bestimmt, daß England Vorschläge wegen einer Demarcations-Linie gemacht habe oder annehmen würde. — Die Herzogin v. Edinburgh hat ihre Reise nach Coburg angetreten. Belgien. Brüssel, 25. Mai. In der Deputirten-Kammer erklärte der Finanz- Minister, die neue Zucker-Convention sei zwar so weit gefördert worden, um demnächst unterzeichnet zu werden; die bevorstehende Zucker-Campagne werde aber noch den bisherigen Bestimmungen und Tarifen unterworfen sein. Italien Rom, 26. Mai. Der Widerstand des päpstlichen Stuhles auch Deutsch- l and gegenüber ist wieder durch die Wendung in Frankreich bestärkt worden. Man erklärt jegliche Transactton unmöglich. So lange die deutsche Regierung sich die Regelung der kirchlichen Angelegenheiten in canonischen und kirchlichen Materien anmaße und weil die confessionellen Gesetze die Negation der Bestim mungen der Concilien seien. Man gedenkt noch entschiedener einen Kampf zu führen und die bisher klugerweise unterlaffenen Schritte einzuleiren; die hier versammelten Bischöfe theilen diese Ansicht. Türkei. Konstantinopel, 24. Mai. Eine Deputation der Softas begab sich in die Deputirten-Kammer und verlangte die Entlassung der Minister. Die Debatte darüber wurde so stürmisch, daß der Präsident sich genöthigt sah, die Sitzung auszuheben. Die Sofias begaben sich daraus in das Palais des Sultans. , , — In der Deputirten-Kammer hoben mehrere Deputirte die Schwierigkeit der Situation hervor und erklärten es für unbedingt nothwendig, einige durch Fähigkeiten bekannte Männer zu Ministern zu ernennen. Die „Agence Havas" meldet: In Folge der Kundgebung der Softas ist über Konstantinopel und dessen Weichbild der Belagerungs-Zustand verhängt worden. Der diesbezügliche Erlaß verbietet das Waffentragen, ordnet Haussuchungen behufs Hab- haftwerdung der Waffen an, ermächtigt die Behörden, verdächtige Individuen ohne yrtheil zu verbannen und untersagt alle Zusammenrottungen. — Die Hammelsteuer ist zur Deckung der Kriegs-Auslagen verdoppelt worden. Für die private telegraphische Correspondenz in der inneren Türkei und nach Europa ist nur die türkische Sprache gestattet. — Die „Agence Havas" meldet über die Kundgebung der Softas noch weiter: Zweitausend Softas rotteten sich heute vor dem G'bäude der Deputirten-Kammer zusammen. Nachdem der Präsident der Kammer Delegirten derselben Einlaß gewährt hatte, um ihr Begehren darzulegen, erschienen fünf Softas aus Ardaban in der Kammer, welche die durch den Verlust Ardahans hervorgerufene Erregung schilderten und die Ergreifung von Maßregeln zur Verhütung weiterer Niederlagen forderten. Nachdem darauf der Präsident erklärt hatte, die Deputirten hätten in diesem Betreff bereits ihre Schuldigkeit gethan, zogen sich die Softas zurück. Bald darauf wurde die Sitzung aufgehoben. Der Präsident begab sich zum Großvezir, und dieser alsbald zum Sultan. Wie versichert wird, bliebe das Ministerium im Amte. Konstantinopel, 25. Mai Die Regierung veröffentlicht über die gestrigen Vorgänge in der Kammer Folgendes: In Folge der durch den Fall von Ardahan entstandenes! Beunruhigung erschien eine Deputation von aus der Provinz Ardahan stammenden Bewohnern Konstantinopels in der Kammer. Dieselbe erklärte ihre Bereitwilligkeit zu allen Opfern und ließ es sich angelegen sein, die ernstliche Aufmerksamkeit der Kammer auf die Lage der klein- asiatischen Armee zu lenken. Aus der Mitte der Kammer wurde der Deputation begreiflich gemacht, daß die Regierung nichts vernachlässige; die Armee sei der Gegenstand der größten Sorgfalt des Sultans. Der beste Dienst für das Vaterland sei jetzt, volles Vertrauen in die Hingebung und Selbstverleugnung der Regierung und der Vertreter der Nation zu zeigen. Darauf zog die Deputation mit den zahlreichen Volksmassen, die sich bis zu den Saal-Thüren ihr angeschlossen hatten, wieder ab unter dem Rufe: „Es lebe der Sultan!" Konstantinopel, 26. Mai. Die fremden Botschafter hielten gestern eine gemeinsame Couferenz über die politische Lage ab. Mit Rücksicht auf die Capitulationen ist ein Belagerungs-Zustand wahrscheinlich. In Folge der wachsenden Bewegung wurde die Berufung von Kriegsschiffen angeregt. Mehrere Minister haben ihre Entlassung gegeben. Die Deputirten-Kammer hat sich an der (Softa-) Bewegung betheiligt und verlangt die Rückkehr Midhat Paschas. Konstantinopel, 26. Mai. Gestern hatte der britische Botschafter Layard beim Sultan Audienz, um ihm den neuen britischen Militär-Attache Dickson vorzustellen. — Der Kriegs-Minister hat den Bey von Tunis telegraphisch aufgefordert, sein Truppen-Contingent zur Unterstützung der Pforte abzusenden. Rumänien Bukarest, 25. Mai. Die „Agence Havas" meldet von hier: Einem von der Regierung vorgelegten Gesetz.Entwurf zufolge wird die Einführung von Staats-Papiergeld und der Verkauf der Domanialgüter beabsichtigt. Ferner sollen 30 Mill. Lei in auf Inhaber lautenden Schatzbonds aufgebracht werden, die in Stücken bis zum Minimal-Betrage von 5 Lei emittirt werden sollen. Diese Bonds können zum Nominal-Betrage für den Ankauf von Doma- nialgütern, die zur Garantie für die Emission dienen, verwendet werden. Bukarest, 26. Mai. Der Czar hat beschlossen, den Fürsten Milan in Plojeschti zu empfangen. Der orientalische Krieg. Konstantinopel, 24. Mai. Amtliche Meldung. Ardahan, das Seitens der Russen bombardirt wurde, ist von den Türken Angesichts der 10 Bataillone betragenden Uebermacht der Russen geräumt worden. Die Garnison Ardahans zog in der Stärke von 10 Bataillonen ab. Ihr Verlust an Todten betrug 150 Mann; ebensoviel Verwundete wurden zurückgelassen. Petersburg, 25. Mai. Ein Telegramm des Großfürsten Nicolaus meldet, daß der Kampf bei Oltenitza fortgesetzt und die Befestigungen des Feindes Tuturkai beschossen werden. In Folge heftiger Regengüsse seien die Flüsse ui reißende Ströme verwandelt, durch welche die Brücken bedroht würden. — Ein Telegramm von der Kaukasus-Armee, d. d. 24 Mai, bestätigt die Landung von sieben bemannten türkischen Schiffen bei Cap Ardler; die dort ausgeschifften Mannschaften seien zumeist ehemalige Auswanderer aus dem Kaukasus. Dasselbe Telegramm berichtet über ein erfolgreiches Treffen eines russischen Detachements mit den Türken bei Sukhum-Kale. Tiflis, 25. Mai. Gestern ging nach vorhergegangenem Tedeum der Zug mit dem Hauptquartier nach Alexandropol ab. Die Abreise des Oberst- Commandirenden Großfürsten Michael wird in einigen Tagen erfolgen. London, 26. Mai. „Reuter's Bureau" meldet aus Erzerum vom 23. d. Mts.: Mukhtar Pascha operirte neuerdings gegen Tzakir-Babaka. Die Colonne des russischen linken Flügels, welche in der Richtung auf Wan vorge- rückt war, hatte zwei Scharmützel mit türkischen irregulären Truppen in der Gegend von Argische. Die Türken zogen sich von Karakilissa auf Toprak Kala zurück. Bei Erzerum findet eine große Concentrirung der türkischen Truppe» statt. Am 23. Mai begannen die Russen die Forts Tahmaz und Karadagh, zwei Außenwerke von Kars, zu bombardiren. Aus Erzerum vom 24. d. Mts. meldet „Reuter's Bureau" : Die Russen haben gestern Kars angegriffen. Das Feuer von beiden Seiten war sehr heftig und dauerte noch Abends fort. Das Resultat des Kampfes ist noch unbekannt. Bukarest, 26. Mai. Die Russen haben in der vergangenen Nacht 3 Uhr vermittelst Torpedo-Schaluppen den größten türkischen Monitor in die Lust gesprengt. Athen, 26. Mai. Griechenland hat in Steyr 30,000 Gras-Gewehre, lieferbar bis August, bestellt. Petersburg, 26. Mai. Vom asiatischen Kriegsschauplätze find folgende Nachrichten eingelaufen: Bajazit. Dem Fürsten Schuwaloff ist es gelungen , einen Kurdenstamm zum Gehorsam zu bringen Die Unterwerfung eines andern wird erwartet. — Karakilissa. Die Türken haben bedeutende Verstärkungen erhalten und beabsichtigen, die Offensive zu ergreifen. — Sugdidi Oberfllieutenant Polikowsky, welcher vom General Krawtschenko nach den Höhen von Jakor gesendet war, um dort Herumflreifende Abchasier-Banden zu zerstreuen, brachte diesen in einem bedeutenden Gefechte große Verluste bei. Petersburg, 26 Mai. Die „Agence Russe" bezeichnet die Zeitungs- Meldungen, daß Rußland die Karpathen-Pässe zu besetzen beabsichtige, als völlig unbegründet; diese Gerüchte zielten nur daraus ab, die ausgezeichneten Beziehungen zwischen Oesterreich und Rußland zu trüben. Petersburg, 26. Mai. Der „Regierungsbote" veröffentlicht einen kaiserlichen Ukas, betreffend die internationalen Vorschriften während des Kriegs. Danach sind die in Rußland wohnenden Türken berechtigt, unter dem Schutze des Gesetzes ihre Gewerbe weiter zu betreiben. Türkische Schiffe dürfen russische Häfen nach Landungsfrist frei verlassen. Den Untertbanen neutraler Staaten und dem neutralen Handel wird nach Möglichkeit Schutz gewähr,. Die Kaperei ist verboten. Neutrale Flagge deckt feindliche Maaren, ausgenommen Kriegs-Contrebande. Neutrale Maare bleibt auch unter feindlicher Flagge unangefochten Die Blokade muß eine effective, Handel und Schifffahrt der Neutralen auf der Donau möglichst frei sein. Die Militärbehörden schütz n die Arbeiten und das Personal der Donau-Commission. Die Bestimmungen der Genfer Convention, die Unverletzlichkeit des Abzeichens, welches die Türken statt des rolhen Kreuzes annehmen, sind zu respectiren. Die Petersburger Declaration, betreffend den Nichtgebrauch von Explosions-Geschossen und die Beschlüsse der Brüsseler Conferenz von 1874 sind zu beachten. SctilflHberAcht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd C. W. Dietz in G i e ß e n. Newyork, 25. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Das PostbarnpssLll Main, Capt. G. Reichmann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welches am 12. Mat von Bremen und am 15. Mat von Southampton abgegangen war, ist heute 2 Uhr Nachm. wohlbehalten hier angekommen. Handel und Verkehr. Frankfurt, 26. Mat. Der heutige Heu-u. Stroh-Markt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität per Centner X 4.50—6.—, Stroh per Gentner X 4 bis 5. Butter im Großhandel das Pfund 1. Qualität X 1.30, 2. Qual. X 1.20, im Kleinhandel 1. Qual. X 1 50—60, 2. Qual. X 1.40. Gier, gewöhnliche, bad Hundert x 4.20—40, italienische X 5 50. Spargel das Pfd. 60-70 Kartoffeln 100 Kilo- 0rCmm ringen Die Untmch^ Türken haben (Mutt e zu ergreifen. - LM. awtffynlo nach bvi Wil ufterfBanben ji/ ^rflreuu. 'dufte bei. 11 bezeichnet die ßeitun^ ,eu beabMge, (A8 oöQi: , Ut ausWchmten K !K. £boteu verössenllicht «w lüften während des IhiM eechiigt, unter bem Türkische Schiffe * Den Untertbonen W Möglichkeit Schutz F feindliche Maaren. »leibt auch imhr fe* rwe, Handel und SW Die Militärbehörden IM $c«. Di-B-DZ ,.^ens, welches die Ä- Di- V* :plortonä=®e(d>oiien w jii tl Di, P-jid°M iltpröbl jj.,5 ent 13 * inSrcm«. ®el7p 6,utl i- ■gangen w«1- *•?* «** Um hk» , gut # '-if0««**100 0—7Ü a |»[ sich n $ ?S%Ä Allgemeiner Anzeiger. Berlin-Coblenzer Eisenbahn. Strecke Nordbausen-Wetzlar. Abtheilung I« 2987) Die Herstellung von 13 Stück massiven Bahnwärter fcilben der Strecke Wetzlar-Lollar incl. Lieferung der dazu erforderlichen Materialien soll im Wege der öffentlichen Submission vergeben werden. .Zu diesem Zwecke ist Termin im Kiesigen Abtheilungsbureau aus Montag den 11. Juni er., Vormittags 11 Uhr, ^nberaumt, woselbst die bis dahin eingegangeneu Offerten in Gegenwart der erschienenen Submittenten geöffnet werden. — Zeichnungen und Bedingungen können Hierselbst eingesehen, letztere auch gegen Erstattung der Copialien bezogen werden. Die Offerte darf sich nur auf die Gesammt-Ausführung beziehen. Wetzlar, den 25. Mai 1877. Der Abtheilungs-Baumeister: Kluge. Versteigerungen. Grassamen- Versteinerung im Forst Grünberg. Freitag den 8. Juni d. Z., Vormittags 10 Uhr, rvird die diesjährige Grassamen-Erndte in den Domanialwaldungen der Oberförste- ueten Homberg, Hainbach, Nieder - Ohmen, Grünberg und Sckiffenberg im Rathhaus- ßaale dahier versteigert. Zugleich kommt die Grassamen-Erndte hi einigen Gemeindewaldungen, sowie in den Gräflichen Waldungen dec Gräflichen Oberförsterei Laubach und in den Frei- bcrrlich von Rabenauischen Gesammtwal- dungen zum Ausgebot. Grünberg, den 24. Mai 1877. Großherzogliches Forstamt Grünberg. __________Haberkorn.______(2989 Holzverfteigerung. Donnerstag den 31. Mai d. I., von Vormittags 9 Uhr an, s-oll im Ann er öder Gemeindewald, District Köpfeln, nachverzeichnetes Holz Versteigert werden: 24 Rmtr. Nadel-Scheidholz, 176 „ „ Prügelholz, 80 „ „ Stockholz, 5200 Wellen „ Reisholz, 2 Nadelstämme mit 1,19 Kbm., 32 „ stangen „ 1,65 „ Dw Zusammenkunft ist auf der Grünberger Straße am Einschnitt nach Annerod. Gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft wirb Zahlungsfrist bis Martini d. I. gestattet. Annerod, am 24. Mai 1877. Großh. Bürgermeisterei Annerod. 2933) Engelhardt. Dienstag den 26. Juni, Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Ortsgericht die Hof- raithe des Johann Friedrich Simon als Flur V332 31 Meter Hofratthe in der Katharinengasse Meistbietend versteigert werden. Gießen, den 12. Mai 1877. (2739 Großherzogliches Ortsgericht Gießen. __Müller.__________ Dienstag den 29. Mai, Morgens 10'/2 Uhr, imerden in der Neustadt nn dem Metzger'schen .»Zause Thüren", Herde, Fenster, Oefen, 1 Pumpen flock, 1 Waschkefsel und sonst verschiedenes Gehölz, meistbietend gegen baare Zahlung versteigert. 2982) Ph. Grösser. 2992) Nochmaligen Verkauf meines Wohnhauses habe ich auf Donnerstag den 31. Mat d. I., Nachmittags nach 5 Uhr, im meiner Wohnung anberaumt. Fronhausen, den 28. Mat 1877. Heinrich Wolf. 1 Aeilgebolenes. 2994) Die GraSerndte eines großen Gartens und ein Rest Futterkartoffeln zu verkaufen bei__________Dr. Weber. Frischen Salm im Schnitt, Seezungen, Sauerkraut, per Pfd. 16 bet Abnahme von 15 Pfd. Täglich Maikräuter, empfiehlt 2998)___________________H. Kurth. Frankfurter Maye n b i ff er. Specialität von Bähr L Dönges, Frankfurt a. M., Fabrik französischer, holländischer und italie- nischer Liqueure. Dieser angenehme, bttterschmeckcnde Kräu- ter-Liqueur, aus einem Extract von Vege- tabilten vorthetlhaft und für den Genuß zusagend zusammengestellt, hat sich in kurzer Zeit wegen sctner magenstärkenden, die Verdauung unterstützenden und erwärmen den Wirkung einer sehr guten und gewürdigten Ausnahme, auch in höheren Kreisen, zu erfreuen. 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Gin junger Arzt 4um Stellvertreter vom 20. Juni bis 20. Juli gesucht. Nach dieser Zeit kann demselben eine Stelle mit 3tau|end Mark Gehalt nachgewiesen werden. Adressen sind unter Chiffre C. 3488 an die Annoncen- Expedition von Rudolf Mosne in Frankfurt a. H. einzusenden. (2986 Erdarbeiter können 100 Mann gegen guten Lohn dauernde Beschäftigung finden bei Bau- mtternehmer Krausgrill in Moselkern und Hatzenport an der Mosel bei Coblenz. Gießen, den 23. Mai 1877. 2912)__________________Krausgrill. Gefunden wurde am 3. Mai in der Frankfurter Straße eine schwere Peitsche; der Eigen- thümer kann sich in der Exped. d. Bltts. melden. (2995